[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Festlegung eines Einstellparameterwerts
einer Biegepresse gemäß dem Oberbegriff des Anspruches 1.
[0002] Ein grundlegendes Problem bei allen Umformverfahren ist die Rückfederung des Werkstückes
am Ende des Umformvorganges durch den elastischen Anteil der Verformung eines elasto-plastischen
Materials. Beim Freibiegen von Werkstücken, in den meisten Fällen Blechplatinen, auf
Abkant-Biegepressen zwischen einem Stempel und einer Matrize mit einem V-Gesenk muss
das Werkstück über den nach Entlastung zu erzielenden Soll-Biegewinkel hinaus verformt
werden, da nach Wegfall der Umformkraft sich der Biegewinkel am Werkstück durch die
Rückfederung gegenüber dem gepressten Zustand verändert.
[0003] Dem Vorteil dieses Biegeverfahrens, durch unterschiedliche Eintauchtiefen eines Biegestempels
oder unterschiedliche Biegekräfte mit einem einzigen Werkzeugsatz unterschiedliche
Biegewinkel erzielen zu können, steht der Nachteil gegenüber, dass die Winkelgenauigkeit
von vielen verschiedenen Einflussfaktoren abhängig ist. Dies sind zum einen werkstückbedingte
Einflüsse bzw. Kenngrößen, wie z.B. Blechdicke, Streck- bzw. Dehngrenze, Zugfestigkeit,
Gleichmaßdehnung, Elastizitätsmodul, Verfestigungsexponent, Walzrichtung, usw., aber
auch verfahrensbedingte bzw. maschinenbedingte Einflüsse, wie z.B. Matrizenweite,
Einlaufradius, Stempelradius, Prägekraft, Maschinenverformungen, Umformgeschwindigkeit
usw. Insbesondere die Werkstückeigenschaften unterliegen herstellungsbedingt relativ
großen Schwankungen, die sich unmittelbar auf den erzielbaren Biegewinkel auswirken.
[0004] Eine zusätzliche Erschwernis beim Freibiegeverfahren besteht darin, dass eine zu
starke Umformung, d.h. ein zu spitzer Biegewinkel unbedingt vermieden werden muss,
da eine Korrektur durch Zurückbiegen im Allgemeinen nicht möglich ist. Bei der Einstellung
des Biegewinkels nähert man sich in der Praxis meistens vorsichtig an den Sollbiegewinkel
an, indem die Umformung vorerst in einem geringeren Ausmaß durchgeführt wird, d.h.
durch ein weniger tiefes Eintauchen des Stempels in die Matrize oder niedrig gewählte
Biegekraft ein eher stumpfer Biegewinkel eingestellt wird, nach dem Öffnen der Biegewerkzeuge
der tatsächlich erreichte Biegewinkel gemessen wird und anschließend, falls erforderlich,
ein Nachbiegevorgang mit tieferem Eintauchen des Stempels in die Matrize oder höherer
Biegekraft durchgeführt wird. Die dabei nötige Nachjustierung der Maschineneinstellparameter
beruht dabei in vielen Fällen auf Erfahrung der Bediener, die den Korrekturwert für
die Einstellung des unteren Totpunkts der Stempelbewegung oder die aufzubringende
Biegekraft aufgrund der gemessenen Abweichung vom Sollwinkel abschätzen und manuell
einstellen, oder in der Maschinensteuerung programmierte Korrekturwerte für das Nachbiegen
verwendet werden. Da aus dem ersten Biegevorgang bereits Informationen über das Umformverhalten
des Werkstückes vorliegen, reicht in den meisten Fällen ein einmaliges Nachbiegen
zur Erzielung des geforderten Biegewinkels aus.
[0005] Um Nachbiegevorgänge möglichst zu vermeiden, indem der geforderte Soll-Biegewinkel
bereits beim ersten Biegevorgang erreicht wird, wird deshalb versucht, möglichst viele
Informationen über die Werkstückeigenschaften bei der Festlegung des Einstellwertes
der Biegemaschine einfließen zu lassen.
[0006] EP 1 401 593 B1 beschreibt ein Verfahren zur Regelung des Hubs einer Abkantpresse, bei dem die Dickendifferenz
zwischen der realen Dicke eines Werkstücks und der Nenndicke eines Werkstücks berechnet
wird, indem die reale Position der Bewegung des Stempels, in der es zu einer vorbestimmten
Veränderung eines Parameters, z.B. des Drucks an den Presszylindern kommt, mit der
theoretischen Position der genannten Bewegung verglichen wird, in der es zu dieser
Veränderung des Parameters kommen sollte. Weiters werden dabei während des Biegevorgangs
von einer elektronischen Steuervorrichtung die Messwerte der Bewegung des Stempels
und des Parameters, z.B. des Drucks der Presszylinder, während der Phase der plastischen
Verformung des gerade gebogenen Werkstücks verarbeitet. Diese Messdaten werden noch
während des Biegevorganges mit den Daten eines Referenzbiegevorganges, bei dem der
Soll-Biegewinkel erzielt wurde, verglichen und bei Abweichungen von der elektronischen
Steuervorrichtung ein Korrekturwert für den unteren Totpunkt der Bewegung des Stempels
berechnet. Durch die gleichzeitige Messung der Stempelbewegung sowie des mit der Biegekraft
korrelierenden Drucks am Pressenzylinder und des daraus abgeleiteten Umformkraft-Umformweg-Verlaufes
kann einerseits die Dicke des Werkstückes, als auch das elastische Verhalten (E-Modul)
des Werkstücks ermittelt werden und die Einstellwerte der Presse gegebenenfalls korrigiert
werden. Nachteilig bei diesem Verfahren ist, dass die Ermittlung des Umformkraft-Umformweg-Verlaufs,
z.B. durch Schwingungen im Antriebssystem des Pressbalkens oder nicht vorhersehbare
Slip-Stick-Effekte zwischen Presswerkzeug und Werkstück mit Unsicherheiten behaftet
ist und zur Durchführung der erforderlichen Messungen eine Senkung der Pressbalkengeschwindigkeit
erforderlich ist.
[0007] Aus der
DE 37 81 887 T2 ist ein elektronisches Steuersystem für eine Abkantpresse bekannt, das ebenfalls
die Position des Pressstempels misst sowie die auf das Werkstück wirkende Kraft abtastet,
daraus Abweichungen gegenüber einem durch Messungen anhand von gebogenen Testwerkstücken
gebildeten Modell erkennen kann und gegebenenfalls Korrekturwerte für die Stempelbewegung
festlegt. Die Steuerung arbeitet dabei adaptiv, indem es an Testwerkstücken ermittelte
Daten über Umformkraftverlauf, Werkstückdicke sowie bei bestimmten Einstellwerten
erzielten Biegewinkel zueinander in Beziehung setzt und anschließend bei Produktionswerkstücken
nach Ermittlung des Umformkraftverlaufs und der Werkstückdicke den zur Erzielung eines
bestimmten Sollbiegewinkels erforderlichen unteren Totpunkt der Stempelbewegung errechnet.
Auch bei diesem Verfahren ist die Ermittlung des Umformkraft-Umformweg-Verlaufs aus
den gleichen Gründen mit Unsicherheit behaftet, was wiederum zu Abweichungen des tatsächlichen
Biegewinkels vom Sollwert führt.
[0008] Aus dem Bereich der Materialprüfung ist bekannt, mittels magnet-induktiven Wirbelstromprüfverfahren
zerstörungsfrei Materialfehler aber auch mechanisch-technologische Materialkennwerte
an leitfähigen, insbesondere metallischen Werkstücken zu prüfen. Der Bestimmung von
Materialkennwerten liegen dabei experimentell ermittelte Korrelationen zwischen elektromagnetischen
und mechanisch-technologischen Eigenschaften der Werkstücke zugrunde. Aus
WO 2004/101193 ist eine Federwindemaschine bekannt, bei der eine Messgröße, die von einem vor dem
Drahtumformer angeordneten Messsensor einer Messvorrichtung erfasst wird, die Drahtumformanlage
beeinflussen kann, um die Geometrie produzierter Federn in einem vorgegebenen Sollbereich
zu halten. In einer Ausführungsform umfasst die Messvorrichtung Mittel zum Erfassen
von Messgrößen, die durch Induktions- oder Wirbelströme beeinflussbar sind.
[0009] In dem Research Disclosure "Adaptive Korrektur beim Umformen" (Database Number 471002)
wird über ein Verfahren zur Anpassung der Parameter eines Umformprozesses an die aktuellen
Eigenschaften des Ausgangsmaterials berichtet, bei dem mit Hilfe eines Wirbelstrom-/Induktionsmessverfahrens
die Umformbarkeit bzw. das Umformverhalten des Ausgangsmaterials ermittelt wird. Dabei
werden ebenfalls Korrelationen zwischen elektromagnetischen und mechanisch-technologischen
Eigenschaften des Ausgangsmaterials benutzt. So wird beispielsweise mit einem Wirbelstrom-/Induktionsmessgerät
das Ausgangsmaterial geprüft und der Messwert in ein Modell, das die Abhängigkeit
zwischen den Mess- und Einstellwerten des Umformprozesses beschreibt, eingelesen.
Das Modell liefert dann die für die aktuell ermittelte Umformbarkeit des Ausgangsmaterials
passenden Einstellwerte, die an eine Maschinensteuerung weitergeleitet und an einer
Umformmaschine automatisch eingestellt werden. Dieses Verfahren ist beispielsweise
auch für das Biegen von Blech oder Blechstreifen einsetzbar.
[0010] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Biegeverfahren bereitzustellen, das eine besonders
hohe Biegewinkelgenauigkeit erzielen kann, indem Schwankungen in den Eigenschaften
des Ausgangsmaterials festgestellt und beim Biegevorgang berücksichtigt werden und
das gegebenenfalls auch auf bestehenden Anlagen mit nur geringen baulichen Maßnahmen
nachträglich eingeführt werden kann.
[0011] Diese Aufgabe der Erfindung wird durch ein Verfahren mit den Maßnahmen des Anspruchs
1 gelöst. Der wesentliche Vorteil dabei ist, dass nach der, zur Ermittlung von Werkstückeigenschaften
und darauf basierender Festlegung des Einstellparameterwerts durchgeführten Wirbelstrommessung
am Werkstück die mittels des Modells des Biegevorgangs durchgeführte Abschätzung des
Umformverhaltens des Werkstücks durch eine konkrete Messung des Ist-Werts der Zielgröße
auf ihre Richtigkeit nachgeprüft wird. Die Aussagekraft bzw. die Gültigkeit des zur
Festlegung des Einstellparameters verwendeten Modells kann dadurch überwacht werden
und falls erforderlich verfeinert oder korrigiert werden. Dies ist insbesondere von
Vorteil, wenn das Modell des Biegevorgangs noch in der Phase der Erstellung ist und
die Anwendung ohne die Messung der Zielgröße in der Produktion noch zu unsichere Einstellparameterwerte
für die Biegemaschine liefert.
[0012] Nach längerer Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens besitzt das Modell eine
hohe Prognosegenauigkeit und die damit festgelegten Einstellparameterwerte ergeben
Ist-Werte der Zielgröße, die sehr nahe am Sollwert liegen. In diesem sozusagen ausgereiften
Stadium des Modells kann die Anzahl der Messungen der Ist-Werte der Zielgröße reduziert
werden und können insbesondere die Werkstücke allein aufgrund der mit dem Modell für
das jeweilige Werkstück ermittelten Einstellparameterwerte mit hoher Genauigkeit gebogen
werden. Bei dieser Festlegung des Einstellparameterwerts zur Erreichung des Sollwerts
der Zielgröße z.B. des gewünschten Biegewinkels, ohne Messung des Ist-Werts erfolgt
die endgültige Festlegung des Einstellparameterwerts bereits vor dem eigentlichen
Biegevorgang, wodurch dieser mit der vollen Geschwindigkeit und ohne Unterbrechung
durchgeführt werden kann. Die Erfindung nutzt die Erkenntnis, dass die über die Wirbelstrommessung
zugänglichen elektromagnetischen Eigenschaften eines Werkstückes mit geometrischen
und/oder mechanisch technologischen Werkstückeigenschaften, wie z.B. Blechdicke, Streck-
bzw. Dehngrenze, Zugfestigkeit, Gleichmaßdehnung, Elastizitätsmodul, Verfestigungsexponent
oder Walzrichtung des Werkstücks korrelieren und die elektromagnetischen Eigenschaften
daher als Kenngröße des Werkstücks für eine Festlegung eines Einstellparameterwertes
für einen Biegevorgang verwendet werden können. Aus einer Abweichung des Messergebnisses
der Wirbelstrommessung von einem Nennwert kann auf eine entsprechende Abweichung einer
mechanischen Kenngröße von einem Nennwert geschlossen werden und dadurch der Einstellparameterwert
gegenüber einem Nenneinstellwert korrigiert werden.
[0013] Die Messung des Ist-Werts der Zielgröße, beispielsweise des Biegewinkels, wird nach
einer Entlastung des Werkstücks vor dem vollständigen Abschluss des Biegevorgangs,
also bei einer Zwischenentlastung durchgeführt werden Beispielsweise kann bei einem
Sollwert des Biegewinkels von 90° der Biegevorgang bei einem Biegewinkel von etwa
100° (stumpfer Winkel) unterbrochen werden und nach der Rücknahme der vom Biegestempel
auf das Werkstück ausgeübten Biegekraft, also im entlasteten Zustand, der Ist-Wert
des bisher erzielten Biegewinkels gemessen und mit dem vor der Entlastung wirksamen
Einstellparameterwert, z.B. der Eintauchtiefe des Biegestempels sowie dem Messwert
der Wirbelstrommessung zu einer Wertegruppe verknüpft werden. Ergibt die Messung einen
Biegewinkel von 102° statt der erwarteten 100° heißt das, dass die tatsächliche Umformbarkeit
des Werkstücks kleiner ist als die für die Ermittlung des Einstellparameterwerts herangezogenen
Kenngrößen erwarten ließen.
[0014] Als mögliche Einstellparameter für den Biegevorgang sind an dieser Stelle beispielsweise
der Hub oder die Eintauchtiefe eines Biegestempels, der maximale Hydraulikdruck in
den Pressenzylindern, eine maximale aufgebrachte Biegekraft, Umformkraft oder Presskraft
und ein Durchbiegungsausgleichsparameter also ein Korrekturwert für die Bombierung
des Unterwerkzeugs zum Ausgleich der Durchbiegung des Pressbalkens genannt, wobei
das Verfahren nicht auf die Festlegung eines einzigen dieser Einstellparameter beschränkt
ist, sondern auch gleichzeitig mehrere sowie auch andere Einstellparameterwerte festgelegt
werden können.
[0015] Die Messung des Ist-Werts der Zielgröße kann mit einer automatischen Messeinrichtung
an der Biegepresse durchgeführt werden, beispielsweise mit einer in den Biegestempel
integrierten Winkelmesseinrichtung ähnlich einem Innenmesstaster. Der Zeitbedarf für
die Durchführung der Messung kann dadurch möglichst gering gehalten werden, da das
Werkstück zur Messung nicht aus der Biegepresse entnommen werden muss.
[0016] Die Information aus der Messung der Zielgröße kann nun dazu benutzt werden, den Einstellparameterwert
neu festzulegen, z.B. in der Art, dass der Messwert der Steuervorrichtung zugeführt
wird und der Biegevorgang mit korrigierten Einstellungen fortgesetzt wird, wobei die
Abweichung des Werkstücks von der ursprünglich angenommenen, durch Nennwerte der Werkstückkenngrößen
charakterisierten Nenn-Umformbarkeit berücksichtigt wird, um den Ist-Wert der Zielgröße
sehr nahe an den Sollwert anzunähern. Es kann also basierend auf dem nach der Entlastung
des Werkstücks gemessenen Ist-Wert der Zielgröße, der Wert des Einstellparameterwerts
für die Fortsetzung des Biegevorgangs von der Steuervorrichtung neu festgelegt werden
und dadurch eine Inline-Korrektur des Einstellparameterwerts erfolgen.
[0017] Ein Merkmal des Verfahrens besteht darin, dass basierend auf dem nach der Entlastung
des Werkstücks gemessenen Ist-Wert der Zielgröße und dem eine Kenngröße des Werkstücks
repräsentierenden Messwert der Wirbelstrommessung sowie dem unmittelbar vor der Entlastung
wirkenden Einstellparameterwert das Modell des Biegevorgangs adaptiert wird. Die im
Modell enthaltenen Zusammenhänge aus Wert des Einstellparameters, Kenngröße des Werkstücks
aus der Wirbelstrommessung und jeweils dadurch bewirktem Wert der Zielgröße werden
quasi um den am aktuellen Werkstück ermittelten Zusammenhang ergänzt, das Modell dadurch
einem Lernvorgang unterzogen und somit mit jedem gefertigten Werkstück weiter verbessert
und gewissermaßen trainiert.
[0018] Dazu ist es von Vorteil, wenn der am Werkstück gemessene Ist-Wert der Zielgröße,
der Messwert der Wirbelstrommessung, gegebenenfalls weitere vorbekannte oder ermittelte
Kenngröße des Werkstücks sowie der unmittelbar vor der Entlastung wirkende Einstellparameterwert
in der Steuervorrichtung im Form eines Datensatzes gespeichert werden. Das Modell
des Biegevorgangs ist aus den Informationen der einzelnen Datensätze zusammengesetzt
und kann als Datenbank vorliegen, oder aber auch mittels analytischer Methoden in
eine Berechnungsvorschrift, die den Zusammenhang zwischen Ergebnis der Wirbelstrommessung,
Einstellparameterwert, gegebenenfalls weiteren bekannten Kenngrößen des Werkstücks
und Wert der Zielgröße abbildet, übergeführt sein.
[0019] Das Modell des Biegevorgangs in der Steuervorrichtung kann durch eine mehrere Datensätzen
umfassende Wertetabelle oder Datenbank gebildet sein und als Look-Up-Tabelle dienen,
mittels derer der Einstellparameterwert im Wesentlichen durch Aufsuchen und Auswerten
von Datensätzen, die ähnliche Werte wie beim aktuellen Werkstück aufweisen, festgelegt
wird.
[0020] Die Wertetabelle kann neben oder anstatt von Datensätzen aus an konkreten Werkstücken
verwendeten Einstellparameterwerten und gemessenen Zielgrößen-Werten auch Datensätze
umfassen, die mit numerischen Verfahren, insbesondere Simulationsrechnung, Finite-Elemente-Methoden,
Regressionsrechnung oder Interpolationsrechnung erstellt wurden. So kann das Modell
mit wenigen gemessenen Werkstücken aufgebaut werden und der Aufwand zur Erstellung
des Modells verringert werden.
[0021] Ein ähnliches, nicht erfindungsgemäßes und an dieser Stelle zum verbesserten Verständnis
beschriebenes Verfahren besteht darin, dass aus dem Messwert der Wirbelstrommessung
ein Schätzwert einer Kenngröße des Werkstücks abgeleitet wird und dieser Schätzwert
von der Steuervorrichtung bei der Festlegung des Einstellparameterwerts benutzt wird.
Es kann also das Ergebnis der Wirbelstrommessung auch zur indirekten Ermittlung weiterer
Kenngrößen des Werkstücks herangezogen werden, die bei der Festlegung des Einstellparameterwerts
benutzt werden. Beispielsweise kann das Ergebnis der Wirbelstrommessung zur Abschätzung
einer mechanischen Kenngröße wie z.B. der Streck- oder Dehngrenze herangezogen werden,
welche als Kenngröße des Werkstücks von der Steuervorrichtung zur Festlegung des Einstellparameterwerts
verwendet wird, wie es von Steuervorrichtungen konventioneller Biegemaschinen mit
Nennwerten - beispielsweise Lieferantenangaben - der Werkstückkenngrößen standardmäßig
durchgeführt wird. Die Ermittlung dieses Schätzwerts beruht auf einem Modell der Werkstoffeigenschaften,
das eine Korrelation zwischen dem Messergebnis der Wirbelstrommessung und mechanisch-technologischen
Kenngrößen des Werkstücks enthält, die z.B. aus Versuchsreihen der Materialprüfung
stammen, bei denen die Ergebnisse der zerstörungsfreien Wirbelstrommessung mit Ergebnissen
zerstörender Prüfungsverfahren von mechanischen Werkstoffeigenschaften in Zusammenhang
gebracht werden. Das Modell kann dabei vorteilhaft als Berechnungsvorschrift oder
Look-Up-Tabelle in einem Speicher der Steuervorrichtung enthalten sein und die Auswertung
des Wirbelstrommesswerts als Schätzwert einer mechanischen Kenngröße ebenfalls von
dieser ausgeführt werden.
[0022] Eine Weiterbildung des vorgenannten Verfahrens besteht darin, dass der Schätzwert
mit einem Nennwert derselben Kenngröße des Werkstücks verknüpft wird, insbesondere
daraus ein gewichteter Mittelwert gebildet wird, und als Kenngröße zur Festlegung
des Einstellparameterwerts verwendet wird. Als Nennwert der Materialkenngröße seien
an dieser Stelle beispielsweise die Dicke als geometrische Kenngröße des Werkstücks
oder die Proportionalitätsgrenze Rp0,2 als mechanisch-technologische Kenngröße des
Werkstücks genannt. Während sich geometrische Kenngrößen wie die Dicke noch mit überschaubarem
Aufwand messtechnisch ermitteln lassen, ist die direkte Ermittlung von mechanisch-technologischen
Werkstückkennwerten an einem konkreten Werkstück entweder gar nicht oder nur mit unverhältnismäßig
hohem Aufwand möglich, weshalb als Werkstückkenngröße für die Festlegung eines Einstellparameterwerts
für einen Biegevorgang zumeist die von einem Lieferanten bekannt gegebenen Nennwerte
verwendet werden, wobei diese immer als mit Unsicherheit behaftete Kenngrößen zu betrachten
sind, die konkreten Werte einzelner Werkstücke deshalb beträchtlich davon abweichen
können. Durch die Kombination des aus dem Ergebnis der Wirbelstrommessung abgeleiteten
Schätzwerts mit dem Nennwert der Kenngröße kann gewissermaßen die Information über
das Werkstück aus zwei verschiedenen Quellen herangezogen werden und der tatsächliche
Wert der Kenngröße zumindest statistisch betrachtet genauer angegeben werden.
[0023] Eine mittels einer Wirbelstrommessung ermittelte mechanische Kenngröße eines Werkstücks
kann weiters als Kenngröße eines Werkstücks für die Steuerung einer beliebigen Biegepresse
verwendet werden, darüber hinaus auch noch für nachfolgende Bearbeitungsschritte auf
anderen Bearbeitungsmaschinen, bei denen diese Kenngröße maßgeblichen Einfluss besitzt,
verwendet werden. Der Zusammenhang zwischen Ergebnissen von Wirbelstrommessungen und
den mechanischen Kenngrößen kann z.B. auch durch Wirbelstrommessungen und daran anschließende
zerstörende oder zerstörungsfreie Materialprüfung an Probewerkstücken ermittelt werden.
[0024] Durch die Bildung eines gewichteten Mittelwerts kann jeder der beiden mit gewisser
Unsicherheit behafteten Werte - Schätzwert oder Nennwert der Kenngröße - mit einer,
insbesondere zwischen 0 und 1 frei wählbaren Wertigkeit in die Berechnung eingehen,
je nachdem, welchem Wert höhere Aussagekraft zugemessen wird. So kann beispielsweise
bei Werkstücken mit bekanntermaßen geringen Materialschwankungen dem Nennwert mit
0,75 ein höheres Gewicht bei der Bildung des Mittelwerts gegeben werden, als dem aus
der Wirbelstrommessung ermittelten Schätzwert mit 0,25.
[0025] Ein ähnliches, nicht erfindungsgemäßes und an dieser Stelle zum verbesserten Verständnis
beschriebenes Verfahren besteht darin, dass während des Biegevorgangs ein Verlauf
einer Biegekraft oder eines mit dieser in direktem Zusammenhang stehenden Biegekraftparameters,
beispielsweise des im Pressbalkenantrieb wirkenden Hydraulikdrucks, erfasst und der
Steuervorrichtung zugeführt wird, wobei die Biegekraft, der Biegekraftparameter oder
ein aus dem Verlauf ermittelter Rechenwert einer mechanischen Kenngröße des Werkstücks,
ausgewählt aus einer Gruppe umfassend Streckgrenze, Proportionalitätsgrenze, Bruchdehnung,
Gleichmaßdehnung, Elastizitätsmodul als Kenngröße zur neuerlichen Festlegung des Einstellparameterwerts
vor Beendigung des Biegevorganges verwendet wird. Durch diese Messung des Biegekraftverlaufs
kann eine Information über die Umformbarkeit des Werkstücks abgeleitet und aufgrund
der zusätzlich in die Neufestlegung des Einstellparameterwerts eingehenden Information
über das Umformverhalten der Ist-Wert der Zielgröße besser an den Sollwert angenähert
werden. Für die rechnerische Ermittlung der mechanisch-technologischen Kenngröße aus
einem Umformkraftverlauf gibt es im Stand der Technik Lösungen, mit denen Abweichungen
der Materialeigenschaften von angegebenen Nennwerten gut festgestellt werden können
und deshalb für eine In-Line-Korrektur des Einstellparameterwerts herangezogen werden
können.
[0026] Die jeweils gemessene Biegekraft kann beispielsweise direkt ohne Berechnung von mechanisch-technologischen
Kenngrößen des Werkstücks dazu verwendet werden, einen oder mehrere basierend auf
dem Messwert der Wirbelstrommessung festgelegte Einstellparameterwerte zu korrigieren,
etwa bei der Festlegung eines Durchbiegungsparameterwerts der dazu benutzt wird, die
Krümmung des Unterwerkzeugs bzw. des feststehenden Pressbalkens an die bei einer jeweils
ausgeübten Biegekraft auftretende Durchbiegung des beweglichen Pressbalkens anzupassen.
Die Verformung kann dabei angepasst werden, indem beim feststehenden Pressbalken aktiv
seine Krümmung verändert wird, z. B. durch Verstellung von zusammenwirkenden Keilelementen
in Aufbau des feststehenden Pressbalkens oder durch Veränderung der Biegesteifigkeit
des feststehenden Pressbalkens, beispielsweise durch Schwächungsschlitze, deren wirksame
Länge durch verstellbare Druckstücke veränderbar ist.
[0027] Der Umformweg, im Fall einer Abkant-Biegepresse der Weg des Biegestempels ab dem
Kontaktieren des noch ungebogenen Werkstücks bzw. die Eintauchtiefe, wird vorzugsweise
mittels Wegaufnehmern im Bereich der Verstelleinrichtung für den beweglichen Balken
abgenommen; die Umformkraft bzw. Biegekraft kann mittels Kraftmessdosen und Berücksichtigung
des Eigengewichts von Pressbalken und Presswerkzeugen direkt gemessen, oder über einen
im Verstellantrieb wirkenden Hydraulikdruck oder eine bei einem elektrischen Pressbalkenantrieb
festgestellte Leistungsaufnahme indirekt ermittelt werden.
[0028] Eine weitere Variante dieses Verfahrens besteht darin, dass der aus dem Verlauf der
Biegekraft ermittelte Rechenwert der mechanischen Kenngröße mit einem aus dem Messwert
der Wirbelstrommessung abgeleiteten Schätzwert derselben mechanischen Kenngröße des
Werkstücks verknüpft wird, insbesondere daraus ein gewichteter Mittelwert gebildet
wird und als korrigierte Kenngröße zur neuerlichen Festlegung des Einstellparameterwerts
vor Beendigung des Biegevorganges verwendet wird, um wieder eine Form von Inline-Korrektur
durchzuführen, wodurch die Zielgröße besser an den Sollwert angenähert wird
[0029] Die Ermittlung des Schätzwerts beruht, wie bereits zuvor beschrieben, auf einem Modell
der Werkstoffeigenschaften, das eine Korrelation zwischen dem Messergebnis der Wirbelstrommessung
und mechanisch-technologischen Kenngrößen des Werkstücks enthält, die z.B. aus Versuchsreihen
der Materialprüfung stammen. Ähnlich wie zuvor zur Ermittlung des Einstellparameterwerts
der aus der Wirbelstrommessung abgeleitete Schätzwert der Werkstückkenngröße und ein
Nennwert derselben Werkstückkenngröße verknüpft wurden, wird in dieser Verfahrensvariante
der Rechenwert der Werkstückkenngröße mit dem Schätzwert der Werkstückkenngröße verknüpft,
um den Einstellparameterwert festzulegen. Die Steuervorrichtung kann die Verknüpfung
insbesondere durch einen gewichteten Mittelwert berechnen, wobei je nach Wahl der
Gewichte die Aussagekraft der Wirbelstrommessung oder der Umformkraftmessung höher
bewertet werden kann.
[0030] Insbesondere können die Gewichtungsfaktoren jeweils Werte zwischen Null und Eins
annehmen, d.h. die Ermittlung des Einstellparameterwerts kann im Extremfall auch zur
Gänze von einem der beiden Werte abhängen. Im Allgemeinen wird jedoch eine gleichwertige
Gewichtung mit jeweils 0,5 bei der Bildung des gewichteten Mittelwerts vorteilhaft
sein.
[0031] Weiters kann, wenn die Messung der Biegekraft genau und zuverlässig erfolgt, der
aus dem Verlauf der Biegekraft ermittelte Rechenwert der mechanischen Kenngröße mit
dem Messwert der Wirbelstrommessung verknüpft werden, und das Modell der Werkstückeigenschaften
um dieses Wertepaar ergänzt und dadurch adaptiert werden, wodurch auch die Aussagekraft
der auf der Wirbelstrommessung basierenden Schätzwerte der mechanischen Kenngröße
verbessert wird. Diese Beeinflussung des Zusammenhangs kann für jeweils einen einzelnen
Biegevorgang wirksam sein, es kann jedoch der Zusammenhang auch dauerhaft adaptiert
werden und das Verfahren dadurch auch selbstlernend ausgeführt werden, wenn mit jedem
gebogenen Werkstück das Ergebnis einer Wirbelstrommessung und der Einstellparameterwert
mit dem tatsächlichen, gemessenen Wert der der Zielgröße verknüpft wird. Dies kann
z.B. dadurch erfolgen, dass der an einem Werkstück tatsächlich erzielte Biegewinkel
nach Abschluss des Biegvorganges gemessen und den Messergebnissen der Wirbelstrommessung
bzw. den Einstellparameterwerten dieses Werkstückes hinzugefügt wird.
[0032] Zusätzlich kann das Modell des Umformvorgangs weiter verfeinert werden, wenn der
aus dem Verlauf der Biegekraft ermittelte Schätzwert der mechanischen Kenngröße und
der am selben Werkstück ermittelte Messwert der Wirbelstrommessung in der Steuervorrichtung
im Form eines Datensatzes gespeichert wird, insbesondere einer, Datensätze von anderen
Werkstücken enthaltenden, das Modell des Biegevorganges bildenden Wertetabelle oder
Datenbank hinzugefügt wird. So kann mit jedem gebogenen und gleichzeitig gemessenen
Werkstück das auf einer Korrelation zwischen Wirbelstrommessung und Werkstückeigenschaften
basierende Biegemodell weiter verbessert werden.
[0033] Auf diese Weise kann die aus dem Umformkraftverlauf während des Biegevorgangs errechnete
mechanische Kenngröße den zur Festlegung des Einstellparameterwerts benutzten Zusammenhang
zwischen Ergebnis der Wirbelstrommessung und dem Wert der Zielgröße am Werkstücks
- das Modell des Biegevorganges - beeinflussen bzw. adaptieren. Beispielsweise kann
der an Probewerkstücken ermittelte Zusammenhang zwischen Ergebnissen der Wirbelstrommessung
und mittels Methoden der Materialprüfung gemessenen Streckgrenzen bzw. Dehngrenzen
durch Wertepaare aus Wirbelstrommessungen und aus Biegekraftverläufen während Biegevorgängen
errechneten Streckgrenzen bzw. Dehngrenzen ergänzt werden. Durch diese zusätzlichen
Wertepaare steigt statistisch die Aussagekraft des zuvor ermittelten Zusammenhangs
und damit auch die Güte der Einstellparameterwerte.
[0034] Eine vorteilhafte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens besteht gemäß einem
weiteren Anspruch darin, dass zumindest eine Kenngröße des Werkstücks ausgewählt aus
einer Gruppe umfassend Werkstückdicke, Gewicht oder Werkstückfläche durch eine Messung
vor oder während des Biegevorgangs ermittelt und der Steuervorrichtung zugeführt wird
und bei der Festlegung des Einstellparameterwerts benutzt wird. Da beispielsweise
die Dicke des Werkstücks ebenso wie mechanisch-technologischen Materialkennwerte direkten
Einfluss auf die Zielgröße z.B. den Biegewinkel hat, ist es von Vorteil, Abweichungen
von der Nenndicke vor oder während des Biegevorgangs zu erfassen und bei der Festlegung
des Einstellparameterwerts zu berücksichtigen. Als Verfahren für die Dickenmessung
können alle dem Fachmann bekannten Messmethoden unter Verwendung von berührenden oder
berührungslosen Messverfahren, die unabhängig von der Biegepresse aber auch innerhalb
der Biegepresse oder während des Biegevorganges ausführt werden können, angewendet
werden. Zur Minimierung des Messaufwandes kann dabei die Dickenmessung auf jene Abschnitte
des Werkstücks beschränkt bleiben, die beim Biegevorgang mechanisch beansprucht werden.
Abhängig von den Einstellmöglichkeiten der Biegepresse können pro Werkstück auch mehrere
Dickenmessungen erfolgen, und wenn es die Biegepresse ermöglicht, über die Werkstückbreite
mehrere, gegebenenfalls unterschiedliche Einstellparameterwerte festgelegt werden.
[0035] Eine zweckmäßige Durchführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens besteht nach
einem anderen Anspruch darin, dass die Wirbelstrommessung weitgehend auf Zonen im
Werkstück beschränkt wird, die beim Biegevorgang verformt werden. Dies kann durch
Auswahl von Erregereinheiten und mehreren Sensoreinheiten bewerkstelligt werden, die
eine hohe lokale Messpunktauflösung aufweisen, und die entlang einer Geraden angeordnet
sind. Dadurch kann die Messung im Wesentlichen auf die Umformzone beschränkt werden
und somit genauere Einstellparameterwerte bestimmt werden.
[0036] Besonders vorteilhaft ist, wenn die Wirbelstrommessung gemäß einem weiteren Anspruch
mit zumindest zwei unterschiedlichen, insbesondere zumindest zehn unterschiedlichen
Erregerfrequenzen des elektromagnetischen Wechselfelds durchgeführt wird. Da das vom
Werkstück beeinflusste elektromagnetische Wechselfeld und damit auch die Rückwirkung
auf die Sensoreinheit stark von der Erregerfrequenz des elektromagnetischen Wechselfelds
abhängig ist und sich abhängig von den Gefügeeigenschaften und damit auch den mechanisch
technologischen Eigenschaften des Werkstücks bei unterschiedlichen Erregerfrequenzen
für jede Materialart eine typische elektromagnetische Rückwirkung auf die Sensoreinheit
ergibt, lässt sich der Zusammenhang zwischen Ergebnissen der Wirbelstrommessung und
mechanischen Kenngrößen des Werkstücks bei Anwendung von mehreren Erregerfrequenzen
genauer ermitteln. Durch Anwendung von zumindest zehn, vorzugsweise zwanzig bis dreißig
verschiedenen Erregerfrequenzen kann ein breites Frequenzspektrum abgedeckt werden
und die Schätzwerte für die mechanische Kenngröße und somit auch die Genauigkeit des
erzielten Biegewinkels verbessert werden. Darüber hinaus kann zur Wirbelstrommessung
auch eine sehr hohe Anzahl von Erregerfrequenzen benutzt werden, beispielsweise auch
indem die Erregerfrequenz kontinuierlich von einer Minimalfrequenz zu einer Maximalfrequenz
verändert wird, also ein Frequenzbereich durchfahren wird, wobei sich ebenfalls für
jede Materialausprägung ein typisches Messergebnis ergibt, das mit der interessierenden
Kenngröße des Werkstücks in Zusammenhang gebracht werden kann. Die Wirbelstrommessung
wird beispielsweise derart durchgeführt, dass die Sensoreinheit eine Sensorspule umfasst
und bei der Wirbelstrommessung, die durch die Rückwirkung des Werkstücks verursachte
Veränderung der Impedanz der Sensorspule ermittelt wird. Dazu wird der in der Sensorspule
fließende Strom nach Amplitude und Phase gemessen, wobei aus der Veränderung dieser
Werte durch die Annäherung des zu messenden Werkstücks an die Sensorspule, auf die
elektromagnetischen Eigenschaften des Materials des Werkstückes rückgeschlossen werden
kann. Da die elektromagnetische Rückwirkung des Werkstücks auch auf die Erregereinheit
wirkt, ist es auch möglich, dass die Erregereinheit gleichzeitig als Sensoreinheit
wirkt d.h. die Sensorspule durch eine Erregerspule selbst gebildet ist.
[0037] Eine andere vorteilhafte Durchführung der erfindungsgemäßen Verfahren besteht darin,
dass als Zielgröße eine nach dem Biegevorgang erzielte geometrische Kenngröße am Werkstück
ausgewählt aus einer Gruppe umfassend Biegewinkel, Schenkellänge, Krümmungsradius
an der Biegezone, Parallelität bzw. Bombierung des Werkstücks verwendet wird. Dadurch
werden die Ergebnisse der Wirbelstrommessungen direkt mit der Zielgröße des Biegeverfahrens
in Beziehung gebracht, wodurch ermöglicht wird, dass bei gegenüber vorhergehenden
Biegevorgängen identischen Einstell- und Parameterwerten für Werkstück und Biegepresse
der zur Erreichung eines bestimmten Sollwerts einer Zielgröße erforderliche Einstellparameterwert
alleine anhand den Ergebnissen der Wirbelstrommessung festgelegt werden kann. Zur
Erhöhung der Genauigkeit des Ergebnisses ist es jedoch von Vorteil auch andere Einflussgrößen,
insbesondere die Werkstückdicke bei der Festlegung des Einstellparameterwerts mit
zu berücksichtigen.
[0038] Eine günstige Variante des Verfahrens besteht darin, dass der Zusammenhang zwischen
Wirbelstrommessung und der Zielgröße des Werkstücks - das Modell des Biegevorganges
- mit Hilfe von Regressionsrechnung und/oder Korrelationsrechnung aus Ergebnissen
von vorangegangenen Wirbelstrommessungen an mehreren Werkstücken und am jeweiligen
Werkstück gemessenen Werten der Zielgröße hergestellt wird. Mit Hilfe dieser Rechenverfahren
kann auch eine große Anzahl von Messergebnissen zusammengefasst und z.B. in eine Berechnungsvorschrift
für den Einstellparameterwert eingearbeitet werden. Die Durchführung dieser Rechenverfahren
ist mit den an heutigen Biegemaschinen eingesetzten elektronischen Steuervorrichtungen
problemlos möglich.
[0039] Eine weitere vorteilhafte Durchführung des Verfahrens ist dadurch gegeben, dass gemäß
zweier weiterer Ansprüche der im Modell des Biegevorganges abgebildete Zusammenhang
mit Hilfe eines neuronalen Netzes, insbesondere unter Anwendung eines Back-Propagation-Prozesses
aus Ergebnissen einer Abfolge von Biegevorgängen hergestellt wird. Mit Hilfe eines
neuronalen Netzes können nichtlineare, mehrparametrige Zusammenhänge, wie sie bei
einem Biegeprozess wirksam sind, in einem selbstlernenden Modell abgebildet werden,
das auch in der Lage ist, Abweichungen einzelner Werkstückkenngrößen bei der Bestimmung
des Einstellparameterwertes zu berücksichtigen, ohne dass die physikalischen Zusammenhänge
zwischen den einzelnen Werkstückkenngrößen formelmäßig oder als Berechnungsvorschrift
dem Berechnungssystem vorgegeben werden müssen. Alternativ oder zusätzlich zu einem
neuronalen Netz, kann die Festlegung des Einstellparameterwertes auch mit Hilfe einer
Fuzzy-Logic-Regelung erfolgen, die zu Abweichungen in den Kenngrößen des Werkstücks
gegenüber den Werten bei einem oder mehreren Biegevorgängen an Probestücken die erforderlichen
Korrekturen bei der Festlegung des Einstellparameterwerts festlegen kann.
[0040] Zweckmäßig kann es auch sein, nach einem weiteren Anspruch, eine Information über
den Einstellparameterwert der Biegemaschine nach Durchführung der Wirbelstrommessung
auf dem Werkstück, insbesondere in maschinenlesbarer Form z.B. als Strichcode anzubringen.
Die aus der Wirbelstrommessung bezogene Information über das zu biegende Werkstück
bleibt dadurch zuverlässig mit diesem verbunden und der Verfahrensschritt zur Durchführung
der Wirbelstrommessung kann dadurch problemlos sowohl zeitlich als auch räumlich vom
Biegevorgang entkoppelt werden, ohne zusätzliche Maßnahmen zur Messwertspeicherung
und Werkstückidentifizierung treffen zu müssen. Die Anbringung der Information kann
dabei z.B. mit einem Tintenstrahldrucker oder mit Laserstrahlung erfolgen.
[0041] Besonders zweckmäßig erweist sich das Verfahren, wenn gemäß einem weiteren Anspruch
der Biegevorgang als Freibiegevorgang auf einer Biegepresse in Form einer Abkantpresse
durchgeführt wird. Durch die weite Verbreitung dieses Verfahrens und die hohe Anzahl
der damit bearbeiteten Werkstücke, ist es bei diesem Verfahren innerhalb kurzer Zeit
möglich, eine große Anzahl von Daten für die Bildung eines Zusammenhangs zwischen
Ergebnissen der Wirbelstrommessung und Werten der Zielgröße zu sammeln.
[0042] Die Wirbelstrommessung, der Vergleich des Ergebnisses der Wirbelstrommessung mit
dem Zusammenhang zwischen den Ergebnissen der Wirbelstrommessungen und den Werten
der Zielgröße, die Handhabung des Modells des Biegevorganges bzw. der Werkstoffeigenschaften,
die Festlegung des Einstellparameterwertes oder die Berechnung der mechanischen Kenngröße
wird vorteilhaft mit der elektronischen Steuervorrichtung durchgeführt. Die an modernen
Biegepressen eingesetzten elektronischen Steuervorrichtungen bieten in vielen Fällen
ausreichende Speicher- und Rechenleistung, die erforderlichen Berechnungen in ausreichender
Geschwindigkeit auszuführen, oder sind zumindest zur Erweiterung mit geeigneten Berechnungsmodulen
vorbereitet. Prinzipiell ist die Durchführung dieser Berechnungen auch ohne automatisierte
Rechnerunterstützung möglich, was jedoch nur in der Anfangsphase bei der Entwicklung
und ersten Parametrierung der Berechnungsalgorithmen sinnvoll erscheint.
[0043] Im Folgenden wird eine Fertigungsvorrichtung zum Durchführen des erfindungsgemäßen
Verfahrens beschrieben. Der Vorteil dieser Fertigungseinrichtung besteht darin, dass
die mit einer elektronischen Steuervorrichtung einer Biegepresse gekoppelte Wirbelstrommesseinrichtung
räumlich beliebig angeordnet sein kann und die Ergebnisse der Wirbelstrommessung an
einem zu biegenden Werkstück von der elektronischen Steuervorrichtung der Biegepresse
automatisch übernommen und durch die Abschätzung der Umformeigenschaften mittels einer
Wirbelstrommessung und darauf basierender Festlegung eines Einstellparameterwerts
der Biegepresse die Winkelgenauigkeit der Biegepresse erhöht wird. Die Wirbelstrommesseinrichtung
kann beispielsweise entfernt von der Biegepresse angeordnet sein, z.B. im Bereich
einer vorgeordneten Laserschneidmaschine, in der die verfahrensbedingte Liegezeit
für die Wirbelstrommessung genutzt wird. Durch eine entsprechend kleine bauliche Ausbildung
der Wirbelstrommesseinrichtung kann diese aber auch direkt im Bereich der Biegewerkzeuge
angeordnet sein, wodurch die Wirbelstrommessung unmittelbar vor dem eigentlichen Biegevorgang
erfolgt.
[0044] Zur Durchführung von zuverlässigen Wirbelstrommessungen ist es von Vorteil, wenn
gemäß einem weiteren Anspruch die Wirbelstrommesseinrichtung eine Erregereinheit zur
Erzeugung eines auf das Werkstück wirkenden elektromagnetischen Wechselfelds und eine
Sensoreinheit zur Erfassung der durch das Werkstück hervorgerufenen Rückwirkung auf
das Wechselfeld umfasst. Es handelt sich dabei im Allgemeinen um zwei getrennte Elemente,
die zusätzlich voneinander elektromagnetisch weitgehend abgeschirmt sein können, wodurch
die Sensoreinheit im Wesentlichen nur das von einem Werkstück beeinflusste elektromagnetische
Wechselfeld aufnimmt bzw. misst. Wie bereits oben erwähnt, ist es jedoch auch möglich,
dass die Erregereinheit und die Sensoreinheit durch ein und dasselbe Element gebildet
sind.
[0045] Die Sensoreinheit kann nach einem weiteren Anspruch eine Sensorspule und/oder einen
Hallsensor zur Messung des Magnetfeldes umfassen, wobei die Messempfindlichkeiten
entsprechend der zu messenden Materialgruppen gewählt werden.
[0046] Zur Durchführung von zuverlässigen Wirbelstrommessungen ist es von Vorteil, wenn
die Erregereinheit und die Sensoreinheit mit einer beweglichen Aufhängung, insbesondere
mit einer kardanischen Aufhängung an der Wirbelstrommesseinrichtung, insbesondere
auch elastisch gelagert sind. Damit sind Messfehler durch undefinierte Luftspalte
zwischen dem Werkstück und der Wirbelstrommesseinrichtung weitgehend vermieden, die
bei einer starren Aufhängung leicht auftreten können, falls die Positionierung des
Werkstücks nicht ganz exakt erfolgt oder dieses Formabweichungen aufweist.
[0047] Die Messempfindlichkeit der Wirbelstrommesseinrichtung kann weiters verbessert werden,
indem die Aufhängung im Wesentlichen aus unmagnetischem Material besteht und die Messfelder
im Wesentlichen nur vom Werkstück beeinflusst sind und nicht von der Wirbelstrommesseinrichtung
selbst.
[0048] Eine zweckmäßige Ausführungsform der Fertigungseinrichtung besteht darin, dass die
Wirbelstrommesseinrichtung im Bereich des Maschinenrahmens, des feststehenden Balkens,
einer Positioniereinrichtung oder einer Ablegestation für Werkstücke angeordnet ist.
Diese Anordnung im unmittelbaren Bereich der Biegepresse bewirkt kurze Wege für den
Bediener der Maschine als auch für die Werkstücke und ermöglicht weiters eine einfache
Anbindung der Wirbelstrommesseinrichtung an die elektronische Steuer- und Überwachungseinrichtung,
die in den meisten Fällen ebenfalls an der Biegepresse angeordnet ist.
[0049] Um mit der Fertigungseinrichtung gegebenenfalls auch einen Biegekraftverlauf messen
zu können umfasst die Biegepresse eine Kraftmesseinrichtung zur Messung der von den
Biegewerkzeugen auf das Werkstück ausgeübten Biegekraft und ist die Kraftmesseinrichtung
mit der Steuervorrichtung kommunikationsverbunden. Dabei kann die Kraftmesseinrichtung
Kraftsensoren zur direkten Messung der Biegekraft oder Drucksensoren zur indirekten
Messung der Biegekraft bei einem fluidischen Pressbalkenantrieb umfassen, wobei diese
Messverfahren aus dem Stand der Technik bereits bekannt sind.
[0050] Zur direkten, insbesondere automatischen Messung des Biegewinkels als Ist-Wert der
Zielgröße am Werkstück umfasst die Fertigungseinrichtung, insbesondere das Biegewerkzeug
der Biegepresse vorteilhaft eine mit der Steuervorrichtung verbundene Winkelmesseinrichtung,
mit der der Biegewinkel im entlasteten Zustand des Werkstücks ermittelt werden kann.
Die Handhabung der Werkstücke an der Fertigungseinrichtung bedeutet für das Bedienpersonal
häufig eine hohe Wiederholfrequenz bei gleichzeitig hoher erforderlicher Aufmerksamkeit.
Es ist deshalb insbesondere bei größeren Losgrößen wirtschaftlich vorteilhaft, wenn
gemäß einem weiteren Anspruch im Bereich der Biegepresse eine mit einer Greifvorrichtung
versehene Handhabungseinrichtung für die Handhabung der Werkstücke angeordnet ist.
Dadurch kann einerseits anstrengende und stark repetitive Tätigkeit für das Bedienpersonal
vermieden werden und andererseits die Produktqualität zuverlässig auf hohem Niveau
sichergestellt werden, da Fehler aus Ermüdung und Konzentrationsfehlern vermieden
werden.
[0051] Aus Gründen der Flexibilität ist die Handhabungseinrichtung vorzugsweise wie ein
Industrieroboter mit einem programmierbaren Roboterarm ausgeführt, wobei ein ausgewogener
Kompromiss zwischen ausreichender Stabilität zur Erzielung einer hohen Wiederholgenauigkeit,
als auch einem schlanken, Platz sparenden Aufbau, damit auch kleine Werkstücke zuverlässig
von der Greifvorrichtung erfasst und an das Biegewerkzeug herangeführt werden können.
Die Greifvorrichtung kann dabei als Zangengreifer, der den Rand eines Werkstücks erfasst,
oder als Vakuumsauger, der ein Werkstück durch ein oder mehrere Vakuumelemente an
einer Fläche erfasst, ausgebildet sein.
[0052] Im Fall, dass die Fertigungseinrichtung mit einer Handhabungseinrichtung ausgestattet
ist, ist es zweckmäßig, die Wirbelstrommesseinrichtung im Arbeitsraum der Handhabungseinrichtung
anzuordnen, wodurch die Handhabung der Werkstücke auch bei der Durchführung der Wirbelstrommessung
automatisiert ausgeführt werden kann.
[0053] Zweckmäßig kann es auch sein, die Wirbelstrommesseinrichtung an der Handhabungsvorrichtung,
insbesondere im Bereich der Greifvorrichtung, anzuordnen. Dadurch kann die Wirbelstrommessung
durchgeführt werden, während das Werkstück von der Greifvorrichtung gehalten wird,
z.B. also während des Zuführens von einer Bereitstellungsposition zum Biegewerkzeug.
[0054] Zur Erhöhung der Messgenauigkeit der Wirbelstromfeldmesseinrichtung besteht eine
vorteilhafte Weiterbildung darin, dass die Wirbelstrommesseinrichtung eine Haltevorrichtung
für ein Werkstück umfasst. Durch diese Haltevorrichtung ist eine bei allen Werkstücken
gleiche Positionierung im Bezug auf die Erregereinheit und Sensoreinheit sichergestellt
und zufällige Messfehler, z.B. durch schwankende Luftspalte zwischen Werkstück und
Wirbelstrommesseinrichtung werden vermieden.
[0055] Von Vorteil ist auch eine Ausbildung der Fertigungseinrichtung , bei der die Fertigungseinrichtung,
insbesondere die Wirbelstrommesseinrichtung eine Dickenmesseinrichtung umfasst. Dadurch
ist es möglich, dass auch die Dicke des Werkstücks innerhalb der Fertigungseinrichtung
gemessen und zur Festlegung des Einstellparameterwertes der Biegepresse herangezogen
werden kann. Insbesondere kann die Dickenmessung zeitgleich mit der Wirbelstrommessung
erfolgen, wenn die Dickenmesseinrichtung baulich mit der Magnetfeldmesseinrichtung
verbunden ist.
[0056] Weiters kann es vorteilhaft sein, die Wirbelstrommesseinrichtung mit einer Vereinzelungseinrichtung
für zu biegende, stapelweise bereitgestellte Werkstücke zu koppeln. Insbesondere bei
einer Fertigungseinrichtung, die mit einer Handhabungsvorrichtung ausgestattet ist,
ist es von Vorteil die zu biegenden Werkstücke mit einer eigenen Vereinzelungseinrichtung
zu vereinzeln und dadurch das unplanmäßige, gleichzeitige Zuführen von zwei oder mehr
Werkstücken in die Biegepresse zu verhindern. Die Vereinzelung kann dabei beispielsweise
durch eine besondere Saugkopfausbildung, pneumatisch, mit Hilfe von magnetischer Kraft,
Abstreifelemente oder ähnlichem erfolgen, weiters kann die Vereinzelung durch Blaseinrichtungen
oder Rütteleinrichtungen, die auf den Stapel einwirken, erleichtert werden. Zusätzlich
kann die Vereinzelungseinrichtung auch mit einer Einrichtung zur Erkennung von Doppelentnahmen
ausgerüstet sein. Besonders zweckmäßig ist es dabei, wenn die Bereitstellungsposition
für die vereinzelten Werkstücke durch die Magnetfeldmesseinrichtung gebildet wird,
da dadurch die Wirbelstrommessung während der Liegezeit vor der Zuführung in die Biegepresse
hauptzeitneutral erfolgen kann.
[0057] Die Erfindung wird im nachfolgenden anhand der in den Zeichnungen dargestellten Ausführungsbeispiele
näher erläutert.
[0058] Es zeigen:
- Fig. 1
- eine vereinfachte, schematische Darstellung des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Festlegung
eines Einstellparameterwertes;
- Fig. 2
- ein vereinfachtes Flussdiagramm des Verfahrens zur Festlegung eines Einstellparameterwerts
mit zwei Verfahrensvarianten;
- Fig. 3
- eine Abwandlung des Verfahrens zur Festlegung eines Einstellparameterwerts;
- Fig. 4
- eine vereinfachte Ansicht einer Fertigungseinrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen
Vefahrens;
- Fig. 5
- eine Ansicht einer beim erfindungsgemäßen Verfahren und bei einer Fertigungseinrichtung
benutzten Wirbelstrommesseinrichtung mit einem zu messenden Werkstück in vereinfachter,
schematischer Darstellung;
- Fig. 6
- ein Beispiel für ein Modell eines Biegevorganges
[0059] Einführend sei festgehalten, dass in den unterschiedlich beschriebenen Ausführungsformen
gleiche Teile mit gleichen Bezugszeichen bzw. gleichen Bauteilbezeichnungen versehen
werden, wobei die in der gesamten Beschreibung enthaltenen Offenbarungen sinngemäß
auf gleiche Teile mit gleichen Bezugszeichen bzw. gleichen Bauteilbezeichnungen übertragen
werden können. Auch sind die in der Beschreibung gewählten Lageangaben, wie z.B. oben,
unten, seitlich usw. auf die unmittelbar beschriebene sowie dargestellte Figur bezogen
und sind bei einer Lageänderung sinngemäß auf die neue Lage zu übertragen.
[0060] Fig. 1 zeigt schematisch eine Fertigungseinrichtung 1, umfassend zumindest eine Biegepresse
2 und eine Steuervorrichtung 3, die mit der Biegepresse 2 leitungsgebunden oder drahtlos
über Funk kommunikationsverbunden ist. Mit der Fertigungseinrichtung 1 kann ein zu
biegendes Werkstück 4 durch Krafteinwirkung eines an der Biegepresse 2 angeordnetes
Biegewerkzeugs 5 zu einem gebogenen Werkstück 6 verarbeitet werden. Das Werkstück
4, 6 besteht dabei aus Metallblech, das zumeist als Platine oder Zuschnitt vorliegt.
Das Werkstück 4 kann aus jedem für eine Biegeumformung geeigneten Material bestehen
und durch alle geeigneten Verfahren wie Laserschneiden, Messerschneiden, Scherschneiden,
Beißschneiden, Stanzen, Nibbeln usw. aus Halbzeug hergestellt sein.
[0061] Zur Durchführung des Biegevorgangs werden von der Steuervorrichtung 3 mit Steuersignalen
Einstellparameter, die die Durchführung des Biegevorgangs beeinflussen, an die Biegepresse
2 übertragen, wie z.B. eine Eintauchtiefe eines Biegestempels oder eine auf das Werkstück
4 ausgeübte Biegekraft. Beim so genannten Freibiegeverfahren können durch Variation
eines Einstellparameterwerts die Ist-Werte einer Zielgröße am gebogenen Werkstück
6 beeinflusst werden. Eine Hauptaufgabe der Steuervorrichtung 3 ist deshalb die Festlegung
eines oder mehrerer Einstellparameterwerte, um einen oder mehrere Istwerte von Zielgrößen
am gebogenen Werkstück 6 möglichst nahe an vorgegebene Sollwerte anzunähern. Aus praktischen
Erfahrungswerten und/oder auch aus analytischen Betrachtungen des Umformvorganges
sind die Zusammenhänge zwischen der Wahl eines Einstellparameterwerts und den damit
erzielbaren Istwerten einer Zielgröße mehr oder weniger bekannt. Ein wichtiger Umstand,
der die Einhaltung von engen Toleranzen bei den Zielgrößen erschwert, sind die unvermeidlichen
Schwankungen von Kenngrößen eines zu biegenden Werkstücks 4, die das Ergebnis eines
Biegevorgangs beeinflussen können. Während sich z.B. geometrische Kenngrößen, wie
z.B. Dicke oder Abmessungen eines Werkstücks 4 noch mit verhältnismäßig geringem Aufwand
mit ausreichender Genauigkeit feststellen lassen, ist die Ermittlung von mechanisch-technologischen
Kennwerten, wie z.B. Biegefestigkeit, Streckgrenze oder Elastizitätsmodul eines konkreten
Werkstücks 4 in den meisten Anwendungsfällen viel zu aufwändig bzw. auch unmöglich.
[0062] Die der Steuervorrichtung 3 zugeführten Kenngrößen 7 eines zu biegenden Werkstücks
4 sind deshalb mehr oder weniger mit Unsicherheiten behaftet, weshalb versucht wird
möglichst viele relevante Informationen über ein Werkstück 4 bei der Einstellung eines
Biegevorgangs zu berücksichtigen. Beim erfindungsgemäßen Verfahren wird deshalb ein
zu biegendes Werkstück 4 mit Hilfe einer Wirbelstrommesseinrichtung 8, einer Wirbelstrommessung
unterzogen und als weitere Kenngröße 7 der Messwert 9 der Wirbelstrommessung der Steuervorrichtung
3 zugeführt, wobei auf die Wirbelstrommesseinrichtung 8 in Folge noch näher eingegangen
wird.
[0063] Weiters wird der Steuervorrichtung 3 als Information über das gebogene Werkstück
6 ein Sollwert 10 einer Zielgröße 11 zugeführt, die durch die Wahl der Einstellungen
der Biegepresse 2 beeinflussbar ist. Die Zielgröße 11 ist im Ausführungsbeispiel durch
den Biegewinkel 12 am gebogenen Werkstück 6 gegeben. Da der Sollwert 10 des Biegewinkels
12 vor dem Biegevorgang nur einen gewünschten Zustand am gebogenen Werkstück 6 darstellt,
ist diese in die Steuervorrichtung 3 zugeführte Information in strichlierten Linien
dargestellt.
[0064] Mit Hilfe eines in der Steuervorrichtung 3 enthaltenen Modells 13 des Biegevorgangs
wird, basierend auf den Kenngrößen 7 eines zu biegenden Werkstücks 4, insbesondere
basierend auf dem Messwert 9 der Wirbelstrommessung, und dem Sollwert 10 der Zielgröße
11 ein Einstellparameterwert 14, beispielsweise eine Eintauchtiefe 15 eines Biegestempels,
an die Biegepresse 2 übertragen. Durch den anschließend durchgeführten Biegevorgang
wird am gebogenen Werkstück 6 ein Istwert 16 der Zielgröße 11, beispielsweise des
Biegewinkels 12, bewirkt, anschließend der Istwert 16 gemessen und der Steuervorrichtung
3 zugeführt. Die Messung der Zielgröße 11, bzw. deren Istwerts 16 erfolgt dabei nach
einer Entlastung des Werkstücks 6, wodurch sich der elastische Anteil der Verformung
abbaut und der am gebogenen Werkstück 6 verbleibende Istwert 16 gemessen werden kann.
In der Steuervorrichtung 3 erfolgt anschließend eine Verknüpfung des Messwerts 9 der
Wirbelstrommessung, des unmittelbar vor der Entlastung des gebogenen Werkstücks 6
wirksamen Einstellparameterwerts 14 sowie des Istwerts 16 der Zielgröße 11 am gebogenen
Werkstück 6, im Ausführungsbeispiel also eine Verknüpfung von Messwert 9 der Wirbelstrommessung,
der Eintauchtiefe 15 des Biegestempels sowie des Istwerts 16 des Biegewinkels 12.
Die Verknüpfung kann dabei beispielsweise in der Zusammenführung dieser Werte zu einem
Datensatz bestehen, der einen Zusammenhang zwischen diesen drei Werten abbildet und
als Information über das Umformverhalten des Werkstücks 4, 6 herangezogen werden kann.
[0065] In Fig. 2 ist der Ablauf des erfindungsgemäßen Verfahrens noch genauer in Form eines
Flussdiagramms dargestellt. Der Steuervorrichtung 3 - als Block mit strichlierten
Linien dargestellt - werden vor Beginn eines Biegevorganges Kenngrößen 7 des zu biegenden
Werkstücks 4 sowie eine oder mehrere Sollwerte 10 einer Zielgröße 11, beispielsweise
des Biegewinkels 12 zugeführt. Die Steuervorrichtung 3 umfasst eine Maschinensteuerung
mit der üblicherweise enthaltenen Hardware und Software, also Bestandteile wie Recheneinheit,
Speichereinheit, Schnittstellen zur Dateneingabe/-ausgabe und wird an dieser Stelle
nicht näher erläutert. Zusätzlich umfasst die Steuervorrichtung 3 das Modell 13 des
mit der Biegepresse 3 ausführbaren Umformvorgangs in Form von Software und Daten.
Das Modell 13 ist in Fig. 3 als Funktionsschaubild dargestellt, wodurch der Zusammenhang
zwischen dem festgelegten Einstellparameterwert 14, z.B. der Eintauchtiefe 15 des
Biegewerkzeugs 5 der Biegepresse 2 und deren Auswirkung auf den Ist-Wert 16 der Zielgröße
11, z.B. des Biegewinkels 12 verdeutlicht wird.
[0066] Die Kenngrößen 7 des zu biegenden Werkstücks 4 liefern in ihrer Gesamtheit die Information
über das Umformverhalten des Werkstücks 4, das sich nicht anhand eines einfachen Wertes
beschreiben lässt. Als Kenngrößen 7 sind dabei den Biegevorgang direkt oder indirekt
beeinflussende Merkmale wie Dicke, Streckgrenze, Proportionalitätsgrenze, E-Modul,
Walzrichtung, Gleichmaßdehnung, Verfestigungsexponent usw. sowie die Ergebnisse der
Wirbelstrommessung verwendbar.
[0067] Eine erste Kenngröße 7a ist beispielsweise durch einen Nennwert 17 einer mechanisch-technologischen
Kenngröße 7 vorgegeben. So ist etwa aus Lieferantenangaben eine Streckgrenze von 400
N/mm
2 für das Werkstück 4 bekannt. Aufgrund der produktionstechnologischen Schwankungen
ist eine derartige Information jedoch immer mit einer Unschärfe behaftet, da der Aufwand
für die exakte Ermittlung bei jedem Werkstück viel zu hoch wäre, und deshalb immer
von einem Nennwert 17 mit einer wahrscheinlichen Schwankungsbreite auszugehen ist.
Die Nennwerte sind zumeist auf eine Fertigungscharge, also dementsprechend viele Werkstücke
4 bezogen Eine Streckgrenze an einem konkreten Werkstück 4, die jedoch um etwa 5 %
vom Nennwert 17 abweicht ist jedoch nicht selten, also beispielsweise 380 N/mm
2 oder 420 N/mm
2 beträgt ergibt bei einem Biegevorgang jedoch auch schwankende Istwerte 16 der Zielgröße
11, die bei hohen Genauigkeitsanforderungen bezüglich der zulässigen Abweichung des
Istwerts 16 der Zielgröße 11 vom Sollwert 10 oft nicht zulässig sind.
[0068] Wo es technisch praktikabel und wirtschaftlich vertretbar ist, werden deshalb auch
ein oder mehrere Kennwerte 7b von zu biegenden Werkstücken 4 bei der Festlegung des
Einstellparameterwerts 14 benutzt, die durch eine Messung am zu biegenden Werkstück
4 ermittelt werden, also ein oder mehrere Messwerte 18 einer Kenngröße 7. Wie in Fig.
2 angedeutet wird eine Dicke 19 des Werkstücks 4 mit Hilfe einer Dickenmesseinrichtung
20 gemessen. Die Dickenmesseinrichtung 20 kann dabei Messmittel oder Messanordnungen
mit mechanischem, elektrischem, magnetischem oder optischem Messprinzip wie z.B. Laser
umfassen, sowie Kombinationen daraus und die Dicke 19 des Werkstücks 4 berührend oder
berührungslos messen und der Steuervorrichtung 3 zugeführt werden.
[0069] Eine weitere Kenngröße 7c, die der Steuervorrichtung 3 zugeführt wird, ist durch
einen Messwert 9 einer am zu biegenden Werkstück 4 durchgeführten Wirbelstrommessung
gebildet. Dazu wird das Werkstück 4 an einer Wirbelstrommesseinrichtung 8 einem elektromagnetischen
Wechselfeld ausgesetzt und die Rückwirkung des Werkstücks 4 auf das Wechselfeld gemessen.
Die Wirbelstrommesseinrichtung 8 umfasst eine Erregereinheit 21 mit einer während
der Messung von Wechselstrom durchflossenen Erregerspule sowie eine Sensoreinheit
22 mit einer Sensorspule, die dem Wechselfeld ausgesetzt ist und ist mit einer elektronischen
Auswerteeinrichtung zur Messung zumindest der in der Sensorspule auftretenden Ströme
nach Amplitude und Phasenlage bzw. Phasenwinkel und Aufbereitung der Messsignale zu
weiterverarbeitbaren Messwerten 9 verbunden, die direkt in der Wirbelstrommesseinrichtung
8 angeordnet, aber auch anderen Baugruppen der Fertigungseinrichtung 1 zugeordnet
sein kann. Alternativ zu einer Sensorspule kann auch ein Hallsensor zur Messung des
vom Wirbelstrom bewirkten bzw. vom Werkstück 4 beeinflussten Magnetfeldes vorgesehen
sein. Die Aufbereitung kann dabei insbesondere in einer Verstärkung der Messsignale
bestehen. Als Ergebnis der Wirbelstrommessung wird im Ausführungsbeispiel die Änderung
der Impedanz der Sensorspule anhand der Veränderung von Amplitude und Phasenlage des
Wechselstroms in der Sensorspule durch die Rückwirkung des Werkstücks 4 gegenüber
einem Ausgangszustand des elektromagnetischen Wechselfelds ohne Werkstück 4 herangezogen.
[0070] Bei der Wirbelstrommessung wird von der Erregereinheit 21 das elektromagnetische
Wechselfeld mit mehreren, vorzugsweise dreißig verschiedenen Frequenzen nacheinander
angeregt und für jede Erregerfrequenz die entsprechende Rückwirkung des Werkstücks
4 auf das elektromagnetische Wechselfeld mit der Sensoreinheit 22 gemessen. Durch
die Frequenzabhängigkeit der elektromagnetischen Eigenschaften erzielt man für jede
Materialart sowie dessen Gefügezustand eine typische frequenzabhängige elektromagnetische
Rückwirkung, anhand der, basierend auf zuvor durchgeführten Wirbelstrommessungen und
gemessenen Istwerten 16 der Zielgröße 11, z.B. einem erreichten Biegewinkel 12, ein
Einstellparameterwert 14 für den Biegevorgang des Werkstückes 4 festgelegt werden
kann.
[0071] Die Durchführung einer Wirbelstrommessung setzt voraus, dass das Werkstück 4 das
Magnetfeld aufgrund seiner Materialeigenschaften, insbesondere seine elektrische Leitfähigkeit
und seine magnetische Permeabilität beeinflussen kann, weshalb die Anwendung des Verfahrens
insbesondere für elektrisch leitfähige Werkstücke 4 geeignet ist. Die Anwendung des
Verfahrens ist nicht auf Metalle oder Verbunde aus Metallen und Nichtmetallen, beschränkt,
da auch andere Materialien, wie z.B. Kunststoffe wenn auch geringe, aber wirksame
und damit messbare Veränderungen des gemessenen Magnetfelds bewirken können.
[0072] Die Messergebnisse der Wirbelstrommesseinrichtung 8 und der Dickenmesseinrichtung
20 werden an die elektronische Steuervorrichtung 3 der Biegepresse 2 übergeben, mit
der insbesondere die Werkzeugbewegungen beim Biegevorgang und/oder die vom Biegewerkzeug
5 auf das Werkstück 4 ausgeübte Biegekraft gesteuert und überwacht werden. Weiters
kann die Steuervorrichtung 3 dazu verwendet werden, die Bombierung eines Unterwerkzeugs
zum Ausgleich der Durchbiegung des oberen, beweglichen Pressbalkens zu steuern. Die
Steuervorrichtung 3 umfasst, wie bereits erwähnt eine oder mehrere Recheneinheiten,
Speichereinheiten, Ein- und Ausgabeeinheiten mit Schnittstellen zur Signalein- und
Signalausgabe, wie sie üblicherweise für die Steuerung und Überwachung von Fertigungsanlagen,
insbesondere Biegepressen 2 eingesetzt werden.
[0073] Die Steuervorrichtung 3 und das Modell 13 des Biegevorgangs können dabei in einem
gemeinsamen Gehäuse angeordnet sein, jedoch auch räumlich entfernt und datentechnisch
verbunden, z.B. wenn das Modell 13 in einer gesonderten Steuerung der Wirbelstrommesseinrichtung
8 enthalten ist.
[0074] Die Zielgröße 11, die bei diesem Verfahren verwendet wird, ist der nach einem Biegevorgang
erzielte Biegewinkel 12 an einem gebogenen Werkstück 6. Beim Biegevorgang wird das
Werkstück 4 in der Biegepresse 2 mittels eines Stempels 23 in eine Matrize 24 mit
einem V-Gesenk 25 gedrückt. Der Grad der Umformung und damit auch des erzielten Biegewinkels
12 ist bei vorgegebenen Werkstückeigenschaften und Werkzeuggeometrie in erster Linie
von der Eintauchtiefe 15 des Stempels 23 in die Matrize 24 abhängig. Als Einstellparameterwert
14, der den erzielten Biegewinkel 12 beeinflusst und bestimmt, ist in diesem Ausführungsbeispiel
eine bestimmte Eintauchtiefe 15, also der Umformweg zwischen dem ersten Berührpunkt
26 zwischen Stempel 23 und Werkstück 4 und dem unteren Totpunkt 27 gewählt. Alternativ
dazu kann als Einstellparameterwert 14 auch die vom Stempel 23 auf das Werkstück 4,
6 aufgebrachte Biegekraft am Ende der Verformung verwendet werden, da diese ebenso
wie die Eintauchtiefe 15 direkt den nach Durchführung des Biegevorgangs erzielten
Biegewinkel 12 beeinflusst, da der Stempel 23 bei höherer Biegekraft weiter in das
Gesenk 24 eindringt und das Werkstück 4, 6 dementsprechend stärker verformt wird.
[0075] Die Festlegung des Einstellparameterwerts 14 - in diesem Fall der Eintauchtiefe 15,
die die Erzielung eines bestimmten Biegwinkels 12 bewirkt, erfolgt erfindungsgemäß
folgendermaßen:
Das Ergebnis der Wirbelstrommessung an einem Werkstück 4 wird von der Steuervorrichtung
3 aus der Wirbelstrommesseinrichtung 8 übernommen und anhand des im Speicher abgebildeten
Modells 13 zwischen Ergebnissen aus zuvor an anderen Werkstücken 4 durchgeführten
Wirbelstrommessungen und bei jeweils bekannten Einstellparameterwerten 14 - in diesem
Fall Eintauchtiefen 15 - erzielten Istwerten 16 der Zielgröße 11, in diesem Fall Biegewinkeln
12 ein Einstellparameterwert 14 zur Erreichung des angestrebten Sollwertes 10 der
Zielgröße 11, im Beispiel des Biegewinkels 12 des zu biegenden Werkstücks 4 bestimmt.
Aufgrund der an sich bekannten Korrelation zwischen elektromagnetischen Eigenschaften
und mechanisch-technologischen Eigenschaften wie z.B. E-Modul und Streckgrenze bzw.
Dehngrenze von metallischen Werkstoffen besteht auch eine Korrelation zwischen den
Messwerten 9 der Wirbelstrommessungen, dem verwendeten Einstellparameterwert 14 und
dem erzielbaren Biegewinkel 12.
[0076] Sinngemäß kann das Ergebnis der Wirbelstrommessung dazu verwendet werden, die Biegekraft
oder einen Durchbiegungsausgleich an der Biegepresse 2 als Einstellparameterwert 14
festzulegen.
[0077] Zur Verbesserung der Biegegenauigkeit wird nach Durchführung eines Biegevorgangs,
entweder nach vollständigem Abschluss oder bei einer Zwischenentlastung, am gebogenen
Werkstück 6 der Istwert 16 der Zielgröße 11, im Beispiel des Biegewinkels 12 gemessen,
ebenfalls der Steuervorrichtung 3 zugeführt und in dieser mit dem Messwert 9 der Wirbelstrommessung
sowie dem unmittelbar vor der Entlastung des gebogenen Werkstücks 6 an der Biegepresse
2 wirksamen Einstellparameterwert 14 verknüpft.
[0078] Diese Rückführung des Ergebnisses des Biegevorgangs kann nun dazu benutzt werden,
im Fall einer Zwischenentlastung für den restlichen Biegevorgang den Einstellparameterwert
14 mit der nunmehr zusätzlichen Information über das Umformverhalten des Werkstücks
4, 6 neu festzulegen, insbesondere wenn der Istwert 16 der Zielgröße 11 von dem aufgrund
der ursprünglichen Kenngrößen erwarteten Istwert nennenswert abweicht.
[0079] Neben dieser Rückführung zum Zwecke einer allfälligen Neufestlegung des Einstellparameterwerts
14, kann die Verknüpfung auch darin bestehen, dass das Modell 13 des Umformvorgangs
anhand des Istwerts 16, des unmittelbar vor der Entlastung wirksamen Einstellparameterwerts
14 sowie des Messwerts 9 der Wirbelstrommessung zu adaptieren, indem diese Werte dem
aus früheren Biegevorgängen oder einem angenommenen Zusammenhang zwischen diesen Werten
hinzugefügt werden. Diese Werte können als Datenpunkte verwendet werden, die bisher
zwischen ihnen verwendeten Korrelationen und Abhängigkeiten zu analysieren und zu
korrigieren.
[0080] Die Biegegenauigkeit nimmt durch diese Rückführung des Biegeergebnisses mit der Wirkung
eines Regelvorgangs enorm zu und das Modell 13 des Biegevorgangs wird dadurch ständig
verbessert.
[0081] Nach einer ausreichenden Anzahl von Biegevorgängen mit dem beschriebenen Verfahren
ist das Modell 13, also der Zusammenhang zwischen Messwerten 9 der Wirbelstrommessungen,
Einstellparametern 14 und Istwerten 16 des Biegevorgangs so ausgereift, dass auf die
Messung der Istwerte 16 verzichtet werden kann und die Biegevorgänge noch wirtschaftlicher
durchgeführt werden können. Ein Nachbiegen zur Korrektur des Biegewinkels 12 ist in
diesem Stadium im Allgemeinen nicht mehr erforderlich.
[0082] Das Modell 13 mit dem Zusammenhang zwischen Messwerten 9 der Wirbelstrommessungen
und den Istwerten 16 der Zielgröße 11 an den Werkstücken 4, 6 - in diesem Fall den
Biegewinkeln 12 - kann auf verschiedene Arten in der Steuervorrichtung 3 enthalten
sein.
[0083] Die Messergebnisse von zuvor, z.B. in einer Test- oder Trainingsphase an Probewerkstücken
durchgeführten Biegevorgängen werden zusammen mit den jeweiligen Einstellparameterwerten
in Datensätzen abgespeichert, aus denen mittels Regressionsrechnung und/oder Korrelationsrechnung
das Modell 13 ermittelt wird und zur Festlegung des Einstellparameterwerts 14 verwendet
wird.
[0084] Eine andere Möglichkeit das Modell 13 aufzubauen, besteht darin, nach Biegevorgängen
an Werkstücken 4, 6 Messwerte 9 der Wirbelstrommessungen, die verwendeten Einstellparameterwerte
und die gemessenen, tatsächlich erreichten Istwerte 16 der Zielgröße 11, d.h. des
Biegewinkels 12 an ein selbstlernendes neuronales Netz zu übergeben, das unter Verwendung
eines Back-Propagation-Prozesses so trainiert wird, dass aus Messwerten 9 einer Wirbelstrommessung
die Festlegung des Einstellparameterwertes 14 durch die elektronische Steuer- und
Überwachungseinrichtung 3 erfolgen kann.
[0085] Eine Abwandlung des bisher beschriebenen Verfahrens zur Festlegung eines Einstellparameterwerts
14 besteht darin, während des Biegevorgangs einen Biegekraftverlauf 28 - in Fig. 2
in strichlierten Linien dargestellt - zu erfassen, wodurch ebenfalls eine Information
über das Umformverhalten des Werkstücks 4, 6 erhalten werden kann. Die Maßnahme, die
Biegewinkelgenauigkeit dadurch weiter zu erhöhen, besteht darin, während des Biegevorgangs
den Verlauf der Biegekraft in Abhängigkeit von der Werkstückverformung zu erfassen
und daraus einen Rechenwert einer mechanischen Kenngröße 7 des Werkstücks 4, 6 , insbesondere
die Streck- bzw. Dehngrenze des Werkstücks 4, 6 zu errechnen und in Folge bei der
Festlegung des Einstellparameterwerts 14 mitzuberücksichtigen. Die Biegekraft kann
z.B. durch Kraftmessdosen, Dehnmessstreifen, Piezosensoren im Pressbalkenantrieb direkt
gemessen oder über einen Hydraulikdruck des Pressbalkenantriebs oder auch die Leistungsaufnahme
eines elektrischen Pressbalkenantriebs errechnet werden; die Werkstückverformung durch
ein Wegmessgerät, das die Verschiebung des beweglichen Pressbalkens gegenüber dem
Maschinenrahmen misst. Diese direkt aus dem zu biegenden Werkstück 4, 6 erhaltene
Information über das Umformverhalten kann für die Festlegung des Einstellparameterwerts
14 herangezogen werden. Diese messtechnisch ermittelte Streck- bzw. Dehngrenze ist
vielfach aussagekräftiger, als die vom Lieferanten des Materials bekannt gegebenen
Nennwerte 17 der Festigkeit, und die Festlegung des Einstellparameterwerts 14 deshalb
mit höherer Genauigkeit möglich. Diese Maßnahme kann dabei erfindungsgemäß alternativ
zur Rückführung des Ist-werts 16 der Zielgröße 11 verwendet werden, jedoch auch zusätzlich
eingesetzt werden.
[0086] Zusätzlich kann diese direkt aus dem Biegevorgang gewonnene Information benutzt werden,
den Zusammenhang zwischen Messwerten 9 von Wirbelstrommessungen und der Zielgröße
11 zu modifizieren, d.h. das Verfahren kann durch Auswertung der einzelnen Biegevorgänge
selbstlernend ausgebildet werden. Dazu wird der tatsächlich erzielte Biegewinkel 12
nach dem Biegevorgang gemessen, was durch eine geeignete, im Biegewerkzeug 5 eingebaute
Winkelmessvorrichtung sogar automatisiert erfolgen kann, und gemeinsam mit den Messwerten
9 aus der Wirbelstrommessung und den sonstigen, anhand der Kenngrößen ermittelten
Maschineneinstellungen dem bisher benutzten Modell 13 zwischen Messwerten 9 der Wirbelstrommessung,
Einstellparameterwert 14 und Istwerten 16 der Zielgröße 11 - des Biegewinkels 11 -
hinzugefügt.
[0087] In Fig. 3 ist ein weiteres Verfahren zur Festlegung eines Einstellparameterwerts
14 dargestellt, das gegenüber den bisher beschriebenen Verfahren eine alternative
Verwendung der Messwerte 9 der Wirbelstrommessung benutzt. Hierbei werden diese dazu
verwendet, einen Schätzwert 29 für eine mechanische Kenngröße 7, insbesondere die
Streckgrenze bzw. Dehngrenze zu bestimmen und diesen bei der Festlegung des Eingangsparameterwerts
14 für die Steuervorrichtung 3 einzusetzen. Mittels eines in der Steuervorrichtung
3 enthaltenen Berechnungsalgorithmus wird dann der Einstellparameterwert 14 - in diesem
Fall die Eintauchtiefe 15 - festgelegt. Der zur Bestimmung des Schätzwertes 29 benutzte
Zusammenhang zwischen Messwerten 9 der Wirbelstrommessung und der mechanischen Kenngröße
7, insbesondere der Streckgrenze bzw. der Dehngrenze ist durch ein Werkstoffmodell
30 definiert. Dieses kann wie das Modell 13 des Biegevorgangs an Probewerkstücken
ermittelt werden oder auf analytischen Betrachtungen basieren. Die tatsächliche Streck-
bzw. Dehngrenze wird dabei etwa durch zerstörende Zugprüfung festgestellt. Der ermittelte
Schätzwert 29 wird in Folge mit einem Nennwert 17 einer Werkstückkenngröße 7 verknüpft,
insbesondere aus beiden ein gewichteter Mittelwert als Kenngröße 7d gebildet und der
Steuervorrichtung 3 zugeführt oder von dieser selbst errechnet.
[0088] In Fig. 4 ist eine Fertigungseinrichtung 1 für das winkelgenaue Biegen von Werkstücken,
insbesondere nach dem zuvor beschriebenen Verfahren dargestellt. Diese umfasst eine
Biegepresse 2, insbesondere in Form einer Abkantpresse zum Freibiegen von Werkstücken
4, 6 zwischen einem Stempel 23 und einer Matrize 24 mit einem V-Gesenk 25. Die Biegepresse
2 besteht im wesentlichen aus einem Maschinenrahmen 31, einem am Maschinenrahmen 31
horizontal angeordneten, die Matrize 24 tragenden, feststehenden Pressbalken 32, einem
horizontal angeordneten, den Stempel 23 tragenden, beweglichen Pressbalken 33, der
mittels zumindest einer Verstelleinrichtung, beispielsweise einem fluidischen Pressbalkenantrieb
34, gegenüber dem Maschinenrahmen 31 und in Richtung des feststehenden Pressbalkens
32 verstellbar ist, sowie einer elektronischen Steuervorrichtung 3. Die Verstelleinrichtung
34 umfasst eine Führungsanordnung, mittels derer der bewegliche Pressbalken 33 am
Maschinenrahmen 31 geführt ist und einen Verstellantrieb, der bevorzugt als hydraulischer
Antrieb ausgebildet ist, z.B. jedoch auch als elektrisch angetriebener Hubspindelantrieb
ausgeführt sein kann. Weiters umfasst die Verstelleinrichtung 34 eine Wegmesseinrichtung
35, mit der die Position des beweglichen Pressbalkens 33 im Bezug auf den Maschinenrahmen
31 respektive den feststehenden Pressbalken 32 gemessen und an die Steuervorrichtung
3 übertragen werden kann.
[0089] Zur lagegenauen Ausrichtung der Werkstücke 4 in der Biegepresse 2 ist im Bereich
des feststehenden Pressbalkens 32 eine Positioniereinrichtung 36 angeordnet, die von
der Steuervorrichtung 3 numerisch gesteuerte Anschläge für die zu biegenden Werkstücke
4 aufweist, damit diese beim Einlegen die richtige Position in Bezug auf Stempel 23
und Matrize 24 einnehmen. Die Positioniereinrichtung 36 ist vorzugsweise als Hinteranschlag,
auf der vom Bediener der Biegepresse 2 abgewandten Rückseite der Pressbalken 32, 33
angeordnet.
[0090] Die Fertigungseinrichtung 1 umfasst weiters eine Handhabungseinrichtung 37 z.B. in
Form eines programmierbaren Roboterarms, wobei deren Bewegungsraum so bemessen ist,
dass sie mittels einer Greifvorrichtung 38 Werkstücke 4 einzeln von einer Bereitstellungsposition
39 erfassen, der Biegepresse 2 zuführen, die zu biegenden Werkstücke 4 während der
Biegevorgänge führen sowie nach dem Biegevorgang gebogene Werkstücke 6 der Biegepresse
2 entnehmen und an eine nicht dargestellte Ablageposition bewegen kann. Die Greifvorrichtung
38 bringt die dazu erforderliche Haltekraft auf die Werkstücke 4, 6 im Ausführungsbeispiel
durch Vakuumsauger auf, es sind jedoch auch Greifzangen einsetzbar, wobei die Wahl
beeinflusst wird von der Lage der Biegekanten am Werkstück 4, sowie die Oberfläche
der Werkstücke 4.
[0091] Weiters umfasst die Fertigungseinrichtung 1 zumindest eine mit der Steuervorrichtung
3 verbundene Wirbelstrommesseinrichtung 8, an der jeweils ein zu biegendes Werkstück
4 vor dem Biegevorgang oder zumindest vor Beendigung des Biegevorganges vermessen
wird, um basierend auf dem Messwert 9 der Wirbelstrommessung einen Einstellparameterwert
14 der Biegepresse 2 festzulegen. Zur Festlegung des Einstellparameterwerts 14 wird
ein zu einem früheren Zeitpunkt hergestellter, in einem Modell 13 des Biegevorganges
enthaltener Zusammenhang zwischen Messwerten 9 von an Werkstücken 4 durchgeführten
Wirbelstrommessungen, an diesen Werkstücken 4 jeweils gemessenen Istwerten 16 einer
Zielgröße 11 und dabei verwendeten Einstellparameterwerten 14 benutzt.
[0092] Die Wirbelstrommessung (siehe auch Fig. 5) besteht, wie oben bereits beschrieben,
darin, die elektromagnetische Rückwirkung des Werkstücks 4 auf ein definiertes elektromagnetisches
Wechselfeld zu erfassen. Ein Werkstück 4 wird dabei von einem von einer Erregereinheit
21 der Wirbelstrommesseinrichtung 8 erzeugten elektromagnetischen Wechselfeld durchsetzt,
welches durch das Werkstück 4 beeinflusst wird, z.B. bei einem ferromagnetischen Werkstück
4 durch die im Werkstück induzierten Wirbelströme, die selbst ein elektromagnetisches
Wechselfeld bewirken, das sich dem Erreger-Wechselfeld überlagert. Mit Hilfe einer
Sensoreinheit 22 kann diese Wirkung des Werkstücks 4 auf das Wechselfeld gemessen
werden. Die Erregereinheit 21 und die Sensoreinheit 22 umfassen vorzugsweise Spulenelemente,
mit denen die erforderlichen magnetischen Feldstärken zur Erregung bzw. Messempfindlichkeiten
einfach realisiert werden. Als Messgröße bzw. Messwert 9 der Wirbelstrommessung wird
vorzugsweise die in einem Spulenelement der Sensoreinheit 22 auftretende Stromstärke
und der Phasenwinkel im Spulenelement gegenüber dem Phasenwinkel des Erregerfelds
verwendet, also eine Rückwirkung durch eine elektromagnetische Impedanz des Werkstücks
4.
[0093] Abweichend von der zuvor beschriebenen Ausführung ist es beispielsweise auch möglich,
die Sensoreinheit 22 mit einem Hallsensor auszustatten, mit dem das resultierende
Wechselfeld gemessen wird.
[0094] Da die elektromagnetischen Wirkungen in einem Werkstück 4 und damit auch Messwerte
9 der Wirbelstrommessung eine starke Abhängigkeit von der Frequenz des Erregerfelds
zeigen, wird die Wirbelstrommessung bei mehreren, beispielsweise bei dreißig verschiedenen
Erregerfrequenzen des elektromagnetischen Wechselfelds durchgeführt, um einen aussagekräftigen
Zusammenhang zwischen Messwerten 9 der Wirbelstrommessungen und der (den) Zielgröße
(n) 11 der Werkstücke 4 zu erhalten sowie evtl. einen weiteren Zusammenhang zwischen
Messwerten 9 der Wirbelstrommessung und mechanischen Kenngrößen 7 der Werkstücke 4
bestimmen zu können.
[0095] Zur Herstellung des Zusammenhangs mittels der Magnetfeldmesseinrichtung 8, der Steuervorrichtung
3, sowie die Festlegung des Einstellparameterwerts 14 der Biegepresse 2, insbesondere
der Eintauchtiefe 15 am Werkstück 4 bzw. des unteren Totpunkts 27 der Bewegung des
Stempels 23 bzw. die vom Stempel 23 auf das Werkstück 4 zu übertragende Biegekraft
sei an dieser Stelle an die obige Beschreibung des Verfahrens verwiesen.
[0096] Eine elektronische Auswerteeinrichtung zur Aufbereitung der Messergebnisse der Wirbelstrommessung
kann in der Wirbelstrommesseinrichtung 8 selbst enthalten, aber auch in der Steuervorrichtung
3 ausgebildet sein, die mit der Magnetfeldmesseinrichtung 8 über Schnittstellen 40
verbunden ist. Die Übertragung der Messwerte 9 bzw. der aufbereitenden Messergebnisse
von der Wirbelstrommesseinrichtung 8 zur Steuervorrichtung 3 kann dabei zwischen den
Schnittstellen 40 leitungsgebunden, aber auch drahtlos über eine Sende- und Empfangseinrichtung
mit einer Übertragungstechnologie wie z.B. Bluetooth, Wireless-LAN, Infrarot oder
ähnlichem erfolgen.
[0097] Fig. 5 zeigt eine Ansicht einer beim erfindungsgemäßen Verfahren und bei einer Fertigungseinrichtung
1 benutzten Wirbelstrommesseinrichtung 8.
[0098] Das Werkstück 4 liegt beim dargestellten Ausführungsbeispiel auf der Oberseite der
Wirbelstrommesseinrichtung 8 und direkt oberhalb der darin enthaltenen Erregereinheit
21 bzw. der Sensoreinheit 22. Damit die zu messenden Werkstücke 4 bei der Messung
immer flächig auf der Wirbelstrommesseinrichtung 8 aufliegen und zufällige Messfehler
durch schwankende Abstände zur Erregereinheit 21 und der Sensoreinheit 22 vermieden
werden, weist die Wirbelstrommesseinrichtung 8 zumindest eine Haltevorrichtung 41
zur Fixierung der Werkstücke 4 auf. Diese kann z.B. durch Vakuumsaugelemente 42 und/oder
Magnete 43 gebildet sein, die den gleichmäßigen und zuverlässigen Kontakt zwischen
Wirbelstrommesseinrichtung 8 und Werkstück 4 sicherstellen. Die Erregereinheit 21
und die Sensoreinheit 22 können dazu insbesondere an elastisch nachgiebigen oder kardanisch
beweglichen Aufhängungen an der Wirbelstrommesseinrichtung 8 gelagert sein, wodurch
auch bei dicken Blechplatinen als Werkstück 4 eine gute Anlage erreicht werden kann.
[0099] Im beschriebenen Ausführungsbeispiel ist die Dickenmesseinrichtung 20 an der Wirbelstrommesseinrichtung
8 angeordnet, wodurch die beiden Messungen gleichzeitig ausführbar sind, es kann die
Dickenmesseinrichtung 20 jedoch auch an anderer Position innerhalb der Fertigungseinrichtung
1, insbesondere im Bewegungsraum der Handhabungseinrichtung 37 angeordnet sein.
[0100] Fig. 5 ist weiters entnehmbar, dass die Messergebnisse der Wirbelstrommessung von
der Schnittstelle 40 leitungsgebunden, aber auch zusätzlich oder alternativ über ein
Sende- und Empfangseinrichtung 44 an die Schnittstelle 40 an der Steuervorrichtung
3 übertragen werden können. Die Sende- und Empfangseinrichtung 44 kann dabei die bereits
oben erwähnten drahtlosen Übertragungstechnologien Bluetooth, Wireless-LAN, Infrarot
oder ähnliches verwenden.
[0101] Die Wirbelstrommesseinrichtung 8 kann, wie in Fig. 4 dargestellt, die Bereitstellungsposition
39 bilden, an der Werkstücke 4 für den Bediener oder eine Handhabungseinrichtung 37
bereitgestellt werden. Damit jeweils nur ein Werkstück 4 in die Biegepresse 2 eingebracht
wird, ist es von Vorteil, eine Vereinzelung der Werkstücke 4 durchzuführen. Dies wird
durch eine Vereinzelungseinrichtung 45 durchgeführt, die von einem Stapel jeweils
ein Werkstück 4 entnimmt und an die Bereitstellungsposition 39 übergibt. Zur Überwachung
des Vereinzelungsvorganges kann die Vereinzelungseinrichtung 45 eine Einrichtung zur
Erkennung von Doppelentnahmen umfassen, z.B. in Form einer Dickenmessung für das vereinzelte
Werkstück oder eine Einrichtung zum Messen der Höhe des Stapels oder bzw. deren Veränderung
nach Entnahme eines Werkstücks 4.
[0102] Fig. 6 zeigt ein Beispiel für ein Modell 13 bzw. dessen Verwendung zur Festlegung
eines Einstellparameterwerts 14 einer Biegepresse 2 in Form eines in einem karthesischen
Koordinatensystem dargestellten Zusammenhangs. Auf der horizontalen Abszisse ist dabei
der variierbare Einstellparameter 11, z.B. die Eintauchtiefe 15 des Stempels 23 aufgetragen,
während auf der vertikalen Ordinate die Zielgröße 11 z.B. der Biegewinkel 12 aufgetragen
wird. Anhand einer Nenn-Umformkennlinie 46, die sich aufgrund der vor dem Biegevorgang
vorliegenden Kenngrößen 7 eines Werkstücks bestimmt, ist zum Erreichen einer vorgegebenen
Zielgröße 11 ein Nenn-Einstellparameterwert 47 erforderlich. Der Biegevorgang wird
jedoch nicht mit diesem Nenn-Einstellparameterwert 47 durchgeführt, sondern mit einem
Mess-Einstellparameterwert 48, bei dem die Zielgröße 11 noch einen deutlichen Abstand
vom Sollwert 10 besitzt. Mit diesem Mess-Einstellparameterwert 48 würde sich anhand
der angenommenen Nenn-Umformkennlinie 46 ein Nenn-Istwert 49 der Zielgröße 11 ergeben.
Wenn die Messung des Istwerts jedoch einen davon abweichenden Mess-Istwert 50 der
Zielgröße ergibt, wird daraus geschlossen, dass die Nenn-Umformkennlinie 46 die tatsächliche
Umformbarkeit des Werkstücks 4 nur unzureichend beschreibt, und mit dem Nenn-Einstellparameterwert
47 der Sollwert 10 am Ende des Biegevorgangs verfehlt werden wird.
[0103] Um den Einstellparameterwert 14 für den restlichen Biegevorgang so festzulegen bzw.
zu korrigieren, dass der Sollwert 10 der Zielgröße 11 möglichst gut angenähert wird,
wird nun anhand des mit dem Mess-Einstellparameterwert 48 erzielten Mess-Istwert 50
eine korrigierte Ist-Umformkennlinie 51 festgelegt mit Hilfe derer der korrigierte
Einstellparameterwert 14 bestimmt wird. Diese Abweichung der tatsächlich ermittelten
Umformbarkeit von der ursprünglich erwarteten Umformbarkeit des Werkstücks kann vereinfacht
als Parallelverschiebung der Nenn-Umformkennlinie 46 durch den aus Mess-Einstellparameterwert
48 und Mess-Istwert 50 bestimmten Datenpunkt angenommen werden, woraus die Ist-Umformkennlinie
51 entsteht.
[0104] Neben der hier beschriebenen Korrektur des Einstellparameterwerts 14 nach einem -
teilweise - durchgeführten Biegevorgang kann die in Form des aus Mess-Einstellparameterwert
48 und Mess-Istwert 50 bestimmten Datenpunkts tatsächlich ermittelte Ist-Umformbarkeit
des Werkstücks 4 dem bisher verwendeten Modell des Biegevorgangs hinzugefügt werden
und beispielsweise nach einer neuerlichen Berechnung der Nenn-Umformkennlinie 46 für
nachfolgende Biegevorgänge Berücksichtigung finden und das Modell 13 dadurch verbessert
und adaptiert werden.
[0105] Der Ordnung halber sei abschließend darauf hingewiesen, dass zum besseren Verständnis
die Maßnahmen des Verfahrens zur Festlegung eines Einstellwertes einer Biegepresse
für einen Biegevorgang an einem elektrisch leitfähigen Werkstück bzw. die Bestandteile
einer Fertigungseinrichtung für das Biegen von leitfähigen Werkstücken vereinfacht,
teilweise unmaßstäblich und/oder vergrößert und/oder verkleinert dargestellt wurden.
Bezugszeichenaufstellung
[0106]
- 1
- Werkstück
- 2
- Blechplatine
- 3
- Dicke
- 4
- Dickenmesseinrichtung
- 5
- Magnetfeldmesseinrichtung
- 6
- Erregereinheit
- 7
- Sensoreinheit
- 8
- Steuervorrichtung
- 9
- Steuerung
- 10
- Zusammenhang
- 11
- Biegewinkel
- 12
- Stempel
- 13
- Matrize
- 14
- V-Gesenk
- 15
- Umformweg
- 16
- Berührungspunkt
- 17
- Totpunkt
- 18
- Fertigungseinrichtung
- 19
- Biegepresse
- 20
- Maschinenrahmen
- 21
- Pressbalken
- 22
- Pressbalken
- 23
- Verstelleinrichtung
- 24
- Wegmesseinrichtung
- 25
- Positioniereinrichtung
- 26
- Handhabungseinrichtung
- 27
- Greifvorrichtung
- 28
- Bereitstellungsposition
- 29
- Schnittstelle
- 30
- Haltevorrichtung
- 31
- Vakuumsaugelement
- 32
- Magnet
- 33
- Sende- und Empfangseinrichtung
- 34
- Vereinzelungseinrichtung