(19)
(11) EP 2 138 995 B1

(12) EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT

(45) Hinweis auf die Patenterteilung:
21.09.2011  Patentblatt  2011/38

(21) Anmeldenummer: 08011714.6

(22) Anmeldetag:  27.06.2008
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
G10D 7/06(2006.01)

(54)

Griffmechanik für Holzblasinstrumente

Fingering mechanism for woodwind instruments

Mécanisme de clefs pour instruments de musique de la famille des bois


(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MT NL NO PL PT RO SE SI SK TR

(43) Veröffentlichungstag der Anmeldung:
30.12.2009  Patentblatt  2009/53

(73) Patentinhaber: Reißner, Ernst
86637 Wertingen (DE)

(72) Erfinder:
  • Reißner, Ernst
    86637 Wertingen (DE)

(74) Vertreter: Schinkel, Reta et al
Müller Schupfner & Partner Patentanwälte Bavariaring 11
80336 München
80336 München (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
FR-A- 367 347
FR-A- 1 240 588
FR-A- 2 584 222
US-A- 3 890 874
FR-A- 452 348
FR-A- 1 429 882
US-A- 2 832 249
   
  • LEON GOOSSENS, EDWIN ROXBURGH: "Die Oboe" 1983, FISCHER , FRANKFURT AM MAIN , XP002501968 * Seiten 219-223 *
   
Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen).


Beschreibung

Einleitung



[0001] Die Erfindung besteht in einer Verbesserung der Griffmechanik von Holzblasinstrumenten, insbesondere von Oboen. Bei Blasinstrumenten entspricht die Tonhöhe der Länge der schwingenden Luftsäule, die im Schallrohr im Prinzip vom Mundstück bis zur nächsten Öffnung reicht. Holzblasinstrumente erzielen verschiedene Tonhöhen, indem das Schallrohr akustisch durch Öffnen i.a. seitlich angebrachter Tonlöcher verkürzt wird.

[0002] In diesem Sinne sind die Querflöten Holzblasinstrumente, obwohl sie heute gewöhnlich aus Metall ist, Alphörner, Panflöten und Orgeln hingegen nicht.

Stand der Technik



[0003] Die sieben Töne einer Oktave einer Dur-Tonleiter verlangen entsprechend sieben Tonlöcher. Bis zur Erfindung der Griffmechanik waren die Tonlöcher der Holzblasinstrumente so angebracht, dass sich eine aufsteigende Tonleiter der Grundtonart ergibt, indem man alle seitlichen Tonlöcher verschließt und dann sukzessive die einzelnen Finger von unten nach oben abhebt. Diese Griffe verschließen vom Mundstück aus gesehen alle Tonlöcher bis zu einem bestimmten. Ab diesem stehen dann alle folgenden Tonlöcher offen. Solche Griffe seien im Folgenden lineare Griffe genannt, alle anderen, in einer leichten Verallgemeinerung der üblichen Verwendung des Begriffs, Gabelgriffe.

[0004] Zur Illustration stellt Figur 1 geschlossene bzw. offene Tonlöcher der modernen Französischen Oboe für die Töne b bis c" als ausgefüllte bzw. unausgefüllte Kreise dar. Für die Töne b' bzw. #a' sowie c" bzw. #h ist jeweils ein Gabelgriff angegeben, für alle anderen hingegen ein linearer Griff.

[0005] Verglichen mit entsprechenden oder benachbarten linearen Griffen, bringen Gabelgriffe tendenziell verhaltene bis stickige Töne mit verringerter Dynamik und instabiler Intonation hervor, seltener auch besonders und unangenehm offene mit gesteigerter Dynamik.

[0006] Das Nebeneinander von linearen Griffen und Gabelgriffen, aber auch das von verschiedenen Gabelgriffen führt zu erheblicher klanglicher Inhomogenität. Ein extremes Beispiel hierfür sind die benachbarten Töne b' und c" auf der Französischen Oboe.

[0007] Manche beschreiben den Klang von b' als lieblich, andere als stickig. Objektiv ist die Dynamik erheblich reduziert, die Intonation dagegen unproblematisch. Im Gegensatz dazu klingt c" offen, fast schreiend bei ausgeprägter Dynamik und instabiler Intonation.

[0008] Bis zur Erfindung der Griffmechanik wurden die Töne der Grundtonleiter weitgehend mit linearen Griffen, vorzeichenbehaftete Töne hingegen mit Gabelgriffen realisiert. So war die Inhomogenität nicht nur verdeckt, sondern sogar begründet. Heute aber, da man volle Chromatik wünscht, wird die Inhomogenität als störend empfunden.

[0009] Um Gabelgriffe zu vermeiden benötigt jeder Halbton sein eigenes Tonloch. Die übliche Überblastechnik entwickelt den gesamten Tonumfang aus der untersten Oktave und verlangt somit 12 Tonlöcher, die aber ein Spieler mit seinen 10 Fingern unmöglich direkt betätigen kann, zumal ein Finger das Instrument hält und ein weiterer die Überblasklappe bedient. Verschärft wird das Problem bei Instrumenten, die in die Duodezime statt in die Oktave überblasen.

[0010] Während also eine diatonische Tonleiter mit linearen Griffen spielbar ist, indem die Finger die Tonlöcher direkt schließen, benötigt eine chromatische Tonleiter dazu eine Griffmechanik, die den Anschlag der Finger wenn nötig auf weiter entfernte Tonlöcher überträgt.

[0011] Heutige Griffmechaniken eliminieren Gabelgriffe weitgehend und tragen damit wesentlich zu einem homogenen Klang bei. Umgekehrt führen Griffmechaniken zusätzliche Gabelgriffe ein, wenn eine Klappe, genannt K1, ein entferntes Tonloch betätigen soll, dabei aber unerwünschterweise das unter K1 liegende Tonloch U1, verschließt, obwohl ein weiteres, näher am Mundstück liegendes Tonloch U2 offen steht.

[0012] Figur 1 zeigt die Situation anhand der Töne b' und c" auf der Französischen Oboe, Systeme Conservatoire: Der Zeigefinger deckt jeweils mit der #f-Klappe das darunterliegende #f-Tonloch, um das b-Tonloch bzw. das c-Tonloch über eine schematisch dargestellte Mechanik zu öffnen. Da aber jeweils u.a. das näher am Mundstück liegende g-Tonloch offen steht, entstehen zwei Gabelgriffe.

[0013] Die beiden heute mit dem Systeme Conservatoire konkurrierenden Griffmechaniken für Oboe vermeiden, die #f-Klappe zu schließen, und damit den Gabelgriff, indem sie b' = #a' aus a' sowie c" = #h' aus h' durch Drücken einer weiteren Klappe gewinnen.

[0014] Die Wiener Oboe verwendet dazu eine Trillerklappe und büßt dadurch an Beweglichkeit und Klangqualität ein. Das englische Daumenplattensystem verwendet einen zusätzlichen Daumenhebel und verliert einen beträchtlichen Teil des Tonumfangs, da sich der Daumenhebel nicht mit einer dritten Oktavklappe kombinieren lässt.

[0015] Oboen, die sowohl Griffweise des Daumenplattensystems als auch die des Systeme Conservatoire erlauben, vereinigen nicht die Vorteile beider Systeme; der Spieler kann nur die für ihn akzeptablere Unzulänglichkeit wählen. Fortgeschrittene Spieler nehmen neue oder doppelte Griffweisen nur ungern an. Praktisch ist das Daumenplattensystem auf Länder des Commonwealth beschränkt, die Wiener Oboe auf Wien und seine Philharmoniker.

[0016] Im Stand der Technik sind Resonanzklappen für Oboe (FR452348) oder Klarinette (FR2584222) vorhanden. Diese Resonanzklappen werden geschlossen und geöffnet in Abhängigkeit von der Betätigung von näher am Mundstück gelegenen Tonlöchern.

Zu lösende technische Aufgabe



[0017] Ziel der Erfindung ist es, bei voller Beibehaltung der gewohnten Grifftechnik diese mechanisch so umzusetzen, dass Gabelgriffe mit klanglichen Nachteilen vermieden werden.

Darstellung der Erfindung



[0018] Diese Aufgabe löst die Erfindung durch eine Griffmechanik gemäß Anspruch 1. Diese Griffmechanik ist dadurch gekennzeichnet, dass durch Schließen einer zu einem ersten Tonloch gehörigen ersten Klappe nicht in jedem Fall das erste Tonloch geschlossen wird, sondern nur dann, wenn zumindest ein - vorzugsweise alle - näher am Mundstück liegen-de(s) zweite(s) Tonloch/Tonlöcher ebenfalls geschlossen ist/sind. Die Erfindung ermöglicht somit, bei jedem Griff, bei dem der Druck eines Fingers über eine Klappe ein entferntes Tonloch betätigen soll, das unwillkürliche aber unerwünschte Schließen des darunterliegenden ersten Tonlochs zu vermeiden, es sei denn jedes näher am Mundstück liegende Tonloch ist auch geschlossen. Mit anderen Worten ist bevorzugt das erste Tonloch nur zu schließen, wenn ein näher am Mundstück liegendes zweites Tonloch und die erste Klappe beide geschlossen sind. Auf diese Weise wird ermöglicht, durch Betätigen der ersten Klappe ein Halbtonloch, z.B. im Fall der Oboe vorzugsweise das c' oder das b'-Loch, zu schließen, ohne das zu der ersten Klappe gehörige Tonloch, z.B. im Fall des Oboe vorzugsweise das #f-Tonloch, zu schließen. Auf diese Weise werden Gabelgriffe vermieden, und möglichst alle Töne durch lineare Griffe realisiert. Darüber hinaus erlaubt die Erfindung, die alte Grifftechnik beizubehalten.

[0019] Besonders bevorzugt ist das Holzblasinstrument eine Oboe; die Erfindung kann jedoch auch bei allen anderen Holzblasinstrumenten, insbesondere bei der Querflöte, der Klarinette, dem Fagott und dem Saxophon, eingesetzt werden. Vorzugsweise handelt es sich um ein Holzblasinstrument mit Ganzton- und Halbtonlöchern.

[0020] Auf die Töne b' und c" der Oboe angewandt bedeutet das, die klanglichen Vorzüge des Daumenplattensystems mit der gängigeren Griffweise des Systeme Conservatoire zu kombinieren. Der Erfinder hat erkannt, dass lineare Griffe tendenziell zu frei klingenden Tönen mit ausgeprägter Dynamik fuhren. Die Klangqualität variiert wenig mit der Tonhöhe, was einen homogenen Gesamtklang ergibt. Bei der Oboe füge sich die Töne c" und b' nahtlos in die Reihe der umgebenden Töne ein; c" wird lieblicher, b' wird kräftiger, bleibt aber schön, die Dynamik wird ausgeglichen und die Intonation problemlos.

[0021] Vorzugsweise handelt es sich um eine Modifikation der Mechanik der französischen Oboe, bei welcher die am weitesten verbreitete Griffweise des Systeme Conservatoire erhalten bleibt. Vorzugsweise wird bei der Oboe die Griffmechanik so verändert, dass bei Beibehaltung der Griffe und aller sonstiger Eigenschaften verhindert wird, dass beim Spielen von b', c", b" und c'" die #f-Klappe das darunter liegende #f-Tonloch verschließt. Und zwar ist das #f-Tonloch genau dann zu verschließen, wenn sowohl die #f-Klappe, als auch eine näher am Mundstück gelegene Klappe, vorzugsweise die g-Klappe, geschlossen sind. Das bedeutet, dass der trotz gängiger Griffweise kein Gabelgriff mehr vorliegt.

[0022] Das erste Tonloch ist bevorzugt ein Ganztonloch, das bei einer bekannten Griffmechanik für das jeweilige Holzblasinstrument direkt unter einer Klappe liegt. Gemäß Stand der Technik würde diese erste Klappe direkt das erste Tonloch schließen, wenn der Spieler die Klappe betätigt, also sie mit seinem Finger gegen das Schallrohr drückt. Das heißt, die erste Klappe betätigt das erste Tonloch direkt.

[0023] Bei der Erfindung sind dagegen die Griffmechanik und/oder das erste Tonloch bevorzugt so verändert, dass die erste Klappe das erste Tonloch nicht direkt betätigt, sondern über einen vermittelnden ersten Mechanismus. Dadurch wird ermöglicht, den Mechanismus so zu gestalten, dass das Herunterdrücken der ersten Klappe nicht in jedem Fall das erste Tonloch schließt. Es gibt verschiedenen Möglichkeiten, dies zu realisieren.

[0024] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist das erste Tonloch - bei der Oboe vorzugsweise das #f-Tonloch - nicht direkt unter der dazugehörigen ersten Klappe angeordnet, sondern z.B. entlang der Umfangslinie des Blasinstruments verschoben. Das erste Tonloch ist dann nicht mehr in einer Reihe mit den darüber und darunter liegenden Tonlöchern angeordnet und wird vorzugsweise über einen ersten Mechanismus durch Betätigen der ersten Klappe geschlossen. Auf diese Weise ist es möglich, einen Mechanismus einzurichten, bei dem bei Betätigen der Klappe eines ersten Tonlochs nicht automatisch das zugehörige Tonloch geschlossen wird. Vorzugsweise wird das Tonloch, vom Spieler aus gesehen, um ca. 20 bis 120° Grad, vorzugsweise 40 bis 100° und am meisten bevorzugt ca. 90° ± 5°, entlang des Umfangs verschoben, vorzugsweise im Uhrzeigersinn. Das verschobene Tonloch sollte nicht zu weit von der herkömmlichen Bohrung angebracht werden, vor allem vorzugsweise nicht auf der gegenüberliegenden, beim Spielen unten liegenden Seite des Schalkohrs, damit es nicht durch Kondensat verstopft werden kann, welches auf der Rückseite des Instruments herunter läuft.

[0025] Die zu diesem ersten Tonloch gehörige erste Klappe bleibt erhalten, verschließt aber kein unter ihr liegendes Tonloch mehr. Stattdessen wird vorzugsweise ein Stopper aus Kork, Gummi oder Kunststoff angebracht, der das Aufschlagen der Klappe auf das Schallrohr abdämpft bzw. verhindert.

[0026] Diese Ausführungsform der Erfindung beruht auf der Erkenntnis, dass für die Akustik lediglich der Abstand eines Tonlochs vom oberen Ende des Schallrohres, an dem das Mundstück befestigt ist, entscheidend ist. Ein Tonloch kann also ohne weiteres auf einer Kreisbahn rund um das Schallrohr verschoben werden.

[0027] Bevorzugt ist ein zweiter Mechanismus vorgesehen, der verhindert, dass das erste Tonloch geschlossen wird, wenn das zweite Tonloch offen ist. Dieser zweite Mechanismus ist vorzugsweise mit einer zu dem zweiten Tonloch gehörigen zweiten Klappe verbunden und steht vorzugsweise mit dem ersten Mechanismus in Verbindung.

[0028] Sowohl der erste als auch der zweite Mechanismus umfassen vorzugweise eine Wippe, die elastisch in ein ihrer beiden Kippstellungen beaufschlagt ist, wobei die Kippstellung durch Betätigen der ersten bzw. zweiten Klappe vorzugsweise über einen Hebelmechanismus verstellbar ist. Gemäß einer ersten Variante sind eine oder beide Wippen zumindest im Wesentlichen parallel - d.h. mit einer Abweichung von bis zu 10° oder 20° - zur Achse des Schallrohrs des Holblasinstruments angeordnet. Gemäß einer zweiten Variante können eine oder beide Wippen auch quer zur Achse des Schallrohrs angeordnet sein, also in Umfangsrichtung am Schallrohr angebracht sein, wobei auch hier eine Abweichung von bis zu 10° oder 20° möglich ist.

[0029] Gemäß einer noch weiteren Variante weist die Griffmechanik eine Zusatzklappe auf, welche durch eine Rückstellvorrichtung elastisch in der geschlossenen Stellung gehalten wird und das erste Tonloch betätigt. Besonders bevorzugt öffnen die zu dem ersten und dem zweiten Tonloch gehörigen beiden Klappen, welche eine Rückstellvorrichtung wie z.B. eine Feder elastisch in offener Stellung hält, die oben genannte Zusatzklappe, wenn die Klappen in offener Stellung sind.

[0030] Wenn das zweite Tonloch offen ist, verhindert also die Griffmechanik vorzugsweise, dass das erste Tonloch geschlossen wird. Somit kann vorzugsweise vorgesehen werden, dass durch Betätigen der ersten Klappe ein anderes, näher am Mundstück liegendes Halbtonloch (z.B. bei der Oboe das b'- oder c"-Tonloch) geschlossen wird. Auf diese Weise werden durch die Griffmechanik eine chromatische Spielweise und die Realisation von Halbtönen ohne Gabelgriffe ermöglicht.

[0031] Vorzugsweise sind das erste und das zweite Tonloch aufeinander folgende Ganztonlöcher, im Fall der Oboe vorzugsweise das #f- und g-Tonloch.

[0032] Schließlich ist die Erfindung auch auf eine Griffmechanik für Holzblasinstrumente mit Ganzton- und Halbtonlöcher gerichtet, bei welchem bei jedem Ton alle Tonlöcher vom Mundstück bis zu einem bestimmten Ton auch geschlossen sind und die anderen, unterhalb des bestimmten Tonlochs vorhandenen Tonlöcher alle offen stehen. Die Griffmechanik kann im Übrigen wir oben beschrieben ausgebildet sein.

[0033] Die Erfindung wird nun anhand von bevorzugten Ausführungsformen am Beispiel der Oboe mit Bezug auf die beiliegenden Zeichnungen näher erläutert.

Kurbeschreibung der Zeichnungen



[0034] In den Zeichnungen zeigen:
Fig. 1
schematische Draufsichten auf eine Oboe mit Tonlöchern, demonstrierend die Griffe gemäß Stand der Technik;
Fig. 2
schematische Schnittansichten durch das Oberteil einer Oboe im Bereich des ersten Tonlochs (Zeichnungen O1 und C1) und durch das Mittelteil einer Oboe im Bereich des zweiten Tonlochs (Zeichnungen O2 und C2), jeweils bei geöff- neter Klappe (O1 und O2) und bei geschlossener Klappe (C1 und C2), vom Spie- ler aus gesehen, mit einer Griffmechanik gemäß einem ersten Ausführungsbei- spiel;
Fig. 3
schematische Draufsichten auf einen Ausschnitt der Oboe der Fig. 2 im Bereich des ersten und des zweiten Tonlochs, wobei die Zeichnungen A-D nur Aus- schnitt mit dem Wippen-Mechanismus in verschiedenen Öffnungszuständen zeigen;
Fig. 4
Um ca. 90° gedrehte Draufsichten auf das Mittelteil der Fig. 3, ohne den ersten Mechanismus (links) und mit erstem Mechanismus (rechts);
Fig. 5
schematische Draufsichten auf einen Ausschnitt der Oboe mit Griffmechanik gemäß einem zweiten Ausführungsbeispiel im Bereich des ersten und des zwei- ten Tonlochs, wobei die Zeichnungen A-D nur Ausschnitt mit dem Wippen- Mechanismus in verschiedenen Öffnungszuständen zeigen;
Fig. 6
schematische Schnittansichten durch das Oberteil einer Oboe im Bereich des ersten Tonlochs (Zeichnungen O1, und C1) und durch das Mittelteil einer Oboe im Bereich des zweiten Tonlochs (Zeichnungen O2 und C2), jeweils bei geöff- neter Klappe (O1 und O1) und bei geschlossener Klappe (C1 und C2), vom Spie- ler aus gesehen, mit einer Griffmechanik gemäß dem zweiten Ausfiihrungsbei- spiel;
Fig. 7
Eine schematische Draufsicht auf einen Ausschnitt der Griffmechanik gemäß einem dritten Ausführungsbeispiel im Bereich des ersten und des zweiten Ton- lochs;
Fig. 8
schematische Schnittansichten durch das Oberteil einer Oboe im Bereich des ersten Tonlochs (Zeichnungen O1, und C1) und durch das Mittelteil einer Oboe im Bereich des zweiten Tonlochs (Zeichnungen O2 und C2), jeweils bei geöff- neter Klappe (O1 und O2) und bei geschlossener Klappe (C1 und C2), vom Spie- ler aus gesehen, mit einer Griffmechanik gemäß dem vierten Ausführungsbei- spiel;
Fig. 9
eine schematische Draufsicht auf einen Ausschnitt der Griffmechanik gemäß dem vierten Ausführungsbeispiel im Bereich des ersten und des zweiten Ton- lochs;
Fig. 10
eine schematische perspektivische Ansicht auf die Kupplung zwischen den bei- den Wellen gemäß dem vierten Ausführungsbeispiel;
Fig. 11
schematische Schnittansichten durch das Oberteil einer Oboe im Bereich des ersten Tonlochs (Zeichnungen O1 und C1) und durch das Mittelteil einer Oboe im Bereich des zweiten Tonlochs (Zeichnungen O2 und C2), jeweils bei geöff- neter Klappe (O1 und O2) und bei geschlossener Klappe (C1 und C2), vom Schallbecher aus gesehen, mit einer Griffmechanik gemäß einem fünften Aus- führungsbeispiel;
Fig. 12
eine schematische Draufsicht auf einen Ausschnitt der Griffmechanik gemäß dem fünften Ausführungsbeispiel im Bereich des ersten und des zweiten Ton- lochs;
Fig. 13
Schematische Draufsichten auf eine Oboe, wobei nur die Ganztonlöcher in ver- schiedenen Nebengriffen dargestellt sind.

Beschreibung von bevorzugten Ausführungsformen



[0035] Vorzugsweise handelt es sich um eine Modifikation der Mechanik der Oboe und vorzugsweise wird die Erfindung zugleich auf die Töne b' und c" angewandt. Dann entsprechen sich das #f- und das erste Tonloch, sowie vorzugsweise das g- und das zweite Tonloch. Analog entsprechen sich die #f- und die erste Klappe, sowie die g- und die zweite Klappe.

[0036] Figuren 2 und 3 zeigen schematisch eine Oboe mit einer Griffmechanik gemäß einem ersten Ausführungsbeispiel vom Mundstück aus in Richtung der Innenbohrung gesehen bzw. in seitlicher Draufsicht. Zusätzlich zeigt Figur 4 Schrägbilder, auf dem das Tonloch U1 zu sehen ist, das sonst von der Klappe K1 verdeckt ist. Alle angegebenen Figuren stellen Teile der Mechanik, die dem Stand der Technik entsprechen, flächig dar, neue Teile hingegen schraffiert.

[0037] Wie auf Figur 2 zu sehen, ist die Klappe K1 an der Welle ℓ1 drehbar aufgehängt und wird von einer Feder F1 "offen", d.h. weg vom Schallrohr gehalten. Durch Druck mit dem Finger auf die Klappe K1 wird das darunterliegende Tonloch U1 verschlossen. Entsprechend betätigt die Klappe K2 das Tonloch U2. Sie ist an einer Welle ℓ2 in der Verlängerung von ℓ1 drehbar angebracht und wird von einer Feder F2 in offener Stellung gehalten. Wie Figur 3 zeigt, befinden sich K1, ℓ1, F1, und U1, üblicherweise auf dem Mittelteil T1, der Oboe an der Grenze zum Oberteil, K2, ℓ2, F2 und U2 hingegen sind am Oberteil T2 an der Grenze zum Mittelteil T1 angebracht.

[0038] Das erste Ziel der Erfindung ist es, mit dem Drücken der Klappe K1 nicht mehr unwillkürlich das darunterliegende Tonloch U1 zu verschließen.

[0039] Vorzugsweise wird dies erreicht, indem das Tonloch U1 nicht mehr direkt unter der dazugehörigen Klappe K1 angeordnet, sondern, wie in Figur 4 links gezeigt, entlang einer Kreisbahn um die Längsachse des Schallrohrs verschoben wird. Das Tonloch U1 ist damit durch U1' ersetzt. Diese Ausführungsform der Erfindung beruht auf der Erkenntnis, dass die akustische Wirkung eines Tonlochs nur von dessen Abstand vom Mundende des Schallrohres abhängt. Die Drehung ist vorzugsweise so gewählt, dass U1' an einer Stelle ist, die nicht von K1 verdeckt wird, von herab laufendem Kondenswasser frei bleibt und gegebenenfalls genügend Platz für zusätzliche Mechanik bietet. Bei der hier beschriebenen Ausführungsform der Mechanik ist die bevorzugte Drehung vom Spieler aus gesehen ca. 90° im Uhrzeigersinn.

[0040] Die Klappe K1 bleibt vorzugsweise an Ort und Stelle erhalten. Vorzugsweise tritt an die Stelle von U1 ein Stopper S der verhindert, dass K1 auf dem Schallrohr aufschlägt.

[0041] Das neue Tonloch U1' wird nicht mehr wie das ursprüngliche durch K1 direkt betätigt, sondern vorzugsweise durch einen mit der Klappe K1 starr verbundenen aber auf der anderen Seite von der Welle ℓ1 angebrachten Hebel H1, der an bzw. über ein Ende E1 einer Wippe W1 greift, die vorzugsweise parallel zu der Welle ℓ1 verläuft und an deren anderem Ende eine Platte P1 angebracht ist, die das Tonloch U1' öffnen und schließen kann (siehe Figur 3). Die Wippe W1, ist drehbar an einem Lager L1 zwischen E1 und P1 gelagert. Eine Feder f1 hält die Wippe W1, in der waagrechten Stellung, in der die Platte P1 das Tonloch U1' verschließt. Der Mechanismus ist vollständig am Mittelteil T1 der Oboe angebracht, eine Nase N1 am E1 gegenüber liegenden Ende von W1 an der Platte P1 reicht bis an die Nahtstelle zum Oberteil.

[0042] Symmetrisch zur Mechanik am Mittelteil der Oboe, besteht der Teil der Mechanik am Oberteil T2 der Oboe aus einem mit der Klappe K2 starr verbundenen aber auf der anderen Seite von der Welle ℓ2 angebrachten Hebel H2, der an ein Ende E2 einer Wippe W2 greift, die vorzugsweise parallel zu ℓ2 angebracht ist und deren anderes Ende eine Nase N2 trägt, die bis an das Mittelteil T1 der Oboe reicht. Die Wippe W2 ist drehbar in einem Lager L2 zwischen E2 und N2 gelagert. Eine Feder f2 hält W2 in der waagrechten Stellung in der N2 nahe am Schallrohr ist. Die Klappe K2 ist die normale Klappe zum betätigen eines darunter liegenden zweiten Tonlochs U2.

[0043] Am Übergang von Ober- zu Mittelteil der Oboe greifen die beiden Mechanismen an den Nasen N1 und N2 ineinander.

[0044] Drückt der Spieler die Klappe K1 zum Schallrohr hin, so bewegt sich der Hebel H1 gegenläufig vom Schallrohr weg und gibt die Wippe W1 frei. Ist zusätzlich K2 gedrückt, so gibt auch der Hebel H2 die Wippe W2 frei. Gemäß Figur 3 A gehen beide Wippen, getrieben durch die Federn f1 und f2, in die waagrechte Stellung, in der die beiden Nasen nahe am Schallrohr sind und in der U1' geschlossen ist.

[0045] Lässt man K1 los, so "öffnet" die Feder F1 die Klappe K1 und bewegt den Hebel H1 zum Schallrohr hin. Gegen den Widerstand der Feder f1, bringt der Hebel H1 die Wippe W1 in Kippstellung und P1 öffnet das Tonloch U1'. Wie Figur 3 B zeigt, gilt dies unabhängig von der Position von K2 bzw. von H2.

[0046] Lässt man stattdessen K2 los, so "öffnet" F2 die Klappe K2 bzw. das zugehörige Tonloch U2 und bewegt H2 zum Schallrohr hin. Wie Figur 3 C zeigt, hält der Hebel H2 die Wippe W2 in der Kippstellung, d.h. so, dass die Nase N2 vom Schallrohr entfernt ist. Da die beiden Wippen an deren Nasen N1 und N2 geeignet gekoppelt sind, wobei z.B. die Nase N2 unter die Nase N1 greift, geht damit auch W1 in die Kippstellung und U1' öffnet sich, vorausgesetzt, die Feder F2 überwiegt f1 und f2 zusammengenommen. Offensichtlich gilt dies unabhängig von der Position von K1 bzw. von H1.

[0047] Vorzugsweise ist die Wippe W2 mit zwei Einbuchtungen B2 versehen, die in Figur 3 oben beispielhaft zwischen Lager L2 und Nase N2 angebracht sind. Sie dienen dazu, die beiden in der üblichen Griffmechanik an dieser Stelle angebrachten Lager zu überbrücken, die die Wippe W2 vorzugsweise rechtwinkelig kreuzen. Eines der Lager gehört zu einer weiteren Wippe, die ebenfalls mit einer Einbuchtung versehen werden muss, die den Hebel H2 überbrückt.

[0048] Die Enden der Wippen W1 und W2 sind vorzugsweise mit Kork zu besetzen und die Hebel H1 und H2 sind mit Stellschrauben zu versehen. Zur Vereinfachung sind diese Teile der Mechanik nicht zeichnerisch dargestellt.

[0049] An der Nahtstelle zwischen Oberteil T2 und Mittelteil T1 der Oboe greifen die Wippen der neuen Mechanik an den Nasen N1 und N2 ineinander. Um die Oboe beim Zusammenbauen von Ober- und Mittelteil nicht zu beschädigen, drückt man üblicherweise am Oberteil die C-D-Trillerklappe und an der anderen Seite die oben genannte weitere Wippe. Mit der neuen Mechanik ist zusätzlich die g-Klappe zu drücken um die Wippe W2 in die waagrechte Stellung zu bringen. Wie üblich lässt man die Klappe K1 in Ruhelage und damit die Welle W1 in Kippstellung. Wie Figur 3 D zeigt, ist dann N2 nahe am Schallrohr, N1 hingegen entfernt. So lassen sich Ober- und Mittelteil leicht ineinanderschieben und wieder voneinander trennen.

[0050] Bei Oboen wird die Erfindung besonders vorteilhaft eingesetzt, wenn Ober- und Mittelteil mit einem Bajonettverschluss verbunden sind, der so schmal ist, dass das #f-Tonloch an der akustisch idealen Position nahe dem Übergang zwischen Ober- und Mittelteil angebracht werden kann.

[0051] Im Kern besteht die Erfindung darin, das U1 Tonloch nur zu schließen, wenn U2 und K1 beide geschlossen sind, nicht aber in einer speziellen Realisierung dieser Logik. Nachdem nun eine Ausführungsform der Erfindung dargestellt wurde, seien nochmals die wesentlichen Aspekte aufgelistet.

[0052] Vorzugsweise werden die Mechanik und/oder das Tonloch U1 so verändert, dass die Klappe K1 das gegebenenfalls modifizierte Tonloch U1' nicht mehr notwendig verschließt. Vorzugsweise wird U1' nicht mehr wie ursprünglich durch K1 direkt betätigt, sondern vorzugsweise durch eine Platte P1, die über U1 liegt. Die Platte P1 ist vorzugsweise an einer Wippe W1 angebracht die in einem Lager L1 drehbar gelagert und mit einer Rückstellvorrichtung, etwa einer Feder f1 versehen ist, die für sich genommen W1 in einer "waagrechten" Stellung hält, in der die Platte P1 das Tonloch U1' verschließt.

[0053] Um zu ermitteln, ob das Tonloch U2 offen ist wird vorzugsweise eine Klappe K2 wie oben beschrieben verwendet. Bei Griffmechaniken wie sie etwa bei älteren Oboen vorkommen, muss die Klappe K2 nebst Rückstellvorrichtung erst angebracht werden.

[0054] Sind beide Klappen, K1 und K2 gedrückt, also in geschlossener Stellung, so wird die Wippe W1 in geschlossener Stellung belassen. Wird jedoch mindestens eine Klappe losgelassen, so geht W1, getrieben durch die Rückstellvorrichtung F1 bzw. F2 von K1 bzw. von K2, und entgegen der Kraft von f1 in die offene "Kippstellung" über.

[0055] Um einen Eindruck von der Vielfalt der möglichen Realisierungen zu vermitteln, geben wir im Folgenden einige weitere Ausführungsbeispiele an.

[0056] In der in Figur 3 gezeigten ersten Ausführungsform liegt das Ende E2 der Wippe W2 zwischen dem Hebel H2 und dem Schallrohr und die Feder f2 hält W2 waagrecht.

[0057] Eine äquivalente Mechanik ergibt sich, wenn der Hebel H2 zwischen Schallrohr und dem Ende E2 liegt und dafür die Feder f2 so angebracht wird, dass sie für sich genommen die Wippe W2 in die Kippstellung bringt, wie in Figur 5 oben gezeigt, wenn nur f2 die Feder f1 überwiegt. Deshalb ist diese zweite Ausführungsform verglichen mit der zuerst beschriebenen etwas leichter zu realisieren. Eine Stellschraube ist an E1 statt an H1 anzubringen.

[0058] Das Ende E1 der Wippe W1 und der Hebel H1 können gemäß einem dritten Ausführungsbeispiel auch so gestaltet sein, dass sie sich immer gleichläufig bewegen, indem sie z.B. fest ineinander greifen wie Figur 7 illustriert. Eine der Federn F2 oder f2 ist dann überflüssig.

[0059] Neben den oben beschrieben recht nahe verwandten Ausführungsbeispielen, gibt es auch weitere, mit quer zur Achse des Schallrohrs angebrachter Zusatzklappe. Eine davon stellen Figuren 8 und 9 dar. Bei diesem vierten Ausführungsbeispiel sind die beiden Wellen ℓ1 und ℓ2 miteinander derart verbunden, dass die Bewegung des Klappe K2 am Oberteil auf den Hebel H2 übertragen werden kann, der bei diesem Ausführungsbeispiel am Mittelteil T1 angeordnet ist. Die Elemente dieser Mechanik, die Elementen der oben beschriebenen Realisierungen entsprechen, sind gleich benannt.

[0060] Die beiden oberen Bilder aus Figur 8 zeigen, wie die Hebel H1 und das Ende E1 der Wippe W1 ineinandergreifen. Durch die Art der Anbringung der Feder f1 am Ende E1 hält sie W1 für sich genommen in geschlossener Stellung. Öffnet sich K1, so nähern sich der Hebel H1 und das Ende E1 der Wippe W1 dem Schallrohr und die Platte P1 an der Wippe W1 öffnet das Tonloch U1'. Der Hebel H2, der von der zweiten Klappe K2 aus bedient wird, greift an das Ende E1 in gleicher Weise an wie H1. Damit öffnet P1 das Tonloch U1', wenn entweder K1 oder K2 offen sind. Figur 9 zeigt, wie sich die Mechanik auf Oberteil T2 und Mittelteil T1 verteilt.

[0061] Vorzugsweise ist der Hebel H2 an der Welle ℓ1, also am Mittelteil T1 befestigt, die Klappe K2 aber an der Welle ℓ2 am Oberteil ℓ2 der Oboe. Das macht eine Kupplung K nötig, die die Drehbewegung von der Welle am Oberteil ℓ2 auf die Welle am Mittelteil ℓ1 überträgt. Eine Möglichkeit dazu ist in Figur 10 dargestellt. Die Kopplung besteht aus zwei komplementären Zahnkränzen, die jeweils an den Enden der Wellen ℓ1 und ℓ2 angebracht sind. Wenn sie zusammengesetzt sind, greift ein Innenzahnkranz auf einer Welle über einen Außenzahnkranz an der anderen Welle, so dass diese drehfest miteinander verbunden sind. Die Wellen ℓ1, ℓ2 können jedoch ohne weiteres durch Zug entlang der Achsen voneinander getrennt werden.

[0062] Optional kann H2 mit einer eigenen Feder F2' (nicht dargestellt) ausgestattet sein, die in die gleiche Richtung wie F2 wirkt.

[0063] In Figur 8 unten ist zu beachten, dass sich die Klappe K2 im Vordergrund auf dem Oberteil der Oboe befindet, die Wippe W1 und der daran angreifende Hebel H2 aber auf dem Mittelteil, also im Hintergrund.

[0064] Abschließend stellen Figuren 11 und 12 ein fünftes Ausführungsbeispiel dar, die bei der Oboe allerdings verlangt, die bereits vorhandene Mechanik zu modifizieren, um Platz für die neue Mechanik zu schaffen. Vorsicht: Figur 11 zeigt die Mechanik vom Schalltrichter aus gesehen.

[0065] Das Tonloch U1' ergibt sich aus dem ursprünglichen Tonloch U1 durch Drehung um wenige Grad im Uhrzeigersinn vom Schallbecher aus gesehen. Wie in den anderen Realisierungen, wird U1' durch eine Platte P1 abgedeckt, die an einer Wippe W1 angebracht ist, welche drehbar an einem Lager L1 gelagert ist und durch eine Feder f1 in geschlossener Stellung gehalten wird.

[0066] Wie in dem vorher beschriebenen Ausführungsbeispiel steht die neue Klappe quer zur Achse - also ungefähr in Umfangsrichtung - des Schallrohrs, diesmal aber mit der Platte P1 nach oben. So greift K1 direkt, ohne zusätzlichen Hebel H1, unter eine starr mit P1 verbundene Nase N1. Öffnet sich die Klappe K1, so öffnet sich auch die Platte P1. Die Platte P1 kann aber offen sein, wenn K1 geschlossen ist. Die Kraftübertragung von K2 zu P1 ist ähnlich der in der vorherigen Variante. Der Hebel H2 greift in derselben Weise wie K1 unter die asymmetrisch geformte Nase N1. In Figur 11 unten ist zu beachten, dass K2 am Oberteil, H2 aber am Mittelteil liegt. Deshalb ist nicht K2, sondern H2 im Vordergrund und betätigt W1 an der Nase N1. Figur 12 zeigt eine Kraftübertragung von K2 zu P1 über die Wellen ℓ1 und ℓ2 analog zu der in Figur 9 dargestellten.

[0067] Anhand der Fig. 12 wurden die Nebengriffe nach Goossens, Leon & Roxburgh, Edwin: "Die Oboe" (Yehudi Menuhins Musikführer), Edition Sven Erik Bergh, 1979, ISBN 3-88065-107-8, untersucht. Die Wirkung der neuen Griffmechanik auf diese kritischen Griffe, bei denen die #f-Klappe geschlossen, die g-Klappe hingegen offen ist, ist wie im Folgenden dargestellt:
b'
Der Hauptgriff bringt einen etwas offeneren Ton und erlaubt eine ausgeprägtere Dynamik. Die Nebengriffe klingen kaum anders als der Hauptgriff.
c"
Der Hauptgriff führt zu einem schöneren, stabileren Klang, der sich besser in die Reihe der benachbarten Töne einfügt. Die Nebengriffe klingen beide offener und praktisch gleich.
#c"
Während der Hauptgriff unberührt bleibt, führt der Nebengriff zu einem schöneren Ton. Die bisherige Wirkung des Nebengriffs kann mit dem dritten angegebenen Griff erzielt werden, der bei Goosens nicht angegeben ist.
b"
Beim Hauptgriff ist die neue Mechanik von der alten kaum zu unterscheiden. Die Nebengriffe sind unverändert.
c'"
Wie bei b" ist beim Hauptgriff die neue Mechanik von der alten kaum zu unter- scheiden. Der Nebengriff klingt mit der neuen Mechanik etwas besser.



Ansprüche

1. Griffmechanik für ein Holzblasinstrument, bei welchem durch Drücken einer ersten Klappe (K1) gegen das Schallrohr mit einem Finger des Spielers sowohl ein zu der ersten Klappe (K1) gehöriges erstes Tonloch (U1') verschließbar ist, welches in Bezug auf die Luftsäule den gleichen Abstand vom Mundstück hat wie die erste Klappe (K1), als auch ein von der ersten Klappe entferntes Tonloch betätigbar ist, dadurch gekennzeichnet, dass das erste Tonloch (U1') nicht direkt unter der ersten Klappe (K1) angeordnet ist, sondern gegenüber der erste Klappe (K1) entlang der Umfangsrichtung des Holzblasinstruments verschoben ist, und dass durch Schließen der ersten Klappe (K1) nicht in jedem Fall das erste Tonloch (U1') geschlossen wird, sondern nur dann, wenn ein in Bezug auf die Luftsäule näher am Mundstück liegendes zweites Tonloch (U2) ebenfalls geschlossen ist.
 
2. Griffmechanik nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die erste Klappe (K1) das erste Tonloch (U1') nicht direkt betätigt, sondern über einen vermittelnden ersten Mechanismus (H1, W1).
 
3. Griffmechanik nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass ein zweiter Mechanismus (H2, W2) verhindert, dass das erste Tonloch (U1') geschlossen wird, wenn das zweite Tonloch (U2) offen ist.
 
4. Griffmechanik nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das zweite Tonloch (U2) durch Betätigung einer zweiten Klappe (K2) zu verschließen ist.
 
5. Griffmechanik nach einem der Ansprüche 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass der erste und/oder der zweite Mechanismus jeweils eine erste bzw. eine zweite Wippe (W1, W2) umfassen, die elastisch in eine seiner beiden Kippstellungen beaufschlagt ist, wobei die Kippstellung durch Betätigen der ersten bzw. zweiten Klappe (K1, K2) über einen Hebelmechanismus (H1, H2) verstellbar ist.
 
6. Griffmechanik nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die erste und/oder die zweite Wippe (W1, W2) zumindest im Wesentlichen parallel zur Achse des Schallrohrs des Holzblasinstruments angeordnet ist.
 
7. Griffmechanik nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die erste und/oder die zweite Wippe (W1, W1) zumindest im Wesentlichen quer zur Achse des Schallrohrs des Holzblasinstruments angeordnet ist.
 
8. Griffmechanik nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass eine Zusatzklappe (P1), welche durch eine Rückstellvorrichtung elastisch in der geschlossenen Stellung gehalten wird, das erste Tonloch (U1') betätigt.
 
9. Griffmechanik nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass zu den beiden Tonlöchern (U1, U2) gehörige Klappen (K1, K2), welche eine Rückstellvorrichtung (f1) elastisch in offener Stellung hält, die oben genannte Zusatzklappe (P1) öffnen, wenn die Klappen (K1, K2) in offener Stellung sind.
 
10. Griffmechanik nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass durch Schließen der zu dem ersten Tonloch (U1') gehörigen Klappe (K1) außerdem ein weiteres Tonloch geschlossen wird.
 
11. Griffmechanik nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Holzblasinstrument eine Oboe, Querflöte oder Klarinette ist.
 
12. Griffmechanik nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass das erste Tonloch (U1') das #f-Tonloch und das zweite Tonloch (U2) das g-Tonloch ist.
 


Claims

1. Fingering mechanism for a woodwind instrument, in which, when the finger of the player presses a first key (K1) against the acoustic tube, both a first tone hole (U1') which corresponds to the first key (K1) and which, relative to the air column, has the same distance from the mouthpiece as the first key (K1), and a tone hole spaced at a distance from the first key can be actuated,
characterized by the fact that the first tone hole (U1') is arranged not directly below the first key (K1) but moved along the circumferential direction of the woodwind instrument relative to the first key (K1), and by the fact that by closing the first key (K1) the first tone hole (U1') is not closed in every case, but only if a second tone hole (U2) which, relative to the air column, is located closer to the mouthpiece is closed as well.
 
2. Fingering mechanism according to Claim 1, characterized by the fact, that the first key (K1) does not actuate the first tone hole (U1') directly, but via an intermediate first mechanism (H1, W1).
 
3. Fingering mechanism according to one of the claims above, characterized by the fact, that a second mechanism (H2, W2) prevents the first tone hole (U1') from being closed if the second tone hole (U2) is open.
 
4. Fingering mechanism according to one of the claims above, characterized by the fact, that the second tone hole (U2) can be closed by actuating the second key (K2).
 
5. Fingering mechanism according to one of the Claims 2 to 4, characterized by the fact, that the first and/or the second mechanism each comprise a first and a second rocker (W1, W2), held elastically in one of two inclined positions and where the position is adjustable via a lever mechanism (H1, H2) by actuating the first or the second key (K1, K2).
 
6. Fingering mechanism according to Claim 5, characterized by the fact, that the first and/or the second rocker (W1, W2) is mounted at least approximately parallel to the axis of the acoustic tube of the instrument.
 
7. Fingering mechanism according to Claim 5, characterized by the fact, that the first and/or the second rocker (W1, W2) is mounted at least approximately rectangular to the axis of the acoustic tube of the instrument.
 
8. Fingering mechanism according to Claims 1 to 4, characterized by the fact, that an auxiliary key (P1), held in closed position by an elastic resetting device, controls the first tone hole (U1').
 
9. Fingering mechanism according to Claim 8, characterized by the fact, that two keys (K1, K2) held open by an elastic resetting device (f1) and corresponding to the two tone holes (U1, U2) open the auxiliary key (P1) mentioned above, if the two aforementioned keys (K1, K2) are in open position.
 
10. Fingering mechanism according to one of the Claims above, characterized by the fact, that by closing the key (K1) corresponding to the first tone hole (U1') at the same time a further tone hole is closed.
 
11. Fingering mechanism according to one of the Claims above, characterized by the fact, that the woodwind instrument is an oboe, transverse flute or clarinet.
 
12. Fingering mechanism according to Claim 11, characterized by the fact, that the first tone hole (U1') is the F# tone hole and the second tone hole (U2) is the G tone hole.
 


Revendications

1. Mécanisme de clés pour un instrument de musique de la famille des bois, dans lequel en poussant un premier clapet (K1) contre le tuyau avec un doigt de l'instrumentiste, il est possible aussi bien de fermer un premier trou (U1') appartenant au premier clapet (K1) qui présente, par référence à la colonne d'air, la même distance depuis l'embouchure que le premier clapet (K1), que d'actionner un trou éloigné du premier clapet,caractérisé en ce que le premier trou (U1') n'est pas agencé directement au-dessous du premier clapet (K1), mais est décalé par rapport au premier clapet (K1) le long de la direction périphérique de l'instrument de la famille des bois, et en ce qu'en fermant le premier clapet (K1) le premier trou (U1') n'est pas fermé dans tous les cas, mais uniquement quand un second trou (U2) qui, par référence à la colonne d'air, se trouve plus proche de l'embouchure, est également fermé.
 
2. Mécanisme de clés selon la revendication 1, caractérisé en ce que le premier clapet (K1) n'actionne pas directement le premier trou (U1'), mais via un premier mécanisme intermédiaire (H1, W1).
 
3. Mécanisme de clés selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce qu'un second mécanisme (H2, W2) empêche que le premier trou (U1') soit fermé quand le second trou (U2) est ouvert.
 
4. Mécanisme de clés selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que le second trou (U2) est fermé par actionnement d'un second clapet (K2).
 
5. Mécanisme de clés selon l'une des revendications 2 à 4, caractérisé en ce que le premier et/ou le second mécanisme comprennent chacun une première et respectivement une seconde bascule (W1, W2), laquelle est sollicitée élastiquement vers l'une de ses deux positions en basculement, ladite position en basculement pouvant être déplacée via un mécanisme à levier (H1, H2) par actionnement du premier ou du second clapet (K1, K2).
 
6. Mécanisme de clés selon la revendication 5, caractérisé en ce que la première et/ou la seconde bascule (W1, W2) est agencée au moins sensiblement parallèlement à l'axe du tuyau de l'instrument.
 
7. Mécanisme de clés selon la revendication 5, caractérisé en ce que la première et/ou la seconde bascule (W1, W2) est agencée au moins sensiblement perpendiculairement à l'axe du tuyau de l'instrument.
 
8. Mécanisme de clés selon l'une des revendications 1 à 4, caractérisé en ce qu'un clapet additionnel (P1), qui est maintenu par un dispositif de rappel élastiquement dans la position fermée, actionne le premier trou (U1').
 
9. Mécanisme de clés selon la revendication 8, caractérisé en ce que des clapets (K1, K2) appartenant aux deux trous (U1, U2), qui sont maintenus élastiquement en position ouverte par un dispositif de rappel (F1), ouvrent le clapet additionnel (P1) mentionné ci-dessus, quand les clapets (K1, K2) sont en position ouverte.
 
10. Mécanisme de clés selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que par fermeture du clapet (K1) appartenant au premier trou (U1'), un autre trou est en outre fermé.
 
11. Mécanisme de clés selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que l'instrument est un hautbois, une flûte traversière ou une clarinette.
 
12. Mécanisme de clés selon la revendication 11, caractérisée en ce que le premier trou (U1') est le trou #f, et le second trou (U2) est le trou g.
 




Zeichnung






































Angeführte Verweise

IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



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In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente