(19)
(11) EP 2 143 849 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
13.01.2010  Patentblatt  2010/02

(21) Anmeldenummer: 09009041.6

(22) Anmeldetag:  10.07.2009
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
E04B 1/70(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO SE SI SK SM TR

(30) Priorität: 11.07.2008 DE 102008032738

(71) Anmelder: Kadler, Christian
85737 Ismaning (DE)

(72) Erfinder:
  • Kadler, Christian
    85737 Ismaning (DE)

(74) Vertreter: Schenk, Markus et al
Schoppe, Zimmermann, Stöckeler & Zinkler Patentanwälte Postfach 246
82043 Pullach bei München
82043 Pullach bei München (DE)

   


(54) Wandverkleidung und ein Verfahren zum Trockenlegen einer Wandoberfläche


(57) Eine Wandverkleidung (110) für eine Feuchtigkeitssanierung einer Wand (120) weist kapillarinaktive Körner (112) mit einer mittleren Korngröße (D) von mehr als 5 mm und Sinterhälse (115), die die kapillarinaktiven Körner (112) miteinander verbinden, so dass die kapillarinaktiven Körner (112) schichtförmig an der Wand (120) fixierbar sind und zwischen den kapillarinaktiven Körnern (112) Hohlräume (116) ausgebildet sind. Die mittlere Korngröße (D) ist derart gewählt, dass die Hohlräume (116) kapillarinaktiv sind und die Wandverkleidung (110) atmungsaktiv ist.




Beschreibung


[0001] Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung beziehen sich auf eine Wandverkleidung und ein Verfahren zum Trockenlegen einer Wandoberfläche. Weitere Ausführungsbeispiele beziehen sich auf ein Verfahren zur Herstellung trockener Wandoberflächen auf Feuchtigkeits- und/oder salzbelasteten Wänden.

[0002] Zur Sanierung Feuchtigkeits- und/oder salzbelasteter Wandflächen, hier insbesondere in Kellern, sind verschiedene Verfahren bekannt und durch Regelwerke eingeführt. So werden beispielsweise nachträgliche Außen- und Innenabdichtungen, Horizontalsperren oder Schleierinjektionen ausgeführt. Mit diesen Maßnahmen wird versucht, die Ursachen der von außen auf verschiedenen Wegen eindringenden Feuchtigkeit und wasserlöslichen Salze zu beseitigen.

[0003] Wirkt Feuchtigkeit auf einen porösen kapillaraktiven Baustoff ein, kommt es zu Transportvorgängen innerhalb des Porengefüges sowie zur Verdunstung der Feuchtigkeit auf den Baustoffoberflächen und oberflächennahen Schichten. In diesen Verdunstungsbereichen bleiben häufig wasserlösliche Salze zurück. Diese Salze reichern sich an und binden selbst die Feuchtigkeit an der Oberfläche durch Hygroskopizität.

[0004] Speziell an erdberührten außen nicht wärmegedämmten Wänden kommt Kondensatfeuchtigkeit hinzu, die sich an den Baustoffoberflächen aufgrund relativ niedriger Wandoberflächentemperatur niederschlägt.

[0005] Daher sind selbst nach erfolgter Abdichtung und/oder Trockenlegung weiterhin schädigende Prozesse an Wandoberflächen auf der Innenseite zu beobachten. Die Sanierung mit Putzsystemen scheitert oft daran, dass der Putz eine kapillare Verbindung zum feuchten/salzhaltigen Untergrund hat. Durch die weiterhin mögliche Einlagerung von Salzen und durch die während der Ausführung in der Regel noch hohe Untergrundfeuchtigkeit kann das Putzsystem erneut geschädigt werden.

[0006] In DE 42 14 043 A1 wird ein Verfahren für die Bauindustrie beschrieben, das eine putztechnische Sanierung von feuchtem oder nassem und/oder salzhaltigem Mauerwerk ermöglicht. Bei den beschriebenen Verfahren wird ein Gewebe oder Fließ zwischen dem Mauerwerk und einem Putzträger angeordnet. Das Gewebe/Fließ liegt dabei nicht hohlraumfrei an der Mauerwerksoberfläche, so dass sich an der Mauerwerksoberfläche eine Verdunstungszone bilden kann.

[0007] In DE 295 21 952 U1 und DE 202 10 142 U1 werden dampfdichte kapillarinaktive Innenverkleidungen aus Fließ, Noppenbahn oder Kunststoffen beschrieben. Da hierbei jedoch keine raumseitige Diffusion mehr möglich ist, kommt es zu einer Sättigung des dahinter liegenden weiterhin durchfeuchteten Wandbaustoffs. Das hat einen verstärkten kapillaren Feuchtetransport über das baustoffeigene Putzgefüge zur Folge. Deshalb werden in der Regel zusätzlich zu Innenabdichtungen nachträglich Querschnittsabdichtungen (z. B. mechanische Horizontalsperren oder Injektionen) ausgeführt, um den Feuchttransport in einer Ebene senkrecht zur Maueroberfläche zu unterbinden und somit einen weiteren Kapillartransport zu verhindern. Die besagten Querschnittsabdichtungen können dabei beispielsweise unterhalb einer Kellerdecke angeordnet werden. Da diese Verkleidungen nicht hohlraumfrei auf dem Mauerwerk aufliegen und dampfdicht sind, kommt es auf der der Wand zugewandten Seite dieser Schichten zu Kondensatfeuchtigkeit, die an den Schichten hinab läuft und als Wasser in tropfbar flüssiger Form am Wandfußpunkt zu Durchfeuchtungen führen kann.

[0008] Ebenso ist die notwendige Querschnittsabdichtung mit einem hohen wirtschaftlichen/technischen Aufwand verbunden. Dies trifft insbesondere bei Räumen zu, die keiner Nutzungsänderung unterliegen, sondern die im Sinne einer Renovierung aufgewertet werden sollen. Ein Beispiel dafür sind Mieter-Lagerkeller in Wohnhäusern, die zur Einlagerung feuchtempfindlicher Gegenstände aufgewertet werden sollen.

[0009] Ausgehend von diesem Stand der Technik liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zugrunde, eine Wandverkleidung und ein Verfahren zum Trockenlegen einer Wand zu schaffen, die keine kapillare Verbindung zum Untergrund aufweist und gleichzeitig einer Wasserdampfdiffusion durch das Bauteil ermöglicht.

[0010] Diese Aufgabe wird durch eine Wandverkleidung nach Anspruch 1 und Anspruch 13 und ein Verfahren nach Anspruch 15 und 16 gelöst.

[0011] Der Kerngedanke der vorliegenden Erfindung besteht darin, eine Wandverkleidung für eine Feuchtigkeitssanierung einer Wand dadurch zu schaffen, dass kapillarinaktive Körner durch ein Haltemittel schichtförmig an der Wand fixiert sind und zwischen den kapillarinaktiven Körnern Hohlräume ausgebildet sind. Die mittlere Korngröße ist dabei derart gewählt, dass die Hohlräume selbst kapillarinaktiv sind. Das Haltemittel kann durch Sinterhälse gebildet werden oder optional ein Bindemittel sein (z. B. ein Kleber oder Klebstoff) oder alternativ als ein Putzträger ausgebildet sein, der mittels Abstandshalter in einem vorbestimmten Abstand zu der Wand fixiert ist.

[0012] Ausführungsbeispiele umfassen somit eine Wandverkleidung, die beispielsweise als eine Platte ausgebildet ist und zur Feuchtigkeitssanierung der Wand dient. Die Wandverkleidung weist dazu kapillarinaktive Körner mit einer mittleren Korngröße von mehr als 5 mm auf, wobei die kapillarinaktiven Körner über Sinterhälse miteinander verbunden sind, so dass die Sinterhälse das Haltemittel für die kapillarinaktiven Körner bilden. Außerdem sind die kapillarinaktiven Körner derart miteinander verbunden, dass sich die Wandverkleidung schichtförmig an der Wand fixieren lässt und zwischen den kapillarinaktiven Körnern sich Hohlräume ausbilden. Die mittlere Korngröße, von beispielsweise zumindest 5 mm ist dabei derart gewählt, dass die Hohlräume selbst kapillarinaktiv sind und die Wandverkleidung atmungsaktiv bleibt, so dass eine Verdunstung der eindringenden Feuchtigkeit gewährleistet ist.

[0013] Die kapillarinaktiven Körner können beispielsweise eine Vorzugsgröße aufweisen, so dass zumindest 80 % oder zumindest 90 % der kapillarinaktiven Körner eine Korngröße aufweisen, die höchstens um 10 % oder höchstens um 25 % von der mittleren Korngröße abweichen (z. B. Ein-Korn-Mörtel). Die kapillarinaktiven Körner können beispielsweise eine kugelförmige Form aufweisen, wobei der Durchmesser in einem Bereich zwischen 2 mm und 20 mm oder in einem Bereich zwischen 6 mm und 12 mm liegen kann. Ferner weisen bei Ausführungsbeispielen die kapillarinaktiven Körner ein Material auf, das beispielsweise derart gewählt ist, dass die Wandverkleidung eine Wärmeleitfähigkeit von höchsten 0,08 Watt/mK oder von höchstens 0,05 Watt/mK aufweist.

[0014] Sofern bei Ausführungsbeispielen das Haltemittel als ein Putzträger ausgebildet ist, kann der Putzträger beispielsweise ein Ziegelmaterial aufweisen, das durch ein Drahtgeflecht fixiert ist und eine löchrige Struktur hat. Die löchrige Struktur kann derart gewählt werden, dass sie für die kapillarinaktiven Körner undurchlässig ist - die vorhandenen Löcher also kleiner als der Durchmesser der kapillarinaktiven Körner sind.

[0015] Sofern bei Ausführungsbeispielen das Haltemittel als ein Bindemittel ausgebildet ist, kann das Bindemittel beispielsweise derart gewählt werden, dass es zum einen die kapillarinaktiven Körner miteinander verbindet und zum anderen die Mehrzahl der Hohlräume zumindest teilweise bindemittelfrei lässt. Das Bindemittel selbst kann dabei ebenfalls kapillarinaktiv und/oder wasserdampfdurchlässig sein. Unter Nutzung des Bindemittels ist es somit möglich, die Wandverkleidung in Form einer Platte auszubilden, die ihrerseits an die Wand zur Feuchtigkeitssanierung angebracht werden kann. Die Platte kann beispielsweise eine Dicke in einem Bereich zwischen 2 cm und 8 cm oder in einem Bereich zwischen 4 cm und 6 cm aufweisen.

[0016] Ausführungsbeispiele umfassen somit einen diffusionsfähigen selbsttragenden Putzträger, der mit Abstandshalter auf die Innenseite der zu sanierenden Wand montiert wird. Auf den Putzträger kann anschließend ein diffusionsfähiger kapillarinaktiver Verputz mit Leichtputz ausgeführt werden. Der Hohlraum, der durch die Abstandshalter definiert ist, wird mit einer kapillarinaktiven wärmedämmenden geschlossenzelligen Trockenschüttung aufgefüllt, wobei die Trockenschüttung die kapillarinaktiven Körner umfasst.

[0017] Weitere Ausführungsbeispiele umfassen ebenfalls ein Verfahren zum Trockenlegen einer Wandoberfläche, wobei das Verfahren ein Bereitstellen von kapillarinaktiven Körnern mit einer mittleren Korngröße, ein Anbringen eines Haltemittels und ein Einbringen der kapillarinaktiven Körner in einen Zwischenraum umfasst. Das Anbringen des Haltemittels erfolgt dabei in einem vorbestimmten Abstand von der Wand, so dass ein Zwischenraum zwischen der Wand und dem Haltemittel gebildet wird, wobei das Haltemittel für die kapillarinaktiven Körner undurchlässig ist. Das Haltemittel kann beispielsweise zunächst bis auf 80 % - 90 % der Höhe der zu verkleidenden Wand angebracht werden, um die verbleibenden 10-20% zu nutzen, um der kapillarinaktiven Körner in den Zwischenraum zu schütten. Die mittlere Korngröße der kapillarinaktiven Körner ist dabei so groß gewählt, dass kapillarinaktive Hohlräume zwischen den kapillarinaktiven Körnern gebildet werden.

[0018] Weitere Ausführungsbeispiele umfassen ebenfalls ein Verfahren zur Herstellung einer Wandverkleidungsplatte, das der Bereitstellen von kapillarinaktiven Körnern und ein Verkleben der kapillarinaktiven Körner mittels eines Bindemittels umfasst, so dass die Wandverkleidungsplatte gebildet wird. Innerhalb der Wandverkleidungsplatte sind Hohlräume zwischen den kapillarinaktiven Körnern ausgebildet und die mittlere Korngröße wird bei dem Verfahren so groß gewählt, dass die Wandverkleidungsplatte selbst kapillarinaktiv und diffusionsfähig ist.

[0019] Im Vergleich zu konventionellen Verfahren weisen Ausführungsbeispiele die folgenden Vorteile auf. Es besteht keine kapillare Verbindung zu dem Untergrund und, da wegen der kapillaren Inaktivität keine Salze eingelagert werden können, kommt es zu keiner Hygroskopizität in der obersten Bauteilschicht. Die Hinterfüllung mit wärmedämmender Trockenschüttung führt gleichzeitig zu einer Erhöhung der Wandoberflächentemperatur, die ihrerseits die Kondensationsfeuchtigkeit in der obersten Bauteilschicht vermeidet. Durch die Diffusionsfähigkeit kommt es ferner zu keiner Feuchtsättigung im tragenden Wandbaustoff und zu keinem erhöhten kapillaren Feuchttransport noch zu einer Verschiebung der Verdunstungszonen. Ausführungsbeispiele sind ferner vorteilhafterweise mit geregelten Innenabdichtungen gemäß geltenden Vorschriften wie beispielsweise der Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege (WTA) kombinierbar. Damit wird beispielsweise eine Umnutzung von Kellerräumen in hochwertigen Wohnräumen möglich. Der große Hohlraumanteil in der Wärmedämmschüttung ermöglicht ferner eine Ablagerung der wasserlöslichen Salze. Da es ferner zu keiner Kondensation auf der Innenseite des Trägers kommt, wird außerdem die feuchte Anreichung am Wandfußpunkt durch Wasser in tropfbar flüssiger Form verhindert. Da der Untergrund dadurch trocken wird, kann der Wandputz abbinden und die vorgegebene Materialeigenschaften sicher erreichen. Zu den vorgegebenen Materialeigenschaften zählen z. B. eine sichere Kapillarhydrophobie, keine Einlagerung von Salzen, geringe Gefahr von Rissbildung durch homogenen Untergrund. Je nach Zustand und Raumnutzung kann somit auf eine Querschnittsabdichtung verzichtet werden. Schließlich ist eine schnelle und leichte Montage in Trockenbau-Arbeitsweise bei geringer Staubund Lärmentwicklung möglich, da der Altputz nicht beseitigt werden muss.

[0020] Bevorzugte Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung werden nachfolgend Bezug nehmend auf die beiliegenden Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen:
Fig. 1
eine Wandverkleidung gemäß einem Ausführungsbeispiel der vorliegenden Erfindung;
Fig. 2
eine Wandverkleidung gemäß einem weiteren Ausführungsbeispiel der vorliegenden Erfindung;
Fig. 3a,b
schematische Darstellungen von kapillarinaktiven Körnern mit ausgebildeten Hohlräumen;
Fig. 4
eine schematische Darstellung für typische Problemstellungen bei der Mauerwerkssanierung;
Fig. 5
eine schematische Darstellung eines Putzträgers, der durch Abstandshalter in einem vorbestimmten Abstand gehalten wird;
Fig. 6
eine schematische Darstellung eines mit Trockenschüttung aufgefüllten Hohlraums zwischen dem Putzträger und der Wand;
Fig. 7a bis 7c
eine Darstellung der Komponenten, die in dem Ausführungsbeispiel der Fig. 6 genutzt wurden; und
Fig. 8
eine Raumansicht einer Wand mit aufgebrachter Wandverkleidung gemäß Ausführungsbeispielen.


[0021] Bevor im Folgenden die vorliegende Erfindung anhand der Zeichnungen näher erläutert wird, wird darauf hingewiesen, dass gleiche Elemente in den Figuren mit den gleichen oder ähnlichen Bezugszeichen versehen sind, und dass eine wiederholte Beschreibung dieser Elemente weg gelassen wird.

[0022] Fig. 1 zeigt eine Wandverkleidung 110 für eine Feuchtigkeitssanierung einer Wand, wobei die Wandverkleidung 110 kapillarinaktive Körner 112 mit einer mittleren Korngröße D aufweist, die durch ein Haltemittel 114 gehalten werden, so dass die kapillarinaktiven Körner 112 schichtförmig an der Wand 120 fixierbar sind. Zwischen den kapillarinaktiven Körnern 112 sind Hohlräume 116 ausgebildet, wobei die mittlere Korngröße D derart gewählt ist, dass die Hohlräume 116 kapillarinaktiv sind. In Abhängigkeit der Flüssigkeit und der Temperatur weisen die Hohlräume also eine Mindestgröße auf, die kapillare Transportprozesse verhindern.

[0023] Fig. 2 zeigt ein weiteres Ausführungsbeispiel, bei dem das Haltemittel 114 als ein Bindemittel ausgebildet ist, das die kapillarinaktiven Körner 112 miteinander verbindet, wobei sich wiederum Hohlräume 116 zwischen den kapillarinaktiven Körnern 112 herausgebildet sind. Die Hohlräume 116 sind dabei bindemittelfrei. Die durch das Bindemittel 114 miteinander verbundenen kapillarinaktiven Körner 112 bilden dabei beispielsweise eine Platte. Die Platte kann ebenfalls mit Bindemittel an der Wand 120 befestigt werden oder ist alternativ mit anderen Befestigungsmitteln, wie beispielsweise Schrauben, Dübeln oder Nägeln, mit der Wand 120 fest verbunden.

[0024] Fig. 3a zeigt eine vergrößerte Darstellung der kapillarinaktiven Körner 112, die mittels Bindemittel 114 miteinander verbunden sind. Die durchschnittliche Größe D der kapillarinaktiven Körner 112 und das Bindemittel 114 zwischen den kapillarinaktiven Körnern 112 sind derart gewählt, dass die Hohlräume 116 frei bleiben, wobei die Hohlräume 116 wie gesagt selbst kapillarinaktiv sind. Damit kein kapillarer Flüssigkeitstransport entlang des Bindemittels 114 möglich ist, sollte ebenfalls das Bindemittel selbst kapillarinaktiv sein. In den Hohlräumen 116 enthaltene Feuchtigkeit kann somit austrocknen, ohne dass die Feuchtigkeit über den kapillaren Effekt weiter transportiert wird. Die Größe der Hohlräume 116 kann beispielsweise über die durchschnittliche Größe D der kapillarinaktiven Körner 112 eingestellt werden. Je größer die kapillarinaktiven Körner 112 sind, umso größer sind auch die Hohlräume 116, die sich zwischen den kapillarinaktiven Körnern 112 herausbilden - stets unter der Annahme, dass das Bindemittel 114 nicht die entstehenden Hohlräume vollständig ausfüllt.

[0025] Fig. 3b zeigt eine Detailansicht der kapillarinaktiven Körner 112, die durch Sinterhälse 115 miteinander mechanisch verbunden sind. Die durchschnittliche Korngröße D ist wiederum derart gewählt, dass sich zwischen den kapillarinaktiven Körnern 112 Hohlräume 116 herausbilden, die Platz bieten für sich ablagernde Salze und selbst nicht kapillaraktiv sind. Wie bereits gesagt, kann dies durch die Verwendung von Einkornmaterial für die kapillarinaktiven Körner 112 erreicht werden. Dadurch wird nämlich verhindert, dass sich innerhalb der Hohlräume 116 kleinere Körner anordnen können und somit die verbleibenden Hohlräume kleiner werden. Ebenso kann der verwendete Sinterprozess so gestaltet werden, dass die Sinterhälse 115 lediglich zu einem mechanischen Halt der kapillarinaktiven Körner 112 führt, nicht jedoch die Größe der sich bildenden Hohlräume 116 verringert. Dies bedeutet, dass ein Zuschmelzen der Porenstruktur verhindert wird und die Platte offenporig bleibt. Dies kann beispielsweise durch Sintertemperaturen in einem Bereich zwischen 600°C und 800°C erreicht werden. Der Sinterprozess kann beispielsweise über eine Dauer von ca. 4 Stunden oder ca. 5 Stunden aufweisen oder innerhalb eines Bereichs zwischen 2 und 6 Stunden liegen. Die kapillarinaktiven Körner 112 können beispielsweise Blähglas, Blähton oder Bims aufweisen und in Abhängigkeit des verwendeten Materials (z.B. Blähglasgranulat) kann die Temperatur und/oder die Sinterdauer derart angepasst werden, dass sich einerseits eine ausreichende mechanische Stabilität herausbildet, andererseits jedoch die Hohlräume 116 bzw. das Volumen der Hohlräume 116 sich kaum oder nur wenig während des Sinterprozesses ändert.

[0026] Alternativ oder zusätzlich kann als mechanisches Haltemittel anstatt der Sinterhälse 115 auch das Bindemittel 114 genutzt werden, welches beispielsweise Wasserglas oder eine Wasserglaslösung aufweist. Das Bindemittel 114 kann außerdem derart gewählt sein, dass es die kapillarinaktiven Körner 112 nicht benetzt (nicht spreizend ist), so dass die Hohlräume 116 zwischen den kapillarinaktiven Körnern 112 nicht weiter durch das Bindemittel 114 verkleinert werden.

[0027] Um eine derartige Hohlraumstruktur zu erreichen, ist es vorteilhaft, wenn die Trockenschüttung (=Vielzahl von kapillarinaktiven Körnern 112) möglichst eine einheitliche Korngröße aufweist (z. B. Ein-Korn-Schüttung). Obwohl einige kapillarinaktive Körner 112 eine leicht abweichende Korngröße aufweisen können, so ist es für Ausführungsbeispiele wichtig, dass die entstehenden Hohlräume 116 nicht durch kleinere kapillarinaktive Körner 112 aufgefüllt werden können. Dies Kriterium kann beispielsweise dadurch definiert werden, dass zumindest 80 % oder zumindest 90 % oder mehr als 95 % der kapillarinaktiven Körner 112 eine Größe aufweisen, die nahe der mittleren Korngröße D liegt, wobei nahe beispielsweise derart definiert werden kann, dass sie mit einer Toleranzbreite von ±5 % oder ±10 % die mittlere Korngröße aufweisen.

[0028] Die Hohlraumstruktur 116 ist gleichzeitig dahingehend vorteilhaft, dass sie bereits eine natürliche Wärmeisolation schafft. Die Wärmeisolation kann jedoch noch durch besondere Materialien für die kapillarinaktiven Körner 112 und/oder durch eine optionale Isolationsschicht weiter verbessert werden.

[0029] Die Fig. 4 gibt eine schematische Darstellung für eine typische Ausgangslage, bei der typische Problemstellungen der Mauerwerkssanierung ersichtlich werden. Fig. 4 zeigt dabei beispielhaft ein Kellergeschoss 410, das die Wand 120 aufweist und an der Decke 425 ein Gewölbe 420 ausgebildet ist, das das Kellergeschoss 410 von einem darüber liegenden Erdgeschoss 430 trennt. Der Fußboden 440 des Kellergeschosses 410 kann beispielsweise verschiedene Abschnitte aufweisen, wobei ein Abschnitt 442 kapillaraktiv ist und ein weiterer Abschnitt 444 poröses Material aufweist, welches kapillarinaktiv ist. Die Wand oder Seitenwand 120 trennt dabei beispielsweise das Kellergeschoss 410 von einem Erdreich 450, das sich bis zu einer Oberkante 500 erstreckt, so dass die Wand 120 zum großen Teil unterhalb des Erdreichs 450 liegt. Die Seitenwand 120 weist eine Außenwand 122 und eine Innenwand 124 auf, wobei die Außenwand 122 eindringendem Sickerwasser oder der Bodenfeuchtigkeit ausgesetzt ist. Ferner ist der kapillaraktive Anteil 442 des Fußbodens 440 ebenfalls der Feuchtigkeit des Erdreiches 450 ausgesetzt.

[0030] Es ist ebenfalls möglich, dass sich zeitweise Sickerwasser 460 sich auf die Vorlaufsatzfuge 470 staut. Es kommt dort zu einem vermehrten Eintritt von Feuchtigkeit in das Mauerwerk, was durch einen Pfeil 472 dargestellt ist. Durch die eindringende Feuchtigkeit kommt es zu einem Kapillareffekt, der durch die Pfeile 126 dargestellt ist und dazu führt, dass die eindringende Feuchtigkeit in dem Mauerwerk nach oben steigt. Mit der aufsteigenden Feuchtigkeit 126 kommt es gleichzeitig zu einer Verdunstung 480 an der Innenwand 124 der Wand 120. Die Verdunstung 480 führt dazu, dass die Bauteiltemperatur (Temperatur der Wand 120) durch die Verdunstungskälte herabgesetzt wird. Ferner führt die Verdunstung 480 dazu, dass sich an der Innenwandseite 124 vermehrt Salze ablagern, die wiederum Feuchtigkeit aus der Raumluft des Kellergeschoss 410 als Kondensationsfeuchtigkeit herauszieht. Dieser Effekt ist die besagte Hygroskopizität.

[0031] Das Problem der Feuchtigkeitssanierung besteht somit darin, die Innenseite 124 der Wand 120 derart zu verändern, dass die Wand 120 trocken wird und keine Salzablagerungen mehr auftreten.

[0032] Fig. 5 zeigt ein Ausführungsbeispiel, bei dem das Haltemittel 114 über Abstandshalter 118 in einem vorbestimmten Abstand A von der Wand 120 gehalten wird. Die Abstandshalter 118 können dabei beispielsweise mittels Dübel oder Schrauben 118a in der Wand 120 befestigt sein. Der dadurch entstehende Hohlraum 119 kann dann anschließend mit der Trockenschüttung aufgefüllt werden.

[0033] Der vorbestimmte Abstand A kann beispielsweise in einem Bereich zwischen 4 cm und 6 cm oder in einem Bereich zwischen 2 cm und 8 cm liegen. Im Allgemeinen hängt der vorbestimmte Abstand A von der Größe der kapillarinaktiven Körne (mittlere Korngröße D) ab. Als ein Beispiel könnte der vorbestimmte Abstand A so gewählt werden, dass er größer ist als die dreifache oder fünffache oder zehnfache mittlere Größe D der kapillarinaktiven Körner 112.

[0034] Fig. 6 zeigt das Resultat einer Auffüllung des Hohlraums 119 mit der Trockenschüttung, die die Vielzahl von kapillarinaktiven Körnern 112 umfasst, so dass die Hohlräume 116 ausgebildet werden. Fig. 6 zeigt somit ein Ausführungsbeispiel, bei dem auf dem feuchten Mauerwerk 120 der Hohlraum 119 mit kapillarinaktiver wärmedämmender Trockenschüttung 112 gefüllt ist und unter Nutzung von beispielsweise Einschlagdübeln mit Abstandshaltern 118 die Haltemittel 114 fixiert werden. Das Haltemittel 114 kann optional einen Putzträger umfassen, der entlang des Haltemittels 114 ist diffusionsoffen ausgebildet ist. Zusätzlich ist bei dem Ausführungsbeispiel der Fig. 6 ein Putz 115 (Sanierputz oder Leichtputz) diffusionsoffen auf den Putzträger 114 aufgebracht.

[0035] Fig. 7a bis 7c zeigen die Komponenten des Systemaufbaus. In Fig. 7a ist ein Beispiel für die Abstandshalter 118 gezeigt, wobei der Abstandshalter 118 einen Dübel 118a (z. B. Einschlagdübel) umfassen kann. Der vorbestimmte Abstand A kann bei dem Abstandshalter 118 flexibel eingestellt werden. Ferner dient der Zwischenraum 118b der Befestigung des Haltemittels oder des Putzträgers 114, in dem der Putzträger 114 beidseitig von dem Abstandshalter 118 fixiert wird (z. B. eingeklemmt wird). Bei dem Abstandshalter 118, wie er in der Fig. 7a gezeigt ist, kann ferner der Hohlraum 118b flexibel angepasst werden, um verschiedene Dicken des Putzträgers 114 zu berücksichtigen.

[0036] Fig. 7b zeigt ein Beispiel für einen Putzträger 114, wobei der Putzträger 114 Ziegelelemente 114a aufweist, die durch ein Drahtgeflecht 114b zusammengehalten werden. Die Ziegelelemente 114a sind dabei derart geformt, dass der Putzträger 114 eine löchrige Struktur aufweist, wobei die vorhandenen Löcher 114c eine Größe aufweisen, die kleiner ist als eine mittlere Korngröße der kapillarinaktiven Körner 112. somit ist der Putzträger 114, wenn er, wie in der Fig. 5 gezeigt, durch die Abstandshalter in einem vorbestimmten Abstand A von der Wand montiert ist, undurchlässig für die kapillarinaktiven Körner 112 - gleichzeitig jedoch durchlässig für Feuchtigkeit oder für Verdunstungsfeuchte.

[0037] Fig. 7c zeigt die Trockenschüttung 112, die eine Vielzahl von kapillarinaktiven Körnern 112a - 112d aufweist, deren mittleren Größe D derart gewählt ist, dass die sich ausbildenden Hohlräume zwischen den kapillarinaktiven Körnern 112 so groß sind, dass die Hohlräume 116 selbst kapillarinaktiv sind.

[0038] Die Komponenten (Wärmedämmung und Putzträger) zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus. Die Wärmedämmung kann beispielsweise durch einen unverrottbaren geschlossenzelligen Schotter aus Glasrecycling erreicht werden, der feuchte-, salz- und schädlingsresistent ist. Ferner geht das Glasrecycling als Inertbaustoff keine Reaktionen ein und ermöglicht durch den Hohlraumanteil der Schüttung die Kristallation der Salze und gleichzeitig die Wasserdampfdiffusion.

[0039] Der Putzträger kann beispielsweise derart gewählt werden, dass er selbsttragend und unverrottbar ist und gleichzeitig durch die beispielhafte Ziegelwand eine Putzhaftung realisiert. Ferner ist der Putzträger feuchte-, salz- und schädlingsresistent und unbrennbar.

[0040] Fig. 8 zeigt eine Draufsicht auf die Wand 120, auf der die Wandverkleidung 110 aufgebracht wurde, die Wandverkleidung 110 umfasst dabei die Trockenschüttung 112, den Putzträger 114 und einen Putz 115, wobei der Putzträger 114 durch die Abstandshalter 118 fixiert ist. Es ist ersichtlich, dass der Putzträger 114 einerseits undurchlässig für die Trockenschüttung 112 ist und andererseits eine Grundlage für den aufgebrachten Putz 115 bietet.

[0041] Fig. 8 zeigt somit eine alternative Darstellung für die Funktionsweise des Systems. Mit Abstandshaltern 118 wird ein selbsttragender verformungsstabiler Putzträger 114 auf der zu sanierenden Wand 120 befestigt. Altputz kann nach einer optionalen Reinigung mit einem Stahlbesen an der Wand 120 verbleiben. Der entstandene Hohlraum 119 wird mit einer trockenen Schüttung 114 aus einem speziellen unverrottbaren kapillarinaktiven Wärmedämmstoff aufgefüllt. Anschließend kann beispielsweise auf den Putzträger 114 ein Sanierputz (beispielsweise gemäß WTA) in 1,5 cm Mindestdicke aufgetragen werden. Die Wandoberfläche 124 kann mit passendem gipsfreiem Feinputz geglättet und mit einem diffusionsfähigen Anstrich (z. B. Silikatfarbe) versehen werden.

[0042] Ausführungsbeispiele können somit als Saniersysteme auf nahezu allen Untergründen genutzt werden, wobei die Kombination der Materialeigenschaften folgende Vorteile liefern. Zum einen wird eine trockene und schadensfreie Wandoberfläche, z. B. für feuchte Kellerräume geschaffen. Ausführungsbeispiele sind zum anderen auch für diffusionsfähige denkmalsschutzgerechte mineralische Wärmedämmfassaden oder für energetisch optimale Bauteile bei Umnutzungen (z. B. bei Kellerausbauten) anwendbar. Ferner liefern Ausführungsbeispiele einen entkoppelten Putzträger 114 (der keine kapillare Verbindung zum Untergrund aufweist), so dass selbst bei schwierigen Untergründen für ein gesundes Wohnraumklima durch deren feuchteregulierenden Eigenschaften gesorgt ist. Schließlich führen Ausführungsbeispiele zu einer Entlastung der Umwelt durch natürliche Rohstoffe und Recyclingmaterialien.

[0043] Durch Variationen der verwendeten Materialien können Ausführungsbeispiele entsprechend den Anforderungen an das Wandsaniersystem flexibel angepasst werden. So sind Ausführungsbeispiele des kapillarinaktiven Wandsaniersystems 110 auch bei der Renovierung und leichten Nutzungsänderungen in feuchten Kellern und Räumen einsetzbar. Damit ist es beispielsweise möglich, die Lagerung feuchteempfindlicher Gegenstände zu ermöglichen und gleichzeitig zu verhindern, dass es zu Schimmelbildung an der Wandoberfläche kommt. Für anspruchsvollere Anwendungen ist es ferner möglich, das kapillarinaktive Wandsaniersystem 110 optional mittels einer Wärmedämmung mit Innenabdichtung auszugestalten, so dass ebenfalls eine Umnutzung in Wohnbereiche durch trockene schadensfreie Wandoberflächen mit ENEV-gerechter Wärmedämmung ermöglicht wird.

[0044] Weitere Ausführungsbeispiele umfassen ebenfalls eine kapillarinaktive diffusionsfähige mineralische Wärmedämmung für eine Außenfassade. Neben der Sanierung der Innenwand 124 (siehe Fig. 4) kann ebenfalls eine Sanierung der Außenwand 122 mittels der Wandverkleidung 110 erreicht werden. Die Außenfassade kann dabei beispielsweise denkmalsschutzgerecht durch massive mineralische Putzcharakteristik bei gleichzeitig hoher Wärmedämmwirkung ausgebildet sein und sorgt so für ein optimiertes Wohnklima durch die Diffusionsfähigkeit. Die Unbrennbarkeit, die Schlagfestigkeit und die Unverrottbarkeit sind weitere Vorteile.

[0045] Überzeugende Vorteile von Ausführungsbeispielen lassen sich somit stichpunktartig wie folgt zusammenfassen:
  • die Hygroskopizität (salzbedingte Feuchtigkeit) und Kondensatfeuchtigkeit wird beseitigt;
  • die keine Verbindung der Putzschicht 115 zum Untergrund wird unterbunden;
  • System ist durchgängig wasserdampfdiffusionsoffen;
  • System weist auf die Nutzung abgestimmte bauphysikalische Eigenschaften auf;
  • die Feuchtigkeit wird nicht nach oben verschoben - daher keine Querschnittsabdichtung notwendig;
  • die Lärm- und Staubbelastung wird reduziert und alter Putz kann auf der Wand 120 verbleiben;
  • sehr schnelle Kellersanierung durch nahezu trockene Bauweise; und
  • die Wand 120 behält die Charakteristik einer massiven Wand durch den verformungsstabilen Putzträger 114.


[0046] Ausführungsbeispiele weisen beispielsweise die folgenden technischen Daten auf: die Bauteildicke der Wärmedämmung kann beispielsweise 6 cm umfassen, der Sanierputz (gemäß WTA 4-5-99) kann beispielsweise mindestens in eine Dicke von 1,5 cm aufgebracht sein, die Wärmeleitfähigkeit der Wärmedämmung kann beispielsweise einen Wert von 0,077 W/mK aufweisen und der U-Wert bei 36,5 cm Vollziegelwand (feucht) kann beispielsweise einen Wert von 0,60 W/qmK aufweisen. Die Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl µ ist dabei beispielsweise als 18 und die Baustoffklasse Brandverhalten (DIN 4102) kann als A (unbrennbar) klassifiziert werden. Beispielsweise kann das Material der kapillarinaktiven Körner 112 so gewählt werden, dass die Wandverkleidung 110 eine Wärmeleitfähigkeit von höchstens 0,08 Watt/mK aufweist. Außerdem kann das Material der kapillarinaktiven Körner 112 und/oder das Haltemittel 114 auch derart gewählt werden, dass die Wandverkleidung 110 eine Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl von höchstens 25 aufweist.

[0047] Bei weiteren Ausführungsbeispielen wird die mittlere Korngröße beispielsweise in einem Bereich zwischen 6 mm und 12 mm gewählt oder einen Durchmesser von mehr als 6 mm oder mehr als 8 mm aufweisen. Es ist vorteilhaft, wenn die kapillarinaktiven Körner 112 weitestgehend eine einheitliche Korngröße aufweisen, d.h. dass ein Einkornmaterial zur Ausbildung der Wandverkleidung genutzt wird. Damit soll sichergestellt werden, dass sich nicht kleinere Körner in den bildenden Hohlräumen anordnen und damit die effektive Größe der Hohlräume verkleinern und somit zu einer Kapillarität führen würden. Gleichzeitig bleibt damit die Wandverkleidung atmungsaktiv. Für eine erfindungsgerechte Funktionsweise der Wandverkleidung ist es nämlich wichtig, dass einerseits die Feuchtigkeit aufgenommen wird und andererseits die feuchte Luft als Verdampfungsfeuchtigkeit nach außen gelangen kann. Ebenfalls ist es vorteilhaft, dass während des Sinterprozesses bei der Herstellung der Wandverkleidung die Sinterhälse nur soweit ausgebildet werden, wie es zu einer zuverlässigen mechanischen Stabilität erforderlich ist - nicht jedoch dazu führen, dass die Hohlräume zwischen den kapillarinaktiven Körnern sich schließen (infolge eines Zuschmelzens). Daher weist eine erfindungsgerechte Wandverkleidung eine offenporige Struktur auf, die einerseits Feuchtigkeit aufnimmt und andererseits atmungsaktiv ist.

[0048] Weitere Ausführungsbeispiele umfassen ebenfalls ein Verfahren zur Herstellung einer Wandverkleidung, bei der kapillarinaktiven Körner mittels eines Sinterprozesses miteinander verbunden werden. Der Sinterprozess wird derart ausgeführt, dass die Hohlräume 116 zwischen den kapillarinaktiven Körnern 112 erhalten bleiben, so dass eine offenporige atmungsaktive Struktur sich bildet. Daher ist es vorteilhaft, dass beim Sintern es nicht zu einem Aufbläh-Prozess kommt, bei dem sich geschlossenporige Einschlüsse innerhalb der Wandverkleidung bilden, sondern dass vielmehr der Sinterprozess lediglich zu einer mechanischen Verbindung der kapillarinaktiven Körner 112 führt. Der Sinterprozess führt damit beispielsweise zu einem Schrumpfprozess während des Sinterns. Dies bedeutet, dass beim Herstellungsprozess die Wandverkleidung 110 zunächst ein größeres Volumen aufweist, welches sich während des Sinterprozesses verringert. Eine ausreichende Korngröße ist wie gesagt erforderlich, um den gewünschten Effekt: Eindringen der Feuchtigkeit, Verdunsten der Feuchtigkeit und Ablagerung der Salze innerhalb der Hohlräume 116 zu gewährleisten. Es hat sich gezeigt, dass dazu Korngrößen von unterhalb von 4 mm oder unterhalb von 2 mm nicht geeignet sind, da sie nur zu relativ kleine Hohlräume 116 führen, die beim Sinterprozess sich noch weiter verringern werden und die entweder selbst kapillaraktiv sind oder die resultierende Wandverkleidung 110 nicht atmungsaktiv ist. Bei der Größenwahl der kapillarinaktiven Körner 112 ist nämlich zu berücksichtigen, dass sich die Hohlräume 116 zwischen den kapillarinaktiven Körnern 112 während des Sinterprozesses etwas verkleinern.

[0049] Der Herstellungsprozess kann beispielsweise wie folgt geschehen. Als Ausgangsmaterial werden silikatische Leichtzuschlagstoffe wie beispielsweise Blähglasgranulat, das beispielsweise aus Altglas gewonnen werden kann, mit einer wasserhaltigen Sinterhilfsmittelformulierung (z.B. Wasserglaslösung, Bindemittel 114) versetzt. Das sich dadurch ergebende Material kann mittels konventioneller Formgebungsverfahren als Formkörper (z.B. Platte) z.B. unter Einwirkung eines Druckes gestaltet werden (beispielsweise ein Pressen). Nach einer Trocknung können die Leichtzuschlagstoffe durch eine Flüssigphasen-Sinterung versintert werden, so dass das mikroskopische und makroskopische Formgefüge in dem so erhaltenen Grünkörper erhalten bleibt. Die Nutzung des Sinterprozesses hat den Vorteil, dass die sich ausbildenden Sinterhälse zu einer hohen mechanischen Festigkeit und Stabilität zwischen dem Leichtzuschlagstoff-Granulat führt. Als Hilfsbindemittel kann praktisch eine Wasserglaslösung genutzt werden, die das Blähglasgranulat als Grünling zusammenkittet, um die Formhaltung vor und während des Sinterprozesses zu ermöglichen. Die fertige Platte weist minimal sichtbare Rückstände des Wasserglases (Wasserglaslösung) auf. Die Platten werden dabei wie oben bereits beschrieben mit einer spezifischen Kornverteilung/Kornstruktur hergestellt, so dass sich völlig andere Eigenschaften ergeben als dies bei Platten der Fall ist, die eine Mischung von kapillarinaktiven Körnern verschiedener Größe oder kleinerer Korngrößen enthalten.


Ansprüche

1. Wandverkleidung (110) für eine Feuchtigkeitssanierung einer Wand (120) mit:

kapillarinaktiven Körnern (112), die eine mittlere Korngröße (D) von mehr als 5 mm aufweisen; und

Sinterhälse (115), die die kapillarinaktiven Körner (112) miteinander verbinden, so dass die kapillarinaktiven Körner (112) schichtförmig an der Wand (120) fixierbar sind und zwischen den kapillarinaktiven Körnern (112) Hohlräume (116) ausgebildet sind,

wobei die mittlere Korngröße (D) derart gewählt ist, dass die Hohlräume (116) kapillarinaktiv sind und die Wandverkleidung (110) atmungsaktiv ist.
 
2. Wandverkleidung (110) nach Anspruch 1, bei dem die kapillarinaktiven Körner (112) eine Vorzugsgröße aufweisen, so dass zumindest 80% der kapillarinaktiven Körner (112) eine Korngröße, die um höchstens 25% von der mittleren Korngröße (D) abweicht, aufweisen.
 
3. Wandverkleidung (110) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem die Körner (112) eine kugelförmige Form mit einem mittleren Durchmesser (D) in einem Bereich zwischen 5 mm und 20 mm oder in einem Bereich zwischen 6 mm und 12 mm aufweisen.
 
4. Wandverkleidung (110) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, die fernerein Bindemittel (114) aufweist und das Bindemittel (114) ausgebildet ist, um die kapillarinaktiven Körner (112) miteinander zu verbinden und die Mehrzahl der Hohlräume (116) zumindest teilweise bindemittelfrei bleiben.
 
5. Wandverkleidung (110) nach Anspruch 4, bei dem das Bindemittel (114) kapillarinaktiv und/oder wasserdampfdurchlässig ist.
 
6. Wandverkleidung (110) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Wandverkleidung (110)eine Platte bildet und die Platte eine Dicke (A) in einem Bereich zwischen 2 cm und 8 cm aufweist.
 
7. Wandverkleidung (110) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, die ferner eine Oberflächenstruktur aufweist, auf das ein Putzmittel (115) aufbringbar ist.
 
8. Wandverkleidung (110) nach einem der Ansprüche 4 bis 7, bei der die kapillarinaktiven Körner (112) Blähglas oder Blähton aufweisen, oder bei der das Bindemittel (114) ein Wasserglas aufweist.
 
9. Wandverkleidung (110) für eine Feuchtigkeitssanierung einer Wand (120) mit:

kapillarinaktiven Körnern (112), die eine mittlere Korngröße (D) aufweisen; und

einem Haltemittel (114), das mittels Abstandshalter (118) in einem vorbestimmten Abstand (A) zu der Wand (120) fixierbar ist und die kapillarinaktiven Körner (112) schichtförmig an der Wand (120) fixiert,

wobei die mittlere Korngröße (D) derart gewählt ist, dass zwischen den kapillarinaktiven Körnern (112) Hohlräume (116) ausgebildet sind und die Hohlräume (116) kapillarinaktiv sind.
 
10. Wandverkleidung (110) nach Anspruch 9, bei dem das Haltemittel (114) einen Putzträger (114) Ziegelmaterial (114a) aufweist, wobei das Ziegelmaterial (114a) mittels eines Drahtgeflechts (114b) fixiert ist und eine löchrige Struktur aufweist, wobei die löchrige Struktur undurchlässig für die kapillarinaktiven Körner (112) ist.
 
11. Wandverkleidung (110) nach Anspruch 9 oder Anspruch 10, bei dem die mittlere Korngröße (D) zumindest so groß gewählt ist, dass die Hohlräume (116) Platz für auskristallisierende Salze bieten.
 
12. Verfahren zur Herstellung einer Wandverkleidungsplatte (110) mit folgenden Schritten:

Bereitstellen von kapillarinaktiven Körnern (112), die eine mittlere Korngröße (D) von mehr als 5 mm aufweisen; und

Verbinden der kapillarinaktiven Körner (112) mittels Sinterhälsen (115), so dass die Wandverkleidungsplatte (110) gebildet wird,

wobei innerhalb der Wandverkleidungsplatte (110) Hohlräume (116) zwischen den kapillarinaktiven Körnern (112) ausgebildet werden und die mittlere Korngröße (D) so groß gewählt wird, dass die Wandverkleidungsplatte (110) selbst kapillarinaktiv und diffusionsfähig und atmungsaktiv ist.
 
13. Verfahren zum Trockenlegen einer Wandoberfläche (124) mit folgenden Schritten:

Bereitstellen von kapillarinaktiven Körnern (112), die eine mittlere Korngröße (D) aufweisen;

Anbringen eines Haltemittels (114) in einem vorbestimmten Abstand (A) von der Wandoberfläche (124), so dass ein Zwischenraum (119) zwischen der Wandoberfläche (124) und dem Haltmittel (114) gebildet wird, wobei das Haltemittel (114) für die kapillarinaktiven Körner (112) undurchlässig ist; und

Einbringen der kapillarinaktiven Körner (112) in den Zwischenraum (119),

wobei die mittlere Korngröße (D) so groß gewählt ist, dass kapillarinaktive Hohlräume (116) zwischen den kapillarinaktiven Körnern (112) gebildet werden.
 
14. Verfahren nach Anspruch 13, bei dem der Schritt des Anbringens des Haltemittels (114) ein Anbringen von Abstandshaltern (118) an die Wand (120) umfasst und die Abstandshalter (118) den vorbestimmten Abstand (A) des Haltemittels (114) zu der Wand (120) und somit den Zwischenraum (119) definieren.
 
15. Verfahren nach Anspruch 14, bei dem der vorbestimmte Abstand (A) in einem Bereich zwischen 3cm und 9cm gewählt wird.
 




Zeichnung





























Angeführte Verweise

IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



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