[0001] Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung beziehen sich auf eine Wandverkleidung
und ein Verfahren zum Trockenlegen einer Wandoberfläche. Weitere Ausführungsbeispiele
beziehen sich auf ein Verfahren zur Herstellung trockener Wandoberflächen auf Feuchtigkeits-
und/oder salzbelasteten Wänden.
[0002] Zur Sanierung Feuchtigkeits- und/oder salzbelasteter Wandflächen, hier insbesondere
in Kellern, sind verschiedene Verfahren bekannt und durch Regelwerke eingeführt. So
werden beispielsweise nachträgliche Außen- und Innenabdichtungen, Horizontalsperren
oder Schleierinjektionen ausgeführt. Mit diesen Maßnahmen wird versucht, die Ursachen
der von außen auf verschiedenen Wegen eindringenden Feuchtigkeit und wasserlöslichen
Salze zu beseitigen.
[0003] Wirkt Feuchtigkeit auf einen porösen kapillaraktiven Baustoff ein, kommt es zu Transportvorgängen
innerhalb des Porengefüges sowie zur Verdunstung der Feuchtigkeit auf den Baustoffoberflächen
und oberflächennahen Schichten. In diesen Verdunstungsbereichen bleiben häufig wasserlösliche
Salze zurück. Diese Salze reichern sich an und binden selbst die Feuchtigkeit an der
Oberfläche durch Hygroskopizität.
[0004] Speziell an erdberührten außen nicht wärmegedämmten Wänden kommt Kondensatfeuchtigkeit
hinzu, die sich an den Baustoffoberflächen aufgrund relativ niedriger Wandoberflächentemperatur
niederschlägt.
[0005] Daher sind selbst nach erfolgter Abdichtung und/oder Trockenlegung weiterhin schädigende
Prozesse an Wandoberflächen auf der Innenseite zu beobachten. Die Sanierung mit Putzsystemen
scheitert oft daran, dass der Putz eine kapillare Verbindung zum feuchten/salzhaltigen
Untergrund hat. Durch die weiterhin mögliche Einlagerung von Salzen und durch die
während der Ausführung in der Regel noch hohe Untergrundfeuchtigkeit kann das Putzsystem
erneut geschädigt werden.
[0006] In
DE 42 14 043 A1 wird ein Verfahren für die Bauindustrie beschrieben, das eine putztechnische Sanierung
von feuchtem oder nassem und/oder salzhaltigem Mauerwerk ermöglicht. Bei den beschriebenen
Verfahren wird ein Gewebe oder Fließ zwischen dem Mauerwerk und einem Putzträger angeordnet.
Das Gewebe/Fließ liegt dabei nicht hohlraumfrei an der Mauerwerksoberfläche, so dass
sich an der Mauerwerksoberfläche eine Verdunstungszone bilden kann.
[0007] In
DE 295 21 952 U1 und
DE 202 10 142 U1 werden dampfdichte kapillarinaktive Innenverkleidungen aus Fließ, Noppenbahn oder
Kunststoffen beschrieben. Da hierbei jedoch keine raumseitige Diffusion mehr möglich
ist, kommt es zu einer Sättigung des dahinter liegenden weiterhin durchfeuchteten
Wandbaustoffs. Das hat einen verstärkten kapillaren Feuchtetransport über das baustoffeigene
Putzgefüge zur Folge. Deshalb werden in der Regel zusätzlich zu Innenabdichtungen
nachträglich Querschnittsabdichtungen (z. B. mechanische Horizontalsperren oder Injektionen)
ausgeführt, um den Feuchttransport in einer Ebene senkrecht zur Maueroberfläche zu
unterbinden und somit einen weiteren Kapillartransport zu verhindern. Die besagten
Querschnittsabdichtungen können dabei beispielsweise unterhalb einer Kellerdecke angeordnet
werden. Da diese Verkleidungen nicht hohlraumfrei auf dem Mauerwerk aufliegen und
dampfdicht sind, kommt es auf der der Wand zugewandten Seite dieser Schichten zu Kondensatfeuchtigkeit,
die an den Schichten hinab läuft und als Wasser in tropfbar flüssiger Form am Wandfußpunkt
zu Durchfeuchtungen führen kann.
[0008] Ebenso ist die notwendige Querschnittsabdichtung mit einem hohen wirtschaftlichen/technischen
Aufwand verbunden. Dies trifft insbesondere bei Räumen zu, die keiner Nutzungsänderung
unterliegen, sondern die im Sinne einer Renovierung aufgewertet werden sollen. Ein
Beispiel dafür sind Mieter-Lagerkeller in Wohnhäusern, die zur Einlagerung feuchtempfindlicher
Gegenstände aufgewertet werden sollen.
[0009] Ausgehend von diesem Stand der Technik liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe
zugrunde, eine Wandverkleidung und ein Verfahren zum Trockenlegen einer Wand zu schaffen,
die keine kapillare Verbindung zum Untergrund aufweist und gleichzeitig einer Wasserdampfdiffusion
durch das Bauteil ermöglicht.
[0010] Diese Aufgabe wird durch eine Wandverkleidung nach Anspruch 1 und Anspruch 13 und
ein Verfahren nach Anspruch 15 und 16 gelöst.
[0011] Der Kerngedanke der vorliegenden Erfindung besteht darin, eine Wandverkleidung für
eine Feuchtigkeitssanierung einer Wand dadurch zu schaffen, dass kapillarinaktive
Körner durch ein Haltemittel schichtförmig an der Wand fixiert sind und zwischen den
kapillarinaktiven Körnern Hohlräume ausgebildet sind. Die mittlere Korngröße ist dabei
derart gewählt, dass die Hohlräume selbst kapillarinaktiv sind. Das Haltemittel kann
durch Sinterhälse gebildet werden oder optional ein Bindemittel sein (z. B. ein Kleber
oder Klebstoff) oder alternativ als ein Putzträger ausgebildet sein, der mittels Abstandshalter
in einem vorbestimmten Abstand zu der Wand fixiert ist.
[0012] Ausführungsbeispiele umfassen somit eine Wandverkleidung, die beispielsweise als
eine Platte ausgebildet ist und zur Feuchtigkeitssanierung der Wand dient. Die Wandverkleidung
weist dazu kapillarinaktive Körner mit einer mittleren Korngröße von mehr als 5 mm
auf, wobei die kapillarinaktiven Körner über Sinterhälse miteinander verbunden sind,
so dass die Sinterhälse das Haltemittel für die kapillarinaktiven Körner bilden. Außerdem
sind die kapillarinaktiven Körner derart miteinander verbunden, dass sich die Wandverkleidung
schichtförmig an der Wand fixieren lässt und zwischen den kapillarinaktiven Körnern
sich Hohlräume ausbilden. Die mittlere Korngröße, von beispielsweise zumindest 5 mm
ist dabei derart gewählt, dass die Hohlräume selbst kapillarinaktiv sind und die Wandverkleidung
atmungsaktiv bleibt, so dass eine Verdunstung der eindringenden Feuchtigkeit gewährleistet
ist.
[0013] Die kapillarinaktiven Körner können beispielsweise eine Vorzugsgröße aufweisen, so
dass zumindest 80 % oder zumindest 90 % der kapillarinaktiven Körner eine Korngröße
aufweisen, die höchstens um 10 % oder höchstens um 25 % von der mittleren Korngröße
abweichen (z. B. Ein-Korn-Mörtel). Die kapillarinaktiven Körner können beispielsweise
eine kugelförmige Form aufweisen, wobei der Durchmesser in einem Bereich zwischen
2 mm und 20 mm oder in einem Bereich zwischen 6 mm und 12 mm liegen kann. Ferner weisen
bei Ausführungsbeispielen die kapillarinaktiven Körner ein Material auf, das beispielsweise
derart gewählt ist, dass die Wandverkleidung eine Wärmeleitfähigkeit von höchsten
0,08 Watt/mK oder von höchstens 0,05 Watt/mK aufweist.
[0014] Sofern bei Ausführungsbeispielen das Haltemittel als ein Putzträger ausgebildet ist,
kann der Putzträger beispielsweise ein Ziegelmaterial aufweisen, das durch ein Drahtgeflecht
fixiert ist und eine löchrige Struktur hat. Die löchrige Struktur kann derart gewählt
werden, dass sie für die kapillarinaktiven Körner undurchlässig ist - die vorhandenen
Löcher also kleiner als der Durchmesser der kapillarinaktiven Körner sind.
[0015] Sofern bei Ausführungsbeispielen das Haltemittel als ein Bindemittel ausgebildet
ist, kann das Bindemittel beispielsweise derart gewählt werden, dass es zum einen
die kapillarinaktiven Körner miteinander verbindet und zum anderen die Mehrzahl der
Hohlräume zumindest teilweise bindemittelfrei lässt. Das Bindemittel selbst kann dabei
ebenfalls kapillarinaktiv und/oder wasserdampfdurchlässig sein. Unter Nutzung des
Bindemittels ist es somit möglich, die Wandverkleidung in Form einer Platte auszubilden,
die ihrerseits an die Wand zur Feuchtigkeitssanierung angebracht werden kann. Die
Platte kann beispielsweise eine Dicke in einem Bereich zwischen 2 cm und 8 cm oder
in einem Bereich zwischen 4 cm und 6 cm aufweisen.
[0016] Ausführungsbeispiele umfassen somit einen diffusionsfähigen selbsttragenden Putzträger,
der mit Abstandshalter auf die Innenseite der zu sanierenden Wand montiert wird. Auf
den Putzträger kann anschließend ein diffusionsfähiger kapillarinaktiver Verputz mit
Leichtputz ausgeführt werden. Der Hohlraum, der durch die Abstandshalter definiert
ist, wird mit einer kapillarinaktiven wärmedämmenden geschlossenzelligen Trockenschüttung
aufgefüllt, wobei die Trockenschüttung die kapillarinaktiven Körner umfasst.
[0017] Weitere Ausführungsbeispiele umfassen ebenfalls ein Verfahren zum Trockenlegen einer
Wandoberfläche, wobei das Verfahren ein Bereitstellen von kapillarinaktiven Körnern
mit einer mittleren Korngröße, ein Anbringen eines Haltemittels und ein Einbringen
der kapillarinaktiven Körner in einen Zwischenraum umfasst. Das Anbringen des Haltemittels
erfolgt dabei in einem vorbestimmten Abstand von der Wand, so dass ein Zwischenraum
zwischen der Wand und dem Haltemittel gebildet wird, wobei das Haltemittel für die
kapillarinaktiven Körner undurchlässig ist. Das Haltemittel kann beispielsweise zunächst
bis auf 80 % - 90 % der Höhe der zu verkleidenden Wand angebracht werden, um die verbleibenden
10-20% zu nutzen, um der kapillarinaktiven Körner in den Zwischenraum zu schütten.
Die mittlere Korngröße der kapillarinaktiven Körner ist dabei so groß gewählt, dass
kapillarinaktive Hohlräume zwischen den kapillarinaktiven Körnern gebildet werden.
[0018] Weitere Ausführungsbeispiele umfassen ebenfalls ein Verfahren zur Herstellung einer
Wandverkleidungsplatte, das der Bereitstellen von kapillarinaktiven Körnern und ein
Verkleben der kapillarinaktiven Körner mittels eines Bindemittels umfasst, so dass
die Wandverkleidungsplatte gebildet wird. Innerhalb der Wandverkleidungsplatte sind
Hohlräume zwischen den kapillarinaktiven Körnern ausgebildet und die mittlere Korngröße
wird bei dem Verfahren so groß gewählt, dass die Wandverkleidungsplatte selbst kapillarinaktiv
und diffusionsfähig ist.
[0019] Im Vergleich zu konventionellen Verfahren weisen Ausführungsbeispiele die folgenden
Vorteile auf. Es besteht keine kapillare Verbindung zu dem Untergrund und, da wegen
der kapillaren Inaktivität keine Salze eingelagert werden können, kommt es zu keiner
Hygroskopizität in der obersten Bauteilschicht. Die Hinterfüllung mit wärmedämmender
Trockenschüttung führt gleichzeitig zu einer Erhöhung der Wandoberflächentemperatur,
die ihrerseits die Kondensationsfeuchtigkeit in der obersten Bauteilschicht vermeidet.
Durch die Diffusionsfähigkeit kommt es ferner zu keiner Feuchtsättigung im tragenden
Wandbaustoff und zu keinem erhöhten kapillaren Feuchttransport noch zu einer Verschiebung
der Verdunstungszonen. Ausführungsbeispiele sind ferner vorteilhafterweise mit geregelten
Innenabdichtungen gemäß geltenden Vorschriften wie beispielsweise der Wissenschaftlich-Technische
Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege (WTA) kombinierbar. Damit
wird beispielsweise eine Umnutzung von Kellerräumen in hochwertigen Wohnräumen möglich.
Der große Hohlraumanteil in der Wärmedämmschüttung ermöglicht ferner eine Ablagerung
der wasserlöslichen Salze. Da es ferner zu keiner Kondensation auf der Innenseite
des Trägers kommt, wird außerdem die feuchte Anreichung am Wandfußpunkt durch Wasser
in tropfbar flüssiger Form verhindert. Da der Untergrund dadurch trocken wird, kann
der Wandputz abbinden und die vorgegebene Materialeigenschaften sicher erreichen.
Zu den vorgegebenen Materialeigenschaften zählen z. B. eine sichere Kapillarhydrophobie,
keine Einlagerung von Salzen, geringe Gefahr von Rissbildung durch homogenen Untergrund.
Je nach Zustand und Raumnutzung kann somit auf eine Querschnittsabdichtung verzichtet
werden. Schließlich ist eine schnelle und leichte Montage in Trockenbau-Arbeitsweise
bei geringer Staubund Lärmentwicklung möglich, da der Altputz nicht beseitigt werden
muss.
[0020] Bevorzugte Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung werden nachfolgend Bezug
nehmend auf die beiliegenden Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine Wandverkleidung gemäß einem Ausführungsbeispiel der vorliegenden Erfindung;
- Fig. 2
- eine Wandverkleidung gemäß einem weiteren Ausführungsbeispiel der vorliegenden Erfindung;
- Fig. 3a,b
- schematische Darstellungen von kapillarinaktiven Körnern mit ausgebildeten Hohlräumen;
- Fig. 4
- eine schematische Darstellung für typische Problemstellungen bei der Mauerwerkssanierung;
- Fig. 5
- eine schematische Darstellung eines Putzträgers, der durch Abstandshalter in einem
vorbestimmten Abstand gehalten wird;
- Fig. 6
- eine schematische Darstellung eines mit Trockenschüttung aufgefüllten Hohlraums zwischen
dem Putzträger und der Wand;
- Fig. 7a bis 7c
- eine Darstellung der Komponenten, die in dem Ausführungsbeispiel der Fig. 6 genutzt
wurden; und
- Fig. 8
- eine Raumansicht einer Wand mit aufgebrachter Wandverkleidung gemäß Ausführungsbeispielen.
[0021] Bevor im Folgenden die vorliegende Erfindung anhand der Zeichnungen näher erläutert
wird, wird darauf hingewiesen, dass gleiche Elemente in den Figuren mit den gleichen
oder ähnlichen Bezugszeichen versehen sind, und dass eine wiederholte Beschreibung
dieser Elemente weg gelassen wird.
[0022] Fig. 1 zeigt eine Wandverkleidung 110 für eine Feuchtigkeitssanierung einer Wand,
wobei die Wandverkleidung 110 kapillarinaktive Körner 112 mit einer mittleren Korngröße
D aufweist, die durch ein Haltemittel 114 gehalten werden, so dass die kapillarinaktiven
Körner 112 schichtförmig an der Wand 120 fixierbar sind. Zwischen den kapillarinaktiven
Körnern 112 sind Hohlräume 116 ausgebildet, wobei die mittlere Korngröße D derart
gewählt ist, dass die Hohlräume 116 kapillarinaktiv sind. In Abhängigkeit der Flüssigkeit
und der Temperatur weisen die Hohlräume also eine Mindestgröße auf, die kapillare
Transportprozesse verhindern.
[0023] Fig. 2 zeigt ein weiteres Ausführungsbeispiel, bei dem das Haltemittel 114 als ein
Bindemittel ausgebildet ist, das die kapillarinaktiven Körner 112 miteinander verbindet,
wobei sich wiederum Hohlräume 116 zwischen den kapillarinaktiven Körnern 112 herausgebildet
sind. Die Hohlräume 116 sind dabei bindemittelfrei. Die durch das Bindemittel 114
miteinander verbundenen kapillarinaktiven Körner 112 bilden dabei beispielsweise eine
Platte. Die Platte kann ebenfalls mit Bindemittel an der Wand 120 befestigt werden
oder ist alternativ mit anderen Befestigungsmitteln, wie beispielsweise Schrauben,
Dübeln oder Nägeln, mit der Wand 120 fest verbunden.
[0024] Fig. 3a zeigt eine vergrößerte Darstellung der kapillarinaktiven Körner 112, die
mittels Bindemittel 114 miteinander verbunden sind. Die durchschnittliche Größe D
der kapillarinaktiven Körner 112 und das Bindemittel 114 zwischen den kapillarinaktiven
Körnern 112 sind derart gewählt, dass die Hohlräume 116 frei bleiben, wobei die Hohlräume
116 wie gesagt selbst kapillarinaktiv sind. Damit kein kapillarer Flüssigkeitstransport
entlang des Bindemittels 114 möglich ist, sollte ebenfalls das Bindemittel selbst
kapillarinaktiv sein. In den Hohlräumen 116 enthaltene Feuchtigkeit kann somit austrocknen,
ohne dass die Feuchtigkeit über den kapillaren Effekt weiter transportiert wird. Die
Größe der Hohlräume 116 kann beispielsweise über die durchschnittliche Größe D der
kapillarinaktiven Körner 112 eingestellt werden. Je größer die kapillarinaktiven Körner
112 sind, umso größer sind auch die Hohlräume 116, die sich zwischen den kapillarinaktiven
Körnern 112 herausbilden - stets unter der Annahme, dass das Bindemittel 114 nicht
die entstehenden Hohlräume vollständig ausfüllt.
[0025] Fig. 3b zeigt eine Detailansicht der kapillarinaktiven Körner 112, die durch Sinterhälse
115 miteinander mechanisch verbunden sind. Die durchschnittliche Korngröße D ist wiederum
derart gewählt, dass sich zwischen den kapillarinaktiven Körnern 112 Hohlräume 116
herausbilden, die Platz bieten für sich ablagernde Salze und selbst nicht kapillaraktiv
sind. Wie bereits gesagt, kann dies durch die Verwendung von Einkornmaterial für die
kapillarinaktiven Körner 112 erreicht werden. Dadurch wird nämlich verhindert, dass
sich innerhalb der Hohlräume 116 kleinere Körner anordnen können und somit die verbleibenden
Hohlräume kleiner werden. Ebenso kann der verwendete Sinterprozess so gestaltet werden,
dass die Sinterhälse 115 lediglich zu einem mechanischen Halt der kapillarinaktiven
Körner 112 führt, nicht jedoch die Größe der sich bildenden Hohlräume 116 verringert.
Dies bedeutet, dass ein Zuschmelzen der Porenstruktur verhindert wird und die Platte
offenporig bleibt. Dies kann beispielsweise durch Sintertemperaturen in einem Bereich
zwischen 600°C und 800°C erreicht werden. Der Sinterprozess kann beispielsweise über
eine Dauer von ca. 4 Stunden oder ca. 5 Stunden aufweisen oder innerhalb eines Bereichs
zwischen 2 und 6 Stunden liegen. Die kapillarinaktiven Körner 112 können beispielsweise
Blähglas, Blähton oder Bims aufweisen und in Abhängigkeit des verwendeten Materials
(z.B. Blähglasgranulat) kann die Temperatur und/oder die Sinterdauer derart angepasst
werden, dass sich einerseits eine ausreichende mechanische Stabilität herausbildet,
andererseits jedoch die Hohlräume 116 bzw. das Volumen der Hohlräume 116 sich kaum
oder nur wenig während des Sinterprozesses ändert.
[0026] Alternativ oder zusätzlich kann als mechanisches Haltemittel anstatt der Sinterhälse
115 auch das Bindemittel 114 genutzt werden, welches beispielsweise Wasserglas oder
eine Wasserglaslösung aufweist. Das Bindemittel 114 kann außerdem derart gewählt sein,
dass es die kapillarinaktiven Körner 112 nicht benetzt (nicht spreizend ist), so dass
die Hohlräume 116 zwischen den kapillarinaktiven Körnern 112 nicht weiter durch das
Bindemittel 114 verkleinert werden.
[0027] Um eine derartige Hohlraumstruktur zu erreichen, ist es vorteilhaft, wenn die Trockenschüttung
(=Vielzahl von kapillarinaktiven Körnern 112) möglichst eine einheitliche Korngröße
aufweist (z. B. Ein-Korn-Schüttung). Obwohl einige kapillarinaktive Körner 112 eine
leicht abweichende Korngröße aufweisen können, so ist es für Ausführungsbeispiele
wichtig, dass die entstehenden Hohlräume 116 nicht durch kleinere kapillarinaktive
Körner 112 aufgefüllt werden können. Dies Kriterium kann beispielsweise dadurch definiert
werden, dass zumindest 80 % oder zumindest 90 % oder mehr als 95 % der kapillarinaktiven
Körner 112 eine Größe aufweisen, die nahe der mittleren Korngröße D liegt, wobei nahe
beispielsweise derart definiert werden kann, dass sie mit einer Toleranzbreite von
±5 % oder ±10 % die mittlere Korngröße aufweisen.
[0028] Die Hohlraumstruktur 116 ist gleichzeitig dahingehend vorteilhaft, dass sie bereits
eine natürliche Wärmeisolation schafft. Die Wärmeisolation kann jedoch noch durch
besondere Materialien für die kapillarinaktiven Körner 112 und/oder durch eine optionale
Isolationsschicht weiter verbessert werden.
[0029] Die Fig. 4 gibt eine schematische Darstellung für eine typische Ausgangslage, bei
der typische Problemstellungen der Mauerwerkssanierung ersichtlich werden. Fig. 4
zeigt dabei beispielhaft ein Kellergeschoss 410, das die Wand 120 aufweist und an
der Decke 425 ein Gewölbe 420 ausgebildet ist, das das Kellergeschoss 410 von einem
darüber liegenden Erdgeschoss 430 trennt. Der Fußboden 440 des Kellergeschosses 410
kann beispielsweise verschiedene Abschnitte aufweisen, wobei ein Abschnitt 442 kapillaraktiv
ist und ein weiterer Abschnitt 444 poröses Material aufweist, welches kapillarinaktiv
ist. Die Wand oder Seitenwand 120 trennt dabei beispielsweise das Kellergeschoss 410
von einem Erdreich 450, das sich bis zu einer Oberkante 500 erstreckt, so dass die
Wand 120 zum großen Teil unterhalb des Erdreichs 450 liegt. Die Seitenwand 120 weist
eine Außenwand 122 und eine Innenwand 124 auf, wobei die Außenwand 122 eindringendem
Sickerwasser oder der Bodenfeuchtigkeit ausgesetzt ist. Ferner ist der kapillaraktive
Anteil 442 des Fußbodens 440 ebenfalls der Feuchtigkeit des Erdreiches 450 ausgesetzt.
[0030] Es ist ebenfalls möglich, dass sich zeitweise Sickerwasser 460 sich auf die Vorlaufsatzfuge
470 staut. Es kommt dort zu einem vermehrten Eintritt von Feuchtigkeit in das Mauerwerk,
was durch einen Pfeil 472 dargestellt ist. Durch die eindringende Feuchtigkeit kommt
es zu einem Kapillareffekt, der durch die Pfeile 126 dargestellt ist und dazu führt,
dass die eindringende Feuchtigkeit in dem Mauerwerk nach oben steigt. Mit der aufsteigenden
Feuchtigkeit 126 kommt es gleichzeitig zu einer Verdunstung 480 an der Innenwand 124
der Wand 120. Die Verdunstung 480 führt dazu, dass die Bauteiltemperatur (Temperatur
der Wand 120) durch die Verdunstungskälte herabgesetzt wird. Ferner führt die Verdunstung
480 dazu, dass sich an der Innenwandseite 124 vermehrt Salze ablagern, die wiederum
Feuchtigkeit aus der Raumluft des Kellergeschoss 410 als Kondensationsfeuchtigkeit
herauszieht. Dieser Effekt ist die besagte Hygroskopizität.
[0031] Das Problem der Feuchtigkeitssanierung besteht somit darin, die Innenseite 124 der
Wand 120 derart zu verändern, dass die Wand 120 trocken wird und keine Salzablagerungen
mehr auftreten.
[0032] Fig. 5 zeigt ein Ausführungsbeispiel, bei dem das Haltemittel 114 über Abstandshalter
118 in einem vorbestimmten Abstand A von der Wand 120 gehalten wird. Die Abstandshalter
118 können dabei beispielsweise mittels Dübel oder Schrauben 118a in der Wand 120
befestigt sein. Der dadurch entstehende Hohlraum 119 kann dann anschließend mit der
Trockenschüttung aufgefüllt werden.
[0033] Der vorbestimmte Abstand A kann beispielsweise in einem Bereich zwischen 4 cm und
6 cm oder in einem Bereich zwischen 2 cm und 8 cm liegen. Im Allgemeinen hängt der
vorbestimmte Abstand A von der Größe der kapillarinaktiven Körne (mittlere Korngröße
D) ab. Als ein Beispiel könnte der vorbestimmte Abstand A so gewählt werden, dass
er größer ist als die dreifache oder fünffache oder zehnfache mittlere Größe D der
kapillarinaktiven Körner 112.
[0034] Fig. 6 zeigt das Resultat einer Auffüllung des Hohlraums 119 mit der Trockenschüttung,
die die Vielzahl von kapillarinaktiven Körnern 112 umfasst, so dass die Hohlräume
116 ausgebildet werden. Fig. 6 zeigt somit ein Ausführungsbeispiel, bei dem auf dem
feuchten Mauerwerk 120 der Hohlraum 119 mit kapillarinaktiver wärmedämmender Trockenschüttung
112 gefüllt ist und unter Nutzung von beispielsweise Einschlagdübeln mit Abstandshaltern
118 die Haltemittel 114 fixiert werden. Das Haltemittel 114 kann optional einen Putzträger
umfassen, der entlang des Haltemittels 114 ist diffusionsoffen ausgebildet ist. Zusätzlich
ist bei dem Ausführungsbeispiel der Fig. 6 ein Putz 115 (Sanierputz oder Leichtputz)
diffusionsoffen auf den Putzträger 114 aufgebracht.
[0035] Fig. 7a bis 7c zeigen die Komponenten des Systemaufbaus. In Fig. 7a ist ein Beispiel
für die Abstandshalter 118 gezeigt, wobei der Abstandshalter 118 einen Dübel 118a
(z. B. Einschlagdübel) umfassen kann. Der vorbestimmte Abstand A kann bei dem Abstandshalter
118 flexibel eingestellt werden. Ferner dient der Zwischenraum 118b der Befestigung
des Haltemittels oder des Putzträgers 114, in dem der Putzträger 114 beidseitig von
dem Abstandshalter 118 fixiert wird (z. B. eingeklemmt wird). Bei dem Abstandshalter
118, wie er in der Fig. 7a gezeigt ist, kann ferner der Hohlraum 118b flexibel angepasst
werden, um verschiedene Dicken des Putzträgers 114 zu berücksichtigen.
[0036] Fig. 7b zeigt ein Beispiel für einen Putzträger 114, wobei der Putzträger 114 Ziegelelemente
114a aufweist, die durch ein Drahtgeflecht 114b zusammengehalten werden. Die Ziegelelemente
114a sind dabei derart geformt, dass der Putzträger 114 eine löchrige Struktur aufweist,
wobei die vorhandenen Löcher 114c eine Größe aufweisen, die kleiner ist als eine mittlere
Korngröße der kapillarinaktiven Körner 112. somit ist der Putzträger 114, wenn er,
wie in der Fig. 5 gezeigt, durch die Abstandshalter in einem vorbestimmten Abstand
A von der Wand montiert ist, undurchlässig für die kapillarinaktiven Körner 112 -
gleichzeitig jedoch durchlässig für Feuchtigkeit oder für Verdunstungsfeuchte.
[0037] Fig. 7c zeigt die Trockenschüttung 112, die eine Vielzahl von kapillarinaktiven Körnern
112a - 112d aufweist, deren mittleren Größe D derart gewählt ist, dass die sich ausbildenden
Hohlräume zwischen den kapillarinaktiven Körnern 112 so groß sind, dass die Hohlräume
116 selbst kapillarinaktiv sind.
[0038] Die Komponenten (Wärmedämmung und Putzträger) zeichnen sich durch folgende Eigenschaften
aus. Die Wärmedämmung kann beispielsweise durch einen unverrottbaren geschlossenzelligen
Schotter aus Glasrecycling erreicht werden, der feuchte-, salz- und schädlingsresistent
ist. Ferner geht das Glasrecycling als Inertbaustoff keine Reaktionen ein und ermöglicht
durch den Hohlraumanteil der Schüttung die Kristallation der Salze und gleichzeitig
die Wasserdampfdiffusion.
[0039] Der Putzträger kann beispielsweise derart gewählt werden, dass er selbsttragend und
unverrottbar ist und gleichzeitig durch die beispielhafte Ziegelwand eine Putzhaftung
realisiert. Ferner ist der Putzträger feuchte-, salz- und schädlingsresistent und
unbrennbar.
[0040] Fig. 8 zeigt eine Draufsicht auf die Wand 120, auf der die Wandverkleidung 110 aufgebracht
wurde, die Wandverkleidung 110 umfasst dabei die Trockenschüttung 112, den Putzträger
114 und einen Putz 115, wobei der Putzträger 114 durch die Abstandshalter 118 fixiert
ist. Es ist ersichtlich, dass der Putzträger 114 einerseits undurchlässig für die
Trockenschüttung 112 ist und andererseits eine Grundlage für den aufgebrachten Putz
115 bietet.
[0041] Fig. 8 zeigt somit eine alternative Darstellung für die Funktionsweise des Systems.
Mit Abstandshaltern 118 wird ein selbsttragender verformungsstabiler Putzträger 114
auf der zu sanierenden Wand 120 befestigt. Altputz kann nach einer optionalen Reinigung
mit einem Stahlbesen an der Wand 120 verbleiben. Der entstandene Hohlraum 119 wird
mit einer trockenen Schüttung 114 aus einem speziellen unverrottbaren kapillarinaktiven
Wärmedämmstoff aufgefüllt. Anschließend kann beispielsweise auf den Putzträger 114
ein Sanierputz (beispielsweise gemäß WTA) in 1,5 cm Mindestdicke aufgetragen werden.
Die Wandoberfläche 124 kann mit passendem gipsfreiem Feinputz geglättet und mit einem
diffusionsfähigen Anstrich (z. B. Silikatfarbe) versehen werden.
[0042] Ausführungsbeispiele können somit als Saniersysteme auf nahezu allen Untergründen
genutzt werden, wobei die Kombination der Materialeigenschaften folgende Vorteile
liefern. Zum einen wird eine trockene und schadensfreie Wandoberfläche, z. B. für
feuchte Kellerräume geschaffen. Ausführungsbeispiele sind zum anderen auch für diffusionsfähige
denkmalsschutzgerechte mineralische Wärmedämmfassaden oder für energetisch optimale
Bauteile bei Umnutzungen (z. B. bei Kellerausbauten) anwendbar. Ferner liefern Ausführungsbeispiele
einen entkoppelten Putzträger 114 (der keine kapillare Verbindung zum Untergrund aufweist),
so dass selbst bei schwierigen Untergründen für ein gesundes Wohnraumklima durch deren
feuchteregulierenden Eigenschaften gesorgt ist. Schließlich führen Ausführungsbeispiele
zu einer Entlastung der Umwelt durch natürliche Rohstoffe und Recyclingmaterialien.
[0043] Durch Variationen der verwendeten Materialien können Ausführungsbeispiele entsprechend
den Anforderungen an das Wandsaniersystem flexibel angepasst werden. So sind Ausführungsbeispiele
des kapillarinaktiven Wandsaniersystems 110 auch bei der Renovierung und leichten
Nutzungsänderungen in feuchten Kellern und Räumen einsetzbar. Damit ist es beispielsweise
möglich, die Lagerung feuchteempfindlicher Gegenstände zu ermöglichen und gleichzeitig
zu verhindern, dass es zu Schimmelbildung an der Wandoberfläche kommt. Für anspruchsvollere
Anwendungen ist es ferner möglich, das kapillarinaktive Wandsaniersystem 110 optional
mittels einer Wärmedämmung mit Innenabdichtung auszugestalten, so dass ebenfalls eine
Umnutzung in Wohnbereiche durch trockene schadensfreie Wandoberflächen mit ENEV-gerechter
Wärmedämmung ermöglicht wird.
[0044] Weitere Ausführungsbeispiele umfassen ebenfalls eine kapillarinaktive diffusionsfähige
mineralische Wärmedämmung für eine Außenfassade. Neben der Sanierung der Innenwand
124 (siehe Fig. 4) kann ebenfalls eine Sanierung der Außenwand 122 mittels der Wandverkleidung
110 erreicht werden. Die Außenfassade kann dabei beispielsweise denkmalsschutzgerecht
durch massive mineralische Putzcharakteristik bei gleichzeitig hoher Wärmedämmwirkung
ausgebildet sein und sorgt so für ein optimiertes Wohnklima durch die Diffusionsfähigkeit.
Die Unbrennbarkeit, die Schlagfestigkeit und die Unverrottbarkeit sind weitere Vorteile.
[0045] Überzeugende Vorteile von Ausführungsbeispielen lassen sich somit stichpunktartig
wie folgt zusammenfassen:
- die Hygroskopizität (salzbedingte Feuchtigkeit) und Kondensatfeuchtigkeit wird beseitigt;
- die keine Verbindung der Putzschicht 115 zum Untergrund wird unterbunden;
- System ist durchgängig wasserdampfdiffusionsoffen;
- System weist auf die Nutzung abgestimmte bauphysikalische Eigenschaften auf;
- die Feuchtigkeit wird nicht nach oben verschoben - daher keine Querschnittsabdichtung
notwendig;
- die Lärm- und Staubbelastung wird reduziert und alter Putz kann auf der Wand 120 verbleiben;
- sehr schnelle Kellersanierung durch nahezu trockene Bauweise; und
- die Wand 120 behält die Charakteristik einer massiven Wand durch den verformungsstabilen
Putzträger 114.
[0046] Ausführungsbeispiele weisen beispielsweise die folgenden technischen Daten auf: die
Bauteildicke der Wärmedämmung kann beispielsweise 6 cm umfassen, der Sanierputz (gemäß
WTA 4-5-99) kann beispielsweise mindestens in eine Dicke von 1,5 cm aufgebracht sein,
die Wärmeleitfähigkeit der Wärmedämmung kann beispielsweise einen Wert von 0,077 W/mK
aufweisen und der U-Wert bei 36,5 cm Vollziegelwand (feucht) kann beispielsweise einen
Wert von 0,60 W/qmK aufweisen. Die Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl µ ist dabei
beispielsweise als 18 und die Baustoffklasse Brandverhalten (DIN 4102) kann als A
(unbrennbar) klassifiziert werden. Beispielsweise kann das Material der kapillarinaktiven
Körner 112 so gewählt werden, dass die Wandverkleidung 110 eine Wärmeleitfähigkeit
von höchstens 0,08 Watt/mK aufweist. Außerdem kann das Material der kapillarinaktiven
Körner 112 und/oder das Haltemittel 114 auch derart gewählt werden, dass die Wandverkleidung
110 eine Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl von höchstens 25 aufweist.
[0047] Bei weiteren Ausführungsbeispielen wird die mittlere Korngröße beispielsweise in
einem Bereich zwischen 6 mm und 12 mm gewählt oder einen Durchmesser von mehr als
6 mm oder mehr als 8 mm aufweisen. Es ist vorteilhaft, wenn die kapillarinaktiven
Körner 112 weitestgehend eine einheitliche Korngröße aufweisen, d.h. dass ein Einkornmaterial
zur Ausbildung der Wandverkleidung genutzt wird. Damit soll sichergestellt werden,
dass sich nicht kleinere Körner in den bildenden Hohlräumen anordnen und damit die
effektive Größe der Hohlräume verkleinern und somit zu einer Kapillarität führen würden.
Gleichzeitig bleibt damit die Wandverkleidung atmungsaktiv. Für eine erfindungsgerechte
Funktionsweise der Wandverkleidung ist es nämlich wichtig, dass einerseits die Feuchtigkeit
aufgenommen wird und andererseits die feuchte Luft als Verdampfungsfeuchtigkeit nach
außen gelangen kann. Ebenfalls ist es vorteilhaft, dass während des Sinterprozesses
bei der Herstellung der Wandverkleidung die Sinterhälse nur soweit ausgebildet werden,
wie es zu einer zuverlässigen mechanischen Stabilität erforderlich ist - nicht jedoch
dazu führen, dass die Hohlräume zwischen den kapillarinaktiven Körnern sich schließen
(infolge eines Zuschmelzens). Daher weist eine erfindungsgerechte Wandverkleidung
eine offenporige Struktur auf, die einerseits Feuchtigkeit aufnimmt und andererseits
atmungsaktiv ist.
[0048] Weitere Ausführungsbeispiele umfassen ebenfalls ein Verfahren zur Herstellung einer
Wandverkleidung, bei der kapillarinaktiven Körner mittels eines Sinterprozesses miteinander
verbunden werden. Der Sinterprozess wird derart ausgeführt, dass die Hohlräume 116
zwischen den kapillarinaktiven Körnern 112 erhalten bleiben, so dass eine offenporige
atmungsaktive Struktur sich bildet. Daher ist es vorteilhaft, dass beim Sintern es
nicht zu einem Aufbläh-Prozess kommt, bei dem sich geschlossenporige Einschlüsse innerhalb
der Wandverkleidung bilden, sondern dass vielmehr der Sinterprozess lediglich zu einer
mechanischen Verbindung der kapillarinaktiven Körner 112 führt. Der Sinterprozess
führt damit beispielsweise zu einem Schrumpfprozess während des Sinterns. Dies bedeutet,
dass beim Herstellungsprozess die Wandverkleidung 110 zunächst ein größeres Volumen
aufweist, welches sich während des Sinterprozesses verringert. Eine ausreichende Korngröße
ist wie gesagt erforderlich, um den gewünschten Effekt: Eindringen der Feuchtigkeit,
Verdunsten der Feuchtigkeit und Ablagerung der Salze innerhalb der Hohlräume 116 zu
gewährleisten. Es hat sich gezeigt, dass dazu Korngrößen von unterhalb von 4 mm oder
unterhalb von 2 mm nicht geeignet sind, da sie nur zu relativ kleine Hohlräume 116
führen, die beim Sinterprozess sich noch weiter verringern werden und die entweder
selbst kapillaraktiv sind oder die resultierende Wandverkleidung 110 nicht atmungsaktiv
ist. Bei der Größenwahl der kapillarinaktiven Körner 112 ist nämlich zu berücksichtigen,
dass sich die Hohlräume 116 zwischen den kapillarinaktiven Körnern 112 während des
Sinterprozesses etwas verkleinern.
[0049] Der Herstellungsprozess kann beispielsweise wie folgt geschehen. Als Ausgangsmaterial
werden silikatische Leichtzuschlagstoffe wie beispielsweise Blähglasgranulat, das
beispielsweise aus Altglas gewonnen werden kann, mit einer wasserhaltigen Sinterhilfsmittelformulierung
(z.B. Wasserglaslösung, Bindemittel 114) versetzt. Das sich dadurch ergebende Material
kann mittels konventioneller Formgebungsverfahren als Formkörper (z.B. Platte) z.B.
unter Einwirkung eines Druckes gestaltet werden (beispielsweise ein Pressen). Nach
einer Trocknung können die Leichtzuschlagstoffe durch eine Flüssigphasen-Sinterung
versintert werden, so dass das mikroskopische und makroskopische Formgefüge in dem
so erhaltenen Grünkörper erhalten bleibt. Die Nutzung des Sinterprozesses hat den
Vorteil, dass die sich ausbildenden Sinterhälse zu einer hohen mechanischen Festigkeit
und Stabilität zwischen dem Leichtzuschlagstoff-Granulat führt. Als Hilfsbindemittel
kann praktisch eine Wasserglaslösung genutzt werden, die das Blähglasgranulat als
Grünling zusammenkittet, um die Formhaltung vor und während des Sinterprozesses zu
ermöglichen. Die fertige Platte weist minimal sichtbare Rückstände des Wasserglases
(Wasserglaslösung) auf. Die Platten werden dabei wie oben bereits beschrieben mit
einer spezifischen Kornverteilung/Kornstruktur hergestellt, so dass sich völlig andere
Eigenschaften ergeben als dies bei Platten der Fall ist, die eine Mischung von kapillarinaktiven
Körnern verschiedener Größe oder kleinerer Korngrößen enthalten.
1. Wandverkleidung (110) für eine Feuchtigkeitssanierung einer Wand (120) mit:
kapillarinaktiven Körnern (112), die eine mittlere Korngröße (D) von mehr als 5 mm
aufweisen; und
Sinterhälse (115), die die kapillarinaktiven Körner (112) miteinander verbinden, so
dass die kapillarinaktiven Körner (112) schichtförmig an der Wand (120) fixierbar
sind und zwischen den kapillarinaktiven Körnern (112) Hohlräume (116) ausgebildet
sind,
wobei die mittlere Korngröße (D) derart gewählt ist, dass die Hohlräume (116) kapillarinaktiv
sind und die Wandverkleidung (110) atmungsaktiv ist.
2. Wandverkleidung (110) nach Anspruch 1, bei dem die kapillarinaktiven Körner (112)
eine Vorzugsgröße aufweisen, so dass zumindest 80% der kapillarinaktiven Körner (112)
eine Korngröße, die um höchstens 25% von der mittleren Korngröße (D) abweicht, aufweisen.
3. Wandverkleidung (110) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem die Körner
(112) eine kugelförmige Form mit einem mittleren Durchmesser (D) in einem Bereich
zwischen 5 mm und 20 mm oder in einem Bereich zwischen 6 mm und 12 mm aufweisen.
4. Wandverkleidung (110) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, die fernerein Bindemittel
(114) aufweist und das Bindemittel (114) ausgebildet ist, um die kapillarinaktiven
Körner (112) miteinander zu verbinden und die Mehrzahl der Hohlräume (116) zumindest
teilweise bindemittelfrei bleiben.
5. Wandverkleidung (110) nach Anspruch 4, bei dem das Bindemittel (114) kapillarinaktiv
und/oder wasserdampfdurchlässig ist.
6. Wandverkleidung (110) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Wandverkleidung
(110)eine Platte bildet und die Platte eine Dicke (A) in einem Bereich zwischen 2
cm und 8 cm aufweist.
7. Wandverkleidung (110) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, die ferner eine Oberflächenstruktur
aufweist, auf das ein Putzmittel (115) aufbringbar ist.
8. Wandverkleidung (110) nach einem der Ansprüche 4 bis 7, bei der die kapillarinaktiven
Körner (112) Blähglas oder Blähton aufweisen, oder bei der das Bindemittel (114) ein
Wasserglas aufweist.
9. Wandverkleidung (110) für eine Feuchtigkeitssanierung einer Wand (120) mit:
kapillarinaktiven Körnern (112), die eine mittlere Korngröße (D) aufweisen; und
einem Haltemittel (114), das mittels Abstandshalter (118) in einem vorbestimmten Abstand
(A) zu der Wand (120) fixierbar ist und die kapillarinaktiven Körner (112) schichtförmig
an der Wand (120) fixiert,
wobei die mittlere Korngröße (D) derart gewählt ist, dass zwischen den kapillarinaktiven
Körnern (112) Hohlräume (116) ausgebildet sind und die Hohlräume (116) kapillarinaktiv
sind.
10. Wandverkleidung (110) nach Anspruch 9, bei dem das Haltemittel (114) einen Putzträger
(114) Ziegelmaterial (114a) aufweist, wobei das Ziegelmaterial (114a) mittels eines
Drahtgeflechts (114b) fixiert ist und eine löchrige Struktur aufweist, wobei die löchrige
Struktur undurchlässig für die kapillarinaktiven Körner (112) ist.
11. Wandverkleidung (110) nach Anspruch 9 oder Anspruch 10, bei dem die mittlere Korngröße
(D) zumindest so groß gewählt ist, dass die Hohlräume (116) Platz für auskristallisierende
Salze bieten.
12. Verfahren zur Herstellung einer Wandverkleidungsplatte (110) mit folgenden Schritten:
Bereitstellen von kapillarinaktiven Körnern (112), die eine mittlere Korngröße (D)
von mehr als 5 mm aufweisen; und
Verbinden der kapillarinaktiven Körner (112) mittels Sinterhälsen (115), so dass die
Wandverkleidungsplatte (110) gebildet wird,
wobei innerhalb der Wandverkleidungsplatte (110) Hohlräume (116) zwischen den kapillarinaktiven
Körnern (112) ausgebildet werden und die mittlere Korngröße (D) so groß gewählt wird,
dass die Wandverkleidungsplatte (110) selbst kapillarinaktiv und diffusionsfähig und
atmungsaktiv ist.
13. Verfahren zum Trockenlegen einer Wandoberfläche (124) mit folgenden Schritten:
Bereitstellen von kapillarinaktiven Körnern (112), die eine mittlere Korngröße (D)
aufweisen;
Anbringen eines Haltemittels (114) in einem vorbestimmten Abstand (A) von der Wandoberfläche
(124), so dass ein Zwischenraum (119) zwischen der Wandoberfläche (124) und dem Haltmittel
(114) gebildet wird, wobei das Haltemittel (114) für die kapillarinaktiven Körner
(112) undurchlässig ist; und
Einbringen der kapillarinaktiven Körner (112) in den Zwischenraum (119),
wobei die mittlere Korngröße (D) so groß gewählt ist, dass kapillarinaktive Hohlräume
(116) zwischen den kapillarinaktiven Körnern (112) gebildet werden.
14. Verfahren nach Anspruch 13, bei dem der Schritt des Anbringens des Haltemittels (114)
ein Anbringen von Abstandshaltern (118) an die Wand (120) umfasst und die Abstandshalter
(118) den vorbestimmten Abstand (A) des Haltemittels (114) zu der Wand (120) und somit
den Zwischenraum (119) definieren.
15. Verfahren nach Anspruch 14, bei dem der vorbestimmte Abstand (A) in einem Bereich
zwischen 3cm und 9cm gewählt wird.