[0001] Die Erfindung betrifft eine Motorbremseinrichtung einer selbstzündenden 4-Takt-Hubkolbenbrennkraftmaschine,
die mindestens einen Brennraum hat, dem mittels mindestens eines Einlassventils Verbrennungsluft
zuführbar und aus dem mittels mindestens eines Auslassventils Abgas in einen Abgaskanal
abführbar ist, wobei in dem Abgaskanal ein ansteuerbares Drosselelement vorgesehen
ist, das Auslassventil zur Motorbremsung mittels des in eine Drosselstellung gebrachten
Drosselelements in eine zwischengeöffnete Stellung überführbar ist, das Auslassventil
mittels eines eine hydraulische Ventil-Zusatzsteuereinheit umfassenden mechanischen
Verbindungsmechanismus mit einer Nockenwelle verbunden ist und die hydraulische Ventil-Zusatzsteuereinheit
das Auslassventil in der zwischengeöffneten Stellung hält.
[0002] Außerdem betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Motorbremsung einer selbstzündenden
4Takt-Hubkolbenbrennkraftmaschine, die mindestens einen Brennraum hat, dem mittels
mindestens eines Einlassventils Verbrennungsluft zugeführt wird und aus dem mittels
mindestens eines Auslassventils Abgas in einen Abgaskanal abgeführt wird, wobei ein
in dem Abgaskanal vorgesehenes Drosselelement zur Einleitung der Motorbremsung mittels
einer Ansteuerung in eine Drosselstellung gebracht wird, wodurch sich in einem Bereich
zwischen dem Drosselelement und dem Auslassventil das Abgas staut und ein Staudruck
aufgebaut wird, woraufhin sich das Auslassventil in eine zwischengeöffnete Stellung
bewegt, in welcher zwischengeöffneten Stellung das Auslassventil mittels einer hydraulischen
Ventil-Zusatzsteuereinheit, die in einen das Auslassventil mit einer Nockenwelle verbindenden
mechanischen Verbindungsmechanismus integriert ist, gehalten wird.
[0003] Eine derartige Motorbremseinrichtung und derartige Verfahren zur Motorbremsung sind
beispielsweise in der
EP 0 736 672 B1 und
EP 1 526 257 A2 beschrieben. Es handelt sich jeweils um eine Mischform aus einer Motorstaubremse
und einer Dekompressionsbremse, die insbesondere auch als EVB (= Exhaust Valve Break)
bezeichnet wird. Die hydraulische Ventil-Zusatzsteuereinheit ist bei der Variante
gemäß der
EP 0 736 672 B1 in einen Kipphebel des Verbindungsmechanismus und bei der Variante gemäß der
EP 1 526 257 A2 einseitig in eine zwei Auslassventile zugleich betätigende Ventilbrücke des Verbindungsmechanismus
eingebaut.
[0004] Zur Reduzierung der Abgasemission kommt derzeit auch eine Abgasrückführung zum Einsatz.
Die dabei angestrebten hohen Rückführraten gehen mit hohen Druckwerten im Abgaskanal
einher. Dieser für die Abgasrückführung einerseits erwünschte Effekt erhöht andererseits
aber das Risiko, dass die Auslassventile auch bei normalem Motorbetrieb, also bei
ausgeschalteter Motorbremse, gegen den während der Ansaugphase niedrigen Zylinderinnendruck
zwischenöffnen und - in diesem Betriebszustand ungewollt - durch die automatisch eingreifende
hydraulische Ventil-Zusatzsteuereinheit in dieser zwischengeöffneten Stellung gehalten
werden. Die Staudruckwerte im Abgaskanal sind bei betätigter Motorbremse und im befeuerten
Motorbetrieb mit hohen Abgasrückführraten vergleichbar, wobei im einen Fall ein Zwischenöffnen
der Auslassventile erwünscht ist, im anderen Fall dagegen nicht.
[0005] Eine Aufgabe der Erfindung besteht darin, eine Motorbremseinrichtung der eingangs
bezeichneten Art anzugeben, die sowohl eine gute Motorbremswirkung aufweist als auch
einen befeuerten Motorbetrieb mit hohen Abgasrückführraten erlaubt.
[0006] Zur Lösung dieser Aufgabe wird eine Motorbremseinrichtung entsprechend den Merkmalen
des Patentanspruchs 1 angegeben. Bei der erfindungsgemäßen Motorbremseinrichtung ist
die hydraulische Ventil-Zusatzsteuereinheit mittels eines zusätzlich zu einem Hauptölkreis
der Brennkraftmaschine vorgesehenen Zusatzölkreises zu- und abschaltbar.
[0007] Bei der erfindungsgemäßen Motorbremseinrichtung ist die Ventil-Zusatzsteuerinheit
also insbesondere nicht an den Hauptölkreis der Brennkraftmaschine, sondern ausschließlich
an den Zusatzölkreis angeschlossen. Dieser Zusatzölkreis, insbesondere dessen Öldruck,
lässt sich ohne weiteres und vor allem auch ohne die durch den Hauptölkreis gespeisten
Bereiche und Komponenten der Brennkraftmaschine störend zu beeinflussen, gezielt und
gesondert an die Funktionsweise und den Betriebszustand der Motorbremseinrichtung
anpassen. Erfindungsgemäß kann die Ventil-Zusatzsteuereinheit und damit die Motorbremseinrichtung
insgesamt mittels des Zusatzölkreises aktiviert und deaktiviert werden. Die Zu- und
Abschaltung kann dabei insbesondere synchron mit der Betätigung des Drosselelements
erfolgen. Erfindungsgemäß wird die Ventil-Zusatzsteuereinheit der Motorbremseinrichtung
nur dann mittels des dementsprechend eingestellten Öldrucks des Zusatzölkreises zugeschaltet,
wenn eine Motorbremswirkung tatsächlich gewünscht wird. Während des normal befeuerten
Motorbetriebs ist die Ventil-Zusatzsteuereinheit der Motorbremseinrichtung dagegen
deaktiviert, wodurch das in dieser Betriebssituation unerwünschte Offenhalten des
zwischengeöffneten Auslassventils nicht auftritt. Bei entsprechend härterer Auslegung
der Ventilfeder lässt sich schon dass Zwischenöffnen selbst unterbinden. Damit ermöglicht
die erfindungsgemäße Motorbremseinrichtung gleichermaßen eine bei Bedarf gute Motorbremswirkung
und ansonsten einen ungestörten Motorbetrieb, bei dem insbesondere auch mit hohen
Abgasrückführraten und dementsprechend hohen Staudruckwerten im Abgaskanal gearbeitet
werden kann.
[0008] Vorteilhafte Ausgestaltungen der erfindungsgemäßen Motorbremseinrichtung ergeben
sich aus den Merkmalen der von Anspruch 1 abhängigen Ansprüche.
[0009] Günstig ist eine Variante, bei der der Öldruck des Zusatzölkreises steuer-oder regelbar
ist. Damit lassen sich sowohl der Einsatz der Motorbremswirkung als auch deren Stärke
sehr genau einstellen und insbesondere auch je nach Betriebssituation verändern. Zur
Beeinflussung des Öldrucks bzw. des Öldruckniveaus kann der Zusatzölkreis mit geeigneten
Komponenten, wie z.B. Druckminderventilen oder Druckerhöhungsmitteln in Form einer
Zusatzölpumpe, ausgestattet sein.
[0010] Gemäß einer anderen bevorzugten Variante ist der Zusatzölkreis mittels eines insbesondere
ohnehin vorhandenen Anschlags an die Ventil-Zusatzsteuereinheit angeschlossen. Dies
ist sehr platzsparend. Für die Speisung der Ventil-Zusatzsteuereinheit mit dem Öl
des Zusatzölkreises ist dann zumindest im ventilnahen Bereich praktisch kein zusätzlicher
Platz erforderlich.
[0011] Weiterhin ist in dem Anschlag vorzugsweise ein Ölzuleitungskanal mit einem Rückschlagventil
integriert. Dagegen ist die in den Verbindungsmechanismus integrierte Ventil-Zusatzsteuereinheit
vorzugsweise als insbesondere rückschlagventilfreie hydraulische Kolben-Zylinder-Einheit
mit einer Nachstellfeder ausgeführt. Dadurch wir der die Bewegung des Auslassventils
mechanisch steuernde Verbindungsmechanismus entlastet. Die Anzahl der in den Verbindungsmechanismus
einzubauenden Komponenten reduziert sich auf diese Weise.
[0012] Eine weitere Aufgabe der Erfindung besteht darin, ein Verfahren zur Motorbremsung
gemäß der eingangs bezeichneten Art anzugeben, das sowohl eine gute Motorbremswirkung
aufweist als auch einen befeuerten Motorbetrieb mit hohen Abgasrückführraten erlaubt.
[0013] Zur Lösung dieser Aufgabe wird ein Verfahren entsprechend den Merkmalen des Patentanspruchs
6 angegeben. Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren kann die hydraulische Ventil-Zusatzsteuereinheit
mittels eines zusätzlich zu einem Hauptölkreis der Brennkraftmaschine vorgesehenen
Zusatzölkreises zu- und abgeschaltet werden.
[0014] Vorteilhafte Ausgestaltungen des erfindungsgemäßen Verfahrens ergeben sich aus den
von Anspruch 6 abhängigen Ansprüchen. Das erfindungsgemäße Verfahren und dessen Ausgestaltungen
bieten im Wesentlichen die gleichen Vorteile, die bereits im Zusammenhang mit der
erfindungsgemäßen Motorbremseinrichtung und deren Varianten beschrieben worden sind.
[0015] Weitere Merkmale, Vorteile und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung von Ausführungsbeispielen anhand der Zeichnung. Es zeigt:
- Fig. 1
- ein Ausführungsbeispiel einer Ventilsteuerung einer mit einer Mo- torbremseinrichtung,
einem Hauptölkreis und einem Zusatzölkreis ausgestatteten Brennkraftmaschine in schematischer
Darstellung,
- Fig. 2
- eine Querschnittsdarstellung der Brennkraftmaschine gemäß Fig. 1 im Bereich zweier
Auslassventile und deren mechanischer Ansteu- erung, und
- Fig. 3
- einen vergrößerten Ausschnitt der Darstellung gemäß Fig. 2 mit zusätzlicher Darstellung
des Anschlusses des Zusatzölkreises an eine Ventil-Zusatzsteuereinheit der Motorbremseinrichtung.
[0016] Einander entsprechende Teile sind in den Fig. 1 bis 3 mit denselben Bezugszeichen
versehen.
[0017] In Fig. 1 ist beispielhaft ein Systemschaltbild einer vierzylindrigen Brennkraftmaschine
1, die einen insbesondere zur Schmierung vorgesehenen Hauptölkreis 2 sowie einen Zusatzölkreis
3 umfasst, gezeigt. Der Hauptölkreis 2 und der Zusatzölkreis 3 sind im Wesentlichen
unabhängig voneinander ausgeführt. In jedem einen Brennraum aufnehmenden Zylinder
der Brennkraftmaschine 1 sind Einlassventile 4 und Auslassventile 5 vorgesehen, die
mittels drehbar um Lagerachsen 6 gelagerter Kipphebel 7 mechanisch betätigbar sind.
Die Lagerachsen 6 und die Kipphebel 7 sind jeweils Teile von Verbindungsmechanismen,
die die Ein- und Auslassventile 4 bzw. 5 mit einer in dem Ausführungsbeispiel gemäß
Fig. 1 nicht näher gezeigten Nockenwelle der Brennkraftmaschine 1 verbinden. Außerdem
umfasst jeder Verbindungsmechanismus auch jeweils eine Ventilbrücke 8 sowie eine Einstellschraube
9, die zwischen dem Ein- oder Auslassventil 4 bzw. 5 und dem zugehörigen Kipphebel
7 angeordnet sind. Der Hauptölkreis umfasst Ölzufuhrkanäle 10, die u.a. auch innerhalb
der Lagerachsen 6, der Kipphebel 7 sowie der Einstellschrauben 9 verlaufen.
[0018] Die Brennkraftmaschine 1 ist mit einer Motorbremseinrichtung 11 vom EVB-Typ ausgestattet.
Diese umfasst neben in Fig. 1 nicht näher gezeigten Drosselelementen in den Abgaskanälen
sowie einer ebenfalls nicht näher gezeigten zentralen Steuer-/Regeleinheit für den
Öldruck im Zusatzölkreis 3, pro Zylinder auch eine hydraulische Ventil-Zusatzsteuereinheit
12, die als Kolben-Zylinder-Einheit in die Ventilbrücke 8 des jeweiligen Auslassventils
5 eingebaut ist. Die Ventil-Zusatzsteuereinheiten 12 sind jeweils an den Zusatzölkreis
3 angeschlossen, mittels dessen Öldruck sie zu- und abgeschaltet werden können. Ölzufuhrkanäle
13 stellen die Versorgung der hydraulischen Ventil-Zusatzsteuereinheiten 12 mit dem
Öl des Zusatzölkreises 3 sicher. In den Ölzufuhrkanälen 13 ist jeweils ein Rückschlagventil
14 angeordnet, das in eine Einstellschraube 15 eines Anschlags 16 (siehe Fig. 2 und
3), an den die Ventilbrücke 8 des jeweiligen Auslassventils 5 anstößt, integriert
ist. Mittels des Anschlags 16 wird eine temporäre hydraulische Verbindung zwischen
dem Zusatzölkreis 3 und der Ventil-Zusatzsteuereinheit 12 hergestellt.
[0019] Ein Öldruck bzw. ein Öldruckniveau des Zusatzölkreises 3 lässt sich mittels eines
Öldruckvariationsmittels 17, das in eine Öleinspeiseleitung 18 des Zusatzölkreises
3 eingefügt ist, verändern. Bei dem Öldruckvariationsmittel 17 kann es sich beispielsweise
um ein Druckminderventil oder um eine Ölpumpe handeln. Auf diese Weise ist es möglich,
den Öldruck innerhalb des Zusatzölkreises 3 sehr fein einzustellen, was insbesondere
über eine Steuerung oder Regelung erfolgt. Diese Aufgabe wird wiederum durch die in
Fig. 1 nicht mit dargestellte zentrale Steuer-/Regeleinheit der Motorbremseinrichtung
11 wahrgenommen. Je nach in dem Zusatzölkreis 3 eingestellten Öldruck werden die hydraulischen
Ventil-Zusatzeinheiten 12 ein- oder ausgeschaltet oder in ihrer im Folgenden noch
näher erläuterten Wirkung auf die Verschiebeposition des jeweiligen Auslassventils
5 gesteuert oder geregelt. Damit lässt sich die Bremskraftwirkung der Motorbremseinrichtung
11 sehr fein justieren.
[0020] Im Folgenden wird eine konstruktive Ausgestaltung der Motorbremseinrichtung 11 anhand
der ausschnittsweisen Querschnittsdarstellungen der Brennkraftmaschine 1 gemäß Fig.
2 und 3 näher beschrieben. Der Kipphebel 7 wirkt über die einstellbare und durch die
Mutter 19 gekonterte Einstellschraube 9 mit einer an ihrem freien Ende kugelgelenkig
angelenkten Stützkalotte 20 auf die Ventilbrücke 8 ein. Die Ventilbrücke 8 dient bei
dem in Fig. 2 und 3 gezeigten Ausführungsbeispiel außer zur Steuerung des für den
Betrieb der Motorbremseinrichtung 11 benötigen Auslassventils 5 auch zur Steuerung
eines weiteren Auslassventils 21, das in demselben Zylinder der Brennkraftmaschine
1 angeordnet ist wie das Auslassventil 5. Die Auslassventile 5 und 21 sind mit einem
Schaft 22 bzw. 23 im Zylinderkopf 24 axial beweglich gelagert und durch eine Schließfeder
25 bzw. 26 mit einer bestimmten Vorspannkraft in Schließrichtung beaufschlagt. Die
Schließkraft der Schließfeder 25 ist mit F
Fed bezeichnet.
[0021] Die dem Auslassventil 5 zugeordnete Motorbremseinrichtung 11 enthält, wie vorstehend
bereits ausgeführt, die hydraulische Ventil-Zusatzsteuereinheit 12, deren Steuerkolben
27 in einer in der Ventilbrücke 8 vorgesehenen Zylinderbohrung 28 axial beweglich
geführt ist. Der Steuerkolben 27 stützt sich am oberen Ende des Schaftes 22 des Auslassventils
5 ab. Die Ventil-Zusatzsteuereinheit 12 umfasst außerdem eine Nachstellfeder 29, die
auf einer von dem Schaft 22 abgewandten Seite des Steuerkolbens 27 in einem Steuerdruckraum
30 angeordnet ist und den Steuerkolben 27 gegen den Schaft 22 drückt. Die Federkraft
der Nachstellfeder 29 dient der Nachführung des Steuerkolbens 27.
[0022] Der Steuerdruckraum 30 ist mit einem Ölkanal 31 versehen, mittels dessen Öl des Zusatzölkreises
3 in den Steuerdruckraum 30 gelangen und auch aus dem Steuerdruckraum 30 wieder entweichen
kann. Der Ölkanal 31 verläuft von dem Steuerdruckraum 30 zu einem Bereich einer Oberfläche
der Ventilbrücke 8, der während einer Teilzyklusdauer an dem Anschlag 16 anliegt.
Diese Betriebssituation mit am Anschlag 16 anliegender Ventilbrücke 8 ist in Fig.
2 und 3 dargestellt.
[0023] Die Einstellschraube 15 des Anschlags 16 ist mit einem Ölzuleitungskanal 32 versehen,
der an den Ölzufuhrkanal 13 des Zusatzölkreises 3 angeschlossen ist. Das Rückschlagventil
14 ist innerhalb dieses Ölzuleitungskanals 32 angeordnet. Es umfasst eine Kugel und
einen Kugelsitz, sowie einen Kugelhubanschlag. An dem der Ventilbrücke 8 zugewandten
unteren Ende der Einstellschraube 15 mündet der Ölzuleitungskanal 32 in eine Austrittsöffnung
33, die bei an der Ventilbrücke 8 anliegendem Anschlag 16 konzentrisch zum Ölkanal
31 angeordnet ist. In dieser Konstellation kann Öl des Zusatzölkreises 3 über den
Ölzufuhrkanal 13, den Ölzuleitungskanal 32, den Ölkanal 31 in den Steuerdruckraum
30 der hydraulischen Ventil-Zusatzsteuereinheit 12 gelangen.
[0024] Im Folgenden wird die Wirkungsweise der Motorbremseinrichtung 11 näher beschrieben.
Bei Betätigung der Motorbremseinrichtung 11 wird das Drosselelement im Abgaskanal
in Drosselstellung gebracht, wodurch sich Abgas im Abgaskanal zwischen der Auslassventilöffnung
eines oder mehrerer Zylinder und dem Drosselelement staut. Dieser Staudruck im Abgaskanal
kann eine Zwischenöffnung des Auslassventils 5 bewirken, welche während des ersten
Motortaktes (= Ansaugtakt) spätestens jedoch zu Beginn des zweiten Motortaktes (Kompressionstakt)
jedes Vier-Takt-Zyklus der Brennkraftmaschine 1 eintritt. Aufgrund der im Brennraum
des Zylinders und im Abgaskanal herrschenden Druckverhältnisse resultiert eine pneumatische
Kraft F
pn, die der Schließkraft F
Fed der Schließfeder 25 entgegenwirkt und unter bestimmten Umständen das angesprochene
Zwischenöffnen des Auslassventils 5 verursacht. Unterstützt wird diese pneumatische
Kraft F
pn durch eine hydraulische Kraft F
Hyd, die sich aufgrund der Beaufschlagung des Steuerdruckraums 30 mit dem Öl des Zusatzölkreises
3 einstellt. Ist die Summe der pneumatischen Kraft F
pn und der hydraulischen Kraft F
Hyd größer als die Schließkraft F
Fed der Schließfeder 25, erfolgt die Zwischenöffnung des Auslassventils 5.
[0025] Über die Stärke der hydraulischen Kraft F
Hyd kann also regulierend in diesen Prozess eingegriffen werden. Je nach im Zusatzölkreis
eingestelltem Zusatzöldruck öffnet sich das Auslassventil 5 mehr oder weniger weit
oder - bei sehr niedrigem Öldruck im Zusatzölkreis 3 - überhaupt nicht.
[0026] Bei einer Zwischenöffnung des Auslassventils 5, folgt der Steuerkolben 27 der Öffnungsbewegung
des Auslassventils 5 aufgrund der Federkraft der Nachstellfeder 29 und der Öldruckkraft,
wodurch sich zugleich das Volumen des Steuerdruckraums 30 vergrößert. Es fließt Öl
aus dem Zusatzölkreis 3 in den Steuerdruckraum 30 nach. Da das Öl aufgrund des Rückschlagventils
14 nicht aus dem Steuerdruckraum 30 zurück in den Ölzufuhrkanal 13 des Zusatzölkreises
3 fließen kann, wird der Steuerkolben 27 gegen die Schließkraft F
Fed der Schließfeder 25 in Position und somit auch das mechanisch mit dem Steuerkolben
27 gekoppelte Auslassventil 5 in der zwischengeöffneten Stellung gehalten. Der Steuerkolben
27 ist also in der Ventilbrücke 8 hydraulisch geblockt, wenn das Auslassventil 5 nach
der im ersten Takt bzw. spätestens anfangs des zweiten Taktes erfolgten Zwischenöffnung
im weiteren Verlauf des zweiten und dritten Taktes wieder zum Schließen neigt. Das
Auslassventil 5 bleibt damit während des zweiten Taktes (= Kompressionstakt) und des
folgenden dritten Taktes (= Expansionstakt) in der zwischengeöffneten Stellung, wodurch
sich die gewünschte Motorbremswirkung einstellt.
[0027] Wenn am Ende des dritten Taktes der Kipphebel 7 die Ventilbrücke 8 aufgrund der Nockenwellensteuerung
vom Anschlag 16 wegbewegt, um das Auslassventil 5 in die während des vierten Taktes
vorgesehene vollständig geöffnete Stellung zu bringen, wird die hydraulische Blockung
des Steuerkolbens 27 aufgehoben. Das in dem Steuerdruckraum 30 befindliche Öl strömt
durch den Ölkanal 31 in den Bereich des Zylinderdeckels aus. Der Steuerkolben 27 wird
durch die Federkraft der Schließfeder 25 auf den Anschlag seiner eingefahrenen Grundstellung
zurückgedrückt. Am Ende des vierten Taktes (= Ausschubtakt) schlägt die Ventilbrücke
8 wieder am Anschlag 16 an und ein neuer Zyklus kann beginnen.
[0028] Die vorstehend beschriebene Wirkung der hydraulischen Kraft F
Hyd auf die Zwischenöffnung des Auslassventils 5 kann mit Vorteil sowohl zur Motorbremsung
als auch zur Sicherstellung eines ungestörten normal befeuerten Motorbetriebs verwendet
werden. So kann es insbesondere im Zusammenhang mit den zur Reduzierung der Abgasemission
veranlassten Maßnahmen dazu kommen, dass sich auch während des normal befeuerten Motorbetriebs
im Abgaskanal ein hoher Staudruck ausbildet, so dass das Auslassventil 5 zu einer
Zwischenöffnung tendiert. Dies ist während des normal befeuerten Motorbetriebs unerwünscht
und wird bei der mit der Motorbremseinrichtung 11 ausgestatteten Brennkraftmaschine
1 dadurch unterdrückt, dass der Öldruck im Zusatzölkreis 3 während des normal befeuerten
Motorbetriebs abgesperrt wird. Damit entfällt auch die hydraulische Kraft F
Hyd. Sie liefert dann keinen gegen die Schließkraft F
Fed wirkenden Beitrag. Die pneumatische Kraft F
pn reicht alleine aber nicht aus, um eine Zwischenöffnung des Auslassventils 5 gegen
eine entsprechend hoch gewählte Schließkraft F
Fed zu bewirken. Aufgrund des eingestellten niedrigen Öldrucks im Zusatzölkreis 3 wird
die hydraulische Ventil-Zusatzsteuereinheit 12 also während des normal befeuerten
Motorbetriebs abgeschaltet bzw. deaktiviert.
[0029] Die Zuschaltung bzw. Aktivierung erfolgt erst bei Betätigung der Motorbremse. Dann
wird ein entsprechend höherer Öldruck im Zusatzölkreis 3 aufgebaut und es stellt sich
die in dieser Betriebssituation erwünschte geblockte Zwischenöffnung des Auslassventils
5 ein.
[0030] Aufgrund des Zusatzölkreises 3 mit dem gezielt einstellbaren Öldruck lässt sich also
sowohl während des Motorbremsbetriebs eine fein justierbare Bremskraftwirkung erreichen
als auch während des normal befeuerten Motorbetriebs eine dann unerwünschte Zwischenöffnung
sicher unterdrücken.
1. Motorbremseinrichtung einer selbstzündenden 4-Takt-Hubkolbenbrennkraftmaschine (1),
die mindestens einen Brennraum hat, dem mittels mindestens eines Einlassventils (4)
Verbrennungsluft zuführbar und aus dem mittels mindestens eines Auslassventils (5;
21) Abgas in einen Abgaskanal abführbar ist, wobei
a) in dem Abgaskanal ein ansteuerbares Drosselelement vorgesehen ist,
b) das Auslassventil (5) zur Motorbremsung mittels des in eine Drosselstellung gebrachten
Drosselelements in eine zwischengeöffnete Stellung überführbar ist,
c) das Auslassventil (5) mittels eines eine hydraulische Ventil-Zusatzsteuereinheit
(12) umfassenden mechanischen Verbindungsmechanismus (7, 8) mit einer Nockenwelle
verbunden ist,
d) die hydraulische Ventil-Zusatzsteuereinheit (12) das Auslassventil (5) in der zwischengeöffneten
Stellung hält,
e) die hydraulische Ventil-Zusatzsteuereinheit (12) mittels eines zusätzlich zu einem
Hauptölkreis (2) der Brennkraftmaschine (1) vorgesehenen Zusatzölkreises (3) zu- und
abschaltbär ist.
2. Motorbremseinrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass ein Öldruck des Zusatzölkreises (3) steuer- oder regelbar ist.
3. Motorbremseinrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Zusatzölkreis (3) mittels eines Anschlags (16) an die Ventil-Zusatzsteuereinheit
(12) angeschlossen ist.
4. Motorbremseinrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass in dem Anschlag (16) ein Ölzuleitungskanal (32) mit einem Rückschlagventil (14) integriert
ist.
5. Motorbremseinrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die in den Verbindungsmechanismus (7, 8) integrierte Ventil-Zusatzsteuereinheit (12)
als rückschlagventilfreie hydraulische Kolben-Zylinder-Einheit (27, 28) mit einer
Nachstellfeder (29) ausgeführt ist.
6. Verfahren zur Motorbremsung einer selbstzündenden 4-Takt-Hubkolbenbrennkraftmaschine,
die mindestens einen Brennraum hat, dem mittels mindestens eines Einlassventils (4)
Verbrennungsluft zugeführt wird und aus dem mittels mindestens eines Auslassventils
(5; 21) Abgas in einen Abgaskanal abgeführt wird, wobei
a) ein in dem Abgaskanal vorgesehenes Drosselelement zur Einleitung der Motorbremsung
mittels einer Ansteuerung in eine Drosselstellung gebracht wird, wodurch sich in einem
Bereich zwischen dem Drosselelement und dem Auslassventil (5) das Abgas staut und
ein Staudruck aufgebaut wird,
b) woraufhin sich das Auslassventil (5) spätestens anfangs des 2. Taktes eines Arbeitszyklus
in eine zwischengeöffnete Stellung bewegt,
c) in welcher zwischengeöffneten Stellung das Auslassventil (5) mittels einer hydraulischen
Ventil-Zusatzsteuereinheit (12), die in einen das Auslassventil (5) mit einer Nockenwelle
verbindenden mechanischen Verbindungsmechanismus (7, 8) integriert ist, gehalten wird,
d) die hydraulische Ventil-Zusatzsteuereinheit (12) mittels eines zusätzlich zu einem
Hauptölkreis (2) der Brennkraftmaschine (1) vorgesehenen Zusatzölkreises (3) zu- und
abgeschaltet werden kann.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass ein Öldruck des Zusatzölkreises (3) gesteuert oder geregelt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass eine temporäre hydraulische Verbindung zwischen dem Zusatzölkreis (3) und der Ventil-Zusatzsteuereinheit
(12) mittels eines Anschlags (16) hergestellt wird.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass beim Zwischenöffnen des Auslassventils (5) die Kraftwirkung einer Nachstellfeder
(29) und in die Ventil-Zusatzsteuereinheit (12) gelangtes Öl den Kolben (27) der hydraulische
Kolben-Zylinder-Einheit (27, 28) der Öffnungsbewegung des Auslassventils (5) nachführt.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass ein Rückfluss von in die Ventil-Zusatzsteuereinheit (12) gelangtem Öl in den Zusatzölkreis
(3) mittels eines in den Anschlag (16) eingebauten Rückschlagventils (14) verhindert
wird, wodurch das Auslassventil (5) in seiner Zwischenoffenstellung gehalten wird.
11. Verfahren nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass im 4. Takt, durch die Öffnung des Auslassventil, die temporäre hydraulische Verbindung
zwischen dem Zusatzölkreis (3) und der Ventil-Zusatzsteuereinheit (12) mittels eines
Anschlags (16) gelöst wird, so dass das Öl aus dem Zylinder 28 der Kolben-Zylinder-Einheit
(27, 28) entweicht und der Kolben (27) in seine Ruhestellung zurückgedrückt wird.