[0001] Die Erfindung betrifft einen Zünder für ein Geschoss mit einer Zündanordnung zum
Zünden einer Hauptladung des Geschosses und einem Verzögerungsdetonator zum Zünden
der Zündanordnung nach einer durch eine Abbrandstrecke einer Verzögerungsladung festgelegten
Verzögerungszeit, wobei der Verzögerungsdetonator ein Gehäuse mit einer Zündhälfte,
in der er gezündet wird, und einer Detonatorhälfte, die eine Detonatorladung zum Zünden
der Zündanordnung beinhaltet, aufweist.
[0002] Zünder für Artelleriegeschosse, Mösergranaten oder direkte Geschosse sind üblicherweise
mit einer Zündanordnung mit einer Zündkette versehen, durch die eine Hauptladung des
Geschosses gezündet wird. Die Zündanordnung bzw. Zündkette umfasst eine Zündladung,
die zu einem bestimmten Zeitpunkt oder bei einer bestimmten Situation des Zünders
elektronisch oder mechanisch gezündet wird und die ihre Zündenergie direkt an die
Hauptladung oder beispielsweise an eine Verstärkerladung der Zündkette weiter gibt,
die ihrerseits die Hauptladung zündet.
[0003] Bei einem Versagen eines solchen mechanischen oder elektronischen Auslösens der Zündladung
wird das Geschoss nach seiner Landung ein Blindgänger, der während eines sehr langen
Zeitraums eine erhebliche Gefahrenquelle darstellt. Ein solcher Blindgänger kann beispielsweise
entstehen, wenn ein Geschoss mit einem Aufschlagzünder in tiefem Schnee oder einer
Schneewehe landet und der Aufschlagzünder nicht zündet oder das Geschoss so flach
auf dem Erdboden aufkommt, dass es über den Erdboden rutscht und nur langsam zum Stehen
kommt.
[0004] Um ein Zünden auch in einer solchen nicht regulären Situation zu gewährleisten, ist
es bekannt, den Zünder mit einem Verzögerungsdetonator zu versehen, der durch beispielsweise
den Abschuss des Geschosses gezündet wird und der nach einer voreingestellten Verzögerungszeit
von einigen Sekunden die Zündanordnung zündet, wenn diese nicht bereits regulär durch
einen Zeitzünder oder Aufschlagzünder oder dergleichen gezündet wurde. Ein solcher
Verzögerungsdetonator umfasst üblicherweise eine Verzögerungsladung, die z.B. beim
Abschuss gezündet wird, und die - ähnlich einer Zündschnur - eine festgelegte Verzögerungszeit
lang brennt, um nach Ablauf dieser Verzögerungszeit Zündenergie an einen Detonator
zum Zünden der Zündanordnung zu übergeben.
[0005] Es ist eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, einen Zünder für ein Geschoss anzugeben,
der zuverlässig vor einem Blindgehen schützt.
[0006] Diese Aufgabe wird durch einen Zünder der eingangs genannten Art gelöst, bei dem
das Gehäuse erfindungsgemäß in der Zündhälfte eine Entlastungsöffnung mit einem im
zündenden Zustand des Verzögerungsdetonators frei durchgängigen Öffnungsquerschnitt
aufweist.
[0007] Die Erfindung geht von der Überlegung aus, dass sich die Verzögerungszeit mit einer
Verzögerungsladung sehr genau einstellen lässt. Außerdem ist das Abbrennen einer Verzögerungsladung
sehr robust gegen mechanische Beanspruchungen, sodass die Zündung der Zündanordnung
durch den Verzögerungsdetonator auch dann stattfinden kann, wenn der Zünder zwischenzeitlich
hohen Belastungen ausgesetzt wurde, wie sie beim Abschuss und einem Aufschlag auftreten
können. Durch die hohe mechanische Belastung beim Abschuss des Geschosses kann es
jedoch vorkommen, dass das homogene Gefüge des Brennmaterials der Verzögerungsladung
etwas gestört wird. Entstehen beim Zünden des Verzögerungsdetonators durch eine ungleichmäßige
Verbrennung hohe Druckspitzen, so können heiße Brenngase durch Inhomogenitäten im
Brennstoffgefüge, wie beispielsweise Mikrorisse, durch die Verzögerungsladung durchschlagen,
sodass die Verzögerungsladung überbrückt und die Detonatorladung zu früh gezündet
wird. Bei einem zu frühen Zündzeitpunkt ist eine Zündladung der Zündanordnung gegebenenfalls
noch nicht in ihrer Scharfstellung und ein Auslösen der Zündanordnung durch den Detonator
des Verzögerungsdetonators wird unterbunden.
[0008] Durch eine Entlastungsöffnung in der Zündhälfte des Gehäuses des Verzögerungsdetonators
können Druckspitzen, die beim Zünden des Verzögerungsdetonators entstehen können,
abgebaut werden, sodass nicht genug Druck entsteht, um heiße Verbrennungsgase durch
die Verzögerungsladung hindurch zu pressen. Ein Überbrücken der Verzögerungsladung
kann zuverlässig vermieden und ein Zünden der Zündanordnung kann nach der festgelegten
Verzögerungszeit sichergestellt werden.
[0009] Die Entlastungsöffnung erlaubt im zündenden Zustand des Verzögerungsdetonators einen
freien Gasdurchtritt von einer Ladung des Verzögerungsdetonators in dessen Umgebung.
Sie ist im zündenden Zustand des Verzögerungsdetonators mit einem frei durchgängigen
Öffnungsquerschnitt versehen, der zumindest 1 mm
2 groß ist. Hierdurch kann genügend Gas durch die Entlastungsöffnung entweichen, um
Druckspitzen abzubauen. Eine Druckentlastung in der Zündhälfte ist umso notwendiger,
je größer die bei einem Zünden auftretenden Druckspitzen sind. Um auch große Druckspitzen
abbauen zu können, die bei hohen mechanischen Belastungen oder durch Inhomogenitäten
in Ladungen auftreten können, umfasst die Entlastungsöffnung zweckmäßigerweise einen
im zündenden Zustand des Verzögerungsdetonators frei durchgängigen Öffnungsquerschnitt
von zumindest 5 mm
2.
[0010] Das Gehäuse des Verzögerungsdetonators ummantelt zweckmäßigerweise sämtliche Ladungen
des Verzögerungsdetonators, wie beispielsweise eine Anstichladung, eine Übergangsladung
zwischen der Anstichladung und einer Verzögerungsladung, gegebenenfalls eine weitere
Übergangsladung und eine Detonatorladung. Da sich die Druckspitzen vornehmlich beim
Zünden des Verzögerungsdetonators bilden, ist die Entlastungsöffnung in der Zündhälfte
des Gehäuses angeordnet, also in der Hälfte, in der der Verzögerungsdetonator gezündet
wird, beispielsweise durch eine Anstichnadel, die in eine Zündladung eingedrückt wird.
[0011] Bei Verwendung einer Zündnadel wird diese zum Zünden des Verzögerungsdetonators durch
das Gehäuse hindurchgeführt, das hierfür eine Anstichöffnung aufweisen kann. Diese
Anstichöffnung wird im zündenden Zustand des Verzögerungsdetonators, also in dem Zustand,
bei dem die Zündnadel in eine Zündladung eintaucht und diese zündet, von der Zündnadel
so weit blockiert, sodass sie nicht als Entlastungsöffnung dienen kann. Ein kleiner
Schlitz zwischen der Zündnadel und dem Gehäuse reicht als Entlastungsöffnung erst
dann, wenn er einen zumindest 1 mm
2 großen Durchgang aufweist, der außerdem nicht durch ein Element der Zündnadel, z.B.
einen Deckel oder Anschlag, abdeckbar sein darf.
[0012] In einer vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung mündet die Entlastungsöffnung
direkt an eine Anstichladung des Verzögerungsdetonators. Druckspitzen, die beim Zünden
der Anstichladung entstehen, können hierdurch besonders gut abgeleitet werden. Ebenfalls
möglich ist die Anordnung der Entlastungsöffnung an einer Übertragungsladung zwischen
einer Anstichladung und einer Verzögerungsladung, um Druckspitzen, die bei einer Übertragung
von Energie von Ladung auf Ladung entstehen können, abzubauen. Auch eine Anordnung
der Entlastungsöffnung sowohl an der Anstichladung als auch an der Übertragungsladung
ist vorteilhaft.
[0013] Um längere Verzögerungszeiten zu realisieren ist der Verzögerungsdetonator zweckmäßigerweise
länglich ausgeführt, sodass seine Länge in einer Abbrandrichtung länger ist, insbesondere
mehr als doppelt so lang, als seine Ausdehnung in den beiden anderen Raumrichtungen.
[0014] Zur Realisierung eines kompakten Zünders ist es vorteilhaft, den länglichen Verzögerungsdetonator
quer zu einer Flugrichtung des Geschosses anzuordnen. Hierzu liegt die Abbrandrichtung
des Verzögerungsdetonators, also die Richtung vorteilhafterweise quer zu einer Flugrichtung
des Geschosses, zweckmäßigerweise in einem Winkel zwischen 70 und 110 Grad zur Flugrichtung
des Geschosses, insbesondere senkrecht zur Flugrichtung des Geschosses. Die Abbrandrichtung
ist die Richtung, in der eine Verzögerungsladung des Verzögerungsdetonators abbrennt,
beispielsweise von einer Anstichladung zur Detonatorladung.
[0015] In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung sind die Anstichöffnung und die
Entlastungsöffnung als zwei separate Öffnungen im Gehäuse ausgeführt. Hierdurch können
die Vorgänge des Anstechens und der Druckentlastung getrennt werden und die Öffnungen
können auf ein zuverlässiges Zünden des Verzögerungsdetonators bzw. auf eine gute
Druckentlastung optimiert werden. Alternativ oder zusätzlich ist es möglich, dass
die Entlastungsöffnung gleichzeitig die Anstichöffnung bildet, durch die eine Anstichnadel
zum Zünden des Verzögerungsdetonators hindurchgeführt werden kann.
[0016] Ein Anstechen des Verzögerungsdetonators geschieht vorteilhafterweise beim Abschuss
des Geschosses und unter Verwendung der Abschussbeschleunigung. Hierbei kann eine
besonders einfache Konstruktion des Zünders erreicht werden, wenn eine Anstichrichtung
der Anstichnadel durch die Anstichöffnung entgegengesetzt zur Flugrichtung des Geschosses
ist. Durch die Antiparallelität von Anstichrichtung und Flugrichtung des Geschosses
kann die Trägheit der Anstichnadel zum Beschleunigen und Einstechen in den Verzögerungsdetonator
hin verwendet werden, ohne dass andere Triebmittel notwendig wären.
[0017] Ein Hindurchtreiben von heißen Verbrennungsgasen durch den Verzögerungsdetonator
bei Vorliegen einer Druckspitze kann nur erfolgen, wenn ein entsprechender Gegendruck
entgegen der Abbrandrichtung im Verzögerungsdetonator vorliegt. Dem Erzeugen eines
solchen Gegendrucks kann besonders effektiv entgegengewirkt werden, wenn die Entlastungsöffnung
in Bezug zu einer Anstichöffnung im Gehäuse entgegen einer Abbrandrichtung einer Verzögerungsladung
angeordnet ist. Beschleunigte, heiße Gase können ohne Umlenkung den Verzögerungsdetonator
verlassen, wodurch ein besonders effektiver Druckabbau erreicht werden kann.
[0018] Vorteilhafterweise ist die Entlastungsöffnung gegenüber einer Detonatoröffnung des
Gehäuses angeordnet. Eine Druckentlastung entgegen der Abbrandrichtung kann hierdurch
besonders einfach realisiert werden. Die Entlastungsöffnung kann hierbei an einer
Hinterseite des Gehäuses eingebracht sein, die insbesondere parallel zur Vorderseite
angeordnet ist. Hinten und vorne kann hierbei durch die Zündhälfte, die die hintere
Hälfte und die Detonatorhälfte, die die vordere Hälfte ist, definiert werden.
[0019] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist der Verzögerungsdetonator
zum Beschleunigen einer scharf gestellten Zündladung der Zündanordnung gegen eine
Anstichnadel vorgesehen. Die Zündanordnung kann gezündet und die Hauptladung hierdurch
zu einer Detonation gebracht werden.
[0020] Besonders vorteilhaft ist die Erfindung bei einem Zünder anwendbar, der ein Aufschlagzünder
ist. Bei einem fehlenden oder zu schwachen Aufschlag kann die zum Zünden der Zündanordnung
notwendige Zündenergie durch den Verzögerungsdetonator zur Verfügung gestellt werden,
beispielsweise indem die Zündladung der Zündanordnung gegen die Anstichnadel beschleunigt
wird.
[0021] Weitere Vorteile ergeben sich aus der folgenden Zeichnungsbeschreibung, in der ein
Ausführungsbeispiel der Erfindung dargestellt ist. Die Zeichnung und die Beschreibung
enthalten zahlreiche Merkmale in Kombination, die der Fachmann zweckmäßigerweise auch
einzeln betrachten und zu sinnvollen weiteren Kombinationen zusammenfassen wird.
[0022] Es zeigen:
- Figur 1:
- Eine schematische perspektivische Darstellung auf einen Zünder mit einem Verzögerungsdetonator
und
- Figur 2:
- den Verzögerungsdetonator in einer geschnittenen Seitenansicht.
[0023] Figur 1 zeigt einen Zünder 2 eines nicht weiter dargestellten Geschosses, beispielsweise
einer Mörsergranate, eines Artelleriegeschosses oder eines Direktgeschosses in einer
teilgeschnittenen und stark vereinfachten Darstellung. Der Zünder 2 ist ein Aufschlagzünder
und ist über ein Gewinde 4 in einen Geschossrumpf einschraubbar, wodurch das Geschoss
hergestellt ist. Der Zünder 2 umfasst ein Zündergehäuse 6 mit einem Boden 8, auf dem
Elemente des Zünders 2 fixiert sind, wie z.B. ein Verzögerungsdetonator 10 und neben
diesem ein Doppelbolzensystem 12, von dem der Übersichtlichkeit halber nur ein Teil
schematisch angedeutet ist. Ebenfalls nur angedeutet ist ein Rotor 14, der um einen
Bolzen 16 drehbar ist, und zwei Anstichnadeln 18, 20 zum Zünden einer Zündladung 22
im Rotor 14 bzw. einer Anstichladung 24 (siehe Figur 2) im Verzögerungsdetonator 10,
deren Befestigung im Zündergehäuse 6 ebenfalls der Übersichtlichkeit halber nicht
dargestellt ist.
[0024] Figur 2 zeigt den Verzögerungsdetonator 10 in einer geschnittenen Darstellung. In
einem Gehäuse 26 sind von vorne nach hinten die Anstichladung 24, eine Übertragungsladung
28, eine Verzögerungsladung 30, eine weitere Übertragungsladung 32 und eine Detonatorladung
34 angeordnet. Im Bereich der Anstichladung 24 ist das Gehäuse 26 mit einer Anstichöffnung
36 versehen, durch die die Anstichnadel 20 in die Anstichladung 24 eingeführt werden
kann. Auf der Hinterseite 38 des Gehäuses 26 und ebenfalls im Bereich der Anstichladung
24 ist das Gehäuse 26 mit einer Entlastungsöffnung 40 versehen. Auf der gegenüberliegenden
Vorderseite 42 ist das Gehäuse 26 offen ausgeführt, sodass eine große Detonationsöffnung
44 gebildet wird. Der Verzögerungsdetonator 10 ist gute 20 mm lang, und der Durchmesser
der Entlastungsöffnung ist etwa 3,5 mm.
[0025] Beim Abschuss des Geschosses wird der Zünder 2 sehr stark in Flugrichtung 46 beschleunigt.
Hierdurch wird ein angedeuteter Bolzen 48 des Doppelbolzensystems 12 nach unten, also
in Richtung des Geschossrumpfs gedrückt und mit ihm ein nicht dargestellter zweiter
Bolzen des Doppelbolzensystems 12. Hierdurch wird der Rotor 14 entsichert, der durch
eine entsprechende Mechanik um den Bolzen 16 rotiert wird, sodass die Zündladung 22
entsprechend dem Pfeil 50 unter die Anstichnadel 12 bewegt wird. Beim Aufschlag des
Geschosses auf ein Ziel wird der Zünder 2 sehr stark entgegen der Flugrichtung 46
beschleunigt, sodass der Rotor 14 relativ zum Zündergehäuse 6 nach oben, also in Flugrichtung
46 bewegt wird, wie durch einen Pfeil 52 angedeutet ist. Die Anstichnadel 18 ruht
fixiert im Zündergehäuse 6, sodass die Zündladung 22 gegen die Anstichnadel 18 gedrückt
und gezündet wird. Durch die Zündladung 22 wird Zündenergie durch den Boden 8 hindurch
auf eine nicht dargestellte Hauptladung des Geschosses übertragen und diese wird gezündet.
Die Zündladung 22, der Rotor 14 und die Anstichnadel 18 sind Bestandteil einer Zündanordnung
54, die gegebenenfalls auch eine oder zwei weitere Ladungen einer Zündkette umfassen
kann.
[0026] Bei einer weichen Landung des Geschosses oder einem langsamen Ausrutschen des Geschosses
bei einer flachen Landung auf flachem Grund ist die Verzögerungsbeschleunigung des
Zünders 2 gegebenenfalls zu gering, um den Rotor 14 in Flugrichtung 44 nach oben und
die Zündladung 22 gegen die Zündnadel 18 zu drücken. Das Geschoss kommt zur Ruhe,
ohne dass die Hauptladung detoniert und wird so zu einem Blindgänger. Um dies zu vermeiden
ist der Zünder 2 mit dem Verzögerungsdetonator 10 versehen, der beim Abschuss des
Geschosses gezündet wird. Beim Abschuss des Geschosses wird die Anstichnadel 20, die
beweglich im Zündergehäuse 6 gelagert ist, durch ihre Trägheit relativ zum Zündergehäuse
6 in Anstichrichtung 56, also entgegen der Flugrichtung 46, zum Verzögerungsdetonator
10 hin beschleunigt, sodass sie sich mit ihrer Spitze durch die Öffnung 36 im Gehäuse
26 in die Anstichladung 24 hinein bewegt. Durch einen krempenförmigen Anschlag 58
der Anstichnadel 20 wird ihre Bewegung in die Anstichladung 24 hinein gestoppt, wobei
der Anschlag 52 beim Zünden der Anstichladung 24 deckelartig rund um die Anstichöffnung
36 aufliegt und diese so verschließt.
[0027] Die Anstichladung 24 zündet die Übertragungsladung 28, die ihrerseits die Verzögerungsladung
30 zündet. Die Verzögerungsladung 30 ist so eingestellt, dass sie von ihrem hinteren
Ende an der Übertragungsladung 28 15 Sekunden lang brennt, bis die Verbrennung an
ihrem vorderen Ende und somit an der Übertragungsladung 32 angekommen ist. Die Übertragungsladung
32 wird nach diesen 15 Sekunden gezündet und zündet ihrerseits die Detonatorladung
34, die einen starken Gasdruckstoß nach außen abgibt. Durch diesen Gasdruckstoß wird
der Rotor 14 in Flugrichtung 46 beschleunigt, sodass die Zündladung 22 gegen die Anstichnadel
18 gedrückt wird und zündet. Auf diese Weise wird nach spätestens 15 Sekunden die
Hauptladung des Geschosses gezündet, wenn sie nicht bereits vorher durch einen Aufschlag
des Zünders 2 regulär gezündet wurde.
[0028] Beim Zünden der Anstichladung 34 und der Übertragungsladung 28 kann es passieren,
dass ein hoher Gasdruck innerhalb des Gehäuses 26 im Bereich der Anstichladung 24
und/oder der Übertragungsladung 28 entsteht. Es kann hierdurch vorkommen, dass heiße
Gase durch die Verzögerungsladung 30 schlagartig hindurchgedrückt werden, insbesondere
wenn diese Mikrorisse oder dergleichen aufweist, die beispielsweise beim Abschuss
entstanden sein können. Die Übertragungsladung 32 wird sofort gezündet und mit ihr
die Detonatorladung 34, sodass der Gasdruckstoß zum Anheben des Rotors 14 bereits
beim oder kurz nach dem Abschuss erzeugt wird. Zu diesem Zeitpunkt ist der Rotor 14
noch nicht in seine Entriegelungsstellung hineinrotiert, sodass die Zündladung 22
noch nicht gegen die Anstichnadel 18 gedrückt werden kann. Eine Detonation der Hauptladung
unterbleibt und erfolgt auch nicht bei einem zu geringen Aufschlag. Das Geschoss wird
zu einem Blindgänger. Außerdem kann der Rotor 14 durch den Gasdruckstoß der Detonatorladung
34 beschädigt werden, sodass er verklemmt und nicht in seine entsicherte Stellung
rotieren kann. Die Zündladung 22 kann auf diese Weise auch bei einem regulären Aufschlag
nicht gezündet werden und das Geschoss wird in jedem Fall zu einem Blindgänger.
[0029] Um dies zu vermeiden ist in der Zündhälfte 60 des Verzögerungsdetonators 10 die Entlastungsöffnung
40 eingebracht. Die Zündhälfte ist die in der von ihren Abmessungen her hintere Hälfte
des Verzögerungsdetonators 10. In ihr liegt die Zündladung 24. Die vordere Hälfte
des Verzögerungsdetonators 10 ist dessen Detonatorhälfte 62, in der die Detonatorladung
34 liegt. Durch die Entlastungsöffnung 40 werden unerwünschte Druckspitzen abgebaut,
indem Verbrennungsgase durch die Entlastungsöffnung 40 aus dem Gehäuse 26 entweichen
können. Die Verzögerungsladung 30 kann regulär abbrennen und ein Blindgehen des Geschosses
wird zuverlässig vermieden.
[0030] Zum Ermöglichen einer langen Abbrandstrecke 64 in Abbrandrichtung 66 ist die Verzögerungsladung
30 länglich ausgeführt und mit ihr der Verzögerungsdetonator 10. Um einen kompakten
Zünder 2 zu erreichen ist die Längsrichtung des länglichen Verzögerungsdetonators
10 und mit ihr eine Abbrandrichtung 66 der Verzögerungsladung 30 senkrecht zur Flugrichtung
46 angeordnet. Zum Ausnutzen der Trägheit der Anstichnadel 20 zum Zünden des Verzögerungsdetonators
10 ist die Anstichnadel 20 so angeordnet, dass sie in Bezug zur Längsrichtung des
Verzögerungsdetonators 10 bzw. zur Abbrandrichtung 66 seitlich in das Gehäuse 26 eingeführt
wird zum Zünden des Verzögerungsdetonators 10.
Bezugszeichenliste
[0031]
- 2
- Zünder
- 4
- Gewinde
- 6
- Gehäuse
- 8
- Boden
- 10
- Verzögerungsdetonator
- 12
- Doppelbolzensystem
- 14
- Rotor
- 16
- Bolzen
- 18
- Anstichnadel
- 20
- Anstichnadel
- 22
- Zündladung
- 24
- Anstichladung
- 26
- Gehäuse
- 28
- Übertragungsladung
- 30
- Verzögerungsladung
- 32
- Übertragungsladung
- 34
- Detonatorladung
- 36
- Anstichöffnung
- 38
- Hinterseite
- 40
- Entlastungsöffnung
- 42
- Vorderseite
- 44
- Detonatoröffnung
- 46
- Flugrichtung
- 48
- Bolzen
- 50
- Pfeil
- 52
- Pfeil
- 54
- Zündanordnung
- 56
- Anstichrichtung
- 58
- Anschlag
- 60
- Zündhälfte
- 62
- Detonatorhälfte
- 64
- Abbrandstrecke
- 66
- Abbrandrichtung
1. Zünder (2) für ein Geschoss mit einer Zündanordnung (54) zum Zünden einer Hauptladung
des Geschosses und einem Verzögerungsdetonator (10) zum Zünden der Zündanordnung (54)
nach einer durch eine Abbrandstrecke (66) einer Verzögerungsladung (30) festgelegten
Verzögerungszeit, wobei der Verzögerungsdetonator (10) ein Gehäuse (26) mit einer
Zündhälfte (60), in der er gezündet wird, und einer Detonatorhälfte (62), die eine
Detonatorladung (34) zum Zünden der Zündanordnung (54) beinhaltet, aufweist,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Gehäuse (26) in der Zündhälfte (60) eine Entlastungsöffnung (40) mit einem im
zündenden Zustand des Verzögerungsdetonators (10) frei durchgängigen Öffnungsquerschnitt
aufweist.
2. Zünder (2) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Entlastungsöffnung (40) einen im zündenden Zustand des Verzögerungsdetonators
(10) frei durchgängigen Öffnungsquerschnitt von zumindest 5 mm2 aufweist.
3. Zünder (2) nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Entlastungsöffnung (40) direkt an eine Anstichladung (24) des Verzögerungsdetonators
(10) mündet.
4. Zünder (2) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass eine Abbrandrichtung (66) des Verzögerungsdetonators (10) quer zu einer Flugrichtung
(46) des Geschosses liegt.
5. Zünder (2) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Gehäuse (26) zusätzlich zur Entlastungsöffnung (40) eine Anstichöffnung (36)
zum Einführen einer Anstichnadel (20) zum Zünden des Verzögerungsdetonators (10) aufweist.
6. Zünder (2) nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass eine Anstichrichtung (56) der Anstichnadel (20) durch die Anstichöffnung (36) entgegengesetzt
zur Flugrichtung (46) des Geschosses ist.
7. Zünder (2) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Entlastungsöffnung (40) in Bezug zu einer Anstichöffnung (36) im Gehäuse (26)
entgegen einer Abbrandrichtung (66) einer Verzögerungsladung (30) angeordnet ist.
8. Zünder (2) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Entlastungsöffnung (40) gegenüber einer Detonatoröffnung (44) des Gehäuses (26)
angeordnet ist.
9. Zünder (2) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Verzögerungsdetonator (10) zum Beschleunigen einer scharf gestellten Zündladung
(22) der Zündanordnung (54) gegen eine Anstichnadel (18) vorgesehen ist.
10. Zünder (2) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
gekennzeichnet
durch seine Ausführung als Aufschlagzünder.