[0001] Die Erfindung betrifft eine Apparatur zur Durchführung von DNP-NMR Messungen an einer
Probe, mit einer Magnetanordnung zur Erzeugung eines Magnetfeldes in einem ersten
Arbeitsvolumen, wobei die Magnetanordnung in einem zweiten Arbeitsvolumen ein Streufeld
in Richtung einer Achse mit mindestens einem Magnetfeldgradienten erster oder höherer
Ordnung in Richtung der Achse erzeugt, wobei die Achse durch das zweite Arbeitsvolumen
verläuft, mit einer Vorrichtung zum Messen von Magnetresonanz(MR)-Signalen der Probe
aus dem ersten Arbeitsvolumen, mit einer DNP-Anregungsvorrichtung zur DNP-Anregung
der Probe im zweiten Arbeitsvolumen und mit einer Positionierungseinrichtung zum Transferieren
der Probe zwischen dem zweiten Arbeitsvolumen und dem ersten Arbeitsvolumen.
Hintergrund der Erfindung
[0003] Kernspinresonanz(NMR)-Spektroskopie ist eine kommerziell weit verbreitete Methode
zur Charakterisierung der chemischen Zusammensetzung von Substanzen. Diese Methode
hat aber den Nachteil, dass sie wenig sensitiv ist, weil die Polarisation der Atomkerne
auch in großen Magnetfeldern nur schwach ist. Um das Verhältnis Signal zu Rauschen
zu verbessern, kann entweder das Rauschen verringert oder das Signal vergrößert werden.
In den letzten Jahren wurden große Anstrengungen unternommen, um das Rauschen zu unterdrücken.
Zu diesem Zweck wurden gekühlte Probenköpfe entwickelt.
[0004] Zur Vergrößerung des Signals können bspw. stärkere Magnete gebaut werden. Alternativ
dazu kann die so genannte DNP (Dynamic Nuclear Polarization) Methode angewandt werden.
Dabei werden die im Hintergrundfeld des Magneten stark polarisierten Elektronen der
Probe durch Strahlung im Mikrowellen-Bereich zu Elektronspinresonanz (EPR) angeregt.
Durch Wechselwirkung der Elektronenspins mit den Atomkernen werden deren Spins ebenfalls
stark polarisiert. Während die Polarisation der Atomkerne in einem Hintergrundfeld
von 10 Tesla im Gleichgewicht auf Raumtemperatur typischerweise einige 10 ppm beträgt,
kann sie mit DNP bis zu einigen Prozent betragen, wobei die Probe hierfür eingefroren
und wieder aufgewärmt werden muss. Dabei ist es entscheidend, das NMR-Experiment auszuführen,
bevor diese Polarisation verloren geht.
[0005] Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, DNP zu betreiben: Entweder erfolgt die
EPR-Vorpolarisation im NMR-Arbeitsvolumen oder die Probe wird in einem zweiten Arbeitsvolumen
vorpolarisiert und anschließend in ein erstes Arbeitsvolumen zur Durchführung des
NMR-Experimentes transportiert. Im ersten Fall besteht der Nachteil, dass wegen der
typischerweise sehr großen Feldstärke im NMR-Arbeitsvolumen eine sehr hochfrequente
Strahlung für die EPR-Anregung erforderlich ist, was technisch sehr schwierig ist.
Im zweiten Fall, auf welchen sich die vorliegende Erfindung bezieht, muss ein Mechanismus
vorhanden sein, der die Probe vom zweiten Arbeitsvolumen ins erste Arbeitsvolumen
transportiert. Dieser Transportmechanismus muss möglichst schnell operieren, damit
die Probe für das NMR-Experiment noch hinreichend polarisiert ist. Es ist also vorteilhaft,
wenn sich die beiden Arbeitsvolumina möglichst nahe beieinander befinden. Im Streufeld
einer NMR-Magnetanordnung gibt es in der Regel einen Bereich, wo die Feldstärke für
DNP-Anregung geeignet ist.
[0006] Damit die Probe entsprechend vorpolarisiert werden kann, muss das Magnetfeld im zweiten
Volumen jedoch hinreichend homogen sein. Das Streufeld eines NMR-Magneten erfüllt
diese Anforderung nicht und muss deshalb noch korrigiert werden. Eine Lösung zu diesem
Problem wird in
WO 2005/114244 A1 vorgeschlagen. Dort befinden sich ein supraleitender Magnet um das erste Arbeitsvolumen
und ein weiterer supraleitender Magnet um das zweite Arbeitsvolumen. Der weitere Magnet
hat einerseits die Aufgabe, das Felds im zweiten Arbeitsvolumen zu homogenisieren,
andererseits darf er die Homogenität im ersten Arbeitsvolumen nicht verschlechtern.
[0007] Ein wesentlicher Nachteil der Anordnung nach
WO 2005/114244 A1 besteht darin, dass ein konventionelles NMR-Magnetsystem auf diese Weise nicht nachgerüstet
werden kann und daher das gesamte DNP-NMR-Magnetsystem neu entwickelt werden muss.
Falls es sich um eine supraleitende Magnetanordnung handelt, muss im Normfall auch
der Kryostat angepasst werden.
[0008] Darüber hinaus ist auch der gegenseitige Einfluss der beiden Magnete problematisch.
Insbesondere kann die magnetische Kraft zwischen den Magneten so groß werden, dass
der weitere Magnet um das zweite Arbeitsvolumen abgeschirmt werden muss. Dies ist
sowohl aktiv mit dem Einsatz von supraleitenden Spulen wie auch passiv mit Hilfe von
ferromagnetischem Material möglich, wie in
WO 2005/114244 A1 beschrieben. Andererseits darf die Feldhomogenität in jedem Arbeitsvolumen nicht
zu stark vom anderen Magneten beeinflusst werden. All diese Bedingungen können zu
komplizierten Spulenkonfigurationen führen.
Aufgabe der Erfindung
[0009] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es demgegenüber, eine Apparatur mit einem
zweiten Arbeitsvolumen für DNP-NMR Anregung vorzuschlagen, bei der die Homogenisierung
des Magnetfelds im zweiten Arbeitsvolumen mit technisch einfachen Mitteln bewirkt
wird, so dass die Apparatur auch durch Nachrüsten einer aus dem Stand der Technik
bekannten NMR-Magnetanordnung erhalten werden kann.
Kurze Beschreibung der Erfindung
[0010] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass beim zweiten Arbeitsvolumen
eine Kompensationsanordnung aus magnetischem Material angebracht ist, welche im Betriebszustand
der Magnetanordnung mindestens einen Magnetfeldgradienten erster oder höherer Ordnung
in Richtung der Achse im zweiten Arbeitsvolumen erzeugt, der zwischen -90% und -110%
des Magnetfeldgradienten gleicher Ordnung des Streufelds der Magnetanordnung in Richtung
der Achse im zweiten Arbeitsvolumen beträgt.
[0011] Dieser/diese Gradient/Gradienten ist/sind in der Überlagerung des Streufelds der
Magnetanordnung mit dem Feld der Kompensationsanordnung im zweiten Arbeitsvolumen
somit um mindestens einen Faktor 10 kleiner als der/die Gradient/Gradienten des Streufelds
der Magnetanordnung allein. Die Kompensationsanordnung erzeugt also zusammen mit der
Magnetanordnung im Bereich des zweiten Arbeitsvolumens ein Magnetfeldplateau (homogenes
Feld), was für eine Vorpolarisation der Probe mittels DNP notwendig ist. Die Rolle
der Kompensationsanordnung ist im Wesentlichen eine Verbesserung der Homogenität im
zweiten Arbeitsvolumen. Der wesentliche Beitrag zur Stärke des Magnetfeldes im zweiten
Arbeitsvolumen wird aber durch die Magnetanordnung gegeben, was eine kompakte Dimensionierung
der Kompensationsanordnung ermöglicht.
[0012] Im Gegensatz zu den beiden aus
WO 2005/114244 A1 bekannten Abschirmmethoden, die sich auf Methoden zur Streufeldabschirmung von zwei
nahe beieinander platzierten Magnetspulen beziehen, kompensiert das magnetische Material
in der vorliegenden Erfindung lediglich einen oder mehrere Feldgradienten im zweiten
Arbeitsvolumen, der/die durch die um das erste Arbeitsvolumen angeordnete Magnetanordnung
am Ort des zweiten Arbeitsvolumens erzeugt wird/werden. Auf diese Weise kann auf das
in
WO 2005/114244 A1 notwendige weitere Spulensystem beim zweiten Arbeitsvolumen prinzipiell verzichtet
werden. Dies ist insbesondere hinsichtlich der einfachen Nachrüstung für bereits bestehende
NMR-Systeme besonders vorteilhaft.
Bevorzugte Ausführungsform der Erfindung
[0013] Vorzugsweise umfasst die Kompensationsanordnung weichmagnetische Abschnitte, welche
im Betriebszustand der Magnetanordnung vom Feld der Magnetanordnung magnetisiert werden.
Weichmagnetisches Material hat die günstige Eigenschaft, dass es schon in tiefen Magnetfeldern
stark magnetisiert wird, so dass die Kompensationsanordnung kompakt dimensioniert
werden kann. Als weichmagnetisches Material kann beispielsweise magnetischer Stahl
verwendet werden, sofern das Hintergrundfeld stark genug ist. Dies ist zum einen eine
besonders billige Lösung, zum anderen weist magnetischer Stahl in der Regel eine hohe
Sättigungsmagnetisierung auf. Für Anwendungen in niedrigerem Feld sind Materialien
mit höherer Permeabilität vorteilhaft, wie zum Beispiel die Eisen-Nickel-Legierung
FeNi48 (Nifemax
®), um sicher zu gehen, dass das Material hinreichend magnetisiert wird und somit eine
maximale Feldeffizienz aufweist.
[0014] Die Sättigungsmagnetisierung der weichmagnetischen Abschnitte beträgt vorzugsweise
mindestens 10
6 A/m, was eine kompakte Dimensionierung der Kompensationsanordnung erlaubt.
[0015] Besonders vorteilhaft ist es, wenn der Abstand zwischen dem Schwerpunkt des ersten
Arbeitsvolumens und dem Schwerpunkt des zweiten Arbeitsvolumens größer ist als der
Abstand zwischen dem Schwerpunkt des ersten Arbeitsvolumens und dem Schwerpunkt der
Gesamtheit der weichmagnetischen Abschnitte. Zur Erzeugung eines Magnetfeldplateaus
im zweiten Arbeitsvolumen wird demnach das weichmagnetische Abschirmmaterial der Kompensationsanordnung
vorzugsweise mehrheitlich in einem Bereich zwischen dem ersten und dem zweiten Arbeitsvolumen
angebracht, wo das Streufeld der Magnetanordnung stärker ist als in größerer Entfernung
vom ersten Arbeitsvolumen. Im Prinzip können auch Permanentmagnete zur Verstärkung
des Magnetfeldgradienten der Kompensationsanordnung verwendet werden, wobei je nach
Richtung ihrer Magnetisierung eine Position zwischen dem ersten und dem zweiten Arbeitsvolumen
oder aber auch eine andere Position vorteilhaft sein kann.
[0016] Falls es sich bei der Magnetanordnung zum Beispiel um eine Helmholtz-Anordnung handelt,
kann sich das zweite Arbeitsvolumen beispielsweise in der Ebene zwischen den Spulenpaaren
befinden, so dass die Achse im zweiten Arbeitsvolumen senkrecht zur Verbindungslinie
zwischen dem Schwerpunkt des ersten und dem Schwerpunkt des zweiten Arbeitsvolumens
ausgerichtet ist. Demgegenüber müssen beispielsweise bei einer solenoidförmigen Magnetanordnung
beide Arbeitsvolumina auf der Solenoid-Achse liegen, damit ein Probentransport zwischen
beiden Arbeitsvolumina möglich ist. In einer solenoidförmigen Magnetanordnung liegt
daher der Schwerpunkt des ersten Arbeitsvolumens und der Schwerpunkt des zweiten Arbeitsvolumens
auf der Achse durch das zweite Arbeitsvolumen. Diese Anordnung ist besonders vorteilhaft,
weil die am meisten verbreiteten NMR-Magnetanordnungen mit solenoidförmigen Magnetspulen
ausgerüstet sind.
[0017] In einer solchen Apparatur ist es besonders vorteilhaft, wenn die Kompensationsanordnung
bezüglich der Achse rotationssymmetrisch ist, weil so die Symmetrie der Magnetanordnung
und der Kompensationsanordnung übereinstimmen, wodurch die Auslegung der Kompensationsanordnung
vereinfacht wird.
[0018] Bei einer besonderen Weiterbildung einer solchen Apparatur weisen die weichmagnetischen
Abschnitte einen gemeinsamen Innen- oder Außendurchmesser auf, wobei die Wandstärke
dieser Abschnitte in Richtung der Achse mit zunehmendem Abstand vom ersten Arbeitsvolumen
abnimmt oder gleich bleibt. Das Streufeld der Magnetanordnung nimmt in der Regel in
Richtung des ersten Arbeitsvolumens zu, so dass es für die Formung eines Feldplateaus
im zweiten Arbeitsvolumen von Vorteil ist, wenn auch die Stärke des magnetischen Materials
der Kompensationsanordnung in dieser Richtung zunimmt. Durch den gemeinsamen Innen-
oder Außendurchmesser kann die Kompensationsanordnung auf einfache Weise gehaltert
werden.
[0019] Bei einer besonders bevorzugten Ausführungsform der erfindungsgemäßen Apparatur ist
die Magnetanordnung mindestens teilweise supraleitend und befindet sich mindestens
teilweise in einem Kryostaten, der eine Bohrung aufweist, in welcher das erste Arbeitsvolumen
und das zweite Arbeitsvolumen angeordnet sind. Supraleitende Magnetanordnungen haben
den großen Vorteil, dass sie sehr starke Magnetfelder erzeugen können.
[0020] Eine spezielle Weiterbildung dieser Ausführungsform sieht vor, dass die Kompensationsanordnung
mindestens teilweise in der Bohrung des Kryostaten angeordnet ist. Wenn die Kompensationsanordnung
komplett im Raumtemperaturzugang zum ersten Arbeitsvolumen angeordnet ist, kann diese
montiert, demontiert und verändert werden, ohne dass der Kryostat aufgewärmt und geöffnet
werden muss.
[0021] Alternativ hierzu kann die Kompensationsanordnung jedoch auch außerhalb der Bohrung
des Kryostaten angeordnet sein, insbesondere in einem Bereich des Kryostaten mit einer
Temperatur unterhalb der Raumtemperatur, vorzugsweise in einem Bereich des Kryostaten
mit der Betriebstemperatur der supraleitenden Teile der Magnetanordnung. Dies ist
bspw. dann interessant, wenn der Platz im Raumtemperaturzugang für die Kompensationsanordnung
nicht ausreicht. Ein weiterer Vorteil ist die Temperaturstabilität der Kompensationsanordnung,
weil dann auch deren Magnetisierung und deren räumliche Position relativ zur Magnetanordnung
zeitlich stabil bleiben, so dass im zweiten Arbeitsvolumen ein zeitlich sehr stabiles
Feld resultiert.
[0022] Es ist bevorzugt, dass die Achse der Bohrung des Kryostaten mit der Achse im zweiten
Arbeitsvolumen zusammenfällt, weil dann einfachere, insbesondere axialsymmetrische,
Kompensationsanordnungen möglich werden.
[0023] Vorzugsweise beträgt der Abstand zwischen dem Schwerpunkt des ersten Arbeitsvolumens
und dem Schwerpunkt des zweiten Arbeitsvolumens weniger als 1 Meter. Somit bleibt
die Zeit zum Transferieren der Probe vom zweiten Arbeitsvolumen ins erste Arbeitsvolumen
klein, so dass auch der Verlust an Vorpolarisation der Probe klein bleibt.
[0024] Im Betriebszustand der Magnetanordnung beträgt der Absolutbetrag der Magnetfeldstärke
auf der Strecke zwischen dem Schwerpunkt des ersten Arbeitsvolumens und dem Schwerpunkt
des zweiten Arbeitsvolumens vorzugsweise überall mindestens die Hälfte des Absolutbetrags
der Magnetfeldstärke im zweiten Arbeitsvolumen. Ein Durchgang der Probe durch ein
kleineres Magnetfeld während dem Transferieren hätte unter Umständen einen unerwünschten
Polarisationsverlust der Probe zur Folge.
[0025] Wenn die Magnetanordnung eine Spulenanordnung umfasst, welche das Dipolmoment der
Magnetanordnung mindestens teilweise kompensiert, kann der Abstand zwischen dem ersten
und dem zweiten Arbeitsvolumen verkleinert werden, was kürzere Transferzeiten und
somit einen kleineren Verlust an Vorpolarisation der Probe ermöglicht.
[0026] Bei einer speziellen Ausführungsform ist eine weitere Spulenanordnung vorhanden,
welche mit Strom gespeist werden kann und im zweiten Arbeitsvolumen einen homogenen
Magnetfeldbeitrag und/oder einen Magnetfeldgradienten erster oder höherer Ordnung
in Richtung der Achse erzeugt. Diese weitere Spulenanordnung übernimmt somit die Aufgabe
einer Shimspule, um einen Restgradienten, der durch ev. Imperfektionen der Kompensationsanordnung
bedingt sein kann, zu korrigieren. Dadurch kann die Feldhomogenität im zweiten Arbeitsvolumen
noch weiter verbessert werden.
[0027] Eine besonders einfache Weiterbildung dieser Ausführungsform ergibt sich, wenn die
weitere Spulenanordnung normalleitend ist, insbesondere wenn sich die weitere Spulenanordnung
mindestens teilweise in der Bohrung des Kryostaten der supraleitenden Magnetanordnung
befindet, wobei die Magnetanordnung vorzugsweise auch supraleitend ist.
[0028] Alternativ ist es jedoch auch möglich, eine Apparatur vorzusehen, bei der sowohl
die Magnetanordnung als auch die weitere Spulenanordnung supraleitend ist, wobei die
Magnetanordnung vorzugsweise auch supraleitend ist. Die weitere Spulenanordnung ist
dann vorteilhafterweise im Kryostaten der supraleitenden Magnetanordnung angeordnet.
[0029] Bei einer besonders bevorzugten Ausführungsform ist eine Vorrichtung zum Verschieben
der Kompensationsanordnung oder von Abschnitten der Kompensationsanordnung und zum
Verschieben des zweiten Arbeitsvolumens entlang der Achse vorgesehen. Hierdurch kann
die Kompensationsanordnung derart platziert werden, dass in der Überlagerung des Feldbeitrages
der Kompensationsanordnung mit dem Feldbeitrag der Magnetanordnung der Absolutbetrag
mindestens eines Magnetfeldgradienten erster oder höherer Ordnung in Richtung der
Achse im zweiten Arbeitsvolumen minimal ist, insbesondere kleiner als 10% des Absolutbetrages
des Magnetfeldgradienten gleicher Ordnung des Streufelds der Magnetanordnung.
[0030] Die Erfindung betrifft auch ein Verfahren zur Auslegung einer Kompensationsanordnung
von magnetischem Material in einer zuvor beschriebenen Apparatur, welches dadurch
gekennzeichnet ist, dass im zweiten Arbeitsvolumen in Richtung der Achse mindestens
eine Messung des Magnetfeldprofils durchgeführt wird, welches aus der Überlagerung
des Feldbeitrages der Kompensationsanordnung mit dem Feldbeitrag der Magnetanordnung
resultiert, und dass aufgrund der Messung die Kompensationsanordnung mindestens einmal
dahingehend verändert wird, dass in der Überlagerung des Feldbeitrages der Kompensationsanordnung
mit dem Feldbeitrag der Magnetanordnung der Absolutbetrag mindestens eines Magnetfeldgradienten
erster oder höherer Ordnung in Richtung der Achse im zweiten Arbeitsvolumen verkleinert
wird.
[0031] Die einfachsten Varianten für den Verfahrensschritt der Veränderung der Kompensationsanordnung
sind die Anbringung oder Entfernung von magnetischem Material, insbesondere die Anbringung
von magnetischen Folien.
[0032] Eine weitere vorteilhafte Verbesserung der Feldhomogenität im zweiten Arbeitsvolumen
erlaubt ein Verfahren zur Positionierung der Kompensationsanordnung und des zweiten
Arbeitsvolumens, welches dadurch gekennzeichnet ist, dass im zweiten Arbeitsvolumen
in Richtung der Achse mindestens eine Messung des Magnetfeldprofils durchgeführt wird,
welches aus der Überlagerung des Feldbeitrages der Kompensationsanordnung mit dem
Feldbeitrag der Magnetanordnung resultiert, und dass aufgrund der Messung die Kompensationsanordnung
oder Abschnitte der Kompensationsanordnung zusammen mit dem zweiten Arbeitsvolumen
entlang der Achse verschoben werden, so dass in der Überlagerung des Feldbeitrages
der Kompensationsanordnung mit dem Feldbeitrag der Magnetanordnung der Absolutbetrag
mindestens eines Magnetfeldgradienten erster oder höherer Ordnung in Richtung der
Achse im zweiten Arbeitsvolumen verkleinert wird.
[0033] Die Auslegung und/oder Optimierung der erfindungsgemäßen Kompensationsanordnung erfolgt
demnach gemäß den beschriebenen Verfahrensvarianten durch Verändern des magnetischen
Materials der Kompensationsanordnung und/oder durch Verschiebung der Kompensationsanordnung
entlang der Achse, welche durch den Feldvektor des Streufelds der Magnetanordnung
am Ort des zweiten Arbeitsvolumens festgelegt ist. Das Ausmaß der Veränderung und/oder
der Verschiebung des magnetischen Materials hängt ab vom Grad und von der Stärke des/der
zu minimierenden Feldgradienten entlang der Achse im zweiten Arbeitsvolumen, welche/welcher
aus einer Messung des Feldprofils der Überlagerung des Feldbeitrages der Kompensationsanordnung
mit dem Feldbeitrag der Magnetanordnung bestimmt wird/werden. Es kann auch vorteilhaft
sein, mindestens einen dieser Verfahrensschritte zu wiederholen, so dass eine weitere
Veränderung und/oder Verschiebung der Kompensationsanordnung vorgenommen werden kann.
Im Normalfall stellt die Veränderung und/oder Verschiebung der Kompensationsanordnung
jedoch eine Feinkorrektur der Magnetfeldgradienten dar, mit der auf einfache Weise
innerhalb des zweiten Arbeitsvolumens ein für eine DNP-Anregung hinreichend homogenes
Magnetfeld erzeugt werden kann, ohne dass beispielsweise fertigungsbedingte Ungenauigkeiten
der Magnetanordnung oder der Kompensationsanordnung durch eine aufwändigere Nacharbeit
korrigiert werden müssen. Insbesondere kann ein Magnetfeldgradient im zweiten Arbeitsvolumen
realisiert werden, der kleiner als 10% des Absolutbetrages des Magnetfeldgradienten
gleicher Ordnung des Streufelds der Magnetanordnung ist.
[0034] Weitere Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der Beschreibung und der Zeichnung.
Ebenso können die vorstehend genannten und die weiter aufgeführten Merkmale je für
sich oder zu mehreren in beliebigen Kombinationen Verwendung finden. Die gezeigten
und beschriebenen Ausführungsformen sind nicht als abschließende Aufzählung zu verstehen,
sondern haben vielmehr beispielhaften Charakter für die Schilderung der Erfindung.
Detaillierte Beschreibung der Erfindung und Zeichnung
[0035] Es zeigen:
- Fig. 1
- eine erste Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Apparatur zur DNP-NMR Messung einer
Probe mit einer Kompensationsanordnung;
- Fig. 2
- eine weitere Ausführungsform der erfindungsgemäßen Apparatur mit einem Kryostaten,
wobei die Kompensationsanordnung in der Bohrung des Kryostaten angeordnet ist;
- Fig. 3
- eine weitere Ausführungsform der erfindungsgemäßen Apparatur mit einem Kryostaten,
wobei die Kompensationsanordnung im Kryostaten angeordnet ist;
- Fig. 4
- eine Schnittdarstellung einer radialen Hälfte einer speziellen Ausführungsform der
erfindungsgemäßen Kompensationsanordnung mit einem gemeinsamen Außendurchmesser aller
Bestandteile der Kompensationsanordnung;
- Fig. 5
- die Überlagerung der Felder der Magnetanordnung und der Kompensationsanordnung aus
Fig. 4 auf der Achse des zweiten Arbeitsvolumens;
- Fig. 6
- eine Schnittdarstellung einer radialen Flälfte einer weiteren speziellen Ausführungsform
der erfindungsgemäßen Kompensationsanordnung mit einem gemeinsamen Innendurchmesser
aller Bestandteile der Kompensationsanordnung;
- Fig. 7
- die Überlagerung der Felder der Magnetanordnung und der Kompensationsanordnung aus
Fig. 6 auf der Achse des zweiten Arbeitsvolumens;
[0036] Fig. 1 zeigt eine Apparatur zur DNP-NMR Messung einer Probe
P. Die NMR-Messung findet in einem ersten Arbeitsvolumen
V1 statt, welches von einer Magnetanordnung
M umgeben ist. Die Magnetanordnung M erzeugt innerhalb des Arbeitsvolumens V1 ein homogenes
Magnetfeld (HO-Feld) und in einem zweiten Arbeitsvolumen
V2 ein Streufeld in Richtung einer Achse (
z-Achse) mit einem Magnetfeldgradienten
H1M und/oder mit Feldgradienten höherer Ordnung (
H2M, H3M, ...) in dieser Richtung. Um das erste Arbeitsvolumen V1 ist eine Vorrichtung
N zur NMR-Messung (Probenkopf) angeordnet. Die Probe P kann mittels eines Transportmechanismus
T zwischen dem ersten Arbeitsvolumen V1 und dem zweiten Arbeitsvolumen V2 bewegt werden.
Beim zweiten Arbeitsvolumen V2 sind eine Kompensationsanordnung m aus magnetischem
Material, sowie eine Vorrichtung
D zur DNP-Anregung angebracht. Die Kompensationsanordnung m ist in einem begrenzten
axialen Bereich um die z-Achse angeordnet. Im vorliegenden Fall umgibt die Kompensationsanordnung
m das zweite Arbeitsvolumen teilweise. Die Erfindung umfasst jedoch auch Apparaturen,
bei denen die Kompensationsanordnung axial außerhalb des zweiten Arbeitsvolumens V2
angeordnet ist, vorzugsweise zwischen dem ersten Arbeitsvolumen V1 und dem zweiten
Arbeitsvolumen V2. Ebenso ist es denkbar, dass das zweite Arbeitsvolumen V2 vollständig
von der Kompensationsanordnung m umgeben ist. Die Arbeitsvolumina V1, V2 sind entweder
durch die Probe P selbst oder durch die Vorrichtung N zur NMR-Messung bzw. durch die
Vorrichtung D zur DNP-Anregung definiert, wobei z=0 den Mittelpunkt des zweiten Arbeitsvolumens
V2 darstellt.
[0037] Fig. 1 zeigt eine besonders bevorzugte Ausführungsform, bei der die z-Achse sowohl
mit der Richtung des H0-Feldes der Magnetanordnung M, als auch mit der Richtung, in
der die Probe P mittels der Transportvorrichtung T transportiert werden kann, zusammenfällt.
Es sind jedoch auch andere Ausführungsformen denkbar. In jedem Fall ist die z-Achse
durch den Feldvektor des Streufelds, das durch die Magnetanordnung M am Ort des zweiten
Arbeitsvolumens V2 bewirkt wird, festgelegt.
[0038] Zur Durchführung einer DNP-NMR-Messung wird die Probe P zunächst im zweiten Arbeitsvolumen
V2 platziert und dort mittels der DNP-Vorrichtung D vorpolarisiert. Möglichst zeitnah
wird die Probe P dann mittels des Transportmechanismus T vom zweiten Arbeitsvolumen
V2 in das erste Arbeitsvolumen V1 bewegt. Dort erfolgt durch die NMR-Vorrichtung N
die eigentliche NMR-Messung. Damit die Probe P bei Durchführung des NMR-Experiments
noch genügend polarisiert ist, sind die Arbeitsvolumina V1, V2 möglichst nahe beieinander
angeordnet. Die im zweiten Arbeitsvolumen V2 auftretenden, für die DNP-Vorpolarisierung
unerwünschten Magnetfeldgradienten H1 M, H2M, H3M, ... des Streufeldes der Magnetanordnung
M an diesem Ort werden erfindungsgemäß durch die Kompensationsanordnung m eliminiert.
[0039] Grundsätzlich kann die erfindungsgemäße Apparatur sowohl mit einer supraleitenden
als auch mit einer nicht supraleitenden Magnetanordnung betrieben werden. Bei Verwendung
einer supraleitenden Magnetanordnung M ist diese innerhalb eines Kryobehälters
K mit einer Bohrung
B (Raumtemperaturbohrung) angeordnet, wie in Fig. 2 und 3 gezeigt. Bei der in
Fig. 2 dargestellten Ausführungsform der erfindungsgemäßen Apparatur sind das erste Arbeitsvolumen
V1, das zweite Arbeitsvolumen V2, die Vorrichtung N zur NMR-Messung, die Kompensationsanordnung
m, sowie die Vorrichtung D zur DNP Anregung koaxial innerhalb der Bohrung B angeordnet,
die einen Raumtemperaturzugang zum ersten und zweiten Arbeitsvolumen V1, V2 bildet.
[0040] Wenn der Platz innerhalb der Bohrung B des Kryostaten K jedoch nicht ausreicht, können
gewisse Teile der Apparatur auch innerhalb des Kryostaten K angeordnet werden, was
im Normalfall ohne eine Vergrößerung des Kryostaten K möglich ist. Dies ist in
Fig. 3 für die die Kompensationsanordnung m gezeigt.
[0041] Fig. 4, 6 zeigen Detaildarstellungen jeweils einer radialen Hälfte zweier Ausführungsformen
der erfindungsgemäßen Kompensationsanordnung m, m'. Die Erfindung soll nun anhand
der in Fig. 4, 6 gezeigten Beispiele von Kompensationsanordnungen m, m' aus weichmagnetischem
Material erläutert werden:
[0043] Die Schwerpunkte des ersten Arbeitsvolumens V1 und des zweiten Arbeitsvolumens V2
liegen in den vorliegenden Beispielen 450 mm auseinander. Die Gradienten höherer Ordnung
H3M, H4M, ... können vernachlässigt werden.
[0044] Mit der Kompensationsanordnung m, m' aus weichmagnetischem Material soll das Feld
im zweiten Arbeitsvolumen V2 soweit homogenisiert werden, dass darin eine starke DNP-Vorpolarisierung
der Probe P möglich wird. Dies kann insbesondere dadurch erreicht werden, dass die
Gradienten H1 M und H2M kompensiert werden, ohne mit der Kompensationsanordnung m,
m' zu große Gradienten höherer Ordnung zu erzeugen. In der Tabelle 1 sind die Daten
der zwei Beispiele aus Fig. 4 und Fig. 6 aufgeführt. Die Kompensationsanordnungen
sind bezüglich der z-Achse rotationssymmetrisch und umfassen jeweils drei Abschnitte
A1, A1', A2, A2'; A3, A3' in Form von Hohlzylindern. Dabei bezeichnen ri jeweils die
Innenradien und ra die Außenradien der Hohlzylinder, und zi sind die axialen Anfänge
bzw. za die axialen Enden der Hohlzylinder, gemessen ab dem Zentrum des zweiten Arbeitsvolumens
V2. Die Ausführung der Abschnitte als Hohlzylinder stellt eine besonders einfache
Möglichkeit dar, eine erfindungsgemäße Kompensationsanordnung zu realisieren. Es ist
jedoch auch möglich, eine Kompensationsanordnung vorzusehen, welche die z-Achse azimutal
nicht vollständig umgibt, sondern bspw. aus einzelnen Segmenten besteht, die voneinander
beabstandet sind.
Tabelle 1
| |
Beispiel 1 |
Beispiel 2 |
| ri [mm] Hohlzylinder 1 |
21.50 |
35.00 |
| ra [mm] Hohlzylinder 1 |
26.00 |
45.05 |
| zi [mm] Hohlzylinder 1 |
-33.72 |
-60.94 |
| za [mm] Hohlzylinder 1 |
-14.49 |
-14.18 |
| ri [mm] Hohlzylinder 2 |
23.12 |
35.00 |
| ra [mm] Hohlzylinder 2 |
26.0 |
38.08 |
| zi [mm] Hohlzylinder 2 |
-14.49 |
-14.18 |
| za [mm] Hohlzylinder 2 |
-1.75 |
0.62 |
| ri [mm] Hohlzylinder 3 |
24.20 |
35.00 |
| ra [mm] Hohlzylinder 3 |
26.00 |
39.07 |
| zi [mm] Hohlzylinder 3 |
-1.75 |
0.62 |
| za [mm] Hohlzylinder 3 |
11.48 |
11.93 |
| Abbildung Geometrie |
Figur 4 |
Figur 6 |
| Feldprofil im zweiten Arbeitsvolumen |
Figur 5 |
Figur 7 |
| z Schwerpunkt [mm] |
-15.18 |
-31.88 |
| H0m [Tesla] |
-0.0481 |
-0.0478 |
[0045] Im Beispiel 1 (Fig. 4) haben alle Hohlzylinder einen gemeinsamen Außenradius ra.
Das ist vorteilhaft, weil nach einer Feldmessung Korrekturfolien auf der Außenfläche
mit einheitlichem Außenradius angebracht werden können, um die Feld-Homogenität im
zweiten Arbeitsvolumen V2 weiter zu verbessern. Eine solche Kompensationsanordnung
m könnte sich in der Raumtemperaturbohrung B eines Kryostaten K mit supraleitender
Magnetanordnung M befinden, wie bspw. in Fig. 2 gezeigt. Die Wandstärke der Kompensationsanordnung
m im Beispiel 1 nimmt ab mit zunehmendem z-Wert, also weiter entfernt von der Magnetanordnung
M und vom ersten Arbeitsvolumen V1. Das Feld im zweiten Arbeitsvolumen V2 wird somit
dadurch homogenisiert, dass das weichmagnetische Material näher an der Magnetanordnung
M mehr Feld vernichtet, also dickwandiger ausgeführt wird, als in größerer Entfernung
von der Magnetanordnung M, wo deren Streufeld schwächer ist.
[0046] Aus Beispiel 2 (Fig. 6) ist ersichtlich, dass diese Vorschrift für die Abhängigkeit
der Wandstärke der Kompensationsanordnung m' vom Ort auf der z-Achse nicht in jeder
Anordnung strikt erfüllt sein muss, sondern dass eine Kompensation auch möglich ist,
wenn in einem kleinen Bereich mit zunehmendem Abstand vom ersten Arbeitsvolumen V1
die Wandstärke wieder zunimmt.
[0047] Schließlich sind in den Figuren 5 und 7 die Magnetfeldprofile dargestellt, welche
sich als Überlagerung des Feldes der Magnetanordnung M und der jeweiligen Kompensationsanordnung
m, m' ergibt. Man sieht, dass das Magnetfeld in Richtung des ersten Arbeitsvolumens
V1, also bei negativen z-Werten, monoton zunimmt. Das ist in beiden Beispielen nicht
nur lokal im zweiten Arbeitsvolumen V2, sondern entlang der z-Achse bis ins erste
Arbeitsvolumen V1 hinein der Fall, weil in Richtung des ersten Arbeitsvolumens V1
das monoton stärker werdende Feld der Magnetanordnung M dasjenige der Kompensationsanordnung
m, m' immer mehr dominiert. Somit wird die Probe P zwischen dem zweiten Arbeitsvolumen
V2 und dem ersten Arbeitsvolumen V1 durch immer größere Felder transportiert, was
die Beibehaltung ihrer im zweiten Arbeitsvolumen V2 erlangten Vorpolarisation begünstigt.
Hier sei noch zu bemerken, dass Korrekturanordnungen m aus weichmagnetischem Material
in der Regel etwas Feld vernichten, weshalb H0m in beiden Beispielen negativ ist.
[0048] Im Beispiel 2 (Fig. 6) haben alle Hohlzylinder einen gemeinsamen Innenradius.
Der Vorteil einer solchen Ausführungsform ist, dass sich die Kompensationsanordnung
m' im gleichen Behälter wie eine supraleitende Magnetanordnung M befinden kann. Mit
dem möglichst klein gewählten, konstanten Innenradius ist die maximale Feldeffizienz
der Kompensationsanordnung m' auch für diese Anordnungsweise gewährleistet.
[0049] Zur Auslegung der Kompensationsanordnungen m, m' der beiden Beispiele wurde davon
ausgegangen, dass die Kompensationsanordnung m, m' aus weichmagnetischem Material
besteht, das vom Streufeld der Magnetanordnung M in die magnetische Sättigung getrieben
wird, was beim angenommenen Feldprofil der Magnetanordnung M mit den Gradienten HOM=
0.388 T, H1 M = -5 T/m und H2M = 30 T/m
2 eine zulässige Annahme ist. Die Magnetisierung der Kompensationsanordnung m, m' wurde
zudem als parallel zur z-Achse angenommen, was im Wesentlichen der Richtung des Streufeldes
der Magnetanordnung M im Volumen der Kompensationsanordnung m, m' entspricht. Für
die magnetische Sättigung des weichmagnetischen Materials wurde eine für magnetischen
Stahl typische Magnetisierung M
m von 1.71*10
6 A/m angenommen.
[0050] Das Magnetfeld eines rein axial magnetisierten sich in der Sättigung befindenden
Hohlzylinders mit Magnetisierung M
m ist aufgrund der Feldgleichung

äquivalent zur Differenz der Magnetfelder von zwei Strombelägen mit Stromdichte M
m, wobei diese Strombeläge auf der Innen- bzw. Außenmantelfläche des Hohlzylinders
liegen. Das Magnetfeld eines unendlich dünnen zylindrischen Strombelages mit Radius
a und Länge 2L, welcher um z=0 zentriert und koaxial zur z-Achse ist, berechnet sich
auf der z-Achse mit der Biot-Savart Formel zu

[0051] Das Feld eines um z=0 zentrierten, zur z-Achse koaxialen Hohlzylinders der Länge
2L mit Innenradius ri und Außenradius ra beträgt also

[0052] Das Feld eines um den Ort z=-z0 zentrierten, zur z-Achse koaxialen Hohlzylinders
der Länge 2L mit Innenradius ri und Außenradius ra kann demnach in eine Potenzreihe

um das Zentrum des zweiten Arbeitsvolumens V2 bei z=0 entwickelt werden, wobei die
Entwicklungskoeffizienten (Gradienten) Hnm n-ter Ordnung die n-ten Ableitungen von
B
z, zyl(z) nach z am Ort z=z0 sind.
[0053] Falls eine Kompensationsanordnung m, m' mehrere koaxiale Hohlzylinder umfasst, ist
der Gradient n-ter Ordnung der Gesamtanordnung jeweils die Summe der Gradienten n-ter
Ordnung aller Teilzylinder.
[0054] Unter Verwendung der Potenzreihen-Entwicklungen der Kompensationsanordnung m, m'
und jener des Feldes der Magnetanordnung M kann demnach für beide Beispiele das Gesamtfeld
auf der z-Achse im zweiten Arbeitsvolumen geschrieben werden als:

[0055] Um im zweiten Arbeitsvolumen V2 eine für die DNP-Vorpolarisierung der Probe P ausreichende
Feldhomogenität zu erzielen, wurde die Kompensationsanordnung m, m' in beiden Beispielen
jeweils so dimensioniert, dass H1m = -H1M und H2m = -H2M ist. Die Überlagerung des
Feldes der Magnetanordnung M und des Feldes der Kompensationsanordnung m, m' hat also
keinen Term in z und in z
2. Die Kompensationsanordnung m, m' wurde zudem so ausgelegt, dass die Koeffizienten
H3m und H4m so klein sind, dass sie im zweiten Arbeitsvolumen V2 keinen Einfluss auf
das Feldprofil haben, was auch für den Feldbeitrag der Magnetanordnung M angenommen
werden kann. Der dominante Term für das Feldprofil im zweiten Arbeitsvolumen V2 ist
also in beiden Beispielen H5m*z
5, so dass ein so genanntes z
5-Plateau entsteht, in dem die Vorpolarisation der Probe P stattfinden kann.
[0056] Da das Feld der Magnetanordnung M am Ort der Kompensationsanordnung m, m' inhomogen
ist, wirkt zwischen beiden Anordnungen eine anziehende elektromagnetische Kraft, welche
bei der Auslegung der Kompensationsanordnung m, m' zu beachten ist. Mit der Näherung
der Potenzreihenentwicklung für das Feld der Magnetanordnung M im Volumen der Kompensationsanordnung
m kann diese Kraft für die beiden Beispiele zu 230 bzw. 1650 Newton berechnet werden.
Die Kompensationsanordnung m aus Beispiel 1 kann also beispielsweise ohne großen Aufwand
aus der Bohrung B eines Kryostaten K einer supraleitenden Magnetanordnung M herausgezogen
werden, ohne die Magnetanordnung M zu entladen.
[0057] Somit könnte das Anbringen von weichmagnetischen Korrekturfolien ohne großen Zeitverlust
geschehen.
[0058] Kompensationsanordnungen m, m' können für aktiv abgeschirmte und für nichtabgeschirmte
Magnetanordnungen vorgesehen werden. Sie sind für nichtabgeschirmte Magnetanordnungen
einfacher auszulegen als in Zusammenwirkung mit einer aktiv abgeschirmten Magnetanordnung,
weil die Feldabnahme zwischen dem ersten Arbeitsvolumen V1 und dem zweiten Arbeitsvolumen
V2 weniger steil ist, so dass bei gleichem Feld H0M der Absolutwert des Feldgradienten
H1M einer nicht abgeschirmten Magnetanordnung im zweiten Arbeitsvolumen V2 kleiner
ist als bei einer aktiv abgeschirmten Magnetanordnung. Der Nachteil von nicht abgeschirmten
Magnetanordnungen ist allerdings, dass der Abstand zwischen dem ersten Arbeitsvolumen
V1 und dem zweiten Arbeitsvolumen V2 größer wird, so dass die Probe P mehr Zeit für
den Transport benötigt. Während dieser Zeit kann ein Teil der Polarisation der Probe
P verloren gehen.
[0059] Die Kompensationsanordnung m, m' kann zusätzlich zu den weichmagnetischen Teilen
auch hartmagnetische umfassen. Außerdem kann die Kompensationsanordnung m, m' nicht
axialsymmetrische Teile umfassen, oder solche, die sich nicht in der magnetischen
Sättigung befinden oder nicht rein axial magnetisiert sind. Um die Feldgradienten
Hnm solcher Anordnungen zu berechnen, müssen die genaue geometrische Anordnung der
Komponenten und die Stärke und Richtung ihrer Magnetisierung berücksichtigt werden.
Im Allgemeinen ist dies nur in Kenntnis der B-H-Kurven der entsprechenden Materialien
sowie unter Anwendung von numerischen Methoden wie beispielsweise der Methode der
Finiten Elemente möglich.
[0060] Wegen unvermeidlichen Produktionstoleranzen sowie wegen nicht ganz genau bekannten
Materialeigenschaften der Kompensationsanordnung m, m' muss damit gerechnet werden,
dass die Überlagerung der Feldprofile der Magnetanordnung M und der Kompensationsanordnung
m, m' im zweiten Arbeitsvolumen V2 nicht exakt die gewünschte Homogenität aufweist.
Mit der Anbringung von weichmagnetischen Folien auf der Kompensationsanordnung m,
m' kann dann die Homogenität weiter verbessert werden.
[0061] Ferner kann eine weitere Spulenanordnung um das zweite Arbeitsvolumen V2 angebracht
und so ausgelegt werden, dass sich damit Gradienten jeder gewünschten Ordnung korrigieren
lassen können. Typische Geometrien für solche Spulenanordnungen sind z. B. aus der
Patentschrift
US7'330'031 bekannt.
[0062] Eine zusätzliche Möglichkeit, die Feld-Homogenität im zweiten Arbeitsvolumen V2 zu
verbessern, bietet eine Vorrichtung, mit der die Kompensationsanordnung m, m' zusammen
mit dem zweiten Arbeitsvolumen V2 entlang der z-Achse im Streufeld der Magnetanordnung
M soweit verschoben werden kann, bis zumindest für eine Ordnung n der Gradienten der
Magnetanordnung M und der Kompensationsanordnung m, m' gilt, das | HnM + Hnm | < 0.1
* | HnM |. Falls in der erfindungsgemäßen Anordnung der beiden Beispiele das gemessene
Feldprofil der Überlagerung der Feldbeiträge der Kompensationsanordnung m, m' und
der Magnetanordnung M einen Gradienten erster Ordnung aufweist, der beispielsweise
um 0.1 T/m zu klein ist, dann kann die Kompensationsanordnung m, m' zusammen mit dem
Arbeitsvolumen entlang der z-Achse an den Ort z' verschoben werden, an welchem der
Gradient erster Ordnung der Magnetanordnung M um 0.1 T/m größer ist, also:

Mit H2M = 30 T/m
2 ist demzufolge z' = 1.7 mm.
Bezugszeichenliste
[0063]
- A1, A2, A3, A1', A2', A3'
- Abschnitte der Kompensationsanordnung
- B
- Raumtemperaturbohrung des Kryostaten
- D
- Vorrichtung zur DNP Anregung
- H1M, H2M, H3M,...
- Magnetfeldgradienten des von der Magnetanordnung im zweiten Arbeitsvolumen erzeugten
Streufelds
- H1m, H2m, H3m, ...
- Magnetfeldgradienten des von der Kompensationsanordnung im zweiten Arbeitsvolumen
erzeugten Kompensationsfeldes
- K
- Kryostat
- M
- Magnetanordnung
- m, m'
- Kompensationsanordnung
- N
- Vorrichtung zur Messung von MR-Signalen
- P
- Probe
- T
- Transportmechanismus
- V1
- erstes Arbeitsvolumen
- V2
- zweites Arbeitsvolumen
- z
- Achse, welche durch das erste und das zweite Arbeitsvolumen verläuft
1. Apparatur zur Durchführung von DNP-NMR Messungen an einer Probe (P), mit einer Magnetanordnung
(M) zur Erzeugung eines Magnetfeldes in einem ersten Arbeitsvolumen (V1), wobei die
Magnetanordnung (M) in einem zweiten Arbeitsvolumen (V2) ein Streufeld in Richtung
einer Achse (z) mit mindestens einem Magnetfeldgradienten erster oder höherer Ordnung
(H1M, H2M, ..., HnM) in Richtung der Achse (z) erzeugt, wobei die Achse (z) durch
das zweite Arbeitsvolumen (V2) verläuft,
mit einer Vorrichtung (N) zum Messen von MR-Signalen der Probe (P) aus dem ersten
Arbeitsvolumen (V1),
mit einer DNP-Anregungsvorrichtung (D) zur DNP-Anregung der Probe (P) im zweiten Arbeitsvolumen
(V2) und
mit einer Positionierungseinrichtung (T) zum Transferieren der Probe (P) zwischen
dem zweiten Arbeitsvolumen (V2) und dem ersten Arbeitsvolumen (V1),
dadurch gekennzeichnet, dass
beim zweiten Arbeitsvolumen (V2) eine Kompensationsanordnung (m) aus magnetischem
Material angebracht ist,
welche im Betriebszustand der Magnetanordnung (M) mindestens einen Magnetfeldgradienten
erster oder höherer Ordnung (H1m, H2m, ..., Hnm) in Richtung der Achse (z) im zweiten
Arbeitsvolumen (V2) erzeugt, der zwischen -90% und -110% des Magnetfeldgradienten
gleicher Ordnung (H1M, H2M, ..., HnM) des Streufelds der Magnetanordnung (M) in Richtung
der Achse (z) im zweiten Arbeitsvolumen (V2) beträgt.
2. Apparatur nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Kompensationsanordnung (m) weichmagnetische Abschnitte umfasst, welche im Betriebszustand
der Magnetanordnung (M) vom Feld der Magnetanordnung (M) magnetisiert werden.
3. Apparatur nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Abstand zwischen dem Schwerpunkt des ersten Arbeitsvolumens (V1) und dem Schwerpunkt
des zweiten Arbeitsvolumens (V2) größer ist als der Abstand zwischen dem Schwerpunkt
des ersten Arbeitsvolumens (V1) und dem Schwerpunkt der Gesamtheit der weichmagnetischen
Abschnitte.
4. Apparatur nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Schwerpunkt des ersten Arbeitsvolumens (V1) und der Schwerpunkt des zweiten Arbeitsvolumens
(V2) auf der Achse (z) liegen.
5. Apparatur nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Magnetanordnung (M) mindestens teilweise supraleitend ist und sich mindestens
teilweise in einem Kryostaten (K) befindet, der eine Bohrung (B) aufweist, in welcher
das erste Arbeitsvolumen (V1) und das zweite Arbeitsvolumen (V2) angeordnet sind.
6. Apparatur nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Kompensationsanordnung (m) mindestens teilweise in der Bohrung (B) des Kryostaten
(K) angeordnet ist.
7. Apparatur nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Kompensationsanordnung (m) außerhalb der Bohrung (B) des Kryostaten (K) angeordnet
ist, insbesondere in einem Bereich des Kryostaten (K) mit einer Temperatur unterhalb
der Raumtemperatur, vorzugsweise in einem Bereich des Kryostaten (K) mit der Betriebstemperatur
der supraleitenden Teile der Magnetanordnung (M).
8. Apparatur nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass eine weitere Spulenanordnung vorhanden ist, welche mit Strom gespeist werden kann
und im zweiten Arbeitsvolumen (V2) einen homogenen Magnetfeldbeitrag (HOS) und/oder
einen Magnetfeldgradienten (H1S, H2S, ..., HnS) erster oder höherer Ordnung in Richtung
der Achse (z) erzeugt.
9. Apparatur nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die weitere Spulenanordnung normalleitend ist.
10. Apparatur nach den Ansprüchen 5 und 9, dadurch gekennzeichnet, dass die weitere Spulenanordnung mindestens teilweise in der Bohrung (B) angeordnet ist.
11. Apparatur nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die weitere Spulenanordnung supraleitend ist.
12. Apparatur nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass eine Vorrichtung zum Verschieben der Kompensationsanordnung (m) oder von Abschnitten
der Kompensationsanordnung (m) und zum Verschieben des zweiten Arbeitsvolumens (V2)
entlang der Achse (z) vorgesehen ist.
13. Verfahren zur Auslegung einer Kompensationsanordnung von magnetischem Material (m)
in einer Apparatur nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
dass im zweiten Arbeitsvolumen (V2) in Richtung der Achse (z) mindestens eine Messung
des Magnetfeldprofils durchgeführt wird, welches aus der Überlagerung des Feldbeitrages
der Kompensationsanordnung (m) mit dem Feldbeitrag der Magnetanordnung (M) resultiert,
und
dass aufgrund der Messung die Kompensationsanordnung (m) mindestens einmal dahingehend
verändert wird, dass in der Überlagerung des Feldbeitrages der Kompensationsanordnung
(m) mit dem Feldbeitrag der Magnetanordnung (M) der Absolutbetrag mindestens eines
Magnetfeldgradienten (H1M+H1m, H2M+H2m ... , HnM+Hnm) erster oder höherer Ordnung
in Richtung der Achse (z) im zweiten Arbeitsvolumen (V2) verkleinert wird.
14. Verfahren nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass der Verfahrensschritt der Veränderung der Kompensationsanordnung (m) die Anbringung
oder Entfernung von magnetischem Material umfasst, insbesondere die Anbringung von
magnetischen Folien.
15. Verfahren zur Positionierung der Kompensationsanordnung (m) und des zweiten Arbeitsvolumens
(V2) in einer Apparatur nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet,
dass im zweiten Arbeitsvolumen (V2) in Richtung der Achse (z) mindestens eine Messung
des Magnetfeldprofils durchgeführt wird, welches aus der Überlagerung des Feldbeitrages
der Kompensationsanordnung (m) mit dem Feldbeitrag der Magnetanordnung (M) resultiert,
und
dass aufgrund der Messung die Kompensationsanordnung (m) oder Abschnitte der Kompensationsanordnung
(m) zusammen mit dem zweiten Arbeitsvolumen (V2) entlang der Achse (z) verschoben
werden, so dass in der Überlagerung des Feldbeitrages der Kompensationsanordnung (m)
mit dem Feldbeitrag der Magnetanordnung (M) der Absolutbetrag mindestens eines Magnetfeldgradienten
(H1M+H1m, H2M+H2m ..., HnM+Hnm) erster oder höherer Ordnung in Richtung der Achse
(z) im zweiten Arbeitsvolumen (V2) verkleinert wird.