Technisches Gebiet
[0001] Das Verfahren betrifft ein Verfahren zur Behandlung der Oberfläche eines Dampfturbinenteils,
insbesondere zur Oberflächenglättung eines Dampfturbinenteils aus austenitischen oder
ferritisch-martensitischen Stählen.
Stand der Technik
[0002] Dampfturbinenteile aus austenitischen oder ferritisch-martensitischen Stählen, unter
anderem Schaufeln, weisen vorzugsweise eine hohe Festigkeit sowie einen hohen Korrosionswiderstand
auf. Dampfturbinenschaufeln, insbesondere für Hochdruck- und Mitteldruckturbinen,
erzielen zudem einen Wirkungsgrad, der um so höher ist je besser die Oberflächenglätte
der Schaufeln ist. Nach dem Fräsen eines Turbinenteils, insbesondere auch nach einem
darauffolgenden Kugelstrahlen, weisen die Oberflächen von austenitischen und ferritisch-martensitischen
Turbinenteilen eine Oberfläche hoher Rauhigkeit sowie Welligkeit auf. Um deren Aerodynamik
und Wirkungsgrad zu verbessern, wird die Oberfläche poliert oder geglättet. Ein bekanntes
Polierverfahren ist das Trovalisieren, bei dem der Turbinenteil in einer Trommel zusammen
mit spitzen Steinen über mehrere Stunden gedreht wird. Ein anderes mögliches Polierverfahren
ist das Handpolieren mittels Schleifbändern.
[0003] Ein neueres Glättungsverfahren ist das Laserpolieren, auch Laser-Umschmelzen genannt,
wie es zum Beispiel in
DE 103 42 750 und
EP 1 516 068 offenbart ist. Dort wird eine Oberfläche auf vorbestimmte Umschmelztiefen mittels
eines Lasers umgeschmolzen, wobei entsprechend der Umschmelztiefe die Oberfläche auf
eine bestimmte Rauhigkeit geglättet werden. Das Glättverfahren wird unter anderem
auch unter einem Schutzgas durchgeführt. Das Verfahren lässt sich auf Warm- und Kaltarbeitsstähle
sowie Titan anwenden, wobei die Bearbeitungs-Parameter des Lasers angepasst werden.
[0004] Zur Verbesserung des Korrosionswiderstands und Widerstands gegen Abnützung werden
die Verfahren des Oberflächen-Laser-Legierens angewendet, vielfach unter dem Begriff
Laser surface alloying bekannt. Sie sind beispielsweise in
US 6,143,095 offenbart, in dem auf einem Substrat aus Metall oder einer Legierung, z. B. Nickel-Basis
Legierung, eine Legierungsschicht mit erhöhter Resistenz gegen Korrosion, Erosion,
Ermüdung etc. mittels Laserstrahlung aufgebracht wird. Es wird beispielsweise die
Aufschmelzung von Cr auf ein Substrat einer Ni-Basis-Legierung auch unter Inertgas-
oder Stickstoff vorgeschlagen.
[0005] US 4,750,947 offenbart ein Legieren der Oberfläche eines Basismetalls, bei dem ein Metall mit
einer Schmelztemperatur, die tiefer ist als die des Basismaterials, aufgetragen wird
und mittels eines Lasers oder Elektronenstrahls mit dem Basismaterial zusammengeschmolzen
wird. Es können Metalle wie Al, Cr, Cu, Co, Ni, Mn, V, Mo oder Si etc. auf Stahl-basierte
oder Eisen-basierte Legierungen aufgetragen werden.
[0007] In
JP6322508 wird ein Verfahren der Oberflächenmodifizierung offenbart, bei dem ein austenitischer,
rostfreier Stahl durch thermisches Spritzen mit Zr- oder einer Zr-Legierung beschichtet
wird, die Schicht sodann mittels eines Lasers bestrahlt wird und eine Legierungsschicht
gebildet wird.
[0008] In
JP4289154 wird ein Verfahren zur Modifizierung einer Titanoberfläche zur Bildung einer Schicht
mit hohem Erosionswiderstand offenbart. Es wird mittels eines Laserstrahls die Oberfläche
geschmolzen und wiedererstarrt, wobei während des Schmelzens Sauerstoff auf die Oberfläche
gesprüht wird. Der Sauerstoff wird dabei in das Basismaterial eingebracht, wodurch
eine hohe Härte und ein hoher Erosionswiderstand erreicht werden.
Darstellung der Erfindung
[0009] Der vorliegenden Erfindung ist die Aufgabe gestellt, ein Verfahren zur Behandlung
der Oberfläche eines Dampfturbinenteils zwecks Verbesserung der Oberflächenglätte
und dessen Aerodynamik zu schaffen.
[0010] Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren gemäss dem unabhängigen Anspruch gelöst. Verschiedene
Ausführungen des Verfahrens sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben.
[0011] In dem erfindungsgemässen Verfahren zur Oberflächenbehandlung eines Dampfturbinenteils
aus einem austenitischen oder ferritisch-martensitischen Stahl wird die Oberfläche
des Dampfturbinenteils mittels Laserstrahlung umgeschmolzen und zusätzlich mittels
Laserstrahlung unter Zugabe eines Materials Oberflächen-legiert, wobei das zugegebene
Material unterschiedlich vom Material des Dampfturbinenteils ist.
[0012] Das dazugegebene Material dient der Erhöhung der mechanischen Festigkeit und/oder
des Korrosionswiderstands der Oberfläche.
[0013] Durch das Laser-Umschmelzen wird eine Oberflächenglätte erzielt, die höher ist im
Vergleich zu der Glätte, die typischerweise durch Trovalisieren oder Handpolieren
erreicht wird. Im Vergleich ist eine Reduzierung der durchschnittlichen Rauhigkeit
Ra um einen Faktor vier zu erreichen.
[0014] Insbesondere, wird durch das erfindungsgemässe Verfahren eine Oberflächenglätte und
ein entsprechend hoher aerodynamischer Wirkungsgrad erreicht, die auch während einer
längeren Betriebszeit des Turbinenteils in einer Dampfturbine trotz Erosionsrisiko
erhalten bleibt. Das zusätzliche Laser-Oberflächenlegieren bewirkt, dass die mechanische
Festigkeit sowie auch der Korrosionswiderstand des Turbinenteils, der nach dem Fräsen
und vor dem Umschmelzen bestanden hat, mindestens aufrechterhalten bleibt. Schliesslich
hat das Verfahren den Vorteil, dass die Behandlung eines Teils innerhalb von Minuten
durchgeführt werden kann, im Gegensatz von Stunden, die für herkömmliche Glättverfahren
aufgebracht werden müssen.
[0015] Die Kombinierung des Laserumschmelzens mit einem Laser-Oberflächenlegieren beruht
auf der Erkenntnis, dass durch alleiniges Laserumschmelzen, die mechanische Festigkeit
und der Korrosionswiderstand aufgrund des grobkörnigen Gussgefüges stark reduziert
werden würde. Das Laser-Oberflächenlegieren kompensiert hingegen diese Abnahme der
Festigkeit und des Korrosionswiderstands.
[0016] Das erfindungsgemässe Verfahren ist auch bei Dampfturbinenteilen wirksam, deren Festigkeit
und Korrosionswiderstand, nach dem Fräsen, zunächst mittels Wärmebehandlung oder Wärmeumformung
erhöht worden ist. Durch das Verfahren wird eine mechanische Festigkeit erreicht,
die mindestens der Festigkeit entspricht. Ebenso wird ein Korrosionswiderstand erreicht,
der mindestens dem Korrosionswiderstand entspricht, der nach einer Wärmebehandlung
oder Wärmeumformung bestanden hat.
[0017] Zudem ist mit dem erfindungsgemässen Verfahren eine Optimierung der Auswurfrate erreichbar.
[0018] Das Umschmelzen und das Oberflächen-legieren der Oberfläche des Dampfturbinenteils
können gleichzeitig durchgeführt werden. Die beiden Verfahrensschritte können jedoch
auch nacheinander durchgeführt werden, wobei der Grad der Wiedererstarrung zwischen
den Verfahrensschritten frei wählbar ist.
[0019] In einem Verfahren für das Oberflächenbehandeln von Dampfturbinenteilen aus einem
austenitischen oder ferritisch-martensitischen Stahl wird beim Laser-Oberflächenlegieren
Cr oder Al oder beides zugegeben, welche den Oxidationswiderstand der Oberfläche erhöhen.
[0020] Anstelle oder zusätzlich zu diesen Elementen werden beim Laser-Oberflächenlegieren
eines oder mehrere der ausscheidungshärtenden Elemente W, Mo, Ti, V oder Nb dazugegeben.
Durch Zugabe eines oder mehrerer dieser Elemente werden durch Karbidbildung insbesondere
mechanischen Eigenschaften optimiert.
[0021] In einem weiteren Verfahren für das Oberflächenbehandeln von Dampfturbinenteilen
aus einem austenitischen Stahl wird beim Laser-Oberflächenlegieren eines oder mehrere
der Elemente Ti, Al oder Nb dazugegeben, durch die intermetallische Phasen gebildet
werden und dadurch insbesondere mechanischen Eigenschaften optimiert wird.
[0022] In einem weiteren Verfahren für das Oberflächenbehandeln von Dampfturbinenteilen
aus einem austenitischen Stahl wird beim Laser-Oberflächenlegieren eines oder beide
der Mischkristall-härtenden Elemente W oder Mo dazugegeben. Dies bewirkt insbesondere
eine Verbesserung der mechanischen Eigenschaften.
[0023] In all den genannten Verfahren kann zur weiteren Erhöhung der Festigkeit das Dampfturbinenteil
vor der Oberflächenbehandlung einer zusätzlichen Wärmebehandlung unterworfen werden.
Diese bewirkt die Bildung von Ausscheidungen, wo Karbide und intermetallische Phasen
erwünscht sind, um die mechanischen Eigenschaften zu optimieren.
[0024] In einer weiteren Ausführung des Verfahrens wird das Dampfturbinenteil nach der Oberflächenbehandlung
einer weiteren Wärmebehandlung unterworfen.
[0025] Die Zugabe der Materialien zur Laser-Oberflächenlegierung kann beispielsweise durch
ein galvanisches Verfahren, thermisches Aufsprühen, Auftragen eines Schlickers oder
Aufsprühen eines Pulvers durchgeführt werden.
[0026] Zur Durchführung des Umschmelzens und Oberflächenlegierens ist anstelle einer Laserstrahlung
auch ein Elektronenstrahl einsetzbar.
1. Verfahren zur Behandlung der Oberfläche eines Dampfturbinenteils aus einem austenitischen
oder ferritisch-martensitischen Stahl,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Oberfläche eines Dampfturbinenteils mittels Laserstrahlung oder Elektronenstrahlung
umgeschmolzen und zusätzlich mittels Laserstrahlung oder Elektronenstrahlung unter
Zugabe eines Materials Oberflächenlegiert wird, wobei das dazugegebene Material unterschiedlich
vom Material des Dampfturbinenteils ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass
das im Oberflächenlegieren verwendete Material zur Erhöhung der mechanischen Festigkeit
und/oder des Korrosionswiderstands der Oberfläche des Dampfturbinenteils dazugegeben
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass
beim Oberflächenlegieren mittels Laser- oder Elektronenstrahlung Cr oder Al oder beides
zugegeben wird.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass
beim Oberflächenlegieren mittels Laser- oder Elektronenstrahlung eines oder mehrere
der ausscheidungshärtenden Elemente W, Mo, Ti, V oder Nb dazugegeben wird.
5. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
beim Oberflächenlegieren mittels Laser- oder Elektronenstrahlung eines oder mehrere
der Elemente Ti, Al oder Nb dazugegeben wird.
6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
beim Oberflächenlegieren mittels Laser- oder Elektronenstrahlung eines oder beide
der Mischkristall-härtenden Elemente W oder Mo dazugegeben wird.
7. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
das Dampfturbinenteil nach der Oberflächenbehandlung einer Wärmebehandlung oder Wärmeumformung
unterworfen wird.