[0001] Die Erfindung betrifft eine Bogenrotationsdruckmaschine mit einer Vorrichtung zur
Prüfung des Härtungsgrades von in einem der Massendruckverfahren Offset-, Flexo- oder
Tiefdruck gedruckten Druckfarben- oder Lackschichten. Die Prüfung der gedruckten Lack-
und / oder Druckfarbenschichten erfolgt, indem ein Druckbogen aus dem Förderstrom
der Bogenrotationsdruckmaschine ausgeschleust wird und einer geeigneten Prüfvorrichtung
zugeführt wird.
[0002] Die Härtung von Druckfarben- und Lackschichten kann einmal durch Evaporation von
Lösemitteln, durch das Wegschlagen von Lösemitteln in den Bedruckstoff, durch Oxidation,
durch Polymerisation in UV- oder Elektronenstrahltrockner oder durch Kombination der
aufgeführten Trocknungsmechanismen geschehen.
[0003] Für eine Kontrolle der Durchhärtung von Druck- und Lackschichten sprechen viele Faktoren.
Eine ausreichende Trocknung und Härtung der verdruckten Farben / Lacke ist Voraussetzung
für qualitativ hochwertige Drucke. Innerhalb des Förderwegs der Bogen durch die Maschine
können Berührungen der frisch bedruckten oder lackierten Bogenoberfläche zu Beschädigungen
hervorrufen, was Makulatur bedingt. Die in der Auslage einer Bogendruckmaschine oder
aufgerollte Rollenbahnen einer Rollendruckmaschine müssen hinsichtlich der aufgedruckten
Druckfarben / Lacke ausreichend getrocknet sein, das sie sonst beim Abstapeln bzw.
aufrollen verschmieren und verblocken würden. Gerade letzteres würde eine Weiterverarbeitung
der Druckprodukte erschweren bzw. gänzlich unmöglich machen.
[0004] An die Einstellung unterschiedlich aufgebauter Trocknereinrichtungen sind im Druckprozess
hohe Anforderungen zu stellen. Bereits beim Einrichten der Druckmaschine hat der Bediener
Einstellungen an den Trocknereinrichtungen vorzunehmen, um nach möglichst geringer
Zeit und Anzahl von Makulaturbogen (Vorlaufmakulatur) die erforderliche Qualität produzieren
zu können. Eine zu hoch gewählte Einstellung der Trocknerleistung bedingt nicht nur
einen hohen Energieverbrauch der Druckmaschine und ebenfalls eine hohe Abwärmeleistung,
welche die Temperatur des Drucksaales erhöht bzw. durch die Klimatisiereinrichtung
des Drucksaales auf den vorgesehenen Wert zu regeln wäre, sondern auch der Druckprozess
an sich wird negativ beeinflusst. Bekanntlich ändert sich die Zügigkeit und Viskosität
von Farbe / Lack, sodass eine hohe Maschinenerwärmung nebst der Erwärmung von Farbe
und Dosiereinrichtung unter Umständen wieder Makulatur vermeidende Nachregelungen
erforderlich machen. Zu gering gewählte Einstellgrößen für die Trocknerwirkung bzw.
Trocknerleistung sind ebenfalls zu vermeiden, da sonst die geschilderte Gefahr des
Verschmierens frisch bedruckter Bogen während des Bogentransportes bzw. in der Auslage
besteht.
[0005] Durch eine Trocknersteuerung ist neben einer Makulaturreduzierung auch eine erhebliche
Energieeinsparung möglich. Da die Trocknereinrichtungen nur noch mit der Leistung
gefahren werden, welche entsprechend den aktuellen Gegebenheiten erforderlich sind,
wird die Stromaufnahme der Einrichtungen auf den jeweilig erforderlichen Wert reduziert.
Da die Trocknereinrichtungen auch Abwärme produzieren, ergibt sich auch eine verringerte
Aufheizung von Maschinenelementen bzw. der gesamten Maschine. Dadurch wird auch die
Lebensdauer der Maschine bzw. von Maschinenkomponenten erhöht. Letztlich vermeidet
eine reduzierte Leistung der Trockner auch eine Erhöhung der Drucksaaltemperatur.
Bei einem klimatisierten Drucksaal gibt dies ebenfalls eine Energieeinsparung, da
weniger Abwärme seitens der Trockner produziert wird.
[0006] Besondere Fragestellungen ergeben sich für den Druck strahlenhärtender Druckfarben
und Lacke in die Druckmaschinen, die eine Härtungskontrolle erforderlich machen. Der
Druck mit strahlenhärtenden Offsetdruckfarben hat in der heutigen Druckindustrie eine
weite Verbreitung gefunden und ist weitläufig bekannt. Vorteile des Drucks mit den
strahlenhärtenden Druckfarben liegen in der schnellen, spontanen Vernetzung nach der
Bestrahlung mit einer Strahlungsquelle (vorzugsweise UV oder Elektronenstrahl), der
Lösungsmittelfreiheit der Druckfarben / Lacke und der guten Bedruckbarkeit von nicht
saugenden Substraten.
[0007] Konventionelle Druckfarben sind dagegen entweder ölbasierend oder lösemittelhaltig.
Ölbasierende Druckfarben trocknen durch die Oxidation der Bindemittel auf Ölbasis
oder trocknen durch Verdampfen der in der Druckfarbe befindlichen leichtflüchtigen
Öle (Heat-Set-Verfahren). Strahlenhärtende Druckfarben und Lacke härten dagegen durch
einen fotochemischen Prozess, der auch als Vernetzung bezeichnet wird. Der flüssige
oder unvernetzte Druckfarbenfilm wird durch die Polymerisation unter Einwirkung von
UV-Licht in einen festen Zustand übergeführt.
[0008] Es sind aber Fehlerfälle bekannt geworden, bei denen unvernetzte Druckfarbenbestandteile
durch Abklatsch im Auslegerstapel einer Bogendruckmaschine oder durch Abklatsch in
einer Rolle nach dem Druck auf die Rückseite des darüber befindlichen Substrats übertragen
wurden. Auch können Druckfarbenbestandteile durch den Bedruckstoff hindurch migrieren.
Eine Migration von Druckfarbenbestandteilen oder ein Abklatsch von Druckfarben kann
bei Verpackung zu einer sensorischen Beeinflussung des Füllgutes führen. Bei Überschreiten
von spezifischen Migrationlimits kann im Falle einer Verpackung für Lebensmittel eine
gesundheitliche Beeinträchtigung des Konsumenten nicht ausgeschlossen werden. Bei
Überschreiten der spezifischen Migrationlimits müssen Verpackungen auf jeden Fall
aus dem Verkehr gezogen werden, was neben den finanziellen Folgen meist auch ein Verlust
der Reputation des Markenherstellers im Markt zur Folge hat. Die Wahrung der gesundheitlichen
Unbedenklichkeit ist vorrangig. Laut §30 LMBG ist es verboten Bedarfsgegenstände so
herzustellen, dass sie bei bestimmungsgemäßen Gebrauch geeignet sind, die Gesundheit
durch ihre stoffliche Zusammensetzung, insbesondere durch toxikologisch wirksame Stoffe
oder Verunreinigungen zu schädigen. Zudem gilt nach deutschem und europäischem Recht
und ebenso in den USA das "No-Migration-Prinzip", d.h. ein Übergang von Stoffen auf
das verpackte Lebensmittel ist zu vermeiden. Deswegen ist es besonders wichtig auf
jeden Fall die Vernetzung der strahlenhärtenden Druckfarbe auf dem Bedruckstoff sicher
zu stellen.
[0009] Auch haben unvollständig ausgehärtete strahlenhärtende Druckfarben und Lacke Auswirkungen
auf die Sicherheit des Bedienpersonals. Sind solche Druckfarben- oder Lackschichten
auf dem Bedruckstoff ungenügend durchgehärtet und der Maschinenbediener zieht, z.
B. zur Kontrolle der Druckqualität, Probeexemplare, so können migrationsfähige Bestandteile
der Druckfarben über die Haut aufgenommen werden. Neben gesundheitlicher Gefährdung
können auch Reizungen und allergische Reaktionen der Haut entstehen. Dem Druckbetrieb
entstehen durch unvollständig ausgehärtete Lacke und Druckfarben zusätzlich Entsorgungskosten,
da Druckbögen mit unvernetzten Druckfarben- oder Lackbestandteilen in der Regel als
Sonderabfall behandelt werden. Dies erfordert einen logistischen Mehraufwand und erzeugt
in der Regel Mehrkosten für die Entsorgung.
[0010] Viele Faktoren sprechen folglich dafür die Aushärtung bzw. Trocknung von Druckfarben-
und Lackschichten auf dem Bedruckstoff zu messen, Messgrößen zu bilden und diese dann
direkt oder über Bedienereingabe zur Steuerung der Trockner heranzuziehen. Zusätzlich
können aus diesen Messwerten ein Qualitätsprotokoll abgeleitet werden, dass dem Enduser
einen Nachweis gibt, dass die Druckfarbe und / oder der Lack ausreichend ausgehärtet
sind. Dies wird gerade auf dem Feld der strahlenhärtenden Druckfarben und Lacke aus
Erwägungen der Produktsicherheit oftmals gefordert.
[0011] Der Wunsch die Härtung bzw. Trocknung von Druckfarben- oder Lackschichten zu bewerten
wurde schon vielfach diskutiert. In der
EP 1 142 711 B1 wurde unter anderem vorgeschlagen, eine Steuerung für eine Trocknereinrichtung vorzusehen,
der mindestens ein Signal einer den Druckprozess charakterisierenden Größe zugeführt
wird, und dass infolgedessen durch die Steuerung Signale generiert werden, durch welche
die Betriebsweise der Trocknereinrichtung in vorgesehener Weise verändert wird. Es
wird auch vorgeschlagen die Steuerung der Trocknervorrichtung anhand von am Bedruckstoff
gemessenen Messwerten vorzunehmen. Als Messgrößen werden die Lack- bzw. die Farbschichtdicke
und / oder der Glanz des Lackauftrags angeführt.
[0012] Die
DE 197 37 785 A1 schlägt vor den Trocknungsgrad einer Lackschicht durch das Messen der Intensität
eines Mikrowellensignals, das in einer Wechselwirkung mit dem lackierten Bedruckstoff
steht zu bestimmen. Die aus dem Messsignal gebildete Zustandsgröße kann dann als Regelgröße
für die Trocknersteuerung herangezogen werden. Das Verfahren eignet sich aber nur
für den Einsatz von Beschichtungsmedien, die in einem hohen Maße die Mikrowellenenergie
absorbieren, wie zum Beispiel ein Dispersionslack, der im wesentlichen Wasser als
Lösemittel aufweist. Die Prüfung der Polymerisation von gehärteten Druckfarben- und
Lackschichten wurde in dem Patent nicht erwähnt.
[0013] Die
DE 24 58 935 A1 offenbart ein Mess- und Regelverfahren der Geschwindigkeit von Druck- und Beschichtungsmaschinen,
bei dem kontinuierlich auf der Papierbahn die den benutzten Lösemitteln entsprechenden
Wellenlängen analysiert werden, wobei die nach dem Trocknen gemessenen Durchschnittswerte
mit den voreingestellten Maximalwerten vergleicht. Die Messeinrichtung enthält einen
Analysatorkopf mit kontinuierlicher Ausstrahlung und einen Empfänger zur Aufnahme
der Strahlung, die das zu analysierende Produkt reflektiert oder diese durchsetzt.
Der Nachteil dieses Verfahrens ist, dass von vornherein die Lösemittelzusammensetzung
bekannt sein muss. Dies ist bei Druckverfahren, die mit einfachen Lösemittelzusammensetzungen
arbeiten relativ einfach, die Komplexität steigt bei modernen Druckfarben mit einer
Vielzahl von Lösemittel an. Im Regelfall gibt der Lieferant die Zusammensetzung der
Druckfarbe nur in groben Bestandteilen bekannt. Außerdem versagt dieses Verfahren
bei Druckverfahren, die keine Lösemittel emittieren. Dies sind unter anderem die strahlenhärtenden
Druckverfahren, sowie die oxidativ und wegschlagenden Druckverfahren. Dieses Messverfahren
ist nicht universell anwendbar. Auch ist keine Anwendung bei schnell laufenden Druckmaschinen
bekannt, da die Analyse doch zeitintensiv und komplex ist.
[0014] Aus der eigenen und zum Zeitpunkt der Einreichung noch nicht publizierten Anmeldungen
10 2007 015 365.3 und 10 2008 014 555.6 ist es bekannt den Härtungsgrad von Druckfarben-
und Lackschichten zu bestimmen, indem der Härtungsgrad bzw. Trocknungsgrad der Druckfarben-
und/oder Lackschichten durch Bestimmung physikalischer und/oder mechanischer und/oder
chemischer Eigenschaften von auf dem Substrat aufgebrachten Druckfarben- und/oder
Lackschichten in einem ersten Zustand bzw. Zeitpunkt vor und in einem zweiten Zustand
bzw. Zeitpunkt nach dem Durchgang eines beschichteten Substrates durch einen Trockner
ermittelt wird. Es wird als Messmethode zur Bestimmung des Härtegrades der Druckfarben-
und Lackschichten vorgeschlagen, dass in der Druckfarben- und/oder Lackschicht eine
Ultraschallschwingung bzw. ein Ultraschallsignal erzeugt wird, und dass das Echo der
Ultraschallschwingung bzw. des Ultraschallsignals zur Bestimmung mechanischer und/oder
viskoelastischer Eigenschaften der Druckfarben- und/oder Lackschicht ausgewertet wird.
[0015] Die eigene, zum Zeitpunkt der Einreichung noch nicht publizierten Anmeldung
10 2007 030 566.6 offenbart ein Verfahren zur Bestimmung des Aushärte- bzw. Trockengrades von Druckfarben-
und Lackschichten, bei denen in die Lack- bzw. Druckfarbenschicht induzierte Oberflächen
hinsichtlich verschiedener Kriterien zur Bestimmung des Trocken- und Aushärtegrades
ausgewertet wird.
[0016] Die eigene, zum Zeitpunkt der Einreichung noch nicht publizierten Anmeldung 10 2008
041 825.0 offenbart ein Verfahren zur Bestimmung des Aushärte- bzw. Trockengrades
von Druckfarben- und Lackschichten, wobei Oberflächenplasmonen-Sensoren zur Bestimmung
von Aushärte- bzw. Trockengrad von Druckfarben- und Lackschichten herangezogen werden.
[0017] Im Labor werden Infrarotspektroskopie oder Raman-Spektroskopie für die Beurteilung
der Polymerisation eingesetzt. Diese Methoden sind wegen ihrer Komplexität und Probenvorbereitung
kaum für den Einsatz im rauen Maschinenumfeld einer Druckerei geeignet, aber prinzipiell
anwendbar.
[0018] Die
DE 10 2006 042 795 A1 offenbart ein Verfahren zur Bestimmung des Aushärte- und Trocknungsgrades mittels
einer Gleitreibungsmessung auf der Oberfläche der Lack- und Druckfarbenschichten auf
einem Druckbogen.
[0019] Aus der
DE 195 40 699 A1 ist eine Prüfeinrichtung zur Prüfung des Trocknungsgrades von Druckprodukten bekannt,
welches ein Andruckelement umfasst, dass von einer eine Andruckkraft erzeugenden Baugruppe
auf ein mit einem Prüfpapier bedecktes Druckprodukt gedrückt wird. Der Trocknungsgrad
wird anhand der Farbablagerungen auf dem Prüfpapier bewertet.
[0020] Unabhängig von der gewählten Methode zur Bestimmung des Härte- bzw. Trockengrades
sind die meisten Methoden nur sehr schwer in einen Inline- Prozess in einer Druckmaschine
integrierbar. Die Messung erfordert Zeit und mehrere Messungen, um Fehlmessungen auszuschließen
und Messwertschwankungen zu berücksichtigen. Dies ist Inline, während des Drucklaufs
in der Druckmaschine, gegebenenfalls nur unter einem hohen Kosten- und Apparateaufwand
möglich. Die Forderungen besteht aber, schon aus Gründen der Produktsicherheit, dass
während der Druckauflage ständig bzw. in gewissen Abständen die Qualität des Aushärte-
bzw. Trockenprozesses überprüft und bei Sollwertabweichungen steuernd eingegriffen
wird.
[0021] Kritisch ist hinsichtlich der Inline-Prozesse weiterhin anzumerken, dass nach der
direkten Einwirkung des Trockners der Trocknungsprozess weitergeht. Die Evaporation
von Lösemittel bzw. das Wegschlagen von Lösemitteln in den Bedruckstoff geht auch
nach dem Verlassen des Trocknereinwirkungsbereich weiter. Auch bei strahlen härtenden
Systemen (z.B. UV) lässt sich eine Dunkelreaktion, auch Post - Curing, nach dem Verlassen
des Wirkbereichs des Strahlers beobachten. Eine Inline-Messung bei laufendem Betrieb
gibt daher nur eine Momentaufnahme des aktuellen Zustands der Lack- und Druckfarbenschichten
wieder. Ob diese Schichten später, zum Beispiel durch ein Post-Curing, ausreichend
aushärten kann nur extrapoliert werden.
[0022] Prinzipiell wären Offline - Messungen möglich, indem der Maschinenbediener eine Druckbogen
aus der laufenden Maschine entnimmt und diesen einer Prüfvorrichtung zur Bestimmung
des Aushärte- und Trockengrades zuführt. Heutzutage werden aber moderne Maschinen
häufig nur von einem Maschinenbediener bedient, so dass dieser mit einer Vielzahl
von Aufgaben zur Sicherung des Betriebes der Druckmaschine betraut ist. Eine zusätzliche
Belastung durch die Tätigkeiten zur Bestimmung des Aushärtegrades sind daher in der
Regel nicht durchführbar. Außerdem lassen sich kontinuierliche, in regelmäßigen Abstand
durchgeführte Messungen, wie sie Qualitätssicherungsmethoden erfordern, in der Regel
durch die anderweitige Beanspruchung des Maschinenbedieners nicht gewährleistet werden.
[0023] Ferner ist es bekannt den Förderstrom einer Druckmaschine auf mehrere Förderstränge
aufzuteilen. Die
DE 536 456 A offenbart eine Bogenablegeeinrichtung für schnell laufende Maschinen, bei der der
die bedruckte
Papierbahn von einem Querschneider in Bogen zerschnitten wird, die mittels einer Bogenweiche
abwechselnd mehreren nach getrennten Stapeln führenden Forderbahnen zugeleitet werden,
und zwar führen erfindungsgemäß die Forderbahnen die ihnen abwechselnd zugeleiteten,
einzelnen Bogen in an sich bekannter Weise mit verlangsamter Geschwindigkeit den Ablegestapeln
zu, und zwar derart, dass bei Verwendung von zwei oder x Forderbahnen diese bzw. die
ihnen zugeordneten, dem Ablegestapel zunächst angeordneten Ablegebahnen mit ungefähr
halber oder x-tel Geschwindigkeit der Papier bearbeitenden Maschine angetrieben werden.
Ferner offenbart diese Anmeldung, dass bedruckten Bogen bei Druckmaschinen abwechselnd
auf zwei verschiedene Stapel abzulegen, um die Trocknungszeit zu verlängern und ein
Abschmieren und Verwischen der Druckfarbe zu verhüten.
[0024] Eine spezielle Ausführung einer Bogenweiche, bei der zur Unterstützung der Bogenführung
, der Förderstrom in zwei Förderstränge aufgeteilt werden kann, wobei wechselweise
die Druckbögen auf unterschiedliche Auslegestapel abgelegt werden, ist in der
DE 197 23 146 C2 zu finden.
[0025] Eine weitere Auslegevorrichtung mit Bogenweiche ist aus
DE 198 19 490 C1 und
DE 198 19 491 C1 bekannt. Diese Auslegevorrichtung besitzt ein endlos umlaufendes Fördersystem zur
Zuführung und Ablage von Bogen auf einem ersten Auslegerstapel (Hauptstapel). Dem
Fördersystem ist dabei eine ais Weiche wirkende, wenigstens eine Greiferbrücke aufweisende
Trommel zugeordnet, sodass mittels der Trommel bestimmte Bogen auf einem zweiten,
unterhalb dieser Trommel angeordneten Auslegerstapel ablegbar sind. Der zweite Auslegerstapel
ist bevorzugt ais Stapelsystem mit Palette ausgeführt oder kann ais Gitterbox, beispielsweise
zur Aufnahme von Makulaturbogen, ausgeführt sein. In Weiterbildung kann der zweite
Auslegerstapel auch als Stapelsystem mit Anschlagmitteln und Geradstoßern zur exakten
Stapelkantenbildung ausgeführt sein.
[0026] Eine Weiterbildung der aus den Patentschriften
DE 198 19 490 C1 und
DE 198 19 491 C1 bekannten Auslegevorrichtung an einer Verarbeitungsmaschine für Bogen
Material offenbart die
DE 10 2006 052 367 B3. Der
DE 10 2006 052 367 B3 liegt die Aufgabe zu Grunde, eine Auslegevorrichtung zu schaffen, die am zweiten
Auslegerstapel eine verbesserte Ablage von Bogenmaterial gestattet und das nachfolgende
Abfördern von Bogenmaterial erleichtert. Gelöst wird dies dadurch, indem in einem
Abstand zumindest ein gestellfest gelagertes Transportmodul der Trommel zugeordnet
ist, dass das Transportmodul unter Kraftschluss auf das auf der Trommel geführte Bogenmaterial
wirksam und rotativ antreibbar ist, und
dass jedem Transportmodul eine Ablageeinrichtung für das Bogenmaterial nachgeordnet
ist.
[0027] Bogenweiche zur Trennung des Förderstroms einer Bogendruckmaschine in mindestens
zwei Förderstränge sind aus der Patentliteratur ausreichend bekannt. Die Anwendung
einer solchen Bogenweiche zur Zuführung einzelner Bogen oder Bogenstapel zu einer
Qualitätsmesseinrichtung findet in diesem Zusammenhang jedoch keine Erwähnung.
[0028] Ziel der Erfindung ist es die Aushärtung bzw. Trocknung von Lack- und Druckfarbenschichten
auf Papier-, Folien-, oder Kartonbedruckstoffen zu bestimmen, indem aus dem Förderstrom
der Bogenrotationsdruckmaschine über eine Bogenweiche Bögen aus diesem ausgeschleust
und einer geeigneten Qualitätsprüfungsvorrichtung zugeführt werden.
[0029] Diese Aufgabe wird gelöst durch Merkmale des Anspruchs 1.
Sinnvolle Weiterbildungen ergeben sich aus den Unteransprüchen.
[0030] Indem Druckbögen aus dem Förderstrom über eine Bogenweiche ausgeschleust werden und
dann einer Prüfvorrichtung zur Prüfung des Aushärtungs- bzw. Trocknungsgrades zugeführt
werden, erfolgt die Prüfung zeitnah, bevorzugt ohne weitere Bedienereingriffe, wobei
die Zeit für die eigentliche Messung länger gewählt werden kann. Die Qualität der
Messung kann dadurch gesteigert werden, mehrere Messungen zur Bestimmung der Reproduzierbarkeit
sind möglich.
[0031] Auch kann das Post - Curing bei der Prüfung des Aushärte- und Trocknungsgrades Berücksichtigung
finden, indem zwischen dem Zuführen des Bogens und der eigentlichen Messung mit der
Prüfvorrichtung ein festgelegtes Zeitintervall oder ein durch eine Prüfvorschrift,
die weitere Parameter, wie zum Beispiel Maschinengeschwindigkeit, Einwirkdauer und
Intensität der Trocknereinwirkung berücksichtigt, ermitteltes Zeitintervall vergeht.
Damit sind genauere Aussagen über den Zustand des Endproduktes möglich.
[0032] Die Bögen können der Prüfvorrichtung in festgelegten Auflagenabschnitten, Zeitintervallen
oder Ereignisgesteuert zugeführt werden. Ereignisgesteuert kann zum Beispiel bedeuten,
dass nach jeder Veränderung der Trocknereinstellung, der Maschinengeschwindigkeit
oder anderer, die Trocknungs- bzw. Aushärtegüte beeinflussenden Parameter, ein oder
mehrere Bögen ausgeschleust werden und die Aushärtungs- oder Trocknungsgüte bestimmt
wird. Hierzu muss, zum Beispiel über eine definierte Schnittstelle, gegebenenfalls
unter Zwischenschaltung eines Auswerterechners, eine Kommunikation zwischen Druckmaschine,
Trocknungsaggregat und der Ansteuereinrichtung für die Bogenweiche und das Prüfgerät
bestehen.
[0033] Die aus der Messung gewonnenen Daten über den Aushärtungs- und Trockengrad der Druckfarben-
und Lackschichten können als absolute Messwerte, im Vergleich zu in Datenspeichern
eines Expertensystems oder einer Referenzwerttabelle abgelegten Werten oder im Vergleich
zu einer Probe mit definierten Aushärtungseigenschaften ausgewertet und bewertet werden.
Die Aushärtung bzw. die Trocknung der Druckfarben- und Lackschichten wird dabei bevorzugt
in einer Kennzahl zusammengefasst, die es dem Maschinenbediener erlaubt ohne Interpretation
von Kurvenverläufen steuernd einzugreifen, um Maschinenparameter, wie Trocknertemperatur,
Strahlungsleistung, Maschinengeschwindigkeit etc. an die Prozesserfordernisse anzupassen.
Die Anpassung kann auch automatisiert erfolgen, wenn die Ergebnisse der Härtungs-
und Trocknungsmessung direkt von der Maschinensteuerung übernommen und dort entsprechende
Maßnahmen abgeleitet werden. Im einfachsten Fall erhält der Bediener Einstellungsvorschläge.
Im komplexeren Fall werden direkt über Kennlinien, Berechnungsvorschriften oder anhand
in einem Expertensystem abgelegten Wissens entsprechende Korrekturmaßnahmen eingeleitet.
Dies können im Fall ungenügender Härtung bzw. Trocknung Maßnahmen zu deren Verbesserung
sein. Bei ausreichender Trocknung kann auch eine Reduzierung der Trocknerleistung
vorgesehen sein, um Energie zu sparen.
[0034] Der Ansatz den Härtungs- bzw. Trocknungsgrad durch die Ausschleusung der zu prüfenden
Druckbogen über eine Bogenweiche und die anschließende Zuführung zu einer Prüfvorrichtung
zu bestimmen erlaubt eine Härtungskontrolle, die auch in rauer Druckereiumgebung eingesetzt
werden kann. Sie erfolgt Inline, also während der Produktion in der Druckmaschine.
Mit diesem Ansatz ist es auch erstmals möglich mit einem erträglichen Aufwand ein
Produktionsprotokoll mit Statistiken bzw. Kurvenverläufen oder Kennzahlen zu erhalten,
die es dem Drucker ermöglicht die ausreichende Trocknung bzw. Härtung und damit die
Produktsicherheit gegenüber seinem Endkunden nachzuweisen.
1. Bogenrotationsdruckmaschine mit einer Bogenweiche zum Ausschleusen einzelner oder
mehrerer Druckbogen aus dem Förderstrom der Bogenrotationsdruckmaschine und einer
Prüfvorrichtung zur Bestimmung des Härtungs- oder Trocknungsgrades einer oder mehrerer
gedruckter Druckfarben- und / oder Lackschicht/en auf einem Substrat, zum Beispiel
Papier, Karton, Kunststofffolie oder Verbundmaterialien, wobei als Druckverfahren
mindestens eines der Massendruckverfahren Tief-, Flexo-, Sieb- oder Offsetdruck zur
Anwendung kommt,
gekennzeichnet dadurch, dass
über die Bogenweiche Prüfbogen aus dem Förderstrom der Druckmaschine ausgeschleust
und einer Prüfvorrichtung zur Bestimmung des Aushärte- bzw. Trocknungsgrades der zuvor
in den Druck- und Lackwerken der Druckmaschine gedruckten Lack- und Druckfarbenschichten
zugeführt wird.
2. Verfahren unter Anwendung einer Bogendruckmaschine nach Anspruch 1,
gekennzeichnet dadurch, dass
die Ausschleusung der Prüfbögen aus dem Förderstrom zur Prüfung zeitintervallgesteuert,
mengengesteuert oder nach Vorgabewerten, die von dem Maschinenbediener zum Beispiel
durch Eingabe an dem zentralen Leitstand der Maschine vorgegeben werden, aus Vorgaben
aus dem Leitstand der Maschine oder der Maschinensteuerung oder aus einem Expertensystem
oder eine Datenbank stammen, erfolgt.
3. Verfahren unter Anwendung einer Bogendruckmaschine nach Anspruch 1,
gekennzeichnet dadurch, dass
die Ausschleusung der Prüfbögen aus dem Förderstrom zur Prüfung ereignisgesteuert,
zum Beispiel bei Änderung der Druckmaschinen- oder Trocknereinstellungen automatisiert
oder nach vorheriger Freigabe durch den Maschinenbediener erfolgt.
4. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 2 und 3,
gekennzeichnet dadurch, dass
zum Beispiel über eine definierte Schnittstelle, gegebenenfalls unter Zwischenschaltung
eines Auswerterechners, eine Kommunikation zwischen Druckmaschine und / oder Trocknungsaggregat
und der Ansteuereinrichtung für die Bogenweiche und das Prüfgerät besteht.
5. Verfahren unter Anwendung einer Bogendruckmaschine nach Anspruch 1
gekennzeichnet dadurch, dass
dass mittels der Signalanalyse oder anderen geeigneten Auswertealgorithmen aus den
Messignalen der Prüfeinrichtung ein oder mehrere Kennwerte zur Kennzeichnung des Aushärtungs-
oder Trocknungsgrades der getrockneten Druckfarben- und/oder Lackschicht gebildet
wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5,
gekennzeichnet dadurch, das
dass der/die mittels Signalanalyse oder anderen geeigneten Auswertealgorithmen gewonnene
Kennwert/-e des Zustandes der getrockneten Druckfarben- und/oder Lackschicht vorzugsweise
eine Prozentangabe des Härtungs- oder Trocknungsgrades ist.
7. Verfahren nach Anspruch 5 und gegebenenfalls 6,
gekennzeichnet dadurch, dass
der/die mittels Signalanalyse oder anderen geeigneter Auswertealgorithmen gewonnene
Kennwert/-e des Zustandes der getrockneten Druckfarben- und/oder Lackschicht, vorzugsweise
auf einer Anzeigevorrichtung dargestellt wird und dass die Darstellung vorzugsweise
mit Handlungsempfehlungen für die Einstellung der Trocknereinrichtung und/oder von
Maschinenparametern kombiniert wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7,
gekennzeichnet dadurch, dass
die Ergebnisse am Leitstand einer Druckmaschine ausgegeben werden.
9. Verfahren nach Anspruch 7 und 8,
gekennzeichnet dadurch, dass
die Ergebnisse in einer Art Auftragsdatenerfassung / Betriebsdatenerfassung protokolliert
werden.
10. Verfahren nach Anspruch 5 und gegebenenfalls 6,
gekennzeichnet dadurch, dass
dass aus dem Ergebnis der Signalanalyse anderen geeigneter Auswertealgorithmen automatisch
Steuersignale für die Veränderung der Einstellung der die Trocknung bzw. Härtung beeinflussenden
Prozessparameter, wie Trocknereinstellung, Produktionsgeschwindigkeit etc., gewonnen
werden und dass diese an eine oder mehrere Steuereinrichtung weitergegeben werden,
wobei die Signalweiterleitung direkt oder nach Bedienerfreigabe erfolgt, um eine Veränderung
der Prozessparameter zu vollziehen.