(19)
(11) EP 2 162 192 B1

(12) EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT

(45) Hinweis auf die Patenterteilung:
30.08.2017  Patentblatt  2017/35

(21) Anmeldenummer: 08773601.3

(22) Anmeldetag:  24.06.2008
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
A62B 1/10(2006.01)
A62B 1/14(2006.01)
(86) Internationale Anmeldenummer:
PCT/EP2008/005083
(87) Internationale Veröffentlichungsnummer:
WO 2009/003612 (08.01.2009 Gazette  2009/02)

(54)

ABSEILVORRICHTUNG

ABSEILING DEVICE

DISPOSITIF DE DESCENTE EN RAPPEL


(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MT NL NO PL PT RO SE SI SK TR

(30) Priorität: 29.06.2007 DE 102007030360

(43) Veröffentlichungstag der Anmeldung:
17.03.2010  Patentblatt  2010/11

(73) Patentinhaber: Skylotec GmbH
56566 Neuwied (DE)

(72) Erfinder:
  • KOWATSCH, Ulrich
    71229 Leonberg (DE)

(74) Vertreter: Michalski Hüttermann & Partner Patentanwälte mbB 
Speditionstraße 21
40221 Düsseldorf
40221 Düsseldorf (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
CH-A- 8 030
US-A1- 2002 017 428
FR-A- 2 505 309
   
       
    Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen).


    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft eine Abseilvorrichtung zum Abbremsen einer an einem Seil geführten Last, die an der Abseilvorrichtung befestigbar ist, bei der das Seil über eine Wegstrecke reibungsgeführt die Abseilvorrichtung durchläuft.

    [0002] Eine solche Vorrichtung ist durch die DE 10 2006 009 332 A1 bereits bekannt. Bei der bekannten Vorrichtung ist neben der reibungsgeführten Wegstrecke für das Seil eine bremsbare Welle vorgesehen, an die das Seil mit einer vorgebbaren Anpresskraft gedrückt wird. Diese Abseilvorrichtung hat damit den Vorteil, dass die Bremse der Welle klein ausgeführt werden kann, weil die Bremse der Welle durch eine reibungsgeführte Wegstrecke in ihrer Bremsarbeit unterstützt wird. Die Möglichkeit der Einstellung der Anpresskraft, mit der das Seil gegen die bremsbare Welle gedrückt wird, erlaubt es, die Abseilvorrichtung an Lasten unterschiedlichen Gewichts anzupassen. Allerdings erfordert die richtige Einstellung der Anpresskraft auf das jeweilige Lastgewicht einige Erfahrung. Fehlbedienungen, die zu einem zu schnellen Abseilen der Last oder aber zu einem Blockieren der Abseilvorrichtung führen können, sind nicht auszuschliessen.

    [0003] CH 8 030 A beschreibt eine Abseilvorrichtung zum Abbremsen einer an einem Seil geführten Last

    [0004] Aufgabe der Erfindung ist es, eine Abseilvorrichtung zu schaffen, die sich automatisch an das Gewicht der abzuseilenden Last anpasst und somit ohne manuelle Eingriffe für eine große Bandbreite an Lastgewichten einsetzbar ist.

    [0005] Gelöst wird die Aufgabe durch die Merkmale des unabhängigen Anspruchs. Vorteilhafte Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen angegeben. Erfindungsgemäss wird die Aufgabe dadurch gelöst, dass mindestens ein Abschnitt der reibungsgeführten Wegstrecke über ein aus einer lastfreien Ausgangsposition heraus relativ zu einem Gehäuse der Abseilvorrichtung bewegbares Teil geführt ist, das bei angehängter Last eine vom Gewicht der Last abhängige Reibkraft auf das Seil erzeugt.

    [0006] Die erfindungsgemäße Abseilvorrichtung hat den Vorteil, dass das Lastgewicht zu einer bestimmten Auslenkung oder Verschiebung des bewegbaren Teils führt, wodurch sich automatisch eine auf das Seil wirkende Reibkraft einstellt, die ein geschwindigkeitskontrolliertes Abseilen der Last ermöglicht. Bei schwereren Lasten ist die erzeugte Reibkraft größer als bei leichteren Lasten. Mit der erfindungsgemäßen Abseilvorrichtung können daher Lasten von beispielsweise 30 kg bis 200 kg abgeseilt werden, ohne dass ein manuelles Einstellen der entsprechenden Reibkraft erforderlich ist. Das bewegbare Teil übt eine Reibkraft auf das Seil durch Anpressen des Seils an eine nicht mitbewegte Fläche der Abseilvorrichtung aus. Je nach Größe der Verlagerung des bewegbaren Teils kann der Abstand zwischen dem bewegbaren Teil und der nicht bewegten Fläche im Bereich der Seildurchführung vergrößert oder verringert werden. Außerdem ist es möglich, dass das Seil im Bereich der über das bewegliche Teil geführten Wegstrecke eine Umlenkung durch die nicht bewegte Fläche erfährt, und sich die Reibkraft an der Umlenkung lastabhängig einstellt. Die nicht mitbewegte Fläche ist die Oberfläche einer bremsbaren Welle. Die Reibkraft kann in diesem Fall durch Veränderung der Anpresskraft des Seils gegen die Welle, die Veränderung der Anlagefläche des Seils und/oder die Veränderung des Umschlingungswinkels des Seils durch das bewegbare Teil automatisch an das Lastgewicht angepasst werden.

    [0007] Besonders vorteilhaft ist es, wenn die bremsbare Welle über eine Fliehkraftbremse abgebremst wird. Fliehkraftbremsen lassen sich kompakt und sicher an der bremsbaren Welle ausbilden und verhindern, dass ein Seil mit einer zu hohen Geschwindigkeit die Abseilvorrichtung durchläuft. Die abbremsbare Welle kann einen kleinen Durchmesser aufweisen, wodurch hohe Drehzahlen beim Abbremsen entstehen. Dies ermöglicht die Verwendung relativ kleiner Fliehkraftbremsen.

    [0008] Die lastfreie Ausgangsposition des bewegbaren Teils kann eine Mittelposition sein, in der auf das Seil durch das bewegbare Teil keine oder nur eine geringe Reibkraft ausübbar ist. Bei Stellung des bewegbaren Teils in dieser Mittelposition kann das Seil beispielsweise nach Gebrauch der Abseilvorrichtung nahezu reibungsfrei zum Aufwickeln durch die Abseilvorrichtung hindurchgezogen werden.

    [0009] In bevorzugter Ausgestaltung der Erfindung ist die reibungsgeführte Wegstrecke als Kanal in der Abseilvorrichtung ausgebildet, wobei der Kanal einen kleineren Durchmesser als das durch die Abseilvorrichtung hindurchgeführte Seil aufweist, und/oder das Seil ist über Rollen und/oder Bolzen aus seiner schwerkraftgeführten Richtung mehrfach ausgelenkt und/oder das Seil ist durch einen gewundenen Kanal, insbesondere mäander- oder schlangenförmig, durch die Abseilvorrichtung geführt.

    [0010] Die reibungsgeführte Wegstrecke kann konstruktiv unterschiedlich zur Unterstützung der abbremsbaren Welle gestaltet werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass über ausreichende Reibungsenergie einerseits das in der Vorrichtung geführte Seil ausreichend abgebremst und andererseits das Seil beim Abbremsvorgang thermisch nicht überlastet wird. Deshalb kann das Seil auf dieser Wegstrecke über starre Bolzen, gelagerte Rollen, durch Engstellen und/oder mehr oder weniger über Führungselemente gekrümmt durch die Abseilvorrichtung geführt werden, wobei zusätzlich bei Bedarf Kühlelemente wie Schlitze an der Vorrichtung vorgesehen sein können.

    [0011] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung weisen die Rollen und/oder Bolzen eine aufgeraute Außenoberfläche und/oder eine Materialschicht als Außenoberfläche auf, die einen gegenüber dem ausgewählten Seilmaterial erhöhten Reibungskoeffizient aufweisen.

    [0012] Dies hat den Vorteil, dass die reibungsgeführte Wegstrecke auf ein entsprechendes zum Einsatz kommendes Seilmaterial abgestimmt werden kann, um eine bestmögliche Abbremsung des Seils in der Abseilvorrichtung zu erreichen.

    [0013] Bei einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Abseilvorrichtung kann die reibungsgeführte Wegstrecke eine dreidimensionale Wegstrecke sein, d. h. sich nicht nur in einer Ebene sondern auch senkrecht dazu erstrecken. Dies hat den Vorteil, dass die erforderliche Reibkraft für das Seil auch bei einem nur sehr kleinen Gehäuse der Abseilvorrichtung aufgebracht werden kann. Die notwendigen Richtungsänderungen des Seils, die die erforderliche Reibkraft erzeugen, können dann auch in Gehäusen, die nur ungefähr handgroß sind, realisiert werden.

    [0014] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung weist die Abseilvorrichtung ein Seilreservoir auf. Dies hat den Vorteil, dass die Abseilvorrichtung auf bestimmte Einsatzbereiche im Voraus ausgelegt und einsatzfertig hergestellt werden kann.

    [0015] Soll die Abseilvorrichtung beispielsweise zum Brandschutz an Gebäuden eingesetzt werden, so kann das Seilreservoir diejenige Länge an Seil speichern, die notwendig ist, um vom höchsten Punkt eines Gebäudes eine Person bzw. eine Last sicher auf den Erdboden abzulassen. Darüber hinaus kann die erfindungsgemäße Vorrichtung vollständig vorinstalliert werden, d. h. einenends wird das Seil beispielsweise über einen Haken am höchsten Punkt eines Gebäudes befestigt und am Seil selbst ist die Abseilvorrichtung angebracht, die eine Lastöffnung aufweist, über die eine Last, sofern sie dort befestigt wird, sicher auf den Erdboden über eine große Höhe hinweg abgeseilt werden kann.

    [0016] Vorteilhafterweise kann das Seil als Kunststoffseil oder als Stahlseil oder als Faserverbundseil ausgeführt sein. Das Faserverbundseil kann mit und ohne Fasern aus hochfesten Werkstoffen hergestellt sein. Mit der erfindungsgemäßen Abseilvorrichtung lassen sich jedoch auch andere Seile mit beliebigen Metallwerkstoffen und Faserverbundwerkstoffen einsetzen.

    [0017] In einer weiteren Ausführungsform ist die Abseilvorrichtung im Pendelbetrieb einsetzbar, d. h. das Gehäuse, das von einem kontrolliert abbremsbaren Seil durchlaufen wird, wird an einem Halteelement ortsfest befestigt und an beiden Seilenden können Lasten im Pendelbetrieb abgeseilt werden. Wird eine Last über das eine freie Seilende abgeseilt, so entfernt sich dieses eine freie Seilende kontrolliert vom Gehäuse mit den darin vorgesehenen Bremsvorrichtungen (Bremsmittel über Reibkräfte, und Fliehkraftbremse), und das andere freie Seilende bewegt sich bis maximal nahe an das Gehäuse der Abseilvorrichtung heran. Ist der Abseilvorgang mit dem einen freien Seilende beendet, so kann ein neuer Abseilvorgang mit dem anderen freien Seilende eingeleitet werden, indem das Seil in umgekehrter Laufrichtung das Gehäuse mit den Bremsvorrichtungen durchläuft.

    [0018] Falls die Abseilvorrichtung eine bremsbare Welle aufweist kann im Gehäuse ein Handrad ausgebildet sein, über das die Bremswirkung der Welle beispielsweise durch eine Fliehkraftbremse bis zur vollständigen Blockierung beeinflusst werden kann. Dies hat den Vorteil, dass in jeder beliebigen Höhe eine Last angehalten werden kann. Wird über die erfindungsgemäße Abseilvorrichtung eine Person abgeseilt, so kann die Person den Abseilvorgang in jeder beliebigen Höhenlage stoppen und erneut einleiten, indem sie über das Handrad die Fliehkraftbremse blockiert bzw. diese wieder freigibt. Ist die Fliehkraftbremse blockiert, indem die Bremsbeläge so stark auf korrespondierende Bremsflächen im Gehäuse drücken, dass keine Seilbewegung im Gehäuse mehr möglich ist, so hat die sich abseilende Person beide Hände für weitere Tätigkeiten frei. Soll der Abseilvorgang fortgesetzt werden, so wird über ein Zurückdrehen des Handrads die Fliehkraftbremse wieder freigegeben, und der Abseilvorgang kann fortgesetzt werden.

    [0019] Sind die abzuseilenden Gewichte (Personen, Lasten) für die ausgewählte Abseilvorrichtung zu gering für eine funktionsgerechte Abseilung bzw. möchte eine Person sich mit erhöhter Geschwindigkeit abseilen, so kann über eine Handkurbel die Drehbewegung der bremsbaren Welle unterstützt werden. Über diese handbetätigte Kurbel kann Bremskräften resultierend aus Reibung und/oder Fliehkraft entgegengewirkt werden.

    [0020] Ebenfalls sind Ausführungsformen vorteilhaft, bei denen die gewünschte Bremswirkung durch die Abseilvorrichtung zeitverzögert und gewichtsbezogen, bezogen auf die abzuseilende Last, eintritt. Dies hat den Vorteil, dass ruckartige Abbremsungen bei schlagartig auftretenden Belastungsspitzen durch sich z. B. beschleunigende Gewichte (Personen, die mit einer erfindungsgemäßen Abseilvorrichtung aus einem Gebäudefenster springen) vermieden werden. Dabei kann vorgesehen werden, dass beispielsweise Lasten von über 200 kg an einem Seil anfänglich nur leicht und zeitlich verzögert immer stärker so weit abgebremst werden, bis sich die gewünschte Abseilgeschwindigkeit selbstregulierend über die Fliehkraftbremse einstellt.

    [0021] In den nachfolgenden Figuren ist an einem Ausführungsbeispiel beispielhaft die erfindungsgemäße Abseilvorrichtung beschrieben.

    [0022] Es zeigt:
    Fig. 1
    eine erfindungsgemäße Abseilvorrichtung in Schnittdarstellung in stark schematisierter Darstellung mit einem verschwenkbaren Teil in lastfreier Mittelstellung;
    Fig. 2
    eine Schnittdarstellung der Abseilvorrichtung gemäß Fig. 1 bei angehängter Last im Pendelbetrieb;
    Fig. 3
    eine weitere Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Abseilvorrichtung ebenfalls in Schnittdarstellung mit angehängter Last und Seilzuführung aus einem Seilreservoir;
    Fig. 4a, 4b
    einen Teilschnitt durch die bremsbare Welle der Abseilvorrichtung aus Fig. 1 mit Fliehkraftbremse und Handrad.


    [0023] Fig. 1 zeigt eine Abseilvorrichtung 10 mit einem Gehäuse 12, in dem ein Seil 14 durch die Abseilvorrichtung 10 hindurchgeführt ist.

    [0024] Die Abseilvorrichtung 10 weist eine Durchbruchsöffnung 20 auf, an der eine abzuseilende Last bzw. Sitzgurte einer Person befestigt werden können, die mittels der Abseilvorrichtung 10 von einem höheren Punkt zu einem niedriger gelegenen Punkt abgeseilt werden sollen. Die Durchbruchsöffnung 20 kann aber auch zur Befestigung der Vorrichtung 10 bei Einsatz im Pendelbetrieb (s. Fig. 2) eingesetzt werden. Die Abseilvorrichtung 10 weist eine reibungsgeführte Wegstrecke 22 auf, die unmittelbar an eine bremsbare Welle 24 grenzt, die über eine Fliehkraftbremse abgebremst wird.

    [0025] Ein Abschnitt der reibungsgeführten Wegstrecke 22 führt über ein bewegliches, hier ein verschwenkbares Teil 25, das an einer Achse 26 drehbar am Gehäuse 12 gelagert ist. In der in Fig. 1 gezeigten Position befindet sich das verschwenkbare Teil 25 in seiner lastfreien Ausgangsposition, hier einer Mittelposition, aus der es in beide Richtungen verschwenkbar ist. Das verschwenkbare Teil 25 weist zwei Backen 28 auf, die zwischen sich und der bremsbaren Welle 24, die ortsfest am Gehäuse 12 angeordnet ist, einen Abschnitt der reibungsgeführten Wegstrecke 22 ausbilden. In der in Fig. 1 gezeigten Mittelposition des verschwenkbaren Teils 25 ist die auf das Seil 14 in diesem Abschnitt der Wegstrecke 22 ausgeübte Reibungskraft minimal. Das Seil 14 kann leicht von Hand durch das Gehäuse 12 hindurchgezogen werden.

    [0026] Ein weiterer Abschnitt der Wegstrecke 22 befindet sich unterhalb der Zeichnungsebene, d. h. verläuft auf der Rückseite des Gehäuses 12. Durch diese dreidimensionale Führung der Wegstrecke 22 kann das Gehäuse 12 mit sehr kleinen Abmessungen gebaut werden.

    [0027] Fig. 2 zeigt nun die Abseilvorrichtung 10 im Pendelbetrieb-Einsatz. Durch die symmetrische Ausgestaltung des Gehäuses 12 sowie des schwenkbaren Teils 25 und der Wegstrecke 22 für das Seil kann die Abseilvorrichtung 10 auch im Pendelbetrieb eingesetzt werden. Dazu wird das Gehäuse 12 an der Durchtrittsöffnung 20 an einer Stelle 30, von der abgeseilt werden soll, befestigt. Die abzuseilenden Lasten 16 werden im Wechsel an einem der beiden Seilenden befestigt, im dargestellten Beispiel am linken Seilende. Durch die Last 16 verschwenkt jetzt sowohl das Gehäuse 12 als auch das verschwenkbare Teil 25 derart, dass die Last 16 ungefähr unterhalb der Befestigungsstelle 30 hängt. Dadurch entsteht am Backen 28 eine lastabhängige resultierende Kraft, die das Seil 14 gegen die Welle 24 drückt. Das Gewicht der Last 16 bestimmt also, mit welcher Anpresskraft das Seil 14 gegen die Welle 24 gedrückt wird. Entsprechend stark wird das Seil 14 bei seinem Weg durch das Gehäuse 12 abgebremst. Die Schwenkbewegung des Teils 25 wird durch Anschläge 29 am Gehäuse 12 begrenzt. Gegen diese läuft eine Nase 31 des schwenkbaren Teils 25, die gleichzeitig zur manuellen Beeinflussung des Auslenkwinkels des schwenkbaren Teils 25 eingesetzt werden kann.

    [0028] Im Gegensatz zu Fig. 2 wird im in Fig. 3 dargestellten Einsatz-Beispiel der Abseilvorrichtung 10 das Seil 14 von oben aus einem hier nicht näher dargestellten Seilreservoir zur Abseilvorrichtung 10 nachgeführt. Ein Ende des Seils 14, hier durch den Pfeil 33 angedeutet, wird dabei an der Stelle befestigt, von der die Last abgeseilt werden soll. Dies kann beispielsweise an einem Gebäudeteil, einem Fensterrahmen oder dergleichen sein. Die Last, durch den Pfeil 34 angedeutet, wird dagegen jetzt in der Öffnung 20 befestigt. Durch die angehängte Last 34 kommt es wieder zu einem Verschwenken des Gehäuses 12 und des beweglichen Teils 25, wodurch das Seil 14 über den Backen 28 umgelenkt und mit einer vom Gewicht der Last 34 abhängigen Anpresskraft vom Backen 28 an die Welle 24 gedrückt wird. Auch in diesem Zustand erfährt das Seil 14 also eine vom Lastgewicht abhängige Reibkraft.

    [0029] Die Abseilvorrichtung 10 kann durch einen hier nicht dargestellten Deckel verschlossen sein, wobei es zweckmäßig ist, wenn der Deckel schwenkbar am Gehäuse 12 gelagert ist, um ihn leicht zum Einlegen des Seils 14 öffnen zu können. Zum Verschließen des Deckels kann dieser mit einer Öffnung versehen sein, die mit der Durchtrittsöffnung 20 des Gehäuses 12 in Deckung bringbar ist. Es kann dann durch beide Öffnungen beispielsweise ein Karabinerhaken hindurchgeführt werden, der nicht nur den Deckel verschließt sondern gleichzeitig zur Aufnahme einer Last genutzt werden kann.

    [0030] In den Fig. 4a, 4b ist ein Teilschnitt durch die Welle 24 gezeigt, an der eine Fliehkraftbremse 51 angeordnet ist. Die Fliehkraftbremse 51 weist mindestens ein Fliehgewicht 53 auf, das auf seiner Außenseite mit einem Reibbelag 54 versehen ist. In der in Fig. 4a gezeigten geöffneten Stellung der Bremse 51 ist ein Luftspalt zwischen dem Reibbelag 54 und einer Bremstrommel vorhanden, d. h. die Welle 24 kann ungebremst rotieren. Bei Übersteigen einer bestimmten Drehzahl wird das Fliehgewicht jedoch nach außen getragen und kommt mit seinem Reibbelag 54 zur Anlage gegen die Bremstrommel 52 und bremst dadurch die Welle 24 ab (Fig. 4b).

    [0031] Die Bremse kann jedoch auch durch ein Handrad 50 betätigt werden, das von außen auf die Bremstrommel 52 aufgeschraubt ist und weiter auf die Welle 24 zu einschraubbar ist. Wird dies vom Nutzer der Abseilvorrichtung gemacht, beispielsweise um die sich durch die Fliehkraftbremse automatisch einstellende Abseilgeschwindigkeit zu reduzieren bzw. um während des Abseilens anhalten zu können, so drückt eine auf der Innenseite des Handrads 50 angeordnete konische Andruckscheibe 55 das Fliehgewicht 53 nach außen gegen die Trommel 52 und löst somit einen Bremsvorgang unabhängig von der Drehzahl der Welle 24 aus. Fig. 4b zeigt das Handrad 50 im eingeschraubten Zustand, in der es die Welle 24 über die Bremse 51 stillsetzt.


    Ansprüche

    1. Abseilvorrichtung zum Abbremsen einer an einem Seil (14) geführten Last (16, 34), die an der Abseilvorrichtung (10) befestigbar ist, bei der das Seil (14) über eine Wegstrecke (22) reibungsgeführt die Abseilvorrichtung (10) durchläuft, wobei

    mindestens ein Abschnitt der Wegstrecke (22) über ein aus einer lastfreien Ausgangsposition heraus relativ zu einem Gehäuse der Abseilvorrichtung (10) bewegbaren Teil (25) geführt ist, das bei angehängter Last eine vom Gewicht der Last (16, 34) abhängige Reibkraft auf das Seil (14) erzeugt,

    das bewegbare Teil (25) eine Reibkraft auf das Seil (14) durch Anpressen des Seils (14) an eine nicht mitbewegte Fläche der Abseilvorrichtung (10) ausübt, und dadurch gekennzeichnet, dass die nicht mitbewegte Fläche die Oberfläche einer bremsbaren Welle (24) ist.


     
    2. Abseilvorrichtung nach dem vorhergehenden Anspruch, wobei die lastfreie Ausgangsposition des beweglichen Teils (25) eine Mittelposition ist, in der auf das Seil (14) durch das bewegliche Teil (25) keine oder nur eine geringe Reibkraft ausübbar ist.
     
    3. Abseilvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die bremsbare Welle (24) eine Fliehkraftbremse (51) aufweist.
     
    4. Abseilvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die reibungsgeführte Wegstrecke (22) als Kanal in der Abseilvorrichtung (10) ausgebildet ist, der einen kleineren Durchmesser als das durch die Abseilvorrichtung (10) hindurchgeführte Seil (14) aufweist, und/oder dass das Seil über Rollen und/oder Bolzen aus seiner schwerkraftgeführten Richtung mehrfach ausgelenkt ist, und/oder dass das Seil (14) durch einen gewundenen Kanal, insbesondere mäander oder schlangenförmig durch die Abseilvorrichtung (10) geführt ist.
     
    5. Abseilvorrichtung nach Anspruch 4, wobei die Rollen und/oder Bolzen eine aufgeraute Aussenoberfläche und/oder eine Materialschicht als Aussenoberfläche aufweisen, die einen gegenüber dem ausgewählten Seilmaterial erhöhten Reibungskoeffizient aufweisen.
     
    6. Abseilvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die reibungsgeführte Wegstrecke (22) eine dreidimensionale Wegstrecke ist.
     
    7. Abseilvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Abseilvorrichtung (10) ein Seilreservoir aufweist.
     
    8. Abseilvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das Seil (14) ein Kunststoffseil, ein Stahlseil, ein Faserverbundseil mit und ohne Karbonfasern oder ein anderes Metall und/oder Faserverbundwerkstoffe aufweisendes Seil (14) ist.
     
    9. Abseilvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Abseilvorrichtung (10) im Pendelbetrieb einsetzbar ist.
     
    10. Abseilvorrichtung nach einem der Ansprüche, wobei die Abseilvorrichtung (10) eine Bremsvorrichtung, insbesondere ein Handrad (50), zur vollständigen Blockierung der bremsbaren Welle (24) aufweist.
     
    11. Abseilvorrichtung nach einem der Ansprüche, wobei an der bremsbaren Welle (24) eine Handkurbel vorgesehen ist, über die die bremsbare Welle (24) antreibbar ist.
     
    12. Abseilvorrichtung nach einem der Ansprüche, wobei die abbremsbare Welle (24) gewichtsabhängig über einen Zeitintervall die gewünschte Bremskraft aufbaut.
     


    Claims

    1. An abseiling device for braking a load (16, 34) that is suspended on a rope (14) and is fastenable to the abseiling device (10), in which the rope (14) passes through the abseiling device (10) and is frictionally guided along a section (22), wherein

    at least one portion of the section (22) is guided by a part (25) that is movable out of an unloaded starting position relative to a housing (12) of the abseiling device (10) and - when a load is suspended - generates a frictional force that depends on a weight of the load (16, 34),

    the movable part (25) exerts a frictional force on the rope (14) by pressing the rope (14) against a relatively stable surface of the abseiling device (10), and

    characterized in that

    the relatively stable surface is a surface of the brakable shaft (24).


     
    2. The abseiling device as recited in the previous claim, wherein the unloaded starting position of the movable part (25) is a central position, in which no or only minimal frictional force is exertable on the rope (14) by the movable part (25).
     
    3. The abseiling device as recited in any of the previous claims, wherein the brakable shaft (24) comprises a centrifugal brake (51).
     
    4. The abseiling device as recited in any of the previous claims, wherein the frictionally guided section (22) is designed as a channel in the abseiling device (10), which has a smaller diameter than that of the rope (14) guided through the abseiling device, and/or the rope is deflected multiple times away from its weight-guided direction via rollers and/or bolts, and/or the rope (14) is guided through a winding channel, in particular being guided through the abseiling device (10) in a meandering or serpentine manner.
     
    5. The abseiling device as recited in claim 4, wherein the rollers and bolts have an outer surface that has a higher coefficient of friction than that of a material of said rope deflected multiple times from said weight-guided direction.
     
    6. The abseiling device as recited in any of the previous claims, wherein the friction-guided section (22) is a three-dimensional section.
     
    7. The abseiling device as recited in the previous claim, wherein the abseiling device (10) includes a rope reservoir.
     
    8. The abseiling device as recited in any of the previous claims, wherein the rope (14) is selected from the group consisting of a plastic rope, a steel rope, a fibrous composite rope with or without carbon fibers, and a rope (14) that includes another type of metal or fibrous composite material.
     
    9. The abseiling device as recited in any of the previous claims, wherein the abseiling device (10) is useable in a reciprocating operation.
     
    10. The abseiling device as recited in any of the previous claims, wherein the abseiling device (10) comprises a breaking device, in particular a hand wheel (50), for blocking the brakable shaft (24) completely.
     
    11. The abseiling device as recited in any of the previous claim, wherein a hand crank (50) is provided on the brakable shaft (24), via which the brakable shaft (24) is drivable.
     
    12. The abseiling device as recited in any of the previous claims, wherein the brakable shaft (24) builds up a desired braking force over an interval of time, depending on the weight of the load.
     


    Revendications

    1. Dispositif de descente en rappel pour le freinage d'une charge (16, 34), guidée par un câble (14), qui peut être fixée au dispositif de descente en rappel (10), dans lequel le câble (14) passe à travers le dispositif de descente en rappel (10) en étant guidé sans friction sur un trajet (22), où

    au moins une section du trajet (22) est menée sur une partie (25) mobile à partir d'une position de départ non chargée par rapport à un boîtier du dispositif de descente en rappel (10), qui génère une force de friction sur le câble (14) dépendant du poids de la charge (16, 34) lorsqu'une charge est suspendue,

    la partie (25) mobile exerce une force de friction sur le câble (14) par la pression du câble (14) sur une surface non mobile du dispositif de descente en rappel (10), et

    caractérisé en ce que

    la surface non mobile est la surface d'un arbre (24) pouvant être freiné.
     
    2. Dispositif de descente en rappel selon la revendication précédente, dans lequel la position de départ sans charge du câble (25) mobile est une position centrale dans laquelle aucune ou uniquement une force de friction faible ne peut être exercée sur le câble (14) par la partie (25) mobile.
     
    3. Dispositif de descente en rappel selon l'une des revendications précédentes, dans lequel l'arbre (24) pouvant être freiné présente un frein centrifuge (51).
     
    4. Dispositif de descente en rappel selon l'une des revendications précédentes, dans lequel le trajet (22) guidé par friction est conçu sous forme d'un canal dans le dispositif de descente en rappel (10), qui présente un diamètre inférieur à celui du câble (14) mené à travers le dispositif de descente en rappel (10), et/ou que le câble est articulé plusieurs fois par l'intermédiaire de rouleaux et/ou d'axes à partir de sa direction guidée par la force du poids, et/ou que le câble (14) est guidé par un canal sinueux, notamment sous forme de méandres ou de serpent, à travers le dispositif de descente en rappel (10).
     
    5. Dispositif de descente en rappel selon la revendication 4, dans lequel les rouleaux et/ou les axes présentent une surface extérieure rendue rugueuse et/ou une couche de matière en tant que surface extérieure, qui présentent un coefficient de friction plus élevé par rapport au matériau de câblage choisi.
     
    6. Dispositif de descente en rappel selon l'une des revendications précédentes, dans lequel le trajet (22) guidé par friction est un trajet en trois dimensions.
     
    7. Dispositif de descente en rappel selon l'une des revendications précédentes, dans lequel le dispositif de descente en rappel (10) présente un réservoir pour le câble.
     
    8. Dispositif de descente en rappel selon l'une des revendications précédentes, dans lequel le câble (14) est un câble en matière plastique, un câble en acier, un câble composite en fibres avec et sans fibres de carbone ou un autre métal, et/ou un câble (14) présentant des matériaux composites à base de fibres.
     
    9. Dispositif de descente en rappel selon l'une des revendications précédentes, dans lequel le dispositif de descente en rappel (10) peut être employé dans un fonctionnement pendulaire.
     
    10. Dispositif de descente en rappel selon l'une des revendications précédentes, dans lequel le dispositif de descente en rappel (10) présente un dispositif de freinage, notamment un volant (50), pour le blocage complet de l'arbre (24) pouvant être freiné.
     
    11. Dispositif de descente en rappel selon l'une des revendications précédentes, dans lequel il est prévu une manivelle sur l'arbre (24) pouvant être freiné, par laquelle l'arbre (24) pouvant être freiné peut être entraîné.
     
    12. Dispositif de descente en rappel selon l'une des revendications précédentes, dans lequel l'arbre (24) pouvant être freiné produit la force de freinage souhaitée en fonction du poids pendant un intervalle de temps.
     




    Zeichnung

















    Angeführte Verweise

    IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



    Diese Liste der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde ausschließlich zur Information des Lesers aufgenommen und ist nicht Bestandteil des europäischen Patentdokumentes. Sie wurde mit größter Sorgfalt zusammengestellt; das EPA übernimmt jedoch keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.

    In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente