[0001] Die Arbeit in Bereichen wie dem Bergbau oder bei der Feuerwehr erfordert oftmals
den Einsatz von Atemschutzgeräten. Diese müssen bei nicht atembarer Luft entweder
Sauerstoff bereitstellen oder den Träger vor schädlichen Gasen wie Kohlenmonoxid schützen.
In die letzte Gruppe fallen Filterselbstretter (FSR), welche aufgrund der in ihnen
enthaltenen Filter ein Einatmen von Außenluft ermöglichen, welche bei Durchgang durch
den Filter von Schadgasen befreit wird.
[0002] Im Gegensatz zu Sauerstoffselbstrettern (SSR), d.h. sauerstoff-erzeugenden Geräten,
welche den Träger unabhängig von der Außenluft in einem geschlossenen System basierend
auf seiner Ausatemluft mit Sauerstoff versorgen, stellen Filterselbstretter offene
Systeme dar. Entsprechend atmet der Träger oftmals Außenluft, welche eine hohe Temperatur
aufweist, beispielsweise im Falle eines Brandes, ein.
[0003] Eine weitere Erschwernis ist das Auftreten veränderter Atemwiderstände bei Verwendung
von Selbstrettern. Um das Anlegen sowie den veränderten Atemwiderstand für den Ernstfall
zu trainieren, werden oftmals Trainingsgeräte eingesetzt. Diese simulieren den erhöhten
Widerstand bei Durchgang durch einen Filter.
DE 35 45 439 A1 beschreibt hierfür beispielsweise den Einsatz von Ventilen.
[0004] Für geschlossene Systeme wie SSR's ist es bekannt, dass bei der Erzeugung des Sauerstoffs
auch die Temperatur zwangsläufig steigt. Entsprechend gibt es hierfür Trainingsgeräte,
welche warme Luft generieren. Beispielsweise beschreibt die
DE 10 2006 644 951 B3 den Einsatz von Zeolithen als wärmeerzeugendem Material.
[0005] Die bekannten Filterselbstretter-Trainingsgeräte ermöglichen aber oftmals nicht die
Gewöhnung an das Veratmen heißer oder sehr heißer Luft. Die
DE 35 45 439 A1 verwendet für den Filter-Selbstretter-Simulator zur Erzeugung warmer Luft lediglich
einen Behälter mit Natronkalk [Stoffgemisch aus Natriumhydroxid (NaOH) und Calciumhydroxid
(Ca(OH)
2)], mit welchem das ausgeatmete CO
2 und/oder die Feuchtigkeit reagiert. Zur Wärmegewinnung wird dabei überwiegend eine
zusätzliche Trocknungsschicht (imprägnierte Aktivkohle) benutzt, die vor dem Atemkalk
(zur Mundstückseite) liegt. Eine vergleichbare technische Lösung, ebenfalls unter
Mitwirkung von Natronkalk, ist Gegenstand der
GB 2011792 A.
[0006] Nachteilig hierbei ist der komplizierte, da mehrschichtige Aufbau. Weiterhin sind
größere Chemikalmengen erforderlich (1x 100g und 1x 50g) und die erzeugten Temperaturen
sind relativ niedrig. Es sind hohe Anforderungen an die Kornverteilung der Chemikalien
wegen der zu erzielenden/einzuhaltenden Atemwiderstände zu stellen.
[0007] Aufgabe der Erfindung war daher die Bereitstellung einer Heizpatrone für einen Filterselbstretter,
welche das Training des Atmens bei heißer Außenluft unter Verwendung eines wärmeerzeugenden
Materials ermöglicht, welches die oben genannten Nachteile vermeidet, ebenso wie die
Bereitstellung eines entsprechenden Verfahrens zum Erhitzen von Atemluft, welches
die genannten Nachteile überwindet.
[0008] Die Aufgabe wird gelöst durch eine Heizpatrone zum Erhitzen von Atemluft in einem
Trainingsatemgerät gemäß Anspruch 1 sowie durch ein Verfahren gemäß Anspruch 2. Weitere
bevorzugte Ausführungsformen ergeben sich aus den Unteransprüchen. In anderen Worten
wird die Aufgabe durch eine Heizpatrone zum Erhitzen von Atemluft in einem Trainingsatemgerät
gelöst, wobei die Heizpatrone Luftbehandlungskammern aufweist und sich mindestens
in einer inneren Luftbehandlungskammer ein wärmeerzeugendes Material befindet, welches
im Wesentlichen granuläres Kaliumhyperoxid (KO
2) ist. "Im Wesentlichen granuläres Kaliumhyperoxid (KO
2)" bedeutet, dass dem KO
2 keine weiteren Stoffe wie andere wasserbindende oder reaktive Stoffe zugesetzt werden.
Geringe Beimengungen wie beispielsweise Verunreinigungen mit einem Gehalt von weniger
als 1 Gew.-%, die im Wesentlichen nicht zur Reaktion beitragen, können enthalten sein.
Im Optimalfall ist ausschließlich reines KO
2 enthalten.
[0009] Bei einem Filterselbstretter-Trainingsatemgerät verlässt die Außatemluft das Gerät
direkt über das Ausatemventil. Eingeatmet wird Außenluft, welche bei Durchgang durch
die erfindungsgemäße Heizpatrone erwärmt wird. Da die Außenluft deutlich weniger Kohlendioxid
als die Ausatemluft enthält, läuft in der Heizpatrone chemisch eine andere Reaktion
als bei Anwesenheit von viel CO
2 ab, d.h. das KO
2 reagiert nahezu ausschließlich mit der in der Außenluft enthaltenen Feuchtigkeit,
wobei Wärme erzeugt wird.
[0010] Das erfindungsgemäße Verfahren zum Erhitzen von Atemluft in einem Atemgerät mittels
einer Heizpatrone wie oben beschrieben ist
dadurch gekennzeichnet, dass beim Atmen innerhalb eines Zeitraums von 5 bis 40 Minuten eine Temperatur von 40
bis 60°C erzeugt wird. In einer bevorzugten Ausführungsform wird beim Atmen innerhalb
eines Zeitraums von 5 bis 20 Minuten eine Temperatur von 45 bis 50°C erzeugt. Der
Atemwiderstand (AMV) beträgt ca. 30 l/min.
[0011] Die vorliegende Erfindung umfasst weiterhin ein Trainingsatemgerät mit einer Heizpatrone
wie oben beschrieben, wobei das Trainingsatemgerät ein Filterselbstretter-Trainingsatemgerät
(FSR-Trainingsatemgerät) ist. In einer anderen bevorzugten Ausführungsform des Trainingsatemgeräts
mit einer Heizpatrone wie oben beschrieben ist das Trainingsatemgerät ein Sauerstoffselbstretter-Trainingsatemgerät
(SSR-Trainingsatemgerät).
[0012] Eine Ausführungsform der Erfindung wird anhand der Zeichnung näher erläutert. Fig.
1 zeigt den schematischen Aufbau einer Ausführungsform der erfindungsgemäßen Heizpatrone.
Diese ist insbesondere geeignet für einen Filterselbstretter, wie er beispielsweise
unter der Bezeichnung FSR W 95 von der Firma MSA Auer angeboten wird. Eine für die
Dimensionen eines Standard-FSR-Trainingsgeräts geeignete Heizpatrone umfasst 20 bis
60 g KO
2, vorzugsweise 40 g KO
2.
[0013] Abgebildet ist eine Schnittansicht der Heizpatrone 9 mit einem Gehäuse 1, welches
in drei Luftbehandlungskammern 6, 7 und 8 unterteilt ist. In den äußeren Luftbehandlungskammern
6 und 8 befinden sich jeweils an den äußeren Enden der Heizpatrone 9 zwei Feinsiebe
4, zwischen die ein Vlies 5 eingebettet ist, welches als Staubschutz fungiert. Die
Feinsiebe (4) dienen im Wesentlichen der Halterung und als Schutz für das Vlies (5).
In Richtung zur mittleren Luftbehandlungskammer 7 sind Gestrickpakete 3 in den Luftbehandlungskammern
6 und 8 angeordnet, welche vorzugsweise aus Kupfer bestehen. Diese Gestrickpakete
3 dienen der Wärmespeicherung und Fixierung. In der mittleren Luftbehandlungskammer
7 befindet sich granuläres Kaliumhyperoxid 2 als wärmeerzeugendes Material.
Bezugszeichenliste
[0014]
- 1
- Gehäuse
- 2
- Granuläres Kaliumhyperoxid
- 3
- Kupfer-Gestrickpaket(e)
- 4
- Feinsieb(e)
- 5
- Vlies(e)
- 6
- Luftbehandlungskammer
- 7
- Luftbehandlungskammer
- 8
- Luftbehandlungskammer
- 9
- Heizpatrone
1. Heizpatrone (9) zum Erhitzen von Atemluft in einem Trainingsatemgerät, wobei die Heizpatrone
(9) Luftbehandlungskammern (6,7, 8) aufweist und sich mindestens in einer inneren
Luftbehandlungskammer (7) ein wärmeerzeugendes Material (2) befindet, dadurch gekennzeichnet, dass das wärmeerzeugende Material im Wesentlichen granuläres Kaliumhyperoxid (KO2) ist.
2. Verfahren zum Erhitzen von Atemluft in einem Atemgerät mittels einer Heizpatrone nach
Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass beim Atmen innerhalb eines Zeitraums von 5 bis 40 Minuten eine Temperatur von 40
bis 60°C erzeugt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass beim Atmen innerhalb eines Zeitraums von 5 bis 20 Minuten eine Temperatur von 45
bis 50°C erzeugt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Heizpatrone (9) nur von der eingeatmeten Außenluft durchströmt wird.
5. Trainingsatemgerät mit einer Heizpatrone (9) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Trainingsatemgerät ein Filterselbstretter-Trainingsatemgerät (FSR-Trainingsatemgerät)
ist.
6. Trainingsatemgerät mit einer Heizpatrone (9) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Trainingsatemgerät ein Sauerstoffselbstretter-Trainingsatemgerät (SSR-Trainingsatemgerät)
ist.