[0001] Die Erfindung betrifft einen Kern- oder Formsand zur Herstellung von Kernen und Gießformen,
zum Vergießen von Metallschmelzen, wobei dieser einen Formgrundstoff (z.B. Quarzsand,
Chromerzsand, Zirkonsand, Olivinsand, synthetische Sande) umfasst, der Wasserglas
enthält und wobei der Kern- oder Formsand einen Wassergehalt im Bereich von ≥ etwa
0,25 Gew.-% bis etwa 0,9 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht des Kern- und Formsands,
hat. Des Weiteren betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Herstellung eines solchen
Kern- oder Formsands sowie ein Verfahren zum Herstellen eines Kerns oder einer Gießform
mit diesem Kern- oder Formsand sowie dessen Verwendung.
[0002] Kern- oder Formsande für die Herstellung von Kernen oder anderen Gießformen, sind
bekannt. Üblicherweise werden diese zunächst in die gewünschte Form gebracht, indem
ein die Gießform abbildendes Werkzeug, wie ein Kernwerkzeug, mit dem Kern- oder Formsand
befüllt und sodann der Kern- oder Formsand verdichtet und ausgehärtet wird. Nach Öffnen
des Werkzeugs kann das gewünschte Formteil, beispielsweise ein Gießkern, entnommen
werden. Unter Verwendung dieses Gießkerns können dann Metallschmelzen, unter anderem
Leichtmetallschmelzen aus Aluminium, in die gewünschte Form gegossen werden. Nachdem
die Metallschmelze erstarrt ist, kann der Gießkern oder die Gießform bspw. mittels
Rütteln entfernt werden. Durch das Rütteln zerfällt der vormals feste und stabile
Gießkern-/form.
[0003] Ein bekanntes Verfahren zur Herstellung von Kern- oder Formsand wird nach seinem
Erfinder auch "Croning-Verfahren" genannt. Dabei wird als Formgrundstoff ein feinkörniger
Quarzsand verwendet, bei dem jedes Sandkorn mit einer thermoplastischen Phenolharzschicht
umhüllt ist. Die Phenolharze sind vor dem Erhitzen in unausgehärtetem Zustand bei
Raumtemperatur fest. Wird der Kern- oder Formsand nunmehr in einen ein Formteil bildenden
Hohlraum, wie ein die Gießform abbildendes Werkzeug, beispielsweise ein Kernwerkzeug,
eingebracht und auf 250°C bis 300°C erwärmt, schmilzt der Binderfilm und es bilden
sich durch Polykondensation Binderbrücken, die nach Abschluss der Polykondensationsreaktion
fest sind und duroplastische Eigenschaften aufweisen. Der fertige Kern bzw. die fertige
Form kann dem Werkzeug entnommen werden.
[0004] Der beim Croning-Verfahren verwendete Kern- oder Formsand hat den Vorteil gegenüber
den anderen gängigen Kern-/Formherstellungsverfahren (z.B. Cold-Box, Hot-Box, Furanharz,
Wasserglas-CO
2 Verfahren), dass die Aushärtungsreaktion im Gegensatz zu den vorher genannten Verfahren
nicht direkt nach dem Mischen, sondern erst nach erneuter Wärmezufuhr (250°C-300°C)
beginnt. Die Lagerfähigkeit des fertig gemischten Kern- oder Formsands ist bei sachgemäßer
Lagerung nahezu unbegrenzt. Bei der Verarbeitung zeigt der Kern- oder Formsand eine
gute Fließfähigkeit, eine gute Abbildungsgenauigkeit, hohe Maßgenauigkeit, hohe Kantenschärfe
und hohe Oberflächengüte. Nachteilig am Croning-Verfahren ist es jedoch, dass die
Werkzeugtemperatur zur Herstellung der Kerne oder der Formteile aus dem Kern- oder
Formsand außerordentlich hoch gewählt werden muss, was einen hohen Energiebedarf verursacht.
Beim anschließenden Gießen mit einer Metallschmelze bei etwa 700°C-1700°C unter Verwendung
von Kernen bzw. Formteilen, die mit dem Croning-Verfahren hergestellt wurden, verbrennt
das Phenolharz, unter Freisetzung von gesundheitsschädlichen und umweltschädlichen
Emissionen (z.B. mono- und polycyclischen Aromaten). Auch die Entsorgung der verwendeten
Kern- bzw. Formteile nach dem Gießen stellt ein Umweltproblem dar, da diese nur mit
hohem finanziellem Aufwand deponiert (Sondermülldeponie) werden können. Auch eine
mögliche thermische Regenerierung ist mit extrem hohen Kosten und Umweltbelastungen
verbunden.
[0005] Zur Vermeidung der Umweltprobleme ist es außerdem bekannt, einen Formgrundstoff mit
einem anorganischen, bspw. Wasserglas-basiertem Binder, zu verwenden. Dabei wird der
Formgrundstoff mit einer wässrigen Lösung von Wasserglas gemischt und unmittelbar
anschießend in ein Formwerkzeug eingeschossen. Zur Verfestigung des Kern- oder Formsands
zu einem Formteil kann Wärme zugeführt werden, um durch Dehydratation den Kern- oder
Formsand zu verfestigen (physikalische Härtung).
[0006] Bei einem anderen Verfahren wird der Kern- oder Formsand mit CO
2 begast werden, um das Formteil chemisch zu härten.
[0007] So ist bspw. aus
DE 103 21 106 ein Verfahren zum Herstellen eines Formteils für Gießformen bekannt, wobei dabei
ein Kern- oder Formsand verwendet wird, der auf Basis von quarzfreiem Sand und einem
von Wasserglas erzeugten anorganischen Binder hergestellt wird. Dabei wird ein Gemisch
aus einem Wasserglasbinder und einem Formgrundstoff vermengt und dieses unmittelbar
in ein Formwerkzeug eingefüllt.
[0008] Auch aus
DE 196 32 293 ist ein Verfahren zum Herstellen von Kernformlingen für die Gießereitechnik bekannt,
wobei dabei eine Mischung aus einem anorganischen feuerfesten Formsand und einem anorganischen
Bindemittel auf Wasserglasbasis in einen Kernkasten eingefüllt und sodann zur Verfestigung
des Kerns das Wasser entzogen oder mit CO
2 begast wird.
[0009] Ein in diesen Verfahren verwendbares Bindemittelsystem auf Wasserglasbasis ist in
DE 199 51 622 beschrieben. Dieses besteht aus einer wässrigen Alkalisilikatlösung, wobei es zusätzlich
eine hygroskopische Base enthält. Der Feststoffgehalt der eingesetzten Alkalisilikatlösungen
ist mit 20 bis 40 % beschrieben.
[0010] Außerdem ist aus
EP 0 917 499 ein Verfahren zur Herstellung von Kernformlingen für die Gießereitechnik bekannt,
bei dem eine Mischung aus einem anorganischen, feuerfesten Formsand und einem anorganischen
Bindemittel auf Wasserglasbasis unter bestimmten Bedingungen beim Bilden des Kernformlings
verwendet wird. Außerdem ist in
EP 0 917 499 ein Verfahren zur Herstellung eines Umlaufkernsandes beschrieben, bestehend aus Reststoffen
von Altkernen aus Kernformlingen. Das bedeutet, dass dieser Sand den Gießprozess mindestens
einmal durchlaufen hat, d.h. die Kerne wurden abgegossen, entkernt und anschließend
kornvereinzelt.
[0011] Allen herkömmlichen Verfahren unter Verwendung eines anorganischen Bindemittels ist
somit gemeinsam, dass eine wässrige Alkalisilikatlösung mit einem Formgrundstoff gemischt
wird und sodann dieses feuchte Gemisch unmittelbar in ein Formwerkzeug eingebracht
wird. Nachteilig an diesen Verfahren ist es, dass das nach dem Mischen des Formgrundstoffs
und der wässrigen Alkalisilikatlösung erhaltene Gemisch nicht lagerstabil bzw. nur
bedingt lagerfähig ist, wie in einem geschlossenen Formstoffbehälter. Das bedeutet,
dass die Mischung jeweils unmittelbar vor der Herstellung des Formteils hergestellt
und sodann unmittelbar verwendet werden muss. Außerdem ist es nachteilig, dass der
Kern- oder Formsand aus Formgrundstoff und einer wässrigen Alkalisilikatlösung nur
bedingt rieselfähig ist und daher zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um
sicherzustellen, dass der Kern- oder Formsand alle Hohlräume eines Formwerkzeugs ausfüllt,
wie durch Anlegen von Unterdruck oder Rütteln des Formwerkzeugs. Auch der in
EP 0 917 499 beschriebene Kernumlaufsand ist ungeeignet, um eine Lagerstabilität verbunden mit
guten Eigenschaften beim Herstellen eines Kernformlings zu erhalten, da der Umlaufkernsand
nicht direkt zur Herstellung von Kernformlingen einsetzbar ist.
[0012] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zu Grunde, einen Kern- oder Formsand
zur Verfügung zu stellen, der die Nachteile der herkömmlichen Kern- oder Formsande
überwindet und insbesondere einen Kern- oder Formsand zur Verfügung zu stellen, der
lagerstabil ist und unmittelbar, ohne weitere Schritte, zur Herstellung eines Formteils
verwendet werden kann, ohne dass Gesundheits- oder Umweltrisiken mit seiner Benutzung
verbunden sind. Des Weiteren soll der Kern- oder Formsand ein Einfüllen in ein Formwerkzeug
einfach und sicher ermöglichen.
[0013] Zur Lösung der Aufgabe wird ein Kern- oder Formsand für Kerne und Gießformen zum
Vergießen von Metallschmelzen bereitgestellt, der einen Formgrundstoff umfasst, der
mit Wasserglas beschichtet oder vermischt ist und einen Wassergehalt im Bereich von
≥ etwa 0,25 Gew.-% bis etwa 0,9 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht des Kern- und
Formsands, hat. Der Wassergehalt wird so verstanden, dass der obere und untere Wert
des/der Bereichs(e) eingeschlossen sind. Außerdem wird ein Verfahren zur Herstellung
eines erfindungsgemäßen Kern- oder Formsands bereitgestellt sowie ein Verfahren zum
Herstellen eines Kerns und einer Gießform zum Vergießen von Metallschmelzen unter
Verwendung des erfindungsgemäßen Kern- oder Formsands.
[0014] Das erfindungsgemäß verwendetet Wasserglas hat bevorzugt eine dynamische Viskosität
von ≥ 10
2 Pa*s, bevorzugter ≥ 10
2,5 Pa*s, insbesondere von ≥ 10
3 Pa*s. Wasserglas mit einer dynamischen Viskosität von ≥ 10
2 Pa*s ist fest. Das bedeutet, dass der erfindungsgemäße Kern- oder Formsand insbesondere
mit festem Wasserglas beschichtet oder vermischt ist.
[0015] Außerdem hat der erfindungsgemäße Kern- und Formsand einen Wassergehalt im Bereich
von ≥ etwa 0,25 Gew.-% bis etwa 0,9 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht des Kern-
und Formsands, bevorzugt von etwa ≥ etwa 0,3 Gew.-% bis etwa 0,9 Gew.-%, insbesondere
von ≥ etwa 0,3 Gew.-% bis etwa 0,9 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht des Kern-
und Formsands. Wenn der Wassergehalt des Kern- und Formsands unter etwa 0,25 Gew.-%,
bezogen auf das Gesamtgewicht des Kern- und Formsands liegt, dann wird kein Kern-
und Formsand erhalten, der unmittelbar eingesetzt werden kann, insbesondere kein Kern-
und Formsand, der in dem nachstehend beschriebenen erfindungsgemäßen Verfahren zum
Herstellen eines Kerns und einer Gießform verwendbar wäre. Wenn der Wassergehalt über
etwa 0,9 Gew.-% liegt, dann wird kein lagerstabiler Kern- oder Formsand erhalten.
Der Wassergehalt wird nach dem VDG Merkblatt "
Prüfung von tongebundenen Formstoffen Bestimmung des Wassergehalts" P 32, Abschnitt
4.1., April 1997 bestimmt.
[0016] Der Begriff "beschichtet", wie er im Sinne der vorliegenden Erfindung verwendet wird,
bedeutet, dass die einzelnen Partikel des Formgrundstoffs im Wesentlichen gleichmäßig
von einer Wasserglasbeschichtung überzogen sind. Jedoch ist der Begriff nicht so zu
verstehen, dass jeder einzelne Partikel des Formgrundstoffs getrennt voneinander mit
einer Wasserglasbeschichtung überzogen sein muss, sondern umfasst auch Ausführungsformen,
bei denen Partikel nur teilweise überzogen sind oder auch mehrere Partikel gemeinsam
von einer Wasserglasbeschichtung umhüllt sind.
[0017] Der Begriff "vermischt", wie er im Sinne der vorliegenden Erfindung verwendet wird,
bedeutet, dass das Wasserglas fest mit dem Formgrundstoff vermengt (homogenisiert)
wird.
[0018] Der erfindungsgemäße Kern- oder Formsand zeichnet sich dadurch aus, dass er trocken
und rieselfähig ist.
[0019] Die Bestimmung der Rieselfähigkeit erfolgt beispielsweise mit Messtrichtern oder
speziellen Rieselfähigkeitsprüfgeräten, wie von der Firma Karg Industrietechnik, wobei
die Rieselzeit bei vorgegebener Masse oder vorgegebenem Volumen als Vergleichs-Indikator
gemessen und in Sekunden angegeben wird.
[0020] Beispielsweise hat der erfindungsgemäße Kern- und Formsand bevorzugt eine Rieselfähigkeit
von ≤ etwa 4 s, bevorzugter von ≤ etwa 3,5 s, gemessen bei einer Probenmenge von 350g
in einem Messtrichter mit einem Innendurchmesser an dessen oberen, weiten Rand von
90 mm und einer Trichterhöhe von insgesamt 95 mm und einer Länge 32 mm und einem Innendurchmesser
des Ausflussrohres von 15 mm bei Raumtemperatur von etwa 20 °C.
[0021] Bevorzugt umfasst das Wasserglas, mit dem der Formgrundstoff beschichtet oder vermischt
ist, zusätzliche Additive, ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Haftvermittler,
Fließverbesserer, Verbesserungsmittel für die Gussoberfläche und Trennmittel. Das
Additiv ist bevorzugt ausgewählt aus der Gruppe, bestehend aus Natronlauge, amorphem
SiO
2, Graphit, Silikonölemulsion, Stearaten, diversen Ölen, Tensiden, Aluminiumoxiden,
Eisenoxiden, Talkum, Bornitriden, Magnesiumoxid und diversen Metalloxiden.
[0022] Bevorzugt ist der Haftvermittler ausgewählt aus Natronlauge, hygroskopische Basen
und/oder Tensiden. Als Fließverbesserer werden bevorzugt Additive, ausgewählt aus
der Gruppe bestehend aus amorphem SiO
2, Graphit, Silikonöl, Silikonölemulsion, Stearaten, diversen Ölen und Tensiden verwendet.
Als Verbesserungsmittel für die Gussoberfläche werden bevorzugt Additive, ausgewählt
aus der Gruppe bestehend aus amorphen SiO
2, Graphit, Aluminiumoxiden, Eisenoxiden, Talkum, Bornitriden, Magnesiumoxid und diversen
Metalloxiden verwendet. Als Trennmittel werden bevorzugt Additive, ausgewählt aus
der Gruppe bestehend aus Silikonöl, Silikonölemulsion, Aluminiumoxiden, Eisenoxiden,
Talkum, Graphit und Bornitrid verwendet. Als Trocknungsmittel und/oder Rieselhilfe
wird bevorzugt trockenes, amorphes SiO
2 verwendet.
[0023] Als Formgrundstoff wird bevorzugt ein feuerfester mineralischer oder synthetischer
Sand, insbesondere Quarzsand, Zirkonsand, Chromerzsand, nahezu kugelförmiger Sand,
Olivinsand oder Gemische davon verwendet. Der Formgrundstoff hat bevorzugt eine mittlere
Korngröße von etwa 0,08 mm bis 0,6 mm, insbesondere von 0,08 mm bis 0,5 mm.
[0024] Des Weiteren können dem beschichteten erfindungsgemäßen Kern- oder Formsand weitere
Hilfsstoffe zugesetzt werden, wie Rieselhilfen, Trocknungsmittel, Fließverbesserer,
Verbesserungsmittel für die Gussoberfläche und/oder Trennmittel. Die weiteren Hilfsstoffe
sind bevorzugt ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus trockenem amorphen SiO
2, Aluminiumoxiden, Eisenoxiden, Talkum, Graphit und Bornitriden. Die Eigenschaften
der weiteren Hilfsstoffe sind wie vorstehend in Bezug auf deren Zugabe zu der Wasserglasbeschichtung
beschrieben.
[0025] Bevorzugt wird eine Gesamtmenge an Additiven (ohne Wasserglas) von bis zu 4 Gew.-%,
insbesondere bis zu 3 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht des Kern- oder Formsands
zugegeben. Insbesondere bevorzugt umfasst der erfindungsgemäße Formsand keine organischen
Additive oder Zusatzstoffe.
[0026] Der erfindungsgemäße Kern- oder Formsand wird bevorzugt in einem Verfahren hergestellt,
das die folgenden Schritte umfasst: a) ein erfindungsgemäßer Formgrundstoff wird bereitgestellt,
b) eine wässrige Lösung von Wasserglas und/oder trockenes Wasserglaspulver wird zugegeben
und c) der Kern- oder Formsand wird gemischt, getrocknet und kornvereinzelt.
[0027] Bevorzugt wird dazu zunächst in Schritt a) ein Mischer mit dem Formgrundstoff befüllt,
der die Homogenisierung des Kern- oder Formsands mit den Binderkomponenten und gegebenenfalls
den Additiven gewährleistet. Als Mischer werden bevorzugt Flügelmischer, Schwingmischer,
Intensivmischer, Wirbelmischer oder Vertikalkollergang verwendet.
[0028] In Schritt b) kann sodann eine wässrige Lösung von Wasserglas und/oder trockenes/festes
Wasserglas und gegebenenfalls weitere Additive zugegeben. Wenn eine wässrige Lösung
verwendet wird, hat diese bevorzugt eine dynamische Viskosität von bis zu 10
2 Pa*s. Damit umfasst der Begriff "wässrige Lösung" sowohl dünnflüssige, dickflüssige
als auch pastöse Wassergläser. Wenn ein trockenes/festes Wasserglas zugegeben wird,
so hat dieses bevorzugt eine dynamische Viskosität von mehr als 10
2 Pa*s. Es ist auch möglich, ein Gemisch aus verschiedenen Wassergläsern und/oder ein
Gemisch aus einer wässrigen Lösung von Wasserglas und trockenem/festen Wasserglas
zuzugeben. Bevorzugt ist das verwendete Wasserglas eine Alkalisilikatlösung der allgemeinen
Zusammensetzung xSiO
2 ˙ yM
2O ˙ nH
2O, wobei M ausgewählt ist aus Li
+, K
+ oder Na
+ und x : y bevorzugt etwa 1 : 1 bis 4 : 1, insbesondere etwa 2 : 1 bis 3,5 : 1, beträgt
(wobei das Verhältnis x : y auch als Modul des Wasserglases, d. h. das Mengenverhältnis
SiO
2 : M
2O ist). Der Index n bestimmt dann die Menge an H
2O in der Lösung. Des Weiteren wird bevorzugt eine wässrige Lösung an Alkalisilikat
verwendet, die einen Feststoffgehalt von nicht mehr als etwa 60 Gew.-%, bezogen auf
die gesamte Lösung, hat.
[0029] Bevorzugt werden etwa 0,5 bis etwa 8 Gew.-%, bezogen auf das Gewicht des Formgrundstoffs
des Wasserglases, zugegeben. Zusätzlich kann bevorzugt ein Haftvermittler in einer
Menge von bis zu etwa 0,5 Gew.-%, vorzugsweise etwa 0,1 bis etwa 0,2 Gew.-%, bezogen
auf das Gewicht des Formgrundstoffs, zugegeben werden. Bevorzugt ist der Haftvermittler
eine wässrige Lösung von Natronlauge, insbesondere eine etwa 10 bis etwa 50%ige, besonders
bevorzugt eine 30%ige Natronlauge. Insbesondere bevorzugt wird der Haftvermittler
dem Formgrundstoff in Schritt b) vor der Zugabe der wässrigen Lösung von Wasserglas
zugegeben.
[0030] Bevorzugt wird anschließend an die Zugabe des Haftvermittlers die wässrige Lösung
von Wasserglas zugegeben.
[0031] Sodann wird bevorzugt ein Fließverbesserer oder Verbesserungsmittel für die Gussoberfläche
bevorzugt in Mengen bis zu etwa 3 Gew.-%, bezogen auf das Gewicht des Formgrundstoffs,
zugegeben. Insbesondere bevorzugt wird zunächst eine wässrige Suspension aus amorphem
SiO
2, bevorzugt in einer Menge bis zu etwa 3 Gew.-%, insbesondere etwa 0,6 bis etwa 1,0
Gew.-%, bezogen auf das Gewicht des Formgrundstoffs, und sodann bevorzugt eine wässrige
Suspension aus amorphem SiO
2 und Graphit, bevorzugt in einer Menge von bis zu etwa 3 Gew.-%, insbesondere etwa
0,6 bis etwa 1,0 Gew.-%, bezogen auf das Gewicht des Formgrundstoffs, dazugegeben.
Die wässrige Suspension ist bevorzugt etwa 10 bis etwa 80%ig, insbesondere etwa 30
bis etwa 60%ig. Zum Abschluss wird bevorzugt in Schritt b) ein Fließverbesserer und/
oder Trennmittel in einer Menge von bis zu etwa 1 Gew.-%, insbesondere bis etwa 0,8
Gew.-%, bezogen auf das Gewicht des Formgrundstoffs, zugegeben, insbesondere bevorzugt
ein Silikonöl und/ oder eine Silikonölemulsion.
[0032] Außerdem ist es auch möglich, auf die Zugabe aller Additive zu verzichten, so dass
die Mischung nur aus dem Formgrundstoff und dem Wasserglas besteht.
[0033] In einer besonders bevorzugten Ausführungsform wird Schritt b) durchgeführt, indem
zunächst ein Haftvermittler, bevorzugt Natronlauge, sodann das Bindemittel, nämlich
die gegebenenfalls wässrige Lösung von Wasserglas, anschließend ein Fließverbesserer
und/ oder Verbesserungsmittel für die Gussoberfläche, insbesondere bevorzugt eine
wässrige Suspension aus amorphem SiO
2 und sodann amorphes SiO
2 und Graphit zugegeben wird, gefolgt von der Zugabe eines Fließverbesserers und/oder
Trennmittels, insbesondere von Silikonöl oder einer Silikonölemulsion. Insbesondere
bevorzugt wird nach der Zugabe jeder einzelnen Komponente das Gemisch mittels des
Mischers homogenisiert. In einer alternativen Ausführungsform wird nach Zugabe aller
Komponenten das Gemisch mittels des Mischers homogenisiert.
[0034] In einer anderen bevorzugten Ausführungsform kann in Schritt b) bereits trockenes/festes
Wasserglas oder ein Gemisch aus wässrigem und trockenem/festen Wasserglas zugegeben
werden, wodurch es im Falle der Zugabe von trockenem/festem Wasserglas nicht erforderlich
ist, das Gemisch zu trocknen. In dieser Ausführungsform dient das Mischen der Herstellung
eines möglichst gleichmäßigen Gemisches.
[0035] In Schritt c) wird sodann der Kern- oder Formsand getrocknet. Zum Trocknen wird bevorzugt
die durch den Mischer in das Gemisch eingetragene Reibungsenergie verwendet. Hierzu
wird insbesondere bevorzugt, ein Flügelmischer verwendet, der eine Drehzahl von 160
U/min hat und es wird bevorzugt 1h lang gemischt wird. Durch die Erwärmung unter ständiger
Verwirbelung wird dem Gemisch Wasser entzogen. Erfindungsgemäß wird der Wassergehalt
des Wasserglases, mit dem der Formgrundstoff durch das Mischen und die Dehydratation
beschichtet oder gemischt wird, auf einen Gehalt im Bereich von ≥ etwa 0,25 Gew.-%
bis etwa 0,9 Gew.-% eingestellt. Dadurch wird ein Kern- oder Formsand erhalten, der
mit einer festen Beschichtung an Wasserglas versehen ist. Der Formgrundstoff, der
nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erhalten wird, ist somit mit Wasserglas beschichtet,
wobei gleichzeitig ein rieselfähiger Kern- oder Formsand erhalten wird, der außerdem
lagerstabil ist.
[0036] Das Trocknen kann mit jeder beliebigen Vorrichtung durchgeführt werden, solange sichergestellt
ist, dass der Wassergehalt der Wasserglasbeschichtung des Formgrundstoffs eingehalten
wird. Bevorzugt kann dazu auch eine externe Heizung, Heißluft, Strahlungsheizung,
Vakuum, bzw. Unterdruck oder ein Heizmantel verwendet werden.
[0037] Nach dem Mischen können dem Kern- oder Formsand weitere Hilfsstoffe zugegeben werden,
wie Rieselhilfen, Trocknungsmittel, Fließverbesserer, Verbesserungsmittel für die
Gussoberfläche oder Trennmittel. Bevorzugt wird von jedem Hilfsstoff eine Menge von
bis zu etwa 2 Gew.-%, bezogen auf das Gewicht des Formgrundstoffs.
[0038] Bevorzugt kann dem Formgrundstoff vor Schritt c) zusätzlich wenigstens ein weiteres
Additiv, ausgewählt aus der Gruppe, bestehend aus Haftvermittler, Fließverbesserer,
Verbesserungsmittel für die Gußoberfläche und Trennmittel zugegeben werden. Außerdem
kann bevorzugt dem Kern- oder Formsand nach Schritt c) wenigstens ein weiterer Hilfsstoff,
ausgewählt aus der Gruppe, bestehend aus Rieselhilfen, Trocknungsmittel, Fließverbesserer,
Verbesserungsmittel für die Gußoberfläche und Trennmittel zugegeben werden.
[0039] Bevorzugt kann der so erhaltene Kern- oder Formsand sodann zur Abscheidung von Agglomeraten
gesiebt werden.
[0040] Der so erhaltene erfindungsgemäße Kern- oder Formsand kann sodann direkt verwendet
werden, um einen Kern oder ein Formteil herzustellen. Der erfindungsgemäße Kern- oder
Formsand kann jedoch auch lose oder verpackt gelagert werden und ist wegen seiner
Konsistenz nahezu unbegrenzt lagerfähig. Damit kann der erfindungsgemäße Kern- oder
Formsand getrennt von einem Verfahren zur Herstellung des Formteils hergestellt und
gelagert, verpackt oder transportiert werden, was für die Gießereien und die Hersteller
von Kern und Formteilen eine erhebliche Arbeitserleichterung und Zeitersparnis bedeutet.
[0041] Insbesondere bevorzugt umfasst der erfindungsgemäße Kern- und Formsand keine organischen
Additive oder Zusatzstoffe, so dass bei dessen Verwendung keine umweltschädlichen
Stoffe entstehen.
[0042] Der erfindungsgemäße Kern- oder Formsand wird sodann vorteilhaft in einem Verfahren
zum Herstellen einer Gießform bzw. eines Kerns oder Kernformlings zum Vergießen von
Metallschmelzen eingesetzt. Dazu wird zunächst für die Kernherstellung a) ein erfindungsgemäßer
Kern- oder Formsand bereitgestellt und b) ein Kernwerkzeug oder Werkzeug mit dem erfindungsgemäßen
Kern- oder Formsand befüllt. Das Einfüllen kann z.B. durch Rieseln, Blasen und/oder
Schießen mit einem Trägermedium z.B. Druckluft, Heißluft oder Wasserdampf durchgeführt
werden. Dies kann mittels einer handelsüblichen Kernschießmaschine oder auch durch
Saugförderung und anschließendem Blasen erfolgen. Bevorzugt wird sodann der Kern-
oder Formsand im Kernwerkzeug verdichtet.
[0043] Zum Aushärten und Verfestigen des Kern- oder Formsands zur Bildung des Kerns wird
c) der Kern- oder Formsand im Werkzeug mit wenigstens einem Härtungsmittel, vorzugsweise
Wasser, Wasserhaltigen Flüssigkeiten und/oder chemischen Härtungsmitteln, wie CO
2, in Kontakt gebracht. Bevorzugt wird dazu Wasserdampf verwendet. Der Wasserdampf
wird dazu bevorzugt in das Werkzeug eingebracht. Der Wasserdampf kann z.B. mittels
einer Begasungsplatte über die Einschüsse und/oder durch den Dampfanschluss an die
Werkzeugentlüftungen in den Formstoff eingebracht werden. Insbesondere bevorzugt wird
ein Wasserdampf-Luftgemisch verwendet, das vorzugsweise eine Menge an Wasser bis etwa
6 Gew.-% bezogen auf den Formgrundstoff, insbesondere 3-4 Gew.-% enthält. Der Druck
ist bevorzugt bis zu etwa 10bar, insbesondere etwa 0,5 bis etwa 1,5 bar.
[0044] Zur Herstellung einer Gießform bzw. eines Kerns oder Kernformlings wird somit der
erfindungsgemäße Kern- oder Formsand in ein Kernwerkzeug bzw. Formwerkzeug gebracht,
vorzugsweise durch Schießen oder Schütten, und anschließend vorzugsweise verdichtet.
Die Verdichtung erfolgt vorzugsweise durch Rütteln und Pressen. Zum Aushärten und
Verfestigen des Kern- oder Formsands zur Bildung des Kerns wird der Kern- oder Formsand
im Werkzeug bevorzugt mit einer wässrigen Lösung oder Wasser in Kontakt gebracht.
Bevorzugt wird dazu Wasserdampf verwendet. Das Inkontaktbringen mit Wasser, insbesondere
Wasserdampf, kann bevorzugt während des Schritts b) beispielsweise im zeitlichen Zusammenhang
mit dem Befüllen, insbesondere dem Schießen des Kern- oder Formsands, oder nach dessen
Einfüllen in einem getrennten Schritt c) durchgeführt werden.
[0045] Durch das Inkontaktbringen mit Wasser wird die Wasserglasbeschichtung des erfindungsgemäßen
Kern- oder Formsands angelöst und erweicht. Durch das Erweichen der Wasserglasbeschichtung
bilden sich Binderbrücken zwischen den Partikeln des Kern- oder Formsands.
[0046] Anschließend wird bevorzugt der Kern verfestigt, insbesondere, indem das Wasser entfernt
wird oder auf chemischem Wege. Dies kann bevorzugt dadurch erreicht werden, dass im
Anschluss Energie, in Form eines Wärmeträgermediums, wie in Form von heißer Luft oder
eines Wasserdampf-Luftgemisch, das durch den Kern geleitet wird, in den Kern eingebracht
wird. In einer weiteren Ausführungsform kann das Wasser entfernt werden, indem ein
Unterdruck an das Werkzeug angelegt wird. Durch das Entfernen des Wassers verfestigt
sich das Wasserglas und es wird ein stabiles, festes Formteil erhalten. Es handelt
sich somit um einen im Wesentlichen physikalischen Vorgang, ohne dass zusätzliche
chemische Reaktionen notwendig wären.
[0047] In einer alternativen Ausführungsform kann jedoch als Härtungsmittel CO
2 verwendet werden und die Verfestigung wird damit im Wesentlichen chemisch durchgeführt.
In einer weiteren Ausführungsform können auch beide Verfahren zum Verfestigen entweder
gleichzeitig oder auch nacheinander durchgeführt werden. Nach dem Aushärten oder Verfestigen
(Trocknen) des Formteils kann das Werkzeug geöffnet und das fertige Fonnteil, bspw.
ein Kern, entnommen werden.
[0048] In einer weiteren Ausführungsform kann der Kern innerhalb des Kernwerkzeugs nur vorverfestigt,
beispielsweise vorgetrocknet werden, bis der Kern eine ausreichende Festigkeit aufweist,
um aus dem Kernwerkzeug entnommen zu werden. Danach kann der vorverfestigte Kern außerhalb
des Kernwerkzeugs weiter verfestigt werden, insbesondere kann der vorgetrocknete Kern
beispielsweise in einer Mikrowelle, einem Ofen, oder einer Trockenkammer fertig getrocknet
werden.
[0049] In einer bevorzugten Ausführungsform wird das Werkzeug zur Bildung des Kerns- bzw.
Formteils während aller Schritte b) bis c) auf eine Temperatur von Raumtemperatur
oder etwa 20°C bis etwa 200°C, bevorzugter etwa 70°C bis etwa 160°C, insbesondere
etwa 70 bis etwa 120°C erwärmt. Außerdem ist es möglich, das Inkontaktbringen des
Formteils mit Wasser, bevorzugt mit Wasserdampf, in zeitlichem Zusammenhang mit dem
Einfüllen des Kern- oder Formsands in den das Formteil abbildenden Hohlraum durchzuführen,
wie bereits vorgehend beschrieben. Damit wird vorteilhaft sichergestellt, dass bei
Verwendung von Wasserdampf kein flüssiges Wasser im Werkzeug gebildet wird bzw. am
Werkzeug kondensiert. Außerdem kann dann unmittelbar nach Einfüllen und Inkontaktbringen
des Kern- oder Formsands mit Wasser diesem das Wasser wiederum entzogen werden, beispielsweise
indem das Werkzeug auf die genannten Temperaturen erwärmt ist. Außerdem kann das Wasser
zusätzlich oder alternativ unter Verwendung von Heißluft und/oder Beaufschlagen mit
warmem Trägergas und/oder durch Anlegen eines Unterdrucks/Vakuums entzogen werden.
Die Dauer des Inkontaktbringens mit Wasser kann beispielsweise für etwa 5 min bis
etwa 3 h durchgeführt werden.
[0050] Vorstehend wird das Verfahren bevorzugt mit einem Ablauf der Schritte a) bis c) beschrieben.
Es ist jedoch auch eine andere Reihenfolge der Schritte möglich und im Sinne dieser
Erfindung.
[0051] Der erfindungsgemäße Kern oder die erfindungsgemäße Gießform hat bevorzugt eine Biegefestigkeit
von wenigstens etwa 300 N/cm
2, bevorzugter wenigstens etwa 400 N/cm
2 und insbesondere wenigstens etwa 450 N/cm
2. Die Biegefestigkeit des Kerns wird entsprechend dem VDG Merkblatt P 72 "Bindemittelprüfung,
Prüfung von kalthärtenden, kunstharzgebundenen feuchten Formstoffen mit Härterzusatz"
vom Oktober 1999 geprüft.
[0052] Ein solcher, erfindungsgemäße hergestellter Kern kann dann zur Herstellung einer
Gießform zum Vergießen von Metallschmelzen eingesetzt werden.
[0053] Das erfindungsgemäße Verfahren und der erfindungsgemäße Formsand haben den Vorteil,
dass der erfindungsgemäße Formsand auf Grund seiner Rieselfähigkeit ein ähnliches
Schießverhalten, wie der im vorstehend beschriebenen Croning-Verfahren verwendete
Kern- oder Formsand hat und damit ohne zusätzliche Schritte zuverlässig in ein Form-
bzw. Kernwerkzeug eingebracht werden kann. Im Gegensatz zum Croning-Verfahren kann
das erfindungsgemäße Verfahren jedoch durch rein physikalische Schritte zur Verfestigung
des Formteils durchgeführt werden, wobei keinerlei umweltschädigende Substanzen gebildet
werden. Dies ist vorteilhaft, da beim Abgießen des flüssigen Metalls keine aufwändigen
Absauganlagen in der Gießerei vorgehalten werden müssen und die Angestellten keinen
gesundheitsgefährdenden Gasen wie Phenolverbindungen ausgesetzt sind. Das Recycling
und die Entsorgung des verwendeten anorganischen Kern- oder Formsands sind problemlos
möglich. Während des erfindungsgemäßen Verfahrens, im Gegensatz zum Croning-Verfahren,
können zur Verfestigung deutlich niedrigere Temperaturen verwendet werden, was zu
einer erheblichen Energieeinsparung führt. Außerdem hat sich als vorteilhaft herausgestellt,
dass bei der Verwendung der anorganisch gebundenen Kerne im Kokillenguss Kondensationsprodukte
in der Kokille deutlich vermindert werden. Damit ergibt sich ein geringerer Reinigungsaufwand
der Kokille nach dem Abguss und dadurch eine höhere Kokillenverfügbarkeit, wodurch
eine Produktivitätssteigerung erreicht werden kann. Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
können Formteile hergestellt werden, die eine gute Abbildungsgenauigkeit und hohe
Kantenschärfe haben.
[0054] Des Weiteren betrifft die Erfindung ein Kernwerkzeug bzw. Formwerkzeug zur Herstellung
eines Kernformlings bzw. einer Gießform. Das Kernwerkzeug ist entsprechend herkömmlichen
Kernwerkzeugen ausgestattet, die zur Herstellung einer Gießform geeignet sind, wobei
wenigstens einen Anschluss, der zum Einleiten eines Härtungsmittels, wie beispielsweise
Wasserdampf oder einem chemischen Härtungsmittel geeignet ist, vorgesehen ist. Gegebenenfalls
können weitere Öffnungen in dem Kernwerkzeug angebracht sein, aus welchen das Härtungsmittel,
wie der Wasserdampf oder das chemische Härtungsmittel, wiederum entweichen kann. Insbesondere
umfasst das Kernwerkzeug eine geeignete Form zur Herstellung des gewünschten Kernformlings
bzw. Gießform sowie wenigstens einen Anschluss zum Einbringen bzw. Einschießen des
Kern- und Formsand, sowie wenigstens einen Anschluss für das Einleiten eines Härtungsmittels,
wie Wasserdampf oder ein chemisches Härtungsmittel. Die Anschlüsse können jedoch auch
zusammen in einem Anschluss vorgesehen werden, d.h. ein Anschluss, der sowohl zum
Einschießen des Kern- und Formsands als auch des Härtungsmittels, wie Wassers und/oder
des chemischen Härtungsmittels geeignet ist. Der Anschluss kann auch eine Begasungsplatte,
gleichzeitig die Einschüsse und/oder ein getrennter Dampfanschluss an den Werkzeugentlüftungen
sein. Das Kernwerkzeug ist bevorzugt zweiteilig ausgebildet, um den Kernformling bzw.
die Gießform nach der Herstellung einfach zu entnehmen.
[0055] Die Erfindung wird nunmehr anhand von Beispielen verdeutlicht.
Beispiel 1:
Herstellung des Kern- oder Formsands:
[0056] Bindergattierung:
| Formgrundstoff: |
Quarzsand H32 |
| 1. Haftvermittler: |
0,1 Gew.-% NaOH |
| 2. Binder: |
3,0 Gew.-% Wasserglas (Modul 2,5; 48% Feststoff) |
| 3. Fließverbesserer/ |
0,8 Gew.-% Suspension aus amorphem SiO2 und |
| Verbesserungsmittel |
Wasser (50%ig) |
| für die Gussoberfläche |
|
| 4. Rieselhilfe |
0,5 Gew.-% amorphes SiO2 |
(Die Mengenangaben beziehen sich auf die Masse des eingesetzten Formgrundstoffs)
[0057]
| Mischaggregat: |
| Mischertyp: |
Flügelmischer |
| Drehzahl: |
160 U/min |
| Mischzeit: |
1h |
[0058] Die erforderliche Wärmeenergie wurde vollständig durch die entstehende Reibungsenergie
eingebracht. Alternativ könnte die Mischzeit durch die Verwendung eines anderen Mischaggregats
oder einer externen Wärmequelle, bzw. eines Unterdrucks erheblich reduziert werden.
[0059] Die Abscheidung der Agglomerate erfolgte mit Hilfe eines Siebes mit der Maschenweite
von 1mm.
[0060] Eine Vergleichsmessung der Rieselfähigkeit des in Beispiel 1 hergestellten Formsands
mit verschiedene anderen Kern- und Formsanden ist in Tabelle 1 gezeigt:
Vergleichmessung mit einem Rieselfähigkeitsprüfgerät der Firma Karg Industrietechnik:
je 350g Formsand, Auslauf Ø15mm
Tabelle 1
| Formsand |
Durchlaufmenge |
Durchlaufzeit |
| Quarzsand H32 (ohne Binder) |
350g |
3,5s |
| Croning (H32) |
350g |
3,3s |
| Wasserglasbeschichteter, trockener H32 gemäß Beispiel 1 |
350g |
3,3s |
| Cold-Box (H32) |
8,2g |
nach 5s abgebrochen |
| AWB-Sand (H32) |
6,1g |
nach 5s abgebrochen |
| Hot-Box (H32) |
4,8g |
nach 5s abgebrochen |
| Furanharz |
2,3g |
nach 5s abgebrochen |
Wie der Tabelle zu entnehmen ist, hat der nach Beispiel 1 hergestellte Kern- oder
Formsand eine genauso gute Rieselfähigkeit, wie ein nach Croning hergestellter und
ist den anderen herkömmlichen Kernsanden überlegen.
Kernherstellung:
[0061] Werkzeugparameter:
| Kern: |
Biegeriegel (2Stk.) |
| |
(Abmaße: 22,5mm x 22,5mm x 185mm) |
| Werkzeugtemperatur: |
80°C |
| Einbringen des Formsands: |
Schütten |
| Temperatur Wasserdampf-Luftgemisch: |
>105°C |
| Druck des Wasserdampf-Luftgemischs: |
1bar |
| Wassermenge im Dampf-Luftgemisch: |
13mL |
| Dauer: |
30s |
Heißluft-Trocknung:
[0062]
| Heißlufttemperatur: |
160°C |
| Begasungsdruck: |
1bar |
| Dauer: |
30s |
| Durchschnittliches Kemgewicht: |
137g |
Beispiel 2:
Vergleichsversuche zwischen einem erfindungsgemäßen, wasserglasumhüllten Formstoff
und einem Umlaufkernsand
[0063] Für die Versuche wurden die in Beispiel 1 angegeben sowie die folgenden weiteren
Formstoffmischungen verwendet:
- Wasserglasumhüllter Formstoff
H32 + 0,1% Additiv A + 5,0% Wasserglasbinder (Modul 2,5) + 0,8% Additiv C
- Umlaufkernsand (thermisch und mechanisch belastet)
H32 + 0,1% Additiv A + 5,0% Wasserglasbinder (Modul 2,5)
Rieselfähigkeit
[0064] Die Bestimmung der Rieselfähigkeit wurde bei einer Probenmenge von 350g in einem
Messtrichter mit einem Innendurchmesser an dessen oberen, weiten Rand von 90 mm und
einer Trichterhöhe von insgesamt 95 mm und einer Länge 32 mm und einem Innendurchmesser
des Ausflussrohres von 15 mm bei Raumtemperatur von etwa 20 °C gemessen.
[0065] Versuchsergebnis:
- Croning-Formstoff Rieselzeit: 2,9s ; 3,0s; 3,1s => 3,0s (100%)
- Wasserglasumhüllter Formstoff Rieselzeit: 3,3s ; 3,4s; 3,2s => 3,3s (90%)
- H32 Neusand Rieselzeit: 3,6s ; 3,5s; 3,5s => 3,5s (82%)
- Umlaufkernsand Rieselzeit: 3,7s ; 3,5s; 3,6s => 3,6s (80%)
[0066] Aus den Versuchen ergibt sich, dass die Rieselfähigkeit des Umlaufkernsandes wesentlich
schlechter ist, als die des erfindungsgemäßen umhüllten Formstoffs.
Wasser- bzw. Feuchteanteil (bezogen auf den Formstoff)
[0067] Ofentemp.: 105°C; bis zur Gewichtskonstanz nach VDG Merkblatt P32 Abschnitt 4.1 vom
April 1997
| |
Tara [g] |
Nettogewicht [g] |
Bruttogewicht [g] |
Auswaage [g] |
Verlust [g] |
Verlust [%] |
| umhüllter Formsand |
20,4270 |
6,4748 |
26,9018 |
26,8778 |
0,024 |
0,37 |
| 19,6693 |
6,5116 |
26,1809 |
26,1553 |
0,0256 |
0,39 |
| 19,8674 |
6,3598 |
26,2272 |
26,2023 |
0,0249 |
0,39 |
| |
0,0248 |
0,38 |
| Umlaufkernsand |
22,219 |
5,2559 |
27,4749 |
27,466 |
0,0089 |
0,17 |
| 23,7532 |
5,0026 |
28,7558 |
28,7467 |
0,0091 |
0,18 |
| |
0,0095 |
0,18 |
[0068] Der wasserglasumhüllte Formstoff besitzt nach dem Herstellungsprozess noch einen
Wassergehalt bzw. Feuchteanteil (bezogen auf das Formstoffgewicht) von 0,38%.
[0069] Der Umlaufkernsand (thermisch und mechanisch belastet) hat nur einen Feuchteanteil
von 0,18%.
Biegefestigkeit:
[0070] Zur Ermittlung der Biegefestigkeit wurden aus beiden Formstoffmischungen Versuchskerne
(Probestäbe) hergestellt und die Biegefestigkeit gemessen.
[0071] Versuchsparameter:
| Werkzeugtemperatur: |
60°C |
| Begasungsdruck (Wasserdampf): |
1,1bar |
| Begasungsdauer (Wasserdampf): |
60s |
| Trocknung mittels Unterdruck |
|
[0072] Das Ergebnis war, dass der wasserglasumhüllte erfindungsgemäße Formstoff eine durchschnittliche
Biegefestigkeit von 481N/cm
2 aufwies, während der Umlaufkernsand nicht bindefähig war und daraus keine Kerne hergestellt
werden konnten.
[0073] Eine Herstellung von Kernen durch das Einbringen von Wasserdampf ist mit dem Umlaufkernsand
somit nicht möglich, und es konnte keine Bindung erzielt werden.
1. Kern- oder Formsand verwendbar zur Herstellung von Kernen und Gießformen zum Vergießen
von Metallschmelzen, umfassend einen Formgrundstoff, beschichtet mit Wasserglas und
einem Wassergehalt im Bereich von ≥ etwa 0,25 Gew.-% bis etwa 0,9 Gew.-%, bezogen
auf das Gesamtgewicht des Kern- und Formsands.
2. Kern- oder Formsand nach Anspruch 1, wobei das Wasserglas zusätzlich wenigstens ein
weiteres Additiv, ausgewählt aus der Gruppe, bestehend aus Haftvermittler, Fließverbesserer,
Verbesserungsmittel für die Gußoberfläche, Trocknungsmittel und Trennmittel umfasst.
3. Kern- oder Formsand nach einem der vorstehenden Ansprüche, wobei der Formgrundstoff
ausgewählt ist aus der Gruppe, bestehend aus mineralischen und synthetischen Sanden,
wie Quarzsand, Chromerzsand, Zirkonsand, nahezu kugelförmigen Sanden und Olivinsand.
4. Kern- oder Formsand nach einem der vorstehenden Ansprüche, wobei der Formgrundstoff
eine mittlere Korngröße von etwa 0,08 mm bis etwa 0,5 mm hat.
5. Verfahren zur Herstellung eines Kern- oder Formsands nach einem der vorstehenden Ansprüche,
umfassend die Schritte
a) Bereitstellen eines Formgrundstoffes
b) Zugeben von Wasserglas, und
c) Trocknen des Kern- oder Formsand, so dass der Wassergehalt im Bereich von ≥ etwa
0,25 Gew.-% bis etwa 0,9 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht des Kern- und Formsands
liegt.
6. Verfahren nach Anspruch 5, wobei das erhaltene Gemisch nach jedem Zugabeschritt homogenisiert
wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 oder 6, wobei Schritt c) durch das Eintragen
von Reibungsenergie beim Mischen oder zusätzlichen Wärmeeintrag, vorzugsweise mittels
Heißluft, Strahlungsheizung, Heizmantel, oder durch Anlegen von Vakuum oder Unterdruck
durchgeführt wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 7, wobei Schritt c) bei einer Temperatur
von Raumtemperatur bis 160 ° C und für einen Zeitraum abhängig von der Masse von 5
min bis 3 h durchgeführt wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 8, bei der Kern- oder Formsand nach Schritt
c) gesiebt wird.
10. Kern- oder Formsand für Formteile einer Gießform zum Vergießen von Metallschmelzen,
erhältlich durch ein Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 9.
11. Verfahren zum Herstellen eines Formteils einer Gießform zum Vergießen von Metallschmelzen,
umfassend
a) Bereitstellen eines Kern- oder Formsand nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
b) Einfüllen des Kern- oder Formsand in einen das Formteil abbildenden Hohlraum,
c) In Kontakt bringen des Kern- oder Formsand mit wenigstens einem Härtungsmittel
vor, während und/oder nach dem Einfüllen in Schritt b) und Verfestigen des Formteils.
12. Verfahren nach Anspruch 11, wobei Schritt c) durch in Kontakt bringen mit Wasserdampf
durchgeführt wird.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 11 oder 12, wobei Schritt b) und c) gleichzeitig
durchgeführt werden.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 11 bis 13, wobei während wenigstens einem der Schritte
b) bis c) der das Formteil abbildende Hohlraum auf eine Temperatur im Bereich von
etwa 20°C bis etwa 160 °C, insbesondere 60 bis 120°C, erwärmt ist.
15. Verfahren nach Anspruch 14, wobei der das Formteil abbildende Hohlraum während aller
Schritte b) bis c) erwärmt wird.
16. Formteil einer Gießform zum Vergießen von Metallschmelzen, erhältlich durch ein Verfahren
nach einem der Ansprüche 11 bis 15.
17. Verwendung eines Kern- oder Formsand nach einem der Ansprüche 1 bis 4 zur Herstellung
eines Formteils einer Gießform zum Vergießen von Metallschmelzen.
18. Kernwerkzeug geeignet zur Herstellung eines Formteils einer Gießform zum Vergießen
von Metallschmelzen, umfassend wenigstens eine Gussform mit wenigstens einem Anschluss
zum Einbringen des Kern- oder Formsand sowie wenigstens einen Anschluss für das Einleiten
eines Härtungsmittels, gegebenenfalls in Form von Wasserdampf, oder mit wenigstens
einem Anschluss, der sowohl für das Einbringen des Kern- oder Formsands als auch das
Einleiten eines Härtungsmittels geeignet ist.