[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen Wagenkastenrohbau, insbesondere für ein
Schienenfahrzeug, mit einem Dachbereich, einem Bodenbereich, und einem zwischen dem
Dachbereich und dem Bodenbereich angeordneten Seitenbereich, wobei der Seitenbereich
eine Mehrzahl von Stabilisierungselementen mit dazwischen liegenden funktionellen
Abschnitten zur Aufnahme funktioneller Elemente unterschiedlicher Funktion aufweist,
durch jeweils zwei voneinanderbenachbarte Stabilisierungselemente die Funktion des
dazwischen liegenden funktionellen Abschnitts definiert ist. Weiterhin betrifft die
Erfindung ein Verfahren zum Umrüsten eines Wagenkastenrohbaus. Ferner betrifft die
Erfindung ein Schienenfahrzeug.
[0002] Wagenkastenrohbauten, insbesondere für Schienenfahrzeuge, werden bislang üblicherweise
nur an während der Konstruktionsphase fest definierten Abschnitten mit Türen oder
Fenstern als funktionellen Elementen versehen. Diese definierten Abschnitte sind strukturell
mit fixen Verstärkungen, beispielsweise Säulen oder Ringspanten, umgeben, sodass diese
stabilisierenden Elemente funktionsgerecht an die Tür oder das Fenster angepasst sind.
Eine Tür erfordert beispielsweise deutlich steifere Stabilisierungselemente als Fenster.
Jedoch greifen stärkere Stabilisierungselemente wie beispielsweise Türsäulen weit
ins Innere des Wagenkastenrohbaus aus, sodass die Ausgestaltung des Inneren des Wagenkastens,
insbesondere die Anordnung von Bauelementen, beispielsweise Sitzreihen, im Inneren,
aber auch sonstige Installationen wie die Klimatisierung und die Verkabelung unter
Berücksichtigung dieser räumlichen Einschränkung vorgenommen werden müssen. Die Freiheit
der Aufteilung des Innenraums wird damit beeinträchtigt.
[0003] Im modernen Verkehrswesen ist es mittlerweile üblich, Fahrzeuge, beispielsweise Schienenfahrzeuge,
auf Zeit zu mieten und lediglich für einen bestimmten Zeitraum - beispielsweise für
die Verkehrsvertragsdauer - auf einer bestimmten Strecke einzusetzen. Endet dieser
Zeitraum, bevor die Lebensdauer des Fahrzeugs verstrichen ist, ist es ökonomisch geboten,
das entsprechende Fahrzeug auf einer anderen Strecke einzusetzen. Für diesen neuen
Einsatz können jedoch andere Nutzungsanforderungen bestehen. Schwierigkeiten können
dann auftreten, wenn die geänderten Nutzungsanforderungen beispielsweise eine Änderung
der Anordnung der Türen und Fenster des Fahrzeugs notwendig machen. Ein Schienenfahrzeug,
welches beispielsweise im Fernverkehr eingesetzt wurde, hat einen im Vergleich zum
Nahverkehr geringeren zu erwartenden Fahrgastfluss, weshalb im Fernverkehr weniger
Türen am Wagenkasten erforderlich sind als beispielsweise in einer S-Bahn, welche
im Nahverkehr eingesetzt wird. Die Möglichkeit der Anpassung der Schienenfahrzeuge
ist aber mit einem hohen Aufwand verbunden und reduziert damit die Einsatzflexibilität
der bekannten Schienenfahrzeuge.
[0004] Eine Möglichkeit, die Zahl der Türen an einem Wagenkasten nachträglich zu erhöhen,
beispielsweise um einen besseren Fahrgastfluss während der Einstiegs- und Ausstiegsphasen
gewährleisten zu können, besteht darin, an dem Wagenkastenrohbau Blindtürabschnitte
vorzusehen, das heißt, funktionelle Abschnitte, welche von Türsäulen umgeben sind,
obwohl noch kein Türmodul eingefügt ist. Allerdings schränken derartige Blindtürabschnitte
durch die raumgreifende Ausgestaltung der vorgehaltenen Türsäulen den Innenraumbereich
des Wagenkastens weiter ein, und können überdies einen visuell nachteiligen Eindruck
hervorrufen.
[0005] In der Patentanmeldung
WO 2007/074145 A1 wird ein Schienenfahrzeug mit einem Wagenkasten offenbart, welcher in einem Reisebereich
einen Umrüstbereich aufweist, wobei der Umrüstbereich zur Umrüstung zu einem Einstiegsbereich
vorbereitet ist. Die Umrüstung wird durch den Austausch eines im Umrüstbereich angeordneten
Seitenwandmoduls gegen ein Einstiegstürmodul vorgenommen. Diese Umrüstung kann jedoch
nur durch die vollständige Entfernung der in dem entsprechenden Bereich angeordneten
Stabilisierungselemente und dem Einsetzen der entsprechend angepassten Stabilisierungselemente
erreicht werden.
[0006] Der im
Journal Stadtverkehr, Ausgabe 5/08 (53. Jahrgang), Seiten 6 bis 12, erschienene Artikel "Die ersten Alstom Coradia Lirex Continental fahren" offenbart
einen Wagenkastenrohbau, welcher funktionelle Abschnitte für Türen und für Fenster
aufweist. Zusätzliche Türen können gemäß dem Artikel in die Wagenkastenrohbaustruktur
eingebracht werden, indem das bestehende Seitenpaneel des funktionellen Abschnitts,
beispielweise ein Fensterpaneel, herausgeschnitten und ein entsprechend angepasstes
Türmodul eingesetzt wird. Die hierfür notwendigen Türsäulen sind bereits im Wagenkastenrohbau
in dem dafür vorgesehenen Seitenpaneel eingeschweißt und verbleiben offenkundig auch
dort, wenn die nachgerüstete Tür wieder entfernt und wieder auf einen anderen funktionellen
Abschnitt, beispielsweise wieder ein Fensterpaneel, rückgerüstet wird. An dieser Vorgehensweise
ist jedoch nachteilig, dass die permanent vorhandenen Türsäulen aufgrund ihrer festigkeits-
und funktionsbedingten Quererstreckung in den Wagenkasten hinein visuell störend wirken
und einen freizügigen Innenausbau behindern, solange sie nicht für den Anbau eines
Türmoduls benötigt werden. Insbesondere behindern sie eine freizügige Änderung des
Sitzteilers (also des Abstands benachbarter Sitzreihen im Innenausbau). Wegen der
visuellen Störung und funktionellen Behinderung des Innenausbaus ist zu erwarten,
dass je Wagenkastenseite höchstens ein funktioneller Abschnitt für eine solche Umrüstung
ausgebildet ist, wodurch die Möglichkeit entfällt, mehrere solcher funktionellen Abschnitte
pro Wagenkastenseitenwand vorzusehen und damit eine größere Freizügigkeit zu erreichen,
in welchem der funktionellen Abschnitte eine solche Umrüstung erfolgen kann,.
[0007] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zu Grunde, einen Wagenkastenrohbau
sowie ein Schienenfahrzeug anzugeben, welche eine erhöhte Flexibilität hinsichtlich
ihrer Einsatzmöglichkeiten aufweisen. Weiterhin liegt der vorliegenden Erfindung die
Aufgabe zu Grunde, ein Verfahren zum Umrüsten eines Wagenkastens anzugeben, mit welchem
ein Wagenkasten auf einfache Weise an geänderte Nutzungsanforderungen angepasst werden
kann.
[0008] Gemäß einem ersten Aspekt der Erfindung wird die Aufgabe durch einen Wagenkastenrohbau
gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1 dadurch gelöst, dass zumindest ein Teil
der Stabilisierungselemente zur Veränderung der Funktion wenigstens eines der funktionellen
Abschnitte anpassbar ausgebildet ist.
[0009] Es hat sich herausgestellt, dass sich die Flexibilität eines Wagenkastenrohbaus hinsichtlich
seiner Einsatzmöglichkeiten erweitern lässt, indem im Seitenbereich des Wagenkastenrohbaus
durch Stabilisierungselemente funktionelle Abschnitte definiert werden, welche in
jeweils einer von mehreren Funktionen ausgebildet werden können (beispielsweise durch
Vorsehen eines Türmoduls mit einer Türfunktion oder eines Fenstermoduls mit einer
Fensterfunktion) und welche umrüstbar sind, sodass ihre Funktion geändert werden kann.
Dabei ist es aber nicht erforderlich, die gesamte Struktur der im funktionellen Abschnitt
angeordneten und an den funktionellen Abschnitt angrenzenden Stabilisierungselemente
auszutauschen. Vielmehr ist es möglich, bei einer Umrüstung des funktionellen Abschnitts,
und damit auch des Wagenkastenrohbaus, die an den funktionellen Abschnitt angrenzenden
Stabilisierungselemente im Wesentlichen beizubehalten und lediglich an die geänderte
Funktion des funktionellen Abschnitts funktionsgerecht anzupassen. Auf diese Weise
kann der Aufwand für die Umrüstung eines entsprechend ausgestatteten Wagenkastenrohbaus
reduziert werden, indem das Maß des Eingriffs in den Wagenkasterohbau verringert wird.
Durch die Anpassmöglichkeit zumindest eines Teils der an die funktionellen Abschnitte
angrenzenden Stabilisierungselemente kann die Umrüstung auch auf recht einfache Weise
wieder zurückgenommen werden, wenn der Wagenkastenrohbau beispielsweise wieder an
das vor der Umrüstung bestehende Anforderungsprofil angepasst werden soll.
[0010] Mit dem erfindungsgemäßen Wagenkastenrohbau ist es beispielsweise nicht mehr erforderlich,
Blindtürabschnitte mit entsprechend angepassten Türsäulen an funktionellen Abschnitten
vorzusehen, welche keine Türmodule aufweisen. Stattdessen können Fenstersäulen als
Stabilisierungselemente, welche neben entsprechenden Fenstermodulen angeordnet sind,
zu Türsäulen erweitert werden, wenn das Fenstermodul zu einem Türmodul umgerüstet
werden soll. Durch die platzsparende Ausgestaltung der Fenstersäulen vor der Umrüstung
verbleibt im Innenraum des Wagenkastenrohbaus mehr Platz zur Aufteilung der Innenraumeinrichtungen,
beispielsweise Sitzreihen, wodurch eine freiere Innenraumgestaltung möglich wird.
[0011] Vorzugsweise sind die Stabilisierungselemente als Längsprofile und/oder Quersäulen
ausgebildet. Auf diese Weise kann eine hohe Steifigkeit des Wagenkastenrohbaus sichergestellt
werden.
[0012] Wenigstens ein funktioneller Abschnitt ist bevorzugter Weise zur Aufnahme eines Türmoduls
oder eines Fenstermoduls als funktionellem Element ausgebildet. Insbesondere definieren
die funktionellen Elemente die Funktionen der funktionellen Abschnitte, an denen sie
vorgesehen sind. Die Funktionen der funktionellen Abschnitte sind vorzugsweise umrüstbar,
indem ein funktionelles Element eines funktionellen Abschnitts, beispielsweise ein
Fenstermodul, gegen ein anderes funktionelles Element, beispielsweise ein Türmodul,
ausgetauscht wird. Auf diese Weise wird eine hohe Umrüstflexibilität des Wagenkastenrohbaus
gewährleistet, sodass ein Schienenfahrzeug, welches den erfindungsgemäßen Wagenkastenrohbau
aufweist, mit verringertem Aufwand an unterschiedliche Nutzungsanforderungen angepasst
werden kann.
[0013] Zwei an ein Fenstermodul angrenzende Stabilisierungselemente sind vorzugsweise als
Fenstersäulen ausgebildet. Darüber hinaus kann wenigstens eine der beiden Fenstersäulen
zu einer Türsäule umrüstbar sein. Auf Grund der unterschiedlichen Belastungen ist
eine Türsäule deutlich stabiler auszubilden als eine Fenstersäule. Dadurch, dass die
Fenstersäule zu einer Türsäule umrüstbar ist, kann eine vollständige Entfernung der
Fenstersäulen, bei einer Umrüstung eines funktionellen Abschnitts von einem Fenstermodul
zu einem Türmodul, jedoch vermieden werden, was den Umrüstaufwand verringert. Stattdessen
kann die Fenstersäule in die für die Türsäule hinzuzufügenden Komponenten integriert
werden und verbleibt im Wesentlichen an ihrem Ort, was zur Festigkeit des Wagenkastenrohbaus
beiträgt. Daraus resultiert insbesondere der Vorteil, dass es nicht notwendig ist,
Türsäulen dauerhaft an Blindtürabschnitten vorzusehen, welche die freie Innenraumgestaltung
beeinträchtigen, obwohl noch kein Türmodul an dem entsprechenden funktionellen Abschnitt
eingefügt ist.
[0014] In ähnlicher Weise können zwei an ein Türmodul angrenzende Quersäulen als Türsäulen
ausgebildet sein. Darüber hinaus kann wenigstens eine der beiden Türsäulen zu einer
Fenstersäule umrüstbar sein. Insbesondere kann dadurch die Umkehrbarkeit der Umrüstung
von einer Fenstersäule zu einer Türsäule gewährleistet werden, sodass die Umrüstung
des Wagenkastenrohbaus auch bei mehrmaligen Einsatzwechseln mit gegebenenfalls mehrfach
veränderten Nutzungsanforderungen möglich ist.
[0015] Bevorzugter Weise ist die wenigstens eine Türsäule mehrteilig, insbesondere zweiteilig
oder dreiteilig, ausgebildet, wobei wenigstens ein Teil der Türsäule als Fenstersäule
ausgebildet ist. Auf diese Weise wird eine hohe Flexibilität während des Umrüstprozesses
erreicht. Wird beispielsweise die Türsäule mit der Außenhaut des Seitenbereichs des
Wagenkastenrohbaus mittels Schweißen gefügt, kann die Verschweißung für jedes Teil
der Türsäule separat vorgenommen werden. Ferner kann eine bereits bestehende Fenstersäule
in die Türsäulenstruktur inkorporiert werden.
[0016] Besonders bevorzugt ist es, wenn die wenigstens eine Türsäule zur verschachtelten
Aufnahme der Fenstersäule ausgebildet ist. Dadurch wird eine besonders einfache Art
des Umrüstens ermöglicht. Denn während des Umrüstprozesses kann die Türsäule um die
vorhandene Fenstersäule herum eingefügt, und gegebenenfalls mit der Fenstersäule selbst
gefügt, werden. Damit ist es möglich, die Umrüstung von einem Fenstermodul zu einem
Türmodul vorzunehmen, ohne die das Fenstermodul umgebenden Fenstersäulen aus der Wagenkastenrohbaustruktur
entfernen zu müssen.
[0017] Es ist möglich, dass die eine Fenstersäule verschachtelt aufnehmende Türsäule mit
der Fenstersäule zumindest abschnittsweise über eine Verstärkungslasche gefügt ist.
Auf diese Weise wird eine stabilere Versteifung der aus Türsäule und Fenstersäule
bestehenden Quersäule erreicht, welche der Stabilität des Wagenkastenrohbaus zu Gute
kommt. Die Verstärkungslasche trägt insbesondere dazu bei, die auf den Wagenkasten
während des Betriebs wirkenden Beanspruchungen sicher um das Türmodul herumzuleiten.
[0018] Die Stabilisierungselemente können Längsprofile umfassen, und wenigstens ein Längsprofil
kann einen Abschnitt mit verjüngtem Querschnitt aufweisen. Vorzugsweise sind verjüngte
Querschnitte in den Abschnitten von Längsprofilen, welche zwischen zwei funktionellen
Abschnitten verlaufen, vorgesehen. Damit kann Platz beispielsweise für Installationen
wie Kabelführungen, Druckluftführungen und/oder Klimakanäle geschaffen werden, sodass
die Innenverkleidung des Wagenkastenrohbaus, welche die Außenhaut und die Stabilisierungselemente
innenseitig abdeckt, möglichst raumsparend ausgebildet werden kann.
[0019] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung des Wagenkastenrohbaus kann wenigstens
abschnittsweise die Breite der funktionellen Abschnitte in Längsrichtung des Wagenkastenrohbaus
jeweils gleich sein. Auf diese Weise wird eine hohe Umrüstflexibilität erzielt, indem
funktionelle Elemente an grundsätzlich beliebigen, entsprechend homogen dimensionierten
funktionellen Abschnitten an verschiedenen Orten des Wagenkastenrohbaus vorgesehen
werden können.
[0020] Vorzugsweise weist der Bodenbereich ein Untergestell und ein definiertes Bodenniveau
auf, wobei in dem Bereich zwischen dem Untergestell und dem definierten Bodenniveau
wenigstens ein Teil der Stabilisierungselemente, insbesondere alle Stabilisierungselemente,
als Türsäulenfüße ausgebildet sein können. Auf diese Weise können wenigstens Abschnitte
von raumgreifenden Stabilisierungselementen bereits an Stellen vorgesehen werden,
welche keinen Einfluss auf die freie Innenraumgestaltung ausüben. Wird eine Umrüstung
des entsprechend angrenzenden funktionellen Abschnitts zu einer Tür vorgenommen, müssen
lediglich die über das Bodenniveau sich erstreckenden Säulenabschnitte zu einer Türsäule
umgerüstet werden. Die hinzuzufügenden Säulenabschnitte können dann mit dem bereits
unter dem Bodenniveau vorhandenen Türsäulenfuß verbunden werden.
[0021] Der Wagenkastenrohbau kann weiterhin als Endwagenkastenrohbau oder als Mittelwagenkastenrohbau
ausgebildet sein.
[0022] Ferner kann eine Außenhaut vorgesehen sein, welche insbesondere aus mehreren gefügten,
beispielsweise geschweißten, Blechzuschnitten gebildet ist. Die Außenhaut kann abschnittsweise
ferner stabilitätsfördernde Konstruktionsmerkmale, beispielsweise gewellte Abschnitte,
aufweisen.
[0023] Gemäß einem weiteren Aspekt der vorliegenden Erfindung wird die zuvor aufgezeigte
Aufgabe auch durch ein Verfahren zum Umrüsten eines Wagenkastens mit einem wie zuvor
beschriebenen Wagenkastenrohbau gelöst, bei welchem das innerhalb eines funktionellen
Abschnitts angeordnete funktionelle Element, insbesondere das Türmodul und/oder Fenstermodul,
die innerhalb des funktionellen Abschnitts gegebenenfalls angeordnete Außenhaut und
die innerhalb des funktionellen Abschnitts gegebenenfalls angeordneten Stabilisierungselemente
zu einem Austauschmodul zusammengefasst werden. Weiterhin werden ein funktionelles
Element, insbesondere ein Fenstermodul und/oder Türmodul, gegebenenfalls eine Außenhaut
und gegebenenfalls Stabilisierungselemente zu einem Umrüstmodul zusammengefasst und
bereitgestellt. Das Austauschmodul wird aus dem Wagenkastenrohbau entfernt. Das Umrüstmodul
wird in den Wagenkastenrohbau eingefügt. Die an den zu ändernden funktionellen Abschnitt
angrenzenden Stabilisierungselemente werden, insbesondere vor dem Einfügen des Umrüstmoduls,
an die geänderte Funktion funktionsgerecht angepasst.
[0024] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren kann ein Wagenkasten an geänderte Nutzungsanforderungen
mit reduziertem Aufwand angepasst werden. Es sei hierbei darauf verwiesen, dass mit
Austauschmodul und Umrüstmodul lediglich eine begriffliche Zusammenfassung der enthaltenen
Komponenten, beispielsweise funktionelles Element, Außenhaut und/oder Stabilisierungselemente,
gemeint ist. Diese Komponenten können jedoch einzeln bzw. individuell entfernt bzw.
eingefügt werden. So ist es zweckmäßig, die in dem umzurüstenden funktionellen Abschnitt
vorhandene und damit zu dem Austauschmodul gehörige Außenhaut mit den damit verbundenen
Stabilisierungselementen von den umgebenden Abschnitten abzutrennen und zusammen zu
entfernen, wohingegen ein zu dem Umrüstmodul gehöriger Außenhautabschnitt und die
Stabilisierungselemente, welche mit dem Außenhautabschnitt zu verbinden sind, separat
eingefügt werden können.
[0025] In Varianten des Verfahrens kann zunächst das Austauschmodul entfernt, dann das Umrüstmodul
eingefügt und schließlich die Anpassung der Stabilisierungselemente vorgenommen werden.
In einer bevorzugten Variante wird zunächst das Austauschmodul entfernt, dann die
Anpassung der Stabilisierungselemente vorgenommen und schließlich das Umrüstmodul
eingefügt. In einer weiteren bevorzugten Alternative des Verfahrens kann zunächst
die Anpassung der Stabilisierungselemente vorgenommen, dann das Austauschmodul entfernt
und schließlich das Umrüstmodul eingefügt werden. Mit diesen Varianten wird eine hohe
Prozessflexibilität erreicht. Insbesondere bevorzugt ist es, die Anpassung der Stabilisierungselemente
vor dem Einfügen des Umrüstmoduls vorzunehmen. Auf diese Weise kann eine Beanspruchung
der Wagenkastenrohbaustruktur durch ein bereits eingefügtes, erhöhte Trägereigenschaften
erforderndes, aber noch nicht durch Türsäulen gestütztes Türmodul weitgehend vermieden
werden.
[0026] Vorzugsweise werden zunächst die im Austauschmodul zusammengefassten Längsprofile
von den an den zu ändernden funktionellen Abschnitt angrenzenden Stabilisierungselementen
abgetrennt. Dann werden insbesondere die an den zu ändernden funktionellen Abschnitt
angrenzenden Stabilisierungselemente an die geänderte Funktion funktionsgerecht angepasst.
Ferner wird vorteilhafter Weise dann das Austauschmodul aus dem Wagenkastenrohbau
entfernt, und letztlich wird das Umrüstmodul in den Wagenkastenrohbau eingefügt.
[0027] Die Türsäulen können in einer die Fenstersäulen verschachtelt aufnehmenden Weise
mit der Außenhaut gefügt werden. Dadurch lässt sich auf einfache Weise erreichen,
die an die Fenstermodule angrenzenden Fenstersäulen beim Umrüsten zu einem Türmodul
zu erhalten, wodurch die Prozessschritte des Abtrennens und Entfernens der Fenstersäulen
vermieden werden.
[0028] Ferner kann ein Türsäulenabschnitt mit einem Türsäulenfuß, welcher insbesondere unterhalb
des Bodenniveaus des Bodenbereichs angeordnet ist, zu einer Türsäule gefügt werden.
Auf diese Weise kann eine Umrüstung vorbereitet, und diese Vorbereitung mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren vorteilhaft genutzt werden.
[0029] Bevorzugter Weise wird die Formtreue der Außenhaut des Umrüstmoduls während des Einfügens,
insbesondere durch thermische Einwirkung, gefördert, insbesondere gewährleistet. Dadurch
kann die Formhaltigkeit des Wagenkastenrohbaus auch während des Einfügeprozesses des
Umrüstmoduls sichergestellt und aufwändiges Nacharbeiten vermieden, zumindest aber
verringert, werden. Die Außenhaut des Umrüstmoduls kann beispielsweise mittels eines
Gasbrenners gezielt hitzebeaufschlagt werden, um Verformungen, welche während der
Durchführung von Fügeprozessen wie Schweißen entstehen können, auszugleichen. Verfahren
zur Bewahrung der Formhaltigkeit sowie Vorrichtungen, mit welchen diese Verfahren
ausführbar sind, werden beispielsweise in der Offenlegungsschrift
DE 10 2004 010 964 A1 offenbart, deren Inhalt hiermit in die Offenbarung der vorliegenden Erfindung einbezogen
wird.
[0030] Hinsichtlich weiterer Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens wird auf die Ausführungen
zu dem erfindungsgemäßen Wagenkastenrohbau verwiesen.
[0031] Weitere bevorzugte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen
bzw. der nachstehenden Beschreibung eines bevorzugten Ausführungsbeispiels, welche
auf die beigefügten Zeichnungen Bezug nimmt. Es zeigt:
- Figur 1
- in einer schematischen Seitenansicht einen Endwagenkasten und einen Mittelwagenkasten
eines Schienenfahrzeugs mit mehreren Türmodulen und Fenstermodulen,
- Figur 2
- in einer schematischen Seitenansicht einen Seitenbereich eines Wagenkastens mit verschiedener
Aufteilung von funktionellen Elementen,
- Figur 3
- in einer schematischen isometrischen Ansicht die Innenseite eines Seitenbereichs eines
Wagenkastenrohbaus mit mehreren Türmodulen und Fenstermodulen,
- Figur 4a, 4b
- in einer schematischen Ansicht einen Abschnitt des Seitenbereichs eines Wagenkastenrohbaus
zwischen zwei verschiedenen funktionellen Abschnitten, und
- Figur 5
- in einer schematischen isometrischen Ansicht einen Seitenbereich und einen Bodenbereich
eines Wagenkastenrohbaus.
[0032] Figur 1 zeigt in einer schematischen Seitenansicht ein Schienenfahrzeug 2 mit einem
Mittelwagenkasten 2.1 und einen Endwagenkasten 2.2 mit mehreren Türmodulen 4 und Fenstermodulen
6. Beide Wagenkästen 2.1 und 2.2 sind über Drehgestelle 8 auf Schienen 10 gelagert.
Ein Stromabnehmer 12 im Dachbereich 14 des Wagenkastens 2.1 sorgt für die Anbindung
an ein elektrisches Leitungsnetz (nicht gezeigt). Im Seitenbereich 16 der Wagenkästen
2.1 und 2.2 sind mehrere Türmodule 4 und Fenstermodule 6 angeordnet. Die Türen sind
in diesem Beispiel zweiflügelig ausgebildet und weisen selbst transparente Fenster
auf. Manche der Fenstermodule 6 sind vollflächig ausgebildet, wohingegen andere unterteilt
sind, wobei ein Teil zum Zwecke der Belüftung des Innenraums geöffnet werden kann.
Ein Bodenniveau 18 (gestrichelte Linie) verläuft auf unterschiedlichen Höhen entlang
der Längsrichtung des Schienenfahrzeugs 2.
[0033] In Figur 2 sind in schematischen Seitenansichten Seitenbereiche 16 dreier Wagenkästen
2.1 zu sehen, welche zwischen zwei Drehgestellen 8 (nicht gezeigt) eine jeweils unterschiedliche
Anordnung von Fenstermodulen 6 und Türmodulen 4 aufweisen. Im oberen Abschnitt der
Figur 2 sind zwei Türmodule 4 im Bereich der Drehgestelle 8 angeordnet. Zwischen den
Türmodulen 4 befinden sich drei Fenstermodule 6. Eine solche Anordnung ist beispielsweise
für den Nahverkehr geeignet, bei welchem mit einem hohen Fahrgastfluss zu rechnen
ist. Im mittleren Abschnitt der Figur 2 ist lediglich ein Türmodul 4 zu sehen, wohingegen
alle anderen funktionellen Abschnitte als Fenstermodule 6 ausgebildet sind. Eine ähnliche
Anordnung ist aus dem unteren Abschnitt der Figur 2 ersichtlich, wobei das einzelne
Türmodul 4 jedoch an einer anderen Stelle des Seitenbereichs 16 des Wagenkastens 2.1
angeordnet ist. Die Beispiele des mittleren und des unteren Abschnitts der Figur 2
sind beispielsweise für den Fernverkehr geeignet, bei welchem mit einem im Vergleich
zum Nahverkehr grundsätzlich niedrigen Fahrgastfluss und mit einer niedrigeren Frequenz
von Einstiegs- und Ausstiegsphasen zu rechnen ist.
[0034] Figur 3 zeigt in einer schematischen isometrischen Ansicht einen zwischen einem Dachbereich
14 (nicht dargestellt) und einem Bodenbereich (nicht dargestellt) angeordneten Seitenbereich
16 eines Wagenkastenrohbaus von innen. Der Seitenbereich 16 weist eine Außenhaut 20
auf, welche innenseitig mit Stabilisierungselementen versehen ist. Die Stabilisierungselemente
sind in diesem Beispiel als Längsprofile 22 und Quersäulen 24 ausgebildet. Durch die
Anordnung der Quersäulen 24 werden mehrere funktionelle Abschnitte definiert, welche
in Längsrichtung des Wagenkastenrohbaus jeweils die gleiche Breite aufweisen. In Figur
2 sind fünf der funktionellen Abschnitte mit Fenstermodulen 6 versehen, wohingegen
ein funktioneller Abschnitt mit einem Türmodul 4 versehen ist. Dementsprechend sind
die an ein Fenstermodul 6 angrenzenden Quersäulen 24 als Fenstersäulen 26 und die
an das Türmodul 4 angrenzenden Quersäulen 24 als Türsäulen 28 ausgebildet. Die Türsäulen
28 ragen dabei in das Innere des Wagenkastenrohbaus hinein und müssen bei der Aufteilung
des Wagenkasteninneren, beispielsweise bei der Anordnung von Sitzreihen (nicht dargestellt),
berücksichtigt werden, wohingegen die Fenstersäulen 26 auf Grund ihrer geringen Dimensionen
hinter einer Wagenkasten-Innenverkleidung (nicht dargestellt) grundsätzlich versteckt
werden können.
[0035] Figur 4a zeigt einen Abschnitt des Seitenbereichs 16 eines Wagenkastenrohbaus zwischen
zwei funktionellen Abschnitten 30a, 30b, wobei der funktionelle Abschnitt 30b auf
der rechten Seite ein Fenstermodul 6 (nicht gezeigt) und der funktionelle Abschnitt
30a auf der linken Seite ein Türmodul 4 (nicht gezeigt) aufweist. An einer Außenhaut
20 ist ein Längsprofil 22 montiert, beispielsweise mittels Schweißen gefügt, welches
sich zwischen zwei Quersäulen 24 erstreckt. Die beiden Quersäulen 24 sind funktionsgerecht
an die angrenzenden funktionellen Abschnitte 30a, 30b angepasst und bestehen demnach
aus einer Fenstersäule 26 auf der rechten Seite der Figur 4a und einer Türsäule 28
auf der linken Seite der Figur 4a. Die Fenstersäule 26 ist in diesem Beispiel als
gewinkeltes Profil ausgebildet, wobei ein Schenkel des Profils stumpf an der Außenhaut
20 anliegt und mit dieser gefügt, beispielsweise geschweißt, ist. Der andere Schenkel
des gewinkelten Profils der Fenstersäule 26 steht von dem ersten Schenkel etwa rechtwinklig
ab und erstreckt sich in Längsrichtung des Wagenkastenrohbaus. Die offene Flanke des
gewinkelten Profils der Fenstersäule 26 ist dem beabstandeten funktionellen Abschnitt
30a auf der linken Seite der Figur 4a zugewandt.
[0036] Das Längsprofil 22 weist zwischen den beiden funktionellen Abschnitten 30a, 30b einen
Abschnitt 32 mit einem verjüngten Querschnitt auf, um Raum für Installationen zur
Verfügung zu stellen. Das Längsprofil 22 ist in der Art eines C-Profils ausgebildet,
dessen parallele Schenkel stumpf an der Außenhaut 20 anliegen und mit dieser gefügt,
beispielsweise geschweißt, sind. Das Längsprofil 22 erstreckt sich bis in die offene
Flanke der Fenstersäule 26 auf der rechten Seite der Figur 4a, liegt stumpf an der
Innenseite des sich quer zur Längsrichtung des Wagenkastenrohbaus erstreckenden Schenkels
der Fenstersäule 26 an und ist mit der Fenstersäule 26 dort gefügt, beispielsweise
geschweißt.
[0037] Die Türsäule 28 auf der linken Seite der Figur 4a ist in diesem Beispiel dreiteilig
ausgebildet, wobei der erste Teil 28a in L-Form mit einem langen Schenkel und einem
kurzen Schenkel ausgebildet ist. Der lange Schenkel liegt stumpf an der Außenhaut
20 an und ist mit dieser gefügt, beispielsweise geschweißt. Die offene Flanke des
ersten Teils 28a der Türsäule 28 ist in diesem Beispiel dem beabstandeten funktionellen
Abschnitt 30b auf der rechten Seite der Figur 4a zugewandt. Die offene Flanke des
Teils 28a in L-Form wird durch ein planes Teil 28b geschlossen, welches mit der einen
Seite bündig an dem kurzen Schenkel des Teils 28a in L-Form anliegt und mit diesem
gefügt, insbesondere geschweißt, ist und mit der anderen Seite stumpf an der Außenhaut
20 anliegt und mit dieser gefügt, insbesondere geschweißt, ist. Das plane Teil 28b
der Türsäule 28 weist eine Ausnehmung 34 auf, sodass sich das Längsprofil 22 bis ins
Innere der Türsäule 28 erstrecken kann. Darüber hinaus ist die Türsäule 28 zu verschachtelten
Aufnahme einer Fenstersäule 26' ausgebildet. Die Fenstersäule 26' auf der linken Seite
der Figur 4a ist demnach in dem von der Türsäule 28 und der Außenhaut 20 gebildeten
Hohlraum und in diesem Beispiel spiegelsymmetrisch zu der am beabstandeten funktionellen
Abschnitt 30b angeordneten Fenstersäule 26 angeordnet. Die Fenstersäule 26' und die
Türsäule 28 sind in diesem Beispiel über einen bestimmten Abschnitt hinweg mittels
einer Verstärkungslasche 36, welche insbesondere sowohl mit der Fenstersäule 26' als
auch mit der Türsäule 28 geschweißt ist, miteinander gefügt, um eine höhere Steifigkeit
der aus der Fenstersäule 26' und Türsäule 28 gebildeten Quersäule 24 zu erzielen.
Die Fenstersäule 26' repräsentiert in diesem Beispiel das dritte Teil der Türsäule
28. Es ist auch möglich, die Quersäule 24 lediglich aus den Teilen 28a, 28b, 26' ohne
Verstärkungslasche 36 und damit ohne direkte Anbindung an die Fenstersäule 26' zu
bilden.
[0038] Figur 4a veranschaulicht die hohe Flexibilität eines mit den dargestellten Fenstersäulen
26, 26' und Türsäulen 28 versehenen Wagenkastenrohbaus. Denn wenn ein funktionelles
Element eines funktionellen Abschnitts 30a, 30b durch ein anderes funktionelles Element
ersetzt werden soll, beispielsweise ein Fenstermodul 6 durch ein Türmodul 4, kann
eine an das Fenstermodul 6 angrenzende Fenstersäule 26, 26' an der Außenhaut 20 verbleiben
und wird gegebenenfalls mit den hinzuzufügenden Teilen 28a, 28b einer Türsäule 28,
und gegebenenfalls Verstärkungslaschen 36, zu einer neuen Quersäule 24, welche auf
das neu eingefügte funktionelle Element, in diesem Beispiel das Türmodul 4, funktionsgerecht
angepasst ist, zusammengefügt. In umgekehrter Weise kann eine Quersäule 24, welche
für ein Türmodul 4 geeignet und entsprechend groß dimensioniert ist, durch einfaches
Entfernen der Türsäulenteile 28a, 28b, gegebenenfalls auch der Verstärkungslasche
36, zu einer einfachen Fenstersäule 26, 26' umgerüstet werden. Auf diese Weise kann
der Aufwand beim Umrüsten eines Wagenkastenrohbaus reduziert werden.
[0039] Eine Variante der dreiteiligen Türsäule 28, 28a, 28b, 26' ist in Figur 4b gezeigt.
In dieser Variante ist ein planes Teil 28b auf der dem linken funktionellen Abschnitt
30a zugewandten Seite der Türsäule 28 angeordnet, wohingegen ein Teil 28a in L-Form
auf der dem beabstandeten funktionellen Abschnitt 30b zugewandten Seite der Türsäule
28 angeordnet ist. Eine Ausnehmung 34 ist dementsprechend in dem L-förmigen Teil 28a
vorgesehen. Hierdurch wird die Flexibilität der Ausgestaltung der Türsäule 28 deutlich.
[0040] Es versteht sich, dass die in den Figuren 4a, 4b gezeigten dreiteiligen Ausgestaltungen
der Türsäule 28 lediglich beispielhaft sind. Ebenso ist es möglich, eine zweiteilige
Türsäule 28 zu verwenden. Diese würde dann vorzugsweise ein Teil in C-Form und die
Fenstersäule 26' aufweisen. Auch ist es möglich, die beiden Teile 28a, 28b einer Türsäule
28 vor der Anbindung an die Außenhaut 20 miteinander zu verbinden. Ein Vorteil der
Mehrteiligkeit einer Türsäule 28 ist, dass der Einfügevorgang sehr flexibel ausgestaltet
werden kann. Weiterhin können - abweichend zu den in den Figuren 4a, 4b gezeigten
Ausgestaltungen - die Teile 28a, 28b der Türsäule 28 in L-Form ausgebildet sein, wobei
die kurzen Schenkel der Teile 28a, 28b vorzugsweise im Stumpfstoß gefügt werden.
[0041] Um einen funktionellen Abschnitt 30a, 30b mit einem Fenstermodul 6 zu einem funktionellen
Abschnitt 30a, 30b mit einem Türmodul 4 umzurüsten, können die zwischen Fenstersäulen
26, 26' unterhalb und oberhalb des Fenstermoduls 6 über den funktionellen Abschnitt
30a, 30b verlaufenden Längsprofile 22 von den Fenstersäulen 26, 26', beispielsweise
mittels Abschweißen, getrennt werden. Dann können zwecks Umrüstung der Quersäulen
24 die beiden Teile 28a, 28b der Türsäule 28 angesetzt und eingefügt werden. Die Mehrteiligkeit
einer Türsäule 28 ist insbesondere für das Anbringen einer Verstärkungslasche 36 an
die Fenstersäule 26' und die Türsäulenteile 28a, 28b vorteilhaft. Danach wird dann
vorzugsweise die in dem funktionellen Abschnitt 30a, 30b angeordnete Außenhaut 20
mit dem Fenstermodul 6 von der umgebenden Außenhaut 20 abgetrennt und entfernt. Um
das Türmodul 4 einzufügen, kann die Außenhaut 20 des Umrüstmoduls an den funktionellen
Abschnitt 30a, 30b angesetzt und eingepasst werden. Es ist grundsätzlich möglich,
gegebenenfalls vorgesehene Stabilisierungselemente zuerst mit dem einzufügenden Außenhautabschnitt
zu fügen und dann zusammen mit diesem in den funktionellen Abschnitt 30a, 30b einzufügen.
Alternativ ist es möglich, die Stabilisierungselemente nach dem Einfügen der Außenhaut
20 an der Innenseite der Außenhaut 20 anzubringen und mit den bereits zu Türsäulen
28 umgerüsteten Quersäulen 24 zu fügen.
[0042] In einer weiteren Variante ist es möglich, die Außenhaut 20 des Austauschmoduls komplett
abzutrennen und zu entfernen und dann die Türsäule 28 anzusetzen und zu fügen, insbesondere
anzuschweißen, bevor das Umrüstmodul eingefügt wird.
[0043] Durch das Umrüsten der Fenstersäule 26' zur Türsäule 28 vor dem Einfügen der Außenhaut
20 des Umrüstmoduls wird insbesondere gewährleistet, dass die Türsäule 28 keine Verformungen
während des Umrüstprozesses erfährt, welche die Abdichtung des Türmoduls 4 beeinträchtigen
können.
[0044] Figur 5 zeigt in einer schematischen isometrischen Ansicht einen Seitenbereich 16
und einen Bodenbereich 38 eines Wagenkastenrohbaus. Der Seitenbereich 16 weist eine
Außenhaut 20 sowie an der Außenhaut 20 angeordnete Längsprofile 22 und Quersäulen
24 auf. Ebenfalls sind zwei funktionelle Abschnitte mit je einem Fenstermodul 6 ersichtlich.
Eine an einen funktionellen Abschnitt angrenzende Quersäule 24 ist lediglich in einem
Säulenabschnitt, welcher über dem Bodenniveau 18 (gestrichelte Linie) des Bodenbereichs
38 liegt, als Fenstersäule 26 ausgebildet. In dem Bereich unterhalb des Bodenniveaus
18 ist die Quersäule 24 in dieser Variante als Türsäulenfuß 42 ausgebildet. Dies hat
den Vorteil, dass die Umrüstung des Fenstermoduls 6 zu einem Türmodul 4 bereits vorbereitet
ist, und lediglich die Säulenabschnitte der Fenstersäule 26 oberhalb des Bodenniveaus
18 an das neue funktionelle Element funktionsgerecht angepasst werden müssen, wenn
an dieser Stelle ein Fenstermodul 6 gegen ein Türmodul 4 ausgetauscht wird. Der größere
Raumbedarf des Türsäulenfußes 42 ist in diesem Fall nicht hinderlich, weil unterhalb
des Bodenniveaus 18 ausreichend Raum zur Verfügung steht. Ferner ist von Vorteil,
dass bei einer Umrüstung von einem Fenstermodul 6 zu einem Türmodul 4 nur wenige Bodenabschnitte
des Wagenkastens für Umbauzwecke geöffnet werden müssen. Ein weiter gehender Eingriff
in den Bodenbereich 38 des Wagenkastenrohbaus kann damit vermieden werden.
[0045] Vorzugsweise ist das in der Figur 5 im Bodenbereich 38 dargestellte Untergestell
44 in den Bereichen, welche für eine Umrüstung von Fenstermodul 6 zu Türmodul 4 vorgesehen
sind, an die mit dem Betrieb einer Tür verbundenen Beanspruchungen zwecks Ein- und
Umleitung von Kräften in die Untergestellstruktur, und letztlich die gesamte Wagenkastenrohbaustruktur,
angepasst.
1. Wagenkastenrohbau, insbesondere für ein Schienenfahrzeug, mit
- einem Dachbereich (14),
- einem Bodenbereich (38), und
- einem zwischen dem Dachbereich (14) und dem Bodenbereich (38) angeordneten Seitenbereich
(16), wobei
- der Seitenbereich (16) eine Mehrzahl von Stabilisierungselementen (22, 24, 26, 28)
mit dazwischen liegenden funktionellen Abschnitten (30a, 30b) zur Aufnahme funktioneller
Elemente (4, 6) unterschiedlicher Funktion aufweist,
- durch jeweils zwei benachbarte Stabilisierungselemente (26, 28) die Funktion des
dazwischen liegenden funktionellen Abschnitts (30a, 30b) definiert ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
- zumindest ein Teil der Stabilisierungselemente (22, 24, 26, 28) zur Veränderung
der Funktion wenigstens eines der funktionellen Abschnitte (30a, 30b) anpassbar ausgebildet
ist.
2. Wagenkastenrohbau nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Stabilisierungselemente als Längsprofile (22) und/oder Quersäulen (24) ausgebildet
sind, wobei die Stabilisierungselemente insbesondere Längsprofile (22) umfassen und
insbesondere wenigstens ein Längsprofil (22) einen Abschnitt (32) mit verjüngtem Querschnitt
aufweist.
3. Wagenkastenrohbau nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens ein funktioneller Abschnitt (30a, 30b) zur Aufnahme eines Türmoduls (4)
oder eines Fenstermoduls (6) als funktionellem Element ausgebildet ist.
4. Wagenkastenrohbau nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
- zwei an ein Fenstermodul (6) angrenzende Stabilisierungselemente (24) als Fenstersäulen
(26, 26') ausgebildet sind, und wenigstens eine der beiden Fenstersäulen (26, 26')
zu einer Türsäule (28) umrüstbar ist.
und/oder
- zwei an ein Türmodul (4) angrenzende Quersäulen (24) als Türsäulen (28) ausgebildet
sind, und wenigstens eine der beiden Türsäulen (28) zu einer Fenstersäule (26, 26')
umrüstbar ist.
5. Wagenkastenrohbau nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, dass
- die wenigstens eine Türsäule (28, 28a, 28b) mehrteilig, insbesondere zweiteilig
oder dreiteilig, ausgebildet ist, wobei wenigstens ein Teil der Türsäule als Fenstersäule
(26, 26') ausgebildet ist.
und/oder
- die wenigstens eine Türsäule (28) zur verschachtelten Aufnahme der Fenstersäule
(26, 26') ausgebildet ist, wobei die eine Fenstersäule (26, 26') verschachtelt aufnehmende
Türsäule (28) insbeosondere mit der Fenstersäule (26, 26') zumindest abschnittsweise
über eine Verstärkungslasche (36) gefügt ist.
6. Wagenkastenrohbau nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens abschnittsweise die Breite der funktionellen Abschnitte (30a, 30b) in
Längsrichtung des Wagenkastenrohbaus jeweils gleich ist.
7. Wagenkastenrohbau nach einem der Ansprüche 1 bis 10,
dadurch gekennzeichnet,
- dass der Bodenbereich (38) ein Untergestell (44) und ein definiertes Bodenniveau (18)
aufweist,
- wobei in dem Bereich zwischen dem Untergestell (44) und dem definierten Bodenniveau
(18) wenigstens ein Teil der Stabilisierungselemente (24), insbesondere alle Stabilisierungselemente
(24), als Türsäulenfüße (42) ausgebildet sind.
8. Wagenkastenrohbau nach einem der Ansprüche 1 bis 11,
dadurch gekennzeichnet, dass
- der Wagenkastenrohbau als Endwagenkastenrohbau oder als Mittelwagenkastenrohbau
ausgebildet ist
und/oder
- eine Außenhaut (20) vorgesehen ist, die insbesondere aus mehreren gefügten Blechzuschnitten
gebildet ist.
9. Verfahren zum Umrüsten eines Wagenkastens mit einem Wagenkastenrohbau nach einem der
Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet, dass
- das innerhalb eines funktionellen Abschnitts (30a, 30b) angeordnete funktionelle
Element, insbesondere das Türmodul (4) und/oder Fenstermodul (6), die innerhalb des
funktionellen Abschnitts (30a, 30b) gegebenenfalls angeordnete Außenhaut (20) und
die innerhalb des funktionellen Abschnitts (30a, 30b) gegebenenfalls angeordneten
Stabilisierungselemente (22, 24) zu einem Austauschmodul zusammengefasst werden,
- ein funktionelles Element, insbesondere ein Fenstermodul (6) und/oder Türmodul (4),
gegebenenfalls eine Außenhaut (20) und gegebenenfalls Stabilisierungselemente (22,
24) zu einem Umrüstmodul zusammengefasst und bereitgestellt werden,
- das Austauschmodul aus dem Wagenkastenrohbau entfernt wird,
- das Umrüstmodul in den Wagenkastenrohbau eingefügt wird, und
- die an den zu ändernden funktionellen Abschnitt (30a, 30b) angrenzenden Stabilisierungselemente
(26, 28), insbesondere vor dem Einfügen des Umrüstmoduls, an die geänderte Funktion
funktionsgerecht angepasst werden.
10. Verfahren nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet, dass
- zunächst das Austauschmodul entfernt, dann das Umrüstmodul eingefügt und schließlich
die Anpassung der Stabilisierungselemente (26, 28) vorgenommen wird,
oder
- das Austauschmodul entfernt, dann die Anpassung der Stabilisierungselemente (26,
28) vorgenommen und schließlich das Umrüstmodul eingefügt wird,
oder
- zunächst die Anpassung der Stabilisierungselemente (26, 28) vorgenommen, dann das
Austauschmodul entfernt und schließlich das Umrüstmodul eingefügt wird.
11. Verfahren nach Anspruch 9 oder 10,
dadurch gekennzeichnet, dass
- zunächst die im Austauschmodul zusammengefassten Längsprofile (22) von den an den
zu ändernden funktionellen Abschnitt (30a, 30b) angrenzenden Stabilisierungselementen
(26, 28) abgetrennt werden,
- die an den zu ändernden funktionellen Abschnitt (30a, 30b) angrenzenden Stabilisierungselemente
(26, 28) an die geänderte Funktion funktionsgerecht angepasst werden,
- dann das Austauschmodul aus dem Wagenkastenrohbau entfernt wird, und
- das Umrüstmodul in den Wagenkastenrohbau eingefügt wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Türsäulen (28) in einer die Fenstersäulen (26, 26') verschachtelt aufnehmenden
Weise mit der Außenhaut (20) gefügt werden.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass ein Türsäulenabschnitt mit einem Türsäulenfuß (42) zu einer Türsäule (28) gefügt
wird.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Formtreue der Außenhaut (20) des Umrüstmoduls während des Einfügens, insbesondere
durch thermische Einwirkung, gefördert, insbesondere gewährleistet, wird.
15. Schienenfahrzeug, insbesondere für den S-Bahn- und/oder Regionalverkehr, dadurch gekennzeichnet, dass es einen Wagenkastenrohbau nach einem der Ansprüche 1 bis 8 aufweist.