[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Fahrzeug, insbesondere ein Schienenfahrzeug,
gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 mit einem ersten Wagenkasten, einem zweiten
Wagenkasten und einem Fahrwerk, wobei das Fahrwerk im Bereich der einander benachbarten
Enden der beiden Wagenkästen angeordnet ist, der erste Wagenkasten und der zweite
Wagenkasten im Bereich ihrer einander benachbarten Enden zumindest um eine in Richtung
der Hochachse des Fahrzeugs verlaufende Schwenkachse schwenkbar verbunden sind und
der erste Wagenkasten über eine erste Gelenkeinrichtung um eine in Richtung der Hochachse
des Fahrzeugs verlaufende erste Schwenkachse schwenkbar mit dem Fahrwerk verbunden
und auf dem Fahrwerk abgestützt ist.
[0002] Bei einer Reihe von Schienenfahrzeugen stützen sich benachbarte Wagenkästen auf einem
gemeinsamen so genannten Jacobs-Drehgestell ab. Für die Abstützung und Anlenkung der
Wagenkästen am Drehgestell werden dabei häufig zweistufige Drehkränze oder separate
bzw. gemeinsame Drehzapfen verwendet, wie dies beispielsweise in der
WO 03/011670 A1 beschrieben ist. Ein gattungsgemäßes Fahrzeug ist weiterhin aus der
US 5,560,503 bekannt.
[0003] Insbesondere die bekannten Fahrzeuge mit Drehkränzen erlauben keine Wankbewegungen
zwischen den beiden Wagenkästen, sodass zum einen beim Durchfahren von verwundenen
Gleisabschnitten hohe Torsionsbelastungen in den Gelenken und den Wagenkästen entstehen.
[0004] Ein weiterer Nachteil dieser Fahrzeuge besteht darin, dass die Anbindung der Wagenkästen
an das Drehgestell nicht nur die aus dem Drehgestell in den Wagenkasten eingeleiteten
Lasten (Antriebs-, Brems- und Fliehkräfte) übernehmen muss, sondern auch die gegebenenfalls
erheblich höheren Längsdruckkräfte zwischen den Wagenkästen aufnehmen und übertragen
muss.
[0005] Beide Effekte bedingen eine vergleichsweise aufwändige Konstruktion der Anbindung
der Wagenkästen an das Drehgestell sowie der Wagenkastenstruktur selbst.
[0006] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zu Grunde, ein Fahrzeug der eingangs
genannten Art zur Verfügung zu stellen, welches die oben genannten Nachteile nicht
oder zumindest in geringerem Maße aufweist und insbesondere eine einfachere Konstruktion
der Fahrwerksanbindung und der Wagenkästen selbst ermöglicht.
[0007] Die vorliegende Erfindung löst diese Aufgabe ausgehend von einem Fahrzeug gemäß dem
Oberbegriff des Anspruchs 1 durch die im kennzeichnenden Teil des Anspruchs 1 angegebenen
Merkmale.
[0008] Der vorliegenden Erfindung liegt die technische Lehre zu Grunde, dass man eine einfachere
Konstruktion der Fahrwerksanbindung und der Wagenkästen selbst erzielt, wenn man die
in einer Einheit integrierte Wagenkastenverbindung und Fahrwerksanbindung auflöst,
sodass nur einer der beiden Wagenkästen über eine Gelenkeinrichtung direkt am Fahrwerk
angebunden wird, während die beiden Wagenkästen über eine separate weitere Gelenkeinrichtung
miteinander verbunden werden. Über diese separate weitere Gelenkeinrichtung wird dann
einer der Wagenkästen zunächst auf dem anderen Wagenkasten abgestützt, bevor über
dessen Struktur dann die Einleitung ausschließlich der Stützkräfte in das Fahrwerk
erfolgt, während die Längskräfte zwischen den Wagenkästen unmittelbar über die Wagenkästen
und nicht über die Abstützung auf dem Fahrwerk laufen.
[0009] Diese Trennung der Verbindung der Wagenkästen und der Anbindung des Fahrwerks hat
den Vorteil, dass die Anbindung des Fahrwerks in herkömmlicher Weise, beispielsweise
wie für ein Endfahrwerk (auf dem sich nur ein Wagenkasten abstützt) erfolgen kann.
Demgemäß können für diese Fahrwerksanbindung dieselben Bauteile wie für die Anbindung
der übrigen Fahrwerke des Fahrzeugs verwendet werden.
[0010] Weiterhin kann die Einheit, deren Wagenkasten unmittelbar an dem Fahrwerk angelenkt
ist, gegebenenfalls fahrdynamisch wie eine herkömmliche Wageneinheit mit zwei Endfahrwerken
betrachtet werden, was letztlich deren Auslegung vereinfacht.
[0011] Schließlich lässt sich die Verbindung zwischen den beiden Wagenkästen, dank der funktionalen
Trennung von der Fahrwerksanbindung in einfacher Weise so gestalten, dass Wankbewegungen
zwischen den beiden Wagenkästen ermöglicht werden. Hierdurch reduzieren sich die Torsionsbelastungen
der Wagenkästen (z. B. beim Durchfahren von verwundenen Gleisabschnitten), sodass
diese ebenfalls einfacher gestaltet werden können.
[0012] Gemäß einem Aspekt betrifft die Erfindung daher ein Fahrzeug, insbesondere ein Schienenfahrzeug,
mit einem ersten Wagenkasten, einem zweiten Wagenkasten und einem Fahrwerk, wobei
das Fahrwerk im Bereich der einander benachbarten Enden der beiden Wagenkästen angeordnet
ist und der erste Wagenkasten und der zweite Wagenkasten im Bereich ihrer einander
benachbarten Enden zumindest um eine in Richtung der Hochachse des Fahrzeugs verlaufende
Schwenkachse schwenkbar verbunden sind. Der erste Wagenkasten ist über eine erste
Gelenkeinrichtung um eine in Richtung der Hochachse des Fahrzeugs verlaufende erste
Schwenkachse schwenkbar mit dem Fahrwerk verbunden und auf dem Fahrwerk abgestützt.
Der zweite Wagenkasten ist über eine zweite Gelenkeinrichtung um eine in Richtung
der Hochachse des Fahrzeugs verlaufende zweite Schwenkachse schwenkbar mit dem ersten
Wagenkasten verbunden und auf dem ersten Wagenkasten abgestützt.
[0013] Die erste Schwenkachse und die zweite Schwenkachse können grundsätzlich in beliebiger
geeigneter Weise zueinander angeordnet sein. Vorzugsweise sind diese beiden Schwenkachsen
zueinander parallel ausgerichtet, wobei sie gegebenenfalls auch einen gewissen Abstand
voneinander aufweisen können. Unter fahrdynamischen Aspekten ist es jedoch von Vorteil,
wenn die beiden Schwenkachsen miteinander im Wesentlichen fluchten. Bevorzugt ist
daher vorgesehen, dass die erste Schwenkachse und die zweite Schwenkachse im Ruhezustand
des Fahrzeugs zueinander im Wesentlichen kollinear sind, da in diesem Fall die Verbindung
zwischen den beiden Wagenkästen und die Anbindung des Fahrwerks kinematisch als ein
einziges Gelenk betrachtet werden kann.
[0014] Die erste Gelenkeinrichtung und die zweite Gelenkeinrichtung können grundsätzlich
in beliebiger geeigneter Weise zueinander angeordnet sein. Eine besonders einfach
zu realisierende Konfiguration ergibt sich jedoch, wenn die zweite Gelenkeinrichtung
in Richtung der Fahrzeughochachse oberhalb der ersten Gelenkeinrichtung angeordnet
ist. Hiermit können die bei der Abstützung des zweiten Wagenkastens wirkenden Stützkräfte
in besonders einfacher Weise von dem ersten Wagenkasten aufgenommen und über die erste
Gelenkeinrichtung in das Fahrwerk eingeleitet werden.
[0015] Die erste Gelenkeinrichtung kann auf besonders einfache Weise gestaltet sein. Insbesondere
kann sie wie die Gelenkeinrichtung für ein herkömmliches Endfahrwerk gestaltet sein,
sodass innerhalb des Fahrzeugs gegebenenfalls derselbe Typ von Gelenkeinrichtung für
alle Fahrwerksanbindungen verwendet werden kann, unter Umständen sogar identische
Bauteile hierfür verwendet werden können. Erfindungsgemäß ist die erste Gelenkeinrichtung
nach Art eines Drehkranzes ausgebildet.
[0016] Wie bereits oben erwähnt wurde, ist bevorzugt vorgesehen, dass die zweite Gelenkeinrichtung
Wankbewegungen zwischen den beiden Wagenkästen ermöglicht, um eine Reduktion der Torsionsbelastung
der Wagenkästen beim Durchfahren von verwundenen Gleisabschnitten zu erzielen. Erfindungsgemäß
ist vorgesehen, dass die zweite Gelenkeinrichtung derart ausgebildet ist, dass sie
eine Wankbewegung zwischen dem ersten Wagenkasten und den zweiten Wagenkasten um eine
zur Fahrzeuglängsachse parallele Wankachse zulässt.
[0017] Derartige Wankbewegungen zwischen den Wagenkästen können über eine Reihe von Gelenkgestaltungen
erzielt werden. So ist es beispielsweise möglich, die zweite Gelenkeinrichtung mit
einem kardanischen Abschnitt auszuführen, welcher diese Wankbewegungen ermöglicht.
Auf besonders einfache und robuste Weise lässt sich eine solche Gestaltung aber über
einen nach Art eines Kugelgelenks gestaltet den Abschnitt erzielen. Vorzugsweise ist
daher vorgesehen, dass die zweite Gelenkeinrichtung nach Art eines Kugelgelenks ausgebildet
ist.
[0018] Hierzu umfasst die zweite Gelenkeinrichtung bevorzugt einen an einem der beiden Wagenkästen
angeordneten sphärischen Vorsprung, der in einer zugeordneten sphärischen Gelenkpfanne
sitzt, die an dem anderen der beiden Wagenkästen befestigt ist. Eine besonders einfach
herzustellende und zu fügende Konfiguration ergibt sich dabei, wenn der sphärische
Vorsprung an dem zweiten Wagenkasten angeordnet ist.
[0019] Die Abstützung von Wankbewegungen des zweiten Wagenkastens bezüglich des ersten Wagenkastens
kann gegebenenfalls ausschließlich am anderen, von der zweiten Gelenkeinrichtung entfernten
Ende des zweiten Wagenkastens, beispielsweise über eine Abstützung auf einem herkömmlichen
Endfahrwerk erfolgen. Ebenso kann eine separate Abstützung über eine entsprechende
(vorzugsweise über entsprechende Geleitelemente am zweiten Wagenkasten angekoppelte)
Sekundärfederung auf dem im zweiten Gelenk zugeordneten Fahrwerk erfolgen. Vorzugsweise
werden diese Wankbewegungen aber über den ersten Wagenkasten abgestützt, da sich hiermit
eine besonders einfache Gestaltung mit minimierter Torsionsbelastung des zweiten Wagenkastens
erzielen lässt.
[0020] Diese Abstützung der Wankbewegungen des zweiten Wagenkastens bezüglich des ersten
Wagenkastens kann über die zweite Gelenkeinrichtung erfolgen. Vorzugsweise ist jedoch
vorgesehen, dass die beiden Wagenkästen über eine in Richtung der Fahrzeugquerachse
wirkende Verbindungseinrichtung verbunden sind, wobei die Verbindungseinrichtung in
Richtung der Fahrzeughochachse von der zweiten Gelenkeinrichtung beabstandet ist,
um so auf einfache Weise entsprechende derartige Wankbewegungen abstützende Stützkräfte
aufbringen zu können. Vorzugsweise erfolgt hierbei eine Dämpfung der Wankbewegungen
zwischen den beiden Wagenkästen, indem die Verbindungseinrichtung eine in Richtung
der Fahrzeugquerachse wirkende Dämpfungseinrichtung umfasst.
[0021] Die vorliegende Erfindung lässt sich im Zusammenhang mit beliebig gestalteten Fahrwerken
realisieren. So kann es sich bei dem in beiden Wagenkästen zugeordneten Fahrwerk um
ein Einzelachsfahrwerk handeln. Vorzugsweise das Fahrwerk jedoch nach Art eines Drehgestells
ausgebildet. Weiterhin ist hierbei bevorzugt vorgesehen, dass das Drehgestell eine
über eine Sekundärfederung auf einem Drehgestellrahmen abgestützte Wiege aufweist
und die erste Gelenkeinrichtung an der Wiege befestigt ist.
[0022] Weitere bevorzugte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen
bzw. der nachstehenden Beschreibung bevorzugter Ausführungsbeispiele, welche auf die
beigefügten Zeichnungen Bezug nimmt. Es zeigen:
- Figur 1
- eine schematische Seitenansicht eines Teils einer bevorzugten Ausführungsform des
erfindungsgemäßen Fahrzeugs;
- Figur 2
- eine schematische perspektivische Ansicht eines Teils des Fahrzeugs aus Figur 1;
- Figur 3
- einen Schnitt durch das Detail D aus Figur 1 entlang der Linie III-III aus Figur 2;
- Figur 4
- einen Schnitt durch einen Teil eines nicht erfindungsgemäßen Fahrzeugs.
[0023] Im Folgenden wird unter Bezugnahme auf die Figuren 1 bis 3 eine bevorzugte Ausführung
des erfindungsgemäßen Fahrzeugs in Form eines mehrgliedrigen Schienenfahrzeugs 101
beschrieben.
[0024] Das Fahrzeug 101 weist eine Fahrzeuglängsachse 101.1, eine Fahrzeughochachse 101.2
und eine Fahrzeugquerachse 101.3 auf. Das Fahrzeug 101 umfasst ein Fahrwerk in Form
eines Jacobs-Drehgestells 102, einen ersten Wagenkasten 103 und einen zweiten Wagenkasten
104, deren benachbarte Enden den Drehgestell 102 zugeordnet sind.
[0025] Der erste Wagenkasten 103 ist über eine erste Gelenkeinrichtung in Form eines Drehkranzes
105 um eine erste Schwenkachse 105.1 schwenkbar mit dem Drehgestell 102 verbunden
und auf dem Drehgestell 102 in Richtung der Fahrzeughochachse 101.2 auf dem Drehgestell
102 abgestützt. Die erste Schwenkachse 105.1 verläuft dabei im Wesentlichen parallel
zur Fahrzeughochachse 101.1.
[0026] Wie insbesondere Figur 1 und 3 im Detail zu entnehmen ist, ist der Drehkranz 105
an einer Wiege 102.1 des Drehgestells 102 befestigt, die über eine Sekundärfederung
102.2 auf dem Drehgestellrahmen 102.3 des Drehgestells 102 abgestützt ist. Der Drehkranz
105 ist hierzu an einem ersten Träger 103.1 des ersten Wagenkastens 103 befestigt.
[0027] Der erste Wagenkasten 103 und der zweite Wagenkasten 104 sind über eine zweite Gelenkeinrichtung
in Form eines Kugelgelenks 106 verbunden. Das Kugelgelenk 106 ist dabei in Richtung
der Fahrzeughochachse 101.2 oberhalb des Drehkranzes 105 angeordnet, sodass es leicht
zugänglich und die Verbindung zwischen dem ersten Wagenkasten 103 und dem zweiten
Wagenkasten 104 in einfacher Weise herzustellen ist.
[0028] Durch das Kugelgelenk 106 sind in der erste Wagenkasten 103 und der zweite Wagenkasten
104 zum einen um eine zweite Schwenkachse 106.1 schwenkbar miteinander verbunden.
Die zweite Schwenkachse 106.1 verläuft dabei wiederum im Wesentlichen parallel zur
Fahrzeughochachse 101.1 und ist kollinear zu der ersten Schwenkachse 105.1 angeordnet.
Unter fahrdynamischen Aspekten ist dies von Vorteil, da die Verbindung zwischen den
beiden Wagenkästen 103, 104 und ihre Anbindung am Drehgestell 102 kinematisch als
ein einziges Gelenk betrachtet werden kann.
[0029] Zum anderen ist der zweite Wagenkasten 104 in Richtung der Fahrzeughochachse 101.2
über das Kugelgelenk 106 auf dem ersten Wagenkasten 103 abgestützt, dessen Struktur
dann die aus der Abstützung des zweiten Wagenkastens 104 resultierenden Stützkräfte
über den Drehkranz 105 in das Drehgestell 102 einleitet.
[0030] Das Kugelgelenk 106 umfasst einen sphärischen Vorsprung 106.1 und ein entsprechendes
Gegenstück in Form einer sphärischen Gelenkpfanne 106.2. Der sphärische Vorsprung
106.1 ist an einem zweiten Träger 104.1 des zweiten Wagenkastens 104 angeordnet. Der
Vorsprung 106.1 ist von oben in die Gelenkpfanne 106.2 eingesetzt, die ihrerseits
an dem ersten Träger 103.1 des ersten Wagenkastens 103 befestigt ist.
[0031] Mit dieser Gestaltung wird die herkömmliche in einer Einheit integrierte Verbindung
der Wagenkästen und Anwendungen des Fahrwerks aufgelöst. Vielmehr ist erfindungsgemäß
nur der erste Wagenkasten 103 über den Drehkranz 105 direkt am Drehgestell 102 angebunden,
während die beiden Wagenkästen 103, 104 untereinander über das separate Kugelgelenk
106 verbunden sind. Dank dieser separaten Verbindung zwischen den beiden Wagenkästen
103, 104 werden über die Struktur des ersten Wagenkastens 103 ausschließlich die aus
der Abstützung der beiden Wagenkästen in Richtung der Fahrzeughochachse 101.2 resultierenden
Stützkräfte in das Drehgestell 102 eingeleitet, während die Hinrichtung der Fahrzeuglängsachse
101 wirkenden Längskräfte zwischen den Wagenkästen 103, 104 unmittelbar über die Struktur
der beiden Wagenkästen 103, 104 und nicht wie bei herkömmlichen Fahrzeugen über die
gelenkige Anbindung (also den Drehkranz 105) am Drehgestell 102 geleitet werden.
[0032] Diese Trennung der Verbindung der Wagenkästen 103, 104 untereinander und ihrer Anbindung
am Drehgestell 102 hat den Vorteil, dass der Drehkranz 105 in herkömmlicher Weise
gestaltet sein kann. Weiterhin kann die Wageneinheit mit dem ersten Wagenkasten 103
durch ihre alleinige unmittelbare Anlenkung an den Drehgestell 102 fahrdynamisch wie
ein herkömmliche Wageneinheit mit zwei Endfahrwerken betrachtet werden, was letztlich
ihre Auslegung vereinfacht.
[0033] Das Kugelgelenk 106 ermöglicht zudem Wankbewegungen zwischen den beiden Wagenkästen
103, 104 um eine zur Fahrzeuglängsachse 101.1 parallele Wankachse. Hierdurch reduzieren
sich die Torsionsbelastungen der Wagenkästen 103, 104, z. B. beim Durchfahren von
verwundenen Gleisabschnitten, sodass die Wagenkästen 103, 104 einfacher gestaltet
werden können.
[0034] Wankbewegungen des ersten Wagenkastens 103 bezüglich des Drehgestells 102 werden
unter anderem über den Drehkranz 105 und die Wiege 102.1 abgestützt. Die Abstützung
der Wankbewegungen des zweiten Wagenkastens 104 bezüglich des ersten Wagenkastens
103 erfolgt über eine Verbindungseinrichtung 107, welche die beiden Wagenkästen 103,
104 in Richtung der Fahrzeugquerachse 101.3 verbindet. Hiermit ergibt sich eine besonders
einfache Gestaltung mit minimierter Torsionsbelastung des zweiten Wagenkastens 104,
da die Abstützung der Wankbewegungen nicht nur an anderer Stelle, beispielsweise am
anderen Ende des zweiten Wagenkastens 104 erfolgen muss.
[0035] Die Verbindungseinrichtung 107 ist im Dachbereich des Fahrzeugs 101 und damit oberhalb
des Kugelgelenks 106 angeordnet, sodass günstige Hebelverhältnisse für die Abstützung
der Wankbewegungen zwischen den beiden Wagenkästen 103, 104 vorliegen. Die Verbindungseinrichtung
107 ist hierzu im Dachbereich über eine erste Konsole 107.1 an dem ersten Wagenkasten
103 und eine zweite Konsole 107.2 an dem zweiten Wagenkasten 104 angelenkt.
[0036] Die Verbindungseinrichtung 107 umfasst eine in Richtung der Fahrzeugquerachse 101.3
wirkende Dämpfungseinrichtung in Form eines Dämpfers 107.3, der die Wankbewegungen
zwischen dem ersten Wagenkasten 103 und den zweiten Wagenkasten 104 in vorteilhafter
Weise bedämpft. Über eine Einstellung der Länge der Verbindungseinrichtung 107 kann
zudem im Ruhezustand des Fahrzeugs 101 eine Einstellung der Ausrichtung der Wagenkästen
103, 104 bezüglich der Fahrzeughochachse 101.2 erfolgen.
[0037] Durch die erfindungsgemäße Gestaltung mit der Anbindung des ersten Wagenkastens 103
über den Drehkranz 105 am Drehgestell 102 und die separate Verbindung der beiden Wagenkästen
103, 104 über das Kugelgelenk 106 wird weiterhin der Vorteil erzielt, dass sich ohne
weitere Maßnahmen eindeutige kinematische Bedingungen für die Anbindung am Drehgestell
102 ergeben. So ist anders als bei herkömmlichen Fahrzeugen, die beispielsweise einen
zweistufigen Drehkranz aufweisen, keine gesonderte Einrichtung erforderlich, welche
das Nickverhalten der Wiege 102.1 steuert. Ebenso ist kein Mittenportal für die Anbindung
der Wagenkästen erforderlich.
[0038] Im Folgenden wird unter Bezugnahme auf Figur 4 ein nicht erfindungsgemäßes Fahrzeug
201 beschrieben. Die Figur 4 zeigt dabei eine Ansicht des Fahrzeugs 201, die der Ansicht
des Fahrzeugs 101 aus Figur 3 entspricht. Das Fahrzeug 201 entspricht in seiner grundsätzlichen
Gestaltung und Funktionsweise dem Fahrzeug 101, sodass lediglich auf die Unterschiede
eingegangen werden soll. Dementsprechend sind in Figur 4 identische Bauteile mit denselben
Bezugszeichen wie in den Figuren 1 bis 3 versehen, während ähnliche Bauteile mit um
den Wert 100 erhöhten Bezugszeichen versehen sind.
[0039] Der einzige Unterschied zu dem Fahrzeug 101 aus den Figuren 1 bis 3 besteht darin,
dass bei dem Fahrzeug 201 die erste Gelenkeinrichtung als Drehzapfengelenk 205 gestaltet
ist, dessen Drehzapfen 205.2 an dem ersten Träger 103.1 des ersten Wagenkastens 103
befestigt ist und in einer entsprechenden Ausnehmung in der Wiege 202.1 des Drehgestells
102 sitzt. Alle übrigen Komponenten des Fahrzeugs 201 sind identisch mit den Komponenten
des Fahrzeugs 101, so dass diesbezüglich lediglich auf die obigen Ausführungen verwiesen
wird.
[0040] Das Drehzapfengelenk 205 kann in herkömmlicher Weise gestaltet sein. Insbesondere
kann es so gestaltet sein, wie dies in hinlänglicher Weise z. B. für Endfahrwerke
bekannt ist. Gegebenenfalls kann der Drehzapfen identisch mit den übrigen Drehzapfen
des Fahrzeugs 201 gestaltet sein, sodass in vorteilhafter Weise gegebenenfalls für
die Anlenkung sämtlicher Drehgestelle des Fahrzeugs 201 identische Bauteile verwendet
werden können.
[0041] Die vorliegende Erfindung wurde vorstehender ausschließlich Anhand von Beispielen
beschrieben, bei denen Drehgestelle zum Einsatz kommen. Es versteht sich jedoch, dass
sich die Erfindung auch im Zusammenhang mit beliebig anders gestalteten Fahrwerken
verwenden lässt.
[0042] Schließlich versteht es sich, dass die Erfindung in Verbindung mit beliebigen Fahrzeugen,
insbesondere beliebigen Schienenfahrzeugen für beliebige Anwendungen im Nahverkehr,
Fernverkehr, insbesondere im Hochgeschwindigkeitsverkehr, verwenden lässt.
1. Fahrzeug, insbesondere Schienenfahrzeug, mit
- einem ersten Wagenkasten (103)
- einem zweiten Wagenkasten (104) und
- einem Fahrwerk (102), wobei
- das Fahrwerk (102) im Bereich der einander benachbarten Enden der beiden Wagenkästen
(103, 104) angeordnet ist,
- der erste Wagenkasten (103) und der zweite Wagenkasten (104) im Bereich ihrer einander
benachbarten Enden zumindest um eine in Richtung der Hochachse (101.2) des Fahrzeugs
(101; 201) verlaufende Schwenkachse (106.1) schwenkbar verbunden sind,
- der erste Wagenkasten (103) über eine erste Gelenkeinrichtung (105; 205) um eine
in Richtung der Hochachse (101.2) des Fahrzeugs (101; 201) verlaufende erste Schwenkachse
(105.1) schwenkbar mit dem Fahrwerk (102) verbunden und auf dem Fahrwerk (102) abgestützt
ist und
- der zweite Wagenkasten (104) über eine zweite Gelenkeinrichtung (106) um eine in
Richtung der Hochachse (101.2) des Fahrzeugs (101; 201) verlaufende zweite Schwenkachse
(106.1) schwenkbar mit dem ersten Wagenkasten (103) verbunden ist,
wobei
- die Verbindung der Wagenkästen (103, 1 04) funktional von der Anbindung des Fahrwerks
(102) an dem ersten Wagenkasten (103) getrennt ist, indem der zweite Wagenkasten (104)
über die zweite Gelenkeinrichtung (106) auf dem ersten Wagenkasten (103) abgestützt
ist und die Struktur des ersten Wagenkastens (103) die aus der Abstützung des zweiten
Wagenkastens (104) resultierenden Stützkräfte über die erste Gelenkeinrichtung (105)
in das Fahrwerk (102) einleitet, dadurch gekennzeichnet, dass
- die erste Gelenkeinrichtung nach Art eines Drehkranzes (105) ausgebildet ist.
2. Fahrzeug nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die erste Schwenkachse (105.1) und die zweite Schwenkachse (106.1) im Ruhezustand
des Fahrzeugs (101) zueinander kollinear sind.
3. Fahrzeug nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die zweite Gelenkeinrichtung (106) in Richtung der Fahrzeughochachse (101.2) oberhalb
der ersten Gelenkeinrichtung (105) angeordnet ist
4. Fahrzeug nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die zweite Gelenkeinrichtung (106) derart ausgebildet ist, dass sie eine Wankbewegung
zwischen dem ersten Wagenkasten (103) und den zweiten Wagenkasten (104) um eine zur
Fahrzeuglängsachse (101.1) parallele Wankachse zulässt.
5. Fahrzeug nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die zweite Gelenkeinrichtung (106) nach Art eines Kugelgelenks ausgebildet ist.
6. Fahrzeug nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die zweite Gelenkeinrichtung (106) einen an einem der beiden Wagenkästen (103, 104)
angeordneten sphärischen Vorsprung (106.1) aufweist, der in einer zugeordneten sphärischen
Gelenkpfanne (106.2) sitzt, die an dem anderen der beiden Wagenkästen (103, 104) befestigt
ist.
7. Fahrzeug nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass der sphärische Vorsprung (106.1) an dem zweiten Wagenkasten (104) angeordnet ist.
8. Fahrzeug nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
- die beiden Wagenkästen (103, 104) über eine in Richtung der Fahrzeugquerachse (101.3)
wirkende Verbindungseinrichtung (107) verbunden sind, wobei
- die Verbindungseinrichtung (107) in Richtung der Fahrzeughochachse (101.2) von der
zweiten Gelenkeinrichtung (106) beabstandet ist.
9. Fahrzeug nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Verbindungseinrichtung (107) eine in Richtung der Fahrzeugquerachse (101.3) wirkende
Dämpfungseinrichtung (107.3) umfasst.
10. Fahrzeug nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Fahrwerk (102) nach Art eines Drehgestells ausgebildet ist.
11. Fahrzeug nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet, dass
- das Drehgestell (102) eine über eine Sekundärfederung (102,2) auf einem Drehgestellrahmen
(102.3) abgestützte Wiege (102.1) aufweist und
- die erste Gelenkeinrichtung (105) an der Wiege (102.1) befestigt ist.
1. Vehicle, in particular a rail vehicle, with
- a first wagon body (103)
- a second wagon body (104) and
- a running gear (102), wherein
- said running gear (102) is arranged in the region of the mutually adjacent ends
of the two wagon bodies (103, 104),
- said first wagon body (103) and said second wagon body (104), in the region of their
mutually adjacent ends, are pivotally connected at least about a pivot axis (106.1)
running in the direction of the height axis (101.2) of said vehicle (101; 201),
- said first wagon body (103), via a first articulation device (105; 205), is pivotally
connected to said running gear (102) about a first pivot axis (105.1) running in the
direction of said height axis (101.2) of said vehicle (101; 201) and is supported
on said running gear (102),
- said second wagon body (104) being pivotally connected to said first wagon body
(103) via a second articulation device (106) about a second pivot axis (106.1) running
in the direction of said height axis (101.2) of said vehicle (101; 201), wherein
- the connection of said wagon bodies (103, 104) is functionally separated from the
connection of said running gear (102) to said first wagon body (103), in that said
second wagon body (104) is supported on said first wagon body (103) via said second
articulation device (106) and the structure of said first wagon body (103) introduces
the supporting forces resulting from the support of said second wagon body (104) into
said running gear (102) via said first articulation device (105),
characterized in that
- said first articulation device is configured in the manner of a slewing ring (105).
2. Vehicle according to claim 1, characterized in that said first pivot axis (105.1) and said second pivot axis (106.1) are collinear with
one another in the rest state of said vehicle (101).
3. Vehicle according to claim 1 or 2, characterized in that said second articulation device (106) is arranged above said first articulation device
(105) in the direction of said vehicle height axis (101.2).
4. Vehicle according to any one of the preceding claims, characterized in that said second articulation device (106) is configured in such a way that it permits
a rolling motion between said first wagon body (103) and said second wagon body (104)
about a rolling axis parallel to said vehicle longitudinal axis (101.1).
5. Vehicle according to claim 4, characterized in that said second articulation device (106) is constructed in the manner of a ball joint.
6. Vehicle according to claim 5, characterized in that said second articulation device (106) comprises a spherical projection (106.1) arranged
on one of said two wagon bodies (103, 104), which projection is seated in an associated
spherical joint socket (106.2) which is fixed to the other one of said two wagon bodies
(103, 104).
7. Vehicle according to claim 6, characterized in that said spherical projection (106.1) is arranged on said second wagon body (104).
8. Vehicle according to any of the preceding claims,
characterized in that
- the two wagon bodies (103, 104) are connected via a connecting device (107) acting
in the direction of the vehicle transverse axis (101.3), wherein
- said connecting device (107) is spaced apart from said second articulation device
(106) in the direction of said vehicle height axis (101.2).
9. Vehicle according to claim 8, characterized in that said connecting device (107) comprises a damping device (107.3) acting in the direction
of said vehicle transverse axis (101.3).
10. Vehicle according to any of the preceding claims, characterized in that said running gear (102) is configured in the manner of a bogie.
11. Vehicle according to claim 10,
characterized in that
- said bogie (102) has a cradle (102.1) supported on a bogie frame (102.3) via a secondary
suspension (102.2) and
- said first articulation device (105) is fixed to said cradle (102.1).
1. Véhicule, en particulier véhicule ferroviaire, avec
- une première caisse de wagon (103)
- une deuxième caisse de wagon (104) et
- un train de roulement (102), dans lequel
- le train de roulement (102) est disposé dans la région des extrémités mutuellement
adjacentes des deux caisses de wagon (103, 104),
- la première caisse de wagon (103) et la deuxième caisse de wagon (104), dans la
région de leurs extrémités mutuellement adjacentes, sont reliées de façon pivotante
au moins autour d'un axe de pivotement (106.1) s'étendant dans la direction de l'axe
de hauteur (101.2) du véhicule (101; 201), et
- la première caisse de wagon (103), via un premier dispositif d'articulation (105;
205), est reliée au train de roulement (102) de façon pivotante autour d'un premier
axe de pivotement (105;) s'étendant dans la direction de l'axe de hauteur (101.2)
du véhicule (101; 201) et est supportée sur le train de roulement (102),
- la deuxième caisse de wagon (104), via un deuxième dispositif d'articulation (106),
est reliée à la première caisse de wagon (103) de façon pivotante autour d'un deuxième
axe de pivotement (106.1) s'étendant dans la direction de l'axe de hauteur (101.2)
du véhicule (101; 201), dans lequel
- la connexion des caisses de wagon (103, 104) est fonctionnellement séparée de la
connexion du train de roulement (102) à la première caisse de wagon (103) en ce que
la deuxième caisse de wagon (104) est supportée sur la première caisse de wagon (103)
via le deuxième dispositif d'articulation (106) et la structure de la première caisse
de wagon (103) introduit les forces d'appui résultant du support de la deuxième caisse
de wagon (104) dans le train de roulement (102) via le premier dispositif d'articulation
(105),
caractérisé en ce que
- le premier dispositif d'articulation est configuré de façon d'une couronne de pivotement
(105).
2. Véhicule selon la revendication 1, caractérisé en ce que le premier axe de pivotement (105.1) et le deuxième axe de pivotement (106.1) sont
mutuellement colinéaires dans l'état de repos du véhicule (101).
3. Véhicule selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que le deuxième dispositif d'articulation (106), dans la direction de l'axe de hauteur
du véhicule (101.2), est disposé au-dessus du premier dispositif d'articulation (105).
4. Véhicule selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que le deuxième dispositif d'articulation (106) est conçu de manière à permettre un mouvement
de roulement entre la première caisse de wagon (103) et la deuxième caisse de wagon
(104) autour d'un axe de roulement parallèle à l'axe longitudinal du véhicule (101.1).
5. Véhicule selon la revendication 4, caractérisé en ce que le deuxième dispositif d'articulation (106) est conçu à la manière d'un joint de
rotule.
6. Véhicule selon la revendication 5, caractérisé en ce que le deuxième dispositif d'articulation (106) présente une saillie sphérique (106.1)
qui est disposée sur l'une des deux caisses de wagon (103, 104) et qui est logée dans
une douille d'articulation sphérique associée (106.2) qui est fixée à l'autre des
deux caisses de wagon (103, 104).
7. Véhicule selon la revendication 6, caractérisé en ce que la saillie sphérique (106.1) est disposée sur la deuxième caisse de wagon (104).
8. Véhicule selon l'une des revendications précédentes,
caractérisé en ce que
- les deux caisses de wagon (103, 104) sont reliées via un dispositif de liaison (107)
agissant en direction de l'axe transversal du véhicule (101.3), dans lequel
- le dispositif de liaison (107), en direction de l'axe de hauteur du véhicule (101.2),
est éloigné du deuxième dispositif d'articulation (106).
9. Véhicule selon la revendication 8, caractérisé en ce que le dispositif de liaison (107) comprend un dispositif amortisseur (107.3) agissant
en direction de l'axe transversal du véhicule (101.3).
10. Véhicule selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que le train de roulement (102) est conçu à la manière d'un bogie.
11. Véhicule selon la revendication 10,
caractérisé en ce que
- le bogie (102) comprend un berceau (102.1) supporté sur un cadre de bogie (102.3)
via une suspension secondaire (102.2) et
- le premier dispositif d'articulation (105) est reliée au berceau (102.1).