(19)
(11) EP 2 168 734 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
31.03.2010  Patentblatt  2010/13

(21) Anmeldenummer: 08017138.2

(22) Anmeldetag:  29.09.2008
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
B27D 1/10(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MT NL NO PL PT RO SE SI SK TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL BA MK RS

(71) Anmelder: Heinrich Kuper GmbH & Co KG
D-33397 Rietberg (DE)

(72) Erfinder:
  • Runge, Carsten
    49152 Bad Essen (DE)
  • Laumeier, Reinhold
    33397 Rietberg (DE)

(74) Vertreter: Schaeberle, Steffen 
Hoefer & Partner Patentanwälte Pilgersheimer Strasse 20
81543 München
81543 München (DE)

   


(54) Verfahren zum Herstellen eines Funierteppichs


(57) Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen eines Furnierteppichs aus wenigstens einem ersten Furnierstreifen und einem zweiten Furnierstreifen, wobei die Furnierstreifen an ihren Kanten miteinander verbunden sind.


Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen eines Furnierteppichs aus wenigstens einem ersten Furnierstreifen und einem zweiten Furnierstreifen, wobei die Furnierstreifen an ihren Kanten miteinander verbunden sind.

[0002] Es ist bekannt, aus einzelnen Furnierstreifen durch Fügen an ihren Längskanten einen Furnierteppich herzustellen, welcher beispielsweise dann in der Möbelindustrie zur Herstellung von Furniermöbeln verwendet wird. Um einzelne Furnierstreifen miteinander zu einem Furnierteppich zu verbinden wird ein geschmolzener Heißklebefaden im Zick-Zack über einen Spalt zwischen zwei nebeneinander angeordneten Furnierstreifen aufgeklebt. Hierbei wird zuvor auf die Stoßkanten der Furnierstreifen ein Leim aufgebracht und dann die Furnierstreifen durch Gegeneinanderdrücken an ihren Stoßkanten mittels des Leims verbunden, wobei auf der Furnierrückseite gleichzeitig der Heißklebefaden im Zick-Zack aufgebracht wird.

[0003] Viele Leimsorten oder Bindemittel zum Fügen von Furnierholz sind bereits bekannt. Am besten verarbeiten lassen sich bislang Bindemittel auf Harnstoff- oder Phenolbasis oder auch Melamin-Formaldehydharze. Diese bieten die Vorteile, dass sie sich einfach und gleichmäßig auf die Kanten des Furnierstreifens auftragen lassen, dort schnell antrocknen und sehr leicht, beispielsweise durch Erwärmen, aktiviert werden können. Formaldehyd hat allerdings den Nachteil, dass er für den Menschen gesundheitsschädlich ist.

[0004] Gerade wegen der Möglichkeit der toxischen Schädigung des Menschen bei Kontakt mit Formaldehyd oder Einatmung ausdünstender Formaldehydgase, wäre es daher wünschenswert, bei der Herstellung von Furnierteppichen alternative, nicht gesundheitsschädliche, Bindemittel zum Fügen von Furnierstreifen einzusetzen.

[0005] Es ist daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren zum Herstellen eines Furnierteppichs durch Fügen von Furnierstreifen bereitzustellen, das einen in gesundheitlicher Sicht unbedenklichen und umweltfreundlichen Furnierteppich erzeugt. Ferner soll das erfindungsgemäße Verfahren einfach und kostengünstig sein und eine sichere Verbindung der Furnierstreifen zu dem Furnierteppich ermöglichen.

[0006] Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruches 1 gelöst. Die Unteransprüche zeigen jeweils bevorzugte Weiterbildungen der Erfindung.

[0007] Das erfindungsgemäße Verfahren zum Herstellen eines Furnierteppichs mit den Merkmalen des Anspruches 1 weist den Vorteil auf, dass es einfach und schnell ausführbar ist. Dabei kann ein sicheres Fügen von Furniersteifen erreicht werden. Dies wird erfindungsgemäß dadurch erreicht, dass in einem ersten Schritt wenigstens ein erster Furnierstreifen und ein zweiter Furnierstreifen vorbereitet werden, zum Beispiel indem die Furnierstreifen zum einen an den Furnierkanten mit einem Parallelschnitt versehen werden und zum anderen nebeneinander an ihren Stoßkanten angeordnet werden. In einem zweiten Schritt wird ein wässriges Bindemittelsystem bereitgestellt, und auf mindestens eine Kante des ersten Furnierstreifens aufgebracht. Sodann wird das aufgebrachte wässrige Bindemittelsystem trocknen gelassen. In einem weiteren Schritt wird Energie zu dem auf die Kante des ersten Furnierstreifens aufgebrachten wässrigen Bindemittelsystems zugeführt und der erste und zweite Furnierstreifen an der mit Bindemittel versehenen Seite gefügt. In einem abschließenden Schritt wird das aufgebrachte wässrige Bindemittelsystem ausgehärtet. Vorzugsweise wird der Schritt des Energiezuführens und des Fügens gleichzeitig oder sehr kurz nacheinander, z.B. in einem Zeitabstand von 0,1 s, ausgeführt.

[0008] Ein erfindungswesentlicher Bestandteil des erfindungsgemäßen Verfahrens ist das Bindemittelsystem. Das Bindemittelsystem ist dabei wässrig, also eine wässrige Zubereitung. Das bedeutet, dass das Lösungsmittel des Bindemittels zum Großteil aus Wasser besteht und ferner wassermischbare Komponenten, wie beispielsweise ein- und mehrwertige Alkohole, und andere hydrophile Substanzen, enthalten kann. Wasser als Lösungsmittel hat zum Vorteil, dass es zum einen ein für den Menschen bei normalem Gebrauch ungefährliches Lösungsmittel darstellt, so dass an die in der Fabrikation der Möbel einzuhaltenden Sicherheitsvorkehrungen keine sonderlich hohen Maßstäbe angelegt werden müssen. Ferner ist auch ein späteres Ausdunsten von Restfeuchtigkeit aus dem Furnierteppich für den Menschen völlig unbedenklich und damit auch nicht gesundheitsschädlich. Zudem ist Wasser ein im Vergleich zu organischen Lösungsmitteln kostengünstiges Lösungsmittel, das nahezu uneingeschränkt verfügbar und damit vorrätig und jederzeit einsatzfähig ist.

[0009] Darüber hinaus zeichnet sich das Lösungsmittel Wasser durch einen polaren Charakter und damit eine hohe Affinität zu Holz, welches ebenfalls aus polaren Stoffen gebildet ist, aus. Die Benetzung der Kante des Furnierstreifens mit dem erfindungsgemäßen Bindemittelsystem ist somit sehr gut. Das Bindemittelsystem lässt sich einfach und homogen auf mindestens eine Kante des ersten Furnierstreifens aufbringen, leicht ohne viel Druck verteilen, ohne dass sich Inseln von ungleichmäßig verteiltem Bindemittelsystem auf der Oberfläche der zu benetzenden Kante des Furnierstreifens bilden, was zu unvollständigem Fügen der Furnierstreifen und damit einer deutlich reduzierten Haltbarkeit des Furniers führen würde.

[0010] Weiter ist erfindungswesentlich, dass das erfindungsgemäße Bindemittelsystem formaldehydfrei ist bzw. auch nach längerer Lagerzeit unter den gegebenen Umgebungsbedingungen kein Formaldehyd freisetzt. Damit ist es umweltfreundlich und für den Menschen unbedenklich.

[0011] Nach dem Auftragen des Bindemittelsystems wird gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren dieses abtrocknen gelassen. Dies kann auf unterschiedliche Weise geschehen. Auch hier zeigt sich eine weitere vorteilhafte Eigenschaft des erfindungsgemäß verwendeten wässrigen Bindemittelsystems gegenüber den im Stand der Technik eingesetzten Bindemittelsystemen auf Basis organischer Lösungsmittel. Das Lösungsmittel Wasser kann bereits an der Luft ohne negative Beeinträchtigung der Umwelt oder der Menschen abtrocknen gelassen werden, oder aber auch durch heiße Luft ausgeblasen oder elektrische Heizungen verdampft werden.

[0012] An ein Bindemittelsystem zum Fügen von Kanten von Furnierstreifen werden besonders hohe Erwartungen gestellt. Das Bindemittelsystem muss dabei nicht nur leicht und gleichmäßig applizierbar sein, sondern muss nach Aushärtung die Kanten auch dauerhaft miteinander verbinden. Dafür darf die ausgehärtete Schicht nicht zu hart sein, aber auch nicht zu elastisch, weil ansonsten durch Scherbelastung oder leichtes Verdrillen die gefügten Kanten wieder an der Fügestelle auseinanderbrechen. Das in dem erfindungsgemäßen Verfahren verwendete Bindemittelsystem zeichnet sich durch optimale Applikationseigenschaften und dauerhaft gute Haltbarkeit aus. Ferner stellt das erfindungsgemäß verwendete Bindemittelsystem eine ausreichende Haftkraft bereit, so dass auf eine Applikation eines Zick-Zack Heißklebefadens verzichtet werden kann.

[0013] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung wird das wässrige Bindemittelsystem auf die Kante des ersten Furnierstreifens und auf eine Kante des zweiten Furnierstreifens aufgebracht. Dies hat zum Vorteil, dass damit jeweils eine definierte Bindemittelsystemmenge auf die jeweilige zu fügende Kante appliziert wird, so dass nach dem Fügen der entsprechenden Kanten eine optimale Verbindung der benetzten Kanten erzielt wird, ohne dass überschüssiges Bindemittelsystem über die Fuge hinaustritt.

[0014] In einer weiteren vorzugsweisen Ausführungsform der vorliegenden Erfindung enthält das erfindungsgemäße Bindemittelsystem mindestens einen Polyester und/oder einen Polyether und/oder Polyvinylacetat. Polyester bzw. Polyether und Polyvinylacetat sind Polymere, die zur Einstellung der gewünschten Eigenschaften des Bindemittelsystems geeignet sind. Sie zeichnen sich ebenfalls durch einen weitgehend hydrophilen Charakter aus, so dass sie in dem wässrigen Bindemittelsystem gut löslich oder zumindest dispergierbar sind. Durch vielfältige chemische Adaptionsmöglichkeiten können sie einen Einfluss auf die Applikationseigenschaften und Hafteigenschaften des Bindemittelsystems ausüben. Die einzusetzenden Polyester oder Polyether sind im Einzelnen nicht beschränkt und umfassen solche, die aus unterschiedlichen Monomeren aufgebaut sind. Besonders gut geeignet sind allerdings solche Polyester oder Polyether, die sich durch eine gute Wasserlöslichkeit bzw. Wasserdispergierbarkeit auszeichnen.

[0015] Damit in dem erfindungsgemäßen Verfahren das Bindemittelsystem zwei aufeinandertreffende Kanten von Furnierstreifen dauerhaft fügen kann, wird dem Bindemittelsystem nach der Applikation Energie zugeführt. Durch den Eintrag von Energie wird in dem Bindemittelsystem eine Reaktion ausgelöst, die die nichtflüchtigen Komponenten des Bindemittelsystems in ein dauerhaft haftendes Bindemittel umwandelt. Zumeist wird durch das Zuführen von Energie zu einem Bindemittelsystem eine Polymerisationsreaktion, insbesondere eine Polykondensation oder Polyaddition aber auch eine radikalische Polymerisationsreaktion, ausgelöst. Das Zuführen von Energie in dem erfindungsgemäßen Verfahren, kann auf unterschiedliche Weise geschehen und ist im Einzelnen nicht auf ein bestimmtes Verfahren beschränkt. So kann die Reaktion in dem Bindemittel durch Einbringen von warmer Luft und/oder Infrarotstrahlung und/oder Hochfrequenzstrahlung und/oder Mikrowellenstrahlung und/oder mittels einer Kontaktheizung initiiert und durchgeführt werden.

[0016] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das wässrige Bindemittelsystem nach Applikation für den Schritt des Fügens auf eine Temperatur von mindestens 55 °C erwärmt. Ab einer Temperatur von mindestens 55 °C wird die Reaktion in dem Bindemittelsystem initiiert. Die Temperatur ist nach oben hin nicht beschränkt, da die Komponenten des Bindemittelsystems weitgehend unempfindlich gegenüber selbst hohen Temperaturen von über 100 oder 150 °C sind. Die Temperatur kann also wunschgemäß entsprechend der weiteren Verarbeitung angepasst werden.

[0017] Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform kann das Bindemittelsystem, das in dem erfindungsgemäßen Verfahren verwendet wird einen Vernetzer enthalten. Unter einem Vernetzer sollen gemäß der Erfindung z.B. Monomere oder Oligomere verstanden werden, die mehr als zwei funktionelle Gruppierungen d.h. Verknüpfungsstellen enthalten. Mit ihrer Hilfe kann der Fachmann lineare oder verzweigte Makromoleküle miteinander zu dreidimensionalen Netzwerken verbinden. Als Beispiel sei hier Divinylbenzol, das über seine zwei Vinyl-Gruppen Vernetzungsbrücken bildet. Die Art des Vernetzers ist im Einzelnen nicht beschränkt. Der Fachmann kann sie so auswählen, dass die Applikations- und Hafteigenschaften des Bindemittelsystems optimiert werden.

[0018] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform ist das erfindungsgemäße Verfahren dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Bindemittelsystem Partikel mit einer Partikelgröße von etwa 0,1 µm bis 200 µm, bevorzugt 0,1 µm bis 50 µm enthält.Die Partikelgröße wird hierbei am breitesten Bereich des jeweiligen Partikels gemessen. Eine auf einen Bereich von etwa 0,1 µm bis 200 µm eingestellte Partikelgröße der Partikel in dem wässrigen Bindemittelsystem hat zum Vorteil, dass die Art der Aufbringung des Bindemittelsystems auf mindestens eine Kante des ersten Furnierstreifens im Einzelnen nicht beschränkt ist. Hierdurch wird es möglich das Bindemittelsystem sogar zu verdüsen ohne dass die eingesetzten Düsen verkleben. Ein weiterer Vorteil solch feinpartikulärer Bindemittelsysteme ist, dass diese Bindemittelsysteme auf Dauer homogen und stabil also auch lagerstabil bleiben, weil sich die Partikel nicht, ihrer Schwerkraft folgend, als Bodensatz in der wässrigen Zubereitung absetzen. Bereits bei Partikeln mit mehr als 200 µm an ihrer breitesten Stelle kann einem Absetzen in der wässrigen Lösung nicht mehr optimal entgegengewirkt werden. Partikel mit einer Partikelgröße von weniger als 0,1 µm hingegen sind technisch sehr schwer und nur unter enormem Aufwand zu realisieren, der wirtschaftlich nicht zu vertreten ist. Bevorzugt weisen die Partikel eine Teilchengröße von 0,1 µm bis 50 µm auf. Diese Partikelgröße ist optimal. Die Teilchen bleiben in dem wässrigen Bindemittelsystem sehr gut in Schwebe und verkleben beim Verdüsen die Düsen nicht.

[0019] In einer bevorzugten Ausführungsform ist das erfindungsgemäße Verfahren dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Bindemittelsystem bei 20 °C eine Viskosität von bis zu 5000 mPas, bevorzugt zwischen 1500 mPas und 2500 mPas aufweist. Die Viskosität wird bei 20 °C mittels eines Brookfield Viskosimeters, RVT Spindel 3, bei 20 U/min gemessen. Eine Viskosität von mehr als 5000 mPas führt dazu, dass das wässrige Bindemittelsystem aufgrund seiner Zähflüssigkeit nicht optimal auf die zu fügenden Kanten appliziert werden kann. Selbst bei Aufwalzen der Masse mittels eines gewissen Drucks neigt das wässrige Bindemittelsystem dazu sich inhomogen zu verteilen und nicht auf der Kante zu spreiten, wie es gewünscht ist. Im Gegensatz dazu führt eine Viskosität von weniger als 1500 mPas dazu, dass die Masse von der zu fügenden Kante nach Applikation darauf abtropfen kann.

[0020] Die Applikationseigenschaften des wässrigen Bindemittelsystems werden gemäß einer bevorzugten Ausführungsform entsprechend so gewählt, dass das wässrige Bindemittelsystem in die offenen Poren an der Kante des Furnierstreifens eindringen kann. Durch das Eindringen des Bindemittelsystems in die Poren oder offenen Poren an der Kante des Furnierstreifens wird eine bessere Verankerung des Bindemittelsystems mit dem Furnierstreifen erzeugt, wodurch final nach dem Aushärten des Bindemittelsystems die beiden gefügten Furnierstreifen deutlich fester miteinander verbunden sind als wenn lediglich oberflächlich ein Bindemittelsystem auf der Kante des Furnierstreifens appliziert würde. Ohne an die Theorie gebunden zu sein wird angenommen, dass die Verankerung des Bindemittels in den Poren des Furnierstreifens deshalb so gut erzeugt werden kann, weil sich gerade das Hauptlösungsmittels Wasser durch sehr gute Kapillareigenschaften auszeichnet, also bevorzugt in die Poren an der Kante des Furnierstreifens eindringt. Mit dem Wasser wird auch das Bindemittelsystem in die Poren eingeschleppt, das dort, nach dem Abtrocknen des Wassers, in den Poren verbleibt und für die hervorragende Verankerung des Bindemittelsystems mit dem zu fügenden Furnierstreifen sorgt. Die Kapillargängigkeit ist bei den bislang bekannten Systemen auf Harzbasis weitaus geringer, so dass der spezifische Verankerungseffekt nicht zu Tage tritt.

[0021] Wie bereits ausgeführt, ist das Verfahren zum Aufbringen des Bindemittelsystems auf mindestens eine Kante des ersten Furnierstreifens im Einzelnen nicht eingeschränkt. Das wässrige Bindemittelsystem kann sowohl mittels mechanischer Vorrichtungen an gewünschter Stelle appliziert werden, wie zum Beispiel mittels eines Walzwerks oder aber auf die Kante des ersten Furnierstreifens verdüst werden. Während das Aufbringen mittels mechanischer Vorrichtungen meist kostengünstiger und leichter umzusetzen ist, bietet das Verdüsen den Vorteil, dass feine Nebel des wässrigen Bindemittelsystems sehr gleichmäßig und auch in sehr dünnen Schichtdicken auf die entsprechende Kante aufgebracht werden können. Durch das Aufbringen sehr dünner Schichtdicken wird die minimal nötige Bindemittelsystemmenge aufgebracht ohne weiteres Bindemittelsystem zu vergeuden. Ferner wird dadurch verhindert, dass überschüssiges Bindemittelsystem vor dem Fügen von der Kante abtropft.

[0022] Die Verdüseeigenschaften eines Bindemittelsystems sind stark von der Partikelgröße der zu verdüsenden Zubereitung abhängig. Je kleiner die Partikelgröße, desto besser und gleichmäßiger ist die Verdüsung. Eine Partikelgröße von etwa 0,1 µm bis 200 µm ist dabei als sehr gut anzusehen. Das Bindemittelsystem wird damit gleichmäßig und gleichförmig auf die gewünschte Stelle aufgebracht.

[0023] In einer bevorzugten Ausführungsform wird das wässrige Bindemittelsystem senkrecht auf mindestens eine Kante des ersten Furnierstreifens mittels Verdüsung aufgebracht. Durch die Senkrechtstellung bzw. zueinander senkrechte Anordnung der Düse, aus der das wässrige Bindemittelsystem austritt, und der Poren oder offenen Poren der Kante des Furnierstreifens, auf die das Bindemittelsystem aufgebracht werden soll, wird bewirkt, dass das Bindemittelsystem optimal in Poren des Furnierstreifens eindringt und somit perfekt mit der zu fügenden Kante des Furnierstreifens verankert wird. Dabei ist es unerheblich welcher Form und Gestalt die Poren sind. Sie können sowohl rund oder aber auch länglich mit beliebiger innerer Form ausgebildet sein. Ein Öffnungsquerschnitt der Poren liegt dabei jedoch in einer Ebene, in welcher auch die Kante liegt, wobei die Kante senkrecht zur Furnieroberfläche angeordnet ist. Durch die senkrechte Verdüsung wird das wässrige Bindemittelsystem aktiv in die Poren eingebracht, so dass es weit tiefer in die Poren eindringt und die Poren zudem auch vollständig ausfüllt. Die Verankerung ist damit optimal. Derart gefügte Furnierstreifen weisen eine dauerhaft gute Fügung auf.

[0024] Für die Verdüsung des wässrigen Bindemittelsystems nach einer Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens ist es von Vorteil, wenn die Geschwindigkeit, mit der das Bindemittelsystem aufgebracht wird etwa 10 bis 50 m/s beträgt.

[0025] Bei Geschwindigkeiten unter 10 m/s kann die Verdüsung nicht optimal ausgeführt werden, so dass die Poren an der Kante des Furnierstreifens, in die das Bindemittelsystem eindringen soll, nicht weitestgehend vollständig gefüllt werden. Bei Geschwindigkeiten von mehr als 50 m/s trifft das Bindemittelsystem mit solch einer hohen Geschwindigkeit auf die Kante des Furnierstreifens, dass ein Großteil davon abprallt, was zu einem erhöhten Verbrauch an wässrigem Bindemittelsystem führt und wodurch nebenbei auch Stellen des Furnierstreifens betropft werden, wo es nicht gewünscht war.

[0026] Mittels des erfindungsgemäßen Verfahrens kann ein besonders stabiler Furnierteppich bereitgestellt werden, dessen Furnierstreifen optimal gefügt sind, so dass eine dauerhafte Haltbarkeit des Furnierteppichs gewährleistet werden kann. Ferner stellt der Furnierteppich keine Belastung für die Umwelt bzw. Gesundheitsschädigung für Lebewesen und insbesondere den Menschen dar, da hier keine schädlichen Gase ausdünsten.


Ansprüche

1. Verfahren zum Herstellen eines Furnierteppichs aus wenigstens einem ersten Furnierstreifen und einem zweiten Furnierstreifen, welche an ihren Kanten miteinander verbunden werden, gekennzeichnet durch die Schritte:

- Vorbereiten der zu fügenden Furnierstreifen,

- Aufbringen eines wässrigen Bindemittelsystems auf mindestens eine Kante des ersten Furnierstreifens,

- Trocknen lassen des aufgebrachten wässrigen Bindemittelsystems,

- Zuführen von Energie zu dem auf die Kante des ersten Furnierstreifens aufgebrachten wässrigen Bindemittelsystem,

- Fügen des ersten und zweiten Furnierstreifens an der mit dem wässrigen Bindemittelsystem versehenen Kante und

- Aushärten des aufgebrachten wässrigen Bindemittelsystems,

wobei das wässrige Bindemittelsystem formaldehydfrei ist.
 
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Bindemittelsystem auf die Kante des ersten Furnierstreifens und auf eine Kante des zweiten Furnierstreifens aufgebracht wird.
 
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Bindemittelsystem mindestens einen Polyester und/oder einen Polyether und/oder Polyvinylacetat enthält.
 
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Energie zu dem aufgebrachten wässrigen Bindemittelsystem in Form von warmer Luft und/oder Infrarotstrahlung und/oder Hochfrequenzstrahlung und/oder Mikrowellenstrahlung und/oder mittels einer Kontaktheizung zugeführt wird.
 
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Bindemittelsystem für den Schritt des Fügens auf eine Temperatur von mindestens 55 °C erwärmt wird.
 
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Bindemittelsystem einen Vernetzer enthält.
 
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Bindemittelsystem Partikel mit einer Partikelgröße von etwa 0,1 µm bis 200 µm, bevorzugt 0,1 bis 50 µm enthält.
 
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Bindemittelsystem bei 20 °C eine Viskosität von bis zu 5000 mPas, bevorzugt zwischen 1500 mPas und 2500 mPas aufweist, wobei die Viskosität mittels eines Brookfield Viskosimeters mit einer RVT Spindel 3 bei 20 U/min gemessen wird.
 
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch den Schritt, dass das wässrige Bindemittelsystem in die Poren an der Kante des wenigstens ersten Furnierstreifens eingebracht wird.
 
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Bindemittelsystem auf mindestens eine Kante des ersten Furnierstreifens mittels Ausrollen mittels eines Walzwerks aufgebracht wird.
 
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Bindemittelsystem auf mindestens eine Kante des ersten Furnierstreifens mittels Verdüsung aufgebracht wird.
 
12. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Bindemittelsystem senkrecht auf mindestens eine Kante des ersten Furnierstreifens mittels Verdüsung aufgebracht wird.
 
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Bindemittelsystem mit einer Geschwindigkeit von 10 bis 50 m/s aufgebracht wird.
 
14. Verwendung eines formaldehydreien, wässrigen Bindemittelsystems zum Verbinden von Furnierstreifen an ihren Kanten, um einen Furnierteppich zu bilden.
 





Recherchenbericht