[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen eines Furnierteppichs aus wenigstens
einem ersten Furnierstreifen und einem zweiten Furnierstreifen, wobei die Furnierstreifen
an ihren Kanten miteinander verbunden sind.
[0002] Es ist bekannt, aus einzelnen Furnierstreifen durch Fügen an ihren Längskanten einen
Furnierteppich herzustellen, welcher beispielsweise dann in der Möbelindustrie zur
Herstellung von Furniermöbeln verwendet wird. Um einzelne Furnierstreifen miteinander
zu einem Furnierteppich zu verbinden wird ein geschmolzener Heißklebefaden im Zick-Zack
über einen Spalt zwischen zwei nebeneinander angeordneten Furnierstreifen aufgeklebt.
Hierbei wird zuvor auf die Stoßkanten der Furnierstreifen ein Leim aufgebracht und
dann die Furnierstreifen durch Gegeneinanderdrücken an ihren Stoßkanten mittels des
Leims verbunden, wobei auf der Furnierrückseite gleichzeitig der Heißklebefaden im
Zick-Zack aufgebracht wird.
[0003] Viele Leimsorten oder Bindemittel zum Fügen von Furnierholz sind bereits bekannt.
Am besten verarbeiten lassen sich bislang Bindemittel auf Harnstoff- oder Phenolbasis
oder auch Melamin-Formaldehydharze. Diese bieten die Vorteile, dass sie sich einfach
und gleichmäßig auf die Kanten des Furnierstreifens auftragen lassen, dort schnell
antrocknen und sehr leicht, beispielsweise durch Erwärmen, aktiviert werden können.
Formaldehyd hat allerdings den Nachteil, dass er für den Menschen gesundheitsschädlich
ist.
[0004] Gerade wegen der Möglichkeit der toxischen Schädigung des Menschen bei Kontakt mit
Formaldehyd oder Einatmung ausdünstender Formaldehydgase, wäre es daher wünschenswert,
bei der Herstellung von Furnierteppichen alternative, nicht gesundheitsschädliche,
Bindemittel zum Fügen von Furnierstreifen einzusetzen.
[0005] Es ist daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren zum Herstellen eines
Furnierteppichs durch Fügen von Furnierstreifen bereitzustellen, das einen in gesundheitlicher
Sicht unbedenklichen und umweltfreundlichen Furnierteppich erzeugt. Ferner soll das
erfindungsgemäße Verfahren einfach und kostengünstig sein und eine sichere Verbindung
der Furnierstreifen zu dem Furnierteppich ermöglichen.
[0006] Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruches 1 gelöst.
Die Unteransprüche zeigen jeweils bevorzugte Weiterbildungen der Erfindung.
[0007] Das erfindungsgemäße Verfahren zum Herstellen eines Furnierteppichs mit den Merkmalen
des Anspruches 1 weist den Vorteil auf, dass es einfach und schnell ausführbar ist.
Dabei kann ein sicheres Fügen von Furniersteifen erreicht werden. Dies wird erfindungsgemäß
dadurch erreicht, dass in einem ersten Schritt wenigstens ein erster Furnierstreifen
und ein zweiter Furnierstreifen vorbereitet werden, zum Beispiel indem die Furnierstreifen
zum einen an den Furnierkanten mit einem Parallelschnitt versehen werden und zum anderen
nebeneinander an ihren Stoßkanten angeordnet werden. In einem zweiten Schritt wird
ein wässriges Bindemittelsystem bereitgestellt, und auf mindestens eine Kante des
ersten Furnierstreifens aufgebracht. Sodann wird das aufgebrachte wässrige Bindemittelsystem
trocknen gelassen. In einem weiteren Schritt wird Energie zu dem auf die Kante des
ersten Furnierstreifens aufgebrachten wässrigen Bindemittelsystems zugeführt und der
erste und zweite Furnierstreifen an der mit Bindemittel versehenen Seite gefügt. In
einem abschließenden Schritt wird das aufgebrachte wässrige Bindemittelsystem ausgehärtet.
Vorzugsweise wird der Schritt des Energiezuführens und des Fügens gleichzeitig oder
sehr kurz nacheinander, z.B. in einem Zeitabstand von 0,1 s, ausgeführt.
[0008] Ein erfindungswesentlicher Bestandteil des erfindungsgemäßen Verfahrens ist das Bindemittelsystem.
Das Bindemittelsystem ist dabei wässrig, also eine wässrige Zubereitung. Das bedeutet,
dass das Lösungsmittel des Bindemittels zum Großteil aus Wasser besteht und ferner
wassermischbare Komponenten, wie beispielsweise ein- und mehrwertige Alkohole, und
andere hydrophile Substanzen, enthalten kann. Wasser als Lösungsmittel hat zum Vorteil,
dass es zum einen ein für den Menschen bei normalem Gebrauch ungefährliches Lösungsmittel
darstellt, so dass an die in der Fabrikation der Möbel einzuhaltenden Sicherheitsvorkehrungen
keine sonderlich hohen Maßstäbe angelegt werden müssen. Ferner ist auch ein späteres
Ausdunsten von Restfeuchtigkeit aus dem Furnierteppich für den Menschen völlig unbedenklich
und damit auch nicht gesundheitsschädlich. Zudem ist Wasser ein im Vergleich zu organischen
Lösungsmitteln kostengünstiges Lösungsmittel, das nahezu uneingeschränkt verfügbar
und damit vorrätig und jederzeit einsatzfähig ist.
[0009] Darüber hinaus zeichnet sich das Lösungsmittel Wasser durch einen polaren Charakter
und damit eine hohe Affinität zu Holz, welches ebenfalls aus polaren Stoffen gebildet
ist, aus. Die Benetzung der Kante des Furnierstreifens mit dem erfindungsgemäßen Bindemittelsystem
ist somit sehr gut. Das Bindemittelsystem lässt sich einfach und homogen auf mindestens
eine Kante des ersten Furnierstreifens aufbringen, leicht ohne viel Druck verteilen,
ohne dass sich Inseln von ungleichmäßig verteiltem Bindemittelsystem auf der Oberfläche
der zu benetzenden Kante des Furnierstreifens bilden, was zu unvollständigem Fügen
der Furnierstreifen und damit einer deutlich reduzierten Haltbarkeit des Furniers
führen würde.
[0010] Weiter ist erfindungswesentlich, dass das erfindungsgemäße Bindemittelsystem formaldehydfrei
ist bzw. auch nach längerer Lagerzeit unter den gegebenen Umgebungsbedingungen kein
Formaldehyd freisetzt. Damit ist es umweltfreundlich und für den Menschen unbedenklich.
[0011] Nach dem Auftragen des Bindemittelsystems wird gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren
dieses abtrocknen gelassen. Dies kann auf unterschiedliche Weise geschehen. Auch hier
zeigt sich eine weitere vorteilhafte Eigenschaft des erfindungsgemäß verwendeten wässrigen
Bindemittelsystems gegenüber den im Stand der Technik eingesetzten Bindemittelsystemen
auf Basis organischer Lösungsmittel. Das Lösungsmittel Wasser kann bereits an der
Luft ohne negative Beeinträchtigung der Umwelt oder der Menschen abtrocknen gelassen
werden, oder aber auch durch heiße Luft ausgeblasen oder elektrische Heizungen verdampft
werden.
[0012] An ein Bindemittelsystem zum Fügen von Kanten von Furnierstreifen werden besonders
hohe Erwartungen gestellt. Das Bindemittelsystem muss dabei nicht nur leicht und gleichmäßig
applizierbar sein, sondern muss nach Aushärtung die Kanten auch dauerhaft miteinander
verbinden. Dafür darf die ausgehärtete Schicht nicht zu hart sein, aber auch nicht
zu elastisch, weil ansonsten durch Scherbelastung oder leichtes Verdrillen die gefügten
Kanten wieder an der Fügestelle auseinanderbrechen. Das in dem erfindungsgemäßen Verfahren
verwendete Bindemittelsystem zeichnet sich durch optimale Applikationseigenschaften
und dauerhaft gute Haltbarkeit aus. Ferner stellt das erfindungsgemäß verwendete Bindemittelsystem
eine ausreichende Haftkraft bereit, so dass auf eine Applikation eines Zick-Zack Heißklebefadens
verzichtet werden kann.
[0013] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung wird das wässrige
Bindemittelsystem auf die Kante des ersten Furnierstreifens und auf eine Kante des
zweiten Furnierstreifens aufgebracht. Dies hat zum Vorteil, dass damit jeweils eine
definierte Bindemittelsystemmenge auf die jeweilige zu fügende Kante appliziert wird,
so dass nach dem Fügen der entsprechenden Kanten eine optimale Verbindung der benetzten
Kanten erzielt wird, ohne dass überschüssiges Bindemittelsystem über die Fuge hinaustritt.
[0014] In einer weiteren vorzugsweisen Ausführungsform der vorliegenden Erfindung enthält
das erfindungsgemäße Bindemittelsystem mindestens einen Polyester und/oder einen Polyether
und/oder Polyvinylacetat. Polyester bzw. Polyether und Polyvinylacetat sind Polymere,
die zur Einstellung der gewünschten Eigenschaften des Bindemittelsystems geeignet
sind. Sie zeichnen sich ebenfalls durch einen weitgehend hydrophilen Charakter aus,
so dass sie in dem wässrigen Bindemittelsystem gut löslich oder zumindest dispergierbar
sind. Durch vielfältige chemische Adaptionsmöglichkeiten können sie einen Einfluss
auf die Applikationseigenschaften und Hafteigenschaften des Bindemittelsystems ausüben.
Die einzusetzenden Polyester oder Polyether sind im Einzelnen nicht beschränkt und
umfassen solche, die aus unterschiedlichen Monomeren aufgebaut sind. Besonders gut
geeignet sind allerdings solche Polyester oder Polyether, die sich durch eine gute
Wasserlöslichkeit bzw. Wasserdispergierbarkeit auszeichnen.
[0015] Damit in dem erfindungsgemäßen Verfahren das Bindemittelsystem zwei aufeinandertreffende
Kanten von Furnierstreifen dauerhaft fügen kann, wird dem Bindemittelsystem nach der
Applikation Energie zugeführt. Durch den Eintrag von Energie wird in dem Bindemittelsystem
eine Reaktion ausgelöst, die die nichtflüchtigen Komponenten des Bindemittelsystems
in ein dauerhaft haftendes Bindemittel umwandelt. Zumeist wird durch das Zuführen
von Energie zu einem Bindemittelsystem eine Polymerisationsreaktion, insbesondere
eine Polykondensation oder Polyaddition aber auch eine radikalische Polymerisationsreaktion,
ausgelöst. Das Zuführen von Energie in dem erfindungsgemäßen Verfahren, kann auf unterschiedliche
Weise geschehen und ist im Einzelnen nicht auf ein bestimmtes Verfahren beschränkt.
So kann die Reaktion in dem Bindemittel durch Einbringen von warmer Luft und/oder
Infrarotstrahlung und/oder Hochfrequenzstrahlung und/oder Mikrowellenstrahlung und/oder
mittels einer Kontaktheizung initiiert und durchgeführt werden.
[0016] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
wird das wässrige Bindemittelsystem nach Applikation für den Schritt des Fügens auf
eine Temperatur von mindestens 55 °C erwärmt. Ab einer Temperatur von mindestens 55
°C wird die Reaktion in dem Bindemittelsystem initiiert. Die Temperatur ist nach oben
hin nicht beschränkt, da die Komponenten des Bindemittelsystems weitgehend unempfindlich
gegenüber selbst hohen Temperaturen von über 100 oder 150 °C sind. Die Temperatur
kann also wunschgemäß entsprechend der weiteren Verarbeitung angepasst werden.
[0017] Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform kann das Bindemittelsystem, das
in dem erfindungsgemäßen Verfahren verwendet wird einen Vernetzer enthalten. Unter
einem Vernetzer sollen gemäß der Erfindung z.B. Monomere oder Oligomere verstanden
werden, die mehr als zwei funktionelle Gruppierungen d.h. Verknüpfungsstellen enthalten.
Mit ihrer Hilfe kann der Fachmann lineare oder verzweigte Makromoleküle miteinander
zu dreidimensionalen Netzwerken verbinden. Als Beispiel sei hier Divinylbenzol, das
über seine zwei Vinyl-Gruppen Vernetzungsbrücken bildet. Die Art des Vernetzers ist
im Einzelnen nicht beschränkt. Der Fachmann kann sie so auswählen, dass die Applikations-
und Hafteigenschaften des Bindemittelsystems optimiert werden.
[0018] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform ist das erfindungsgemäße Verfahren
dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Bindemittelsystem Partikel mit einer Partikelgröße von etwa 0,1 µm bis
200 µm, bevorzugt 0,1 µm bis 50 µm enthält.Die Partikelgröße wird hierbei am breitesten
Bereich des jeweiligen Partikels gemessen. Eine auf einen Bereich von etwa 0,1 µm
bis 200 µm eingestellte Partikelgröße der Partikel in dem wässrigen Bindemittelsystem
hat zum Vorteil, dass die Art der Aufbringung des Bindemittelsystems auf mindestens
eine Kante des ersten Furnierstreifens im Einzelnen nicht beschränkt ist. Hierdurch
wird es möglich das Bindemittelsystem sogar zu verdüsen ohne dass die eingesetzten
Düsen verkleben. Ein weiterer Vorteil solch feinpartikulärer Bindemittelsysteme ist,
dass diese Bindemittelsysteme auf Dauer homogen und stabil also auch lagerstabil bleiben,
weil sich die Partikel nicht, ihrer Schwerkraft folgend, als Bodensatz in der wässrigen
Zubereitung absetzen. Bereits bei Partikeln mit mehr als 200 µm an ihrer breitesten
Stelle kann einem Absetzen in der wässrigen Lösung nicht mehr optimal entgegengewirkt
werden. Partikel mit einer Partikelgröße von weniger als 0,1 µm hingegen sind technisch
sehr schwer und nur unter enormem Aufwand zu realisieren, der wirtschaftlich nicht
zu vertreten ist. Bevorzugt weisen die Partikel eine Teilchengröße von 0,1 µm bis
50 µm auf. Diese Partikelgröße ist optimal. Die Teilchen bleiben in dem wässrigen
Bindemittelsystem sehr gut in Schwebe und verkleben beim Verdüsen die Düsen nicht.
[0019] In einer bevorzugten Ausführungsform ist das erfindungsgemäße Verfahren
dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Bindemittelsystem bei 20 °C eine Viskosität von bis zu 5000 mPas, bevorzugt
zwischen 1500 mPas und 2500 mPas aufweist. Die Viskosität wird bei 20 °C mittels eines
Brookfield Viskosimeters, RVT Spindel 3, bei 20 U/min gemessen. Eine Viskosität von
mehr als 5000 mPas führt dazu, dass das wässrige Bindemittelsystem aufgrund seiner
Zähflüssigkeit nicht optimal auf die zu fügenden Kanten appliziert werden kann. Selbst
bei Aufwalzen der Masse mittels eines gewissen Drucks neigt das wässrige Bindemittelsystem
dazu sich inhomogen zu verteilen und nicht auf der Kante zu spreiten, wie es gewünscht
ist. Im Gegensatz dazu führt eine Viskosität von weniger als 1500 mPas dazu, dass
die Masse von der zu fügenden Kante nach Applikation darauf abtropfen kann.
[0020] Die Applikationseigenschaften des wässrigen Bindemittelsystems werden gemäß einer
bevorzugten Ausführungsform entsprechend so gewählt, dass das wässrige Bindemittelsystem
in die offenen Poren an der Kante des Furnierstreifens eindringen kann. Durch das
Eindringen des Bindemittelsystems in die Poren oder offenen Poren an der Kante des
Furnierstreifens wird eine bessere Verankerung des Bindemittelsystems mit dem Furnierstreifen
erzeugt, wodurch final nach dem Aushärten des Bindemittelsystems die beiden gefügten
Furnierstreifen deutlich fester miteinander verbunden sind als wenn lediglich oberflächlich
ein Bindemittelsystem auf der Kante des Furnierstreifens appliziert würde. Ohne an
die Theorie gebunden zu sein wird angenommen, dass die Verankerung des Bindemittels
in den Poren des Furnierstreifens deshalb so gut erzeugt werden kann, weil sich gerade
das Hauptlösungsmittels Wasser durch sehr gute Kapillareigenschaften auszeichnet,
also bevorzugt in die Poren an der Kante des Furnierstreifens eindringt. Mit dem Wasser
wird auch das Bindemittelsystem in die Poren eingeschleppt, das dort, nach dem Abtrocknen
des Wassers, in den Poren verbleibt und für die hervorragende Verankerung des Bindemittelsystems
mit dem zu fügenden Furnierstreifen sorgt. Die Kapillargängigkeit ist bei den bislang
bekannten Systemen auf Harzbasis weitaus geringer, so dass der spezifische Verankerungseffekt
nicht zu Tage tritt.
[0021] Wie bereits ausgeführt, ist das Verfahren zum Aufbringen des Bindemittelsystems auf
mindestens eine Kante des ersten Furnierstreifens im Einzelnen nicht eingeschränkt.
Das wässrige Bindemittelsystem kann sowohl mittels mechanischer Vorrichtungen an gewünschter
Stelle appliziert werden, wie zum Beispiel mittels eines Walzwerks oder aber auf die
Kante des ersten Furnierstreifens verdüst werden. Während das Aufbringen mittels mechanischer
Vorrichtungen meist kostengünstiger und leichter umzusetzen ist, bietet das Verdüsen
den Vorteil, dass feine Nebel des wässrigen Bindemittelsystems sehr gleichmäßig und
auch in sehr dünnen Schichtdicken auf die entsprechende Kante aufgebracht werden können.
Durch das Aufbringen sehr dünner Schichtdicken wird die minimal nötige Bindemittelsystemmenge
aufgebracht ohne weiteres Bindemittelsystem zu vergeuden. Ferner wird dadurch verhindert,
dass überschüssiges Bindemittelsystem vor dem Fügen von der Kante abtropft.
[0022] Die Verdüseeigenschaften eines Bindemittelsystems sind stark von der Partikelgröße
der zu verdüsenden Zubereitung abhängig. Je kleiner die Partikelgröße, desto besser
und gleichmäßiger ist die Verdüsung. Eine Partikelgröße von etwa 0,1 µm bis 200 µm
ist dabei als sehr gut anzusehen. Das Bindemittelsystem wird damit gleichmäßig und
gleichförmig auf die gewünschte Stelle aufgebracht.
[0023] In einer bevorzugten Ausführungsform wird das wässrige Bindemittelsystem senkrecht
auf mindestens eine Kante des ersten Furnierstreifens mittels Verdüsung aufgebracht.
Durch die Senkrechtstellung bzw. zueinander senkrechte Anordnung der Düse, aus der
das wässrige Bindemittelsystem austritt, und der Poren oder offenen Poren der Kante
des Furnierstreifens, auf die das Bindemittelsystem aufgebracht werden soll, wird
bewirkt, dass das Bindemittelsystem optimal in Poren des Furnierstreifens eindringt
und somit perfekt mit der zu fügenden Kante des Furnierstreifens verankert wird. Dabei
ist es unerheblich welcher Form und Gestalt die Poren sind. Sie können sowohl rund
oder aber auch länglich mit beliebiger innerer Form ausgebildet sein. Ein Öffnungsquerschnitt
der Poren liegt dabei jedoch in einer Ebene, in welcher auch die Kante liegt, wobei
die Kante senkrecht zur Furnieroberfläche angeordnet ist. Durch die senkrechte Verdüsung
wird das wässrige Bindemittelsystem aktiv in die Poren eingebracht, so dass es weit
tiefer in die Poren eindringt und die Poren zudem auch vollständig ausfüllt. Die Verankerung
ist damit optimal. Derart gefügte Furnierstreifen weisen eine dauerhaft gute Fügung
auf.
[0024] Für die Verdüsung des wässrigen Bindemittelsystems nach einer Ausführungsform des
erfindungsgemäßen Verfahrens ist es von Vorteil, wenn die Geschwindigkeit, mit der
das Bindemittelsystem aufgebracht wird etwa 10 bis 50 m/s beträgt.
[0025] Bei Geschwindigkeiten unter 10 m/s kann die Verdüsung nicht optimal ausgeführt werden,
so dass die Poren an der Kante des Furnierstreifens, in die das Bindemittelsystem
eindringen soll, nicht weitestgehend vollständig gefüllt werden. Bei Geschwindigkeiten
von mehr als 50 m/s trifft das Bindemittelsystem mit solch einer hohen Geschwindigkeit
auf die Kante des Furnierstreifens, dass ein Großteil davon abprallt, was zu einem
erhöhten Verbrauch an wässrigem Bindemittelsystem führt und wodurch nebenbei auch
Stellen des Furnierstreifens betropft werden, wo es nicht gewünscht war.
[0026] Mittels des erfindungsgemäßen Verfahrens kann ein besonders stabiler Furnierteppich
bereitgestellt werden, dessen Furnierstreifen optimal gefügt sind, so dass eine dauerhafte
Haltbarkeit des Furnierteppichs gewährleistet werden kann. Ferner stellt der Furnierteppich
keine Belastung für die Umwelt bzw. Gesundheitsschädigung für Lebewesen und insbesondere
den Menschen dar, da hier keine schädlichen Gase ausdünsten.
1. Verfahren zum Herstellen eines Furnierteppichs aus wenigstens einem ersten Furnierstreifen
und einem zweiten Furnierstreifen, welche an ihren Kanten miteinander verbunden werden,
gekennzeichnet durch die Schritte:
- Vorbereiten der zu fügenden Furnierstreifen,
- Aufbringen eines wässrigen Bindemittelsystems auf mindestens eine Kante des ersten
Furnierstreifens,
- Trocknen lassen des aufgebrachten wässrigen Bindemittelsystems,
- Zuführen von Energie zu dem auf die Kante des ersten Furnierstreifens aufgebrachten
wässrigen Bindemittelsystem,
- Fügen des ersten und zweiten Furnierstreifens an der mit dem wässrigen Bindemittelsystem
versehenen Kante und
- Aushärten des aufgebrachten wässrigen Bindemittelsystems,
wobei das wässrige Bindemittelsystem formaldehydfrei ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Bindemittelsystem auf die Kante des ersten Furnierstreifens und auf
eine Kante des zweiten Furnierstreifens aufgebracht wird.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Bindemittelsystem mindestens einen Polyester und/oder einen Polyether und/oder
Polyvinylacetat enthält.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Energie zu dem aufgebrachten wässrigen Bindemittelsystem in Form von warmer Luft
und/oder Infrarotstrahlung und/oder Hochfrequenzstrahlung und/oder Mikrowellenstrahlung
und/oder mittels einer Kontaktheizung zugeführt wird.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Bindemittelsystem für den Schritt des Fügens auf eine Temperatur von
mindestens 55 °C erwärmt wird.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Bindemittelsystem einen Vernetzer enthält.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Bindemittelsystem Partikel mit einer Partikelgröße von etwa 0,1 µm bis
200 µm, bevorzugt 0,1 bis 50 µm enthält.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Bindemittelsystem bei 20 °C eine Viskosität von bis zu 5000 mPas, bevorzugt
zwischen 1500 mPas und 2500 mPas aufweist, wobei die Viskosität mittels eines Brookfield
Viskosimeters mit einer RVT Spindel 3 bei 20 U/min gemessen wird.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch den Schritt, dass das wässrige Bindemittelsystem in die Poren an der Kante des wenigstens
ersten Furnierstreifens eingebracht wird.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Bindemittelsystem auf mindestens eine Kante des ersten Furnierstreifens
mittels Ausrollen mittels eines Walzwerks aufgebracht wird.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Bindemittelsystem auf mindestens eine Kante des ersten Furnierstreifens
mittels Verdüsung aufgebracht wird.
12. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Bindemittelsystem senkrecht auf mindestens eine Kante des ersten Furnierstreifens
mittels Verdüsung aufgebracht wird.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet, dass das wässrige Bindemittelsystem mit einer Geschwindigkeit von 10 bis 50 m/s aufgebracht
wird.
14. Verwendung eines formaldehydreien, wässrigen Bindemittelsystems zum Verbinden von
Furnierstreifen an ihren Kanten, um einen Furnierteppich zu bilden.