[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betrieb einer Konusschärmaschine gemäss
dem Oberbegriff von Anspruch 1.
[0002] Dabei wird von einem Spulengatter in einem vorbestimmten Kettfadenrapport eine Fadenschar
abgezogen und als Schärband bzw. als Schärbandsektion auf die Schärtrommel aufgewickelt.
Jede Schärbandsektion wird dabei aus Stabilitätsgründen in der Neigung des Kegelstumpfwinkels
am Konusteil aufgewickelt, wozu eine möglichst exakte Steuerung des Schärschlittenvorschubs
erforderlich ist. Dieser Schlitten führt während des Wickelvorgangs eine Bewegung
axial und mit zunehmender Wickeldicke auch radial zur Längsachse der Schärtrommel
aus. Das Grundprinzip des Konusschärverfahrens ist dem Fachmann seit vielen Jahrzehnten
bekannt.
[0003] Ein Problem bei den bekannten Verfahren bildet nach wie vor die präzise Steuerung
des Schärschlittens, weil sich je nach Schärwickelanforderung, Garnqualität, Garntyp,
Wickeldichte, Bandbreite, Betriebsbedingungen, Toleranzen usw. Schärbandsektionen
bilden können, die mehr oder weniger stark von einer optimalen Konfiguration für die
nachfolgenden Prozessschritte abweichen. Dies wiederum führt in den nachgelagerten
Verarbeitungsprozessen zu mangelhaften Ketten, welche den Webprozess stark beeinträchtigen
können. Es wurden bereits zahlreiche Anstrengungen unternommen, um diesbezüglich den
Schärprozess zu verbessern. So beschreibt beispielsweise die
EP 696 332 B1 ein Verfahren zum Schären von Fäden, bei dem mittels einer Auftragsdicken-Messeinrichtung
ein Auftragsdickensignal zur Beeinflussung des Schärschlittenvorschubs erzeugt wird.
Die Auftragsdicken-Messeinrichtung besteht dabei aus einer Laserlicht-Entfernungsmesseinrichtung.
[0004] Ein Nachteil der bekannten Verfahren besteht insbesondere darin, dass das Wickelverhalten
des Schärbandes nur unzureichend berücksichtigt wird. Durch die
WO 01/27367 ist zwar bereits ein Verfahren zum Betrieb einer Konusschärmaschine bekannt geworden,
bei dem das von der Komprimierbarkeit des Materials abhängige Setzverhalten berücksichtigt
wird. Zu diesem Zweck wird der Wickeldurchmesserzuwachs auf der Schärtrommel berechnet.
Abweichungen innerhalb einer Schärbandbreite können dabei jedoch nicht berücksichtigt
werden.
[0005] Es ist daher eine Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren der eingangs genannten Art
zu schaffen, das eine noch präzisiere Steuerung bzw. Regelung des Schärschlittenvorschubs
ermöglicht, wobei insbesondere auch das individuelle Setzverhalten eines Schärbandes
in Abhängigkeit von verschiedenen dieses Verhalten beeinflussenden Parametern berücksichtigt
wird. Diese Aufgabe wird erfindungsgemäss mit einem Verfahren gelöst, das die Merkmale
im Anspruch 1 aufweist.
[0006] Es hat sich überraschend gezeigt, dass die Aussenkontur eines Schärbandwickels ein
verlässliches Indiz für ein bestimmtes Wickelverhalten eines Schärbandes und für die
Qualität des sich daraus ergebenden Gesamtwickels ist. Erfindungsgemäss wird daher
das Steuersignal für die Beeinflussung des Schärschlittenvorschubs aus der über die
Messeinrichtung ermittelten Aussenkontur eines Schärbandwickels bezogen auf die Längsrichtung
der Schärtrommelachse abgeleitet. Die Ermittlung einer derartigen Messgrösse hat beispielsweise
gegenüber einer Auftragsdickenmessung den Vorteil, dass nicht nur an einem bestimmten
Punkt des Wickels eine Messung vorgenommen wird, sondern dass gewissermassen der Gesamtzustand
des Wickels als Funktion seiner Aussenkontur ermittelt wird. Je nach Garnqualität
und Garnnummer kann sich die Aussenkontur bei gleich bleibender Zugspannung stark
verändern.
[0007] Besonders vorteilhaft wird aus der ermittelten Aussenkontur ein Ist-Wert gebildet,
der in einer Vergleichseinrichtung mit einem empirisch ermittelten und von spezifischen
Schärbandparametern abhängigen Soll-Wert verglichen wird und wenn das Steuersignal
aus der Differenz zwischen Ist-Wert und Soll-Wert gebildet wird. Für jede Garnqualität
lassen sich somit unter idealen Bedingungen Werte ermitteln, die einem theoretischen
Schärschlittenvorschub entsprechen, um möglichst optimale Schärbandsektionen zu erhalten.
Die Vergleichseinrichtung stellt fest, wie stark der ermittelte Ist-Wert vom Soll-Wert
abweicht und korrigiert dementsprechend den Schärschlittenvorschub.
[0008] Besonders vorteilhaft werden die jeweils ermittelten Werte dazu verwendet, die in
der Vergleichseinrichtung gespeicherten Soll-Werte zu korrigieren, sodass sich mit
zunehmender Betriebsdauer ein Selbstlerneffekt einstellt. Die Korrektur erfolgt dabei
dadurch, dass der Wickel am Ende einer Sektion gemessen wird und dass die Bedienungsperson
darüber entscheidet, ob der ermittelte Wert innerhalb einer Toleranzgrenze liegt.
Trifft dies nicht zu, werden die entsprechenden Messwerte als Korrekturwerte abgespeichert,
sodass die bereits gespeicherten Soll-Werte für unterschiedliche Garnqualitäten permanent
verfeinert werden.
[0009] Zur besseren Handhabung der ermittelten Daten ist es vorteilhaft, wenn aus der ermittelten
Aussenkontur ein Winkel relativ zur Schärtrommeloberfläche interpoliert wird und wenn
das Steuersignal in Abhängigkeit dieses Winkels gebildet wird. Dabei kann es sich
auch um einen Koeffizienten handeln, der für einen bestimmten Winkel steht. Selbstverständlich
wären aber auch komplexere Messgrössen denkbar, so beispielsweise ein Wert, der für
eine bestimmte Krümmung der Aussenkontur steht.
[0010] Die Aussenkontur kann auch nur über eine Teilstrecke der gesamten Schärbandbreite
ermittelt werden. In der Praxis werden nämlich die grössten Abweichungen von einer
theoretischen Parallele zur Schärtrommeloberfläche am Schärbandwickel auf der Seite
des Konusteils festgestellt. Es genügt daher, lediglich diesen Abschnitt durch die
Messung zu erfassen. Die Abscannbewegung muss ausserdem nicht zwingend parallel zur
Schärtrommelachse erfolgen. Denkbar wäre in bestimmten Fällen auch eine schraubenlinienförmige
Bewegung. Es könnte auch an verschiedenen Stellen des Wickelumfangs gemessen bzw.
gescannt werden.
[0011] Die Ermittlung der Aussenkontur kann permanent während des ganzen Wickelvorgangs
einer Schärbandsektion erfolgen. Die derart permanent erzeugten Steuersignale können
dabei auch Bestandteil eines Regelkreises sein, mit dem der Schärschlittenvorschub
permanent in Richtung des Idealwerts korrigiert wird.
[0012] Die Ermittlung der Aussenkontur kann aber auch intermittierend bei stehender Schärtrommel
in vorbestimmten Schritten erfolgen. Dies hat den Vorteil, dass an der stehenden Schärtrommel
präzisiere Messungen auf einfachere Art möglich sind. Die Anzahl der Messschritte
kann dabei je nach Garnqualität variieren.
[0013] Die durchzuführenden Messschritte können in Abhängigkeit von der Kettlänge und/oder
vom verarbeiteten Material durchgeführt werden. Dabei können je nach den gegebenen
Umständen zehn oder mehr Messschritte nötig sein, um den Wickelaufbau zu optimieren.
Grundsätzlich ist es auch denkbar, dass die maximale Bandbreite nach oben begrenzt
ist, damit keine verfälschten Korrekturwerte gemessen werden.
[0014] Die Ermittlung der Aussenkontur erfolgt vorteilhaft berührungslos beispielsweise
mittels optischen Sensoren, wie z.B. Lasersensoren oder CCD-Kameras. Besonders vorteilhaft
erfolgt die Ermittlung der Aussenkontur durch Abscannen der Wickeloberfläche mit einem
Lasersensor. Dabei können sehr präzise Werte für die Bildung des Steuersignals erreicht
werden. Selbstverständlich wäre die Ermittlung der Aussenkontur aber auch mit einem
taktilen Sensor möglich. Entsprechende Präzisionsmesstaster sind dem Fachmann bekannt.
[0015] Die Messwerte können weiter optimiert werden, wenn vor dem Beginn des Schärprozesses
die Messeinrichtung auf der Schärtrommel bzw. auf dem konischen Abschnitt der Schärtrommel
kalibriert wird. Damit wird sichergestellt, dass die Messeinrichtung stets exakt auf
einer bestimmten Messebene arbeitet, wobei die genauen Koordinaten der Schärtrommel
bzw. des Übergangs vom zylindrischen zum konischen Teil bekannt sind.
[0016] Um einen rationellen Schärprozess zu gewährleisten ist es zweckmässig, wenn die erste
Schärbandsektion als Lernphase gewickelt wird, deren Vorschubwerte für den Schärschlitten
gespeichert werden und wenn die Lernphase für alle weiteren Schärbandsektionen kopiert
wird. Es wäre aber selbstverständlich auch denkbar, die Messungen bzw. Korrekturen
an weiteren Schärbandsektionen zu wiederholen.
[0017] Es hat sich schliesslich als besonders vorteilhaft erwiesen, wenn über eine Mehrzahl
von Schärbandwickel eine Gesamtwickelkontur ermittelt wird, wobei wenigstens ein erster
Punkt am Konusteil, ein zweiter Punkt am Scheitel des Gesamtwickels und ein dritter
Punkt am Ende der Gesamtkontur gemessen wird und wenn aus diesen drei Messpunkten
ein Steuersignal zum Steuern der nachfolgenden Gesamtwickel abgeleitet wird. Auf diese
Weise wird verhindert, dass sich fehlerhafte Gesamtwickelkonturen kumulieren. Die
ideale Gesamtwickelkontur ist dabei eine gerade, welche parallel zur Trommeloberfläche
verläuft, wobei der Gesamtwickelquerschnitt ein Parallelogramm mit der Neigung des
Konuswinkels bildet.
[0018] Die Erfindung betrifft auch eine nach dem erfindungsgemässen Verfahren arbeitende
Konusschärmaschine, welche die Merkmale im Anspruch 15 aufweist. Auf einzelne vorrichtungsmässige
Merkmale wurde bereits im Zusammenhang mit dem Verfahren hingewiesen.
[0019] Die Messeinrichtung ist vorzugsweise dem Schärschlitten zugeordnet und synchron mit
diesem bewegbar, wobei sie aber zusätzlich unabhängig vom Schärschlitten in drei verschiedenen
Achsen bewegbar ist. Ersichtlicherweise muss die Messeinrichtung immer in der Nähe
des Auflaufpunktes des Schärbandes, also in der Nähe des Schärblatts sein. Dies legt
eine Koppelung mit dem Schärschlitten nahe, wobei aber auch eine vollständig unabhängige
Lagerung am Gestell der Schärmaschine denkbar wäre. Um optimale Messvorgänge zu gewährleisten,
ist die Messeinrichtung an einem Roboterarm angeordnet, der parallel zur Schärtrommelachse,
sowie auf einer horizontalen und auf einer vertikalen Ebene orthogonal zur Schärtrommelachse
bewegbar ist.
[0020] Weitere Vorteile und Einzelmerkmale der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung eines Ausführungsbeispiels und aus den Zeichnungen. Es zeigen:
- Figur 1:
- Eine stark vereinfachte Ansicht auf eine Konusschärmaschine von der Gatterseite her
gesehen,
- Figur 2:
- eine stark vereinfachte Darstellung eines theoretischen Schärwickelaufbaus,
- Figur 3:
- eine stark vereinfachte Darstellung eines tatsächlichen Schärwickelaufbaus,
- Figur 4:
- eine schematische Darstellung der Steuerung für die Schärmaschine gemäss Figur 1,
- Figur 5:
- eine stark schematisierte Darstellung eines Schärbandwickels mit Messeinrichtung,
- Figur 6:
- eine ebenfalls stark vereinfachte Darstellung mehrerer Schärbandsektionen in einzelnen
Wickelabschnitten,
- Figur 7:
- eine perspektivische Darstellung der Vorrichtung gemäss Figur 1, und
- Figur 8a:
- eine fehlerhafte Gesamtwickelkontur an einer ersten Kette, und
- Figur 8b:
- eine optimierte Gesamtwickelkontur an einer zweiten Kette
[0021] Wie aus Figur 1 ersichtlich ist, besteht eine Konusschärmaschine 1 auf an sich bekannte
Weise aus einer Schärtrommel 2, die einen Konusabschnitt 3 aufweist, und die in einem
Maschinengestell 11 drehantreibbar gelagert ist. Ein Schärschlitten 5 ist auf einer
Schlittenführung 12 gelagert und parallel zur Schärtrommelachse 7 verschiebbar. Am
Schärschlitten 5 ist das Schärblatt 10 angeordnet, an dem die vom nicht dargestellten
Spulengatter kommenden Fäden zum Schärband 4 (Fig. 2, Fig. 3) zusammengeführt werden.
Das Schärblatt 10 ist im Schärschlitten auch noch orthogonal zur Schärtrommelachse
verschiebbar, und zwar sowohl auf einer horizontalen wie auf einer vertikalen Ebene.
Der Schärschlitten wird beim Wickelvorgang in Pfeilrichtung a vorgeschoben, so dass
der Konusschräge folgend einige Schärbandsektionen 6.1, 6.2 usw. gewickelt werden.
[0022] Dem Schärschlitten 5 zugeordnet ist ein Roboterarm 13 mit insgesamt drei hier nicht
näher dargestellten Antriebsmotoren für die Bewegung der am Roboterarm angeordneten
Messeinrichtung 8 auf drei verschiedenen Bewegungsachsen. Beim vorliegenden Ausführungsbeispiel
handelt es sich bei der Messeinrichtung um einen Laserlichtsensor, mit dem die Aussenkontur
9 (Fig. 3) eines Schärbandwickels in Richtung der Schärtrommelachse 7 abgescannt werden
kann. Die Messung erfolgt bei stehender Schärtrommel 2 in einzelnen Schritten, wobei
die Messeinrichtung 8 während des Schärens in eine Ruhestellung gefahren wird, in
der sie den Schärprozess nicht beeinträchtigt.
[0023] Figur 2 zeigt den sich beim Wickeln eines Schärbands 4 theoretisch ergebenden Aufbau
bei jeder Umdrehung der Trommel. Das Schärband, das in Wirklichkeit aus einer Mehrzahl
von nebeneinander angeordneten Fäden besteht, ist hier als Rechteck mit einer Schärbandhöhe
h entsprechend der Dicke der Fäden und mit einer Schärbandbreite B dargestellt. Bei
einem Konuswinkel α am Konusteil 3 der Schärtrommel muss der Schärschlitten ersichtlicherweise
um die Strecke Sv vorgeschoben werden, damit der Wickelaufbau dem Konuswinkel folgt.
Der Vorschub pro Trommelumdrehung ergibt sich dabei aus der Formel

[0024] Infolge des unterschiedlichen Setzverhaltens des Schärbandes 4 auf dem zylindrischen
und auf dem konischen Teil der Schärtrommeloberfläche sowie auf den sich berührenden
Lagen untereinander ergibt sich jedoch ein Wickelaufbau, wie er stark übertrieben
in Figur 3 dargestellt ist. Dabei zeichnet sich mit zunehmendem Wickelaufbau eine
Aussenkontur 9 mit einer Krümmung ab. Je nachdem, wie der Schlittenvorschub eingestellt
ist, kann die Krümmung relativ zur Schärtrommeloberfläche konvex oder konkav verlaufen.
Die Aussenkontur 9 bildet somit die Grundlage zur Erzeugung eines Steuersignals für
die Korrektur des Schlittenvorschubs.
[0025] In Figur 4 ist stark schematisiert die Steuerung der Schärmaschine dargestellt. Dabei
wird die Schärtrommel 2 von einem Antriebsmotor 15 angetrieben, wobei ein Signalgeber
16 die Trommelumdrehungen erfasst und einem Rechner 17 zuführt. Der Schärschlitten
5 wird parallel zur Schärtrommelachse 7 mit einem Vorschubmotor 14 angetrieben. Die
übrigen Antriebsmotoren zum Bewegen des Schärblatts bzw. der Messeinrichtung 8 sind
hier aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht dargestellt. Der Rechner 17 beinhaltet
eine Vergleichseinrichtung 18, in welche die an der Messeinrichtung 8 ermittelten
Werte für die Aussenkontur eingegeben werden. In die Vergleichseinrichtung 18 können
Soll-Werte aus einer Garntabelle 21 eingegeben werden, welche empirisch ermittelte
Werte in Abhängigkeit von Garnqualität und Garnnummer beinhaltet. An einem Bildschirm
20 können die von der Messeinrichtung 8 produzierten Signale abgelesen werden, wobei
der Rechner 17 nach jedem Messvorgang Korrekturwerte für den nächsten Wickelvorgang
vorschlägt. An einer Eingabekonsole 19 kann der Benutzer die vorgeschlagenen Werte
übernehmen oder gegebenenfalls selber alternative Werte eingeben.
[0026] Die in der Garntabelle 21 gespeicherten Soll-Werte können nach jedem Messvorgang
dadurch korrigiert werden, dass die vom Rechner vorgeschlagenen Korrekturwerte übernommen
oder verworfen werden. Die rechnerisch gespeicherte Garntabelle 21 wird dabei permanent
erweitert und verfeinert, je mehr unterschiedliche Garnqualitäten auf der Vorrichtung
gewickelt werden.
[0027] In Figur 5 ist wiederum stark schematisiert ein erster Schärbandwickel 22.1 dargestellt.
Der Konuswinkel α ist hier aus Gründen der besseren Darstellbarkeit ebenfalls grösser
dargestellt als in der Realität. Nach der zur Erzeugung des Schärbandwickels 22.1
erforderlichen Anzahl Umdrehungen der Schärtrommel wird die Maschine angehalten und
die Messeinrichtung 8 beginnt mit der Ermittlung der Aussenkontur 9. Dabei wird der
Lasersensor in Pfeilrichtung b parallel zur Schärtrommelachse bewegt, wobei die Aussenkontur
abgescannt wird. Gemessen wird allerdings nicht über die gesamte Schärbandbreite B,
sondern lediglich über eine Messstrecke m, auf der wie dargestellt die stärkste Krümmung
der Aussenkontur festgestellt werden kann. Auf der Basis der ermittelten Messwerte
wird im Rechner ein Winkel β interpoliert, der für die spezifische Aussenkontur repräsentativ
ist. Der Winkel kann dabei als Koeffizient ausgedrückt werden.
[0028] In Figur 6 ist schematisch der Aufbau von insgesamt drei Schärbandsektionen 6.1,
6.2 und 6.3 dargestellt, wobei die erste Schärbandsektion 6.1 in einer Lernphase gewickelt
wurde, welche für die Wicklung der Schärbandsektionen 6.2 und 6.3 kopiert wurde. Für
den Aufbau der ersten Schärbandsektion 6.1 wird wie folgt vorgegangen:
Der Schärvorgang startet mit einem vorgegebenen Vorschub und wird bei S1 nach wenigen
Millimetern Vorschub wieder angehalten, um am so entstandenen Kalibrierwickel 23 eine
Kalibrierung der Messvorrichtung vorzunehmen. Danach startet der Schärvorgang automatisch
mit dem gleichen Schärschlittenvorschub bis der erste Schärbandwickel 22.1 gewickelt
ist und die Maschine bei S2 anhält. Der Schärschlitten kann dabei einen Weg von beispielsweise
20 mm zurücklegen, wobei dieser Wert in Abhängigkeit vom Setzverhalten auch ändern
kann. Bei S2 erfolgt der erste Messvorgang wie oben beschrieben, wobei in Abhängigkeit
des ermittelten Wertes eine erste Änderung des Schlittenvorschubs vorgenommen wird.
Der Rechner hat dabei den tatsächlich ermittelten Koeffizienten mit dem für die Wickelposition
gewünschten Koeffizienten verglichen, womit der Fehler bekannt ist. Der Bediener kann
dabei vorgeschlagene Korrekturwerte übernehmen oder ablehnen. Selbstverständlich wäre
auch eine automatische Übernahme von Korrekturwerten möglich. Auf die gleiche Weise
werden nun die Schärbandwickel 22.2, 22.3, 22.4 und 22.5 gewickelt, wobei die Maschine
jeweils bei S3, S4 und S5 anhält, um eine Messung der Aussenkontur vorzunehmen und
um den Schärschlittenvorschub noch insgesamt viermal zu beeinflussen. Der Rechner
hat jetzt ein Vorschubprofil für die gesamte Schärbandsektion 6.1 gespeichert, das
für die Schärbandsektionen 6.2 und 6.3 wiederholt wird. Diese weiteren Schärbandsektionen
werden ohne Anhalten ununterbrochen gewickelt. Zur Qualitätskontrolle kann zuletzt
eine Durchmessermessung des gesamten Schärwickels auf der Trommel an verschiedenen
Punkten erfolgen. Ein idealer Wickelaufbau ist dann erreicht, wenn an jedem Messpunkt
exakt der gleiche Aussendurchmesser gemessen wird.
[0029] Aus Figur 7 ist die räumliche Anordnung der am Roboterarm 13 befestigten Messeinrichtung
8 ersichtlich. Der Schärschlitten 5 ist auf den beiden Schlittenführungen 12 und 12'
in Richtung X verschiebbar gelagert. Zur besseren Sichtbarmachung des Roboterarms
13 ist die Schlittenführung 12 teilweise unterbrochen. In Pfeilrichtung Z ist der
Roboterarm zwischen den beiden Schlittenführungen 12 und 12' auf eine Querschiene
24 verschiebbar gelagert.
[0030] Die Figuren 8a und 8b veranschaulichen die Möglichkeit, nicht nur die Aussenkontur
eines einzelnen Schärbandwickels, sondern die Gesamtwickelkontur einer Mehrzahl von
Schärbandwickel zu ermitteln und daraus eine Steuergrösse für nachfolgende Gesamtwickel
abzuleiten. Figur 8a zeigt einen Gesamtwickel bestehend aus den einzelnen Schärbandsektionen
6
1 bis 6
4. Gemessen wird wenigstens an einem ersten Messpunkt 26 unmittelbar am Auflaufpunkt
auf dem Konusteil, am zweiten Messpunkt 27 entsprechend dem Scheitelpunkt des Gesamtwickels
und am dritten Messpunkt 28 an dem vom Konusteil abgewandten Ende der Gesamtkontur.
Diese drei Messpunkte bilden ersichtlicherweise ein Dreieck mit einer effektiven Höhe
Δh eff und mit einer Höhendifferenz zwischen den Messpunkten 26 und 27 gemessen im
rechten Winkel zur Schärtrommel von Δh. Die Grundseite des Dreiecks entsprechend der
Geraden durch die Messpunkte 26 und 28 verläuft in einem Winkel zur zylindrischen
Oberfläche der Trommel und Δh eff ist wesentlich kleiner als Δh. Eine derartige erste
Kette muss optimiert werden, um fehlerhafte Kettfäden zu vermeiden.
[0031] Durch die Ableitung eines Steuersignals gebildet aus dem Messpunktedreieck 26, 27,
28 können nachfolgende Ketten bzw. die einzelnen Schärbandsektionen, aus denen sich
diese Ketten zusammensetzen, derart optimiert werden, dass wenigstens eine tolerierbare
Gesamtwickelkontur gebildet wird. Dies ist in Figur 8b dargestellt. Zwar bildet der
Gesamtwickelquerschnitt nicht die ideale Konfiguration eines Parallelogramms. Δh ist
jedoch gleich gross wie Δh eff und das Messpunktedreieck wurde derart gedreht, dass
die Dreiecksgrundlinie parallel zur Schärtrommeloberfläche verläuft.
1. Verfahren zum Betrieb einer Konusschärmaschine (1), bei dem ein Schärband (4) über
ein auf einem Schärschlitten (5) angeordneten Schärblatt (10) in einzelnen Schärbandsektionen
(6.1, 6.2) auf eine Schärtrommel (2) aufgewickelt wird, wobei der Schärschlitten parallel
zur Schärtrommelachse (7) vorgeschoben wird und wobei über eine Messeinrichtung (8)
in Abhängigkeit vom Wickelverhalten des Schärbandes ein Steuersignal erzeugt wird,
mit dem der Schärschlittenvorschub beeinflusst wird, dadurch gekennzeichnet, dass das Steuersignal aus der über die Messeinrichtung (8) ermittelte Aussenkontur (9)
eines Schärbandwickels bezogen auf die Längsrichtung der Schärtrommelachse abgeleitet
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass aus der ermittelten Aussenkontur ein Ist-Wert gebildet wird, der in einer Vergleichseinrichtung
(18) mit einem empirisch ermittelten und von spezifischen Schärbandparametern abhängigen
Soll-Wert verglichen wird und dass das Steuersignal aus der Differenz zwischen Ist-Wert
und Soll-Wert gebildet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die ermittelten Ist-Werte zur Korrektur der bereits gespeicherten Soll-Werte in der
Vergleichseinrichtung verwendet werden.
4. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass aus der ermittelten Aussenkontur ein Winkel (β) relativ zur Schärtrommeloberfläche
interpoliert wird und dass das Steuersignal in Abhängigkeit dieses Winkels gebildet
wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Aussenkontur (9) nur über eine Teilstrecke (m) der gesamten Schärbandbreite (B)
ermittelt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Ermittlung der Aussenkontur permanent während des ganzen Wickelvorgangs einer
Schärbandsektion erfolgt.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Ermittlung der Aussenkontur intermittierend bei stehender Schärtrommel in vorbestimmten
Schritten erfolgt.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Ermittlung der Aussenkontur berührungslos erfolgt.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Ermittlung der Aussenkontur durch Abscannen der Wickeloberfläche mit einem Lasersensor
erfolgt.
10. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Ermittlung der Aussenkontur mittels einer CCD-Kamera erfolgt.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Ermittlung der Aussenkontur mit einem taktilen Sensor erfolgt.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass vor dem Beginn des Schärprozesses die Messeinrichtung auf der Schärtrommel (2) bzw.
auf dem konischen Abschnitt (3) der Schärtrommel kalibriert wird.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die erste Schärbandsektion (6.1) als Lernphase gewickelt wird, deren Vorschubwerte
für den Schärschlitten gespeichert werden und dass die Lernphase für alle weiteren
Schärbandsektionen (6.2, 6.3) kopiert wird.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass über eine Mehrzahl von Schärbandwickel eine Gesamtwickelkontur ermittelt wird, wobei
wenigstens ein erster Punkt (26) am Konusteil (3), ein zweiter Punkt (27) am Scheitel
des Gesamtwickels und ein dritter Punkt (28) am Ende der Gesamtkontur gemessen wird
und dass aus diesen drei Messpunkten ein Steuersignal zum Steuern der nachfolgenden
Gesamtwickel abgeleitet wird.
15. Konusschärmaschine (1) mit einer Schärtrommel (2) und mit einem parallel zur Schärtrommel
vorschiebbaren Schärschlitten (5), auf dem ein Schärblatt (10) angeordnet ist, über
das ein Schärband (4) in einzelnen Schärbandsektionen (6.1, 6.2) auf die Schärtrommel
aufwickelbar ist, sowie mit einer Messeinrichtung (8), zum Messen eines Parameters
des gewickelten Schärbandes und zum Erzeugen eines Steuersignals zur Beeinflussung
des Schärschlittenvorschubs, dadurch gekennzeichnet, dass mit der Messeinrichtung (8) die Aussenkontur (9) eines Schärbandwickels bezogen auf
die Längsrichtung der Schärtrommelachse (7) ermittelbar ist.
16. Vorrichtung nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, dass die ermittelte Aussenkontur (9) als Ist-Wert in einer Vergleichseinrichtung (18)
mit einem dort gespeicherten Soll-Wert vergleichbar ist und dass das Steuersignal
aus der Differenz zwischen Ist-Wert und Soll-Wert ableitbar ist.
17. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 15 oder 16, dadurch gekennzeichnet, dass die Messeinrichtung (8) ein berührungsloser optische Sensor, insbesondere ein Lasersensor
ist.
18. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 15 bis 17, dadurch gekennzeichnet, dass die Messeinrichtung (8) dem Schärschlitten (5) zugeordnet und synchron mit diesem
bewegbar ist und dass sie zusätzlich unabhängig vom Schärschlitten in drei verschiedenen
Achsen (x, y, z) bewegbar ist.
19. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 15 bis 18, dadurch gekennzeichnet, dass mit der Messeinrichtung (8) die Aussenkontur (9) eines Schärbandwickels über wenigstens
einen Teil (m) der Schärbandbreite B abscannbar ist.