(57) Zur Herstellung von Papier, Karton oder Faserplatten hoher Qualität werden die hierzu
benötigten Rohstoffen zu einer Fasersuspension verarbeitet und die in einer Fasersuspension
vorliegenden Fasern vor der Zuführung an die Papiermaschine bzw. die Maschine zur
Herstellung der Faserplatten in einer Mühle unter hohem Einsatz an Energie gemahlen.
Erfindungsgemäß wird vorgeschlagen, der Fasersuspension oder den Rohstoffen vor Herstellung
der Fasersuspension vor der Zuführung an die Mühle Stickstoff in gasförmigem oder
tiefkalt verflüssigtem Zustand zuzuführen. Der Stickstoff führt zu eine Aufquellen
der Fasern, wodurch die anschließende Mahlung erleichtert wird. Auf diese Weise lässt
sich ein nicht unerheblicher Teil der für die Mahlung aufgewendeten Energie einsparen.
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Aufbereitung von Rohstoffen für die Herstellung
von Papier, Pappe oder Faserplatten, bei dem die Rohstoffe zu einer wässerigen Fasersuspension
verarbeitet werden, die anschließend in einer Mühle gemahlen wird. Die Erfindung betrifft
ferner eine entsprechende Vorrichtung.
[0002] Bei der Herstellung von Papier, Karton oder Faserplatten werden die chemisch und
mechanisch aufgearbeiteten Faserrohstoffe, z.B. Holzschliff, gemahlener Zellstoff
oder zerkleinertes Altpapier ggf. mit weiteren Zugabestoffen, als wässerige Fasersuspension
in der Siebpartie der Papiermaschine auf ein endlos bewegten Siebband aufgetragen,
wobei ein großer Teil des in der Suspension enthaltenen Wassers entfernt wird uns
sich allmählich die Papierbahn herausbildet. Zur Erzielung hoher Qualitäten ist es
in der Regel erforderlich, die Fasersuspension vor der Zuführung an die Siebpartie
in speziellen Mühlen, sogenannten "Refinern" mehr oder weniger stark zu mahlen. Insbesondere
die mechanischen Eigenschaften (Festigkeitseigenschaften) des Papiers, des Kartons
oder der Faserplatte werden durch den Mahlgrad der Fasersuspension beeinflusst. Bei
der Mahlung werden die Fasern gekürzt, fibrilliert und gequetscht, wodurch ihre Flexibilität
und ihre spezifische Oberfläche erhöht werden. Dadurch steigt auch die Anzahl der
möglichen Bindungen zwischen den Fasern. Diese wiederum bestimmen die mechanische
Festigkeit des Endprodukts. Die erforderliche Mahlarbeit ist mit erheblichem Energieaufwand
verbunden. Abhängig von der Faserart, dem Mahlgrad und den Mahlparametern sind ca.
120 bis 200 kWh pro Tonne Fasermaterial aufzuwenden. Zudem weisen hoch gemahlene Fasersuspensionen
eine geringere Entwässerungsgeschwindigkeit in der Siebpartie auf als ungemahlene
oder niedrig gemahlene Fasersuspensionen, sodass der Grad der Mahlung wesentlich die
Leistung der Papiermaschine bestimmt.
[0003] In der
DE 101 15 421 A1 wird vorgeschlagen, den Energieeinsatz beim Mahlvorgang dadurch zu senken, dass eine
Fasersuspension mit einer vorgegebenen Feststoffkonzentration von beispielsweise 30%
bis 40% mit einem Fällungsprodukt, wie beispielsweise Calciumcarbonat, beladen wird
und der Mahlprozess erst im Anschluss an die Beladung erfolgt. Das sich als Füllstoff
an den Fasern anlagernde Calciumcarbonat begünstigt die anschließende Mahlung und
verringert so den Energieverbrauch.
[0004] Aufgabe der Erfindung ist es, den zur Mahlung der Fasersuspension im Refiner benötigten
Energieverbrauch weiter zu reduzieren.
[0005] Gelöst ist dieser Aufgabe durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Patentanspruchs
1.
[0006] Das erfindungsgemäße Verfahren zur Aufbereitung von Rohstoffen für die Herstellung
von Papier, Pappe oder Faserplatten, bei dem die Rohstoffe zu einer wässerigen Fasersuspension
verarbeitet werden, die anschließend in einer Mühle gemahlen wird, ist also
dadurch gekennzeichnet, dass den Rohstoffen und/oder der Fasersuspension vor dem Mahlvorgang Stickstoff zugeführt
wird. Die Dauer der Behandlung hängt dabei vom eingesetzten Halbstoff und den gewünschten
Eigenschaften des Endprodukts ab. Die Zugabe des Stickstoffs führt aufgrund eines
bislang noch nicht erforschten Mechanismus zu einem Aufquellen der Fasern. Das Aufquellen
der Fasern wiederum erleichtert die anschließende Mahlung der Fasersuspension. Auf
diese Weise kann ein beträchtlicher Teil der für die Mahlung aufgewendeten Energie
eingespart werden. Zusätzlich zur Zugabe des Stickstoffs kann der Fasersuspension
selbstverständlich in der zuvor beschriebenen Weise ein Fällungsprodukt zugegeben
werden, um zusätzliche Energieeinsparungen beim Mahlvorgang zu erzielen. Die anschließende
Mahlung erfolgt in üblicher Weise, beispielsweise nach einem in der
DE 10 2004 039 986 A1 beschriebenen Verfahren. Der Eintrag des Stickstoffs erfolgt mittels geeigneter Eintragsysteme,
beispielsweise Lanzen, mittels denen der Stickstoff mit hoher Geschwindigkeit, beispielsweise
mit Ultraschallgeschwindigkeit, in die Fasersuspension oder in die Rohstoffe eingetragen
wird und anschließend in die Fasern eindringt. Das in den Fasern enthaltene Wasser
befindet sich vor der Mahlung somit zumindest teilweise im flüssigen Zustand. Im Falle
trockener Rohstoffe können diese auch einer Stickstoffatmosphäre ausgesetzt werden.
Der Stickstoff kann gasförmig, oder, wie unten näher erläutert, in tiefkalt verflüssigtem
Zustand eingetragen werden. Im Falle eines gasförmigen Eintrags ist die Verwendung
von kaltem Stickstoffgas vorteilhaft. Die Stickstoffbehandlung kann auch in zwei oder
mehr aufeinander folgenden Schritten erfolgen, wobei beispielsweise den Rohstoffen
vor der Herstellung der Fasersuspension und anschließend der Fasersuspension Stickstoff
zugeführt wird.
[0007] Eine vorteilhafte Weiterbildung der Erfindung sieht vor, dass der Stickstoff der
Fasersuspension und/oder den Rohstoffen in tiefkalt verflüssigter Form zugegeben wird.
Der flüssige Stickstoff wird durch eine geeignete Vorrichtung, etwa einer Lanze oder
einer Düse, in die Fasersuspension bzw. die Rohstoffe eingebracht und/oder beispielsweise
mittels Rührwerk oder Wirbelschneckenkühler mit der Fasersuspension oder mit den Rohstoffen
durchmischt. Die Zugabe von flüssigem Stickstoff führt insbesondere bei der Faserplattenproduktion
dazu, dass, bei einer im wesentlichen gleichen Festigkeit wie die solcher Faserplatten,
die auf konventionellem Wege hergestellt wurden, insgesamt weniger Fasern für die
Erzeugung der Faserplatten benötigt werden. Die Faserplatten werden dadurch leichter,
gleichzeitig wird im Produktionsprozess Rohstoff eingespart.
[0008] Vorteilhafterweise werden die Rohstoffe bzw. die Fasersuspension durch die Zugabe
des tiefkalten, verflüssigten oder gasförmigen Stickstoffs zumindest lokal auf Weite
von unter 0°C gekühlt und anschließend auf eine Temperatur von über 0°C, beispielsweise
2 - 4°C, gebracht. Bevorzugt werden die Rohstoffe dabei also zunächst abgekühlt und
anschließend wieder auf einen Wert oberhalb von 0°C erwärmt und der Mahlung zugeführt.
Diese Verfahrensweise führt zu einer besonders wirksamen Quellung der Rohstoffe bzw.
der Fasersuspension, durch die die Mahlung erleichtert wird.
[0009] Eine weitere bevorzugte Ausführungsform der Erfindung ist
dadurch gekennzeichnet, dass, bei Verwendung von Altpapier als Rohstoff, der Stickstoff dem Altpapier vor der
Herstellung der Fasersuspension zwecks besserer Ablösbarkeit vorhandener Druckfarben
zugeführt wird. Aus bislang noch nicht völlig verstandenen Gründen erleichtert die
Zugabe des Stickstoffs die Ablösung von Druckfarben von den Altpapierfasern.
[0010] Die Aufgabe der Erfindung wird auch durch eine Vorrichtung zur Aufbereitung von Rohstoffen
für die Herstellung von Papier, Karton oder Faserplatten, mit einer Einrichtung zum
Bereitstellen der Rohstoffe, einer Einrichtung zum Herstellen einer Fasersuspension
aus den Fasern der Rohstoffe, und mit einer Mühle zum Mahlen der Fasersuspension,
gelöst, die dadurch gekennzeichnet ist, dass der Mühle eine Einrichtung zur Zuführung
von Stickstoff, insbesondere von Flüssigstickstoff, in die Rohstoffe und/oder in die
Fasersuspension vorgeschaltet ist.
[0011] Erfindungsgemäß erfolgt somit mittels der Einrichtung zur Zuführung des Stickstoffs
ein Eintrag von Stickstoff in die Rohstoffe und/oder in die Fasersuspension. Die Einrichtung
zum Zuführen des flüssigen Stickstoffs umfasst geeignete, für die Zuführung von tiefkalten
Medien ausgelegte Eintragseinrichtungen. Beispielsweise wird der Stickstoff in tiefkalt
verflüssigter Form der wässerigen Fasersuspension mit einer in der
DE 10 2006 027 561 A1 beschriebenen Anordnung zugeführt. Bei dieser Anordnung ist in der Stickstoffzuführung
ein Differenzdruckventil integriert, das erst bei Vorliegen eines vorgegebenen Überdrucks
des herangeführten Stickstoffs gegenüber dem Druck in der Fasersuspension öffnet und
die Zugabe von Flüssigstickstoff freigibt. Dadurch wird wirkungsvoll ein Vereisen
der Zuführung des flüssigen Stickstoffs vermeiden; zudem ist es möglich, den Stickstoff
auch in einem unteren Teil eines die Fasersuspension aufnehmenden Gefäßes zuzuführen.
Beispiel:
[0012] Trockene Zellstoffballen, beispielsweise enthaltend Altpapier, werden in einem Stofflöser
unter Beimengung von Wasser aufgelöst. Hierzu werden die Zellstoffballen dem Stofflöser
über ein Förderband zugeführt. Am Förderband erfolgt eine Besprühung der Zellstoffballen
mit Flüssigstickstoff. Ergänzend oder alternativ hierzu erfolgt der Eintrag von flüssigem
Stickstoff in den Stofflöser. Die durch die Stickstoffzugabe lokal auf Temperaturwerte
von unter 0°C abgekühlte Fasersuspension erwärmt sich anschließend durch den Kontakt
mit der umgebenden wärmeren Suspension auf Werte von über 0°C und wird in diesem Zustand
der Mahlung zugeführt. Der Stickstoff führt also nicht zu einer vereisungsbedingten
Versprödung, sondern zu einer die Mahlung erleichternden Quellung der Fasern.
1. Verfahren zur Aufbereitung von Rohstoffen für die Herstellung von Papier, Pappe oder
Faserplatten, bei dem die Rohstoffe zu einer wässerigen Fasersuspension verarbeitet
werden, die anschließend in einer Mühle gemahlen wird,
dadurch gekennzeichnet,
dass den Rohstoffen und/oder der Fasersuspension vor dem Mahlvorgang Stickstoff zugeführt
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Stickstoff den Rohstoffen und/oder der Fasersuspension in tiefkalt verflüssigter
Form zugegeben wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Rohstoffe bzw. die Fasersuspension durch die Zugabe des Stickstoffs zumindest
lokal gekühlt und anschließend auf eine Temperatur von über 0°C gebracht werden/wird.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass als zumindest ein Rohstoff Altpapier zum Einsatz kommt und der Stickstoff dem Altpapier
vor der Herstellung der Fasersuspension zwecks besserer Ablösbarkeit vorhandener Druckfarben
zugeführt wird.
5. Vorrichtung zur Aufbereitung von Rohstoffen für die Herstellung von Papier, Karton
oder Faserplatten, mit einer Einrichtung zum Bereitstellen der Rohstoffe, einer Einrichtung
zum Herstellen einer Fasersuspension aus den Fasern der Rohstoffe, und mit einer Mühle
zum Mahlen der Fasersuspension,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Mühle eine Einrichtung zur Zuführung von Stickstoff, insbesondere von Flüssigstickstoff,
in die Rohstoffe und/oder in die Fasersuspension vorgeschaltet ist.