Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Bestimmung der Qualität einer Crimpverbindung
zwischen einem Leiter und einem Kontakt, wobei eine Crimpeinrichtung eine Crimpkraft
erzeugt, mittels welcher der Kontakt mit dem Leiter elektrisch und mechanisch unlösbar
verbindbar sind.
[0002] Der Begriff "Crimpen" ist international eingeführt und normungstechnisch festgelegt.
In der Praxis werden aber auch Ausdrücke wie Pressen, Quetschen, Anschlagen oder Ansetzen
benutzt. Unter Crimpen versteht man die Herstellung einer nicht lösbaren elektrischen
und mechanischen Verbindung zwischen einem Leiter und einem Kontakt. Beim Crimpvorgang
wird das zu verbindende Material des Crimpkontakts und des Leiters plastisch, dauerhaft
verformt. Dabei werden, falls vorhanden, schlecht leitende Oberflächenschichten aufgebrochen,
was die elektrische Leitfähigkeiten begünstigt. Eine korrekte Crimpung verhindert
aber auch das Eindringen korrosiver Medien selbst unter erschwerten Betriebsbedingungen
wie Temperaturwechsel oder Vibration.
[0003] Ziel der Crimpung ist die Herstellung einer guten mechanischen und elektrischen Verbindung,
die auf die Dauer qualitativ unverändert bleibt.
[0004] Zum Crimpen werden kontaktspezifische Crimpwerkzeuge verwendet mit einem feststehenden
Crimpamboss unten und vertikal verschiebbaren Crimpstempeln oben (siehe Figur 1 bis
Figur 3). Im Crimpwerkzeug sind der Crimpstempel für den Leitercrimp und der Crimpstempel
für den Isolationscrimp montiert, welche meistens über Rasterscheiben mit unterschiedlichen
Höhennocken unabhängig voneinander in vertikaler Richtung auf den Leiterdurchmesser
beziehungsweise Isolationsdurchmesser eingestellt werden können. Diese Einstellungen
beeinflussen direkt die Qualität der Crimpverbindung.
[0005] Bei offenen Crimpkontakten (siehe Figur 4 und Figur 5) erfolgt die Kabelzuführung
oberhalb des Kontaktes. Der zuvor abisolierte Leiter wird üblicherweise von Automaten
gleichzeitig in radialer und axialer Richtung gegenüber dem Kontakt korrekt für den
Crimpvorgang positioniert. Durch die Abwärtsbewegung des Crimpstempels wird zuerst
der Leiter über eine Mechanik in die nach oben geöffneten Leiter- und Isolationscrimpkrallen
abgesenkt, danach beginnt der eigentliche Crimpvorgang mit Umformen der Laschen entsprechend
der Crimpstempelformen. Nach dem Hub des Crimpstempels hat der Crimp die gewollte
Formverpressung (siehe Figur 5), die wiederum vom verwendeten Kontaktblech, vom Leiterquerschnitt,
vom Kupfer des Leiters und von der Abisolierung abhängig ist. Bei geschlossenen Kontakten
muss der Leiter nach der radialen Ausrichtung axial in den als Rohr ausgeformten Crimpbereich
des Kontakts eingefahren werden.
[0006] Ein Schnittbild einer fehlerfrei ausgeführten Crimpverbindung zeigt die ursprünglich
einzelnen runden Litzen des Leiters kompakt zu Vielecken gegeneinander gepresst. Die
innere Fläche im Crimpbereich des Kontaktes zeigt Verformungen der Berührungsstellen
der einzelnen Litzen.
[0007] Eine wichtige Kenngrösse für den Verpressungsgrad des Leitercrimps ist das Crimp
Kompressions-Verhältnis CCR, definiert als Verhältnis von Querschnittfläche des gecrimpten
Leitercrimps CCS zu der Summe der Querschnittflächen des Leiters WCS und des Kontaktteils
TCS vor der Verformung.

[0008] Ein Qualitätsziel ist es, ein bestimmtes Crimp-Kompressions-Verhältnis CCR einzuhalten,
und zwar unabhängig davon welcher Leiterquerschnitt verarbeitetet wird. Dies wird
erreicht, indem für jeden Leiterquerschnitt die entsprechende Crimphöhe vorgegeben
wird.
[0009] Beim Leitercrimp müssen alle einzelnen Litzen umfasst sein. Am vorderen Ende des
Leitercrimps müssen die einzelnen Litzen je nach Querschnitt etwa 0,5 mm herausragen
und dürfen nicht im Crimp verschwinden. In dem zwischen dem Leitercrimp und dem Isolationscrimp
liegenden Fenster müssen Leiter und Leiterisolation sichtbar sein. Der Isolationscrimp
muss die Isolation umschliessen ohne in diese einzudringen.
[0010] Wichtige Kriterien für die Beurteilung einer Crimpverbindung sind die Crimpform,
die Crimphöhe als Mass für das Crimp-Kompressions-Verhältnis und die Leiterausreiss-Festigkeit.
Diese Kriterien eignen sich aber nur beim Einrichten der Crimpmaschine und während
der Produktion bei Stichproben. Um den heutigen Qualitätsanforderungen für sämtliche
Crimpverbindungen zu genügen, müssen Mittel zur Verfügung stehen, welche über jede
Crimpverbindung während des Crimpvorganges Crimpdaten aufnehmen, auswerten, speichern
und ergebnisorientiert Maschinendaten beeinflussen können. Zur Beurteilung der Crimpverbindung
(ohne mechanische Zerstörung der Crimpverbindung) wird die Crimpkraft in Relation
zum Crimpweg oder zur Crimpzeit gesetzt. Mit entsprechender Auswertung der Crimpdaten
kann die Güte einer Crimpverbindung verlässlich beurteilt werden.
[0011] Ein Verfahren beziehungsweise eine Einrichtung zur Beurteilung der Qualität einer
Crimpverbindung muss Crimpfehler wie falsche Isolationscrimp-Höhe, falsche Leitercrimp-Höhe,
nicht erfasste Litzen beim Leitercrimp, falsche oder keine Abisolierlänge, falsche
Einlegetiefe oder beim Abisolieren abgeschnittene Litzen erkennen und entsprechende
Fehlermeldungen erzeugen.
Stand der Technik
[0012] Aus der Anmeldeschrift
EP 0 460 441 ist ein Verfahren zur Detektion von fehlenden Litzen oder von eingecrimpter Leiterisolation
in einer Crimpverbindung anhand des Crimpkraftverlaufes bekannt geworden. Während
eines Crimpvorganges werden Wertepaare bestehend aus Crimpkraft und Position des Crimpstempels
gemessen und gespeichert. Die während der Herstellung einer Crimpverbindung gemessenen
Wertepaare ergeben den Crimpkraftverlauf des Crimpvorganges mit der Crimpkraft in
Abhängigkeit der Position des Crimpstempels. Der Kurvenabschnitt mit starkem Kraftanstieg
wird linearisiert und ein Punkt aus dem Mittel der minimalen und maximalen Crimpkraft
bestimmt. Der Punkt wird mit einem Referenzwert verglichen. Falls der Punkt innerhalb
einer vorbestimmten Abweichung vom Referenzwert liegt, ist die Crimpverbindung von
akzeptabler Qualität. Bei der Auswertung des Crimpkraftverlaufes des Crimpvorganges
wird auch die maximale Crimpkraft mitberücksichtigt. Falls die maximale Crimpkraft
gegenüber einem Referenzwert übermässig abweicht, wird die Crimpverbindung als unbrauchbar
zurückgewiesen. Der Punkt im Kurvenabschnitt mit starkem Kraftanstieg und die maximale
Crimpkraft geben Aufschluss über fehlende Litzen beziehungsweise über eingecrimpte
Leiterisolation in der Crimpverbindung.
[0013] Bei einer marktgängigen Crimppresse erfasst ein Kraftsensor während des Crimpvorganges
die Kraft, die in digitaler Form als kraftabhängiger Kurvenverlauf abgespeichert wird.
Dieser wird mit einer Referenzkurve verglichen. Je nach Grösse der Abweichung zur
Referenz wird auf den Typ des Crimpfehlers geschlossen.
[0014] Nachteilig bei diesem Verfahren ist, dass trotz grossem Rechner-, Speicher- und Rechenaufwand
keine differenzierte Aussage über die Qualität der Crimpverbindung möglich ist.
[0015] Zudem ist aus dem Stand der Technik
EP 0 902 509 B1 eine Crimpeinrichtung mit einem Crimpstempel bekannt, mit dem ein Kontakt mit einem
Leiter verbunden werden kann. Die Crimpeinrichtung umfasst einen oberhalb des Crimpstempels
angeordneten Kraftsensor, um die Crimpkraft zu bestimmen.
[0016] Um die Qualität der Crimpverbindung zu ermitteln, wird die Crimpkraftkurve aufgezeichnet
und in mehrere Zonen aufgeteilt. Zur Bestimmung der Breite der ersten und der zweiten
Zone wird die vierte Zonenbreite mit einem Faktor zwischen 0 und 2 multipliziert.
Der höchste Punkt auf der Referenzcrimpkraftkurve wird auf 100% normiert. Die dritte
Zonenbreite wird dann durch die beiden 90%-Punkte auf der Referenzcrimpkraftkurve
bestimmt.
Darstellung der Erfindung
[0017] Hier will die Erfindung Abhilfe schaffen. Eine Aufgabe der Erfindung ist es, ein
Verfahren und eine Vorrichtung anzugeben, bei denen die oben genannten Nachteile vermieden
werden und die zu einer verbesserten Qualitätssicherung führen.
[0018] Die Aufgabe wird durch ein Verfahren mit den Merkmalen gemäss Patentanspruch 1 gelöst.
[0019] Zudem wird die Aufgabe durch eine Vorrichtung mit den Merkmalen gemäss den Patentansprüchen
11 und 12 gelöst.
[0020] Die durch die Erfindung erreichten Vorteile sind im wesentlichen darin zu sehen,
dass mit der besseren Auflösung der Fehler eine Qualitätssteigerung möglich ist, dass
mit der sensibleren Fehlerdiagnose weniger Ausschuss entsteht und dass Folgefehler,
beispielsweise eine Panne eines Personenwagens wegen Wackelkontaktes in einer Steckerverbindung
vermieden werden.
[0021] Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den in den abhängigen
Patentansprüchen angegebenen Merkmalen.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0022] Im folgenden wird die Erfindung mit mehreren Ausführungsbeispielen anhand von mehreren
Figuren weiter erläutert.
- Figur 1
- zeigt einen Kabel und einen Kontakt vor dem Crimpen.
- Figur 2
- zeigt das Kabel und den Kontakt während des Crimpens.
- Figur 3
- zeigt das Kabel und den Kontakt nach dem Crimpen.
- Figur 4
- zeigt eine Crimpverbindung zwischen dem Leiter und einem Kontakt.
- Figur 5
- zeigt die Crimpverbindung im Querschnitt.
- Figur 6a
- zeigt einen Kontakt und einen Leiter vor dem Crimpen im Querschnitt.
- Figur 6b
- zeigt den Kontakt und den Leiter nach dem Crimpen im Querschnitt.
- Figur 7
- zeigt eine Crimppresse in einer dreidimensionalen Ansicht.
- Figur 8
- zeigt ein Blockdiagramm einer ersten Ausführungsform einer Steuerung zusammen mit
einem Teil der Crimppresse.
- Figur 9
- zeigt ein Blockdiagramm einer zweiten Ausführungsform der Steuerung zusammen mit einem
Teil der Crimppresse.
- Figur 10a
- zeigt eine Kraft-Winkel-Kurve, die mit der Steuerung gemäss Figur 9 aufgenommen wurde.
- Figur 10b
- zeigt eine aus der Kraft-Winkel-Kurve gemäss Figur 10 a) transformierte Kraft-Weg-Kurve.
- Figur 11
- zeigt ein Diagramm, in dem der Verlauf der auf 1 normalisierten Crimpkraft in Abhängigkeit
vom Weg dargestellt ist mit einem Parameter csiA, der den Beginn der Kompressionsphase
kennzeichnet.
- Figur 12
- zeigt den gleichen Verlauf der Crimpkraft wie in Figur 11, allerdings mit einem Parameter
csiB, der die Breite der Dekompressionsphase kennzeichnet.
- Figur 13
- zeigt den gleichen Verlauf der Crimpkraft wie in Figur 11, allerdings mit einem Parameter
csiC, der die Fläche der Kompression kennzeichnet.
- Figur 14
- zeigt einen Verlauf der Crimpkraft, welcher in zwei Auswertezonen Ziso und Zmc unterteilt
ist.
- Figur 15
- zeigt den Kraft-Weg-Verlauf für einen fehlerlosen Referenzcrimp R, einen fehlerhaften
Crimp C1 mit 10% fehlenden Litzen und einen fehlerhaften Crimp C2 mit eingecrimpter
Isolation.
- Figur 16a
- zeigt eine Verteilungsdichtefunktion für den Fall, dass die Gewichtungsfaktoren S1,
S2 und S3 gleich gross sind.
- Figur 16b
- zeigt eine Verteilungsdichtefunktion für den Fall, dass die Gewichtungsfaktoren S1,
S2 und S3 optimal gewählt wurden, so dass die Streuung der Rmc Werte minimal ist.
Wege zur Ausführung der Erfindung
[0023] Die Figuren 1 bis 3 zeigen einen Crimpvorgang, bei dem ein Ende eines Kabels 1, aus
dem ein Stück Leiter herausragt, mit einem Kontakt 2 verbunden wird. Eine offene Crimpzone
3 des Kontaktes 2 weist eine erste Doppellasche 4 für den Isolationscrimp 5 und eine
zweite Doppellasche 6 für einen Leitercrimp 7 auf. Figur 1 zeigt Crimpstempel 8, 9
in der oberen Totpunktlage. Das Ende der Leiterisolation liegt in der ersten Doppellasche
4 und das abisolierte Kabelstück liegt in der zweiten Doppellasche 6. Wie in Figur
2 gezeigt, werden beim Absenken der Crimpstempel 8, 9 die Doppellaschen 4, 6 mittels
keilförmigen Ausnehmungen 10, die sich in den Crimpstempeln 8, 9 befinden, gegeneinander
gepresst. Als Auflage dient ein Amboss 9.1. Ein kuppelförmiges oberes Ende der Ausnehmung
10 gibt der Doppellasche 4, 6 zusammen mit der Leiterisolation 11 beziehungsweise
dem Leiter die endgültige Form. Figur 3 zeigt die fertige Crimpverbindung mit dem
Isolationscrimp 5, bei dem die erste Doppellasche 4 um die Leiterisolation 11 gepresst
ist, und mit dem Leitercrimp 7, bei dem die zweite Doppellasche 6 um den Leiter gepresst
ist.
[0024] Figur 4 zeigt eine fehlerfreie Crimpverbindung, bei der in einem Fenster 13 die Isolation
11 des Kabels 1 und die einzelnen Litzen des Leiters 12 sichtbar sind. Am kontaktseitigen
Ende des Leitercrimps 7 sind die Einzellitzen erneut sichtbar.
[0025] Figur 5 zeigt eine gute Crimpverbindung 7 im Querschnitt. Nach dem Hub der Crimpstempel
8, 9 hat der Crimp 7 die gewollte Formverpressung.
[0026] Figur 6a zeigt einen Kontakt und einen Leiter vor dem Crimpen im Querschnitt.
[0027] Figur 6b zeigt den Kontakt und den Leiter nach dem Crimpen im Querschnitt.
[0028] Figur 7 zeigt eine mögliche Ausführungsform einer Crimppresse in einer dreidimensionalen
Ansicht. Die Crimppresse umfasst einen Ständer 14, der in Figur 7 zum Teil aufgebrochen
dargestellt ist. Am Ständer 14 ist ein Motor 15 mit einem Getriebe 16 angeordnet.
Ausserdem sind am Ständer 14 erste Führungen 17 angeordnet, an denen eine Ramme 18
geführt ist. Eine vom Getriebe 16 angetriebene Welle 19 weist am einen Ende einen
Exzenterzapfen auf. Die Ramme 18 umfasst ein in den ersten Führungen 17 geführtes
Gleitstück 22 und einen Werkzeughalter 23 mit Kraftsensor 23.1. Das Gleitstück 22
steht in loser Verbindung mit dem Exzenterzapfen, wobei die Rotationsbewegung des
Exzenterzapfens in eine Linearbewegung des Gleitstückes 22 umgesetzt wird. Die Position
des Gleitstücks 22 und damit der Ramme 18 wird mit einem Linearsensor 20 erfasst.
Der maximale Hub des Gleitstückes 22 wird durch den oberen Totpunkt und den unteren
Totpunkt des Exzenterzapfens 21 (Fig. 8 und 9) bestimmt. Der Werkzeughalter 23 betätigt
üblicherweise das Crimpwerkzeug 8, 9 (Fig. 1), das zusammen mit einem zum Crimpwerkzeug
gehörenden Amboss 9.1 die Crimpverbindung herstellt.
[0029] Figur 8 zeigt in einem Blockschaltbild eine erste Ausführungsform einer Steuerung
28 zusammen mit Teilen der in Figur 7 gezeigten Crimppresse. Die Steuerung 28 ist
als Regelkreis ausgebildet und dient zum Steuern der Crimppresse. Der Regelkreis beinhaltet
einen Motorregler 40, den Motor 15 und einen Winkelsensor 45 für die Erfassung des
Drehwinkels der Motorwelle. Die Crimpbewegung für einen Hub wird nach einem vorgegebenen
Geschwindigkeits-Winkel-Profil vom Motorregler 40 geregelt. Die Rotationsbewegung
wird vom Motor 15 auf das Getriebe 16 und dann auf die Welle 19 übertragen, an deren
einen Ende der Exzenterzapfen 21 angeordnet ist. Der Exzenterzapfen 21 versetzt das
Gleitstück 22 der Ramme 18 in eine Linearbewegung.
[0030] Die Position des Gleitstücks 22 der Ramme 18 wird vom Linearsensor 20 erfasst. Der
Linearsensor 20 umfasst einen Massstab mit äquidistant (Abstand Δs) angeordneten Positionsmarkierungen,
welche am Gleitstück 22 der Ramme 18 angebracht sind. Zudem umfasst der Linearsensor
20 einen stationären Lesekopf. Der Linearsensor 20 erzeugt jeweils einen elektrischen
Spannungsimpuls 48, wenn eine der Positionsmarkierungen den Lesekopf passiert.
[0031] Der Kraftsensor 23.1 misst die während des Crimpvorgangs für die Umformung aufgewendete
Kraft F. Der Kraftsensor 23.1 basiert auf dem piezoelektrischen Effekt und erzeugt
eine Ladung q, die proportional zur Kraft F ist. Der Proportionalitätsfaktor ist die
Ladungskonstante k. Ein Kondensator 43 mit der Kapazität C ist zum Kraftsensor 23.1
parallel geschaltet und bildet mit einem nachfolgenden Spannungsverstärker 46 einen
Ladungsverstärker. Die Ausgangsspannung u am Ausgang des Ladungsverstärkers beträgt:

wobei g der Verstärkungsfaktor des Spannungsverstärkers 46 ist.
Zudem ist ein Entladeschalter 44 vorgesehen, der die Ladung des Kondensators 43 vor
jedem Crimpzyklus entlädt. Ein dem Ladungsverstärker nachgeschalteter Analog-Digitalwandler
47 digitalisiert die Ausgangsspannung u, welche die aufgewendete Kraft F repräsentiert,
synchron zu den vom Linearsensor 20 gelieferten Positionsimpulsen 48. Aus der digitalisierten
Kraft F und den Positionsimpulsen 48 wird die Kraft-Weg-Kurve des Crimpvorganges gebildet.
Eine Steuereinheit 42 übernimmt die Speicherung und Auswertung der Kraft-Weg-Kurve.
[0032] Figur 9 zeigt eine alternative Ausführung der Steuerung 28. Diese unterscheidet sich
von der Ausführungsform gemäss Figur 8 zum einen dadurch, dass der Winkelsensor 45
den Drehwinkel ε der Welle 19 erfasst und dazu mit der Welle 19 in Verbindung steht.
Zum anderen unterscheidet sie sich von der Ausführungsform gemäss Figur 8 dadurch,
dass die Position des Gleitstücks 22 nicht vom Linearsensor 20 (Fig. 8), sondern vom
Winkelsensor 45 erfasst wird. Mit Hilfe eines entsprechenden Wandlers 50 wird der
vom Winkelsensor 45 gelieferte Winkel ε in einen Weg s transformiert. Aus der digitalisierten
Kraft F und dem so ermittelten Weg s wird dann die Kraft-Weg-Kurve des Crimpvorganges
gebildet.
[0033] Figur 10a zeigt die Kraft-Winkel-Kurve, die mit konstanten Winkelschritten Δε abgetastet
wurde. Der 180° Punkt auf der Abszisse mit dem Winkel ε bildet den unteren Totpunkt
der Ramme 18. An diesem Punkt ist die Kraft maximal. Mit der Formel:

wird der Crimpweg s aus dem Winkel ε berechnet. Dabei ist r der Abstand zwischen
dem Exzenterzapfen 21 und dem Zentrum der Welle 19.
[0034] Figur 10b zeigt die mit dieser Formel aus der gemessenen Kraft-Winkel-Kurve (Fig.
10a) abgeleitete Kraft-Weg-Kurve. Die Kraft-Weg-Kurve ist in eine Kompressionsphase
K und eine Dekompressionsphase DK aufgeteilt. In den in den Figuren 10b bis 15 dargestellten
Diagrammen befindet sich der Nullpunkt rechts auf der x-Achse.
Crimpsignatur
[0035] Figur 11 zeigt ein Diagramm, in dem der Verlauf der Crimpkraft in Abhängigkeit vom
Weg dargestellt ist. Dieser Verlauf wird auch als Crimpsignatur bezeichnet. Dabei
ist auf der x-Achse der Crimpweg, den das Gleitstück 22 der Ramme 18 zurücklegt. Der
Crimpweg wird auch als Stroke bezeichnet. Auf der y-Achse ist die auf 1 normalisierte
Kraft aufgetragen. Die Kraftachse ist normalisiert, weil so der Kraftsensor 23.1 (Fig.
7) nicht kalibriert sein muss. Somit reicht es aus, wenn der Kraftsensor 23.1 ein
Signal liefert, das zwar proportional zur aufgebrachten Kraft F, aber nicht absolut
skaliert ist. Die Normierung der Kraftachse erlaubt den Einsatz eines kostengünstigen,
nicht kalibrierten Kraftsensors 23.1.
[0036] Der Crimpweg kann aus dem vom Linearsensor 20 erzeugten Positionssignal 48 abgeleitet
werden.
[0037] Wenn die Crimppresse nicht über einen Linearsensor 20 verfügt, kann der Crimpweg
aus dem Drehwinkel ε der Welle (Exzenterachse) 19 abgeleitet werden. Dazu wird mit
dem Winkelsensor 45 der Drehwinkel ε gemessen und mit dem Wandler 50 in einen Weg
transformiert.
Mit Hilfe der Formel:
[0038] 
lässt sich ein Kennwert csiA bestimmen, der als Mass für den Beginn der Kompressionsphase
K dient. Die Kompressionsphase beginnt dort, wo die Laschen 6 den Leiter 12 berühren.
Der Kennwert csiA wird im Folgenden auch als Crimpsignatur-Index csiA bezeichnet.
[0039] Dabei ist A eine Fläche, die in der Kompressionsphase unter der Crimpkraftkurve liegt,
bei einer normalisierten Kraft von 1 - γ beginnt und sich bis zur Spitzenkraft Fp
= 1 erstreckt. Die Fläche A wird im Folgenden auch als Kompressionsfläche bezeichnet.
γ ist eine Konstante, die vorteilhafter Weise so gewählt wird, dass ihr Wert im Bereich
des konstanten Kraftanstiegs liegt. Im vorliegenden Beispiel ist γ = 0,5.
[0040] Figur 12 zeigt den gleichen Verlauf der Crimpkraft wie in Figur 11, allerdings mit
einem Parameter csiB, der die Breite der Dekompressionsphase kennzeichnet.
Mit Hilfe der Formel:
[0041] 
lässt sich ein Kennwert csiB als Mass für die Breite der Dekompressionsphase DK bestimmen.
Die Dekompressionsphase DK beginnt, nachdem der Exzenterzapfen 21 den unteren Totpunkt
erreicht hat und endet, wenn der Crimpstempel 8,9 vom Kontakt 2 entfernt wird. Der
Kennwert oder Wert csiB wird im Folgenden auch als Crimpsignatur-Index csiB bezeichnet.
[0042] Dabei ist B die Grösse der Fläche, die in der Dekompressionsphase DK unter der Crimpkraftkurve
liegt. Die Fläche B wird im Folgenden auch als Dekompressionsfläche bezeichnet. Der
Wert der Konstante γ liegt vorteilhafter Weise im Bereich des konstanten Kraftabstiegs
und ist im vorliegenden Beispiel 0,8.
[0043] Wird beispielsweise die Konstante γ zu γ = 0,8 gewählt, beginnt die Fläche B bei
einer normalisierten Kraft von 1 - γ = 0,2 und erstreckt sich bis zur Spitzenkraft
Fp = 1.
[0044] Es gilt:

wobei k eine Konstante ist.
Da der Crimpsignatur-Index csiB proportional zur Spitzenkraft Fp ist gilt:

Aus den Werten csiA und csiB berechnet sich ein weiterer Crimpsignatur-Index csiC:

[0045] Wie in Figur 13 gezeigt, entspricht der Crimpsignatur-Index csiC der Fläche des Dreiecks
mit der Grundlinie csiA - csiB und der Höhe 1. Diese Fläche entspricht der Kompressionsfläche
der Crimpsignatur.
[0046] Der Crimpsignatur-Index csiC kann zur Überwachung der Crimphöhe CH verwendet werden.
Eine kleine Veränderung ΔCH der Crimphöhe CH bewirkt eine gleich grosse Veränderung
ΔcsiC des Crimpsignatur-Indexes csiC mit umgekehrtem Vorzeichen. Es gilt also:

Aus den Crimpsignatur-Indizes csiC und csiB berechnet sich ein weiterer Crimpsignatur-Index
csiD:

[0047] Der Crimpsignatur-Index csiD kann zur Erkennung eines Fehlers beim Einrichten der
Crimpvorrichtung verwendet werden. Insbesondere kann mit dem Crimpsignatur Index csiD
erkannt werden, ob der Leiter ausreichend abisoliert wurde.
[0048] Aus den Werten csiB und csiC berechnet sich ein weiterer Crimpsignatur-Index csiE:

Der Crimpsignatur-Index csiE ist proportional zur Kompressionsarbeit des Crimpvorgangs,
und ist somit auch proportional zum Crimp Kompressions-Verhältnis CCR:

[0049] Der Crimpsignatur-Index csiE kann ebenfalls zur Erkennung eines Fehlers beim Einrichten
der Crimpvorrichtung verwendet werden. Insbesondere kann mit dem Crimpsignatur-Index
csiE überprüft werden, ob die eingestellte Crimphöhe CH und der eingerichtete Kabelquerschnitt
den Spezifikationen entsprechen.
Bestimmung der Auswertezonen
[0050] Im Folgenden wird unter Bezugnahme auf Figur 14 beschrieben wie aus der Crimpkraftkurve
die Auswertezonen Ziso und Zmc bestimmt werden. Die Auswertezone Zmc ist weiter in
N Teilzonen Z1, Z2, ..., Zi, ..., ZN unterteilt, für N > 2. N wird in den folgenden
Ausführungen gleich 3 gesetzt. Figur 14 zeigt eine erste Crimpkraftkurve R bei einem
Referenzcrimp, welche im Folgenden auch als Referenzcrimpkraftkurve R bezeichnet wird.
Figur 14 zeigt zudem eine zweite Crimpkraftkurve E, deren Verlauf typisch für einen
Leercrimp ist. Beide Crimpkraftkurven R und E weisen die gleiche Auswertezonen Ziso
und Zmc auf. Die Auswertezone Zmc ist zusätzlich in drei Teilzonen Z1, Z2 und Z3 aufgeteilt.
[0051] Die Auswertezone Ziso wird herangezogen, um den Crimpfehler "Isolation im Crimp"
zu erkennen. Die Auswertezone Zmc hingegen wird herangezogen, um den Crimpfehler "Fehlende
Litzen" zu erkennen.
[0052] Um den Crimpfehler "Fehlende Litzen" zu erkennen, ist es von Vorteil, wenn die Auswertezone
Zmc möglichst denjenigen Abschnitt der Crimpkraftkurve abdeckt, in dem die Komprimierung
der Litzen erfolgt. Der Beginn der Auswertezone Zmc sollte aber nicht vor diesem Komprimierungsbereich
liegen, weil sonst unnötige Rauschanteile ausgewertet werden. Deshalb erfolgt die
Festlegung der Zonenbreiten mit dem Crimpsignatur-Index csiA, der, wie oben erwähnt,
den Beginn der Kompressionsphase kennzeichnet.
Die Auswertezone Zmc wird wie folgt berechnet:
[0053] 
wobei W ein Parameter ist, der im Bereich von W = 0,5 bis 2,0 liegt und für den standardmässig
W = 1 gilt.
[0054] Die Teilzonen Z1, Z2 und Z3 werden wie folgt bestimmt:

[0055] Die Auswertezone Ziso wird wie folgt bestimmt:

[0056] Überwachung der Crimphöhe während der laufenden Produktion
[0057] Die Crimphöhe wird mit dem Crimpsignaturindex csiC überwacht. Dazu wird der Crimpsignaturindex
csiC während eines Crimpvorgangs ermittelt und mit einem Toleranzwert chTol verglichen.
[0058] Für den Fall, dass die Crimphöhe und damit der Crimpsignaturindex csiC des aktuell
zu überprüfenden Crimps von der Referenz-Crimphöhe zu stark abweicht, das heisst den
Toleranzwert chTol überschreitet, wird die Produktion abgeschaltet, das heisst es
werden keine weiteren Crimpungen mehr durchgeführt.
Crimpfehler "Fehlende Litzen"
[0059] Mit der erfindungsgemässen Lösung kann erkannt werden, ob und auch wie viele Litzen
eines Leiters 12 (Fig. 4) während des Crimpens nicht gecrimpt wurden. Figur 15 zeigt
einen typischen Kraft-Weg-Verlauf R für einen fehlerlosen Crimp und einen typischen
Kraft-Weg-Verlauf C1 für einen fehlerhaften Crimp mit 10% fehlenden Litzen.
[0060] Zur Fehlererkennung wird zunächst ein Wert Rmc, der den relativen Anteil fehlender
Litzen angibt und im Folgenden auch als Resultat bezeichnet wird, wie folgt berechnet:

wobei gilt:
ScaleFactorRmc ist ein Skalierungsfaktor,
Si ist der Gewichtungsfaktor für die Teilzone Zi und
Ri ist die relative Flächendifferenz für die Teilzone Zi.
[0061] Anschliessend wird der Wert Rmc mit einem Fehlergrenzwert BLMC verglichen. Der Fehlergrenzwert
BLMC wird auch als Fehlergrenze bezeichnet.
[0062] Die relative Flächendifferenz Ri einer Teilzone Zi berechnet sich nach folgender
Formel:

wobei f die Fläche ist, die unter der Crimpkraftkurve in der Teilzone Zi liegt, und
fRef die Referenzfläche ist, die unter der Referenzcrimpkraftkurve in der Teilzone
Zi liegt.
[0063] Die relative Flächendifferenz Ri ist also die Differenz zwischen der Fläche f, die
unter der Crimpkraftkurve in der Teilzone Zi liegt, und der Referenzfläche fRef, die
unter der Referenzcrimpkraftkurve in der Teilzone Zi liegt, dividiert durch diese
Referenzfläche fRef.
[0064] Die Streuung des Wertes Rmc wird verringert und somit die Trennschärfe für die Erkennung
von Crimpfehler verbessert, wenn die Gewichtungsfaktoren Si entsprechend der Relevanz
der jeweiligen relativen Flächendifferenz Ri bestimmt werden. Die Gewichtungsfaktoren
Si berechnen sich nach folgender Formel:

wobei Ri(ec) die relative Flächendifferenz der Teilzone Zi für einen Leercrimp ec
und std(Ri) die Standardabweichung von Ri, ermittelt über eine grössere Anzahl von
fehlerlosen Crimps, ist.
[0065] Der Skalierungsfaktor ScaleFactorRmc dient zur Skalierung des Wertes Rmc, so dass
Rmc dem relativen Anteil fehlenden Litzen entspricht.
[0066] Zur Bestimmung des Skalierungsfaktors ScaleFacorRmc wird ein Fehlcrimp mit einem
definierten Anteil mc % fehlender Litzen ausgeführt. Fehlen beispielsweise 2 von 19
Litzen ergibt sich der Wert mc zu mc = 2 / 19 * 100 = 10.5 %. Wird beispielsweise
ein Leercrimp durchgeführt, das heisst es wird ein Kontakt ohne Leiter gecrimpt, ergibt
sich der Wert mc zu mc = 1 / 1 * 100 = 100 %. Der Skalierungsfaktor ScaleFacorRmc
wird nun so bestimmt, dass das Resultat dieses Fehlcrimps Rmc = -mc % ergibt.
[0067] Für den Fall, dass das Resultat Rmc beim aktuell zu überprüfenden Crimp die Fehlergrenze
-BLMC unterschreitet, wird beispielsweise die Produktion abgeschaltet, das heisst
es werden keine weiteren Crimpungen mehr durchgeführt. Statt dessen kann aber auch
der Crimp als Ausschuss gekennzeichnet werden ohne dass die Produktion gestoppt wird.
[0068] Um die Fehlergrenze BLMC zu bestimmen, werden mehrere Crimpungen durchgeführt. Anschliessend
wird aus den guten Crimpungen die Standardabweichung std(Rmc) der Rmc Resultate berechnet.
Weiter wird der geforderte Anteil von fehlenden Litzen in Prozent mit dem Wert MCL
vorgegeben. Wird als Wert MCL zum Beispiel MCL = 10% vorgegeben, heisst das, dass
das System 10% fehlende Litzen sicher erkennen soll. Die Fehlergrenze BLMC berechnet
sich nun zu:

wobei der Faktor a zum Beispiel den Wert 3 hat.
[0069] Figur 16 verdeutlicht diese Zusammenhänge. Mit dem Wert MCL wird der prozentmässige
Anteil von fehlenden Litzen vorgegeben, der sicher erkannt werden soll. In Figur 16a
ist eine erste Verteilungsdichtefunktion des Werts von Rmc dargestellt. Figur 16b
zeigt eine zweite Verteilungsdichtefunktion von Rmc. Bei den in den Figuren 16a und
16b dargestellten Verteilungsdichtefunktionen ist auf der x-Achse die Variable Rmc
aufgetragen. Auf der y-Achse ist die relative Häufigkeit p(Rmc) angegeben, mit der
die Variable Rmc einen bestimmten Wert aufweist. Die Verteilungsdichtefunktion von
Rmc hat das Maximum beim Mittelwert von Rmc. Die Breite der Verteilungsdichtefunktion
ist definiert durch die Streuung von Rmc, ausgedrückt durch die Standardabweichung
std(Rmc). In den Figuren 16a und 16b ist die Verteilungsdichtefunktion der Rmc Werte
der fehlerlosen Crimps mit pc.a beziehungsweise pc.b bezeichnet. Die Verteilungsdichtefunktion
der Rmc Werte mit MCL %mc fehlenden Litzen ist den Figuren 16a und 16b mit fc.a beziehungsweise
fc.b bezeichnet.
[0070] Bei den Verteilungsdichtefunktionen fc.a und pc.a gemäss Figur 16a sind die Gewichtungsfaktoren
Si gleich gross. Es ist ersichtlich, dass die Trennschärfe - ausgedrückt durch die
Fehlergrenze BLMC - für die Fehlererkennung aufgrund der breiten Streuung der Rmc-Werte
ungenügend ist. Die Rmc-Werte der fehlerhaften Crimps (siehe Verteilungsdichtefunktion
fc.a) sind zwar allesamt kleiner als die Fehlergrenze -BLMC, so dass die fehlerhaften
Crimps erkannt werden, aber einige der Rmc-Werte der fehlerlosen Crimps (siehe Verteilungsdichtefunktion
pc.a)sind ebenfalls kleiner als die Fehlergrenze -BLMC und werden somit fälschlicherweise
als fehlerhaft klassifiziert.
[0071] Figur 16b zeigt den Fall, bei dem die Gewichtungsfaktoren, wie oben beschrieben,
gemäss der Relevanz der relativen Flächendifferenzen Ri bestimmt wurden. Die Streuung
der Rmc-Werte ist kleiner und die beiden Verteilungsdichten pc.b und fc.b überlappen
sich nicht. Somit ist eine genügende Trennschärfe für gegeben. Die fehlerhaften Crimps
werden als schlecht und die fehlerlosen Crimps als gut klassifiziert.
Crimpfehler "Isolation im Crimp"
[0072] Ein weiterer möglicher Fehler beim Crimpen kann sein, dass sich zwischen dem Kontakt
2 (Fig. 4) und dem Leiter 1 noch mehr oder weniger viel Isolationsmaterial 11 befindet.
Figur 15 ist zusätzlich zu dem typischen Kraft-Weg-Verlauf für einen fehlerlosen Crimp
R auch ein typischen Kraft-Weg-Verlauf für einen fehlerhaften Crimp mit eingecrimpter
Isolation C2 dargestellt.
[0073] Um einen Crimp mit eingecrimpter Isolation als fehlerhaft erkennen zu können, wird
die relative Flächendifferenz Riso aus der Zone Ziso mit einem Grenzwert BLISO verglichen.
Der Grenzwert BLISO wird auch als Fehlergrenze bezeichnet.
[0074] Die relative Flächendifferenz Riso berechnet sich wie folgt:

[0075] Die relative Flächendifferenz Riso ist also die Differenz zwischen der Fläche fiso,
die unter der Crimpkraftkurve C2 in der Auswertezone Ziso liegt, und der Referenzfläche
fRefiso, die unter der Referenzcrimpkraftkurve R in der Zone Ziso liegt, dividiert
durch diese Referenzfläche fRefiso.
[0076] Für den Fall, dass die relative Flächendifferenz Riso beim aktuell zu überprüfenden
Crimp den Flächengrenzwert BLISO überschreitet, wird beispielsweise der Crimp als
Ausschuss gekennzeichnet.
[0077] Um die Fehlergrenze BLISO zu bestimmen, werden mehrere Crimpungen durchgeführt. Anschliessend
wird aus den guten Crimpungen statistisch die Fehlergrenze BLISO berechnet.
Ermittlung der Prozessparameter
[0078] Bevor eine Crimpverbindung zum ersten Mal verarbeitet werden kann, müssen zuvor einmalig
die Prozessparameter ermittelt werden. Diese werden dann in einer Datenbank abgelegt
und können jeweils bei der Produktion der entsprechenden Crimpverbindung abgerufen
werden. Zu den Prozessparametern gehören:
- Die Crimpsignatur-Indizes csiA0, csiB0, csic0, csiD0 und csiE0.
- Die Fehlergrenzen BLMC und BLISO.
- Die Gewichtungsfaktoren S1, S2 und S3.
- Der Skalierungsfaktor ScaleFactorRmc.
Einrichten des Crimp-Prozesses
[0079] Beim Einrichten des Crimp-Prozesses auf dem Crimpautomaten muss sichergestellt werden,
dass die Crimpverbindung den Spezifikationen entspricht. Insbesondere muss überprüft
werden, ob der vorgeschriebene Kabelquerschnitt verarbeitet wird und ob die Crimpverbindung
die spezifizierte Crimphöhe CH aufweist.
[0080] Das Einrichten mit der anschliessenden automatischen Überprüfung kann zum Beispiel
folgendermassen ablaufen. In einem ersten Schritt wird die spezifizierte Crimphöhe
CH wie folgt eingestellt. Nachdem ein erster Crimp produziert worden ist misst die
Bedienperson die Crimphöhe CH und stellt das Crimpwerkzeug entsprechend nach. Dies
wird solange wiederholt, bis die Crimphöhe CH innerhalb der Toleranz liegt. In einem
zweiten Schritt wird das Einrichten automatisch überprüft. Dazu wird der aktuelle
Crimpsignatur-Index csiE mit dem in der Datenbank hinterlegten Prozessparameter csiE
0 verglichen. Liegt die Differenz zwischen csiE und csiE
0 innerhalb der Toleranz, das heisst die Crimphöhe CH und der Leiterquerschnitt sind
in Ordnung, wird die Produktion freigegeben.
[0081] Die vorhergehende Beschreibung der Ausführungsbeispiele gemäss der vorliegenden Erfindung
dient nur zu illustrativen Zwecken und nicht zum Zwecke der Beschränkung der Erfindung.
Im Rahmen der Erfindung sind verschiedene Änderungen, Kombinationen der Ausführungsformen
und Modifikationen möglich, ohne den Umfang der Erfindung sowie ihre Äquivalente zu
verlassen.
Bezugszeichenliste
[0082]
- 1
- Kabel
- 2
- Kontakt
- 3
- Crimpzone
- 4
- Doppellasche
- 5
- Isolationscrimp
- 6
- Doppellasche
- 7
- Leitercrimp
- 8
- Crimpstempel
- 9
- Crimpstempel
- 9.1
- Amboss
- 10
- Ausnehmung
- 11
- Leiterisolation
- 12
- Leiter
- 13
- Fenster
- 14
- Ständer
- 15
- Motor
- 16
- Getriebe
- 17
- Führung
- 18
- Ramme
- 19
- Welle
- 20
- Linearmesssystem
- 21
- Exzenterzapfen
- 22
- Gleitstück
- 23
- Werkzeughalter
- 23.1
- Kraftsensor
- 28
- Steuerung
- 40
- Motorregler
- 41
- Steuerungseinheit
- 42
- Externer Computer
- 43
- Kondensator
- 44
- Entladungsschalter
- 45
- Winkelsensor
- 46
- Spannungs-Verstärker
- 47
- Analog - Digital Wandler
- 48
- Impulsfolge der Weg-Inkremente
- 49
- Impulsfolge der Winkel-Inkremente
- 50
- Winkel zu Weg Transformationseinheit
- TCS
- Querschnittsfläche des Kontakts
- WCS
- Querschnittsfläche des Leiters
- CCS
- Querschnittsfläche des Leitercrimps
- CH
- Crimphöhe
- Ziso
- Auswertezone
- Zmc
- Auswertezone
- Z1
- Teilzone
- Z2
- Teilzone
- Z3
- Teilzone
- K
- Kompressionsphase
- DK
- Dekompressionsphase
- R
- Referenzcrimpkurve
- F
- Crimpkraft
- C1
- Crimpkurve
- C2
- Crimpkurve
- E
- Crimpkurve
1. Verfahren zur Bestimmung der Qualität einer Crimpverbindung zwischen einem Leiter
und einem Kontakt,
- bei dem mittels einer Crimpeinrichtung eine Crimpkraft (F) auf den Leiter (1) und
den Kontakt (2) ausgeübt wird,
- bei dem die sich während des Crimpens ergebende Crimpkraftkurve (C1; C2; E; R) ermittelt
wird,
- bei dem eine unter einer Referenzcrimpkraftkurve (R) liegende Kompressionsfläche
(A) ermittelt wird,
- bei dem die Crimpkraftkurve (C1; C2; E) und die Referenzcrimpkraftkurve (R) in mehrere
Zonen (Ziso, Zmc, Z1 - Z3) aufgeteilt werden, wobei die Aufteilung unter Berücksichtigung
der Grösse der Kompressionsfläche (A) erfolgt, und
- bei dem wenigstens eine weitere unter der Crimpkraftkurve (C1; C2; E) liegende Fläche
(f; fiso) ermittelt wird, wobei die Fläche ein Mass für die Qualität der Crimpverbindung
ist.
2. Verfahren nach Patentanspruch 1,
bei dem die Kompressionsfläche (A) unter demjenigen Abschnitt (K) der Referenzcrimpkraftkurve
(R) ermittelt wird, in dem die Crimpkraft (F) zunimmt.
3. Verfahren nach Patentanspruch 2,
bei dem durch die grösste Crimpkraft (Fp) das obere Ende des Abschnitts (K) definiert
wird.
4. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 3,
bei dem ein erster Crimpsignatur-Index (csiA) unter Berücksichtigung der Kompressionsfläche
(A) ermittelt wird.
5. Verfahren nach Patentanspruch 4,
bei dem die Zonen (Z1 - Z3) individuell gewichtet werden.
6. Verfahren nach Patentanspruch 4 oder 5, bei dem
- aus der Referenzcrimpkraftkurve (R) für jede der Zonen (Z1, Z2, Z3) eine Referenzfläche
(fRef) ermittelt wird,
- bei dem aus der Crimpkraftkurve (E) für jede der Zonen (Z1, Z2, Z3) jeweils eine
Fläche (f) ermittelt wird,
- bei dem daraus Flächendifferenzen (R1, R2, R3) und daraus wiederum eine Gesamt-Flächendifferenz
(Rmc) ermittelt werden, und
- bei dem anhand der Gesamt-Flächendifferenz (Rmc) bestimmt wird, ob eine oder mehrere
Litzen des Leiters (12) fehlen.
7. Verfahren nach einem der Patentansprüche 4 oder 5,
- bei dem aus einer Referenzcrimpkraftkurve (R) die Grösse der Referenzfläche (fRefiso),
die in einer der Zonen (Ziso) unter der Referenzcrimpkraftkurve (R) liegt, ermittelt
wird,
- bei dem aus der Crimpkraftkurve (C2) die Fläche (fiso), die in der Zone (Ziso) unter
der Crimpkraftkurve (C2) liegt, ermittelt wird,
- bei dem aus der Referenzfläche (fRefiso) und der Fläche (fiso) die Flächendifferenz
(Riso) ermittelt wird, und
- bei dem anhand der Flächendifferenz (Riso) bestimmt wird, ob sich Isolationsmaterial
(11) im Crimp zwischen dem Leiter (12) und dem Kontakt (2) befindet.
8. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 7,
bei dem eine unter der Referenzcrimpkraftkurve (R) liegende Dekompressionsfläche (B)
ermittelt wird,
wobei die Dekompressionsfläche (B) unter demjenigen Abschnitt (DK) der Referenzcrimpkraftkurve
(R) ermittelt wird, in dem die Crimpkraft (F) abnimmt.
9. Verfahren nach einem der Patentansprüche 1 bis 8,
bei dem ein weiterer Crimpsignatur-Index (csiB) unter Berücksichtigung der Dekompressionsfläche
(B) ermittelt wird.
10. Verfahren nach Patentanspruch 9,
bei dem der Crimpsignatur-Index (csiA) und der Crimpsignatur-Index (csiB) und verwendet
werden, um auf die Crimphöhe (CH) zu schliessen.
11. Crimpeinrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Patentansprüche 1
bis 10,
- mit einem Crimpstempel (8; 9),
- mit einem Linearsensor (20), um die Position des Crimpstempels (8; 9) zu erfassen,
- mit einem Kraftsensor (23.1) zur Erfassung der Crimpkraft (F), und
- mit einer Auswerteeinheit (41, 42), die mit dem Linearsensor (20) und dem Kraftsensor
(23.1) verbunden und derart ausgebildet und betreibbar ist, dass mit ihr die Qualität
einer Crimpverbindung bestimmbar ist.
12. Crimpeinrichtung zum Crimpen eines Leiters und eines Kontakts,
- mit einem Crimpstempel (8; 9),
- mit einem Linearsensor (20), um die Position des Crimpstempels (8; 9) zu erfassen,
- mit einem Kraftsensor (23.1) zur Erfassung der Crimpkraft (F), und
- mit einer Auswerteeinheit (41, 42), die mit dem Linearsensor (20) und dem Kraftsensor
(23.1) verbunden und derart ausgebildet und betreibbar ist, dass mit ihr die Qualität
einer Crimpverbindung bestimmbar ist.