[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Zuordnen einer WC-Sitzgarnitur zu einer
vorgegebenen Zielkeramik und eine Einrichtung zum Zuordnen einer WC-Sitzgarnitur zu
einer Zielkeramik.
[0002] Die Passform einer WC-Sitzgarnitur zur Keramik spielt eine ganz entscheidende Rolle,
da der Gesamteindruck des WCs ganz wesentlich von der WC-Sitzgarnitur geprägt wird.
Neben dieser ästhetischen Funktion der WC-Sitzgarnitur hat diese selbstverständlich
noch eine Vielzahl weiterer funktionaler Anforderungen zu erfüllen. So soll der WC-Sitz
so ausgeführt sein, dass er ein bequemes Sitzen während der Verrichtung der Notdurft
ermöglicht. Zum anderen soll durch den WC-Sitz und -Deckel das Innere der Keramik
abgedeckt werden und der Deckel selbst soll stabil genug sein, so dass er auch als
Sitzgelegenheit verwendbar ist. Ein Problem besteht darin, dass die WC-Sitzgarnitur
und die Keramik häufig von unterschiedlichen Herstellern stammen, wobei insbesondere
der Markt für WC-Keramikschüsseln von vielerlei Marken und No-Name-Herstellern bedient
wird. Es gibt keinerlei verlässliche Standardmaße für die Kontur der Keramik. Darüber
hinaus sind selbst die von den Keramikherstellern herausgegebenen Maßangaben zur Keramikkontur
ungenau, so dass der Verbraucher oder der Handwerker bei der Montage des WCs nachmessen
muss. Die Güte der Passform der WC-Sitzgarnitur auf der Keramik ist - wie oben ausgeführt
- entscheidend für den ästhetischen Gesamteindruck und somit für die Kaufentscheidung
des Kundens.
[0003] Die Anmelderin ist einer der führenden Hersteller von WC-Sitzgarnituren und bietet
bisher ihren Kunden ein vergleichsweise komfortables System an, für eine vorhandene
Zielkeramik eine geeignete WC-Sitzgarnitur aus der Produktpalette herauszusuchen.
Hierzu wird unter
www.haro.de eine Anleitung zur Auswahl von WC-Sitzgarnituren gegeben. Dabei wird in einem ersten
Schritt die Grundform der Keramik beurteilt, d. h., die Keramik wird nach den Grundformen
oval - eng - oval - D-shape - spitz - eckig oder - kurz eingestuft. In einem folgenden
Schritt wird der Abstand zwischen den Befestigungslöchern der Keramik gemessen, wobei
die Messung vom Mitteloch bis Mitteloch erfolgt. In einem weiteren Messschritt wird
dann die Länge der Keramik, d. h., der Abstand von der Vorderkante der Keramik bis
zu den Befestigungslöchern erfasst. In Abhängigkeit von dem Abstand der Befestigungslöcher
und der Länge der Keramik wird dann ein geeignetes Scharnier (Bügelscharnier, Exzenterscharnier,
Schlitzscheibe) für die WC-Sitzgarnitur ausgewählt, wobei asymmetrische Scharniere
einen gewissen Breiten- und Längenausgleich ermöglichen.
[0004] In einem abschließenden Messschritt wird die Breite der Keramik gemessen und in Abhängigkeit
von den vorgenannten Daten (Länge, Breite der Keramik und Lochabstand) sowie der Keramikform
eine oder mehrere geeignete WC-Sitzgarnituren ausgewählt.
[0005] Es liegt auf der Hand, dass dieses Verfahren vergleichsweise aufwendig ist und auch
eine gewisse Erfahrung voraussetzt, da der Kunde zum Einen die erforderlichen Messungen
in der richtigen Weise durchführen muss und zum Anderen noch die Zielkeramikform den
vorgegebenen Grundformen zuordnen muss.
[0006] Dem gegenüber liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Einrichtung
zum Zuordnen einer WC-Sitzgarnitur zu einer vorgegebenen Zielkeramik zu schaffen,
wobei diese Zuordnung mit möglichst geringem Aufwand und geringer Fehlerquote erfolgen
soll.
[0007] Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Patentanspruch 1 bzw.
eine Einrichtung mit den Merkmalen des nebengeordneten Patentanspruchs 13 gelöst.
[0008] Erfindungsgemäß geht die Anmelderin einen im Stand der Technik ohne jegliches Vorbild
aufweisenden Weg, wobei von Seiten des Kunden praktisch keinerlei Entscheidungen zur
Formeinstufung oder Messungen vorgenommen werden müssen.
[0009] Erfindungsgemäß werden in einer Datenbank eines Anbieters die WC-Sitzgarnitur-Geometriedatensätze
einer Vielzahl von WC-Sitzgarnituren abgespeichert.
[0010] Zur Zuordnung einer oder mehrerer dieser WC-Sitzgarnituren zu einer vorhandenen Zielkeramik
erfolgt zunächst eine Bilderfassung der Keramikkontur in dem Auflagebereich der WC-Sitzgarnitur.
Die derart erfassten Bilddaten werden an eine Bildauswerteeinheit übergeben, dieser
berechnet dann aus diesen Bilddaten einen Keramik-Geometriedatensatz. Dieser kann
neben geometrischen Daten auch Farbinformationen enthalten.
[0011] In einem anschließenden Schritt wird der digitale Keramik-Geometriedatensatz rechnergestützt
mit der Vielzahl von WC-Sitzgarnitur-Geometriedatensätzen verglichen und in Abhängigkeit
von vorgegebenen Passkriterien eine oder mehrere WC-Sitzgarnituren ausgewählt. Diese
Auswahl erfolgt dann so, dass die WC-Sitzgarnitur sowohl hinsichtlich der Passform
als auch hinsichtlich der Funktionalität in optimaler Weise an die Keramik angepasst
ist.
[0012] D. h., gemäß dem erfindungsgemäßen Konzept muss vom Kunden lediglich eine Bilderfassung
der betreffenden Keramik vorgenommen werden - die Auswahl der passenden WC-Sitzgarnitur
erfolgt selbstständig und rechner-/softwaregestützt beim WC-Sitzgarnituranbieter.
Die Kriterien zur Auswahl der geeigneten WC-Sitzgarnitur können vom Anbieter dann
in optimaler Weise an die jeweilige Aufgabenstellung angepasst werden.
[0013] Bei einem besonders bevorzugten Ausführungsbeispiel erfolgt die Bilderfassung der
Zielkeramik mittels Digitalfotografie. Selbstverständlich können alternativ auch andere
Verfahren, wie beispielsweise ein 2D- oder 3D-Scannen verwendet werden.
[0014] Bei einer besonders einfachen Verfahrensvariante werden die digitalen Fotos rechnergestützt
zu 2D- oder 3D-Datensätzen transferiert. Diese Datensätze geben vorzugsweise die Kontur
eines inneren und eines äußeren Wasserrands der Keramik und eine Relativposition von
Befestigungsbohrungen für ein WC-Sitzscharnier wieder, können jedoch auch Farbinformationen
(Farbe, Grauwert etc.) enthalten. Diese Farbinformation kann ein Durchschnittsfarbwert
oder eine Vielzahl von örtlichen Farbwerten sein.
[0015] Da die Qualität der Fotos sowohl hinsichtlich der Auflösung als auch hinsichtlich
des gewählten Aufnahmewinkels äußerst unterschiedlich ist, wird bei einer erfindungsgemäßen
Variante eine Korrektur der erfassten Bilddaten vorgenommen. Eine besonders einfache
Korrekturmöglichkeit besteht darin, dass bei der Bilderfassung auf die Keramik ein
Referenzmuster aufgebracht wird, dessen Geometrie so gewählt ist, dass es eine Korrektur
der Bilderfassungsfehler ermöglicht.
[0016] Dieses Referenzmuster kann beispielsweise ein DIN-A4-Blatt oder eine Scheckkarte
mit vorbestimmten Abmessungen und Farbskalen oder aber auch ein geeignetes Flächenmuster
sein. In Abhängigkeit von den bekannten Daten dieses Referenzmusters und von den entsprechenden
Bilddaten kann dann eine perspektivische Korrektur der Bildaufnahme durchgeführt werden,
so dass eine exakte Auswertung ermöglicht ist. Über das Referenzmuster kann auch ein
Farbabgleich erfolgen.
[0017] Bei einem Vergleich des Keramik-Geometriedatensatzes mit der Vielzahl von WC-Sitzgarnitur-Geometriedatensätzen
können unterschiedliche Auswahlkriterien vorbestimmt sein. Bei einer erfindungsgemäßen
Variante wird ein Schwerpunkt des Vergleichs auf die Passgenauigkeit zwischen Standard-WC-Sitzgelenken
der WC-Sitzgarnitur und dem Befestigungslöchern und/oder die Passgenauigkeit der WC-Sitzgarnitur
im vorderen Bereich der Keramik gelegt. Als untergeordnetes Kriterium kann noch die
Passgenauigkeit der WC-Sitzgarnitur im hinteren Bereich der Keramik in die Auswahlkriterien
eingehen. Parallel kann auch die farbliche Übereinstimmung als Kriterium eingehen.
[0018] Je nach Wertigkeit der WC-Sitzgarnitur kann dann in Abhängigkeit von den beim Vergleich
verwendeten Standard-WC-Sitzgelenken noch auf entsprechende hochwertige WC-Sitzgelenke
ausgewichen werden.
[0019] Die erfindungsgemäße Einrichtung besteht im Wesentlichen zum Einen aus einer Einrichtung
zum Erfassen der Bilddaten, d. h., einer digitalen Kamera oder - bei einer Analogkamera
- einem Scanner zum Umwandeln eines Analogfotos in ein Digitalfoto.
[0020] Auf Seiten des WC-Sitzgarnituranbieters muss dann eine Bildauswerteeinheit zum Berechnen
des Keramik-Geometriedatensatzes (eventuell inklusive Farbdaten) aus den Bilddaten
und eine Vergleichseinrichtung zum Vergleichen dieses Keramik-Geometriedatensatzes
mit den vorhandenen WC-Sitzgarnitur-Geometriedatensätzen vorhanden sein. Das Ergebnis
dieses Vergleichs wird dann über eine Ausgabeeinheit ausgelesen, wobei diese Ausgabeeinheit
beispielsweise über das Internet mit den Kunden verbunden sein kann. Prinzipiell kann
jedoch auch die Auswertung offline über E-Mail oder dergleichen zugestellt werden.
[0021] Sonstige vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind Gegenstand weiterer Unteransprüche.
[0022] Im Folgenden wird ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand schematischer
Zeichnungen erläutert. Es zeigen:
Figur 1 ein Ablaufschema eines Verfahrens zum Zuordnen einer WC-Sitzgarnitur zu einer
Zielkeramik;
Figur 2 eine Bilderfassung einer Zielkeramik;
Figur 3 Keramik-Geometriedaten aus der Bilderfassung gemäß Figur 2;
Figur 4 die Keramik-Geometriedaten aus Figur 3 ohne Bilddaten;
Figur 5 ein WC-Sitzgarnitur-Geometriedatensatz und
Figur 6 eine Prinzipdarstellung einer Passformauswertung.
[0023] Es sei angenommen, dass ein Kunde oder Endverbraucher für seine vorhandene WC-Keramik
- im Folgenden Zielkeramik genannt - eine neue WC-Sitzgarnitur anschaffen will. Nach
einer sorgfältigen Vorauswahl hat er sich für einen bestimmten Hersteller entschieden,
der eine Vielzahl von hochwertigen WC-Sitzgarnituren in unterschiedlichen Geometrien
und Ausführungen anbietet. Der Kunde steht nun vor der Aufgabe, eine im Hinblick auf
die Passform geeignete WC-Sitzgarnitur zu seiner Zielkeramik auszuwählen. Hierzu wird
Anstelle der herkömmlichen, eingangs beschriebenen Vermessung, das neue, von der Anmelderin
konzipierte Verfahren und die Einrichtung zum Passformabgleich zwischen Zielkeramik
und WC-Sitzgarnitur verwendet.
[0024] Die einzelnen Verfahrensschritte sind schematisch in Figur 1 wiedergegeben.
[0025] Demgemäß nimmt der Kunde zunächst vor Ort ein Foto der vorhandenen Zielkeramik auf.
Für diese Fotografie wird vorzugsweise eine Digitalkamera verwendet, da dann die so
erstellten Bilder sofort, ohne Einscannen oder dergleichen elektronisch weiterverarbeitet
werden. Problematisch ist dabei, dass zum Einen die Kameras unterschiedliche Auflösungen
haben und dass zum Anderen der Kamerastandpunkt mit Bezug zur Zielkeramik je nach
Umgebungsbedingung schwankt. Optimal wäre es, wenn der Kamerastandpunkt exakt in einer
Vertikalen oberhalb der Zielkeramik liegt und dabei ein vorbestimmter Abstand zwischen
Kameraobjektiv und Keramik eingehalten wird. Ein derartiger Aufwand ist einem Kunden
jedoch nicht zuzumuten, so dass bei der Auswertung des Digitalfotos unterschiedliche
Bildbetrachtungswinkel und Abstände kompensiert werden müssen. Zu diesem Zweck wird
vor der Aufnahme gemäß Figur 2 zunächst ein Referenzmuster 4 auf der in Figur 2 sichtbaren
Oberfläche der WC-Sitzgarnitur 2 angebracht. Beim dargestellten Ausführungsbeispiel
wird dabei als Referenzmuster 4 ein DIN-A4-Blatt verwendet, das auf einen geeigneten
Träger- im vorliegenden Fall einem V-förmig aufgeklappten Zollstock 6 aufgelegt ist,
der seinerseits an der WC-Sitzgarnitur 2 abgestützt ist. Dabei kann eine beliebige
Position des Referenzmusters 4 gewählt werden. Beim Ausführungsbeispiel ist das Referenzmuster
4 oberhalb eines Beckens 8 der Sitzgarnitur 2 angeordnet. Bei der Aufnahme des Digitalfotos
wird dieses Referenzmuster mitfotografiert. Da die Abmessungen des Referenzmusters
bekannt sind, kann über herkömmliche Bildaufbereitungsalgorithmen aus der Abbildung
des Referenzmusters 4 auf den Digitalfotos auf die Kameraposition geschlossen werden.
Hierzu können beispielsweise die durch die Seitenkanten des Referenzmusters 4 verlaufenden
Kantenlinien 10, 12, 14, 16 verwendet werden, um Verzerrungen oder Verzeichnungen
aufgrund einer nicht exakt gewählten Kameraposition zu kompensieren. Dabei können
herkömmliche, in der Bildauswertung verwendete Algorithmen verwendet werden, bei denen
beispielsweise der Winkel zwischen den Kantenlinien 10, 12; 14, 16 und deren Abstände
eingehen.
[0026] Die Bilddaten-Auswertung und -Korrektur erfolgt jedoch beim Anbieter: Hierzu wird
das Digitalfoto oder bei anderen Bilderfassungsgeräten, beispielsweise Scannern, die
Bilddaten mit der Abbildung des Referenzmusters 4 beispielsweise per E-Mail oder in
sonstiger elektronischer Form an den Anbieter gesendet. Hierzu kann beispielsweise
auch ein Internetportal des Anbieters verwendet werden, das für den Kunden über ein
Passwort zugänglich ist. Die übersendeten Bilddaten mit der Abbildung der Keramikkontur
und des Referenzmusters 4 wird mittels einer Bildauswerteeinheit in einen Keramik-Geometriedatensatz
transferiert. Dieser kann beispielsweise eine Vielzahl von Messpunkten in einem 2D-Koordinatensystem
aufweisen, die gemäß Figur 3 beispielsweise die Kontur des inneren Wasserrands 18
und des äußeren Wasserrands 20, die Wasserrandbreite d1, d2 sowie die Relativposition
der Befestigungslöcher und deren Abstand X zur Festlegung eines WC-Sitzgelenkes wiedergeben.
Neben dem Abstand der Befestigungslöcher können zusätzlich noch deren Abstand nach
vorne zum inneren Wasserrand und deren Abstand nach hinten zur Wand erfasst werden.
[0027] In der Darstellung gemäß Figur 3 sind die sich aus dem Keramik-Geometriedatensatz
ergebenden Konturen in das aufgenommene Foto eingezeichnet.
[0028] Figur 4 zeigt diese sich aus dem Keramik-Geometriedatensatz Konturen in Alleinstellung.
Man erkennt, dass aus der Bildauswertung die Länge des Beckens L, die Breite des Beckens
B, die Wasserrandbreiten d1, d2 sowie die Relativposition und der Abstand X der Befestigungslöcher
erfasst wird. Der sich aus der Bildauswertung ergebende Keramik-Geometriedatensatz
ist so ausgebildet, dass er in einem 2D-Koordinatensystem neben den vorgenannten Abmessungen
L, B, d1, d2, X auch die Konturen der Keramik und der Befestigungslöcher 24, 26 (soweit
sichtbar) wiedergibt. Dieser Keramik-Geometriedatensatz wird dann in einem Datenspeicher
abgelegt.
[0029] Gemäß Figur 1 sind vom Anbieter auch im Aufbau entsprechende GeometrieDatensätze
der WC-Sitzgarnituren abgespeichert. Figur 5 zeigt ein Ausführungsbeispiel eines derartigen
WC-Geometriedatensatzes, der hinsichtlich der Grundstruktur an den aus der Bilderfassung
hervorgehenden Keramik-Geometriedatensatz angepasst ist. In der Darstellung gemäß
Figur 5 sind noch eine Vielzahl von zusätzlichen Informationen enthalten, die für
die im Folgenden erläuterte Zuordnung einer geeigneten WC-Sitzgarnitur nicht notwendigerweise
erforderlich sind. Prinzipiell reicht es aus, wenn vom WC-Sitz und vom WC-Deckel der
WC-Sitzgarnitur die den vorgeschriebenen Konturlinien und Maßen entsprechenden Daten
abgelegt sind, wobei in erster Näherung die WC-Sitzgarnitur mit einem Standard-WC-Sitzgelenk
ausgeführt ist.
[0030] Gemäß Figur 1 wird dann in einem weiteren Verfahrensschritt der Keramik-Geometriedatensatz
(Figur 4) mit den im Speicher abgelegten WC-Sitzgarnitur-Geometriedatensätzen verglichen,
wobei vereinfacht gesagt, die WC-Sitzgarnitur-Geometriedatensätze digital über die
entsprechenden Keramik-Geometriedatensätze gelegt und dabei die entsprechenden Abweichungen
zwischen den relevanten Konturlinien erfasst werden.
[0031] Aus diesem Vergleich der Geometriedatensätze kann dann sehr einfach gefolgert werden,
inwieweit die Konturen der Keramik 2 von den Konturen und entsprechenden Auflageflächen
der WC-Sitzgarnitur überdeckt werden und ob das gewählte Standard-Scharnier zu den
Befestigungslöchern 24, 26 passt. Zu jedem WC-Sitzgarnitur-Geometriedatensatz werden
dann die Abweichungen zur Keramikkontur ermittelt, wobei beispielsweise Flächenberechnungen
zugrunde gelegt werden können. Anhand dieser Auswertung werden dann die Überhänge
und Rückstände der einzelnen WC-Sitzgarnituren mit Bezug zur Zielkeramik erfasst und
ausgewertet. Besonders wichtig ist dabei die Relativpositionierung der Befestigungslöcher
24, 26 der Keramik mit Bezug zu den Befestigungskorridoren der einzelnen WC-Sitzgelenke.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass jede WC-Sitzgarnitur mit unterschiedlichen WC-Sitzgelenken
ausgestattet werden kann. Um die Anpassung der WC-Sitzgarnituren an die Keramiken
zu erleichtern, können bei den Datensätzen unterschiedliche Scharniersysteme den einzelnen
WC-Sitzgarnituren zugeordnet werden, die verschiedene Verstellmöglichkeiten mit bestimmten
Verstellbereichen haben.
[0032] Dabei können beispielsweise Bügelscharniere, Exzenterscharniere oder Schlitzscheiben
zur stufenlosen Verstellbarkeit verwendet werden. Bei der Konzeption der WC-Sitzgarnitur-Geometriedatensätze
ist darüber hinaus noch zu beachten, dass nicht alle WC-Sitzgelenke mit allen WC-Sitzen
kombiniert werden können, da es bestimmte Restriktionen in Form von Drehpunkthöhen,
Ausstattung und Öffnungswinkeln gibt.
[0033] Nach Durchführung des vorbeschriebenen Abgleichs zwischen den vorhandenen WC-Sitzgarnitur-Geometriedatensätzen
und den Keramik-Geometriedatensätzen (unter Berücksichtigung der einzelnen WC-Sitzgelenke)
kann dann eine Priorisierung der minimalen Abweichungen und damit eine "Hitliste"
der Passformempfehlungen entwickelt werden.
[0034] Gemäß Figur 6 wird bei der Passformempfehlung ein Schwerpunkt darauf gerichtet, dass
bereits mit dem einfachsten WC-Sitzgelenk eine gute Passgenauigkeit zu den beiden
Befestigungslöchern 24, 26 erzielt wird. Genauso wichtig ist es, dass in dem mit V
gekennzeichneten vorderen Bereich (links von der durchgehenden Linie) die WC-Sitzgarnitur
gleichmäßig, jedoch um ein vergleichsweise geringes Maß übersteht (beispielsweise
0 bis +5 mm). In dem mit H gekennzeichneten hinteren Bereich kann die WC-Sitzgarnitur
um ein vergleichsweises geringes Maß (beispielsweise ebenfalls wieder 0 bis -5 mm)
zurückstehen, wobei das letztgenannte Maß im hinteren Bereich H von untergeordneter
Bedeutung ist. Diejenigen WC-Sitzgarnituren, mit denen im Bereich V und im Hinblick
auf die Befestigungslöcher 24, 26 die höchste Passgenauigkeit erzielt wird, werden
in die oben genannte Empfehlungsliste aufgenommen. In einem weiteren Schritt kann
dann noch eine Feinanpassung im Hinblick auf die WC-Sitzgelenkauswahl und auf die
ästhetische Ausgestaltung des WC-Deckels und/oder des WC-Sitzes erfolgen.
[0035] Im Anschluss an diesen Vergleich wird dann eine Empfehlungsliste ausgegeben, die
beispielsweise eine Modellnummer der WC-Sitzgarnitur und des passenden WC-Sitzgelenkes
enthält. Es kann noch eine perspektivische Ansicht der Zielkeramik mit dem jeweils
aufgesetzten WC-Sitzgarnituren beigefügt werden, so dass sich der Kunde ein gutes
Bild von der ästhetischen Anmutung der ausgewählten WC-Sitzgarnitur machen kann.
[0036] Prinzipiell ist eine Internet basierte Auswertung bevorzugt, wobei sich der Kunde
auf der Webseite des Anbieters informiert, dass entsprechend den vor beschriebenen
Ausführungen aufgenommene Digitalfoto auf den Server des Anbieters lädt und dann innerhalb
einer möglichst kurzen Verarbeitungszeit die Empfehlungsliste mit der Modellempfehlung
und ggf. den Bestellnummern sowie unter Umständen einen Hinweis auf den nächstgelegenen
Fachhändler erhält.
[0037] Das erfindungsgemäße Konzept ermöglicht es, mit denkbar geringem Aufwand und auf
sehr schnelle Weise zu einer vorhandenen Zielkeramik eine geeignete WC-Sitzgarnitur
auszuwählen. In kinematischer Umkehr kann das System selbstverständlich auch so ausgelegt
werden, dass zu vorhandenen WC-Sitzgarnituren eine passende Keramik ausgewählt wird.
Prinzipiell lässt sich dass erfindungsgemäße Konzept auch auf andere Technologiebereiche
erweitern, in denen es darauf ankommt, aus einer Vielzahl von Bauelementen eine Auswahl
zu treffen und diese einer vorhandenen Struktur zuzuordnen. Die Anmelderin behält
sich vor, das Patentbegehren durch entsprechende Formulierungen der Patentansprüche
zu verallgemeinern.
[0038] Beim vorbeschriebenen Ausführungsbeispiel werden Geometriedaten verarbeitet und das
Hauptaugenmerk auf die geometrische Übereinstimmung gelegt. Bei einer Weiterbildung
dieses Konzeptes kann zusätzlich zu den geometrischen Daten auch die farbliche Übereinstimmung
erfasst werden.
[0039] Hierzu wird in der Bildauswertung auch die Farbe, d. h., der Farbton und die Farbintensität
(Grauwert) erfasst und mit entsprechenden WC-Geometrie-Datensätzen verglichen, die
dann neben den reinen Geometriedaten entsprechende Farbdaten enthalten. Beim Vergleich
der Keramikdaten mit den WC-Sitzgarniturdaten wird dann neben der geometrischen Übereinstimmung
auch die farbliche Übereinstimmung berücksichtigt und eine entsprechende Auswahl getroffen.
[0040] Aufgrund der unterschiedlichen Beleuchtungsverhältnisse und der Farbempfindlichkeiten
der Digitalkameras oder Scanner kann bei dieser Weiterbildung das aufgelegte Referenzmuster
mit Farbinformationen versehen werden, die einen Farbabgleich oder eine Farbkorrektur
und somit einen objektiven Vergleich der Keramikfarbdaten mit dem WC-Sitzgarnitur-Farbdaten
ermöglicht.
[0041] Gemäß der vorbeschriebenen Weiterbildung der Erfindung ist somit klar, dass die genannten
Geometriedatensätze nicht nur reine Geometriedaten sondern auch Farbdaten enthalten.
Diese können wiederum Einzeldaten und 2D-/3D-Datensätze enthalten, so dass beispielsweise
eine Vielzahl von Farbpunkten im Koordinatensystem ermittelt und daraus ein Durchschnittsfarbwert
errechnet werden kann.
[0042] Diese Weiterbildung ermöglicht es, eine WC-Sitzgarnitur auszuwählen, die sowohl in
der Passgenauigkeit als auch in der ästhetischen Anmutung in optimaler Weise an die
Keramik angepasst ist.
[0043] Offenbart sind ein Verfahren und eine Einrichtung zum Zuordnen einer WC-Sitzgarnitur
zu einer vorgegebenen Zielkeramik.
Bezugszeichenliste
[0044]
- 2
- Keramik
- 4
- Referenzmuster
- 6
- Zollstock
- 8
- Becken
- 10
- Kantenlinie
- 12
- Kantenlinie
- 14
- Kantenlinie
- 16
- Kantenlinie
- 18
- innerer Wasserrand
- 20
- äußerer Wasserrand
- 24
- Befestigungsloch
- 26
- Befestigungsloch
1. Verfahren zum Zuordnen einer WC-Sitzgarnitur zu einer vorgegebenen Zielkeramik (2)
mit den Schritten:
- Abspeichern von WC-Sitzgarnitur-Geometriedatensätzen einer Vielzahl von WC-Sitzgarnituren;
- Bilderfassung der Zielkeramik (2) im Bereich einer Auflage für die WC-Sitzgarnitur;
- Übergabe der Bilddaten an eine Bildauswerteeinheit;
- Berechnen eines Keramik-Geometriedatensatzes aus den Bilddaten;
- Vergleich des Keramik-Geometriedatensatzes mit der Vielzahl von WC-Sitzgarnitur-Geometriedatensätzen
und
- Auswahl einer oder mehrerer WC-Sitzgarnituren in Abhängigkeit von dem Vergleich
2. Verfahren nach Patentanspruch 1, wobei die Bilderfassung durch Digitalfotographie
erfolgt.
3. Verfahren nach Patentanspruch 2, wobei Bilddaten des Fotos zu einem 2D- oder 3D-Datensatz
transferiert werden.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Patentansprüchen, wobei ein Referenzmuster
(4) an der Keramik (2) angebracht wird, das eine Farbkorrektur und/oder eine Korrektur
von Verzeichnungen oder Verzerrungen des Bildwinkels oder dergleichen bei der Bilderfassung
ermöglicht.
5. Verfahren nach Patentanspruch 4, wobei eine Korrektur der Bilddaten in Abhängigkeit
von dem Bild des Referenzmusters (4) erfolgt.
6. Verfahren nach Patentanspruch 4 oder 5, wobei das Referenzmuster (4) ein hinsichtlich
der Abmessungen und der Farbe vorbestimmtes Flächenprodukt, beispielsweise ein DIN-A4-Blatt
oder eine Scheckkarte ist.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Patentansprüche, wobei der Keramik-Geometriedatensatz
die Kontur eines inneren und eines äußeren Wasserrands (18, 20) und die Relativposition
von Befestigungslöchern (24, 26) wiedergibt.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Patentansprüche, wobei der Keramik-Geometriedatensatz
Farbinformationen enthält.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Patentansprüche mit einer Übertragung der
Bilddaten an eine anbieterseitige Datenbank.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Patentansprüche, wobei bei dem Vergleich die
farbliche Übereinstimmung und/oder die Passgenauigkeit von Standard-WC-Sitzgelenken
der WC-Sitzgarnitur zu den Befestigungslöchern (24, 26) und/oder die Passgenauigkeit
in einem vorderen, von den Befestigungslöchern (24, 26) entfernten Bereich (V) priorisiert
eingeht.
11. Verfahren nach Patentanspruch 10, wobei auch die Passgenauigkeit in einem hinteren
Bereich (H) in den Vergleich eingeht.
12. Verfahren nach Patentanspruch 10 oder 11, wobei eine endgültige Auswahl der WC-Sitzgelenke
in Abhängigkeit von dem Vergleich erfolgt.
13. Einrichtung zum Zuordnen einer WC-Sitzgarnitur zu einer Zielkeramik, mit
einem Speicher zum Ablegen von WC-Sitzgarnitur-Geometriedatensätzen;
einer Einrichtung zum Bilderfassen und zur Ausgabe von Bilddaten der Zielkeramik;
einer Bildauswerteeinheit zum Berechnen eines Keramik-Geometriedatensatzes aus den
Bilddaten;
einer Vergleichseinrichtung zum Vergleichen des Keramik-Geometriedatensatzes mit den
WC-Sitzgarnitur-Geometriedatensätzen und
einer Ausgabeeinheit zum Auswählen und/oder zum Visualisieren eines oder mehrerer
WC-Sitzgarnitur-Geometriedatensätzen als Ergebnis des Vergleichs.
14. Einrichtung nach Patentanspruch 13, wobei die Bildauswerteeinheit auch Farbdaten verarbeitet.