[0001] Die Erfindung betrifft ein gehärtetes Bauteil aus Stahlblech.
[0002] Im Bereich des Automobilbaus besteht ein Bestreben das Fahrzeuggesamtgewicht abzusenken
oder bei verbesserten Ausstattungen das Fahrzeuggesamtgewicht nicht ansteigen zu lassen.
Dies kann nur realisiert werden, wenn das Gewicht bestimmter Fahrzeugkomponenten abgesenkt
wird. Hierbei wird insbesondere versucht das Gewicht der Fahrzeugrohkarosserie deutlich
gegenüber früher abzusenken. Gleichzeitig sind jedoch die Anforderungen an die Sicherheit,
insbesondere die Personensicherheit im Kraftfahrzeug und an das Verhalten bei Verunfallung
des Fahrzeuges gestiegen. Während für die Absenkung des Karosserierohgewichts die
Anzahl der Teile verringert und insbesondere auch die Dicke reduziert wird, wird erwartet,
dass die Rohkarosserie mit verringertem Gewicht bei einer Verunfallung eine erhöhte
Festigkeit und Steifigkeit bei einem definierten Verformungsverhalten zeigt.
[0003] Der am meisten angewandte Rohstoff bei der Karosserieherstellung ist Stahl. Mit keinem
anderen Werkstoff lassen sich in derart großen Bereichen kostengünstig Bauteile mit
den unterschiedlichsten Werkstoffeigenschaften zur Verfügung stellen.
[0004] Aus den geänderten Anforderungen resultiert, dass bei hohen Festigkeiten, auch hohe
Dehnungswerte und damit eine verbesserte Kaltumformbarkeit gewährleistet ist. Ferner
ist der Bereich der darstellbaren Festigkeiten für Stähle erweitert worden.
[0005] Eine Perspektive insbesondere für Karosserien im Automobilbau sind dabei Bauteile
aus Stahlfeinblech mit einer Festigkeit in Abhängigkeit der Legierungszusammensetzung
in einem Bereich von 1000 bis zu 2000 MPa. Um derart hohe Festigkeiten im Bauteil
zu erreichen, ist es bekannt, aus Blechen entsprechende Platinen zu schneiden, die
Platinen auf eine Temperatur zu erwärmen die über der Austenitisierungstemperatur
liegt und anschließend das Bauteil in einer Presse umzuformen, wobei während des Umformvorganges
gleichzeitig ein rasches Abkühlen zum Härten des Werkstoffes durchgeführt wird.
[0006] Während des Glühens, um die Bleche zu austenitisieren, bildet sich an der Oberfläche
eine Zunderschicht. Diese wird nach dem Umformen und Abkühlen entfernt. Dies geschieht
üblicherweise mit Sandstrahlverfahren. Vor oder nach diesem Entzundern wird der Endbeschnitt
und das Einfügen von Löchern durchgeführt. Werden der Endbeschnitt und das Einfügen
der Löcher vor dem Sandstrahlen durchgeführt, ist von Nachteil, dass die Schnittkanten
und Lochkanten in Mitleidenschaft gezogen werden. Unabhängig von der Reihenfolge der
Bearbeitungsschritte nach dem Härten ist beim Endzundern durch Sandstrahlen und vergleichbaren
Verfahren von Nachteil, dass hierdurch das Bauteil häufig verzogen wird. Nach dem
genannten Bearbeitungsschritten erfolgt eine sogenannte Stückbeschichtung mit einer
Korrosionsschutzschicht. Beispielsweise wird eine kathodisch wirksame Korrosionsschutzschicht
aufgebracht.
[0007] Hierbei ist von Nachteil, dass die Nachbearbeitung des gehärteten Bauteils außerordentlich
aufwendig ist und aufgrund der Härtung des Bauteils sehr hohem Verschleiß unterliegt.
Ferner ist von Nachteil, dass die Stückbeschichtung üblicherweise einen Korrosionsschutz
bewirkt, der nicht besonders stark ausgeprägt ist. Zudem sind die Schichtdicken nicht
einheitlich, sondern schwanken über die Bauteilfläche.
[0008] In einer Abwandlung dieses Verfahrens ist es auch bekannt, ein Bauteil aus einer
Blechplatine kalt umzuformen und anschließend auf die Austenitisierungstemperatur
aufzuheizen und dann in einem Kalibrierwerkzeug schnell abzukühlen, wobei das Kalibrierwerkzeug
dafür verantwortlich ist, dass das Bauteil, welches durch das Aufwärmen verzogen wird,
bezüglich der umgeformten Bereiche kalibriert wird. Anschließend erfolgt die zuvor
beschriebene Nachbearbeitung. Dieses Verfahren ermöglicht gegenüber dem zuvor beschriebenen
Verfahren komplexere Geometrien, da sich beim gleichzeitigen Umformen und Härten im
Wesentlichen nur lineare Formen erzeugen lassen, komplexe Formen jedoch bei derartigen
Umformvorgängen nicht realisierbar sind.
[0009] Aus der
GB 1 490 535 ist ein Verfahren zum Herstellen eines gehärteten Stahlbauteils bekannt, bei dem
ein Blech aus härtbaren Stahl auf die Härtetemperatur erhitzt wird und anschließend
in einer Formgebungseinrichtung angeordnet wird in der das Blech in die gewünschte
Endform geformt wird, wobei während der Umformung simultan schnell abgekühlt wird,
so dass eine martensitische oder bainitische Struktur erhalten wird während das Blech
in der Formvorrichtung verbleibt. Als Ausgangsmaterial wird beispielsweise ein borlegierter
Kohlenstoffstahl oder Kohlenstoffmanganstahl verwendet. Nach dieser Druckschrift ist
die Umformung vorzugsweise eine Pressung kann aber auch mit anderen Verfahren angewendet
werden. Die Umformung und das Abkühlen sollen vorzugsweise so ausgeführt werden und
so schnell durchgeführt werden, dass eine feinkörnige martensitische oder bainitische
Struktur erhalten wird.
[0010] Aus der
EP 1 253 208 A1 ist ein Verfahren zur Herstellung eines gehärteten Blechprofils aus einer Platine,
die in einem Presswerkzeug zum Blechprofil warm umgeformt und gehärtet wird, bekannt.
Am Blechprofil werden hierbei aus der Ebene der Platine vorstehende Referenzpunkte
beziehungsweise Kragen erzeugt, die zur Lageorientierung des Blechprofils in nachfolgenden
Fertigungsoperationen dienen. Die Kragen sollen beim Umformvorgang aus ungelochten
Bereichen der Platine ausgeformt werden, wobei die Referenzpunkte in Form von randseitigen
Verprägungen oder als Durchstellungen beziehungsweise Kragen im Blechprofil erzeugt
werden. Das Warmumformen und Härten im Presswerkzeug soll aufgrund der durch die Kombination
von Umform- und Vergütungsvorgang in einem Werkzeug rationellen Arbeitsweise generell
Vorteile haben. Aufgrund der Einspannung des Blechprofils im Werkzeug und aufgrund
von Wärmespannungen soll es jedoch zu nicht exakt vorhehrbestimmbaren Verzug am Bauteil
kommen. Dieser kann sich nachteilig auf nachgeschaltete Fertigungsoperationen auswirken,
weshalb die Referenzpunkte am Blechprofil geschaffen werden.
[0011] Aus der
DE 197 23 655 A1 ist ein Verfahren zur Herstellung von Stahlblechprodukten bekannt, wobei ein Stahlblechprodukt
in einem Paar gekühlter Werkzeuge geformt wird, solange es heiß ist- und in eine martensitische
Struktur gehärtet wird, während es immer noch im Werkzeug befindlich ist, so dass
die Werkzeuge als eine Fixierung während des Härtens dienen. In den Bereichen in denen
nach dem Härten eine Bearbeitung stattfinden soll, soll der Stahl im Flussstahlbereich
gehalten werden, wobei Einsätze in den Werkzeugen dazu verwendet werden, eine schnelle
Abkühlung und dadurch eine martensitische Struktur in diesen Bereichen zu verhindern.
Die gleiche Wirkung soll auch durch Ausnehmungen in den Werkzeugen erreicht werden
können, so dass ein Spalt zwischen dem Stahlblech und den Werkzeugen auftritt. Bei
diesem Verfahren ist von Nachteil, dass aufgrund des erheblichen Verzuges, der hierbei
auftreten kann, das vorliegende Verfahren zum Presshärten von Bauteilen mit komplexerer
Struktur untauglich ist.
[0012] Aus der
DE 100 49 660 A1 ist ein Verfahren zum Herstellen lokalverstärkter Blechumformteile bekannt, wobei
das Basisblech des Strukturteils im Flachzustand mit dem Verstärkungsblech lagedefiniert
verbunden und dieses sogenannte gepatchte Verbundblech anschließend gemeinsam umgeformt
wird. Um das Herstellungsverfahren hinsichtlich Verfahrenserzeugnis und Ergebnis zu
verbessern, sowie bezüglich der verfahrensübenden Mittel zu entlasten wird das gepatchte
Verbundblech vor dem Umformen mindestens auf etwa 800 bis 850°C erwärmt, rasch eingelegt,
im warmen Zustand zügig umgeformt und anschließend bei mechanischer Aufrechterhaltung
des Umformzustandes durch Kontaktierung mit dem von innen her zwangsgekühlten Umformwerkzeug
definiert abgekühlt. Insbesondere der insoweit maßgebende Temperaturbereich 800 bis
500°C soll mit einer definierten Abkühlgeschwindigkeit durchfahren werden. Der Schritt
des Verbindens von Verstärkungsblech und Basisblech soll ohne weiteres in dem Umformprozess
integriert werden können, wobei die Teile miteinander hartverlötet werden wodurch
zugleich ein wirksamer Korrosionsschutz an der Kontaktzone erreicht werden kann. Bei
diesem Verfahren ist von Nachteil, dass die Werkzeuge insbesondere durch die definierte
Innenkühlung sehr aufwendig sind.
[0013] Aus der
DE 2 003 306 sind ein Verfahren und eine Einrichtung zum Pressen und Härten eines Stahlteils bekannt.
Ziel ist es Stahlblechstücke in Form zu pressen und zu härten, wobei die Nachteile
bekannter Verfahren vermieden werden sollen, insbesondere, dass Teile aus Stahlblech
in aufeinanderfolgenden gesonderten Schritten zum Formpressen und Härten hergestellt
werden. Insbesondere soll vermieden werden, dass die gehärteten oder abgeschreckten
Erzeugnisse gegenüber der gewünschten Form einen Verzug zeigen, so dass zusätzliche
Arbeitsschritte erforderlich sind. Zur Verwirklichung ist es vorgesehen ein Stahlstück,
nachdem das Stück auf eine seinen austenitischen Zustand herbeiführenden Temperatur
erwärmt worden ist, zwischen einem Paar zusammenwirkender Formelemente zu legen, worauf
das Stück gepresst und gleichzeitig schnell Wärme von dem Stück in die Formteile abgeleitet
wird. Die Formteile werden während des gesamten Vorganges auf einer Kühltemperatur
gehalten, so dass auf das Stück eine Abschreckwirkung unter einem Formdruck ausgeübt
wird.
[0014] Aus der
DE 101 20 063 C2 ist es bekannt, metallische Profilbauteile für Kraftfahrzeuge aus einem in Bandform
bereitgestelltem Ausgangsmaterial einer Walzprofiliereinheit zuzuführen und zu einem
Walzprofil umzuformen, wobei nach dem Austritt aus der Walzprofiliereinheit partielle
Bereiche des Walzprofils induktiv auf eine zum Härten erforderliche Temperatur erwärmt
und anschließend in einer Abkühleinheit abgeschreckt werden. Im Anschluss hieran sollen
die Walzprofile zu den Profilbauteilen abgelängt werden.
[0015] Aus der
US 6,564, 604 B2 ist ein Verfahren zum Herstellen eines Teils mit sehr hohen mechanischen Eigenschaften
bekannt, wobei das Teil durch das Stanzen eines Streifens aus einem gewalzten Stahlblech
hergestellt werden soll und insbesondere ein warmgewalztes und beschichtetes Bauteil
mit einer Metall- oder Metalllegierung beschichtet ist, welches die Oberfläche des
Stahls schützen soll, wobei das Stahlblech geschnitten wird, um einen Stahlblechvorformling
zu erhalten, der Stahlblechvorformling kalt oder warm umgeformt wird und entweder
nach dem Warmumformen gekühlt und gehärtet wird oder nach dem Kaltumformen erhitzt
und anschließend abgekühlt wird. Eine intermetallische Legierung soll auf die Oberfläche
vor oder nach dem Umformen aufgebracht werden und einen Schutz gegen Korrosion und
Stahlentkohlung bieten, wobei diese intermetallische Mischung zudem eine Schmierfunktion
haben kann. Anschließend wird das überstehende Material von dem Formling abgenommen.
Die Beschichtung soll hierbei allgemein auf der Basis von Zink oder Zink-Aluminium
beruhen. Hierbei kann ein Stahl verwendet werden der beidseitig elektrolytisch verzinkt
ist, wobei eine Austenitisierung bei 950°C erfolgen soll. Diese elektrolytisch verzinkte
Schicht wird bei der Austenitisierung komplett in eine Eisen-Zink-Legierung umgesetzt.
Es wird ausgeführt, dass beim Umformen und während des Haltens zum Kühlen die Beschichtung
den Wärmeabfluss durch das Werkzeug nicht behindert und den Wärmeabfluss sogar verbessert.
Zudem schlägt diese Druckschrift vor als Alternative zu einem elektrolytisch verzinkten
Band eine Beschichtung aus 45 % bis 50 % Zink, Rest Aluminium zu verwenden. Bei dem
genannten Verfahren in seinen beiden Ausführungsformen ist von Nachteil, dass ein
kathodischer Korrosionsschutz praktisch nicht mehr vorhanden ist. Zudem ist eine derartige
Schicht so spröde, dass beim Umformen Risse auftreten. Eine Beschichtung mit einer
Mischung aus 45 bis 50 % Zink und 55 bis 45 % Aluminium entfaltet ebenfalls keinen
nennenswerten kathodischen Korrosionsschutz. Zwar wird in dieser Druckschrift behauptet,
dass die Verwendung von Zink ober Zink-Legierungen als Beschichtung sogar für die
Kanten einen galvanischen Schutz ergeben würde, dies kann jedoch in der Praxis nicht
erreicht werden. In der Praxis kann durch die beschriebenen Beschichtungen nicht einmal
ein ausreichender galvanischer Schutz in der Fläche erreicht werden.
[0016] Aus der
EP 1 013 785 A1 ist ein Herstellungsverfahren eines Bauteils aus einem gewalzten Stahlband und insbesondere
einem warmgewalzten Band bekannt. Ziel soll es sein, gewalzte Stahlbleche von 0,2
bis 2,0 mm Dicke anbieten zu können, die unter anderem nach der Warmwalzung beschichtet
werden und die einer Verformung entweder kalt oder warm, gefolgt von einer thermischen
Behandlung unterworfen werden, wobei der Anstieg der Temperatur ohne Stahlentkohlung
und ohne Oxidation der Oberfläche der vorgenannten Bleche vor, während und nach der
Warmverformung oder der thermischen Behandlung gesichert werden soll. Hierzu soll
das Blech mit einem Metall oder einer Metalllegierung, die den Schutz der Oberfläche
des Bleches sichert, versehen werden, anschließend das Blech einer Temperaturerhöhung
für die Umformung unterworfen werden, anschließend eine Umformung des Bleches durchgeführt
werden und das Teil abschließend abgekühlt werden. Insbesondere soll das beschichtete
Blech in heißem Zustand gepresst werden und das durch das Tiefziehen entstandene Teil
abgekühlt werden um gehärtet zu werden und zwar mit einer Geschwindigkeit die höher
ist als die kritische Härtungsgeschwindigkeit. Es wird ferner eine Stahllegierung
angegeben, welche geeignet sein soll, wobei dieses Stahlblech bei 950°C austenitisiert
werden soll, bevor es im Werkzeug verformt und gehärtet wird. Die aufgebrachte Beschichtung
soll insbesondere aus Aluminium oder einer Aluminiumlegierung bestehen, wobei hierdurch
nicht nur ein Oxidations- und Entkohlungsschutz, sondern auch eine Schmierwirkung
resultieren soll. Bei diesem Verfahren kann es zwar im Gegensatz zu den anderen bekannten
Verfahren vermieden werden, dass das Blechteil nach dem Aufheizen auf die Austenitisierungstemperatur
verzundert, ein Kaltumformen wie dies in dieser Schrift dargestellt ist, ist jedoch
mit feueraluminierten Blechen grundsätzlich nicht möglich, da die feueraluminierte
Schicht eine zu geringe Duktilität für eine größere Verformung aufweist. Insbesondere
Tiefziehprozesse komplexerer Formen sind mit derartigen Blechen im kalten Zustand
nicht realisierbar. Mit einer derartigen Beschichtung sind Warmumformungen, das heißt
das Umformen und Härten in einem einzigen Werkzeug möglich, das Bauteil weist danach
jedoch keinen kathodischen Schutz auf. Zu dem muss auch ein solches Bauteil nach dem
Härten mechanisch oder mittels Laser bearbeitet werden, so dass der bereits beschriebene
Nachteil eintritt, dass nachfolgende Bearbeitungsschritte durch die Härte des Materials
sehr aufwendig sind. Darüber hinaus ist von Nachteil, dass alle Bereiche des Formteils,
welche mittels Laser oder mechanisch geschnitten werden über keinerlei Korrosionsschutz
mehr verfügen.
[0017] Aus der
DE 102 54 695 B3 ist es bekannt, zur Herstellung eines metallischen Formbauteils, insbesondere eines
Karosseriebauteils aus einem Halbzeug, aus einem ungehärteten warmformbaren Stahlblech,
das Halbzeug zunächst durch ein Kaltumformverfahren, insbesondere durch Tiefziehen
zu einem Bauteilrohling umzuformen. Anschließend soll der Bauteilrohling randseitig
auf eine dem herzustellenden Bauteil näherungsweise entsprechende Berandungskontur
beschnitten werden. Schließlich wird der beschnittene Bauteilrohling erwärmt und in
einem Warmumformwerkzeug pressgehärtet. Das dabei erzeugte Bauteil weist bereits nach
dem Warmumformen die gewünschte Berandungskontur auf, so dass eine abschließende Beschneidung
des Bauteilrandes entfällt. Auf diese Weise sollen die Zykluszeiten bei der Herstellung
gehärteter Bauteile aus Stahlblech erheblich gesenkt werden. Der verwendete Stahl
soll ein lufthärtender Stahl sein, der ggf. unter einer Schutzgasatmosphäre aufgeheizt
wird, um eine Verzunderung während des Aufheizens zu vermeiden. Anderenfalls wird
eine Zunderschicht auf das Formbauteil nach dem Warmumformen des Formbauteils entzundert.
In dieser Druckschrift wird erwähnt, dass im Rahmen des Kaltumformprozesses der Bauteilrohling
endkonturennah ausgeformt wird, wobei unter "endkonturnah" verstanden werden soll,
dass diejenigen Teile der Geometrie des fertigen Bauteils, welche mit einem makroskopischen
Materialfluss einhergehen, nach Abschluss des Kaltumformprozesses vollständig in den
Bauteilrohling eingeformt sind. Nach Abschluss des Kaltumformprozesses sollen somit
zur Herstellung der dreidimensionalen Form des Bauteils nur noch geringe Formanpassungen
notwendig sein, welche einen minimalen lokalen Materialfluss erfordern. Bei diesem
Verfahren ist von Nachteil, dass nach wie vor ein Endformschritt der gesamten Kontur
im warmen Zustand erfolgt, wobei zur Vermeidung von Verzunderung entweder der bekannte
Weg gegangen werden muss, das unter Schutzgas geglüht werden muss oder die Teile entzundert
werden müssen. Beiden Prozessen muss eine anschließende Korrosionsstückbeschichtung
nachfolgen.
[0018] Zusammenfassend kann gesagt werden, dass bei allen vorgenannten Verfahren sämtlichst
von Nachteil ist, dass die hergestellten Teile nach dem Umformen und Härten weiter
bearbeitet werden müssen was teuer und aufwendig ist. Zudem besitzen die Bauteile
entweder keinen oder nur einen ungenügenden Korrosionsschutz.
[0019] Aufgabe der Erfindung ist es, ein gehärtetes Bauteil aus Stahlblech zu schaffen,
welches einen kathodischen Korrosionsschutz besitzt, dimensionsstabil und -genau ist
und geringste Fertigungstoleranzen aufweist.
[0020] Die Aufgabe wird mit einem Bauteil aus einem gehärteten Stahlblech mit den Merkmalen
des Anspruchs 1 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen sind in hiervon abhängigen Unteransprüchen
gekennzeichnet.
[0021] Erfindungsgemäß wird das Umformen der Bauteile sowie das Beschneiden und Lochen der
Bauteile im Wesentlichen im ungehärteten Zustand durchgeführt. Die relativ gute Verformbarkeit
des verwendeten speziellen Materials im ungehärteten Zustand lässt die Realisierung
komplexer Bauteilgeometrien zu und ersetzt teures nachträgliches Beschneiden im gehärteten
Zustand durch wesentlich preisgünstigere mechanische Schneidoperationen vor dem Härteprozess.
[0022] Die unvermeidlichen Dimensionsänderungen durch das Erhitzen des Bauteils werden bei
dem Umformen des kalten Blechs bereits berücksichtigt, so dass das Bauteil circa 0,5
bis 2 % kleiner hergestellt wird, als es die Endabmessungen sind. Zumindest wird die
erwartete Wärmedehnung bei der Umformung berücksichtigt.
[0023] Bei dem kaltem Bearbeiten des Bauteils, das heißt dem Umformen, Schneiden und Lochen
ist es ausreichend, die Bereiche mit hoher Komplexität und Umformtiefe und gegebenenfalls
die eng tolerierten Bereiche des Bauteils wie insbesondere die Schnittkanten, die
Formkanten, die Formflächen und gegebenenfalls das Lochbild, wie insbesondere die
Referenzlöcher mit den gewünschten Endtoleranzen, insbesondere den Beschnitt- und
Lagetoleranzen, des fertigen, gehärteten Bauteils zu fertigen, wobei hierbei die Wärmedehnung
des Bauteils durch das Aufheizen berücksichtigt bzw. kompensiert wird.
[0024] Dies bedeutet, dass das Bauteil nach dem kalten Umformen ca. 0,5 % bis 2 % kleiner
ist als die Soll-Endabmessungen des fertigen, gehärteten Bauteils. Kleiner bedeutet
hierbei, dass das Bauteil nach dem kalten Umformen in allen drei Raumachsen also dreidimensional
fertiggeformt ist. Die Wärmedehnung wird somit für alle drei Raumachsen gleichermaßen
berücksichtigt. Im Stand der Technik kann die Wärmedehnung durch beispielsweise das
nicht vollständige Schließen der Form nicht für alle Raumachsen berücksichtigt werden,
da hier nur in Z-Richtung, durch eine unvollständige Ausformung, eine Dehnung berücksichtigt
werden könnte. Erfindungsgemäß wird vorzugsweise die dreidimensionale Geometrie bzw.
Kontur des Werkzeugs in allen drei Raumachsen kleiner gefertigt.
[0025] Zudem wird erfindungsgemäß ein feuerverzinktes Stahlblech und insbesondere ein feuerverzinktes
Stahlblech mit einer Korrosionsschutzschicht einer speziellen Zusammensetzung verwendet.
[0026] Bislang ist die Fachwelt davon ausgegangen, dass verzinkte Stahlbleche für derartige
Prozesse, bei denen vor oder nach dem Umformen ein Aufheizschritt stattfindet, nicht
geeignet sind. Dies liegt zum einen daran, dass Zinkschichten oberhalb der bislang
üblicherweise angewendeten Ofentemperatur von etwa 900 bis 950°C stark oxidieren oder
unter Schutzgas (sauerstofffreie Atmosphäre) flüchtig sind.
[0027] Der erfindungsgemäße Korrosionsschutz für Stahlbleche, die zunächst einer Wärmebehandlung
unterzogen und anschließend umgeformt und dabei gehärtet werden, ist ein kathodischer
Korrosionsschutz, der im Wesentlichen auf Zink basiert. Erfindungsgemäß sind dem die
Beschichtung ausbildenden Zink 0,1% bis 15% eines sauerstoffaffinen Elements wie Magnesium,
Silizium, Titanium, Calcium und Aluminium zugefügt. Es konnte herausgefunden werden,
dass derart geringe Mengen eines sauerstoffaffinen Elements wie Magnesium, Silizium,
Titanium, Calcium und Aluminium bei dieser speziellen Anwendung einen überraschenden
Effekt herbeiführen.
[0028] Als sauerstoffaffine Elemente kommen erfindungsgemäß zumindest Mg, A1, Ti, Si, Ca
in Frage. Wenn nachfolgend Aluminium genannt wird, steht dies stellvertretend auch
für die genannten anderen Elemente.
[0029] Es hat sich überraschend herausgestellt, dass sich trotz der geringen Menge eines
sauerstoffaffinen Elements wie insbesondere Aluminium, beim Aufheizen offensichtlich
eine im Wesentlichen aus Al
2O
3 bzw. einem Oxid des sauerstoffaffinen Elements (MgO, CaO, TiO, SiO
2) bestehende, sehr wirksame und nachheilende oberflächliche Schutzschicht bildet.
Diese sehr dünne OxidSchicht schützt die darunter liegende Zn-haltige Korrosionsschutzschicht
selbst bei sehr hohen Temperaturen vor Oxidation. D.h., dass sich während der speziellen
Weiterverarbeitung des verzinkten Bleches im Presshärteverfahren, eine angenähert
zweischichtige Korrosionsschutzschicht ausbildet, die aus einer kathodisch hochwirksamen
Schicht, mit hohem Anteil Zink besteht und von einer Oxidationsschutzschicht aus einem
Oxid (Al
2O
3, MgO, CaO, TiO, SiO
2) gegenüber Oxidation und Abdampfen geschützt ist. Es ergibt sich somit eine kathodische
Korrosionsschutzschicht mit einer überragenden chemischen Beständigkeit. Dies bedeutet,
dass die Wärmebehandlung in einer oxidierten Atmosphäre zu erfolgen hat. Unter Schutzgas
(sauerstofffreie Atmosphäre) kann eine Oxidation zwar vermieden werden, das Zink würde
jedoch aufgrund des hohen Dampfdrucks abdampfen.
[0030] Es hat sich zudem herausgestellt, dass die erfindungsgemäße Korrosionsschutzschicht
für das Presshärteverfahren auch eine so große mechanische Stabilität aufweist, dass
ein auf das Austenitisieren der Bleche folgender Umformschritt diese Schicht nicht
zerstört. Selbst wenn Mikrorisse auftreten, ist die kathodische Schutzwirkung jedoch
zumindest deutlich stärker als die Schutzwirkung der bekannten Korrosionsschutzschichten
für das Presshärteverfahren.
[0031] Um ein Blech mit dem erfindungsgemäßen Korrosionsschutz zu versehen, kann in einem
ersten Schritt eine Zinklegierung mit einem Gehalt an Aluminium in Gewichtsprozent
von größer als 0,1 jedoch geringer als 15%, insbesondere geringer als 10%, weiter
bevorzugt geringer als 5% auf ein Stahlblech, insbesondere ein legiertes Stahlblech
aufgebracht werden, worauf in einem zweiten Schritt Teile aus dem beschichteten Blech
herausgearbeitet und insbesondere herausgeschnitten oder herausgestanzt werden und
bei Zutritt von Luftsauerstoff auf eine Temperatur oberhalb der Austenitisierungstemperatur
der Blechlegierung erwärmt und danach mit erhöhter Geschwindigkeit abgekühlt werden.
Eine Umformung des aus dem Blech herausgeschnittenen Teils (der Platine) kann vor
oder nach dem Erwärmen des Bleches auf die Austenitisierungstemperatur erfolgen.
[0032] Es wird angenommen, dass im ersten Schritt des Verfahrens, und zwar bei der Beschichtung
des Bleches an der Blechoberfläche bzw. im proximalen Bereich der Schicht, eine dünne
Sperrphase aus insbesondere Fe
2Al
5-xZn
x gebildet wird, die die Fe-Zn-Diffusion bei einem Flüssigmetallbeschichtungsverfahren,
welches insbesondere bei einer Temperatur bis 690°C erfolgt, behindert. Somit wird
im ersten Verfahrensschritt das Blech mit einer Zink-Metallbeschichtung mit einer
Zugabe von Aluminium erstellt, welche nur zur Blechoberfläche hin, als im proximalen
Bereich der Auflage eine äußerst dünne Sperrphase, welche gegen ein rasches Wachsen
einer Eisen-Zink-Verbindungsphase wirksam ist, aufweist. Zudem ist denkbar, dass allein
die Anwesenheit von Aluminium die Eisen-Zink-Diffusionsneigung im Bereich der Grenzschicht
senkt.
Erfolgt nun im zweiten Schritt ein Anwärmen des mit einer Zink-Aluminium-Metallschicht
versehenen Bleches auf die Austenitisierungstemperatur des Blechwerkstoffes unter
Luftsauerstoffzutritt, so wird vorerst die Metallschicht am Blech verflüssigt. An
der distalen Oberfläche reagiert das sauerstoffafinere Aluminium aus dem Zink mit
Luftsauerstoff unter Bildung von festem Oxid bzw. Tonerde, wodurch in dieser Richtung
ein Abfall der Aluminiummetallkonzentration entsteht, welche eine stetige Diffusion
von Aluminium zur Abreicherung hin, also zum distalen Bereich hin bewirkt. Diese Tonerdeanreicherung,
an dem der Luft ausgesetzte Schichtbereich wirkt nun als Oxidationsschutz für das
Schichtmetall und als Abdampfungssperre für das Zink.
[0033] Zudem wird beim Anwärmen das Aluminium aus der proximalen Sperrphase durch stetige
Diffusion zum distalen Bereich hin abgezogen und steht dort zur Bildung der oberflächlichen
Al
2O
3-Schicht zur Verfügung. Somit wird die Ausbildung einer Blechbeschichtung erreicht,
welche eine kathodisch hochwirksame Schicht mit hohem Zinkanteil hinterlässt.
[0034] Gut geeignet ist beispielweise eine Zinklegierung mit einem Gehalt an Aluminium in
Gewichtsprozent von größer als 0,2 jedoch kleiner als 4, vorzugsweise von Größe 0,26
jedoch kleiner 2,5 Gew.-%.
[0035] Wenn in günstiger Weise im ersten Schritt die Aufbringung der Zinklegierungsschicht
auf die Blechoberfläche im Durchlauf durch ein Flüssigmetallbad bei einer Temperatur
von höher als 425°C, jedoch niedriger als 690°C, insbesondere bei 440°C bis 495°C
erfolgt, mit anschließender Abkühlung des beschichteten Blechs, kann nicht nur die
proximale Sperrphase wirkungsvoll gebildet werden, bzw. eine sehr gute Diffusionsbehinderung
im Bereich der Sperrschicht beobachtet werden, sondern es erfolgt damit auch eine
Verbesserung der Warmvorformungseigenschaften des Blechmaterials.
[0036] Eine vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung ist bei einem Verfahren gegeben, bei
welchem ein warm- oder kaltgewalztes Stahlband mit einer Dicke von beispielsweise
größer als 0,15 mm und mit einem Konzentrationsbereich mindestens einer der Legierungselemente
in den Grenzen in Gew.-%
Kohlenstoff |
bis 0,4, |
vorzugsweise 0,15 bis 0,3 |
Silizium |
bis 1,9, |
vorzugsweise 0,11 bis 1,5 |
Mangan |
bis 3,0, |
vorzugsweise 0,8 bis 2,5 |
Chrom |
bis 1,5, |
vorzugsweise 0,1 bis 0,9 |
Molybdän |
bis 0,9, |
vorzugsweise 0,1 bis 0,5 |
Nickel |
bis 0,9, |
|
Titan |
bis 0,2 |
vorzugsweise 0,02 bis 0,1 |
Vanadin |
bis 0,2 |
|
Wolfram |
bis 0,2, |
|
Aluminium |
bis 0,2, |
vorzugsweise 0,02 bis 0,07 |
Bor |
bis 0,01, |
vorzugsweise 0,0005 bis 0,005 |
Schwefel |
Max. 0,01, |
vorzugsweise Max. 0,008 |
Phosphor |
Max. 0,025, |
vorzugsweise Max. 0,01 |
Rest Eisen und Verunreinigungen |
eingesetzt wird.
[0037] Es konnte festgestellt werden, dass die Oberflächenstruktur des erfindungsgemäßen
kathodischen Korrosionsschutzes besonders günstig für eine hohe Haftfähigkeit von
Farben und Lacken ist.
[0038] Die Haftung der Beschichtung am Stahlblechgegenstand kann weiter verbessert werden,
wenn die Oberflächenschicht eine zinkreiche, intermetallische Zink -Eisen-Aluminium-Phase
und eine eisenreich Eisen-Zink-Aluminium-Phase besitzt, wobei die eisenreiche Phase
ein Verhältnis Zink zu Eisen von höchstens 0,95 (Zn/Fe ≤ 0,95), vorzugsweise von 0,20
bis 0,80 (Zn/Fe = 0,20 bis 0,80) und die zinkreiche Phase ein Verhältnis Zink zu Eisen
von mindestens 2,0 (Zn/Fe ≥ 2,0) vorzugsweise von 2,3 bis 19,0 (Zn/Fe = 2,3 bis 19,0)
aufweist.
[0039] Bei dem erfindungsgemäßen Bauteil wird eine solche Zinkschicht beim kalten Umformen
offenbar nicht wesentlich beeinträchtigt. Vielmehr wird bei der Erfindung in vorteilhafter
Weise beim Beschneiden und Lochen der kalten Platine Zinkmaterial durch das Werkzeug
aus der Zinkschicht in die Schnittkante getragen und an der Schnittkante entlang verschmiert.
[0040] Eine Beschichtung mit Zink hat zudem den Vorteil, dass das Bauteil nach dem Erhitzen
und beim Überführen in ein Formhärtewerkzeug weniger Wärme verliert, so dass das Bauteil
nicht so hoch aufgeheizt werden muss. Hierdurch treten geringere thermische Dehnungen
auf, so dass eine toleranzgenaue Fertigung vereinfacht wird, da die Gesamtdehnungen
geringer sind.
[0041] Zudem hat das Bauteil bei der geringeren Temperatur eine höhere Stabilität was ein
besseres Handling und ein schnelleres Einlegen in die Form ermöglicht.
[0042] Die Erfindung wird beispielhaft anhand einer Zeichnung erläutert. Die einzige Figur
zeigt den Verfahrensablauf des erfindungsgemäßen Verfahrens.
[0043] Zur Erzeugung des Bauteils wird das ungehärtete, verzinkte spezielle Feinblech zunächst
in Platinen geschnitten.
[0044] Die verarbeiteten Platinen können, Rechteck-, Trapez- oder Formplatinen sein. Für
das Schneiden der Platinen können alle bekannten Schneidprozesse angewandt werden.
Vorzugsweise werden Scheidprozesse angewandt, die während des Schneidprozesses keine
Wärme in das Blech einbringen.
[0045] Aus den geschnittenen Platinen werden anschließend mittels Kalt-Umformwerkzeugen
Formteile hergestellt. Diese Herstellung von Formteilen umfasst alle Verfahren und/oder
Prozesse, die in der Lage sind, diese Formteile herzustellen. Beispielsweise sind
folgende Verfahren und/oder Prozesse geeignet:
Folgeverbundwerkzeuge,
Einzelwerkzeuge in Verkettung,
Stufenfolgewerkzeuge,
Hydraulische Pressestraße,
Mechanische Pressestraße,
Explosionsumformen, elektromagnetisches Umformen, Rohr-Hydroformen, Platinen-Hydroformen
und alle Kaltumformprozesse.
[0046] Nach dem Umformen und insbesondere dem Tiefziehen erfolgt der Endbeschnitt in den
genannten herkömmlichen Werkzeugen.
[0047] Erfindungsgemäß wird das Formteil, welches im kalten Zustand geformt wurde um 0,5
bis 2 % kleiner hergestellt als die nominale Geometrie des Endbauteils, so dass die
Wärmedehnung beim Aufheizen hierdurch kompensiert wird.
[0048] Die durch die genannten Prozesse hergestellten Formteile sollen kalt umgeformt sein,
wobei deren Dimensionen innerhalb des vom Kunden für das Fertigteil geforderten Toleranzfeldes
liegen. Wenn bei der vorgenannten Kaltumformung größere Toleranzen auftreten, so können
diese teilweise nachträglich, geringfügigst, während des Formhärteprozesses, auf den
noch eingegangen wird, korrigiert werden. Die Toleranzkorrektur im Formhärteprozess
wird jedoch vorzugsweise nur für Formabweichungen durchgeführt. Derartige Formabweichungen
können somit nach Art eines Warmkalibrierens korrigiert werden. Der Korrekturprozess
soll jedoch möglichst nur auf einen Biegevorgang beschränkt werden, wobei Schneidkanten,
die von der Werkstoffmenge abhängig sind (in Relation zur Formkante) nachträglich
nicht beeinflusst werden sollen und können, d.h., dass, wenn die Geometrie der Schneidkanten
in den Teilen nicht korrekt ist, im Formhärtewerkzeug keine Korrektur durchgeführt
werden kann. Zusammenfassend kann man somit feststellen, dass der Toleranzbereich
bzgl. der Schneidkanten dem Toleranzbereich während des Kaltumformens und des Formhärteprozesses
entspricht.
[0049] Vorzugsweise sollen innerhalb eines Formteils keine markanten Falten vorhanden sein,
da dann die Gleichmäßigkeit des Druckbildes und ein gleichmäßiger Formhärteprozess
nicht zu gewährleisten sind.
[0050] Nachdem das Bauteil vollständig geformt wurde wird das verformte und beschnitte Teil
auf eine Glühtemperatur von über 780°C insbesondere 800°C bis 950°C erhitzt und einige
Sekunden bis zu einigen Minuten auf dieser Temperatur gehalten, zumindest jedoch solange
bis eine gewünschte Austenitisierung stattgefunden hat.
[0051] Nach dem Glühprozess wird das Bauteil dem erfindungsgemäßen Formhärteschritt unterzogen.
Für den erfindungsgemäßen Formhärteschritt wird das Bauteil in ein Werkzeug innerhalb
einer Presse eingelegt, wobei dieses Formhärtewerkzeug der Soll-Endgeometrie des fertigen
Bauteils, das heißt der Größe des kalt hergestellten Bauteils inklusive der Wärmedehnung
vorzugsweise entspricht.
[0052] Hierzu besitzt das Formhärtewerkzeug eine Geometrie bzw. Kontur die im Wesentlichen
der Geometrie bzw. Kontur des Kalt-Umformwerkzeuges entspricht, jedoch 0,5 bis 2 %
größer ist (bezüglich aller drei Raumachsen). Angestrebt wird beim Formhärten ein
vollflächiger Formschluss zwischen dem Formhärtewerkzeug und dem zu härtenden Werkstück
bzw. Bauteil unmittelbar nach dem Schließen des Werkzeuges.
[0053] Das Formteil wird mit einer Temperatur von ca. 740°C bis 910°C, vorzugsweise 780°C
bis 840°C in das Formhärtewerkzeug gelegt, wobei die vorhergegangene Kaltumformung
wie bereits ausgeführt die Wärmedehnung des Teiles bei diesem EinlegeTemperatur-Bereich
berücksichtigt.
[0054] Durch die erfindungsgemäße Verzinkung des Bauteils kann eine Einlegetemperatur von
780°C bis 840°C auch noch dann erreicht werden, wenn die Glühtemperatur des kalt umgeformten
Bauteils zwischen 800°C und 850°C liegt, da die spezielle, erfindungsgemäße Zinkschicht
- gegenüber nicht beschichteten Blechen - eine schnelle Auskühlung vermindert. Dies
hat zum Vorteil, dass die Teile weniger hoch erhitzt werden müssen und insbesondere
eine Erhitzung auf über 900°C vermieden werden kann. Dies hat wiederum eine Wechselwirkung
mit der Zinkbeschichtung zur Folge, da die Zinkbeschichtung bei etwas niedrigeren
Temperaturen weniger in Mitleidenschaft gezogen wird.
[0055] Nachfolgend wird das Aufheizen und Formhärten beispielhaft näher erläutert.
[0056] Für die Durchführung des Formhärteprozesses wird insbesondere ein Teil zunächst von
einem Roboter von einem Transportband abgenommen und in eine Markierstation eingelegt,
damit jedes Teil nachvollziehbar vor dem Formhärten markiert werden kann. Anschließend
legt der Roboter das Teil auf einen Zwischenträger, wobei der Zwischenträger über
ein Transportband in einen Ofen läuft und das Teil erwärmt wird.
[0057] Für das Aufheizen wird beispielsweise ein Durchlaufofen mit Konvektionserwärmung
verwendet. Jedoch sind auch jegliche andere Wärmeaggregate bzw. Öfen verwendbar, insbesondere
auch Öfen, in denen die Formteile elektromagnetisch oder mit Mikrowellen aufgeheizt
werden. Das Formteil durchläuft auf dem Träger den Ofen, wobei der Träger vorgesehen
ist, damit die Korrosionsschutzbeschichtung beim Erwärmen nicht auf Rollen des Durchlaufofens
übertragen oder von diesem abgerieben wird.
[0058] Im Ofen werden die Teile auf eine Temperatur erwärmt, die über der Austenitisierungstemperatur
der verwendeten Legierung liegt. Da die Zinkschicht, wie bereits ausgeführt, nicht
besonders stabil ist, wird die maximale Temperatur der Teile so niedrig wie möglich
gehalten, wobei dies, wie bereits ausgeführt, insbesondere dadurch ermöglicht wird,
dass das Teil durch die Zinkschicht anschließend langsamer auskühlt.
[0059] Nach dem Erwärmen der Teile auf Maximaltemperatur muss, um eine vollständige Härtung
und einen ausreichenden Korrosionsschutz zu erhalten, ab einer bestimmten Mindesttemperatur
(>700°C) mit einer minimalen Abkühlgeschwindigkeit von >20K/s abgekühlt werden. Diese
Abkühlgeschwindigkeit wird beim anschließenden Formhärten erreicht.
[0060] Hierfür nimmt ein Roboter das Teil, abhängig auch von der Dicke bei 780°C bis 950°C,
insbesondere 860°C bis 900°C aus dem Ofen und legt es in das Formhärtewerkzeug ein.
Während des Manipulierens verliert das Formteil ungefähr 10°C bis 80°C insbesondere
40°C, wobei der Roboter zum Einlegen vorzugsweise so ausgeführt ist, dass er mit hoher
Geschwindigkeit das Teil maßgenau in das Formhärtewerkzeug einlegt. Das Formteil wird
vom Roboter auf einem Teileheber abgelegt und anschließend die Presse rasch heruntergefahren,
wobei der Teilheber verdrängt und das Teil fixiert wird. Hierdurch wird sichergestellt,
dass das Bauteil sauber positioniert und geführt wird, bis das Werkzeug geschlossen
ist. Zu dem Zeitpunkt zu dem die Presse und somit das Formhärtewerkzeug geschlossen
sind, hat das Teil noch eine Temperatur von mindestens 780°C. Die Oberfläche des Werkzeuges
hat eine Temperatur von weniger als 50°C, wodurch das Teil rasch auf 80°C bis 200°C
abgekühlt wird. Je länger das Teil im Werkzeug festgehalten wird, desto besser ist
die Maßgenauigkeit.
[0061] Das Werkzeug wird hierbei durch Thermoschock belastet, wobei es das erfindungsgemäße
Verfahren ermöglicht, insbesondere wenn beim Formhärteschritt keine Umformschritte
durchgeführt werden, das Werkzeug bzgl. seines Grundwerkstoffs auf eine hohe Thermoschockbeständigkeit
auszulegen. Bei herkömmlichen Verfahren müssen die Werkzeuge zudem noch eine hohe
Abrasionsbeständigkeit aufweisen, die jedoch im vorliegenden Fall keine wesentliche
Rolle spielt und insofern das Werkzeug verbilligt.
[0062] Beim Einlegen des Formteils ist darauf zu achten, dass das komplett beschnittene
und gelochte Teil korrekt passend in das Formhärtewerkzeug eingelegt wird, wobei kein
überschüssiges Material und kein Materialüberstand vorhanden sein soll. Winkel können
durch einfaches Biegen korrigiert werden, es kann jedoch kein überschüssiger Werkstoff
eliminiert werden. Deshalb müssen am kaltumgeformten Teil die Schnittkanten in Relation
zu den Formkanten maßgenau geschnitten sein. Die Beschneidkanten sollen beim Formhärten
fixiert werden, um Versetzungen der Schnittkanten zu vermeiden.
[0063] Anschließend nimmt ein Roboter die Teile aus der Presse und legt diese auf einem
Gestell ab, wo sie weiter abkühlen. Die Abkühlung kann, wenn dies gewünscht ist, durch
zusätzliches Anblasen von Luft beschleunigt werden.
[0064] Durch die erfindungsgemäße Formhärtung ohne nennenswerte Umformschritte und bei einem
im Wesentlichen vollflächigen Formschluss von Werkzeug und Werkzeugstück ist es gewährleistet,
dass alle Bereiche des Werkstücks definiert und von allen Seiten gleichzeitig uniform
gekühlt werden. Bei üblichen Umformprozessen erfolgt eine nachvollziehbare definierte
Abkühlung erst dann, wenn der Umformprozess soweit gediehen ist, dass das Material
an beiden Formhälften anliegt. Im vorliegenden Fall liegt das Material jedoch vorzugsweise
sofort allseitig formschlüssig an den Formhälften an.
[0065] Zudem ist von Vorteil, dass auf der Blechoberfläche vorhandene Korrosionsschutzschichten
und insbesondere Schichten, die durch das Feuerverzinken aufgebracht wurden, nicht
verletzt werden.
[0066] Ferner ist von Vorteil, dass im Gegensatz zu bisherigen Verarbeitungsprozessen ein
teures Endbeschneiden nach dem Härten nicht mehr notwendig ist. Hierdurch ergibt sich
ein erheblicher Kostenvorteil. Da das Verformen beziehungsweise Umformen im Wesentlichen
im kaltem Zustand vor dem Härten geschieht, wird die Komplexität des Bauteils im Wesentlichen
nur durch die Verformungseigenschaften des kaltem ungehärteten Materials bestimmt.
Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren lassen sich dadurch erheblich komplexere gehärtete
Bauteile in höherer Qualität herstellen, als bisher.
[0067] Ein zusätzlicher Vorteil ist die geringe Beanspruchung des Formhärtewerkzeugs aufgrund
der vollständig vorhandenen Endgeometrie im kalten Zustand. Hierdurch kann eine wesentlich
höhere Werkzeugstandzeit und Maßhaltigkeit erreicht werden, was wiederum eine Kostenreduktion
bedeutet.
[0068] Dadurch, dass die Teile nicht so hoch geglüht werden müssen, kann Energie gespart
werden.
[0069] Aufgrund der definierten Abkühlung des Werkstücks in allen Teilen ohne einen die
Kühlung negativ beeinflussenden zusätzlichen Umformprozess kann die Anzahl der Bauteile
die nicht innerhalb der Vorgaben liegen deutlich gesenkt werden, so dass wiederum
die Herstellkosten gesenkt werden können.
[0070] Bei einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform wird das Formhärten so durchgeführt,
dass ein Anliegen des Werkstücks an den Formhälften bzw. ein Formschluss zwischen
Werkstück und Werkzeug lediglich an den eng tolerierten Bereichen wie den Schnitt-
und Formkanten, den Formflächen und gegebenenfalls in den Bereichen des Lochbildes
erfolgt.
[0071] Hierbei wird der Formschluss in diesem Bereichen derart herbeigeführt, dass diese
Bereiche so sicher gehalten und geklemmt werden, dass weniger eng tolerierte Bereiche
eine Warmumformung im Werkzeug erfahren können, ohne dass die bereits maß- und lagegenau
eng tolerierten Bereiche negativ beeinflusst und insbesondere Verzogen werden.
[0072] Selbstverständlich wird auch bei dieser vorteilhaften Ausführungsform die Wärmedehnung,
die das Bauteil beim Einlegen in das Formwerkzeug noch inne hat, in bereits beschriebener
Weise berücksichtigt.
[0073] Bei dieser vorteilhaften Ausführungsform ist es jedoch zudem möglich, die nicht eng
tolerierten Bereiche, entweder durch Nichtanliegen einer oder beiden Formwerkzeughälften
langsamer abzukühlen und dort durch das langsamere Abkühlen andere Härtegrade zu erreichen,
oder in diesen Bereichen eine gewünschte Warmumformung zu erzielen, ohne dass die
eng tolerierten Bereiche beeinflusst werden. Dies kann beispielsweise durch zusätzliche
Stempel in den Formwerkzeughälften erfolgen. Wesentlich ist, wie bereits ausgeführt
jedoch auch bei dieser bevorzugten Ausführungsform, dass die eng tolerierten Bereiche
beim Formhärten bzgl. einer Umformung unbeeinflusst bleiben.
1. Stahlblechbauteil mit einer kathodischen Korrosionsschutzschicht
dadurch hergestellt, dass
a) es aus einem mit einem kathodischen Korrosionsschutz versehenen Stahlblech kalt
zu einem Formteil umgeformt wird, wobei
b) vor, beim oder nach dem Kaltumformen des Formteils ein Endbeschnitt des Formteils
und erforderliche Ausstanzungen oder die Erzeugung eines Lochbildes vorgenommen werden,
wobei
c) die Kaltumformung und der Beschnitt sowie die Ausstanzungen und die Anordnung eines
Lochbildes auf dem Bauteil derart vorgenommen werden, dass das Formteil 0,5 % bis
2 % kleiner ist als das endgehärtete Bauteil, wobei
d) das kalt umgeformte Formteil anschließend zumindest teilbereichsweise unter Zutritt
von Luftsauerstoff auf eine Temperatur erhitzt wird, welche eine Austenitisierung
des Stahlwerkstoffes ermöglicht, und
e) das erhitzte Bauteil anschließend in ein Formhärtewerkzeug überführt wird und im
Formhärtewerkzeug eine Formhärtung durchgeführt wird, bei der durch Anlegen und Pressen
(Halten) des Bauteils durch die Formhärtewerkzeuge das Bauteil gekühlt und dadurch gehärtet wird, wobei
f) die Korrosionsschutzschicht eine durch ein Schmelztauchverfahren aufgebrachte Korrosionsschutzschicht
ist und die Beschichtung aus einer Mischung aus im Wesentlichen Zink besteht und die
Mischung zu dem eine oder mehrere sauerstoffaffine Elemente in einer Gesamtmenge von
0,1 Gew.-% bis 15 Gew.-% bezogen auf die gesamte Mischung enthält, wobei die Korrosionsschutzschicht
oberflächlich eine Oxidhaut aus Oxiden des oder der sauerstoffaffinen Elemente besitzt
und die Beschichtung zumindest zwei Phasen besitzt, wobei eine zinkreiche und eine
eisenreiche Phase vorhanden sind.
2. Stahlblechbauteil nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Bauteil ausbildende Stahlblech eine Festigkeit von 800 bis 2000 MPa besitzt.
3. Stahlblechbauteil nach Anspruch 1 und/oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Korrosionsschutzschicht bei einer Dicke von 15µm eine kathodische Schutzwirkung
von mindestens 4J/cm2 besitzt.
4. Stahlblechbauteil nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Korrosionsschutzschicht als sauerstoffaffine Elemente in der Mischung Magnesium
und/oder Silizium und/oder Titanium und/oder Calcium und/oder Aluminium enthält.
5. Stahlblechbauteil nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die eisenreiche Phase ein Verhältnis Zink zu Eisen von höchstens 0,95 (Zn/Fe≤0,95)
vorzugsweise 0,20 bis 0,80 (Zn/Fe=0,20 bis 0,80) und die zinkreiche Phase ein Verhältnis
Zink zu Eisen von mindestens 2,0 (Zn/Fe≥2,0) vorzugsweise von 2,3 bis 19,0 (Zn/Fe=2,3
bis 19,0) aufweist.
6. Stahlblechbauteil nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die eisenreiche Phase ein Verhältnis von Zink zu Eisen von etwa 30:70 besitzt und
die zinkreiche Phase ein Verhältnis von Zink zu Eisen von etwa 80:20 besitzt.
7. Stahlblechbauteil nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlblechbauteil zudem einzelne Bereiche mit Zinkanteilen ≥ 90 Gew.-% Zink enthält.
8. Stahlblechbauteil nach einem der Ansprüche 1 bis 7, wobei das Bauteil aus einem warm-
oder kaltgewalzten Stahlband mit einer Dicke von ≥ 0,15mm und mit einem Konzentrationsbereich
mindestens einer Legierungselementen in den Grenzen in Gew.-%
Kohlenstoff |
bis 0,4, |
vorzugsweise 0,15 bis 0,3 |
Silizium |
bis 1,9, |
vorzugsweise 0,11 bis 1,5 |
Mangan |
bis 3,0, |
vorzugsweise 0,8 bis 2,5 |
Chrom |
bis 1,5, |
vorzugsweise 0,1 bis 0,9 |
Molybdän |
bis 0,9, |
vorzugsweise 0,1 bis 0,5 |
Nickel |
bis 0,9, |
|
Titan |
bis 0,2 |
vorzugsweise 0,02 bis 0,1 |
Vanadin |
bis 0,2 |
|
Wolfram |
bis 0,2, |
|
Aluminium |
bis 0,2, |
vorzugsweise 0,02 bis 0,07 |
Bor |
bis 0,01, |
vorzugsweise 0,0005 bis 0,005 |
Schwefel |
Max. 0,01, |
vorzugsweise Max. 0,008 |
Phosphor |
Max. 0,025, |
vorzugsweise Max. 0,01 |
Rest Eisen und Verunreinigungen |
ausgebildet ist.