[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung, wie sie gattungsgemäß aus der
US 6,696,978 B2 bekannt ist.
[0002] Vorrichtungen zur Erfassung von Verkehrsverstößen betreffen insbesondere solche,
mit denen Geschwindigkeitsverstöße oder Rotlichtverstöße festgestellt werden. Sie
können als stationäre Vorrichtungen dauerhaft installiert werden oder aber als mobile
Vorrichtungen temporär stationär, z. B. in einem parkenden Fahrzeug bzw. in fahrenden
Fahrzeugen betrieben werden.
[0003] Für dauerhaft stationäre Vorrichtungen werden bevorzugt invasive Messsensoren, wie
Drucksensoren oder Induktionsschleifen, in oder auf den Fahrbahnbelag eingebracht.
[0004] Für mobile Vorrichtungen werden nichtinvasive Messsensoren, wie Laserentfernungsmesser
oder Radarsensoren verwendet.
[0005] Alle Vorrichtungen zur Erfassung von Verkehrsverstößen, bei denen nicht in den fließenden
Straßenverkehr eingegriffen wird, egal welche Art Verkehrsverstoß erfasst werden soll,
ob die Vorrichtung stationär oder mobil betrieben wird und welche Messsensoren verwendet
werden, haben gemeinsam, dass sie eine Kamera aufweisen, die nach der messtechnischen
Feststellung des Verkehrsverstoßes aktiviert wird, um wenigstens eine Aufnahme vom
Verletzerfahrzeug zu erstellen.
Dabei wird die Kamera so auf die Fahrbahn gerichtet, dass deren Objektfeld auf den
durch die Messsensoren bestimmten Messbereich angepasst ist.
[0006] Bei Geschwindigkeitsverstößen muss das Objektfeld lediglich auch die Fahrspuren erfassen,
die im Messbereich liegen. Das Objektfeld kann dabei in Fahrtrichtung mit dem Messbereich
überlappen oder aber auch hinter ihm liegen, da es für die Dokumentation des Verstoßes
unwichtig ist, wo das Fahrzeug aufgenommen wird. Vielmehr ist es von Interesse, dass
eine Aufnahme erzeugt wird, in der das Fahrzeug, das Kennzeichen und/oder insbesondere
der Fahrzeugführer deutlich erkennbar sind. Das wird erreicht, indem die Aufnahme
ausgelöst wird, wenn das Fahrzeug sich an einem vorgegebenen Fotopunkt, also in einem
definierten Abstand von der Kamera befindet.
[0007] Bei Rotlichtverstößen hingegen muss das Fahrzeug an bestimmten Orten in Bezug auf
die Fahrbahn aufgenommen werden, z. B. am Haltestreifen oder im Kreuzungsbereich.
Es sind auch Vorrichtungen bekannt, bei denen bereits in der Erwartung eines Verkehrsverstoßes,
z. B. wenn ein Fahrzeug mit einer Geschwindigkeit auf eine Kreuzung zufährt, bei der
man annehmen kann, dass das Fahrzeug vor dem Haltestreifen nicht mehr zum Halten kommt,
Aufnahmen erstellt werden. In diesem Fall müssen sich der Messbereich und das Objektfeld
der Kamera wenigstens überlappen.
In jedem Fall ist die Kamera so ausgerichtet, dass ihr Objektfeld in Abhängigkeit
von der Lage des Messbereiches die Fahrbahn erfasst, also an den Messbereich angepasst
ist.
[0008] In die Aufnahmen werden alle rechtserheblichen Daten, wie Ort, Datum, Uhrzeit und
gegebenenfalls Geschwindigkeit eingeblendet. Eine Auswertung des in der Aufnahme in
der Regel mit abgebildeten Kennzeichens kann durch einen Beamten visuell oder auch
durch eine automatische Bildauswertung erfolgen.
[0009] Ein gattungsgemäßes Gerät zur Erfassung von Geschwindigkeitsverstößen ist aus der
Zusammenfassung der
JP 05-062096 bekannt. Die gemessene Fahrzeuggeschwindigkeit wird in einem Komparator mit einer
vorgegebenen Höchstgeschwindigkeit verglichen. Bei Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit
durch die gemessene Geschwindigkeit wird über einen Schalter ein Signal ausgelöst
und an eine Kamera weitergeleitet. Es wird eine Aufnahme vom Verletzerfahrzeug erstellt
und als Bildsignal ausgegeben. Aus dem Bildsignal werden über eine Bildverarbeitungseinheit
die Informationen des Fahrzeugkennzeichens ausgelesen. Zusammen mit der gemessenen
Geschwindigkeit werden die Informationen zum Fahrzeugkennzeichen in die Aufnahme eingeblendet
und in einer Aufzeichnungseinheit aufgezeichnet.
[0010] Aus der Zusammenfassung der
JP 2001-126184 ist ein automatisches Fahrzeugkennzeichenerkennungsgerät bekannt, mit dem auch eine
Fahrzeuggeschwindigkeit erfasst werden kann.
Das Gerät ist mit einer Kamera und einem Sensor ausgestattet, der innerhalb des Objektfeldes
der Einzelbildkamera angeordnet ist. Sobald der Sensor ein das Objektfeld durchfahrendes
Fahrzeug detektiert, wird die Kamera ausgelöst und ein erstes Frontfoto, das auch
das Fahrzeugkennzeichen zeigt, erstellt. Aus der Ortsveränderung markanter Merkmale
des Fahrzeugkennzeichens in diesem ersten Frontfoto zu einem später erstellten Foto
kann auf die Geschwindigkeit geschlossen werden.
Im Unterschied zu Geschwindigkeitsmessgeräten wird die Geschwindigkeit hier nicht
aus Messwerten gewonnen, sondern über die Bildauswertung abgeleitet.
[0011] Im Unterschied zur vorgenannten Lösung wird hier jedes durch das Objektfeld der Kamera
fahrende Fahrzeug erfasst.
[0012] In der
US 6,696,978 B2 ist eine kombinierte Laser/Radar-Video-Vorrichtung zur Erfassung von Geschwindigkeitsverstößen
offenbart, bei der mit einer Kamera Bilddaten des Fahrzeugkennzeichens und anderer
Identifikationsdaten eines Fahrzeuges erfasst werden.
Die Vorrichtung umfasst Mittel zur Messung der Geschwindigkeit eines Zielfahrzeuges
und zur Ausgabe eines für die gemessene Geschwindigkeit indikativen Signals, z. B.
ein Radar- oder ein Laserdetektor, eine Kamera, die funktionell mit den Mitteln zur
Geschwindigkeitsmessung verbunden ist, zur Erfassung von Bilddaten des Fahrzeugkennzeichens
des Zielfahrzeuges, wenn das Zielfahrzeug eine vorgegebene Geschwindigkeit überschreitet,
sowie Mittel zur eindeutigen Zuordnung von Bilddaten und Signal.
Die Vorrichtung umfasst des Weiteren vorteilhaft eine Erkennungseinheit zur Erkennung
des Fahrzeugkennzeichens des Zielfahrzeuges und einen Zoomantrieb, verbunden mit der
Kamera und gesteuert durch die Erkennungseinheit, um eine verbesserte Aufnahme vom
Fahrzeugkennzeichen zu erhalten, wenn ein Fahrzeug mit überhöhter Geschwindigkeit
detektiert wird.
[0013] Die vorgenannten Vorrichtungen sind, ausgenommen die
JP 2001-126184, dazu ausgelegt, bei Feststellung eines Geschwindigkeitsverstoßes eine Aufnahme des
Kennzeichens des Verletzerfahrzeuges zu erstellen und dieses automatisch zu erkennen.
Das heißt, es werden nur die Kennzeichen von Verletzerfahrzeugen erfasst.
[0014] Mit der
JP 2001-126184 wird eine Vorrichtung vorgeschlagen, mit der die Fahrzeugkennzeichen aller das Objektfeld
einer Kamera passierenden Fahrzeuge erfasst werden, um über die Bildauswertung zur
Kennzeichenidentifikation auch die Fahrzeuggeschwindigkeit zu ermitteln. Es ist nicht
erkennbar, ob diese Vorrichtung geeignet ist, einen Geschwindigkeitsverstoß festzustellen
und zu ahnden.
[0015] Der Erfindung liegt die Aufgabe zu Grunde, eine Vorrichtung zu schaffen, mit der
zum einen in einem Messbereich Verkehrsverstöße erfasst und dokumentiert werden können
und zum anderen die Fahrzeugkennzeichen sämtlicher den Messbereich passierenden Fahrzeuge
erfasst und erkannt werden können.
[0016] Diese Aufgabe wird durch eine Vorrichtung mit den Merkmalen des Anspruches 1 gelöst.
Vorteilhafte Weiterbildungen sind in den Unteransprüchen beschrieben.
[0017] Es ist erfindungswesentlich, dass die Vorrichtung eine erste Kamera aufweist, die
eine hochauflösende Einzelbildkamera ist, verbunden mit einer leistungsstarken im
sichtbaren Spektralbereich emittierenden Blitzeinrichtung zur Aufnahme eines Fahrzeuges
insbesondere bei gut ausgeleuchtetem Gesicht des Fahrers, und wenigstens eine weitere,
geringauflösende Kamera vorhanden ist, die mit einer im nichtsichtbaren Spektralbereich
emittierenden Beleuchtungseinrichtung verbunden ist, um für einen Fahrer unbemerkt
dessen Fahrzeugkennzeichen zu erfassen.
[0018] Die erste Kamera wird nur dann ausgelöst, wenn ein Verkehrsverstoß vorliegt.
[0019] Die wenigstens eine weitere Kamera kann ebenfalls eine Einzelbildkamera sein und
wird dann ausgelöst, wenn sich ein Fahrzeug in ihrem Objektfeld befindet, was z. B.
mit einem invasiven Sensor (Hardwaretrigger), auf den der Rand des Objektfeldes ausgerichtet
wird, festgestellt wird. Insbesondere wenn die Mittel zur Erfassung von Messwerten
invasive Sensoren sind, können diese auch als Hardwaretrigger für die weiteren Kameras
vorteilhaft genutzt werden.
Die wenigstens eine weitere Kamera kann auch eine Videokamera sein, die permanent
Sequenzen von Aufnahmen erstellt, wobei nur dann Aufnahmen ausgewertet werden, wenn
diese Veränderungen gegenüber vorherigen Aufnahmen aufweisen, die darauf hindeuten,
dass ein Fahrzeug in das Objektfeld der Kamera eingefahren ist (Softwaretrigger).
[0020] Die Aufnahmen der wenigstens einen weiteren Kamera werden mit einem automatischen
Kennzeichenleser ausgewertet, indem in der Aufnahme über eine Bilderkennungssoftware
das Kennzeichen festgestellt wird und mit den Bilddaten von in einem Rechner gespeicherten
gesuchten Kennzeichen verglichen wird.
[0021] Die wenigstens eine weitere Kamera ist eine nur gering auflösende Kamera, gerade
ausreichend für die Bilderkennung des Kennzeichens.
Die Verwendung von mehr als einer weiteren Kamera erlaubt es, deren Objektfelder nur
auf Teilbereiche des Messbereiches, wie einzelne Fahrspuren anzupassen. Mit einem
damit kleineren zu erfassenden Objektfeld können Kameras mit einem noch geringeren
Auflösungsvermögen verwendet werden, die wiederum ein noch schnelleres Auslesen des
Aufnahmemediums erlauben.
Bei dauerhaft stationären Vorrichtungen, bei denen die erste Kamera zur Dokumentation
von Verkehrsverstößen mehrere Fahrspuren einer Fahrbahn erfasst, ist es vorteilhaft,
pro Fahrspur eine weitere Kamera vorzusehen, womit sicher gestellt wird, dass maximal
ein Kennzeichen pro Aufnahme identifiziert werden muss.
[0022] Alle Kameras nutzen eine gemeinsame Rechen- und Speichereinheit, wobei die Feststellung
eines Verkehrsverstoßes und Identifikation von gesuchten Fahrzeugkennzeichen ohne
gegenseitige Beeinflussung zeitlich parallel zueinander erfolgen kann.
Vorteilhaft wird nach der Identifikation eines gesuchten Kennzeichens die erste hochauflösende
Kamera ausgelöst, um ein Bilddokument zu erhalten, das auch den Fahrer gut erkennbar
abbildet.
[0023] Anhand der Zeichnung wird die Vorrichtung im Folgenden beispielhaft näher erläutert.
Es zeigt:
- Fig. 1
- ein vereinfacht dargestelltes Schaltbild für eine Vorrichtung gemäß einem ersten Ausführungsbeispiel.
[0024] Zu einer erfindungsgemäßen Vorrichtung gehören in allen denkbaren Ausführungsformen
Mittel zur Erfassung von Messwerten 1 von einem durch einen Messbereich fahrenden
Fahrzeug, die geeignet sind, einen Verkehrsverstoß zu belegen. Derartige Mittel sind
aus dem Stand der Technik bekannt.
[0025] Es kann sich hierbei z. B. um ein Radargerät handeln, dessen über die Fahrbahn gerichtete
Radarkeule einen Messbereich bestimmt. Von einem die Radarkeule durchfahrenden Fahrzeug
kann die Geschwindigkeit sehr genau bestimmt werden, weshalb sich Radargeräte für
die Erfassung von Geschwindigkeitsverstößen sowohl für stationäre, temporär stationäre
aber auch mobile Vorrichtungen in fahrenden Fahrzeugen besonders eignen.
[0026] Aus den Radarsignalen kann auch, weniger genau als die Geschwindigkeit, eine Entfernung
und der Winkel zur Radarachse des erfassten Fahrzeuges abgeleitet werden, womit das
Fahrzeug einer Fahrspur zugeordnet werden kann, um die gemessene Geschwindigkeit z.
B. mit fahrspurspezifischen Höchstgeschwindigkeiten zu vergleichen.
[0027] Das Mittel zur Erfassung von Messwerten 1 kann auch ein Lasergerät sein, das mit
einem auf ein Fahrzeug gerichteten Einzelstrahl, einem scannenden Einzelstrahl oder
einem aufgefächerten Einzelstrahl einen Messbereich definiert. Hier wird über die
Laufzeit der Messstrahlung die Entfernung oder über den Messwinkel die Position der
passierenden Fahrzeuges zum Messgerät gemessen und über die Veränderung der Position
bzw. Entfernung auf die Geschwindigkeit geschlossen. Derartige Geräte eignen sich
insbesondere als temporär stationäre Geräte zum örtlich flexiblen Einsatz oder auch
als handhaltbare Geräte.
[0028] Im Unterschied zu den vorgenannten Messmitteln, bei denen der Messbereich durch eine
Strahlung bestimmt ist, wird bei invasiven Messsensoren, die ebenfalls als Mittel
zur Erfassung von Messwerten 1 geeignet sind und die in die Fahrbahn eingelassen bzw.
auf dieser aufgebracht werden, der Messbereich durch deren Anordnung bestimmt. Üblich
ist es, hierfür Drucksensoren oder Induktionsschleifen zu verwenden und damit permanent
stationäre Vorrichtungen zu schaffen. Detektiert wird das Überfahren dieser Sensoren,
woraus als Messwerte Zeitsignale abgeleitet werden, mit denen in der Regel über das
Weg-Zeit-Gesetz die Geschwindigkeit eines Fahrzeuges ermittelt wird.
Es kann auch nur die bloße Anwesenheit des Fahrzeuges zu einem bestimmten Zeitpunkt,
der einen Messwert darstellt, detektiert werden, um z. B. einen Rotlichtverstoß festzustellen.
[0029] Messverfahren mit den vorgenannten Messsensoren liefern bezüglich eines Fahrzeuges
Messwerte, die geeignet sind, um Verkehrsverstöße zu belegen.
Um festzustellen, ob die Messwerte tatsächlich einen Verkehrsverstoß belegen, müssen
hierzu geeignete Mittel vorhanden sein.
[0030] Messwerte, die einen Verkehrsverstoß belegen können, sind z. B. eine Geschwindigkeit,
die größer einem vorgegebenen Grenzwert ist, oder ein Zeitpunkt während der Rotlichtphase
einer Verkehrsampel, an dem die bloße Anwesenheit eines Fahrzeuges, z. B. hinter einem
Haltebalken detektiert wird.
[0031] Um festzustellen, ob eine erfasste Geschwindigkeit einen Verkehrsverstoß belegt,
wird sie mit einem Grenzwert verglichen.
[0032] Zur Feststellung, ob ein erfasster Zeitpunkt einen Verstoß belegt, wird der erfasste
Zeitpunkt mit den Zeitabschnitten der Rotphase verglichen. Wenn die Zeitpunkterfassung
z. B. durch eine auf die Rotlichtphase begrenzte Aktivierung der Messmittel beschränkt
wird, ist damit die Feststellung des Verkehrsverstoßes bereits mit Erfassung des Messwertes
gegeben.
[0033] Zur Beschreibung einer erfindungsgemäßen Vorrichtung sollen alle Mittel, die dazu
dienen, die Messwerte einem Verkehrsverstoß zuzuordnen, also z. B. ein Komparator,
der eine erfasste Geschwindigkeit mit einer vorgegebenen Grenzgeschwindigkeit vergleicht,
oder ein Trigger, der eine Zeiterfassung und Kameraauslösung an die Schaltphasen einer
Verkehrsampel bindet, als Mittel zur Feststellung der Messwerte als Beleg für einen
Verkehrsverstoß 9 verstanden werden.
[0034] Bei der Feststellung von Messwerten, die einen Verkehrsverstoß belegen, wird ein
Signal an eine erste Steuereinheit 2 einer ersten digitalen Einzelbildkamera 3 gegeben,
die sofort, bzw. nach einer vorgegebenen oder zu ermittelnden Zeitdauer wenigstens
eine Aufnahme erzeugt, die für den Beleg des betreffenden Verkehrsverstoßes geeignet
ist.
[0035] Die erste Einzelbildkamera 3 ist für einen Tageslicht-unabhängigen Einsatz vorteilhaft
mit einer Blitzeinrichtung 4 verbunden, so dass sowohl das Fahrzeug als auch das Kennzeichen
identifizierbar sind. Entsprechend den unterschiedlichen nationalen Gesetzgebungen
können sowohl Front- als auch Heckaufnahmen gemacht werden. Bei Frontaufnahmen soll
durch ein gutes Ausleuchten des Fahrzeuginnenraumes auch das Gesicht des Fahrers deutlich
sichtbar abgebildet werden. Hierfür wird vorteilhaft eine leistungsstarke Xenon-Blitzlampe
oder eine stromsparende Beleuchtung aus wenigstens einer lichtemittierenden Diode
eingesetzt.
[0036] Bei der Frontfotografie mit einer Aufnahme sowohl das Fahrergesicht als auch das
Kennzeichen deutlich erkennbar abzubilden, ist ohne besondere Maßnahmen zu treffen
im Feldeinsatz nicht möglich, da das Fahrergesicht hinter der Windschutzscheibe und
das Fahrzeugkennzeichen höchst unterschiedliche Reflexions- und Kontrastverhältnisse
haben. Solche besonderen Maßnahmen werden z. B. in der
DE 102 23 923 vorgeschlagen.
[0037] Zur Vermeidung zusätzlicher Maßnahmen wird in der Regel eine eindeutig das gleiche
Fahrzeug abbildende zweite Aufnahme erstellt, in der dann das Kennzeichen deutlich
abgebildet ist. Je nach Anwendung kann auch eine Aufnahme gewünscht sein, in der das
Fahrzeug in der Verkehrsszene ersichtlich ist, bzw. Aufnahmen, an denen das Fahrzeug
an verschiedenen Positionen z. B. im Ampelbereich abgebildet ist.
[0038] Der bisher beschriebene Teil der Vorrichtung ist aus dem Stand der Technik bekannt
und umfasst verallgemeinert:
➢ Mittel zur Erfassung von Messwerten 1, bewirkt von einem einen Messbereich durchfahrenden
Fahrzeug, die geeignet sind, einen Verkehrsverstoß zu belegen,
➢ Mittel zur Feststellung der Messwerte als Beleg für einen Verkehrsverstoß 9,
➢ eine erste digitale Einzelbildkamera 3, deren Objektfeld auf den Messbereich abgestimmt
ist
➢ eine mit der ersten Einzelbildkamera 3 mittelbar verbundene Blitzeinrichtung 4
➢ eine erste Steuereinrichtung 2 zum Auslösen der ersten Einzelbildkamera 3 und der
Blitzeinrichtung 4, wenn die erfassten Messwerte einen Verkehrsverstoß belegen, um
wenigstens eine Aufnahme vom Verletzer-Fahrzeug zu erstellen
➢ eine Rechen- und Speichereinheit 5, um die Bilddaten der Aufnahmen den Messwerten
zuzuordnen und abzuspeichern.
[0039] Bei dem in Fig. 1 dargestellten ersten Ausführungsbeispiel einer Vorrichtung ist
das Mittel zur Erfassung von Messwerten 1, hier ein Radargerät, über ein Mittel zur
Feststellung der Messwerte als Beleg für einen Verkehrsverstoß 9, hier einen Komparator,
der die Messwerte mit einem Grenzwert vergleicht, mit der Rechen- und Speichereinheit
5 und der ersten Steuereinheit 2 zum Ansteuern der ersten Einzelbildkamera 3 und der
Blitzeinrichtung 4 verbunden.
[0040] Zusätzlich zu den bereits genannten Mitteln weist eine erfindungsgemäße Vorrichtung
wenigstens eine weitere Kamera 6 auf, die jeweils mit einer Beleuchtungseinrichtung
7 verbunden ist, die das Objektfeld der weiteren Kamera 6 mit einer Strahlung im nichtsichtbaren
Wellenlängenbereich ausleuchtet. Angesteuert werden die wenigstens eine weitere Kamera
6 und die Beleuchtungseinrichtung 7 durch eine mit ihnen verbundenen zweite Steuereinrichtung
8, wodurch die Ansteuerung der weiteren Kameras 6 unabhängig von der ersten Einzelbildkamera
3 erfolgen kann.
Die erste und zweite Steuereinrichtung 2 und 8 können durch nur eine Baueinheit verkörpert
sein oder in der Rechen- und Speichereinheit 5 bzw. in der ersten Kamera 3 und der
wenigstens einen weiteren Kamera 6 integriert sein.
[0041] Die weitere Kamera 6 ist im ersten Ausführungsbeispiel eine Videokamera, die Aufnahmen
in einer vorgegebenen Bildfolge, z. B. 15 Aufnahmen pro Sekunde erstellt und an die
Rechen- und Speichereinheit 5 weiterleitet. Das Objektfeld der Videokamera ist ebenfalls
auf den Messbereich abgestimmt, sodass alle den Messbereich durchfahrenden Fahrzeuge
auch das Objektfeld der Videokamera passieren. Die Beleuchtungseinrichtung 7 ist vorteilhaft
entweder eine permanent aktive oder eine auf die Bildfolgefrequenz synchronisierte
Infrarotbeleuchtung. Die Infrarotbeleuchtung hat den Vorteil, dass sie vom Fahrzeugführer
nicht wahrgenommen wird und kein Blendeffekt auftreten kann.
[0042] In jedem Fall wird für die Ausleuchtung des Objektfeldes der Videokamera eine deutlich
leistungsschwächere Beleuchtung verwendet, als für die Ausleuchtung des Objektfeldes
der Einzelbildkamera 3, da die zu erfassenden Kennzeichen überwiegend einen hoch reflektierenden
Untergrund und durch die häufige Kombination von dunklen Zahlen und Ziffern auf einem
hellen, insbesondere weißen Hintergrund einen sehr guten Kontrast haben.
[0043] Die mit der Videokamera gewonnenen Bilddaten werden in der Rechen- und Speichereinheit
5 in Echtzeit ausgelesen und in einem flüchtigen Speicher vorgehalten. Mittels dafür
geeigneter Software können durch Vergleich der Bilddaten Änderungen in den Bilddaten
aufeinanderfolgender Aufnahmen erkannt werden, die einen Hinweis darauf geben, ob
ein Fahrzeug in das Objektfeld der Videokamera eingefahren ist. Wenn solche Änderungen
festgestellt werden, werden die Bilddaten einer zugehörigen oder folgenden Aufnahme
in einem Kennzeichenleser 10 mittels einer bilderkennenden Software identifiziert,
der in der Rechen- und Speichereinheit 5 integriert ist. Das Auslesen der Bilddaten
wird demnach durch die die Bilddaten vergleichende Software getriggert.
Die bilderkennende Software ist in der Lage, in den Bilddaten Fahrzeugkennzeichen
zu erkennen und zu identifizieren. Die identifizierten Fahrzeugkennzeichen werden
mit denen in einer Fahndungsliste im Speicher abgespeicherten Fahrzeugkennzeichen
verglichen und im Falle festgestellter Übereinstimmungen werden die betreffenden Bilddaten
mit allen wichtigen Informationen, wie Datum, Uhrzeit und eventuell auch GPS-Position
und Fahndungsgrund insbesondere in Form einer JPEG-Datei abgespeichert.
[0044] Die Daten können direkt an der Vorrichtung am Aufstellort angezeigt werden, an ein
Anhaltekommando in der Nähe des Aufstellortes der Vorrichtung oder in eine Zentrale
zur weiteren Verwertung übertragen werden.
Die Videoaufnahmen können auch permanent an ein übergeordnetes Rechnersystem übertragen
werden, so dass ein Beobachter den Verkehrsverlauf als Videoaufnahme verfolgen kann.
[0045] Grundsätzlich verläuft mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung die Kennzeichenerfassung
aller Fahrzeuge und die Ermittlung von Verkehrsverstößen voneinander unabhängig, wobei
allerdings ein gemeinsamer Rechner und ein gemeinsamer Speicher verwendet werden.
[0046] Vorteilhaft wird gleichzeitig mit der Datenspeicherung für ein ermitteltes gesuchtes
Kennzeichen ein Auslösebefehl an die erste digitale Einzelbildkamera 3 gegeben, um
eine Aufnahme auszulösen. Das heißt es wird, begleitet durch eine leistungsstarke
Blitzlichtbeleuchtung mit der Einzelbildkamera 4, die eine höhere Bildauflösung als
die Videokamera hat, eine Aufnahme erstellt, auf der das Fahrzeug, das Kennzeichen
und vorteilhaft auch der Fahrzeugführer erkennbar ist. Insbesondere wenn ein Frontfoto
erstellt wird und das betreffende Fahrzeug nicht unmittelbar durch ein Anhaltekommando
gestoppt werden soll, ist die Information über den Fahrzeugtyp in Kombination mit
dem Kennzeichen und bei der Frontfotografie das Gesicht des Fahrzeugführers ein vor
Gericht anerkannter Beweis oder zumindest eine wertvolle Zusatzinformation.
Bei der Heckfotografie können mit der ersten Einzelbildkamera 3 mit einer hohen Bildauflösung
vorteilhaft auf mehreren Fahrspuren, beispielsweise einer dreispurigen Autobahn, Fahrzeuge
und Kennzeichen identifiziert werden.
[0047] Zu den bereits genannten Merkmalen, die eine erfindungsgemäße Vorrichtung mit gattungsgleichen
Vorrichtungen des Standes der Technik gemeinsam hat, kommt also wenigstens eine weitere
Kamera 6 hinzu, welche in dem beschriebenen ersten Ausführungsbeispiel eine Videokamera
ist, die zur Erfassung der Kennzeichen aller im Objektfeld erscheinenden Fahrzeuge
mit einer konstanten Bildfolgefrequenz Aufnahmen erstellt.
[0048] Die Videokamera ist mit der Rechen- und Speichereinheit 5 verbunden, weist aber eine
eigene zweite Steuereinheit 8 auf, womit die Kennzeichenerfassung und die Erfassung
von Verkehrsverstößen voneinander unabhängig ablaufen.
[0049] Die Objektfelder der ersten Einzelbildkamera 3 und der Videokamera müssen die zu
überwachenden Fahrspuren überdecken.
[0050] Wenn statt einer Fahrspur mehrere Fahrspuren überwacht werden sollen, können vorteilhaft
mehrere Videokameras, beispielsweise eine pro Fahrspur, eingesetzt werden. Die Objektfelder
der Videokameras können zum Objektfeld der ersten Einzelbildkamera 3 in Fahrtrichtung
hintereinander oder überlappend angeordnet sein. Vorteilhaft ist das Objektfeld der
Videokamera bzw. sind die Objektfelder mehrerer Videokameras in Fahrtrichtung dem
Objektfeld der ersten Einzelbildkamera 3 vorgeordnet. Ein als gesucht festgestelltes
Fahrzeug kann damit bei späterem Passieren eines Fotopunktes durch die erste Einzelbildkamera
3 optimal aufgenommen werden.
[0051] Ein zweites Ausführungsbeispiel soll sich zu dem beschriebenen ersten Ausführungsbeispiel
dadurch unterscheiden, dass die weiteren Kameras 6 keine Videokameras, sondern ebenfalls
Einzelbildkameras sind, allerdings mit einem deutlich geringeren Auflösungsvermögen,
das vorteilhaft weniger als halb so groß und insbesondere ein viertel so groß ist,
wie das Auflösungsvermögen der ersten Einzelbildkamera 3. Für die weiteren Einzelbildkameras,
die zur Kennzeichenerkennung dienen, können z. B. Kameras mit einer Empfängermatrix
von weniger als 2,5 Megapixel verwendet werden, während zur Dokumentation des Verkehrsverstoßes
eine erste Einzelbildkamera 3 mit mehreren Megapixeln, z. B. 5 Megapixel, verwendet
wird.
Diese Ausführung ist dann vorteilhaft, wenn die Mittel zur Erfassung von Messwerten
1 invasive Sensoren sind, deren Signale auch zum Auslösen der weiteren Einzelbildkameras
und der Beleuchtungseinrichtung 7 genutzt werden. Diese Sensoren arbeiten somit zusätzlich
als Trigger (Hardwaretrigger) und sind zu diesem Zweck zusätzlich mit der zweiten
Steuereinrichtung 8 verbunden.
[0052] Aufstellung der verwendeten Bezugszeichen
- 1
- Mittel zur Erfassung von Messwerten
- 2
- erste Steuereinheit
- 3
- erste Einzelbildkamera
- 4
- Blitzeinrichtung
- 5
- Rechen- und Speichereinheit
- 6
- weitere Kamera
- 7
- Beleuchtungseinrichtung
- 8
- zweite Steuereinheit
- 9
- Mittel zur Feststellung der Messwerte als Beleg für einen Verkehrsverstoß
- 10
- Kennzeichenleser
1. Vorrichtung zur Erfassung von Verkehrsverstößen und zur Kennzeichenkontrolle, mit
einem Mittel zur Erfassung von Messwerten (1), die von Fahrzeugen verursacht werden,
die auf einer Fahrbahn einen Messbereich durchfahren, und die geeignet sind, einen
Verkehrsverstoß zu belegen,
einem Mittel zur Feststellung der Messwerte als Beleg für einen Verkehrsverstoß (9),
einer ersten digitalen Einzelbildkamera (3), deren Objektfeld auf den Messbereich
abgestimmt ist,
einer Blitzeinrichtung (4) und einer mit der ersten Einzelbildkamera (3) und der Blitzeinrichtung
(4) verbundenen ersten Steuereinheit (2), die so ausgelegt ist, dass nach der Feststellung
von Messwerten als Beleg für einen Verkehrsverstoß wenigstens eine Aufnahme durch
die erste Einzelbildkamera (3) vom Verletzer-Fahrzeug erstellt wird und
einer Rechen- und Speichereinheit (5), um die Bilddaten der Aufnahmen den Messwerten
zuzuordnen und abzuspeichern, dadurch gekennzeichnet,
dass mindestens eine weitere digitale Kamera (6), deren Objektfeld ebenfalls auf den Messbereich
abgestimmt ist, mit jeweils einer zugeordneten Beleuchtungseinrichtung (7) vorhanden
ist, und die weitere Kamera (6) sowie die Beleuchtungseinrichtung (7) mit einer zusätzlich
vorhandenen zweiten Steuereinheit (8) verbunden sind,
dass die Beleuchtungseinrichtung (7) eine Strahlungsquelle im nichtsichtbaren Wellenlängenbereich
umfasst,
dass die Rechen- und Speichereinheit (5) mit der mindestens einen weiteren Kamera (6)
in Verbindung steht und
dass in dieser ein Kennzeichenleser (10) integriert ist, um in den Aufnahmen der wenigstens
einen weiteren Kamera (6) Fahrzeugkennzeichen zu erkennen und zu identifizieren.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die mindestens eine weitere Kamera (6) eine Videokamera ist, die mit einer Bildfolgefrequenz
Aufnahmen erstellt und ein Softwaretrigger vorhanden ist, der so ausgelegt ist, dass
die Weiterleitung von Aufnahmen an den Kennzeichenleser (10) in Abhängigkeit davon
getriggert wird, dass in der Aufnahme ein Fahrzeugkennzeichen vorhanden ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die mindestens eine weitere Kamera (6) eine weitere Einzelbildkamera ist, und die
Mittel zur Erfassung von Messwerten (1) invasive Sensoren sind, die zusätzlich, als
Hardwaretrigger wirkend, zum Auslösen der mindestens einen weiteren Kamera (6) mit
der zweiten Steuereinheit (8) verbunden sind.
4. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass der Kennzeichenleser (10) mit der ersten Steuereinheit (2) in Verbindung steht, um
bei Identifikation eines gesuchten Kennzeichens die erste Einzelbildkamera (4) auszulösen.
5. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die Strahlungsquelle der Beleuchtungseinrichtung (7) eine Infrarotlichtquelle ist.
6. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die Strahlungsquelle der Blitzeinrichtung (4) eine Xenonlichtquelle ist.
7. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die Strahlungsquelle der Blitzeinrichtung (4) eine stromsparende Beleuchtung aus
wenigstens einer lichtemittierenden Diode ist.
8. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die erste Einzelbildkamera (3) eine hochauflösende Kamera ist und mindestens eine
weitere Kamera (6) eine geringere Auflösung hat.
9. Vorrichtung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet,
dass die erste Einzelbildkamera (3) eine Auflösung von mehreren Megapixeln hat und die
Auflösung der mindestens einen weiteren Kamera (6) weniger als halb so groß ist, insbesondere
ein Viertel beträgt.
10. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass das Objektfeld der ersten Einzelbildkamera (3) mehrere Fahrspuren der Fahrbahn überdeckt
und soviel weitere Kameras (6) vorhanden sind, wie Fahrspuren durch das Objektfeld
der ersten Einzelbildkamera (3) überdeckt sind, wobei die Objektfelder der weiteren
Kameras (6) jeweils eine Fahrspur überdecken.