[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Veredeln einer Trägerplatte, beispielsweise
einer Holz- oder Holzwerkstoffplatte, insbesondere MDF- oder HDF-Platte mit einer
Oberseite und einer Unterseite, auf deren Oberfläche der Oberseite eine Mehrzahl von
Schichten aus einem Kunstharz, vorzugsweise Melaminharz aufgebracht und jede Schicht
vor dem Aufbringen der nächsten Schicht getrocknet wird, wobei zwischen zwei Schichten
eine Farbschicht zur Erzeugung eines Dekors vorgesehen wird und der trockene Schichtaufbau
zwischen einer oberen und einer unteren Pressplatte einer Pressvorrichtung unter Einwirkung
von Wärme und Druck verpresst wird und dabei die Kunstharzschichten aufschmelzen.
Ferner betrifft die Erfindung eine Pressvorrichtung.
[0002] Das vorstehend beschriebene Verfahren ist beispielsweise aus der
EP 1 454 763 A2 bekannt. Die nach dem Verfahren hergestellten Platten werden beispielsweise für den
Möbelbau verwendet, Aus ihnen können auch Paneele, insbesondere Fußbodenpaneele, hergestellt
werden.
[0003] Fußbodenpaneele mit einer Trägerplatte aus Holzwerkstoff werden üblicherweise als
Laminatpaneele bezeichnet und sind seit vielen Jahren zur Substitution von Parkett
im Handel. Um eine glatte Oberfläche zu erhalten, wird die Oberfläche der Trägerplatte
zunächst geschliffen und dann eine Grundierung aus einer oder mehrerer Melaminharzschichten
aufgetragen, Auf die Grundierung wird dann das gewünschte Dekor (Parkett, Holzmaserung,
Fliesen usw.) aufgedruckt. Auf das gedruckte Dekor wird dann eine Funktionsschicht
zur Versiegelung der Oberseite aufgebracht. Wenn die Trägerplatte anschließend zu
Fußbodenpaneelen weiterverarbeitet werden soll, werden in die Funktionsschicht verschleißhemmende
Partikel, beispielsweise Korund, eingebettet. Abschließend wird der Schichtaufbau
verpresst und dabei eine zu dem Dekor korrespondierende Struktur (Relief) eingeprägt,
um den optischen und haptischen Eindruck dem durch das Dekor nachgebildeten natürlichen
Material anzugleichen,
[0004] Aus der
WO 2007/059805 A1 ist eine Beschichtungsanlage mit fließfähigem Beschichtungsmaterial für glatte oder
strukturierte Oberflächen bekannt. Um die Oberfläche des Beschichtungsmaterials mit
einer Struktur zu versehen, wird eine Materialbahn mit strukturierter Oberfläche eingesetzt.
Eingangsseitig der Beschichtungsanlage wird ein Trägermaterial zugeführt, das mit
einem fließfähigem Material beschichtet wird. Unterhalb der Materialbahn ist eine
Auffangeinrichtung vorgesehen, die zusammen mit der Materialbahn im Querschnitt trichterförmig
ausgebildet ist, so dass das fließfähige Material auf die Trägerplatte aufgebracht
werden kann. Während die Trägerplatte mit der aufliegenden Materialbahn durch die
Vorrichtung transportiert wird, härtet das Beschichtungsmaterial aus und es bildet
sich in seiner Oberfläche die vorgegebene Struktur aus der Materialbahn aus. Die Pressvorrichtung
ist sehr komplex aufgebaut. Als Beschichtungsmaterial müssen teure UV-Lacke verwendet
werden.
[0005] Es ist auch bekannt, Oberflächenstrukturen in auf Holzwerkstoffplatten aufkaschierte
Folienpakete über Strukturgeber-Folien auf Umlaufpressen einzubringen. Da das Folienpaket
bereits fertig ist, wird sowohl ein hoher Druck als auch eine hohe Temperatur benötigt.
Da sowohl der aufbringbare Druck als auch die Temperatur durch den konstruktiven Aufbau
der Umlaufpresse begrenzt sind, laufen derartige Anlagen nur sehr langsam. Die wiederverwendbare
Strukturgeber-Folie übersteht nur eine begrenzte Anzahl an Durchläufen, so dass dieses
Verfahren auch recht kostenintensiv ist.
[0006] Von dieser Problemstellung ausgehend soll das eingangs beschriebene Verfahren zum
Veredeln einer Trägerplatte verbessert werden und es soll eine Pressvorrichtung geschaffen
werden, mit der entsprechend beschichtete Trägerplatten rasch und kostengünstig strukturiert
werden können.
[0007] Zur Problemlösung wird unterhalb der oberen Pressplatte eine mit Vertiefungen und/oder
Erhöhungen versehene Strukturgeber-Folie angeordnet, die dafür sorgt, dass das aufgeschmolzene
Kunstharz sich den Vertiefungen und/oder Erhöhungen der Strukturgeber-Folie fließend
anpasst, wodurch sich nach dem Aushärten des Kunstharzes eine Struktur ausbildet.
[0008] Die so hergestellte Oberfläche zeichnet sich durch einen neuen optischen und haptischen
Eindruck aus. Die Produktoberflächen sind weicher bzw. samtiger, was durch die Wirkung
der Strukturgeber-Folie anstelle eines harten Stahlpressblechs erfolgt. Da die Struktur
in einer Kurztakt-Presse mittels der Strukturgeber-Folie erfolgt, kann die gewünschte
Struktur schnell und kostengünstig geändert bzw. gewechselt werden. Es kann also eine
breite Produktpalette auf einer Pressvorrichtung hergestellt werden.
[0009] Vorzugsweise wird für die Farbschicht ein mit Farbpigmenten angereicherter wasserbasierter
Lack verwendet.
[0010] Um eine spätere Schüsselung der Trägerplatte oder der daraus hergestellten Paneele
zu vermeiden, wird vorzugsweise vor dem Verpressen auf die Unterseite eine Gegenzugschicht
aufgebracht.
[0011] Als erste Schicht wird auf die vorzugsweise vorher geschliffene Oberseite ein flüssiges
Melaminharz aufgetragen. Auf die getrocknete Melaminharzschicht kann dann insbesondere
vorzugsweise eine Primerschicht aufgetragen werden. Eine Pressvorrichtung zum Verpressen
und Strukturieren von mit einer Mehrzahl von Harzschichten versehenen Trägerplatte
mit einer oberen Pressplatte und einer unteren Pressplatte zeichnet sich dadurch aus,
dass unterhalb der oberen Pressplatte eine mit Vertiefungen und/oder Erhöhungen versehene
Strukturgeber-Folie anzuordnen ist.
[0012] Vorzugsweise liegt die Strukturgeber-Folie an der Pressplatte an. Insbesondere vorzugsweise
ist sie an der Pressplatte fixierbar, was beispielsweise durch Ansaugen, elektrostatische
Aufladung oder Adhäsion erfolgen kann.
[0013] Vorzugsweise ist auf der einen Seite neben der oberen Pressplatte eine Abwickeleinrichtung
und auf der gegenüberliegenden Seite eine Aufwickeleinrichtung für die Strukturgeber-Folie
angeordnet. Auf der Strukturgeber-Folie ist die zu dem aufgedruckten Dekor passende
Struktur jeweils in zugehöriger Plattengröße eingeprägt. Die Struktur kann sich auf
dem Folienband wiederholen. Es können aber auch unterschiedliche Strukturen hintereinander
(jeweils in Plattengröße) auf der Strukturgeber-Folie vorgesehen sein.
[0014] Vorzugsweise weist die obere Pressplatte ein mit einer Mehrzahl von Öffnungen versehenes
Pressblech auf, und die Öffnungen stehen mit einer Pneumatikeinrichtung in Verbindung.
[0015] Von der Pneumatik-Einrichtung kann ein Unterdruck zum Ansaugen der Strukturgeber-Folie
erzeugt werden. Vorzugsweise deckt die Strukturgeber-Folie die Öffnungen im Pressblech
dann vollständig ab. Um die am Pressblech anliegende Strukturgeber-Folie zu entfernen,
kann von der Pneumatikeinrichtung vorzugsweise impulsartig ein Überdruck erzeugt werden,
der die Strukturgeber-Folie vom Pressblech abbläst.
[0016] Mit Hilfe einer Zeichnung soll ein Ausführungsbeispiel der Erfindung nachfolgend
näher erläutert werden.
[0017] Die einzige Figur zeigt schematisch die Seitenansicht einer Kurztakt-Presse (KT-Presse)
mit der oberen Pressplatte 1 und der unteren Pressplatte 11. Die obere Pressplatte
1 besteht aus dem Obergestell 2, dem Presspolster 3 und dem Pressblech 4. Die auf
einem Pressentisch 12 angeordnete untere Pressplatte 11 besteht aus dem Untergestell
13, dem Presspolster 14 und dem Pressblech 15.
[0018] Die untere Pressplatte 11 ist starr. Über die Druckzylinder 5 kann die obere Pressplatte
1 auf die untere Pressplatte 11 abgesenkt und mit Druck beaufschlagt werden. Die Pressplatten
1, 11 werden über Thermalöl in bekannter Weise aufgeheizt. An dem Pressblech 4, das
mit einer Mehrzahl nicht gezeigten Öffnungen versehen ist, liegt die Strukturgeber-Folie
9 an, in die eine Struktur eingeprägt ist. Die Öffnungen im Pressblech 4 stehen mit
einer sowohl Unterdruck als auch Überdruck erzeugenden Pneumatikeinrichtung 50 in
Verbindung. Beidseitig neben der oberen Pressplatte 1 sind sich gegenüberliegend eine
Abwickelvorrichtung 6 und eine Aufwickelvorrichtung 10 angeordnet. Die Strukturgeber-Folie
8 wird von der Abwickelvorrichtung 6 abgewickelt und gleichzeitig von der Aufwickelvorrichtung
10 aufgewickelt. Über Umlenkrollen 7, 9 wird die Strtikturgeber-Folie unterhalb der
Pressplatte 1 entlanggeführt. Wenn die Pneumatikeinrichtung 50 Unterdruck erzeugt,
wird die Strukturgeber-Folie 9 an das Pressblech 4 angesaugt. Zum Lösen wird über
die Pneumatikeinrichtung 50 ein Druckluftstaß erzeugt, der die Strukturgeber-Folie
8 vom Pressblech 4 abbläst.
[0019] Zum Glätten der Oberfläche wird die großformatige Trägerplatte, beispielsweise eine
MDF- oder HDF-Platte um 0.1 mm abgeschliffen. Sodann wird flüssiges Harz auf Melaminbasis
auf die Oberseite zum Grundieren aufgetragen und zur Schicht 101 getrocknet. Auf die
getrocknete Melaminharzschicht 101 wird ein Primer aufgetragen und getrocknet.
[0020] Anschließend wird eine Schicht 102 mit Farbpigmenten angereicherter, wasserbasierter
Lack aufgetragen und damit die Dekorschicht erzeugt, die dann getrocknet wird. Hierauf
wird wenigstens eine Funktionsschicht 103 als Versiegelung der Oberseite aufgetragen.
In der Funktionsschicht 103 können den Abrieb und/oder die Kratzfestigkeit erhöhende
Partikel integriert sein. Die Funktionsschicht 103 kann auch antistatisch ausgebildet
werden. Zum Ausgleich der Wirkung des Schichtaufbaus 101, 102, 103 auf der Oberseite
der Trägerplatte 100 wird auf ihrer Unterseite wenigstens eine Gegenzugschicht 104
aufgebracht und getrocknet. Anschließend wird die Trägerplatte 100 in die Kurztakt-Presse
hinein transportiert und auf die untere Pressplatte 11 aufgelegt. Die zu dem Dekor
der Dekorschicht 102 korrespondierende Struktur der Strukturgeber-Folie 8 wird ausgewählt
und dann durch Antreiben der Aufwickelvorrichtung 10 unter die obere Pressplatte 1
gezogen. Dabei wickelt sich die Strukturgeber-Folie 8 von der Abwickelvorrichtung
6 ab. Die Strukturgeber-Folie 8 wird an das Pressblech 4 angesaugt und dann die obere
Pressplatte 1 auf die Trägerplatte 100 abgesenkt. Durch die Hitze und den Druck schmelzen
die Harzschichten auf und das flüssige Harz läuft in die Vertiefungen bzw. füllt die
Zwischenräume zwischen den Erhöhungen der Strukturgeber-Folie 8 aus, so dass nach
dem Aushärten des Harzes eine zu dem Dekor korrespondierende Struktur in der Oberfläche
der Trägerplatte 100 erzeugt wurde.
Bezugszeichenliste
[0021]
- 1
- Obere Pressplatte
- 2
- Obergestell
- 3
- Presspolster
- 4
- Pressblech
- 5
- Druckzylinder
- 6
- Abwickelvorrichtung
- 7
- Umlenkrolle
- 8
- Strukturgeber-Folie
- 9
- Umlenkrolle
- 10
- Aufwickelvorrichtung
- 11
- Untere Pressplatte
- 12
- Pressentisch
- 13
- Untergestell
- 14
- Presspolster
- 15
- Pressblech
- 50
- Pneumatikeinrichtung
- 100
- Trägerplatte/Holzwerkstoffplatte
- 101
- Grundierung/Primer-Schicht
- 102
- Dekorschicht
- 103
- Funktionsschicht
- 104
- Gegenzug
1. Verfahren zum Veredeln einer Trägerplatte (100), insbesondere einer Holz- oder Holzwerkstoffplatte,
auf deren Oberfläche der Oberseite eine Mehrzahl von Schichten (101, 103) aus einem
Kunstharz, vorzugsweise Melaminharz aufgebracht und jede Schicht vor dem Aufbringen
der nächsten Schicht getrocknet wird, wobei zwischen zwei Schichten (101. 103) eine
Farbschicht (102) zur Erzeugung eines Dekors vorgesehen wird und der trockene Schichtaufbau
anschließend zwischen einer oberen und einer unteren Pressplatte (1, 11) einer Kurztakt-Presse
unter Einwirkung von Wärme und Druck verpresst wird und dabei die Kunstharzschichten
(101, 103, 104) aufschmelzen, dadurch gekennzeichnet, dass unterhalb der oberen Pressplatte (1) eine mit Vertiefungen und/oder Erhöhungen versehene
Strukturgeber-Folie (8) angeordnet wird, und das aufgeschmolzene Kunstharz sich den
Vertiefungen und/oder Erhöhungen der Strukturgeber-Folie (8) fließend anpasst, wodurch
sich nach dem Aushärten des Kunstharzes eine Struktur ausbildet.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass für die Dekorschicht (102) ein mit Farbpigmenten angereicherter wasserbasierter Lack
verwendet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass vor dem Verpressen auf die Unterseite der Trägerplatte (100) mindestens eine Gegenzugschicht
(104) aufgebracht wird.
4. Verfahren nach einem oder mehreren der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberseite vor dem Auftragen der ersten Schicht (101 geschliffen wird und als
erste Schicht (101) auf die geschliffene Oberseite flüssiges Melaminharz aufgetragen
wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass auf die getrocknete Melaminharzschicht (101) eine Primerschicht aufgetragen wird.
6. Pressvorrichtung zum Verpressen und Strukturieren von mit einer Mehrzahl von Harzschichten
(101, 103, 104) versehenen Trägerplatten (100), insbesondere Holz- oder Holzwerkstoffplatten,
mit einer oberen Pressplatte (1) und einer unteren Pressplatte (2), dadurch gekennzeichnet, dass unterhalb der oberen Pressplatte (1) eine mit Vertiefungen und/oder Erhöhungen vorgesehene
Strukturgeber-Folie (8) anzuordnen ist.
7. Pressvorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Strukturfolie (8) an der Pressplatte (1) anliegt.
8. Pressvorrichtung nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Strukturfolie (8) an der Pressplatte (1) fixierbar ist.
9. Pressvorrichtung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Strukturfolie (8) an die Pressplatte (1) ansaugbar ist.
10. Pressvorrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 6 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass auf der einen Seite neben der oberen Pressplatte (1) eine Abwickelvorrichtung (6)
und auf der gegenüberliegenden Seite der Pressplatte (1) eine Aufwickelvorrichtung
für die Strukturgeber-Folie 8 angeordnet sind.
11. Pressvorrichtung nach einem oder mehreren der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die obere Pressplatte (1) ein mit einer Mehrzahl von Öffnungen versehenes Pressblech
(4) aufweist und die Öffnungen mit einer Pneumatikeinrichtung (50) in Verbindung stehen.
12. Pressvorrichtung nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass von der Pneumatikeinrichtung (50) ein Unterdruck zum Ansaugen der Strukturgeber-Folie
(8) an das Pressblech (4)/die Pressplatte (1) erzeugbar ist.
13. Pressvorrichtung nach Anspruch 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet, dass von der Pneumatikeinrichtung (50) ein Überdruck zum Abblasen der Strukturfolie (8)
vom Pressblech (4)/der Pressplatte (1) erzeugbar ist.
14. Pressvorrichtung nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass der Überdruck impulsartig erzeugbar ist.
15. Pressvorrichtung nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Öffnungen im Pressblech (4) von der Strukturgeber-Folie (8) vollständig abdeckbar
sind.