[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen Fadenführer, umfassend einen finger- oder
zeigerförmig ausgebildeten Arm, der mit seinem einen Ende mit einer Antriebseinrichtung
verbunden ist und mit seinem freien Ende zur Verlegung eines Fadens auf einer rotierenden
Spule parallel zur Spulenachse zwei als Hohlkörper aus Keramik ausgebildete Führungselemente
aufweist.
[0002] Ein Fadenführer der eingangs genannten Art ist aus der
WO 2007 065583 A1 bekannt. Der dort beschriebene Fadenführer weist an seinem freien Ende zwei als zylindrische
Hohlkörper aus Keramik ausgebildete Führungselemente auf, die unmittelbar am Arm form-
und/oder kraftschlüssig angeordnet sind. Die beiden Führungselemente bilden eine Fadenführungsgabel,
in der der Faden zur Verlegung auf einer Spule geführt wird. Die Ausgestaltung der
Führungselemente aus Keramik dient dazu, den abrasiven Auswirkungen des mit hoher
Geschwindigkeit zu verlegenden Fadens an den Führungselementen entgegenzuwirken.
[0003] Als nachteilig an dem Fadenführer gemäß dem Stand der Technik hat sich erwiesen,
dass die aus Keramik bestehenden hohlen Führungselemente, die ummittelbar mit dem
Arm des Fadenführers verbunden sind, selbst bei aggressivem Garn zwar keinem nennenswerten
Verschleiß unterliegen, jedoch auf Grund ihrer geringen Bruchdehnung in Folge der
auftretenden Biegemomente bei der hochfrequenten Verlegung des Fadens leicht abbrechen
beziehungsweise bei Führungselementen, die in ihrem Inneren zusätzlich mit Stäben
versehen sind, von diesen zumindest abplatzen.
[0004] Der Erfindung liegt somit die Aufgabe zu Grunde, einen Fadenführer bereit zu stellen,
der die genannten Nachteile des Standes der Technik vermeidet.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die kennzeichnenden Merkmale des Anspruches
1 gelöst.
[0005] Vorteilhafte Weiterbildungen sind Gegenstand der Unteransprüche.
[0006] Gemäß dem Anspruch 1 wird vorgeschlagen, dass die Führungselemente jeweils über biegeelastische
Stäbe mit dem freien Ende des Armes verbunden sind. Durch die Verbindung der Führungselemente
mit dem freien Ende des Armes über die biegelastischen Stäbe wird erreicht, dass das
während der Verlegung auftretende Biegemoment von den biegeelastischen Stäben aufgenommen,
wodurch die Belastung auf die Führungselemente kompensiert wird. Die biegeelastischen
Stäbe sollten dabei eine Auslenkung von bis zu zehn Grad um ihre Längsachse ermöglichen.
[0007] Hierzu sollten die Führungselemente durch die biegeelastischen Stäbe zum Arm beabstandet
angeordnet sein, so dass sich ein freiliegender Biegebereich zwischen dem Arm und
den Führungselementen ausbildet. Die auf den biegeelastischen Stäben angeordneten
Führungselemente bilden entsprechend einen Fadenführungsabschnitt aus. Auf diese Weise
wird einerseits ein verschleißfreier Fadenführungsabschnitt zur Führung des Fadens
während der Verlegung gebildet, andererseits ist ein Biegebereich vorhanden, der sich
bei Belastung entsprechend dem Elastizitätsmodul der biegeelastischen Stäbe verformen
kann und somit die Belastung an den aus Keramik bestehenden Fadenführungselementen
unterhalb ihrer Bruchdehnung hält.
[0008] Vorteilhafterweise beträgt die Längsausdehnung des Biegebereiches zwischen 1 mm und
10 mm. Die Längsausdehnung des Biegebereiches richtet sich dabei im Wesentlichen nach
der Elastizität des für die biegeelastischen Stäbe eingesetzten Materiales respektive
der zulässigen Auslenkung, um die sichere Verlegung des Fadens bei hochfrequenter
Changierung des Fadenführers zu gewährleisten, sowie der konstruktiven Ausgestaltung
des Fadenführers und seiner Positionierung an einer Textilmaschine. Die Längsausdehnung
des Biegebereiches ist derart, dass das vom Fadenführer zu verlegende Garn nicht mit
den biegeelastischen Stäben in Berührung kommt.
[0009] Die biegeelastischen Stäbe sollten so ausgeführt sein, dass sie bei hochfrequenter
Verlegung des Fadens einen sicheren Halt der Führungselemente am Arm bieten, indem
sich die biegeelastischen Stäbe jeweils zumindest abschnittsweise in das daran angeordnete
Führungselement erstrecken.
[0010] Insbesondere können die biegeelastischen Stäbe eine größere Längsausdehnung aufweisen
als die Führungselemente. Somit kann sich der jeweilige biegeelastische Stab vollständig
im Inneren des Fadenführungselementes über dessen gesamte Länge erstrecken, um den
Biegebereich zwischen dem Arm und den Führungselementen auszubilden und eine hinreichende
Befestigung der Führungselemente am Arm zu erreichen.
[0011] In bevorzugter Weiterbildung der Erfindung können die Führungselemente auf den biegeelastischen
Stäben festgeklebt sein. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass ein unbeabsichtigtes
Lösen der Führungselemente von den biegeelastischen Stäben vermieden wird. Zudem wird
durch eine vollständige Benetzung der Fügeflächen verhindert, dass sich durch eine
Spaltbildung zwischen dem Führungselement und dem biegeelastischen Stab diese voneinander
auf Grund von Vibrationen während der mit hoher Frequenz erfolgenden Changierung des
Fadenführers zur Fadenverlegung voneinander lösen.
[0012] Vorzugsweise können die biegeelastischen Stäbe aus einem hochelastischen Werkstoff
bestehen. Insbesondere können die biegeelastischen Stäbe aus einem Kohlefaserverbundwerkstoff
bestehen. Hier könnte beispielsweise Carbon zum Einsatz kommen. Die Materialkombination
aus Keramik im Fadenführungsabschnitt und Kohlefaserverbundwerkstoff im Biegebereich
stellt eine Lösung dar, die den Anforderungen an die Verschleißfestigkeit im Fadenführungsabschnitt
und der erforderlichen Elastizität im Biegebereich gerecht wird. Die geringe Bruchfestigkeit
und Elastizität der Keramik bei der Verwendung für die Führungselemente einerseits
und die geringe Verschleißfestigkeit der biegeelastischen Stäbe andererseits werden
auf diese Weise vom jeweils anderen Werkstoff ausgeglichen.
[0013] In bevorzugter Weiterbildung können die biegeelastischen Stäbe durch ein sich in
Bewegungsrichtung des Fadenführers erstreckendes Verbindungselement miteinander verbunden
sein, dessen Ausdehnung in Bewegungsrichtung des Fadenführers größer ist als quer
zu dieser. Ein entsprechend gestaltetes Verbindungselement beschränkt die Auslenkung
der Führungselemente in der Bewegungsrichtung des Fadenführers, die Führungselemente
werden hart abgefedert. Hingegen ist die Auslenkung der Führungselemente in Fadenlaufrichtung
respektive der Belastungsrichtung durch eine einlaufende Fadenschlinge nahezu nicht
eingeschränkt, was einer weichen Federung entspricht.
[0014] Weitere Einzelheiten der Erfindung sind nachfolgend einem anhand der Zeichnungen
dargestellten Ausführungsbeispiels zu entnehmen.
Es zeigen:
[0015]
- Fig. 1
- eine schematische Ansicht eines erfindungsgemäßen Fadenführers;
- Fig. 2
- eine Vorderansicht des Fadenführers gemäß Fig. 1;
- Fig. 3
- eine Vorderansicht einer bevorzugten Weiterbildung des Fadenführers gemäß Fig. 1.
[0016] In Fig. 1 ist eine schematische Ansicht eines erfindungsgemäßen Fadenführers 1 dargestellt.
Der Fadenführer 1 ist finger- oder zeigerförmig ausgebildet und weist einen sich zu
seinem freien Ende hin verjüngenden Verlauf auf. Das breitere Ende des Fadenführers
1 ist mit einem einzelmotorischen Antrieb 3 verbunden, um dessen Längsachse der Fadenführer
1 verschwenkbar ist. Zur Verlegung eines Fadens auf einer rotierenden Spule 4, welche
im dargestellten Ausführungsbeispiel über eine Antriebswalze 2 angetrieben wird, wird
der Fadenführer 1 mittels seines einzelmotorischen Antriebes 3 über die Spulenbreite
traversierend angetrieben.
[0017] Der Arm 5 des Fadenführers 1 weist an seinem freien, schmaleren Ende zwei als zylindrische
Hohlkörper aus Keramik ausgebildete Führungselemente 6, 7 auf, die jeweils über einen
beigeelastischen Stab 8, 9 form- und/oder kraftschlüssig am Arm 5 befestigt sind,
wie in Fig. 2 dargestellt. Die Anordnung der Führungselemente 6, 7 erfolgt durch die
biegeelastischen Stäbe 8, 9 axial zu dem Arm 5 beabstandet. Die biegeelastischen Stäbe
8, 9 weisen eine Längsausdehnung auf, die derart gewählt ist, dass sich die Stäbe
8, 9 zumindest abschnittsweise in das jeweilige Führungselement 6, 7 erstrecken. Vorzugsweise
weisen die biegeelastischen Stäbe 8, 9 eine größere Längsausdehnung als die Führungselemente
6, 7 auf. In der dargestellten Ausführungsform erstrecken sich die biegeelastischen
Stäbe 8, 9 über die gesamte Längsausdehnung der Führungselemente 6, 7. Es ist aber
für eine zuverlässige Anordnung am Arm 5 ausreichend, wenn sich die biegeelastischen
Stäbe 8, 9 nur teilweise in das jeweilige Führungselemente 6, 7 hinein erstrecken.
Durch die zum Arm 5 beabstandete Anordnung der Führungselemente 6, 7 bildet sich ein
Fadenführungsabschnitt 11 an den Führungselementen 6, 7 sowie ein Biegebereich 10
zwischen dem Arm 5 und den zu diesem beabstandeten Führungselementen 6, 7 aus. Der
durch die beabstandete Anordnung ausgebildete Biegebereich 10 dient dazu, die bei
der Fadenverlegung auf die Führungselemente 6, 7 einwirkenden Kräfte, insbesondere
die Biegemomente, zu kompensieren, indem sich der Biegebereich 10 verformen kann.
Hierdurch wird erreicht, dass die Belastung an den Führungselementen 6, 7 unterhalb
der Bruchdehnung gehalten wird. Die Führungselemente 6, 7 werden vorzugsweise mit
dem jeweiligen biegeelastischen Stab 8, 9 durch Verkleben verbunden. Dabei werden
die Fügeflächen vollständig mit einem Klebstoff benetzt, um eine Fugenbildung zu vermeiden,
die zu einer Schwächung der Verbindung im Betrieb führen kann.
[0018] Wie in Fig. 2 angedeutet, weisen die biegeelastischen Stäbe 8, 9 im Biegebereich
10 einen kleineren Durchmesser auf als die Führungselemente 6, 7. Dadurch werden die
Spannungen in den Führungselementen 6, 7 reduziert, jedoch führt dies zu einer stärkeren
Verlagerung des Kraftangriffpunktes gegenüber den biegeelastischen Stäben 8, 9 die
im Biegebereich 10 den gleichen oder einen größeren Durchmesser aufweisen, wie die
Führungselemente 6, 7.
[0019] Die biegeelastischen Stäbe 8, 9 bestehen aus einem Kohlefaserverbundwerkstoff, beispielsweise
Carbon. Die Materialauswahl orientiert sich unter anderem an der maximal zulässigen
Auslenkung der Führungselemente 6, 7 um ihre Längsachse, die einen Winkel von 10°
nicht überschreiten sollte, um die Verlegung des Fadens durch die hochfrequente Changierung
des Fadenführers 1 nicht negativ zu beeinflussen.
[0020] Fig. 3 zeigt eine bevorzugte Weiterbildung des Fadenführers 1, bei dem die biegeelastischen
Stäbe 8, 9 durch ein Verbindungselement 12 miteinander verbunden sind. Das Verbindungselement
12 weist dabei in der Bewegungsrichtung des Fadenführers 1, also parallel zur Spulenachse,
eine größere Ausdehnung auf als quer zu dieser. Demgemäß werden die biegeelastischen
Stäbe 8, 9 in der Bewegungsrichtung des Fadenführers 1 härter abgefedert als in der
Fadenlaufrichtung respektive der Belastungsrichtung durch eine einlaufende Fadenschlinge.
1. Fadenführer (1) umfassend einen finger- oder zeigerförmig ausgebildeten Arm (5), der
mit seinem einen Ende mit einer Antriebseinrichtung (3) verbunden ist und an seinem
freien Ende zur Verlegung eines Fadens auf einer rotierenden Spule (4) parallel zur
Spulenachse zwei als Hohlkörper aus Keramik ausgebildete Führungselemente (6, 7) aufweist,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Führungselemente (6, 7) jeweils über biegeelastische Stäbe (8, 9) mit dem freien
Ende des Armes (5) verbunden sind.
2. Fadenführer (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Führungselemente (6, 7) durch die biegeelastische Stäbe (8, 9) zum Arm (5) beabstandet
angeordnet sind, so dass sich ein Biegebereich (10) zwischen dem Arm (5) und den Führungselementen
(6, 7) ausbildet.
3. Fadenführer (1) nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Beabstandung der
Führungselemente (6, 7) zum Arm (5) zwischen 1 mm und 10 mm beträgt.
4. Fadenführer (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die biegeelastischen Stäbe (8, 9) eine größere Längsausdehnung aufweisen als die
Führungselemente (6, 7).
5. Fadenführer (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die biegeelastischen Stäbe (8, 9) im Biegebereich (10) einen Durchmesser aufweisen,
der dem
Außendurchmesser der Führungselemente (6, 7) entspricht.
6. Fadenführer (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die biegeelastischen Stäbe (8, 9) im Biegebereich (10) einen Durchmesser aufweisen,
der kleiner
ist als der Außendurchmesser der Führungselemente (6, 7).
7. Fadenführer (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Führungselemente (6, 7) mit den Stäben (8, 9) durch Verkleben verbunden sind.
8. Fadenführer (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die biegeelastischen Stäbe (8, 9) aus einem hochelastischen Werkstoff bestehen.
9. Fadenführer (1) nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die biegeelastischen Stäbe (8, 9) aus einem Kohlefaserverbundwerkstoff bestehen.
10. Fadenführer (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch
gekennzeichnet, dass die biegeelastischen Stäbe (8, 9) durch ein sich in Bewegungsrichtung des Fadenführers
(1) erstreckendes Verbindungselement (12) miteinander verbunden sind, dessen Ausdehnung
in Bewegungsrichtung des Fadenführers (1) größer ist als quer zu dieser.