[0001] Die Erfindung betrifft ein Weichendiagnosesystem mit einer Messwerterfassungseinrichtung,
die mit einer Antriebsverkabelung der Weichen verbunden ist und zur Erfassung elektrischer
Messgrößen ausgebildet ist.
[0002] Zur Erhöhung der Verfügbarkeit von elektrischen Weichenstellsystemen der Eisenbahn
ist die Weichendiagnose im Sinne einer rechtzeitigen Erkennung von Schwergängigkeiten,
Wartungszuständen oder mit Wahrscheinlichkeit eintretender Schäden von entscheidender
Bedeutung. Durch die Erfassung, Bewertung und Analyse elektrischer Messgrößen - vorzugsweise
Strom und Spannung - kann eine Aussage über den Zustand des Weichenstellsystems getroffen
werden. Ausgewertet wird üblicherweise die Wirkleistung, welche sich als Produkt der
Messgrößen Strom und Spannung unter Berücksichtigung der Phasenverschiebung ergibt.
[0003] Aus der
EP 864 099 B1 ist eine Überwachungseinrichtung elektrischer Leistungsstellglieder für Antriebe
verschiedener Art bekannt. Dabei werden Strom und Spannung in einer Messeinheit gemessen,
die Ausgangssignale werden gewichtet - konditioniert - und einer übergeordneten Einheit
zur Leistungsberechnung zugeführt, wobei ein Controller mit Speichern zur Zwischenablage
nicht zeitgleicher Daten vorgesehen ist. Anschließend werden die Daten als vorverdichtete
Informationen an ein übergeordnetes Datenverarbeitungssystem übergeben und mit Referenz-
oder Alarmwerten verglichen. Die resultierenden Diagnosedaten, insbesondere bezüglich
festgestellter Alarmzustände, werden an eine Leitebene übergeben. Diese bekannte Überwachungseinrichtung
verarbeitet Signale mit antriebsspezifischen Kennzeichen, um Fehlerzustände demjenigen
Antrieb zuordnen zu können, von dem das Signal ausging. Für die übergeordnete Datenverarbeitung
ist mindestens eine separate Baugruppe vorgesehen.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Weichendiagnosesystem der gattungsgemäßen
Art anzugeben, welches sich mit verringertem Aufwand an unterschiedliche Anforderungen
anpassen lässt. Insbesondere ist anzustreben, sowohl ein autonomes Messsystem ohne
Kopplung an übergeordnete Auswerteeinheiten als auch ein hochkomplexes Messsystem
mit Historienverfolgung hinsichtlich der Änderung des Verhaltens der Weichenantriebe,
Datenarchivierung und Verteilung der Informationen an verschiedene Leit- und Serviceebenen
zu realisieren.
[0005] Die Aufgabe wird mit einem Weichendiagnosesystem gemäß Anspruch 1 gelöst, wobei in
die Antriebsverkabelung jeder Weiche ein Messmodul eingeschleift ist, welches Mittel
zur Messwerterfassung, -auswertung und -anzeige sowie Schnittstellenmittel zum Anschluss
peripherer Geräte, insbesondere Datensammelrechner, Fernsteuereinrichtung und Softwareupdateeinrichtung,
aufweist.
[0006] In einer ersten Konfiguration kann das kompakte Messmodul als autark arbeitendes
Weichendiagnosesystem eingesetzt werden, da alle Messungen, Informationen, Vergleiche
und Meldungen direkt in dem Messmodul erzeugt werden und die Ergebnisse angezeigt
werden. Jedes Messmodul gibt dabei Aufschluss über den Funktionszustand der zugeordneten
Weiche.
[0007] In einer zweiten Konfiguration sind mehrere derartige Messmodule über die Schnittstellenmittel
seriell mit einem Datensammelrechner verknüpft. Der Datensammelrechner greift über
die Schnittstelle die in den Messmodulen vorliegenden Informationen ab, verwaltet
diese, speichert Abläufe, erstellt Histogramme und erzeugt komfortable Anzeigen über
die Zustände der Antriebe. Darüber hinaus ist über diese Schnittstelle ein Update
der Firmware auf den Messmodulen sowie eine Fernsteuerung möglich. Die Anzahl der
an einen Datensammelrechner anschließbaren Messmodule ist flexibel entsprechend dem
Bedarf wählbar und leicht änderbar. Eine Schnittstellenüberwachung erlaubt den Ein-
und Ausbau von Messmodulen ohne Unterbrechung der Verbindungen zum Datensammelrechner.
[0008] Die Messmodule in der ersten Konfiguration und ggf. die übergeordnete Datenverarbeitung
in der zweiten Konfiguration sind stellwerkseitig angeordnet, so dass es sich um ein
Ferndiagnosesystem handelt. Dabei sind die Messmodule konstruktiv als "intelligente
Klemmen" ausgeführt, d. h. die Messmodule werden auf Klemmleisten von Kabelabschlusseinheiten
des Stellwerks aufgerastet und wie eine Klemme angeschlossen. Eine zusätzliche Verkabelung
oder Schleifenführung der Weichenantriebsleitung entfällt.
[0009] Für Konfiguration 1 - Anwendungen ergibt sich eine sehr einfache und kostengünstige
Lösung. Vorteilhaft ist darüber hinaus, dass ausgehend von der Konfiguration 1 lediglich
eine Ergänzung mit einem beliebigen Datensammelrechner, beispielsweise PC, IPC oder
Kontrolleinheit, und einem Datenkabel über die standardisierte serielle Schnittstelle
erforderlich ist, um ein sehr komfortables Diagnose- und Überwachungssystem aufzubauen.
Die Intelligenz der Diagnose und Überwachung liegt konzentriert im Messmodul vor.
Der Datensammelrechner übernimmt nur noch Verwaltungsfunktionen. Letztlich sind durch
die Kompaktheit des Messmoduls Verteilungen der Funktionalität auf verschiedene Einheiten
zur Signalkonditionierung, Zwischenspeicherung, Verarbeitung, Berechnung und Übergabe
an übergeordnete Datenverarbeitungseinheiten entbehrlich. Die Berechnung der Wirkleistung
findet in Realtime statt, so dass Zwischenspeicherungs- und Synchronisationsprobleme
nicht auftreten.
[0010] Gemäß Anspruch 2 sind in dem Messmodul folgende Hardware-Komponenten enthalten:
- Stromwandler mit Hallsensor für die Anwendung im Frequenzbereich von DC -0Hz- bis
ca. 100Hz Wechsel-/Drehstrom,
- Spannungsmesseinheit mit einem Potential trennenden Wandler,
- Anpassschaltungen zur Anschaltung der Strom- und Spannungs-Messkanäle an A/D-Wandler
eines Controllers,
- ein Controller mit einem Speicher,
- die Schnittstelle zur Kommunikation mit einer übergeordneten Datenverarbeitungseinheit
und
- Anzeige- und Bedienelemente.
Das Messmodul ist somit für folgende Funktionen konzipiert:
- Messung von Strom und Spannung eines Weichenantriebes,
- Signalanpassung an die Controller-Hardware,
- Berechnung der Wirkleistung des zu überwachenden Weichenantriebes in Echtzeit, d.
h. ohne Zwischenspeicherung von Strom- und Spannungswerten,
- Speicherung der letzten Messergebnisse,
- Speicherung von Referenzwerten und Alarmwerten,
- Vergleich der letzten Messergebnisse mit den Referenz- bzw. Alarmwerten,
- Darstellung der Vergleichsergebnisse auf einer Anzeigeeinheit und
- Organisation der Telegramme bei Kopplung an die Schnittstelle.
Das Messmodul vereinigt die gesamte Funktionalität eines Diagnose- und Überwachungssystems
in einer sehr kompakten konstruktiven Einheit.
[0011] Die Erfindung wird nachfolgend anhand figürlicher Darstellungen erläutert. Es zeigen:
- Figur 1
- eine Hardware-Architektur eines Messmoduls,
- Figur 2
- eine erste Konfiguration zum Einsatz der Messmodule und
- Figur 3
- eine zweite Konfiguration zum Einsatz der Messmodule.
[0012] Figur 1 veranschaulicht die wesentlichen Hardwarekomponenten eines Messmoduls 21
als autonom funktionsfähiges Kernelement eines Weichendiagnosesystems. Die drei Adern
1, 2 und 3 zur Bestromung eines Weichenantriebs 23 (Fig. 2/3) sind jeweils mit einer
Strommesseinrichtung 4 mit Hallsensor 5 und Stromwandler 6 beschaltet. Außerdem ist
jede Ader 1, 2 und 3 mit einer Spannungsmesseinrichtung 7 verbunden, wobei die Spannung
relativ zu einem Nullleiter 8 gemessen wird und über einen Potential trennenden Wandler
9 ausgegeben wird. Ein Strommesskanal 10 und ein Spannungsmesskanal 11 jeder Ader
1, 2 und 3 ist jeweils über eine Messkanalanpassung 12 bzw. 13 mit einem A/D-Wandler
14 eines Controllers 15 verbunden. Der Controller 15 ermittelt aus den Spannungs-
und Stromwerten die Wirkleistung und vergleicht diese mit in einem Speicher 16 abgelegten
Sollwerten. Der Controller 15 ist außerdem mit Bedienelementen 17 und Anzeigeelementen
18 verbunden. Über eine Buskopplung 19 können die Diagnoseergebnisse an einer Schnittstelle
20 des Messmoduls 21 abgegriffen werden.
[0013] Figur 2 zeigt Messmodule 21 in einer ersten Konfiguration zum autonomen Betrieb.
Dazu ist in die Antriebsverkabelung 22 eines Weichenantriebes 23 das Messmodul 21
eingeschleift, wobei für alle Messmodule 21 eine gemeinsame Stromversorgungseinrichtung
24 vorgesehen ist. Das Messmodul 21 erfasst elektrische Parameter, die von einem stellwerkseitig
angesteuerten Stellteil 25 vorgegeben werden und von dem Weichenantrieb 23 entsprechend
seines Funktionszustandes weiterverarbeitet werden.
[0014] In einer zweiten Konfiguration, die in Figur 3 veranschaulicht ist, werden zusätzlich
die peripheren Schnittstellen 20 der Messmodule 21 zum Anschluss eines Datensammelrechners
26 genutzt. Der Datensammelrechner 26 beinhaltet verschiedene Funktionalitäten, die
insbesondere zur automatischen Auswertung der Diagnoseergebnisse dienen. Dazu ist
der Datensammelrechner 26 mit einem Massenspeicher 27 zur Datenverwaltung und -archivierung
ausgestattet. Zum Anschluss an übergeordnete Einrichtungen der Leit- und Serviceebene
können verschiedene Schnittstellen, beispielsweise ISDN 28, Funk 29 oder Ethernet
30 vorgesehen sein. Optional kann der Datensammelrechner 26 mit einem Monitor 31 zur
Visualisierung der ausgewerteten Zusammenhänge ausgestattet sein.
1. Weichendiagnosesystem mit einer Messwerterfassungseinrichtung, die mit einer Antriebsverkabelung
der Weichen verbunden ist und zur Erfassung elektrischer Messgrößen ausgebildet ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
in die Antriebsverkabelung jeder Weiche ein Messmodul (21) eingeschleift ist, wobei
das Messmodul (21) Mittel zur Messwerterfassung, -auswertung und -anzeige sowie Schnittstellenmittel
(20) zum Anschluss peripherer Geräte, insbesondere Datensammelrechner (26), Fernsteuereinrichtung
und Softwareupdateeinrichtung, aufweist.
2. Weichendiagnosesystem nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Messmodul (21) eine Strommesseinrichtung (4) mit einem Hallsensor (5), eine Spannungsmesseinrichtung
(7) mit einem Potential trennenden Wandler (9), einem A/D-Wandler (14) vorgeschaltete
Messkanalanpassungen (12, 13), einen den A/D-Wandler (14) und einen Speicher (16)
umfassenden Controller (15), die Schnittstellenmittel (20) sowie Anzeige- und Bedienelemente
(17, 18) aufweist.
IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE
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In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente