[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Temperierung eines
Stahlblechkörpers.
[0002] Zur Gewichtsreduzierung werden beispielsweise in Automobilkarosserien Metallbleche
bzw. Blechformteile aus hochfesten Stahllegierungen eingesetzt, die bei gleicher Festigkeit
eine Auslegung mit geringerer Blechdicke ermöglichen. Hochfeste Bleche weisen jedoch
bisweilen bei einer Kaltumformung kein ausreichendes Formänderungsvermögen auf. Daher
werden zur Umformung von Werkstücken aus hochfesten Metallblechen Umformprozesse bei
erhöhten Temperaturen, d.h. Warmumformprozesse, wie das sogenannte Presshärten, eingesetzt.
Hierbei werden die umzuformenden Blechplatinen durch Erwärmung auf eine Temperatur
oberhalb A
c3 vollständig austenitisiert (sog. Austenitisierung) und anschließend in ein Presswerkzeug
eingelegt, umgeformt (sog. Warmumformen) und im Werkzeug abgekühlt und gehärtet (sog.
direktes Presshärten).
[0003] In der industriellen Produktionspraxis kommen zur Erwärmung des Stahlblechkörpers
während des Austenitisierens Rollendurchlauföfen zum Einsatz. Dabei wird der Stahlblechkörper
in den Ofen gegeben und während des Durchlaufs durch den Rollendurchlaufofen relativ
langsam aufgeheizt. Die Verweildauer des Stahlblechkörpers innerhalb des Ofens beträgt
typischerweise ca. 5 bis 10 Minuten.
Nachdem der Stahlblechkörper den Ofen durchlaufen hat bzw. durch andere Wärmeverfahren
erhitzt wurde, wird diese umgehend in ein Presswerkzeug eingelegt. Dann wird die Umformphase
des Prozesses eingeleitet, wobei die beiden Hälften des Werkzeugs geschlossen werden.
Durch den Kontakt mit dem in der Regel wassergekühlten Werkzeug kommt es während der
Umformung zur schnellen Abkühlung des Stahlblechkörpers. Die Schließung der Werkzeughälften
muss vor der Abkühlung des Stahlblechkörpers auf die Temperatur der martensitischen
Gefügeumwandlung (ca. 400 °C) erfolgen. Nachdem dieser Umformschritt abgeschlossen
ist, bleibt das umgeformte Bauteil im Werkzeug liegen und wird weiter abgeschreckt,
wodurch die induzierte martensitische Gefügeumwandlung abgeschlossen und die Endeigenschaften
des Bauteils erreicht werden.
Der Transport zwischen dem Ofen und dem Presswerkzeug stellt einen fehlerträchtigen
Prozessschritt dar. So lässt sich während des Transports die Temperatur des Blechwerkstoffs
nur bedingt steuern und kontrollieren, da die zeitlichen und thermischen Rahmenbedingungen
bei der Übergabe des Stahlblechkörpers vom Ofen in ein nachfolgendes Umformwerkzeug
nicht genau definiert und sicher reproduziert werden können. Dies kann zu unkontrollierbaren
Änderungen der Eigenschaften des Blechwerkstoffs und damit des Umformverhaltens führen.
Auch besitzen die Blechwerkstoffe, wenn sie aus dem Ofen kommen, eine relativ hohe
Temperatur. Dies führt zum einen zu einem erhöhten Verschleiß am Umformwerkzeug. Zum
anderen erhöhen sich die für die Warmumformung benötigten Taktzeiten, da für die Abkühlung
des Blechwerkstoffes im Werkzeug auf eine Temperatur, die das Entformen zulässt, eine
relativ lange Zeitspanne nötig ist.
[0004] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Temperierung
mindestens eines Stahlblechkörpers zwischen der Austenitisierung und dem Warmumformen
bereitzustellen.
Insbesondere soll dabei einerseits der Verschleiß der Werkzeuge durch die kleineren
Temperaturgradienten und geringere Schrumpfung des Stahlblechkörpers im Werkzeug reduziert
werden. Anderseits soll durch die Verringerung der Abkühlzeit im Werkzeug eine Verkürzung
der Taktzeiten der Presse erreicht werden.
[0005] Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 realisiert.
Vorteilhafte Ausführungsformen des Verfahrens werden in den Unteransprüchen 2 - 8
realisiert. Für die Vorrichtung wird die Aufgabe durch die Merkmale des Patentanspruchs
9 gelöst. Vorteilhafte Ausführungsformen des Verfahrens werden in den Unteransprüchen
10 - 14 realisiert.
[0006] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zur Temperierung mindestens eines Stahlblechkörpers
zwischen der Austenitisierung und dem Warmumformen wird der sich auf Austenitisierungstemperatur
befindende Stahlblechkörper in seiner Lage fixiert, mindestens eine erste Kontaktplatte
mit mindestens einem ersten Flächenabschnitt des Stahlblechkörpers in Kontakt gebracht
und mindestens eine zweite Kontaktplatte mit mindestens einem zweiten Flächenabschnitt
des Stahlblechkörpers in Kontakt gebracht. Die Kontaktplatten sind flächig im wesentlichen
oder vollständig entsprechend der Kontur der Flächenabschnitte des Stahlblechkörpers
ausgebildet und im Zustand der Kontaktierung mit dem Stahlblechkörper im wesentlichen
parallel zueinander verlaufend angeordnet. Mindestens eine Kontaktplatte besitzt während
der Kontaktierung des Stahlblechkörpers eine gegenüber dem Stahlblechkörper niedrigere
Temperatur.
[0007] Unter einem Stahlblechkörper werden hierbei sowohl einzelne im wesentlichen planar
geformte Bleche und Blechplatinen aus Stahl, als auch dreidimensional geformte Blechformkörper
aus Stahl und auch Bauteile, die aus mehreren derartiger Bleche aufgebaut sind, verstanden.
[0008] Unter der Austenitisierungstemperatur wird diejenige oberhalb von A
c3 liegende Temperatur verstanden, bei der der Stahlblechkörper austenitisiert wurde.
[0009] Durch den Kontakt der Kontaktplatten mit dem Stahlblechkörper wird eine schnelle
Temperierung, d.h. eine Abkühlung von der Austenitisierungstemperatur auf eine niedrigere
Temperatur, erreicht. Wird der Stahlblechkörper anschließend in einem Warmumformprozess
umgeformt, so erfolgt diese Umformung zeitlich nach dem erfindungsgemäßen Temperierverfahren.
Dadurch wird die Wärmebelastung der Umformwerkzeuge verringert und die Taktzeiten
verringert.
[0010] Durch das erfindungsgemäße Verfahren ist es möglich, eine genau definierte Temperatur
in die Bereiche des Stahlblechkörpers, die mit den Kontaktflächen in Verbindung stehen,
einzubringen. Dadurch können die sich durch die Temperierung einstellenden Werkstoffeigenschaften
sehr exakt und homogen eingestellt werden.
[0011] Das erfindungsgemäße Verfahren ist variabel einsetzbar. Insbesondere können die Temperatur,
die die Kontaktplatte besitzt bzw. auf die der Stahlblechkörper gebracht wird, sowie
die Zeitspanne, für die die Kontaktierung zwischen Kontaktplatten und Stahlblechkörper
besteht, nahezu beliebig gewählt werden. So ist es möglich, das erfindungsgemäße Verfahren
variabel an die gewünschten Parameter der Temperierung sowie an den zu behandelnden
Werkstoff anzupassen.
[0012] Der Kontakt zwischen Stahlblechkörper und Kontaktplatten kann derart ausgebildet
sein, dass sich die Kontaktplatten und der Stahlblechkörper direkt berühren. Es kann
allerdings auch eine Zwischenschicht, wie etwa ein Kontaktmittel, das den Temperaturausgleich
zwischen Kontaktplatte und Stahlblechkörper verbessert, vorhanden sein.
[0013] Es kann sowohl nur ein Stahlblechkörper als auch mehrere Stahlblechkörper gleichzeitig
zwischen den Kontaktplatten erfasst werden.
[0014] Die mit den Kontaktplatten in Verbindung stehenden Flächenabschnitte können sich
sowohl über weite Teile des Stahlblechkörpers erstrecken bzw. diesen vollkommen bedecken
als auch nur kleine, lokal begrenzte Bereiche des Stahlblechkörpers bilden. Stehen
nur lokal begrenzte Bereiche mit den Kontaktplatten in Verbindung kann dadurch eine
lokale thermische Behandlung des Stahlblechkörpers durchgeführt werden.
[0015] In einem bevorzugten Ausführungsbeispiel des Verfahrens wird eine sich auf Austenitisierungstemperatur
befindende flach ausgebildete Blechplatine aus einem Stahl der Zusammensetzung 22MnB5
mit einer AlSi10-Beschichtung als Stahlblechkörper zwischen einer ersten Kontaktplatte
und einer zweiten Kontaktplatte fixiert. Die Kontaktplatten weisen eine Temperatur
zwischen 400°C und 600°C auf. Nachdem der Stahlblechkörper durch die Kontaktplatten
für eine Zeitspanne von beispielsweise 10 s bis 120 s kontaktiert wurde, wird er in
ein Umformwerkzeug gegeben und warmumgeformt.
[0016] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen des Verfahrens können folgende zusätzliche Merkmale
aufweisen:
- Mindestens eine Kontaktplatte kann während der Kontaktierung eine Temperatur zwischen
300 °C und 800 °C, vorzugsweise zwischen 400 °C und 600 °C, besitzen.
- Die Kontaktplatten können auf den Stahlblechkörper gepresst werden. Dies hat den Vorteil,
dass ein Kontakt zwischen Kontaktplatten und Metallkörper besonders sicher gewährleistet
wird. Darüber hinaus ist dadurch eine Minimierung der Verzüge besonders wirkungsvoll
möglich.
- Die Temperatur der mindestens einen Kontaktplatte mit höherer Temperatur kann vor
und/oder während der Kontaktierung des Stahlblechkörpers mit den Kontaktplatten durch
eine Temperaturregeleinrichtung geregelt werden.
- Die Temperatur der mindestens einen Kontaktplatte mit höherer Temperatur kann vor
und/oder während der Kontaktierung des Stahlblechkörpers mit den Kontaktplatten durch
eine Temperaturkontrolleinrichtung kontrolliert werden.
- Die Temperatur kann in mindestens einem Teilbereich der mindestens einen Kontaktplatte
mit höherer Temperatur vor und/oder während der Kontaktierung des Stahlblechkörpers
mit den Kontaktplatten durch eine Temperaturregeleinrichtung geregelt werden.
- Es kann in einem weiteren Verfahrensschritt mindestens eine Kontaktplatte entfernt
werden. Dadurch wird es möglich, die Ausbildung des Temperaturprofils des Metallkörpers
durch das Entfernen einer oder mehrerer Kontaktplatten zu beeinflussen.
- Mindestens eine der Kontaktplatten kann gekühlt werden. Durch die aktive Kühlung der
Kontaktplatten kann die Temperatur des Stahlblechkörpers exakt gesteuert werden. Insbesondere
kann dadurch die Abkühlgeschwindigkeit des Stahlblechkörpers genau eingestellt werden.
- Der Stahlblechkörper kann eine Schutzschicht, insbesondere ein Al-Si-Schutzschicht
oder eine Zinkschutzschicht, aufweisen. Insbesondere können hochfeste, verzinkte Bleche
und Blechformteile aus dem Karosseriebau eingesetzt werden. Bei derartigen Metallkörpern
mit einer Zinkschicht verhindert der Kontakt zwischen Metallkörper und Kontaktplatte
die Beschädigung bzw. Zerstörung der Zinkschicht.
[0017] Die erfindungsgemäße Vorrichtung ist zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens
ausgebildet und weist eine erste flächig ausgebildete Kontaktplatte, eine zweite flächig
ausgebildete Kontaktplatte, welche im Wesentlichen parallel zur ersten Kontaktplatte
angeordnet ist, mindestens einer Wärmequelle, welche mit mindestens einer der Kontaktplatten
in Verbindung steht, sowie eine Schließvorrichtung zur Variation des Abstandes der
parallel zueinander angeordneten Kontaktplatten auf.
[0018] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Vorrichtung können folgende zusätzliche Merkmale
aufweisen:
- Die Vorrichtung kann eine Temperaturregeleinrichtung und/oder eine Temperaturkontrolleinrichtung
aufweisen.
- Die Kontaktplatten können aus einem Metall und/oder aus Keramik bestehen.
- Die mindestens eine Wärmequelle kann in einer Kontaktplatte integriert sein.
- Die mindestens eine Wärmequelle kann als induktive oder konduktive Wärmequelle ausgebildet
sein.
- Mindestens eine Kontaktplatte kann Kühlkanäle aufweisen.
[0019] Die Kontaktplatten können sowohl alle aus dem gleichen Werkstoff als auch aus unterschiedlichen
Werkstoffen hergestellt sein. Vorzugsweise bestehen Kontaktplatten, die erwärmt werden,
aus einem metallischen Werkstoff, beispielsweise aus Stahl.
[0020] Kontaktplatten, die nicht erwärmt werden, können bevorzugt sowohl aus metallischen
als auch nicht-metallischen Werkstoffen hergestellt werden. In besonders vorteilhafter
Weise werden Kontaktplatten, die nicht erwärmt werden, aus einem Isolationsmaterial
hergestellt. Dies hat den Vorteil, dass der Wärmeverlust verringert wird.
[0021] Die Kontaktplatten können eine Isolationsschicht aufweisen. Auch dadurch kann der
Wärmeverlust verringert werden.
[0022] Die Erfindung ist anhand von Ausführungsbeispielen in den Zeichnungsfiguren weiter
erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Schnittdarstellung einer Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens,
- Fig. 2
- eine schematische Schnittdarstellung einer weiteren Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Verfahrens,
- Fig. 3a
- eine schematische Schnittdarstellung eines ersten Verfahrensschrittes zu einer Temperierung
der Kontaktplatten,
- Fig. 3b
- eine schematische Schnittdarstellung eines zweiten Verfahrensschrittes zu einer Anwendung
der Kontaktplatten,
- Fig. 3c
- eine schematische Schnittdarstellung eines dritten Verfahrensschrittes zu einer Anwendung
der Kontaktplatten.
[0023] Fig. 1 zeigt in schematischer Schnittdarstellung eine Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Verfahrens. Der Stahlblechkörper 1 ist durch das Verschieben der ersten Kontaktplatte
2 mit Hilfe der Schließvorrichtung 11 in Richtung 4 mit der ersten Kontaktplatte 2
in Kontakt gebracht worden. Ein erster Flächenabschnitt 6 des Stahlblechkörpers 1
steht mit der ersten Kontaktplatte 2 in Verbindung. Der erste Flächenabschnitt 6 liegt
auf der Blechoberseite und der zweite Flächenabschnitt 7 befindet sich auf der Blechunterseite.
[0024] In der in Fig. 1 dargestellten Ausführungsform entsprechen der erste Flächenabschnitt
6 und der zweite Flächenabschnitt 7 einen Teilbereich der Ober- bzw. Unterseite des
flach ausgebildeten Stahlblechkörpers 1. Es sind jedoch auch Ausführungsformen möglich,
in denen der erste Flächenabschnitt 6 bzw. der zweite Flächenabschnitt 7 der gesamten
Unterseite bzw. der gesamten Oberseite eines flach ausgebildeten Stahlblechkörpers
1 entsprechen.
[0025] Außerdem ist der Stahlblechkörper 1 mit der zweiten Kontaktplatte 3 in Kontakt gebracht
worden. Ein zweiter Flächenabschnitt 7 steht mit der zweiten Kontaktplatte 3 in Verbindung.
[0026] Dabei sind die Kontaktplatten 2,3 flächig entsprechend der Kontur der Flächenabschnitte
6,7 des Stahlblechkörpers 1 ausgebildet und im Zustand der Kontaktierung mit dem Metallkörper
1 parallel zueinander verlaufend angeordnet.
[0027] In der Ausführungsform nach Fig. 1 wird durch die Schließvorrichtung 11 die Kontaktplatte
2 in ihrem Abstand zur Kontaktplatte 3 variiert. Dadurch ist das Auseinander- und
Zusammenfahren der Kontaktplatten 2,3 und damit die Kontaktierung eines zwischen diesen
eingebrachten Stahlblechkörpers 1 möglich.
[0028] Zur Kontaktierung der Kontaktplatten 2,3 mit dem Stahlblechkörper 1 sind jedoch auch
anders aufgebaute Schließvorrichtungen geeignet. So kann entweder nur eine Kontaktplatte
oder mehrere Kontaktplatten verschiebbar sein.
[0029] Die Kontaktierung kann derart gestaltet sein, dass die erste Kontaktplatte 2 und
die zweite Kontaktplatte 3 simultan mit dem Stahlblechkörper 1 in Kontakt gebracht
werden. Es kann aber auch zunächst eine Kontaktplatte 2 mit dem Stahlblechkörper 1
in Kontakt gebracht werden und erst zeitlich später eine zweite Kontaktplatte 3 hinzukommen.
[0030] Die zweite Kontaktplatte 3 wird bzw. wurde durch eine Energiequelle 5 auf eine gegenüber
dem Stahlblechkörper 1 erniedrigte Temperatur gebracht. Mit anderen Worten wird bzw.
wurde die Kontaktplatte 3 auf eine Temperatur gebracht, die zwar oberhalb der Raumtemperatur
liegt, jedoch unterhalb der Austenitisierungstemperatur. Unter Energiequelle 5 wird
im weiteren jede Einrichtung verstanden, die zur Erwärmung von Gegenständen eingesetzt
werden kann.
[0031] Nicht in den Figuren dargestellt ist eine Kühlvorrichtung. Diese kann entweder in
unmittelbarer Nähe zu einer oder zu beiden der Kontaktplatten 2,3 angebracht sein
oder in diese integriert sein. Beispielsweise können in eine oder in beide Kontaktplatten
2,3 Kühlkanäle eingebracht sein. Dies ermöglicht die Durchleitung von flüssigen oder
gasförmigen Kühlmitteln durch die Kontaktplatten 2,3 , was zu einer besonders exakten
Kühlung führt.
[0032] Im Zusammenspiel mit der Energiequelle 5 kann die Kühlvorrichtung die Temperatur
der Kontaktplatten 2,3 damit besonders exakt regeln.
[0033] Die Kontaktplatten 2,3 sind dabei parallel zueinander verlaufend angeordnet. Die
zweite Kontaktplatte 3 weist eine Isolationsschicht 8 auf. Durch diese Isolationsschicht
8 kann der Wärme- bzw. Kühlverlust verringert werden.
[0034] Während der Kontaktierung der Kontaktplatten 2,3 mit dem Stahlblechkörper 1 kann
die Temperatur des Stahlblechkörpers 1 konstant gehalten werden. Es ist jedoch auch
möglich die Temperatur des Stahlblechkörpers 1 im Verlauf der Kontaktierung durch
die definierte Änderung der Temperaturen der Kontaktplatten 2,3 zu variieren. Somit
ist eine sehr variable Anpassung des Temperatur-Zeit-Verlaufs möglich.
[0035] Der Temperaturverlauf entlang einer Kontaktplatte 2,3 kann derart ausgebildet sein,
dass sich über die gesamte Kontaktplatte 2,3 eine nahezu konstante Temperatur einstellt.
Die Kontaktplatte 2,3 kann jedoch auch derart erwärmt oder gekühlt werden, dass sich
innerhalb der Kontaktplatte 2,3 Bereiche mit unterschiedlichen Temperaturen bilden.
Somit wird es möglich in unterschiedlichen Bereichen des Stahlblechkörper 1 unterschiedliche
Temperatur-Zeit-Verläufe zu verwirklichen und damit eine selektive und individuell
an den Anwendungszweck angepasste Temperaturbeaufschlagung einzelner Teilbereiche
der Flächenabschnitte 6 und 7 des Stahlblechkörpers 1 zu erzielen.
[0036] Der mit den Kontaktplatten 2,3 in Kontakt gebrachten erste Flächenabschnitt 6 und
zweite Flächenabschnitt 7 des Stahlblechkörpers 1 können die gleiche Größe besitzen.
Sie können jedoch auch unterschiedliche Größen besitzen (nicht abgebildet).
[0037] An der Kontaktplatte 2 ist eine Temperaturregeleinrichtung 9 und eine Temperaturkontrolleinrichtung
10 angebracht sein. Ferner kann auch ein Temperatursensorelement (nicht abgebildet)
angebracht sein. Dies ermöglicht die Messung der Temperatur des Stahlblechkörpers
1 und/oder der Kontaktplatten 2,3. Die auf diese Weise gemessene Temperatur kann beispielsweise
als Eingangsgröße für die Temperaturregeleinrichtung 9 und/oder die Temperaturkontrolleinrichtung
10 dienen, die den Temperatur-Zeit-Verlauf der thermischen Behandlung steuert und/oder
regelt bzw. kontrolliert. Die Temperaturregeleinrichtung 9 kann hierbei sowohl die
Energiequelle 5 als auch die Kühlvorrichtung steuern und damit für eine besonders
exakte Temperierung der Kontaktplatten 2,3 und damit des Stahlblechkörpers 1 sorgen.
[0038] Das Verfahren kann auch derart ausgestaltet sein, dass gleichzeitig mehrere Stahlblechkörper
1 gleichzeitig im Kontakt mit mindestens einer ersten und/oder einer mindestens einer
zweiten Kontaktplatte in Kontakt gebracht werden.
[0039] Fig. 2 zeigt eine schematische Schnittdarstellung einer weiteren Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens. Der Stahlblechkörper 1 wurde durch Verschieben der
ersten Kontaktplatte 2 mit dieser sowie einer zweiten Kontaktplatte 3 in Kontakt gebracht.
Dabei erfolgt die Verschiebung der beiden parallel zueinander angeordneten Kontaktplatten
2,3 durch die Schließvorrichtung 11. Die erste Kontaktplatte 2 wird bzw. wurde durch
eine Energiequelle 5 und eine Kühlvorrichtung (nicht dargestellt) auf eine gegenüber
dem Stahlblechkörper erniedrigte Temperatur gebracht. Die zweite Kontaktplatte 3 wird
bzw. wurde durch eine weitere Energiequelle 5 und eine weitere Kühlvorrichtung (nicht
dargestellt) auf eine gegenüber dem Stahlblechkörper erhöhte Temperatur gebracht.
Dabei können die erste Kontaktplatte 2 und die zweite Kontaktplatte 3 durch die Energiequellen
5 und die Kühlvorrichtungen sowohl auf die gleiche Temperatur als auch auf unterschiedliche
Temperaturen gebracht werden.
[0040] Fig. 3a zeigt eine schematische Schnittdarstellung eines ersten Verfahrensschrittes
zu einer Temperierung der Kontaktplatten. Die erste Kontaktplatte 2 und zweite Kontaktplatte
3 werden zeitlich vor der Kontaktierung mit dem Stahlblechkörper in gegenseitigen
Kontakt zueinander gebracht. Anschließend wird die zweite Kontaktplatte 3 durch die
Energiequelle 5 auf eine Temperatur aufgeheizt, die oberhalb von Raumtemperatur und
unterhalb der Austenitisierungstemperatur liegt. Die Temperatur überträgt sich anschließend
auf die mit der zweiten Kontaktplatte 3 in Kontakt stehenden ersten Kontaktplatte
2.
[0041] Fig. 3b zeigt eine schematische Schnittdarstellung eines zweiten Verfahrensschrittes
zu einer Anwendung der Kontaktplatten, der sich an den in Fig. 3a dargestellten Verfahrensschritt
anschließt. Die erste Kontaktplatte 2 und die zweite Kontaktplatte 3 werden voneinander
getrennt. Der sich auf Austenitisierungstemperatur befindende Stahlblechkörper 1 wird
zwischen die getrennten Kontaktplatten 2,3 eingeführt.
[0042] Fig. 3c zeigt eine schematische Schnittdarstellung eines dritten Verfahrensschrittes
zu einer Anwendung der Kontaktplatten 2 und 3, der sich an den in Fig. 3b dargestellten
Verfahrensschritt anschließt. Die erste Kontaktplatte 2 und die zweite Kontaktplatte
3 wurden durch Schließen der Schließvorrichtung 11 mit dem Stahlblechkörper 1 in Kontakt
gebracht. Dabei besitzen sowohl die erste Kontaktplatte 2 als auch die zweite Kontaktplatte
2 eine gegenüber dem Stahlblechkörper 1 erniedrigte Temperatur.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0043]
- 1
- Stahlblechkörper
- 2
- Erste Kontaktplatte
- 3
- Zweite Kontaktplatte
- 4
- Richtung
- 5
- Energiequelle
- 6
- Erster Flächenabschnitt
- 7
- Zweiter Flächenabschnitt
- 8
- Isolationsschicht
- 9
- Temperaturregeleinrichtung
- 10
- Temperaturkontrolleinrichtung
- 11
- Schließvorrichtung
1. Verfahren zur Temperierung mindestens eines Stahlblechkörpers zwischen der Austenitisierung
und dem Warmumformen,
wobei
- der sich auf Austenitisierungstemperatur befindende Stahlblechkörper (1) in seiner
Lage fixiert wird,
- mindestens eine erste Kontaktplatte (2) mit mindestens einem ersten Flächenabschnitt
(6) des Stahlblechkörpers (1) in Kontakt gebracht wird,
- mindestens eine zweite Kontaktplatte (3) mit mindestens einem zweiten Flächenabschnitt
(7) des Stahlblechkörpers (1) in Kontakt gebracht wird,
- die Kontaktplatten (2, 3) flächig im wesentlichen oder vollständig entsprechend
der Kontur der Flächenabschnitte (6,7) des Stahlblechkörpers (1) ausgebildet sind
und im Zustand der Kontaktierung mit dem Stahlblechkörper (1) im wesentlichen parallel
zueinander verlaufend angeordnet sind und
- mindestens eine Kontaktplatte (2, 3) während der Kontaktierung des Stahlblechkörpers
(1) eine gegenüber dem Stahlblechkörper (1) niedrigere Temperatur besitzt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei die mindestens eine Kontaktplatte (2, 3) mit niedrigerer
Temperatur während der Kontaktierung eine Temperatur zwischen 300 °C und 800 °C, vorzugsweise
zwischen 400 °C und 600 °C, besitzt.
3. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei die Kontaktplatten (2,3) auf
den Stahlblechkörper (1) gepresst werden.
4. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei die Temperatur in mindestens
einem Teilbereich der mindestens einen Kontaktplatte (2,3) mit niedrigerer Temperatur
vor und/oder während der Kontaktierung des Stahlblechkörpers (1) mit den Kontaktplatten
(2,3) durch eine Temperaturregeleinrichtung (9) geregelt und/oder durch eine Temperaturkontrolleinrichtung
(10) kontrolliert wird.
5. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei in einem weiteren Verfahrensschritt
mindestens eine Kontaktplatte (2,3) entfernt wird.
6. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei der Stahlblechkörper (1) in einem
unmittelbar anschließenden Arbeitsschritt umgeformt wird und der mindestens eine erste
Flächenabschnitt (6) und zweite Flächenabschnitt (7) im oder in der Nähe des umzuformenden
Bereichs liegen.
7. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei die mindestens eine Kontaktplatte
gekühlt wird.
8. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei der Stahlblechkörper (1) eine
Schutzschicht, insbesondere ein Al-Si-Schutzschicht oder eine Zinkschutzschicht, aufweist.
9. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
mit
- einer ersten flächig ausgebildeten Kontaktplatte (2),
- einer zweiten flächig ausgebildeten Kontaktplatte (3), welche im Wesentlichen parallel
zur ersten Kontaktplatte (2) angeordnet ist,
- mindestens einer Wärmequelle (5), welche mit mindestens einer der Kontaktplatten
(2, 3) in Verbindung steht,
- einer Schließvorrichtung (11) zur Variation des Abstandes der parallel zueinander
angeordneten Kontaktplatten (2, 3).
10. Vorrichtung nach Anspruch 9, wobei die Vorrichtung eine Temperaturregeleinrichtung
(9) und/oder eine Temperaturkontrolleinrichtung (10) aufweist.
11. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 - 10, wobei die Kontaktplatten (2, 3) aus Metall
und/oder aus Keramik bestehen.
12. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 - 11, wobei die mindestens eine Wärmequelle
(5) in einer der Kontaktplatten (2, 3) integriert ist.
13. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 - 12, wobei die mindestens eine Wärmequelle
(5) als induktive oder konduktive Wärmequelle ausgebildet ist.
14. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 - 13, wobei mindestens eine der Kontaktplatten
Kühlkanäle aufweist.