[0001] Die Erfindung betrifft eine Klemmvorrichtung für Fäden an einer Spindel einer Spinn-
oder Zwirnmaschine, welche an einem Spindeloberteil angeordnet ist, umfassend ein
feststehendes Klemmelement und ein axial verschiebbares, gegen das feststehende Klemmelement
durch Federkraft anpressbares Klemmelement, wobei das verschiebbare Klemmelement durch
kugelförmige Fliehkraftelemente entgegen der Federkraft mit einer Kraft beaufschlagbar
ist, die das verschiebbare Klemmelement in axialer Richtung derart zum feststehenden
Klemmelement beabstandet, dass sich zwischen diesen ein Klemmspalt ausbildet und dass
die Klemmvorrichtung der Anordnung und Führung der Fliehkraftelemente dienende, sich
in radialer Richtung erstreckende Halbschalen aufweist, wobei jeweils eine Halbschale
an dem verschiebbaren Klemmelement und die jeweils korrespondierende Halbschale an
einem fest angeordneten Sockelelement angeordnet ist, und die Halbschalen des verschiebbaren
Klemmelementes mit einer zur Horizontalen geneigten Kulisse und die korrespondierenden
Halbschalen des Sockelelementes mit einer zur Horizontalen im Wesentlichen parallelen
Kulisse ausgebildet sind.
[0002] Aus der
DE 10 2006 022 484 A1 ist eine fliehkraftbetätigte Klemmvorrichtung der eingangs genannten Art bekannt,
bei der die Umschlingung des Fadens im Unterwindebereich kleiner als 360° ist. Um
eine zuverlässige Klemmung vor dem Doffen beziehungsweise ein sicheres Anspinnen vor
dem Abschleudern des Faden nach dem Doffen zu erreichen, ist die Klemmvorrichtung
fliehkraftbetätigt ausgeführt. Wie in der
DE 10 2006 022 484 A1 ausgeführt, weisen die Kulissen der Halbschalen des verschiebbaren Klemmelementes
eine Neigung zur Horizontalen auf.
[0003] Der gewählte Neigungswinkel der Kulissen bestimmt bei der fliehkraftbetätigten Klemmvorrichtung,
bei welcher Grenzdrehzahl sich die Klemmvorrichtung öffnet beziehungsweise schließt,
um den Faden freizugeben und abzuschleudern oder zu klemmen.
[0004] Der Übergang zwischen dem Öffnen der Klemmvorrichtung und dem Schließen der Klemmvorrichtung
im Bereich der Grenzdrehzahl ist relativ schmal ausgebildet, so dass es beim schnellen
Hochlaufen der Spindel zu einem zu frühen Öffnen der Klemmvorrichtung kommen kann,
was das sichere Anspinnen gefährdet. Entsprechendes gilt auch beim Schließen der Klemmvorrichtung,
da es beim Abbremsen der Spindel zu einem zu frühen Schließen der Klemmvorrichtung
kommen kann, mit der Folge, dass der Faden nicht oder nur unzureichend eingeklemmt
wird, um ihn während des Doffvorganges zu festzuhalten.
[0005] Aufgabe der Erfindung ist es, die Klemmvorrichtung derart weiterzuentwickeln, dass
die Gefahr eines zu frühen Schließens beziehungsweise eines zu frühen Öffnens der
Klemmvorrichtung minimiert wird.
[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch eine Klemmvorrichtung mit den Merkmalen
des Anspruches 1 gelöst.
[0007] Vorteilhafte Ausgestaltungen einer solchen Klemmvorrichtung sind Gegenstand der Unteransprüche.
[0008] Gemäß Anspruch 1 wird vorgeschlagen, dass die zur Horizontalen geneigten Kulissen
der Halbschalen des verschiebbaren Klemmelementes derart ausgebildet sind, dass sie
ausgehend von der Halbschale des verschiebbaren Klemmelementes in Richtung der Längsachse
des Spindeloberteiles einen anderen Neigungswinkel aufweisen, als ausgehend von dem
Sockelelement in Richtung der Halbschale des verschiebbaren Klemmelementes. Die unterschiedlichen
Neigungswinkel im Verlauf der zur Horizontalen geneigten Kulissen führen zu einer
Vergrößerung der Hysterese zwischen der Öffnungsdrehzahl und der Schließdrehzahl.
Das heißt, es stellt sich ein Abstand zwischen dem Drehzahlbereich, bei dem es zu
einem Öffnen der Klemmvorrichtung kommt, und dem Drehzahlbereich, bei dem es zu einem
Schließen der Klemmvorrichtung kommt, ein. Durch die unterschiedlichen Neigungswinkel
im Verlauf der zur Horizontalen geneigten Kulisse lässt sich das Öffnen der Klemmvorrichtung
zur Freigabe des Klemmspaltes hin zu hohen Drehzahlen verschieben. Da für ein sicheres
Anspinnen und für einen schnellen Ballonaufbau ein zügiger Spindelhochlauf vorteilhaft
ist, kann durch eine geeignete Kombination der Neigungswinkel im Verlauf der zur Horizontalen
geneigten Kulissen erreicht werden, dass die Klemmvorrichtung den Klemmspalt erst
mit dem Erreichen einer Drehzahl freigibt, die oberhalb der Drehzahl liegt, bei der
das Anspinnen erfolgt und abgeschlossen wurde, um den eingeklemmten Faden abzuschleudern.
Umgekehrt führt die erfindungsgemäße Ausgestaltung der zur Horizontalen geneigten
Kulissen dazu, dass der Zeitpunkt des Schließens der Klemmvorrichtung hin zu einer
niedrigen Drehzahl, bis unmittelbar vor den Stillstand der Spindel, verschoben wird,
so dass ein ausgedehntes Zeitfenster für die Zufuhr des Fadens in den Klemmspalt und
das sichere Klemmen des Fadens vor dem Doffvorgang erzeugt wird.
[0009] Hierzu können die zur Horizontalen geneigten Kulissen der Halbschalen des verschiebbaren
Klemmelementes einen radial gekrümmten Verlauf aufweisen. Die Vergrößerung der Hysterese
resultiert aus unterschiedlichen Krümmungsradien im Verlauf der Kulisse.
[0010] Alternativ können die zur Horizontalen geneigten Kulissen der Halbschalen des verschiebbaren
Klemmelementes jeweils in einen ersten Abschnitt, der sich von der Halbschale ausgehend
in Richtung der Längsachse des Spindeloberteiles erstreckt, und einen zweiten Abschnitt,
der sich von dem Sockelelement ausgehend in Richtung der Halbschale des verschiebbaren
Klemmelementes erstreckt, unterteilt sein, wobei der erste Abschnitt und der zweite
Abschnitt unterschiedliche Neigungswinkel aufweisen.
[0011] Dabei sollte die Neigung des ersten Abschnittes geringer sein, als die Neigung des
zweiten Abschnittes. Der größere Neigungswinkel des zweiten Abschnittes verzögert
beim Beschleunigen der Spindel das Erreichen der jeweiligen Halbschale am verschiebbaren
Klemmelement der Fliehkraftelemente derart, dass das Öffnen der Klemmvorrichtung erst
bei einer hohen Drehzahl erfolgt. Der Faden wird gegenüber dem Stand der Technik länger
im Klemmspalt festgehalten. Umgekehrt führt die geringe Neigung des ersten Abschnittes
dazu, dass beim Abbremsen der Spindel die Fliehkraftelemente die jeweils korrespondierenden
Halbschalen an dem Sockelelement zeitlich verzögert erreichen, wodurch das Schließen
des Klemmspaltes zur Klemmung des in den Klemmspalt eingelegten Fadens hin zu niedrigen
Drehzahlen verschoben wird.
[0012] Vorzugsweise kann die Neigung des ersten Abschnittes zwischen 25° und 35° betragen.
[0013] Insbesondere kann die Neigung des zweiten Abschnittes zwischen 45° und 65° betragen.
[0014] Vorteilhafterweise kann in der Klemmvorrichtung ein viskoses Dämpfungsmedium angeordnet
sein. Hierbei kann es sich um ein Öl oder Fett, insbesondere Silikonöl oder -fett,
handeln, welches auf Grund seiner dämpfenden Eigenschaften zu einer zusätzlichen Beeinflussung
des Bewegungsablaufes der Klemmvorrichtung respektive der Fliehkraftelemente beiträgt.
[0015] Hierbei kann das viskose Dämpfungsmedium in Zwischenräumen der Klemmvorrichtung angeordnet
sein, die zwischen dem verschiebbaren und dem feststehenden Klemmelement ausgebildet
sind. Hierdurch wird der Bewegungsablauf der Klemmvorrichtung als Ganzes beeinflusst.
[0016] Ebenso kann das viskose Dämpfungsmedium in den Halbschalen angeordnet sein. Bei dieser
Variante wirkt das Dämpfungsmedium gezielt auf den Bewegungsablauf der Fliehkraftelemente
ein.
[0017] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von in den Zeichnungen dargestellten Ausführungsbeispielen
näher erläutert.
[0018] Es zeigen:
- Fig. 1
- eine perspektivische Teilansicht eines Spindeloberteiles;
- Fig. 2
- eine Schnittansicht einer erfindungsgemäßen Klemmvorrichtung in ihrer Klemmposition;
- Fig. 3
- eine Schnittansicht der Klemmvorrichtung in geöffneter Position;
- Fig. 4
- eine Schnittansicht einer zweiten Ausführungsform der Klemmvorrichtung in ihrer Klemmposition;
- Fig. 5
- eine Schnittansicht einer zweiten Ausführungsform der Klemmvorrichtung in geöffneter
Position.
[0019] In Fig. 1 ist ein Spindeloberteil 1 einer Spindel einer Textilmaschine, insbesondere
einer Spinn- und Zwirnspindel dargestellt. Das Spindeloberteil 1 weist einen Schaft
aus Metall auf, der der Aufnahme einer nicht dargestellten Hülse dient, auf die ein
Faden zu einem Kops aufgewickelt werden soll. Hierzu ist auf dem Spindeloberteil 1
ein nicht dargestellter Spinnring angeordnet, der das Spindeloberteil 1 konzentrisch
umgibt und auf dem ein Ringläufer umläuft, der den Faden zur Hülse umlenkt und auf
dieser aufwickelt. Am Spindeloberteil 1 ist ein Antriebswirtel 2 angeordnet, über
den das Spindeloberteil 1 während des Betriebes der Textilmaschine antreibbar ist.
[0020] Der Antriebswirtel 2 weist eine Passung 14 auf, die der Befestigung einer erfindungsgemäßen
Klemmvorrichtung 4 zur Klemmung des Fadens beim Doffen des hergestellten Kopses dient.
Die Klemmvorrichtung 4 ist fliehkraftbetätigt und kann zwei Positionen einnehmen,
eine Klemmposition, in der der Faden geklemmt wird, wie in Fig. 2 dargestellt ist,
und eine geöffnete Position, in der der Faden zugeführt beziehungsweise freigegeben
und abgeschleudert werden kann, wie in Fig. 3 dargestellt ist.
[0021] Fig. 2 stellt die erfindungsgemäße Klemmvorrichtung 4 in einer Schnittansicht in
ihrer Klemmposition dar. Die mit Bezug auf ihre Längsachse rotationssymmetrisch aufgebaute
Klemmvorrichtung 4 weist ein feststehendes Klemmelement 5 sowie ein gegenüber diesem
verschiebbares Klemmelement 6 auf. An dem feststehenden Klemmelement 5 ist auf der
dem verschiebbaren Klemmelement 6 zugewandten Unterseite ein ringförmiger Vorsprung
17 angeordnet. Wie in Fig. 2 dargestellt, liegt der Vorsprung 17 in geschlossener
Position der Klemmvorrichtung 4 an einer Andruckfläche 18 des verschiebbaren Klemmelementes
6 an. Die Andruckfläche 18 kann vorzugsweise auf ihrer dem Spindeloberteil 1 zugewandten
Innenseite, als auch auf der dem Spindeloberteil 1 abgewandten Außenseite des verschiebbaren
Klemmelementes 6 konisch ausgeführt sein. In der Klemmposition werden die Andruckfläche
18 und der Vorsprung 17 der Klemmelemente 5, 6 gegeneinander gepresst, während in
der geöffneten Position ein Klemmspalt 16 zwischen den beiden Klemmelementen 5, 6
entsteht, wie in Fig. 3 dargestellt ist. Die Klemmvorrichtung 4 ist mehrteilig ausgeführt
und umfasst neben dem feststehenden Klemmelement 5 und dem axial verschiebbaren, Klemmelement
6 ein Sockelelement 7, das sich in montierter Position der Klemmvorrichtung 4 an einem
flanschförmigen Absatz 10 des Antriebswirtels 2 abstützen kann, um die Klemmvorrichtung
4 in axialer Richtung zu fixieren. Das Sockelelement 7 greift in eine Rändelung 3
des Antriebswirtels 2 ein, um ein Verdrehen der Klemmvorrichtung 4 zu verhindern.
Das auf die Passung 14 des Antriebswirtels 2 aufgepresste feststehende Klemmelement
5 sichert die Klemmvorrichtung 4 in axialer Richtung.
[0022] Des Weiteren umfasst die Klemmvorrichtung 4 eine Druckfeder 8 sowie mehrere Fliehkraftelemente
9, die insbesondere als Kugeln ausgeführt sind, die unter einem Winkel zueinander
versetzt über den Umfang des Spindeloberteiles 1 gleichmäßig verteilt und zum Klemmspalt
16 beabstandet in der Klemmvorrichtung 4 angeordnet sind.
[0023] Das Sockelelement 7 dient auch der Aufnahme und Führung der Fliehkraftelemente 9.
Hierzu weist das im Wesentlichen zylindrische Sockelelement 7 eine zur Längsachse
des Spindeloberteiles 1 koaxiale Wandung 11 auf, die mit einer der Anzahl von Fliehkraftelementen
9 entsprechenden Anzahl von Durchbohrungen 12 versehen ist. Auf der dem Antriebswirtel
2 abgewandten Seite der Wandung 11 sind Halbschalen 13 angeordnet, die sich von den
Durchbohrungen 12 ausgehend radial zur Längsachse des Spindeloberteiles 1 nach außen
erstrecken. Die Halbschalen 13 schließen sich dabei an die Durchbohrungen 12 in axialer
Richtung an.
[0024] Um die Fliehkraftelemente 9 nahezu vollständig zu umschließen, weist das verschiebbare
Klemmelement 6 mit den Halbschalen 13 korrespondierende, sich in radial geneigter
Richtung erstreckende Halbschalen 15 auf. Die der Aufnahme der Fliehkraftelemente
9 dienenden Halbschalen 13, 15 sind entsprechend der Form der kugelförmigen Fliehkraftelemente
9 ausgebildet und an deren Abmessungen angepasst.
[0025] Die Führung der Fliehkraftelemente 9 in der Klemmvorrichtung 4 wird durch eine kulissenartige
Führung erreicht. Hierzu weisen die Halbschalen 15 des verschiebbaren Klemmelementes
6 jeweils eine zur Horizontalen geneigte Kulisse 20 und die Halbschalen 13 des Sockelelementes
7 eine sich in radialer Richtung erstreckende Kulisse 19 auf, in denen sich die kugelförmigen
Fliehkraftelemente 9 in radialer Richtung bewegen können.
[0026] Die zur horizontalen geneigte Kulisse 20 des verschiebbaren Klemmelementes 6 ist
in einen ersten Abschnitt 21 und einen zweiten Abschnitt 22 unterteilt. Der erste
Abschnitt 21 und der zweite Abschnitt 22 weisen dabei unterschiedliche Neigungswinkel
auf. Der Neigungswinkel des ersten Abschnittes 21, der sich von der Wandung des verschiebbaren
Klemmelementes 6 ausgehend in Richtung der Längsachse der Spindel 1 erstreckt, ist
kleiner ausgeführt, als der Neigungswinkel des zweiten Abschnittes 22, der sich ausgehend
von der dem Sockelelement 7 zugewandten Seite des verschiebbaren Klemmelementes 6
in Richtung der Halbschale 13 erstreckt. Der Neigungswinkel des ersten Abschnittes
21 beträgt vorzugsweise zwischen 25° und 35°, während der zweite Abschnitt 22 einen
Neigungswinkel zwischen 45° und 65° aufweist. Die Abschnitte 21 und 22 der jeweiligen
Kulissen 20 der Halbschalen 15, die symmetrisch in Umfangsrichtung der Klemmvorrichtung
4 angeordnet sind, weisen stets die gleichen Neigungswinkel auf, um eine gleichzeitige
Führung sowie Beeinflussung des Bewegungsablaufes der Fliehkraftelemente 9 zu erreichen,
um ein Verkanten im Inneren der Klemmvorrichtung 4 zu vermeiden.
[0027] Die Druckfeder 8 stützt sich an dem Sockelelement 7 und an dem das Sockelelement
7 umgebenden verschiebbaren Klemmelement 6 ab und drückt dieses in Richtung des feststehenden
Klemmelementes 5. Der Übergang zwischen der Klemmposition und der geöffneten Position
der Klemmvorrichtung 4 erfolgt beim Erreichen einer Drehzahl, die in Anhängigkeit
von den gewählten Neigungswinkeln des ersten Abschnittes 21 und des zweiten Abschnittes
22 variiert. Die größere Neigung des zweiten Abschnittes 22 führt dazu, dass beim
Beschleunigen der Spindel das Erreichen der Halbschale 13 des verschiebbaren Klemmelementes
6 durch die Fliehkraftelemente 9 verzögert wird. Die zur Überwindung der beim Klemmen
des Fadens im Klemmspalt 16 auf die Klemmelemente 5, 6 einwirkenden Federkraft erforderliche
Fliehkraft wird erst bei einer hohen Öffnungsdrehzahl erreicht. Diese liegt oberhalb
der Drehzahl, bei der das Anspinnen abgeschlossen worden ist. Hierdurch wird gewährleistet,
dass das für ein sicheres Anspinnen und das schnelle Ausbilden eines Fadenballons
erforderliche zügige Hochlaufen der Spindel nicht dazu führt, dass der eingeklemmte
Faden zu früh abgeschleudert wird.
[0028] Umgekehrt führt die gegenüber dem zweiten Abschnitt 22 geringere Neigung des ersten
Abschnittes 21 dazu, dass beim Abbremsen der Spindel zur Einleitung des Doffvorganges
und des damit verbundenen Einklemmens des Fadens die Fliehkraftelemente 9 in ihrem
Bewegungsablauf derart beeinflusst werden, dass sie ihre Position in den jeweiligen
Halbschalen 13 des verschiebbaren Klemmelementes 6 erst verlassen, wenn eine bestimmte
Drehzahl erreicht wird, die weit unterhalb der Öffnungsdrehzahl liegt. Die erfindungsgemäße
Beeinflussung des Bewegungsablaufes führt zu einer Vergrößerung der Hysterese zwischen
der Öffnungsdrehzahl und der Schließdrehzahl der Klemmvorrichtung 4. Somit wird die
fliehkraftbedingte Gegenkraft, die das Schließen der Klemmvorrichtung 4 auf Grund
der Federkraft der Druckfeder 8 verhindert, bis zu einer Drehzahl aufrechterhalten,
die beispielsweise in einem Bereich von etwa 2500 1/min - 4000 1/min liegt. Die Klemmvorrichtung
4 bleibt auch nach dem Stillstand der Spindel in geschlossener Position. Die Öffnungsdrehzahl
ist davon abhängig, welche Materialeigenschaften das auf der Spinnmaschine zu verarbeitende
Material aufweist, das heißt bei einer Verarbeitung von grobem Garn ist die Öffnungsdrehzahl
niedriger als bei der Verarbeitung von feinem Garn. Entsprechend ist die Neigung des
ersten Abschnittes 21 und die Neigung des zweiten Abschnittes 22 zu wählen, um eine
an das zu verarbeitende Garn angepasste Öffnungsdrehzahl zu erreichen. Die Öffnungsdrehzahl
beträgt mindestens das zweifache der Schließdrehzahl der Klemmvorrichtung 4.
[0029] Die Beeinflussung der Hysterese zwischen der Öffnungsdrehzahl und der Schließdrehzahl
der Klemmvorrichtung 4 kann darüber hinaus durch weitere konstruktive Maßnahmen zusätzlich
beeinflusst werden. Hierzu kann die Masse der Fliehkraftelemente 9 variieren und/
oder die Federsteifigkeit der Druckfeder 8. Ebenfalls kann durch die Verwendung eines
Dämpfungsmediums in den Kulissen, wie beispielsweise Öl oder Fett, insbesondere Silikonöl
oder Silikonfett, auf Grund der Viskosität des Dämpfungsmediums eine Verzögerung im
Bewegungsablauf der Fliehkraftelemente 9 erreicht werden, die zu einer Beeinflussung
der Hysterese beiträgt.
[0030] In den Fig. 4 und 5 ist eine alternative Ausführungsform der Klemmvorrichtung 4 in
geschlossener beziehungsweise geöffneter Position dargestellt. Die zweite Ausführungsform
der Klemmvorrichtung 4 unterscheidet sich von der ersten dadurch, dass die zur horizontalen
geneigte Kulisse 20 des verschiebbaren Klemmelementes 6 einen radial gekrümmten Verlauf
23 aufweist, so dass sie ausgehend von der Halbschale 15 des verschiebbaren Klemmelementes
6 in Richtung der Längsachse des Spindeloberteiles 1 einen anderen Neigungswinkel
aufweist, als ausgehend von dem Sockelelement 7 in Richtung der Halbschale 15 des
verschiebbaren Klemmelementes 6. Der radial gekrümmte Verlauf 23 der Kulisse 20 führt
in der gleichen Weise, wie bereits bei der ersten Ausführungsform beschrieben wurde,
zu einer Beeinflussung des Bewegungsablaufes der Fliehkraftelemente 9, wodurch die
Hysterese zwischen der Öffnungsdrehzahl und der Schließdrehzahl vergrößert wird.
1. Klemmvorrichtung (4) für Fäden an einer Spindel einer Spinn- oder Zwirnmaschine, welches
an einem Spindeloberteil (1) angeordnet ist, umfassend ein feststehendes Klemmelement
(5) und ein axial verschiebbares, gegen das feststehende Klemmelement (5) durch Federkraft
anpressbares Klemmelement (6), wobei das verschiebbare Klemmelement (6) durch kugelförmige
Fliehkraftelemente (9) entgegen der Federkraft mit einer Kraft beaufschlagbar ist,
die das verschiebbare Klemmelement (6) in axialer Richtung derart zum feststehenden
Klemmelement (5) beabstandet, dass sich zwischen diesen ein Klemmspalt (16) ausbildet,
und dass die Klemmvorrichtung (4) der Anordnung und Führung der Fliehkraftelemente
(9) dienende, sich in radialer Richtung erstreckende Halbschalen (13, 15) aufweist,
wobei jeweils eine Halbschale (15) an dem verschiebbaren Klemmelement (6) und die
jeweils korrespondierende Halbschale (13) an einem fest angeordneten Sockelelement
(7) angeordnet ist, und die Halbschalen (15) des verschiebbaren Klemmelementes (6)
jeweils mit einer zur Horizontalen geneigten Kulisse (20) und die korrespondierenden
Halbschalen (13) des Sockelelementes (7) jeweils mit einer zur Horizontalen im Wesentlichen
parallelen Kulisse (19) ausgebildet sind,
dadurch gekennzeichnet,
dass die zur Horizontalen geneigten Kulissen (20) der Halbschalen (15) des verschiebbaren
Klemmelementes (6) derart ausgebildet sind, dass sie ausgehend von der Halbschale
(15) des verschiebbaren Klemmelementes (6) in Richtung der Längsachse des Spindeloberteiles
(1) einen anderen Neigungswinkel aufweisen, als ausgehend von dem Sockelelement (7)
in Richtung der Halbschale (15) des verschiebbaren Klemmelementes (6).
2. Klemmvorrichtung (4) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die zur Horizontalen geneigten Kulissen (20) der Halbschalen (15) des verschiebbaren
Klemmelementes (6) einen radial gekrümmten Verlauf (23) aufweisen.
3. Klemmvorrichtung (4) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die zur Horizontalen geneigten Kulissen (20) der Halbschalen (15) des verschiebbaren
Klemmelementes (6) jeweils in einen ersten Abschnitt (21), der sich von der Halbschale
(15) ausgehend in Richtung der Längsachse des Spindeloberteiles (1) erstreckt, und
einen zweiten Abschnitt (22), der sich von dem Sockelelement (7) ausgehend in Richtung
der Halbschale (15)erstreckt, unterteilt sind, wobei der erste Abschnitt (21) und
der zweite Abschnitt (22) unterschiedliche Neigungswinkel aufweisen.
4. Klemmvorrichtung (4) nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Neigung des ersten Abschnittes (21) geringer ist, als die des zweiten Abschnittes
(22).
5. Klemmvorrichtung (4) nach einem der Ansprüche 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Neigung des ersten Abschnittes (21) zwischen 25° und 35° beträgt.
6. Klemmvorrichtung (4) nach einem der Ansprüche 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Neigung des zweiten Abschnittes (22) zwischen 45° und 65° beträgt.
7. Klemmvorrichtung (4) nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass in der Klemmvorrichtung (4) ein viskoses Dämpfungsmedium angeordnet ist.
8. Klemmvorrichtung (4) nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass das viskose Dämpfungsmedium in Zwischenräumen der Klemmvorrichtung (4) angeordnet
ist, die zwischen dem verschiebbaren und dem feststehenden Klemmelement (5, 6) ausgebildet
sind.
9. Klemmvorrichtung (4) nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass das viskose Dämpfungsmedium in den Halbschalen (13, 15) angeordnet ist.