[0001] Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Inaktivierung von Pathogenen wie Bakterien
und Viren in Spenderblut (Blut), Blutplasma (Plasma) und/oder Erythrozytenkonzentraten
(EKs) durch photodynamische Behandlung und/oder Bestrahlung mit ultraviolettem Licht.
[0002] Es ist bekannt, dass die therapeutische Anwendung von Blut und Blutzubereitungen
das Risiko birgt, dass die Empfänger mit Viren und Bakterien infiziert werden. Genannt
seien z. B. die Viren Hepatitis-B (HBV) und Hepatitis-C (HCV) sowie die Aids-Erreger
HIV-1 und HIV-2. Das Risiko besteht immer dann, wenn bei der Herstellung entsprechender
Präparate kein Schritt zur Inaktivierung bzw. Eliminierung von Pathogenen Anwendung
findet.
[0003] Es gab bzw. gibt eine Vielzahl von Bemühungen, Blutzubereitungen mittels photodynamischer
Methoden zu dekontaminieren. Das Prinzip beruht darauf, das betreffende Produkt in
Gegenwart einer photoaktiven Substanz (einem Photosensitizer) zu belichten. Das eingestrahlte
Licht muss einen Wellenlängenbereich beinhalten, der vom Photosensitizer absorbiert
und von dem er aktiviert werden kann. Die absorbierte Energie wird entweder direkt
auf die betreffende Zielstruktur (z.B. die Nukleinsäure oder Oberflächenproteine eines
Virus) transferiert, die dadurch zerstört wird, oder aber auf gelöste Sauerstoffmoleküle,
die dadurch aktiviert werden. Es entsteht Singlet-Sauerstoff, der eine ausgeprägte
viruzide und bakterizide Aktivität hat.
[0004] Idealerweise besitzt der verwendete Photosensitizer eine hohe Affinität für essenzielle
Bestandteile von Viren und andere Pathogene, z.B. für deren Nuldeinsäuren und nur
eine geringe oder gar keine für die Bestandteile des Präparats, das dekontaminiert
werden soll. Als Resultat der photodynamischen Behandlung werden in diesem Fall die
Pathogene inaktiviert, während die Produktaktivität erhalten bleibt. Als ein geeigneter
Photosensitizer für die Behandlung von Plasma ist z.B. der Phenothiazinfarbstoff Methylenblau
beschrieben; für die Dekontamination von Thrombozytenkonzentraten wird Riboflavin
(Vitamin B2) verwendet und zur Dekontamination von EKs sind Phthalocyanine erprobt.
Allerdings kamen Verfahren zur photodynamischen Pathogeninaktivierung in EKs bisher
nicht über den Labormaßstab hinaus.
[0005] Dies gilt noch mehr für Blut selbst. Ein Hauptgrund hierfür dürfte darin zu suchen
sein, dass das eingestrahlte Licht eine bestimmte Intensität haben muss, um den verwendeten
Photosensitizer aktivieren zu können und dass Blut und EKs nur eine sehr geringe Durchlässigkeit
für Licht jeder Wellenlänge besitzen. Das Problem ist natürlich auch bei Plasma gegeben,
wenn auch nicht im gleichen Ausmaß.
[0006] Es ist auch bekannt, dass man durch die bloße Bestrahlung mit kurzwelligem ultravioletten
(UV-) Licht, d.h. im Wellenbereich zwischen ca. 200 und 320 nm, insbesondere 200 bis
kleiner 300 nm (UVB- und UVC) ebenfalls Pathogene inaktivieren kann. Oberhalb von
320 nm ist die Energie der Strahlung zu gering, um Mikroorganismen und Viren zu inaktivieren.
Gegenüber chemischen, photochemischen und photodynamischen Methoden zur Pathogeninaktivicrung
besitzt die bloße Bestrahlung mit UV-Licht grundsätzlich den Vorteil, für sich allein
wirksam zu sein und nicht des Zusatzes reaktiver Chemikalien oder photoaktiver Substanzen
zu bedürfen.
[0007] Am effektivsten zur direkten Pathogeninaktivierung ist UVC. Es besitzt allerdings
den Nachteil, dass es proteinhaltige Lösungen wie Plasma bzw. trübe Suspensionen (z.B.
Blut und EKs) nur bis zu einer sehr geringen Eindringtiefe durchdringt. UVC wurde
während des zweiten Weltkrieges und noch kurz danach eingesetzt, um Plasma und Albuminlösungen
zu sterilisieren, vor allem um Hepatitis-Viren zu inaktivieren. Man ging damals so
vor, dass die Lösung in einer Durchflussapparatur als dünner Film an einer UVC-Lichtquelle
vorbei geleitet wurde. Die Methode erwies sich als nicht genügend sicher und wurde
aufgegeben (
Kallenbach NR, Cornelius PA, Negus D, et al. Inactivation of viruses by ultraviolet
light. Curr. Stud. Hematol. Blood Transfus. 1989, 56, 70-82).
[0009] Zur Sterilisierung einer Vielzahl einzelner Einheiten von Blutspenden, Plasma oder
von EKs, mit Volumina von allenfalls bis zu einigen Hundert ml - sind die genannten
Durchflussapparaturen nicht geeignet. Gerade dies ist aber in der täglichen Praxis
einer Blutbank vonnöten.
[0010] UVB ist gleichfalls mikrobiozid und viruzid, wenn auch nicht im gleichen Ausmaß wie
UVC. Es penetriert proteinhaltige Lösungen und trübe Suspensionen etwas besser als
UVC, allerdings lässt sich seine Eindringtiefe, z.B. in Plasma, auch nur im Bereich
weniger Millimeter feststellen.
[0011] Plasma und EKs werden meist aus einzelnen Blutspenden isoliert, oder aber durch maschinelle
Apherese von einzelnen Spendern gewonnen. Das Volumen der Präparate liegt im Allgemeinen
zwischen ca. 200 und 350 ml. Das Volumen von Blutspenden liegt meist zwischen 450
und 500 ml. Die Präparate werden in flachen Kunststoffbeuteln im Allgemeinen entweder
tiefgefroren (Plasma) oder bei ca. 4°C (Blutspenden, EKs) gelagert.
[0012] Wünschenswert wäre es, die genannten Präparate in derartigen Beuteln zu sterilisieren.
Allerdings besteht hierbei das erwähnte Problem, dass sie fast undurchlässig für UV-Licht
sind, Blut und EKs außerdem für sichtbares Licht.
[0013] Überraschenderweise wurde gefunden, dass obiges Problem durch ein Verfahren gemäß
Anspruch 1 gelöst wird. Bevorzugte Ausführungsformen sind Gegenstand der abhängigen
Ansprüche oder nachfolgend geschildert.
[0014] Nach der vorliegenden Erfindung werden die Präparate, d.h. Spenderblut (Blut), Blutplasma
(Plasma) und/oder Erythrozytenkonzentrate (EKs) in ihren Belichtungsbeuteln in geeigneter
Weise bewegt, so dass eine ständige Umwälzung der Proben im Behältnis erfolgt. Die
Bewegung erfolgt hierbei so heftig, dass sich innerhalb der Flüssigkeit bzw. Suspension
bereichsweise Schichten ausbilden, die so dünn sind, dass sie vom eingesetzten Licht
durchdrungen werden können. Die Bewegung muss gleichzeitig so sein, dass die Flüssigkeit
bzw. Suspension im Beutel wirksam vermischt wird. Beides wird realisiert wenn folgende
Voraussetzungen gegeben sind:
- 1. Die Belichtungsbeutel sind hochflexibel, und sie werden während der Belichtung
nicht fixiert, z.B. nicht zwischen Glas- oder Quarzplatten eingeklemmt. Sie passen
sich somit der Gestaltsänderung des Plasmas bzw. der Suspension (Blut, EK) an, die
sich ergibt, wenn die Beutel bewegt werden.
- 2. Die Belichtungsbeutel sind zu maximal 30 % , insbesondere zu maximal 15%, des maximalen
Füllvolumens gefüllt.
- 3. die Beutel werden heftig bewegt, z.B. entweder horizontal (linear in Hin- und Her-Richtung
bzw. kreis- oder ellipsenfömig) oder aber vertikal (gewippt).
[0015] Unter heftiger Bewegung ist hierbei (einzeln oder gemeinsam) Folgendes zu verstehen:
- 1. sie geht über eine bloße Bewegung hinaus, durch die bei Flüssigkeiten bzw. Suspensionen
eine Vermischung bewirkt wird.
- 2. Innerhalb der Flüssigkeiten bzw. Suspensionen, die heftig bewegt werden, bilden
sich zumindest zeitweise, auch an verschiedenen Stellen, Bereiche aus, die so dünn
sind, dass sie von UV- bzw. sichtbarem Licht (letzteres gilt für trübe bzw. gefärbte
Flüssigkeiten bzw. Suspensionen, z.B. EKs) durchdrungen werden können.
- 3. Die Umkehrung der Bewegungsrichtung ist bei heftiger Bewegung so abrupt, dass der
größere Teil des Präparats, das sich im Belichtungsbeutel befindet, sich infolge seiner
Trägheit weiter in die ursprüngliche Richtung bewegt und somit der zurückbleibende
Rest eine dünne Schicht ausbilden kann, die für das eingesetzte Licht durchdringbar
ist.
[0016] In Verbindung mit der ständigen Durchmischung, die gleichzeitig stattfindet, wird
letztendlich das gesamte Präparat (und die darin enthaltenen Pathogene) belichtet,
und es wird somit sterilisiert.
[0017] Der Belichtungsbeutel ist im liegenden gefüllten Zustand nur einige mm dick, z.B.
kleiner 10 mm, vorzugsweise kleiner als 5 mm und ist bestimmt, Probenvolumina von
z.B. 200 bis 500 ml aufnehmen. Das maximale Fassungsvermögen (Volumen) des Belichtungsbeutels
ist aber um mindestens Faktor 3, i.d.R. um mindestens 6,66 mal größer vorzugsweise
mindestens 10 oder sogar mindestens 20 mal größer als das tatsächliche in ihm enthaltene
zu behandelnde Probenvolumen.
[0018] Nach einer Ausgestaltung der Erfindung erfolgt die Bewegung, insbesondere die Amplitude
der Bewegung so, dass sich innerhalb der Präparate Bereiche ausbilden, in der die
Schichtdicke regelmäßig zeitweise geringer als 0,05 mm ist.
[0019] Die Belichtungsbeutel haben insbesondere ein Volumen von bis zu 5000 ml.
[0020] Die Belichtungsbeutel werden z.B. durch Schütteln, Wippen und/oder durch Rotation
bewegt. Die Belichtungsbeutel werden bevorzugt während zumindest dreiviertel, insbesondere
zumindest fünf/sechstel der gesamten Belichtungsdauer bewegt. Das Bewegen bzw. das
Schütteln kann durch einen Orbitalschüttler, Plattformschüttler, Wippschüttler oder
Taumelschüttler erfolgen.
[0021] Nach einer Ausgestaltung werden die Belichtungsbeutel werden während der Belichtung
z.B. ständig mit einer Amplitude von größer 0,2 mm, vorzugsweise größer 1 cm und insbesondere
1 bis 15 cm oder 2 bis 8 cm zumindest in der x-Richtung und ggf. auch in der y-Richtung
(y-Richtung rechtwinkelig zur x-Richtung) bewegt. Unabhängig hiervon beträgt die Frequenz
der Richtungsänderung der Bewegung größer 0,5 Hz, vorzugsweise 1 bis 10 Hz.
[0022] Nach einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung stammen die Präparate aus einer Einheit
von einem bis 6 Spendern, vorzugsweise einem Spender.
[0023] Im Falle einer photodynamischen Behandlung in Gegenwart einer photoaktiven Substanz
erfolgt die Bestrahlung vorzugsweise mit Wellenlängen im Absorptionsbereich (+/- 20
nm) des bzw. der eingesetzten Photosensitizer(s).
Experimentelle Untersuchungen
[0024] Die beschriebenen Versuche illustrieren die Wirksamkeit des Verfahrens und sind nicht
auf die Inaktivierung der genannten Viren beschränkt. Es besteht auch keine Einschränkung
auf die bei den beschriebenen Versuchen eingesetzten Plasmen bzw. EKs, die aus Blutspenden
stammten; das erfindungsgemäße Verfahren ist auch bei Präparaten anwendbar, die auf
andere Weise hergestellt werden. Alle beschriebenen Versuche wurden drei bis sechs
Mal durchgeführt. Die angegebenen Ergebnisse stellen jeweils die Mittelwerte aus diesen
Versuchen dar.
Plasma-Einheiten und Erythrozytenkonzentrate
[0025] Die eingesetzten Plasma-Einheiten und die EKs wurden aus einzelnen Blutspenden mittels
üblicher Verfahren hergestellt. Sie hatten ein Volumen von ca. 250 bis 300 bzw. bis
zu 350 ml und wurden in üblichen Kunststoffbeuteln für Blutpräparate aufbewahrt. Restliche
Leukozyten bzw. Thrombozyten wurden durch Filtration entfernt. Die EKs waren im Stabilisatormedium
SAG-M suspendiert. Die Plasmen wurden bei Temperaturen unter -30°C gelagert und für
die Versuche im Wasserbad aufgetaut. Die EKs wurden bei 4 bis 8°C im Kühlraum gelagert.
Virologische Untersuchungen
[0026] Plasma- bzw. EK-Aliquots wurden mit Vesicular Stomatitisvirus (VSV, Stamm Indiana,
ATCC VR 158) bzw. Sinbis-Virus (ATCC VR-68) bzw. Suid Herpesvirus (SHV-1, Pseudorabiesvirus,
Stamm Aujeszky, ATCC VR-135) gespikt. Virustiter wurden mittels CPE-Assay (CPE = cytopathischer
Effekt) bestimmt. Sie werden als TCID
50 (TCID = Tissue culture infective dose) angegeben. Als Indikatorzellen dienten Vero-Zellen.
Die initiale Viruskonzentration bei den durchgeführten Versuchen betrug ca. 10
5 bis 10
7 TCID
50.
Belichtungsanlagen, Belichtungsbeutel
[0027] Eine der verwendeten Belichtungsanlagen war mit Röhren ausgestattet, die UVC-Licht
(Wellenlänge: 254 nm) emittierten. Die Bestrahlung erfolgte von beiden Seiten der
aufgelegten Belichtungsbeutel, d.h. von oben und von unten. Eine zweite Belichtungsanlage
war mit Röhren ausgestattet, die UVB-Licht (280-320 nm) emittierten. Die Bestrahlung
erfolgte ebenfalls von beiden Seiten. Eine dritte Belichtungsanlage war mit LEDs (Licht
emittierende Dioden) ausgestattet, die intensives rotes Licht im Wellenlängenbereich
um 635 nm emittierten. Alle drei Anlagen wurden im Betrieb auf einem Orbitalschüttler
platziert (Hersteller Firma Bühler, Tübingen; Typ SM 25) der bis zu 100 Umdrehungen
pro Minute durchführte. Die verwendeten Belichtungsbeutel bestanden aus dünner UVdurchlässiger
und hochflexibler Kunststofffolie.
Versuchsbeispiel 1
Inaktivierung von VSV in Plasma durch UVC: Einfluss der Schüttelgeschwindigkeit und
der freien Beweglichkeit des Plasmas während der Bestrahlung
[0028] Plasma-Einheiten in Belichtungsbeuteln wurden mit VSV gespikt und für 2 min mit UVC
bestrahlt. Eine Probe wurde mit 100 rpm geschüttelt und war während der Bestrahlung
fest zwischen zwei Quarzplatten eingespannt. Die anderen Proben lagen lediglich auf
einer Quarzplatte auf, so dass sie sich während des Schüttelns innerhalb des Beutels
bewegen konnten. Die Drehzahl des Schüttlers wurde zwischen 30 und 100 rpm variiert.
Die Ergebnisse sind in der Tab. 1 zusammengestellt. In der fest eingespannten Probe
wurde der Virustiter lediglich um einen Faktor von ca. 0,3 log
10 reduziert.
Tabelle 1
| Schüttelfrequenz (rpm) |
Virustiter (log10TC1D50) |
Bemerkung |
| 0 |
6,21±0,69 |
Kontrolle |
| 30 |
5,78±0,27 |
lose aufgelegt |
| 50 |
4,59±0,04 |
lose aufgelegt |
| 75 |
0,92±0,24 |
lose aufgelegt |
| 100 |
0,35±0,52 |
lose aufgelegt |
| 100 |
5,92±0,11 |
eingespannt |
[0029] Bei den lose platzierten Proben hatte die Drehzahl einen unmittelbaren Einfluss auf
das Ausmaß der Virusinaktivierung: während bei 30 bzw. 50 rpm die Inaktivierungsfaktoren
im Vergleich zu den unbehandelten Kontrollproben nur ca. 1,1 bzw. 2,4 log
10 betrugen, stiegen sie bei 75 rpm auf ca. 5,1 und bei 100 rpm auf ca. 6,6 log
10 an. Die Ergebnisse dieses Versuchs belegen, dass Plasma während der Behandlung intensiv
geschüttelt werden muss, damit die Bestrahlung mit UV-Licht wirksam werden kann. Damit
sich aber der Schütteleffekt auch auswirkt, müssen die Proben lose platziert sein,
damit sich während des Schüttelns dünne Schichten ausbilden, die durchstrahlt werden
können.
Versuchsbeispiel 2
Inaktivierung von VSV, Sinbis-Viren und von SHV-1 in Plasma durch die Bestrahlung
mit UVC: Inaktivierungskinetiken
[0030] Plasma-Einheiten wurden mit VSV, Sindbis-Viren bzw. SHV-1 gespikt und für 1-5 min
bestrahlt. Die auf dem Orbitalschüttler lose platzierten Proben wurden mit 100 rpm
bewegt. Kontrollproben wurden für 5 min bestrahlt, aber nicht geschüttelt. Die Ergebnisse
der Versuche sind in der Tab. 2 zusammengestellt. In den geschüttelten Proben wurde
der Titer von VSV innerhalb von 3 min um einen Faktor von mehr als 6,5 log
10 abgereichert, während der Inaktivierungsfaktor in der nicht geschüttelten Kontrollprobe
1,5 log
10 nicht überstieg. Sindbis-Viren erwiesen sich als stabiler als VSV; aber der große
Unterschied zwischen geschüttelten und ungeschüttelten Proben zeigte sich auch hier:
Nach einer Bestrahlungszeit von 5 min hatte sich der Virustiter in der geschüttelten
Probe um ca. 5.1 log
10 verringert, in der ungeschüttelten dagegen nur um 0,30 log
10. Ein ähnliches
Tabelle 2
| |
|
Virustiter (log10TCID50) |
|
| UVC (min) |
Schütteln |
VSV |
Sinbis |
SHV-1 |
| Kontrolle |
- |
6,74±0,32 |
7,01±0,24 |
4,95±0,23 |
| 2 |
+ |
0,95±0,31 |
4,68±0,21 |
2,56±0,25 |
| 3 |
+ |
≤0,24±0,00 |
3,27±0,16 |
1,67±0,37 |
| 4 |
+ |
≤0,24±0,00 |
2,10±0,12 |
0,66±0,29 |
| 5 |
+ |
≤0,24±0,00 |
1,86±0,09 |
0,42±0,21 |
| 5 |
- |
5,69±0,18 |
6,73±0,16 |
4,65±0,16 |
[0031] Bild ergab sich, wenn SHV-1 eingesetzt wurde: in den geschüttelten Proben verminderte
sich der Virustiter innerhalb von 4 bis 5 min um einen Faktor von 4,3 bis 4,5 log
10; in der nicht geschüttelten Probe war er nach 5 min Bestrahlung nur um 0,3 log
10 reduziert worden.
Versuchsbeispiel 3
Inaktivierung von VSV in Plasma durch die Bestrahlung mit UVB: Inaktivierungskinetik
[0032] Plasma-Einheiten wurden mit VSV gespikt und für 1 bis 5 min bestrahlt. Die auf dem
Orbitalschüttler lose platzierten Proben wurden mit 100 rpm bewegt. Eine Kontrollprobe
wurde für 5 min bestrahlt, aber nicht geschüttelt. Wie aus der Tab. 3 hervor geht,
wurde in den geschüttelten Proben der Virustiter innerhalb von 5 min um einen Faktor
von 6,36 log
10 abgereichert, in der nicht geschüttelten Kontrollprobe dagegen nur um ca. 1,5 log
10. Die Ergebnisse zeigen, dass das entdeckte Phänomen - die Steigerung der Pathogeninaktivierung
in lose platzierten Proben durch intensives Schütteln - nicht auf UVC beschränkt ist.
Tabelle 3
| UVB (min) |
Schütteln |
Virustiter (log10 TCID50) |
| Kontrolle |
- |
7,00±016 |
| 2 |
+ |
4,70±0,08 |
| 3 |
+ |
3,68±0,12 |
| 4 |
+ |
2,23±0,23 |
| 5 |
+ |
0,640±0,08 |
| 5 |
- |
5,52±0,08 |
Versuchsbeispiel 4
Inaktivierung von VSV in Plasma durch photodynamische Behandlung mit Methylenblau
und Licht.
[0033] Plasma-Einheiten wurden mit VSV gespikt, mit 0,25 µM/L des Photosensitizers Methylenblau
(MB) versetzt und auf dem Orbitalschüttler bei einer Drehzahl von 100 rpm für bis
zu 30 min mit rotem LED-Licht bestrahlt. Kontrollproben wurden in Gegenwart der gleichen
Konzentration von MB für 20 min belichtet, aber währenddessen nicht bewegt.
[0034] Wie die Tab. 4 zeigt, war das Ausmaß der Virusinaktiverung in den geschüttelten viel
größer als in den nicht geschüttelten Proben. In den ersteren hatte sich der Virustiter
nach 20 min um einen Faktor von ca. 4,4 log
10 vermindert; nach 30 min um ca. 5,8 log
10. In den unbewegten Proben war der Reduktionsfaktor nach 20 min dagegen nicht höher
als ca. 2,7 log
10.
Tabelle 4
| MB/Licht (min) |
Schütteln |
Virustiter (Log10TCID50) |
| Kontrolle |
- |
6,72 ±0,24 |
| 10 |
+ |
4,95±0,68 |
| 20 |
+ |
2,30±0,88 |
| 30 |
+ |
0,94±0,87 |
| 20 |
- |
4,04±0,54 |
Versuchsbeispiel 5
Inaktivierung von VSV in EKs durch photodynamische Behandlung mit Methylenblau und
Licht.
[0035] EK-Aliquots wurden mit VSV gespikt, mit 5 µM/L des Photosensitizers Methylenblau
(MB) versetzt und auf dem Orbitalschüttler bei einer Drehzahl von 100 rpm für bis
zu 30 min mit rotem LED-Licht bestrahlt. Kontrollproben wurden dagegen während der
Belichtung nicht bewegt. Das eindeutige Ergebnis des Versuchs zeigt die Tab. 5. Es
ist offensichtlich, dass die Virusinaktiverung in den geschüttelten bedeutend schneller
als in den ungeschüttelten EK-Proben ablief. In den Proben, die während der Behandlung
bewegt wurden, war das Virus nach 30 min fast völlig komplett inaktivert worden (Inaktivierungsfaktor
6,7 log
10). Der Reduktionsfaktor in den unbewegten Proben betrug nach 30 min dagegen nur ca.
2,7 log
10.
[0036] Die Ergebnisse der Versuchsbeispiele 4 und 5 belegen, dass auch die Wirksamkeit der
photodynamischen Behandlung von Plasma oder von Erythrozytenkonzentraten enorm gesteigert
wird, wenn die Proben während der Belichtung stark geschüttelt werden.
Tabelle 5
| MB/Licht (min) |
Schütteln |
Virustiter (Log10TCID50) |
| Kontrolle |
- |
7,04±0,26 |
| 10 |
+ |
2,62±0,31 |
| 20 |
+ |
0,89±0,21 |
| 30 |
+ |
0,30±0,12 |
| 10 |
- |
5,07±0,26 |
| 20 |
- |
5,25±0,31 |
| 30 |
- |
4,35±0,27 |
1. Verfahren zur Inaktivierung von Pathogenen in Spenderblut. Btutplasma und/oder Erythrozytenkonzentratcn,
umfassend die folgenden Schritte:
• Bereitstellen der Blutspenden bzw. der aus Spenderblut und/oder durch maschinelle
Apherese gewonnenen Präparate,
(a) Zufügen einer geeigneten photoaktiven Substanz und photodynamische Behandlung
durch Bestrahlen mit Licht umfassend oder ausschließlich bestehend aus Wellenlängen
im Absorptionsbereich der photoaktiven Substanz, wobei die photoaktive Substanz ein oder mehrere_Phenothiazin-Farbstoffe sind, eine
oder mehrere Phthalocyanin-Verbindungen und/oder eine oder mehrere Phorphyrin-Verbindungen
sind,
oder
(b) Aussetzen der Präparate einer Bestrahlung mit ultraviolettem (UV-) Licht bei Wellenlängen
von 200 bis 320 nm, wobei die Bestrahlung mit UVB von kleiner 320 nm bis 280 nm und einer Lichtenergie
von 0,3 bis 10 J/cm2 und/oder UVC von kleiner 280 nm bis 200 nm erfolgt,
• wobei die Präparate aus einer Vielzahl von einzeln handhabbaren und getrennt aufbewahrten
Einheiten bestehen und
• die Präparate sich jeweils in flexiblen Licht- (Alternative (a)) bzw. UVdurchlässigen
(Alternative (b)) flächigen Betichtungsbeuteln befinden,
dadurch gekennzeichnet, dass
• die Belichtungsbeutel zu weniger als 30 Vol% des maximalen Füllvolumens der Belichtungsbeutel
gefüllt sind und
• die Belichtungsbeutel während der photodynamischen Behandlung und/oder der Bestrahlung
mit UV-Licht so bewegt werden, dass der Inhalt des Belichtungsbeutels umgewälzt wird
und sich durch die Bewegung Zonen wechseinder Schichtdicken ausbilden.
2. Verfahren gemäß Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, dass die Pathogene Viren und / oder Bakterien sind.
3. Verfahren gemäß zumindest einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass durch die Bewegung die Zonen Bereiche aufweisen, für die sich regelmäßig zeitweise
Schichtdicken unter I mm, vorzugsweise unter 0,05 mm ergeben.
4. Verfahren gemäß zumindest einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Summe der Flächen der Unterseite und der Oberseite der Belichtungsbeutel, die
mit dem Beutelinhalt in Kontakt steht bzw, stehen kann, mehr als 90 Flächenprozent,
vorzugsweise mehr als 99 Flächenprozent der inneren Gesamtoberfläche des Beutelinhalts
ausmacht.
5. Verfahren gemäß zumindest einem der vorhergehenden Ansprache, dadurch gekennzeichnet, dass im Falle der Ausführungsform (b) die Bestrahlung UVB und/oder UVC, insbesondere UVC
von kleiner 260 nm bis 220 nm, ist oder umfasst und vorzugsweise ausschlicßlich aus
Bestrahlung mit Wellenlägen der genannten, Bereiche bestcht.
6. Verfahren gemäß zumindest einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Bestrahlung mit UVB mit einer Lichtenergie von 0.5 bis 5 J/cm2 erfolgt.
7. Verfahren gemäß zumindest einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Bestrahlung mit UVC mit einer Lichtenergie von 0.01 bis 5 J/cm2, insbesondere 0,1 bis 2 J/cm2 erfolgt.
8. Verfahren gemäß zumindest einem der vorhemehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Belichtungsbeutel in der Apparatur, in der sie bewegt und bestrahlt werden, beweglich
gehaltert sind und insbesondere nicht zwischen zwei Flächen eingespannt sind.
9. Verfahren gemäß zumindest einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Präparate Plasma sind und zu mehr als 80 Gew.% aus Blutplasma bestehen.
10. Verfahren gemäß zumindest einem der Ansprüche 1 bis 8, wobei die Präparate EK-Präparate
sind und einen Hämatokrit zwischen 10 und 75 Gew.%, vorzugsweise zwischen 20 bis 60
Gew.% aufweisen.
11. Verfahren gemäß zumindest einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die photoaktive Substanz ein oder mehrere Phenothiazin-Farbstoffe sind, nämlich,
Thionin, Methylenblau, Toluidinblau und/oder die Azurfarbstoffe, A, B und/oder C.
12. Verfahren gemäß zumindest einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Belichtungsbeutel zu maximal 15% des maximalen Füllvolumens gefüllt sind.
13. Verfahren gemäß zumindest einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass Blutplasma gemäß Schritt (a) und in Abwesenheit eines Photosensitizer(s) behandelt
wird.
14. Verfahren gemäß zumindest einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Belichtungsbeutel einseitig aufgelegt sind, so dass während und durch das Bewegen
bzw. Schütteln sich die Höhe der Belichtungsbeutel, bezogen auf die Distanz (Flächennormale)
zwischen Fläche, auf der die Belichtungsbeutel aufliegen und Schnittpunkt mit der
oberen Fläche des Belichtungsbeutels über die gesamte obere Fläche des Belichtungsbeutels
betrachtet, ständig ändert.
15. Verfahren gemäß zumindest einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Belichtungsbeutel eine mittlere Füllhöhe von weniger als 5 mm aufweist und durch
die Bewegung ständig Wellentäler erzeugt werden, die Schichtdicken von kleiner der
Hälfte der mittleren Füllhöhe, vorzugsweise Schichtdicken von kleiner 1 mm oder sogar
kleiner 0.05 mm, erzeugt werden.