[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ungestrichenes holzfreies Naturpapier, insbesondere
ein mittels Offsetdruck, Tintenstrahldruck oder Laserdruck bedruckbares Geschäftsausstattungspapier.
Derartige Geschäftsausstattungspapiere werden universell im privaten und im geschäftlichen
Bereich zur Kommunikation und Dokumentation eingesetzt.
[0002] Herkömmliche holzfreie Naturpapiere mit Flächengewichten von 80 g/m
2 bis 170 g/m
2 weisen eine relativ starke Durchsicht auf. Dies ist z.B. bei Briefpapier im geschäftlichen
Verkehr störend und problematisch, denn rückseitig aufgedruckte Texte wie z.B. Allgemeine
Geschäftsbedingungen scheinen auf der Vorderseite durch. Auch Briefhüllen oder Briefumschläge
haben bei Einsatz von herkömmlichen Naturpapieren eine hohe Transparenz, wodurch der
Inhalt sichtbar und teilweise lesbar ist. Als Gegenmaßnahmen, um derartige Nachteile
zu überwinden, werden die Briefhüllen auf der Innenseite mit einem Aufdruck versehen
oder mit einem deutlich höheren Flächengewicht des Naturpapiers hergestellt, was die
Kosten für das Papier und auch häufig für den Versand erhöht.
[0003] Eine ähnliche Problematik liegt bei Broschüren mit Einsatz von ungestrichenen holzfreien
Naturpapieren im Innenteil vor. Diese müssen vielfach mit einem höheren Flächengewicht,
z.B. etwa 150 g/m
2 bis 170 g/m
2 hergestellt werden, um das Problem der zu starken Durchsichtigkeit zu beheben. Dies
führt jedoch zu Mehrkosten im Papiereinkauf sowie beim Versand.
[0004] Allen oben erwähnten Papierprodukten ist gemein, dass sie hohen Anforderungen an
die Bedruckbarkeit unterliegen. Nahezu sämtliche in Büros tätige Firmen sowie die
meisten Privatleute setzen für die tägliche Arbeit, d.h. für Dokumentation und Kommunikation
Tintenstrahl-, Laser-, Offset- oder ähnliche Druckvorrichtungen ein, die schwarzweiß
bzw. in Graustufen oder in Farbe drucken können. Dabei werden speziell an die Oberfläche
des Papiermaterials hohe Anforderungen gestellt.
[0005] Grundsätzlich bestehen im Bereich der Geschäftsausstattungspapiere konträre Anforderungspakete
hinsichtlich der verwendeten Druckverfahren:
Für den Einsatz im Offsetdruckbereich ist eine angepasste hohe Feuchte von ca. 6 %
(absolut) erforderlich. Eine hohe Oberflächenfestigkeit wird für den Druckvorgang
selbst benötigt, speziell für die Farbübertragung in schnell laufenden Druckmaschinen.
Die Farbaufnahme selbst muss durch eine definierte Saugfähigkeit bzw. ein definiertes
Wegschlagverhalten der Druckfarbe in den Bedruckstoff bzw. das Papier sichergestellt
sein.
Bei Kopier-, Laser- und Tintenstrahl-tauglichen Papieren, die üblicherweise DIN A4-Format
aufweisen, stehen Tonerhaftung und Druckbild im Vordergrund. Deshalb ist eine geringere
Feuchte im Bereich von ca. 3,8 % - 5,6 % absolut nach EN 12281 erforderlich. Die Tonerhaftung
wird allgemein durch eine Vorbehandlung der Papieroberfläche (Primern) in Kombination
mit einer Masseleimung sichergestellt. Dies setzt die Saugfähigkeit des Produktes
und damit die Feuchte deutlich herab.
Dünndruckpapiere (z.B. Bibeldruck-Papiere) müssen trotz geringem Flächengewicht, d.h.
kleiner als 50 g/m2, eine hohe Opazität aufweisen. Das Druckbild der Rückseite darf beim Betrachten nicht
störend durchscheinen. Erreicht wird dies durch den Einsatz spezieller Füllstoffe
im Herstellungsprozess wie z.B. Kaolin (Porzellanerde), Stärke, Blanc fixe, Titanweiß
(Titandioxid) und Kreide. Ein Verfahren zur Herstellung eines Dünndruckpapiers ist
beispielsweise in der EP 1 281 812 B1 beschrieben.
Die Zusammensetzung und Kristallstruktur der Füllstoffe bestimmt Transparenz und Opazität
eines Papiers sowie die Farbannahme beim Druck mit wegschlagenden Farben. Für die
Tintenfestigkeit hingegen ist Leim notwendig. Füllstoffe können teilweise auch die
Eigenschaften der Farbstoffe mit übernehmen. Viele Pigmentfarbstoffe sind z.B. gleichzeitig
auch ein effektiver Füllstoff.
[0006] Ein Einsatz der bei Dünndruckpapier verwendeten Papierzusammensetzung im Bereich
Geschäftsausstattungspapiere (Offset-, Tintenstrahl- und Laserdruck) ist aufgrund
der Oberflächenstruktur, Papiergrammatur und Papierfeuchte nicht möglich. Deshalb
konnte bisher eine Opazität > 95 % in diesem Einsatzbereich mit ungestrichenen holzfreien
Naturpapieren (90-120 g/m
2) bisher nicht realisiert werden. Damit erfüllen Papiere wie Dünndruckpapier die notwendigen
Anforderungen an Laserdruck/Tonerhaftung nicht und sind somit im Bereich der Geschäftsausstattungen
nicht geeignet.
[0007] Geht man mit nicht gestrichenen Naturpapieren auf geringe Flächengewichte über, so
lassen Druckopazität und Druckbrillanz (Druckglanz) nach und das Durchschlagen der
Druckfarbe nimmt zu. Da diese bekannten Papiere keine nachträgliche Beschichtung aufweisen,
kann die Opazität nur durch Erhöhung des Füllstoff- oder Holzschliffanteiles im Papier
selbst verbessert werden. Dies setzt, wie vorstehend bereits erwähnt, seinerseits
die Papierfestigkeit herab. Die Papierfestigkeit wird jedoch nicht nur durch die Art
und Behandlung des verwendeten Papierfaserstoffes bestimmt, sondern u.a. auch durch
die Gleichmäßigkeit der Papierblattbildung in der Papiererzeugungsmaschine, da bei
erhöhter Gleichmäßigkeit Schwachstellen geringerer Festigkeit vermindert werden, die
im Endeffekt für das Auslösen eines Abrisses oder Bruches der Papierbahn verantwortlich
sind. Eine Ungleichmäßigkeit in der Blattbildung führt allgemein auch zu ungleichmäßiger
Druckfarbenaufnahme, wodurch die Geschlossenheit des Druckbildes leidet.
[0008] Gestrichene Papiere erfüllen zwar bei ausreichender Strichdicke die angestrebte Opazität
von > 95 %. Ihr Einsatz ist jedoch im Bereich der Geschäftsausstattungen nicht möglich,
da dies in Optik, Haptik und Anmutung einem klassischen Schreibpapier-Gefühl beim
Endanwender widerspricht.
[0009] Technisch betrachtet sind die gestrichenen Papiere für die universelle Anwendung
im Offset- und A4-Bereich nicht geeignet. Offsetpapiere verlangen wegen der Zügigkeit
der Offsetfarben eine hohe Oberflächenfestigkeit. Diese wird erreicht, indem die Pigmente
der Streichfarbenrezeptur mit synthetischen Bindern gehärtet und an der Oberfläche
gebunden werden. Die Schmelztemperatur dieser Binder liegt in einem für Heißlaser-Einsatz
(ca. 180-200°C) kritischen Temperaturbereich. Mögliche Ablöse- oder Migrationserscheinungen
schließen deshalb ihren Einsatz in Laserdruckern aus.
[0010] Weiterhin weisen gestrichene Papiere eine glattere, das Druckbild besser wiedergebende
Oberfläche auf. Nachteilig aus Umweltbelastungsgründen und somit auch für die Wiederaufarbeitung
(Recycling) ist der in den Beschichtungsmassen verwendete synthetische Binder in Form
einer ausgehärteten Polymerdispersion. Gestrichene Papiere werden bei sehr geringen
Flächengewichten durch den geringeren Rohpapieranteil und mitbedingt durch die Verwendung
des synthetischen Binders oft sehr lappig, was nachteilig für die Handhabung sein
kann.
[0011] Es ist daher die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein ungestrichenes holzfreies
Naturpapier bereitzustellen, das als Geschäftsausstattungspapier im Wesentlichen frei
von synthetischen oberflächenkritischen Bindemitteln ist, eine im Vergleich zu herkömmlichen
Naturpapieren vergleichbare oder bessere Druckqualität und eine ausreichende Steifigkeit
und Festigkeit aufweist, um bei hoher Maschinengeschwindigkeit hergestellt und in
üblichen (Offset-) Rotationsdruckmaschinen verarbeitet zu werden, und gleichzeitig
für den Einsatz als Kopier- oder Druckpapier für Laser- und Tintenstrahldruckverfahren
geeignet ist.
[0012] Erfindungsgemäß weist ein ungestrichenes holzfreies Naturpapier, das zur Verwendung
als Geschäftsausstattungspapier geeignet ist, einen Weißgrad von über 70 %, eine absolute
Papierfeuchte von etwa 5,4 % bis 6,0 %, eine Opazität von größer als 95 % bei einem
Flächengewicht von ca. 90 g/m
2 bis ca. 120 g/m
2, einen beidseitigen Oberflächenveredelungsauftrag von kleiner als 3 g/m
2, und einen Füllstoffanteil von über 20 % des eingesetzten Rohmaterials auf. Damit
wird ein qualitativ hochwertiges, weißes, blickdichtes Geschäftsausstattungspapier
bereitgestellt, das den hohen Anforderungen auf diesem Gebiet genügt und auf einem
breiten Einsatzgebiet verwendbar ist. Insbesondere zu nennen sind hier die Umweltverträglichkeit
bei der Herstellung sowie der Wiederverwendbarkeit (Recycling) und die gleichzeitige
Bedruckbarkeit mittels Offset-, Tintenstrahl- und Laserdruck. Durch den Einsatz des
erfindungsgemäßen Naturpapiers können im Vergleich zur Verwendung von herkömmlichem
Naturpapier Kosten eingespart werden, weil es derzeitig keine Naturpapiere gibt, die
die oben genannten vielseitigen Eigenschaften kombinieren.
[0013] Bevorzugt weist das ungestrichene holzfreie Naturpapier bei einem Flächengewicht
von 90 g/m
2 bis 135 g/m
2 eine Opazität von größer als 97 % auf. Mit diesem Grad der Blickdichte wird ein besonders
hochwertiges Geschäftausstattungspapier ermöglicht.
[0014] Mit besonderem Vorteil ist der beidseitige Oberflächenveredelungsauftrag aus im Wesentlichen
organischem Binder (Stärke) aufgebaut und frei von Pigmenten. Damit genügt das erfindungsgemäße
Naturpapier den hohen Anforderungen an die Umweltverträglichkeit.
[0015] Um die Retention der Füllstoffe zu verbessern kann der Oberflächenveredelungsauftrag
zusätzlich ein synthetisches Bindemittel als chemisches Additiv aufweisen. Derartige,
auch Cobinder genannte Bindemittel sind dem Fachmann der Papierherstellung bekannt
und können bei dem Problem abhelfen, wenn die Teilchengröße der Füllstoffe kleiner
als die Maschenweite des Papiermaschinensiebs ist.
[0016] Das Material des Füllstoffanteils ist bevorzugt aus Titandioxid (TiO
2), präzipiertem Kalziumcarbonat (PCC), Talkum, Kaolin oder Kalziumcarbonat (CaCO
3) gebildet.
[0017] Das erfindungsgemäße Naturpapier eignet sich mit besonderem Vorteil sowohl für Tintenstrahl-,
Laser- und Offsetdruck. Bisher galt, dass Naturpapiere mit einer erfindungsgemäßen
Opazität entweder für den Offsetdruck oder für den Tintenstrahl- und Laserdruck geeignet
waren. Mit der vorliegenden Erfindung wird also ein bisher nicht bekanntes Papierprodukt
bereitgestellt, das vielseitig einsetzbar ist.
[0018] Bevorzugt kann das erfindungsgemäße ungestrichene holzfreie Naturpapier als Briefhülle
mit einem Flächengewicht von 100 g/m
2 verwendet werden, wobei die Briefhülle im Wesentlichen innendruckfrei ausgebildet
ist. Großflächige zusätzliche Innendrucke, die aufgrund einer bisher nicht erreichten
Blickdichte notwendig waren, damit Inhalte der in der Briefhülle befindlichen Dokumente
unlesbar werden, erübrigen sich dadurch. Dies reduziert den Aufwand bei der Herstellung
von blickdichten Briefhüllen erheblich.
[0019] Die Erfindung wird nachfolgend ausführlich anhand eines Ausführungsbeispiels beschrieben.
Für weitere in Zusammenhang mit der hier beschriebenen Erfindung relevante Merkmale
und Eigenschaften sind folgende Prüfmethoden anwendbar bzw. anzuwenden:
Tabelle 1
Flächenbezogene Masse
(Flächengewicht) |
DIN EN ISO 536 |
| Glührückstand |
DIN 54 370 |
| Rauhigkeit nach Bendtsen |
DIN 53 108 |
| Dennison Wachstest DWT |
US D2482-66T |
| Opazität |
TAPPI 425 |
| Weißgrad |
TAPPI 452 |
[0020] Alle in dieser Beschreibung angegebenen Mengenanteile und Prozente sind, wenn nicht
abweichend gekennzeichnet, als Gewichtsanteile auf ofentrocken (otro) gedachten Feststoff
bezogen.
[0021] Die Farbe eines Geschäftsausstattungspapier ist in aller Regel weiß. Deshalb wird
für das erfindungsgemäße Naturpapier ein Weißgrad von größer als 70 % nach der Norm
TAPPI 452 festgesetzt. In einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung
beträgt der Weißgrad zwischen 92 % und 94 %.
[0022] Als Zellstoffe werden bei dem erfindungsgemäßen holzfreien Naturpapier bevorzugt
Eukalyptus als Hauptbestandteil und Nadelhölzer, insbesondere Fichte verwendet. In
einer besonders bevorzugten Ausführungsform sind Ausgangsfasern für den Zellstoff
zu 100 % Eukalyptus, alternativ kann ein geringer Anteil Fichte hinzukommen, so dass
sich eine Verteilung von 80 Anteilen Eukalyptus zu 20 Anteilen Fichte ergibt. Auch
andere Pflanzenfasern können als Ausgangsstoff für den Zellstoff zum Einsatz kommen.
[0023] Um dem erfindungsgemäßen Papier eine ausreichend hohe Opazität zu verleihen, weist
das Papier einen Füllstoffgehalt von > 20 % auf. Dies bedingt, dass die für die Blattbildung
eingesetzte Papierstoffsuspension einen entsprechend höheren Füllstoffgehalt aufweisen
muss, da ein Teil der Füllstoffe die frisch gebildete Papierbahn mit dem Suspensionswasser
durch das Blattbildungssieb verlässt und im Wesentlichen im Kreislauf geführt wird.
[0024] Eingesetzte Füllstoffe sind hier hauptsächlich Titandioxid und PCC (präziptiertes
Calziumcarbonat), sowie Talkum, Kaoline, Calziumcarbonat und weitere nach Bedarf.
[0025] Die Eigenschaften der Füllstoffe sind in der folgenden Tabelle 2 dargestellt:
Tabelle 2
| Physikalische Eigenschaften eingesetzter Füllstoffe |
| Füllstoff |
Chemische Zusammensetzung |
Kristallform |
Weißgrad in % |
Teilchen-durchmesser in mm |
| Kaolin |
Al4 (OH)8
[Si4O10] |
hexagonale Plättchen |
70-90 |
0,3-5 |
| Talkum |
Mg3(OH)2
[Si4O10] |
monokline Lamellen |
70-88 |
0,2-5 |
| Titandioxid |
TiO2 |
tetragonal |
97-99 |
0,2-0,5 |
| Calciumcarbonat |
CaCO3 |
orthorhombisch |
82-92 |
0,5-5 |
| PCC |
CaCO3 |
trikline Nadeln (skalenoedrisch) |
95-98 |
0,2-0,5 |
[0026] Die entsprechenden prozentualen Anteile der Füllstoffe sind bei der bevorzugten Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Naturpapiers:
| Titandioxid |
27% - 33% |
| PCC |
67% - 69% |
| Talkum |
< 1 % |
| Kaoline |
> 1 % |
| Calciumcarbonat |
> 1 % |
[0027] Dabei können die Anteile der Kaoline bzw. des Calciumcarbonats je nach Anforderung
als variable Komponenten auch über 1 % liegen. Dies kann bei der Herstellung des erfindungsgemäßen
Naturpapiers im Fertigungsprozess eingestellt werden.
[0028] Die Einbindung dieser Füllstoffe im Papiergefüge erfordert den Einsatz bestimmter
chemischer Hilfsmittel sowie die Anpassung des Papiermaschinensystems. Die nachfolgende
Tabelle 3 erläutert mögliche Problemstellungen und deren Lösungsansätze:
Tabelle 3
| Anpassung der Papiermaschine und notwendige Papierhilfsmittel über den Bereich der
Massepapierproduktion hinaus |
| Problem |
Ursache |
Lösung |
| Schlechte Retention |
Teilchengröße geringer als Maschenweite des PM-Siebs |
Fixierung durch chemische Additive an den Fasern (Retentions-und Fixiermittel) |
| Starke abrasive Wirkung auf der Papiermaschine |
Härte der Materialien und die Kantigkeit der Körnung |
Möglichst feinkörniges Material |
| Verstärkte Neigung zum Stauben |
Füllstoffe nicht fest genug an die Fasern gebunden |
Verwendung von stärker bindenden Additiven |
| Beeinträchtigung der Papierfestigkeit |
Füllstoffe liegen zwischen den Fasern und erschweren den direkten Faser-Faser-Kontakt |
Verwendung hochfester Zellstoffe (Armierungszellstoff) Eukalyptus, Sulfatzellstoff |
[0029] Bevorzugte chemische Additive als Cobinder bzw. Retentionsmittel kommen beispielsweise
die Produkte Basoplast 250D oder Basoplast 265D des Herstellers BASF zum Einsatz.
Der Anteilsgrad der chemischen Additive beträgt bevorzugt bis zu 2 %.
[0030] Erfindungsgemäß wird das ungestrichene Geschäftsausstattungspapier auf einer Papiermaschine
hergestellt, wobei bevorzugt eine Langsiebpapiermaschine zum Einsatz kommt. Die Entwässerung
des Faser-Füllstoffgemisches erfolgt in der Siebpartie, wo durch geeignete Retentionsmechanismen
ein nasses Vlies erzeugt wird.
[0031] In einem folgenden Verfahrensschritt wird in einer Pressenpartie dieser Faservlies
mechanisch entwässert. Dieser Vorgang ist in der Papierindustrie hinlänglich bekannt,
ebenso wie die anschließende Trocknung der Papierbahn mittels dampfbeheizter Zylinder.
[0032] Die erforderliche hohe Oberflächenfestigkeit macht eine Oberflächenveredelung nötig.
Diese erfolgt in der Papiermaschine über eine Leimpresse oder Filmpresse. Es wird
hier ein pigmentfreier Oberflächenauftrag überwiegend organischer Binder (Stärke)
in einem Auftragsgewicht von unterhalb 3 g/m
2 je Seite aufgebracht. Es ist anzumerken, dass man in der Papierherstellung bei einem
derart geringen Oberflächenauftrag noch nicht von einem Strich spricht. Deshalb ist
das erfindungsgemäße Naturpapier nach üblichem Standard als ungestrichen zu bezeichnen.
Ohnehin wird bei einem pigmentfreien Oberflächenauftrag von einem Naturpapier gesprochen.
[0033] Als Cobinder kann in geringem Umfang ein speziell für die angestrebte Laser- und
Tintenstrahltauglichkeit ausgewiesenes synthetisches Bindemittel (Primer) zum Einsatz
kommen. Dieses wird dem beschriebenen Stärkeauftrag beigemischt und stellt letztendlich
z.B. die Tonerhaftung beim Laserdruck sicher.
[0034] Das erfindungsgemäße blickdichte ungestrichene Geschäftsausstattungspapier ist äußerst
umweltfreundlich, weil es als Naturpapier ohne Nassverfestiger hergestellt wird und
ein Wiederauflösen im Recyclingprozess bei geringen Energieeinträgen ermöglicht.
[0035] Die technische Charakteristik des erfindungsgemäßen ungestrichenen Naturpapiers mit
unterschiedlichen Flächengewichten ist in der nachfolgenden Tabelle 4 dargestellt:
Tabelle 4
| blickdichtes, ungestrichenes Geschäftsausstattungspapier |
90g/m2 |
100g/m2 |
135g/m2 |
260g/m2 |
330g/m2 |
| DIN EN ISO 536 |
flächenbezogene Masse, g/m2 |
87 - 93 |
97 - 103 |
132 - 138 |
252 - 268 |
320 - 340 |
| DIN EN 20534 |
Dicke, µm |
105 - 125 |
110 - 130 |
150 - 180 |
280-320 |
380-420 |
| DIN EN 20534 |
spezifisches Volumen, cm3/g |
1,1 - 1,3 |
1,1 - 1,3 |
1,1 - 1,3 |
1,1 - 1,3 |
1,1 - 1,3 |
| |
Füllstoffanteil, % |
> 20 |
> 20 |
> 20 |
> 20 |
> 20 |
| DIN EN ISO 1924-2 |
Zugversuch Reißmeter längs, m |
> 6.500 |
> 6.500 |
> 5.500 |
> 5.000 |
> 5.000 |
| Reißmeter quer, m |
> 3.000 |
> 3.000 |
> 2.500 |
> 2.000 |
> 2.000 |
| DIN EN 21974 |
Durchreißversuch nach Elmendorf Mittelwert, längs und quer, mN |
> 600 |
> 600 |
> 850 |
> 1000 |
> 1200 |
| US D2482 - 66T |
Dennison Wachstest |
16/16 |
16/16 |
16/16 |
16/16 |
16/16 |
| DIN EN 20535 |
Wasseraufnahme nach Cobb, g/m2 |
25 - 40 |
25 - 40 |
25 - 40 |
25 - 40 |
25 - 40 |
| DIN 53108 |
Rauhigkeit nach Bendtsen, ml/min |
100 - 350 |
100 - 350 |
100 - 350 |
100 - 350 |
100 - 350 |
| DIN 53124 |
pH-Wert |
∼ 9 |
∼ 9 |
∼ 9 |
∼ 9 |
∼ 9 |
| TAPPI 425 |
Opazität, % |
> 97 |
> 97 |
> 98 |
> 99 |
> 99 |
| |
relative Feuchte, % |
40 ± 5 |
40 ± 5 |
40 ± 5 |
40 ± 5 |
40 ± 5 |
| DIN 53126 |
Beschreibbarkeit mit Tinte |
beschreibbar |
beschreibbar |
beschreibbar |
beschreibbar |
beschreibbar |
| |
Bedruckbarkeit Inkjet und Laser |
(Text und Grafik) |
[0036] Mit dem erfindungsgemäßen ungestrichenen holzfreien Naturpapier wurde ein Geschäftsausstattungspapier
bereitgestellt, das als im Wesentlichen frei von synthetischen oberflächenkritischen
Bindemitteln ist, eine im Vergleich zu herkömmlichen Naturpapieren vergleichbare oder
bessere Druckqualität und eine ausreichende Steifigkeit und Festigkeit aufweist, um
bei hoher Maschinengeschwindigkeit hergestellt und in üblichen (Offset-) Rotationsdruckmaschinen
verarbeitet zu werden, und gleichzeitig für den Einsatz als Kopier- oder Druckpapier
für Laser- und Tintenstrahldruckverfahren geeignet ist.
1. Ungestrichenes holzfreies Naturpapier, das zur Verwendung als Geschäftsausstattungspapier
geeignet ist, mit
- einem Weißgrad von über 70 %,
- einer absoluten Papierfeuchte von etwa 5,4 % bis 6,0 %,
- einer Opazität von größer als 95 % bei einem Flächengewicht von ca. 90 g/m2 bis ca. 120 g/m2,
- einem beidseitigen Oberflächenveredelungsauftrag von kleiner als 3 g/m2, und
- einem Füllstoffanteil von über 20 % des eingesetzten Rohmaterials.
2. Ungestrichenes holzfreies Naturpapier nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass es bei einem Flächengewicht von 90 g/m2 bis 135 g/m2 eine Opazität von größer als 97 % aufweist.
3. Ungestrichenes holzfreies Naturpapier nach der Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der beidseitige Oberflächenveredelungsauftrag aus im Wesentlichen organischem Binder
(Stärke) aufgebaut ist und frei von Pigmenten ist.
4. Ungestrichenes holzfreies Naturpapier nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Oberflächenveredelungsauftrag zusätzlich ein synthetisches Bindemittel als chemisches
Additiv aufweist.
5. Ungestrichenes holzfreies Naturpapier nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Material des Füllstoffanteils aus Titandioxid (TiO2), präzipiertem Kalziumcarbonat (PCC), Talkum, Kaolin oder Kalziumcarbonat (CaCO3) gebildet ist.
6. Ungestrichenes holzfreies Naturpapier nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass es sich sowohl für Tintenstrahl-, Laser- und Offsetdruck eignet.
7. Briefhülle enthaltend ein ungestrichenes holzfreies Naturpapier nach einem der Ansprüche
1 bis 6, gekennzeichnet durch ein Flächengewicht von 100 g/m2, wobei die Briefhülle im Wesentlichen innendruckfrei ausgebildet ist.