[0001] Gegenstand der Erfindung ist eine Haltevorrichtung für ein Werkzeug zur Bearbeitung
eines textilen oder nicht textilen Flächengebildes bei einer Nähmaschine und ein Verfahren
zum Bearbeiten des Flächengebildes mit dem Werkzeug gemäss den Merkmalen der Patentansprüche
1 und 9.
[0002] Nähmaschinen und Stickmaschinen umfassen jeweils eine Stichbildungsvorrichtung zum
Erstellen von Nähten oder Stickmustern in einem textilen Flächengebilde bzw. Nähgut.
Dabei wird das Nähgut in einer Ebene unterhalb eines Maschinenkopfs relativ zu einer
Nähnadel bewegt bzw. schrittweise verschoben. Die Nähnadel ist wieder lösbar mit einem
am unteren Ende einer Nadelstange angeordneten Nadelhalter verbunden. Die Nadelstange
ragt unten am Maschinenkopf hervor und ist von einem Nadelstangenantrieb in axialer
Richtung auf- und abbewegbar, derart, dass die Nähnadel Nähstiche ausführen kann.
In geringem Abstand ragt parallel zur Nadelstange eine Nähfussstange unten am Maschinenkopf
hervor. Sie umfasst in der Regel ein konisch bzw. kegelartig zugespitztes unteres
Ende zum Ankoppeln und Befestigen verschiedener Nähfüsse. Jeder der Nähfüsse umfasst
einen mit dem konischen Ende der Nähfussstange korrespondierenden Schaft und kann
so leicht von unten her auf die Nähfussstange aufgesetzt werden. Dabei wird der Nähfuss
automatisch zentriert und gegebenenfalls durch weitere Ausrichtmittel in eine vorgegebene
Solllage gebracht. Dort kann er z.B. mittels eines Haltebügels oder eines anderen
Befestigungsmittels fixiert werden. Solche Nähfüsse sind in unterschiedlichen Ausführungsformen
- je nach Art der auszuführenden Stiche - bekannt. Zum Nähen wird die Nähfussstange
mit dem Nähfuss abgesenkt, derart, dass die Nähfusssohle auf dem Nähgut aufliegt.
Die Nähfussstange wird durch die Kraft einer Feder nach unten gedrückt, sodass die
Nähfusssohle federnd auf die Oberseite des Nähguts gedrückt wird. Die Nähnadel mit
dem Oberfaden wird zumindest näherungsweise vertikal zur Nähgutebene in das Nähgut
eingestochen und in entgegengesetzter Richtung wieder herausgezogen. Das Nähgut kann
z.B. durch einen Transporteur vor der Ausführung des jeweils nächsten Nähstichs in
die dafür erforderliche neue Position verschoben werden. Alternativ kann das Nähgut
auch in einen Stickrahmen eingespannt sein. Mittels einer x-y-Bewegungsvorrichtung
wird der Stickrahmen schrittweise verschoben, derart, dass jeweils die nächste Einstichstelle
des Nähguts unter die Nähnadel zu liegen kommt. Die Bewegungen des Stickrahmens werden
von der Nähmaschinensteuerung oder alternativ von einem PC bzw. von einer externen
Steuerung kontrolliert und erfolgen koordiniert mit den Stichbewegungen der Nadelstange.
Bei einer weiteren alternativen Anwendung, z.B. dem Stopfen oder Quilten, wird das
Nähgut manuell in der Nähgutebene verschoben. Diese Techniken werden als hinlänglich
bekannt vorausgesetzt.
[0003] Es ist auch bekannt, anstelle von Nähnadeln andere Werkzeuge zum Bearbeiten des Nähguts
zu verwenden. So kann beispielsweise anstelle einer Einfach- oder Mehrfachnähnadel
eine Schneidnadel an der Nadelstange befestigt werden, welche zum Schneiden des Nähguts
verwendet werden kann.
[0004] Aus der
JP7133575 ist eine weitere alternative Anwendung einer Nähmaschine zum punktweisen Aufbringen
von Farben auf ein Stoff- oder Papierstück bekannt. Das textile oder nicht textile
Flächengebilde wird dabei in einen Stickrahmen eingespannt bzw. von diesem gehalten
und ist durch dessen x-y-Antrieb in der Nähebene unterhalb der Nadelstange verschiebbar.
Ein Zeichenstift oder Tintenstempel ist starr am unteren Ende der Nähfussstange befestigt.
Angetrieben vom Hüpfermechanismus kann die Nähfusstange mit dem Zeichenstift bzw.
dem Stempel auf das Nähgut abgesenkt und wieder angehoben werden. Ähnlich wie beim
Sticken wird das Nähgut entsprechend dem zu erstellenden Druckmuster schrittweise
verschoben. Anstelle der Ausbildung von Nähstichen durch eine an der Nadelstange gehaltene
Nähnadel werden aber Bildpunkte durch Absenken und Anheben bzw. Lüften der Nähfussstange
auf dem Nähgut erzeugt.
[0005] Ein Nachteil dieser Methode liegt darin, dass diese Vorrichtung nur bei speziell
ausgerüsteten Nähmaschinen eingesetzt werden kann. Zudem ist der Hub des Hüpfermechanismus
relativ klein. Dies kann insbesondere bei dicken Stoffen oder bei mehreren Stofflagen
zu Problemen führen.
[0006] Eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es deshalb, eine verbesserte Vorrichtung
und ein einfaches Verfahren zum Aufbringen von Farben auf ein Flächengebilde mittels
beliebiger handelsüblicher Nähmaschinen zu schaffen. Eine weitere Aufgabe der Erfindung
ist es, die Vorrichtung und das Verfahren derart auszubilden, dass zum Aufbringen
der Farben bzw. zum Bedrucken des Flächengebildes handelsübliche Textilschreiber bzw.
Schreibstifte benutzt werden können. Eine weitere Aufgabe der Erfindung besteht darin,
die Vorrichtung und das Verfahren derart auszubilden, dass anstelle von Schreibstiften
auch andere Bearbeitungswerkzeuge verwendet werden können, und dass anstelle des Aufbringens
von Farbe - entsprechend der jeweils verwendeten Werkzeuge - das Flächengebilde auch
in anderer Weise bearbeitet werden kann.
[0007] Diese Aufgaben werden gelöst durch eine Haltevorrichtung für ein Werkzeug und durch
ein Verfahren zum Bearbeiten eines textilen oder nicht textilen Flächengebildes gemäss
den Merkmalen der Ansprüche 1 und 9.
[0008] Die erfindungsgemässe Haltevorrichtung wird analog zu einem handelsüblichen Nähfuss
an der Nähfussstange der Nähmaschine befestigt. Die Haltevorrichtung umfasst einen
Werkzeughalter zum Aufnehmen und Befestigen eines handelsüblichen Textilschreibers
oder alternativ eines anderen Werkzeugs. Der Werkzeughalter ist an einem Basisteil
schwenkbar oder in anderer Weise geführt bewegbar oder verschiebbar gehalten. Wenn
die Haltevorrichtung an der Nähfussstange befestigt ist, gelangt die Nadelstange bzw.
ein mit der Nadelstange verbundenes Übertragungsteil wie z.B. der Nadelhalter beim
Absenken bzw. beim Ausführen einer Stichbewegung in Kontakt mit einem Kopplungselement
am Werkzeughalter. Durch die Krafteinwirkung der Nadelstange bzw. des Übertragungsteils
auf das Kopplungselement führt der Werkzeughalter mit dem Werkzeug eine Bewegung entsprechend
des oder der durch die Führung vorgegebenen Bewegungsfreiheitsgrade aus. Vorzugsweise
ist der Werkzeughalter derart federbelastet, dass er ohne zusätzliche Krafteinwirkung
seitens der Nadelstange in einer Grundstellung am Basisteil gehalten ist bzw. in diese
Grundstellung zurückkehrt, wenn die Krafteinwirkung der Nadelstange entfällt. Bei
einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung ist die Haltevorrichtung so ausgebildet,
dass der Werkzeughalter entgegen der Federkraft einer Rückstellfeder um wenige Millimeter
geführt parallel zur Nähfussachse nach unten verschoben wird, wenn das untere Ende
der Nadelstange bzw. ein daran gehaltenes Übertragungselement wie z.B. ein Teil des
Nadelhalters bei der Abwärtsbewegung kurz vor dem unteren Wendepunkt auf einen als
Kopplungselement bezeichneten Bereich des Werkzeughalters auftrifft. Vorzugsweise
umfasst das Übertragungselement einen Stossdämpfer oder ein elastisch federndes Element
wie z.B. eine Feder, um die Schläge der Nadelstange zu dämpfen bzw. abzufedern. Zum
Bewegen des Werkzeughalters und damit auch des daran befestigten Werkzeugs kann die
Bewegung der Nadelstange genutzt werden, wie sie sonst bei einem herkömmlichen Näh-oder
Stickvorgang vorgesehen ist. Alternativ oder zusätzlich zur Axialbewegung der Nadelstange
könnte auch eine Schwenkbewegung der Nadelstange, wie sie herkömmlich bei Zick-Zack-Stichen
verwendet wird, zur Bewegungsübertragung an den Werkzeughalter genutzt werden.
[0009] Bei einer bevorzugten Ausgestaltung der Haltevorrichtung ist der Werkzeughalter zum
Aufnehmen handelsüblicher Textilstifte ausgebildet. Er kann z.B. auswechselbare Adapter
zum Fixieren solcher Stifte in einer definierten Lage umfassen, derart, dass die Schreibspitze
im Schnittpunkt der Stiftachse und der Nadelstangenachse liegt und dass auf dem Nähgut
anstelle von Einstichstellen der Nähnadel Farbpunkte des Textilschreibers ausgebildet
werden. Alternativ können der Werkzeughalter bzw. die Adapter auch so ausgebildet
sein, dass die Schreibspitze des Textilschreibers etwas radial versetzt zur verlängerten
Nadelstangenachse angeordnet ist. In diesem Fall ist es möglich, selbst bei in den
Nadelhalter eingesetzter Nähnadel parallel versetzt zu den Nähstichen Farbpunkte mit
dem Textilschreiber auf dem Nähgut auszubilden. Der Werkzeughalter ist vorzugsweise
so ausgebildet, dass die Achse des darin fixierten Textilschreibers geneigt zur Nadelstangenachse
angeordnet ist. Auf diese Weise ist die Länge der verwendbaren Textilschreiber nicht
durch den Abstand zwischen dem Maschinenkopf und dem Nähgut beschränkt. Bei Verwendung
von Mehrfachnadeln oder bei radial versetzt bezüglich der Nadelstangenachse angeordneter
Schreibspitze des Textilschreibers ist es möglich, simultan mit einem Näh- bzw. Stickvorgang
ein Flächengebilde zu bedrucken. In diesem Fall bleibt die Nähnadel während des Bearbeitens
des Flächengebildes in den Nadelhalter eingesetzt. Optional kann die Haltevorrichtung
einen Justiermechanismus umfassen, der es erlaubt, den Bewegungsbereich des Werkzeughalters
einzugrenzen. Mit dem Justiermechanismus können beispielsweise Begrenzungen für die
Lagen der Grundstellung und/oder der Endstellung des Werkzeughalters in Bezug auf
das Basisteil eingestellt werden. In diesem Fall kann der Justiermechanismus z.B.
zur Anpassung der Höhenlage des Textilschreibers relativ zum zu bearbeitenden Flächengebilde
verwendet werden.
[0010] Allgemein kann die Justiervorrichtung Mittel zum Einstellen der gegenseitigen Lage
zweier relativ zueinander bewegbaren Objekte umfassen, wobei mindestens eines dieser
Objekte ein Element der Haltevorrichtung ist. Beispiele solcher Objektpaare sind Nähfussstange-Basisteil,
Basisteil-Werkzeughalter, Werkzeughalter-Adapter (für Werkzeug); Werkzeughalter-Werkzeug.
[0011] Die Haltevorrichtung oder ein Adapter zum Befestigen des Werkzeugs am Werkzeughalter
können so ausgebildet sein, dass das Werkzeug in unterschiedlichen Lagen relativ zum
Basisteil befestigt werden kann. So kann beispielsweise ein Textilschreiber mit unterschiedlichen
Neigungswinkeln bezüglich der Nadelstangenachse mittels der Haltevorrichtung an die
Nähmaschine angeschlossen werden. Ein wesentlicher Vorteil der Erfindung liegt darin,
dass die Haltevorrichtung anstelle eines herkömmlichen Nähfusses an nahezu beliebige
Nähmaschinen angeschlossen werden kann, und dass dafür in der Regel keine weiteren
Anpassungen auf Seite der Nähmaschine erforderlich sind. Die Höhe bzw. Lage der Haltevorrichtung
am Nähfuss kann fest vorgegeben oder alternativ einstellbar sein. Die Haltevorrichtung
kann bei unterschiedlichen Konfigurationen einer Nähmaschine mit oder ohne aktivem
Transporteur oder Stickrahmen genutzt werden. Zur Bearbeitung eines textilen Flächengebildes
mit dem in der Haltevorrichtung gehaltenen Werkzeug können unterschiedliche Betriebsarten
der Nähmaschine verwendet werden. Insbesondere kann das Werkzeug analog zu einem Nähvorgang
mit zyklischen Bewegungen der Nadelstange betrieben werden. Das Flächengebilde kann
dabei synchron zur Nadelstangenbewegung automatisch durch die jeweilige Transportvorrichtung
oder manuell relativ zum Werkzeug verschoben werden. Die Nadelstange muss nicht zwingend
zyklische Bewegungen ausführen. Sie kann z.B. temporär von der antreibenden Oberwelle
entkoppelt oder durch entsprechende Steuerung der Oberwellenbewegung in vorgebbare
Lagen gebracht werden. Insbesondere kann so ein Textilschreiber als Werkzeug durch
eine halbe Umdrehung der Oberwelle in eine Arbeitsstellung abgesenkt werden. In dieser
Arbeitsposition liegt die Schreibspitze auf dem Flächengebilde auf. Durch Verschieben
des Flächengebildes können ausgezogene Linien auf dem Flächengebilde erstellt werden.
Danach wird das Werkzeug durch eine weitere halbe Umdrehung der Oberwelle wieder in
eine Ruhelage angehoben. Vorzugsweise ist die Steuerung so ausgebildet, dass die Bewegungen
der Nadelstange und des Nähguts unabhängig voneinander kontrolliert werden können.
Bei einer besonders bevorzugten Variante können auch die Bewegungsgeschwindigkeiten
des Stickrahmens und/oder der Nadelstange von der Steuerung kontrolliert werden. Durch
unterschiedliche Einwirkungszeiten des Textilschreibers auf das Flächengebilde kann
das Erscheinungsbild der erzeugten Linien verändert werden. Durch ein sanftes und
schonendes Aufsetzen der Schreiberspitze auf dem Flächengebilde kann die Fleckenbildung
bei den Ansatzstellen von Linien verhindert werden. Zudem erhöht sich dadurch die
Nutzungsdauer des Textilschreibers. Anhand einiger Figuren wird eine beispielhafte
Ausführungsform der Erfindung im Folgenden näher beschrieben. Dabei zeigen
- Figur 1
- eine perspektivische Ansicht einer teilweise aufgeschnittenen Nähmaschine mit daran
angeschlossener Haltevorrichtung für einen Textilschreiber,
- Figur 2
- ein in Figur 1 mit einem Kreis 2 umrahmtes Detail der Nähmaschine im Bereich der Haltevorrichtung
mit dem Textilschreiber,
- Figur 3
- eine Seitenansicht der Anordnung aus Figur 1 im Bereich der Haltevorrichtung in einer
ersten Betriebsstellung,
- Figur 4
- die Anordnung aus Figur 3, jedoch in einer zweiten Betriebsstellung,
- Figur 5
- die Anordnung aus Figur 3, jedoch mit an die Nadelstange angeschlossener Nähnadel.
[0012] Figur 1 zeigt eine teilweise aufgeschnittene Nähmaschine 1 mit einer daran angeschlossenen
Haltevorrichtung 3 für einen Textilschreiber 5. Der durch eine Kreislinie 2 umrahmte
Teilbereich ist in Figur 2 vergrössert dargestellt. Unten am Maschinenkopf 7 ragt
eine Nadelstange 9 hervor, die von einem Nadelstangenantrieb in vertikaler Richtung
bzw. in Richtung der Nadelstangenachse 8 auf- und ab bewegbar ist. Am unteren Ende
der Nadelstange 9 ist ein Nadelhalter 11 zum wieder lösbaren Befestigen einer Nähnadel
13 (Fig. 5) fest mit der Nadelstange 9 verbunden. Der Textilschreiber 5 ist derart
in einem Werkzeughalter 15 der Haltevorrichtung 3 gehalten, dass seine Schreibspitze
unmittelbar in der Verlängerung der Nadelstangenachse 8 oder leicht radial versetzt
dazu oberhalb der Stichplatte 17 angeordnet ist. Figur 3 zeigt die Anordnung aus Figur
1 in einer teilweise aufgeschnittenen Seitenansicht. Die Haltevorrichtung 3 umfasst
einen Basisteil 19 mit einem Nähfussschaft 21 für die Befestigung am in der Regel
konisch ausgebildeten unteren Ende einer Nähfussstange 23. Der Basisteil 19 wird analog
zu einem Nähfuss z.B. mittels eines Befestigungshebels 25 fest mit der Nähfussstange
23 verbunden. Der Basisteil 19 umfasst einen ersten Führungsbolzen 27. Ist die Haltevorrichtung
3 an der Nähfussstange 23 befestigt, ragt der erste Führungsbolzen 27 parallel zur
Nähfussstangenachse 24 nach unten in eine entsprechende erste Bohrung 29 an einem
parallel zur Stichplatte 17 ausgerichteten ersten Schenkel 15a des Werkzeughalters
15. An diesem ersten Schenkel 15a ragt ein zweiter Führungsbolzen 31 parallel zum
ersten Führungsbolzen 27 nach oben in eine entsprechende zweite Bohrung (nicht sichtbar)
am Basisteil 19. Die erste Bohrung 29 und die zweite Bohrung sind als Lager für die
jeweiligen Führungsbolzen 27, 31 ausgebildet. Anstelle runder Führungsbolzen 27, 31
können auch andere lineare Führungselemente und entsprechend angepasste Lager vorgesehen
sein. Quer zur zweiten Bohrung ist am Basisteil 19 eine Ausnehmung ausgebildet, welche
die zweite Bohrung in einem mittleren Abschnitt des Basisteils 19 freilegt und angrenzend
an die zweite Bohrung eine untere Anschlagfläche 33a und eine obere Anschlagfläche
33b am Basisteil 19 freilegt. Zwischen den beiden Anschlagflächen 33a, 33b ist eine
Schraubenfeder 35 zwischen der unteren Anschlagfläche 33a und einem am zweiten Führungsbolzen
31 radial vorstehenden Begrenzungsmittel, z.B. einem Seegering 37, derart mit leichter
Vorspannung gehalten, dass der Seegerring 37 an der oberen Anschlagfläche 33b ansteht.
Dadurch wird der Werkzeughalter 15 in einer Grundstellung bzw. einer ersten Arbeitsstellung
gehalten, wie dies in Figur 3 dargestellt ist. Wirkt eine ausreichend grosse zusätzliche
Druckkraft von oben her auf den horizontal ausgerichteten ersten Schenkel 15a des
Werkzeughalters 15, verschiebt sich der Werkzeughalter 15 geführt entlang des ersten
Führungsbolzens 27 entgegen der Federkraft der Schraubenfeder 35 nach unten. Entfällt
die zusätzliche Druckkraft oder wird diese ausreichend klein, drückt die Kraft der
Schraubenfeder 35 den Werkzeughalter 15 wieder nach oben in die ursprüngliche Grundstellung
zurück. Die Federkonstante bzw. die Kraft der Schraubenfeder 35 ist so bemessen, dass
sie den Werkzeughalter 15 mit dem darin gehaltenen Werkzeug - im vorliegenden Beispiel
ist dies der Textilschreiber 5 - problemlos schnell und zuverlässig in die Grundstellung
anzuheben vermag. Erfindungsgemäss ist die Haltevorrichtung 3 so ausgebildet, dass
die Bewegung der Nadelstange 9 der Nähmaschine 1, wie sie während des Nähens erfolgt,
dazu genutzt werden kann, den Werkzeughalter 15 mit dem darin befestigten Werkzeug
in der beschriebenen Art zu bewegen. Der Werkzeughalter 15 umfasst eine Kopplungseinrichtung
39, welche so ausgebildet und angeordnet ist, dass die Nadelstange 9 oder ein anderes,
an der Nadelstange 9 ausgebildetes bzw. mit dieser verbundenes Übertragungselement
41 Bewegungsenergie an den Werkzeughalter 15 übertragen kann. Beim dargestellten Beispiel
ist das Übertragungselement 41 die Unterseite des Nadelhalters 11. Die Kopplungseinrichtung
39 ist so ausgebildet und angeordnet, dass das Übertragungselement 41 beim Ausführen
einer Ab-Auf-Bewegung der Nadelstange 9, wie sie beim Nähen erfolgt, mindestens auf
einem Abschnitt dieses Bewegungszyklus' mit der Kopplungseinrichtung 39 gekoppelt
ist und so den Werkzeughalter 15 entsprechend der vorgegebenen Führung zu bewegen
vermag. Bei einer einfachen Ausgestaltung der Erfindung könnte die Kopplungseinrichtung
39 direkt als Teilbereich des ersten Schenkels 15a des Werkzeughalters 15 ausgebildet
sein, wobei die verlängerte Nadelstangenachse 8 diesen Teilbereich schneidet. Vorzugsweise
umfasst die Kopplungseinrichtung 39 einen Stossdämpfer oder ein elastisch federndes
Element wie z.B. eine Feder, um die Schläge der Nadelstange 9 bzw. des daran gehaltenen
Übertragungselements 41 beim Auftreffen auf den ersten Schenkel 15a zu dämpfen bzw.
abzufedern. Selbstverständlich könnte ein solches Dämpf- oder Federglied alternativ
auch auf Seite der Nadelstange 9 bzw. am Übertragungselement 41 ausgebildet sein.
Ein solches federndes Element kann zugleich auch ein gefedertes bzw. elastisches Aufdrücken
des Werkzeugs auf das zu bearbeitende Nähgut bewirken.
Der Werkzeughalter 15 umfasst angrenzend an den ersten Schenkel 15a einen zweiten
Schenkel 15b. Die beiden Schenkel 15a, 15b schliessen einen Winkel 90°+α ein, derart,
dass ein am zweiten Schenkel 15b achsparallel fixierter Textilschreiber 5 unter einem
Neigungswinkel α bezüglich der Nadelstangenachse 8 geneigt ist. Dabei wird vorausgesetzt,
dass die Nadelstangenachse 8 vertikal zur Oberfläche der Stichplatte 17 bzw. zum darauf
aufliegenden Flächengebilde 44 bzw. Nähgut ausgerichtet ist. Der Neigungswinkel α
ist grösser oder gleich 0°. Er kann z.B. etwa 45° betragen und liegt vorzugsweise
in einem Bereich von etwa 30° bis etwa 60°. Die Lage bzw. Orientierung des zweiten
Schenkels 15b relativ zum ersten Schenkel 15a kann fest vorgegeben oder alternativ
mittels eines kontinuierlich oder in Stufen verstellbaren Einstellmittels (nicht dargestellt)
eingestellt werden. Alternativ kann ein Werkzeughalter 15 auch so ausgebildet sein,
dass der Textilschreiber 5 bzw. das Werkzeug in einer Grundstellung des Werkzeughalters
15 passiv auf dem Flächengebilde 44 aufliegt oder auf dieses aufgedrückt wird, und
durch die Einwirkung der Nadelstange 9 vom Flächengebilde 44 abgehoben wird. Nach
dem Entkoppeln der Nadelstange 9 vom Werkzeughalter 15 (z.B. durch Schwenken der Nadelstange
9 mittels des Zick-Zack-Antriebs in eine Ausrichtung, bei der das Übertragungselement
41 nicht mehr auf das Kopplungselement 39 einwirken kann oder alternativ durch Stoppen
der Nadelstangenbewegung) wird der Textilschreiber 5 solange nicht mehr vom Flächengebilde
44 abgehoben, bis die Kopplung mit der Nadelstange 9 wieder hergestellt wird. Auf
diese Weise kann das Werkzeug kontinuierlich auf das Flächengebilde 44 einwirken.
Mit einem Textilschreiber 5 können so nebst Punktbildern auch Bilder mit ausgezogenen
Linien erstellt werden.
Bei einer weiteren alternativen Ausgestaltung der Erfindung kann der Werkzeughalter
15 auch gelenkig permanent oder wieder lösbar mit der Nadelstange 9 und/oder der Nähfussstange
23 verbunden sein (keine Darstellung).
[0013] Bei weiteren alternativen Ausgestaltungen der Erfindung kann der Werkzeughalter 15
auch zum Befestigen beliebiger anderer Werkzeuge wie z.B. Schneidmessern, Klebstoffpatronen
oder eines Lasers für die Materialbearbeitung ausgebildet sein. Nebst passiven Werkzeugen
können somit ausdrücklich auch aktive Werkzeuge wie Laser, motorisch betriebene.Scheren
und dergleichen genutzt werden, welche z.B. über ein Verbindungskabel zur Nähmaschinensteuerung
mit Energie versorgt und gegebenenfalls von der Nähmaschinensteuerung kontrolliert
werden. Der Werkzeughalter 15 mit dem Werkzeug kann vorzugsweise in beliebigen Lagen
relativ zum Basisteil 19 angeordnet und ausgerichtet werden.
Beim vorliegenden Beispiel einer Haltevorrichtung 3 für einen Textilschreiber 5 ist
vorzugsweise eine Justiereinrichtung (nicht dargestellt) vorgesehen, welche es erlaubt,
z.B. mittels einer Justierschraube das Höhenniveau der Schreiberspitze 45 relativ
zum ersten Schenkel 15a einzustellen. Damit kann in der Grundstellung des Werkzeughalters
der Abstand H = H1 oder bei voll abgesenkter Nadelstange 9 der Abstand H = H2 zwischen
der Schreiberspitze 45 und der Stichplatte 17 vorgegeben werden. Bei voll abgesenkter
Nadelstange 9 - dies entspricht einer zweiten Arbeitsstellung und ist in Figur 4 dargestellt
- kann die Schreiberspitze 45 auch auf der Stichplatte 17 aufliegen. Der Abstand H
= H2 ist dann gleich Null. In diesem Bereich kann mit der Justiereinrichtung die Andruckkraft
der Schreiberspitze 45 gegen die Stichplatte 17 eingestellt werden. Liegt ein Flächengebilde
44 auf der Stichplatte 17 auf, kann in analoger Weise die Auflagekraft der Schreiberspitze
45 auf dem Flächengebilde 44 verändert und an die Dicke und Art des Flächengebildes
44 angepasst werden. Zum Ausrichten und Fixieren unterschiedlicher Textilstifte 5
in einer definierten Lage am Werkzeughalter 15 kann dieser z.B. austauschbare Einsätze
oder Adapter 47 und federnde Klemmmittel 49 umfassen. In Figur 2 sind beispielsweise
ein manschettenartig ausgebildeter Adapter 47 im Bereich der Schreiberspitze 45 und
federnde Haltebügel als Klemmmittel 49 im hinteren Bereich des zweiten Schenkels 15b
dargestellt. Am hinteren Ende der Haltevorrichtung 3 ist ein Anschlag ausgebildet,
der verhindert, dass sich der Textilstift 5 während des Betriebs axial verschieben
kann: Der Anschlag kann auch federnd und/oder in seiner Lage verstellbar ausgebildet
sein. Dadurch ist eine Anpassung an unterschiedliche Textilstifte 5 möglich.
Figur 5 zeigt eine Anordnung gemäss Figur 3, jedoch mit einer in den Nadelhalter 11
eingesetzten Nähnadel 13. Falls die Nähnadel 13 eine Mehrfach-Nähnadel ist, bei der
keine der einzelnen Nähnadeln 13 koaxial zur Nadelstangenachse 8 liegt, kann die Schreibspitze
45 des Textilschreibers 5 wie in Figur 5 dargestellt ohne radialen Versatz bezüglich
der verlängerten Nadelstangenachse 8 angeordnet werden. Andernfalls kann der Werkzeughalter
15 bzw. der Adapter so ausgebildet oder ausgerichtet sein, dass die Schreiberspitze
45 bezüglich der Nadelstangenachse 8 einen radialen Versatz aufweist, der in der Grössenordnung
von z.B. etwa einem Millimeter bis z.B. etwa 25mm liegen kann und optional verstellbar
ist.
Bei alternativen Ausgestaltungen der Erfindung kann der Werkzeughalter 15 oder Teile
davon wie z.B. ein oder mehrere Adapter 47 auch zum Aufnehmen und Fixieren anderer
Werkzeuge anstelle von Textilschreibern 5 ausgebildet sein (keine Darstellung). Anstelle
oder zusätzlich zur vertikalen Auf-Ab-Bewegung der Nadelstange 9 kann bei weiteren
Ausgestaltungen der Erfindung auch eine durch den Zick-Zack-Antrieb der Nähmaschine
1 generierbare Schwenk- oder Pendelbewegung der Nadelstange 9 dazu genutzt werden,
eine Bewegung oder eine andere Aktion des am Werkzeughalter 15 gehaltenen Werkzeugs
zu veranlassen oder zu beeinflussen. Insbesondere kann ein Werkzeug nicht nur passive
Elemente, sondern auch aktive Komponenten umfassen, beispielsweise eine Laserlichtquelle
zum lokalen Erhitzen des Flächengebildes 44 oder einen piezoelektrischen Schwingungserzeuger
für ein Schneidemesser (keine Darstellung).
1. Haltevorrichtung (3) für ein Werkzeug zum Bearbeiten eines textilen oder nicht textilen
Flächengebildes (44) bei einer Nähmaschine (1), dadurch gekennzeichnet, dass an einem Basisteil (19) ein Nähfussschaft (21) zum Befestigen der Haltevorrichtung
(3) an einer Nähfussstange (23) der Nähmaschine (1) ausgebildet ist, dass ein zum
Aufnehmen des Werkzeugs ausgebildeter Werkzeughalter (15) am Basisteil (19) gehalten
ist, und dass der Werkzeughalter (15) eine Kopplungseinrichtung (39) für die Beeinflussung
durch ein an der Nadelstange (9) ausgebildetes Übertragungselement (11) umfasst.
2. Haltevorrichtung (3) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Werkzeughalter (15) zum Aufnehmen bzw. Halten handelsüblicher Textilschreiber
(5) ausgebildet ist.
3. Haltevorrichtung (3) nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Werkzeughalter (15) am Basisteil (19) bewegbar gehalten ist, und dass die Kopplungseinrichtung
(39) derart am Werkzeughalter (15) angeordnet und ausgerichtet ist, dass sie, wenn
die Haltevorrichtung (3) an der Nähfussstange (23) der Nähmaschine (1) befestigt ist,
durch die Bewegung der Nadelstange (9) bewegbar ist.
4. Haltevorrichtung (3) nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Kopplungseinrichtung (39) einen Stossdämpfer oder ein elastisch federndes Element
umfasst.
5. Haltevorrichtung (3) nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Werkzeughalter (15) einen ersten Schenkel (15a) und einen zweiten Schenkel (15b)
umfasst, dass der erste Schenkel (15a) am Basisteil (19) bewegbar gelagert ist, und
dass der zweite Schenkel (15b) mit dem ersten Schenkel (15a) unter Einschluss eines
festen oder verstellbaren Neigungswinkels (90° + α) verbunden ist.
6. Haltevorrichtung (3) nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass der zweite Schenkel (15b) Mittel zum wieder lösbaren Befestigen des Werkzeugs in
einer vorgegebenen Lage umfasst.
7. Haltevorrichtung (3) nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Mittel zum Vorgeben der Lage des Werkzeugs austauschbare Adapter (47) umfassen.
8. Haltevorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass ein Justiermechanismus zum Eingrenzen eines Bewegungsbereichs und/oder zum Beeinflussen
einer relativen Lage vorgesehen ist.
9. Haltevorrichtung (3) nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass am Basisteil (19) und/oder am Werkzeughalter (15) ein Führungsbolzen (27, 31) oder
ein anderes entsprechendes lineares Führungselement ausgebildet ist, derart, dass
der Werkzeughalter (15) bei an die Nähfussstange (23) der Nähmaschine (1) angeschlossener
Haltevorrichtung (3) parallel zur Nähfussachse (24) verschiebbar am Basisteil (19)
gelagert ist, und dass der Werkzeughalter (15) ohne Einwirkung weiterer Kräfte durch
die Kraft einer Feder in einer Grundstellung bzw. einer ersten Arbeitsstellung am
Basisteil (19) gehalten ist.
10. Verfahren zum Bearbeiten eines textilen oder nicht textilen Flächengebildes (44) mit
einem Werkzeug, dadurch gekennzeichnet, dass das Werkzeug mittels einer Haltevorrichtung (3) gemäss einem der Ansprüche 1 bis
9 an der Nähfussstange (23) befestigt und durch die Wirkung der Nadelstangenbewegung
bewegt oder in seiner Aktivität verändert wird.