[0001] Die Erfindung betrifft ein Stranggiessverfahren gemäss dem Oberbegriff des Anspruches
1 sowie eine Vorrichtung zum Durchführen des Verfahrens gemäss dem Oberbegriff des
Anspruches 9.
[0002] Beim Bogen-Stranggiessen von Vorprofilen, insbesondere Doppel-T-Vorprofilen oder
Beam Blank-Vorprofilsträngen, welche einen Steg sowie zwei seitliche Flansche aufweisen,
ist das Kühlwasser auf der Radius-Innenseite im Vorprofilstrang zwischen den Flanschen
gefangen und kann nur entlang des Vorprofilstranges nach unten ablaufen. Das Kühlwasser
muss vor dem Brennschneiden des Vorprofilstranges aus dem Innenbogen entfernt werden,
damit das Schneiden überhaupt möglich ist. Zusätzlich hat das herablaufende Kühlwasser
eine übermässige Kühlung in den Profil-Flanschen zur Folge. Dadurch können beim Richten
des Stranges Risse in diesem entstehen. Durch die stärkere Kühlung der Profilinnenseite
zieht sich dort das Material stärker als auf der Profilaussenseite zusammen, wodurch
sich der Radius verkleinern möchte. Diese Änderung des Radius bewirkt eine zusätzliche
Belastung der Führungsrollen auf der Innenseite.
[0003] Es ist bekannt, wie beispielsweise in der
EP 1 497 056 B1 offenbart, das Kühlwasser im Bereich der bogenförmigen Strangführung des Vorprofilstranges
aus dem Innenbogen des Profils abzusaugen oder mittels Druckluft auszublasen. Bei
all diesen Methoden ist es schwierig, genügend nahe an den Vorprofilstrang zu kommen,
um eine genügend gute Wasserdichtung zu realisieren. Die Verwendung von in den Spalt
geblasener Druckluft zur Verbesserung der Dichtung bewirkt eine zusätzliche starke
Kühlung, die unerwünscht ist. Die benötigte Druckluftmenge ist zudem für den Betreiber
kostspielig.
[0004] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein wirtschaftlich vorteilhaftes
Verfahren der eingangs genannten Art vorzuschlagen sowie eine Vorrichtung zum Durchführen
des Verfahrens zu schaffen, mit denen die übermässige Kühlung im Innenbogen des Vorprofilstranges
weitgehend vermieden werden kann.
[0005] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäss durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruches
1 sowie durch eine Vorrichtung nach Anspruch 9 gelöst.
[0006] Bevorzugte Weitergestaltungen des erfindungsgemässen Verfahrens sowie der erfindungsgemässen
Vorrichtung bilden den Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
[0007] Mit dem erfindungsgemässen Verfahren und der erfindungsgemässen Vorrichtung kann
die durch herablaufendes Kühlwasser verursachte übermässige Kühlung im Innenbogen
des Vorprofilstranges weitgehend vermieden werden, wobei lediglich Wasserdüsen eingesetzt
werden. Es werden weder zusätzliche Umlenkbleche oder Trichter im Schulterbereich,
d.h. zwischen den seitlichen Flanschen und dem Steg des Vorprofils, noch Druckluft
benötigt. Somit entfallen auch die damit verbundenen Installationen und Betriebskosten.
[0008] Die zusätzliche Kühlwirkung durch das Umlenkwasser kann durch die Reduktion des Kühlwassers
kompensiert werden. Um die Unterkühlung zu reduzieren, kann erhitztes Umlenkwasser
eingesetzt werden.
[0009] Beim erfindungsgemässen Verfahren kann die Kühlung des Vorprofilstranges durch Einstellen
der Umlenkwasser-Temperatur vorteilhaft beeinflusst werden.
[0010] Die Erfindung wird nachfolgend anhand der Zeichnung näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine Stranggiessanlage zum Stranggiessen eines Beam Blank-Vorprofilstranges in schematischer
Seitenansicht;
- Fig. 2
- den Vorprofilstrang schematisch im Querschnitt, innerhalb eines wassergekühlten Bereichs
einer bogenförmigen Strangführung; und
- Fig. 3
- den Vorprofilstrang schematisch im Querschnitt, im Bereich einer erfindungsgemässen
Vorrichtung zum Abführen von ablaufendem Kühlwasser aus dem Innenbogen des Vorprofil-stranges.
[0011] Fig.1 zeigt eine Stranggiessanlage 1 mit einer wassergekühlten Kokille 2, aus welcher
das flüssige Metall, insbesondere Stahl, unter Schalenbildung als Giessstrang kontinuierlich
weggeführt wird. Beim Giessstrang handelt es sich um ein Vorprofil, insbesondere ein
Doppel-T-Vorprofil 3, dessen Querschnitt aus Fig. 2 und 3 ersichtlich ist, und der
einen Steg 4 sowie zwei seitliche Flansche 5, 6 aufweist. Die Erstarrung einer äusseren,
festen Strangschale erfolgt bereits in der Kokille 2 (Primärkühlung).
[0012] Der aus der Kokille 2 vertikal austretende Vorprofilstrang 3 wird durch eine bogenförmige
Strangführung 10 geführt und in die Horizontale gebogen. Von einem Richtaggregat 11
gerichtet gelangt er zu einer Brennschneidmaschine 12. Die Strangführung 10 umfasst
mehrere hintereinander angeordnete Strangführungssegmente bzw. Module 10a, 10b (in
Fig. 1 sind zwei angedeutet), von denen zumindest das an die Kokille 2 anschliessende
erste Segment 10a nebst Führungsrollen 15 Sprühdüsen 16 (Fig. 2) zum Zuführen von
Kühlwasser umfasst, mittels denen eine sogenannte Sekundärkühlung des Vorprofilstranges
3 erfolgt.
[0013] Während von der Aussenseite (von der Stegseite 4a sowie von Flanschteilen 5a, 6a
nach Fig.2) des in einem Giessradius erzeugten Vorprofilstranges 3 das Kühlwasser
problemlos weg vom Vorprofilstrang 3, nach unten, abfliessen kann, bleibt auf der
Innenseite, im durch Stegseite 4i sowie durch Flanschteile 5i, 6i begrenzten Innenbogen
des Vorprofilstranges 3 das Kühlwasser gefangen, insbesondere im Übergangsbereich
zwischen dem Steg 4 und dem jeweiligen Flansch 5, 6 bzw. Flanschteil 5i, 6i, wie in
Fig. 2 angedeutet, und hat die Tendenz nach unten, in Richtung zur Brennschneidmaschine
12 hin, abzulaufen. Um dies zu verhindern, wird erfindungsgemäss - nachdem das Kühlwasser
die erwünschte Funktion der Sekundärkühlung erfüllt hat - mittels aus Fig. 3 ersichtlichen
Wasserdüsen 21, 22 Umlenkwasser in den Innenbogen des Vorprofilstranges 3 eingespritzt
und dabei das Kühlwasser aus dem Innenbogen verdrängt. Das Umlenkwasser erzeugt einen
Impuls auf das herunterfliessende Kühlwasser. Die Wasserdüsen 21, 22 sind im wesentlichen
auf den Übergang vom Steg 4 zum jeweiligen Flansch 5, 6 gerichtet, so dass das Kühlwasser
über die Profil-Flanschen 5, 6 bzw. ihre Flanschteile 5i, 6i umgelenkt und samt Umlenkwasser
von einer Auffangvorrichtung 23 aufgefangen und über diese abgeführt wird.
[0014] Die beiden Wasserdüsen 21, 22 sind vorzugsweise mit einem gemeinsamen Wasseranschluss
23 verbunden. Zum besseren Ausspritzen des Profil-Innenbogens können sie mit Vorteil
quer zu den seitlichen Flanschen 5, 6 hin und her beweglich angeordnet sein.
[0015] Die Wasserdüsen mit dem Umlenkwasser werden mit Vorteil bereits im anfänglichen,
im wesentlichen noch vertikalen Bereich der bogenförmigen Strangführung 10 eingesetzt
und beispielsweise im Bereich zwischen den beiden ersten Strangführungssegmenten 10a,
10b angeordnet (mit Pfeil A in Fig. 1 angedeutet). Die vorzugsweise in einer gemeinsamen
Ebene liegenden Wasserdüsen 21, 22 sind dann unter einem vorgegebenen Winkel zur Bogentangente
gerichtet.
[0016] Es ist aber auch möglich, die Wasserdüsen 21, 22 etwa im mittleren Bereich der bogenförmigen
Strangführung 10 anzuordnen, z. B. nach dem zweiten Strangführungssegment 10b nach
der Fig. 1. Das Umlenkwasser wird dann unter einem Winkel zur Bogentangente in den
Innenbogen des Vorprofilstranges 3 eingeführt (mit Pfeil B in Fig. 1 angedeutet).
[0017] Selbstverständlich könnten die Wasserdüsen 21, 22 bzw. eine den beiden Wasserdüsen
21, 22 gemeinsame Ebene auch einen zwischen 0° und 90° betragenden Winkel einschliessen.
[0018] Mit dem erfindungsgemässen Verfahren und der erfindungsgemässen Vorrichtung kann
die durch herablaufendes Kühlwasser verursachte übermässige Kühlung im Innenbogen
des Vorprofilstranges weitgehend vermieden werden, wobei lediglich Wasserdüsen eingesetzt
werden. Es werden weder zusätzliche Umlenkbleche oder Trichter im Schulterbereich,
d.h. zwischen den seitlichen Flanschen des Vorprofils, noch Druckluft benötigt. Somit
entfallen auch die damit verbundenen Installationen und Betriebskosten. Das sowieso
in diesem Bereich verwendete Wasser steht kostengünstig zur Verfügung. Die Umlenkvorrichtung
befindet sich ausserhalb des Schulterbereiches, und es kann daher keine Kollision
zwischen dem Giessstrang und der Umlenkvorrichtung geben.
[0019] Die zusätzliche Kühlwirkung durch das Umlenkwasser kann durch die Reduktion des hinunterfliessenden
Kühlwassers kompensiert werden. Um die Unterkühlung zu reduzieren, kann erhitztes
Umlenkwasser eingesetzt werden.
[0020] Beim erfindungsgemässen Verfahren kann die Kühlung des Vorprofilstranges durch Einstellen
der Umlenkwasser-Temperatur vorteilhaft beeinflusst werden.
1. Stranggiessverfahren zur Erzeugung von Vorprofilen, insbesondere Doppel-T-Vorprofilen,
bei dem das ablaufende Kühlwasser in dem Innenbogen dieses einen Steg (4) sowie zwei
seitliche Flanschen (5, 6) aufweisenden Vorprofilstranges (3) abgeführt wird, wobei
das Kühlwasser im Bereich der bogenförmigen Strangführung (10) des Vorprofilstranges
(3) aus diesem abgeführt wird, dadurch gekennzeichnet, dass
das hinunterfliessende Kühlwasser unter Einsatz von im wesentlichen auf den Übergang
vom Steg (4) zum jeweiligen Flansch (5, 6) gerichteten Wasserdüsen (21, 22) mittels
des über die Wasserdüsen (21, 22) zugeführten Umlenkwassers aus dem Innenbogen des
Vorprofilstranges (3) über die Profilflanschen gedrängt und abgeführt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das aus dem Innenbogen verdrängte bzw. ausgespritzte Kühlwasser sowie das Umlenkwasser
mittels einer Auffangvorrichtung (23) aufgefangen und abgeführt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Wasserdüsen (21, 22) mit dem Umlenkwasser im anfänglichen, im wesentlichen noch
vertikalen Bereich der bogenförmigen Strangführung (10) eingesetzt werden.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass bei einer mehrere Strangführungssegmente (10a, 10b) umfassenden Strangführung (10)
das Umlenkwasser im Bereich zwischen den beiden ersten Strangführungssegmenten (10a,
10b) in den Vorprofilstrang (3) eingeleitet wird.
5. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Umlenkwasser etwa im mittleren Bereich der bogenförmigen Strangführung (10) unter
einem Winkel von ca. 45° zur Bogentangente in den Vorprofilstrang (3) eingeleitet
wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die durch das Umlenkwasser bewirkte zusätzliche Kühlwirkung durch Reduktion des hinunterfliessenden
Kühlwassers kompensiert wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass zur Verhinderung einer Strangunterkühlung erhitztes Umlenkwasser eingesetzt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass durch Einstellen der Umlenkwasser-Temperatur die Kühlung des Vorprofilstranges beeinflusst
wird.
9. Vorrichtung zur Durchführung des Stranggiessverfahrens nach einem der Ansprüche 1
bis 8, welches zum Abführen von ablaufendem Kühlwasser aus dem Innenbogen eines durch
Bogen-Stranggiessen erzeugten Vorprofilstranges (3) dient, welcher einen Steg (4)
sowie zwei seitliche Flanschen (5, 6) aufweist und durch eine bogenförmige Strangführung
(10) geführt ist, dadurch gekennzeichnet, dass
im Bereich der bogenförmigen Strangführung (10) Wasserdüsen (21, 22) zum Zuführen
von Umlenkwasser in den Innenbogen des Vorprofilstranges (3) angeordnet sind, die
im wesentlichen auf den Übergang vom Steg (4) zum jeweiligen Flansch (5, 6) des Vorprofilstranges
(3) gerichtet sind, und die zum Verdrängen des hinunterfliessenden Kühlwassers aus
dem Innenbogen des Vorprofilstranges (3) vorgesehen sind.
10. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass eine Auffangvorrichtung (23) zum Auffangen und Abführen des aus dem Innenbogen des
Vorprofilstranges (3) verdrängten bzw. ausgespritzten Kühlwassers sowie des Umlenkwassers
vorhanden ist.
11. Vorrichtung nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Wasserdüsen (21, 22) unter einem Winkel zur Bogentangente gerichtet sind, der
zwischen annähernd 0° und 90° beträgt.
12. Vorrichtung nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die beiden auf den Übergang vom Steg (4) zum jeweiligen Flansch (5, 6) des Vorprofilstranges
(3) gerichteten Wasserdüsen (21, 22) in einer gemeinsamen Ebene liegen, die mit der
Bogentangente den zwischen annähernd 0° und 90° betragenden Winkel einschliesst.
13. Vorrichtung nach Anspruch 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Wasserdüsen (21, 22) quer zu den seitlichen Flanschen (5, 6) des Vorprofilstranges
(3) hin und her beweglich angeordnet sind.