[0001] Die Erfindung betrifft eine Schutzeinrichtung zum Schutz eines Objektes gegen projektilbildende
Minen und/oder ballistische Geschosse.
[0002] Zum Schutz gegen Geschosse, insbesondere gegen hohlladungsbildende Geschosse, sind
aus der
DE-PS 1 098 412 gepanzerte Fahrzeuge mit doppelter Panzerung bekannt, bei welcher ein vorzugsweise
in Streifen segmentierter Vorpanzer mit Hilfe von Federungsgliedern am Innenpanzer
des entsprechenden Fahrzeuges im Abstand von diesem elastisch nachgiebig angebracht
ist.
[0003] Nachteilig ist bei derartigen bekannten Schutzeinrichtungen der relativ hohe Montageaufwand
sowie bei einem Treffer des Fahrzeuges der Aufwand, der erforderlich ist, um die beschädigten
Segmente der Vorpanzerung einschließlich der Federungsglieder zu ersetzen. Außerdem
weisen derartige Schutzeinrichtungen eine relativ große Wandstärke auf.
[0004] Aus der
WO 2004/088238 A1 ist ferner eine als Verbundpanzerung ausgebildete Schutzeinrichtung insbesondere
zum Schutz gepanzerter Fahrzeuge gegen projektilbildende Minen bekannt. Diese Verbundpanzerung
besteht im Wesentlichen aus zwei Schichten aus einem hochfesten Material, beispielsweise
Panzerstahl, sowie einer Mittelschicht aus einem Material, das unter dynamischer Belastung
plastisch fließfähig ist. Als Mittelschicht kann dabei ein Metall, aber auch ein Thermoplast
oder ein Elastomer verwendet werden.
[0005] Nachteilig ist bei derartigen Verbundpanzerungen, dass sie ebenfalls eine relativ
große Wandstärke aufweisen, ein hohes Gewicht besitzen und ihre Herstellung kostenaufwendig
ist. Anders als bei den Schutzeinrichtungen mit Federungsgliedern ist eine Reparatur
derartiger Schutzeinrichtungen nach einer Minenexplosion in der Regel nicht möglich.
[0006] Eine weitere aktive Panzerung ist der
DE 31 39 774 C1 entnehmbar. Diese besteht aus einer zwischen zwei Platten eingebundenen Zwischenschicht,
das den Hohlladungsstachel und damit die Wirkung eines Hohlladungsgeschosses herabsetzt.
[0007] Eine Schutzanordnung gegen Minen wird zudem ausführlich in der
WO 2004/038320 A1 beschrieben. Die Schutzanordnung besteht dabei aus einer teilweise mit Liquid gefülltem
Schutzstruktur. In einer Ausführungsform ist der Wannenbereich mit schrägen Flanken
vorgesehen, die, wie der ebene Bodenbereich, mit entsprechenden rechten und linken
Seiten-Schutzmodulen einen diesen Flächen angepassten Minenschutz aufweisen.
[0008] Ein verstellbares Schutzmodul wird mit der
DE 103 10 952 A1 publiziert. Dieses ist von einer Ruhestellung in eine angewinkelte aktive Stellung
bewegbar.
[0009] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Schutzeinrichtung, insbesondere für
gepanzerte Fahrzeuge, anzugeben, die einfach aufgebaut ist und einen ausreichenden
Schutz gegen projektilbildende Minen und/oder gegen ballistische Geschosse gewährleistet.
[0010] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst. Weitere,
besonders vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung offenbaren die Unteransprüche.
[0011] Die Erfindung beruht im Wesentlichen auf dem Gedanken, die Schutzeinrichtung aus
mindestens zwei Platten aus einem hochfesten Metall, vorzugsweise aus Panzerstahl,
aufzubauen, welche nur im Randbereich miteinander kraftschlüssig verbunden sind und
sonst ohne Zwischenraum lose aneinander anliegen, so dass beide, parallel zueinander
angeordnete Platten bei Belastung durch Minen oder Beschuss weitgehend unabhängig
voneinander verformbar sind. Außerdem ist die Schutzeinrichtung unter einem Neigungswinkel
vorzugsweise zwischen 40° und 50° gegenüber der vertikalen Fahrzeugachse geneigt angeordnet.
[0012] Durch Sprengumformung von projektilbildenden Minen erzeugte Projektile, die in der
Regel von unten auf die Schutzeinrichtung auftreffen, werden durch die äußere Metallplatte
(zweite Metallplatte) zerstört, und die dabei entstehenden Splitter des Projektils
sowie der äußeren Metallplatte werden von der dem zu schützenden Objekt zugewandten
inneren Metallplatte (erste Metallplatte) abgefangen bzw. aufgrund deren Neigung abgelenkt.
Außerdem kann die innere Platte unabhängig von der äußeren Platte beulen und so zusätzlich
Energie umwandeln, ohne von den Splittern durchdrungen zu werden.
[0013] Bei ballistischen Geschossen (beispielsweise KE-Penetratoren), welche horizontal
auf die erfindungsgemäße Schutzeinrichtung auftreffen (direkter Beschuss des entsprechenden
Fahrzeuges), erfolgt ein gegenüber senkrechten Metallplatten besserer Schutz aufgrund
der bei geneigten Metallplatten größeren zu durchdringenden Wandstärke sowie aufgrund
der asymmetrischen Belastung der Schutzeinrichtung durch das auftreffende Geschoß.
[0014] Die erfindungsgemäße Schutzeinrichtung weist außerdem die Vorteile auf, dass sie
kostengünstiger herstellbar ist und eine geringere Wandstärke besitzt als bekannte
Doppelpanzerungen oder Verbundpanzerungen.
[0015] Durch Verwendung von Metallplatten unterschiedlicher Härte können die Schutzeigenschaften
der erfindungsgemäßen Schutzeinrichtung variiert werden. Außerdem kann durch Austausch
der zweiten Metallplatte gegen Platten anderer Wandstärken das Schutzniveau dem Bedrohungsszenario
angepasst werden.
[0016] Nach Beschuss oder Minensprengung kann der Schutzaufbau durch einfaches Austauschen
der zweiten Metallplatte instandgesetzt werden, wobei es vorteilhaft ist, wenn die
zweite Metallplatte, ähnlich wie bei den bekannten Doppelpanzerungen, aus einer Vielzahl
benachbarter Segmente besteht, welche an der inneren Metallplatte jeweils durch randseitige
Schraubverbindungen befestigt sind.
[0017] Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den folgenden, anhand
von Figuren erläuterten Ausführungsbeispielen. Es zeigen:
- Fig. 1
- schematisch eine erfindungsgemäße Schutzeinrichtung kurz vor dem Auftreffen eines
durch Sprengumformung einer projektilbildenden Mine gebildeten Projektils und
- Fig. 2
- die in Fig. 1 dargestellte Anordnung nach dem Auftreffen des Projektils.
[0018] In Fig. 1 ist mit 1 eine Schutzeinrichtung bezeichnet, bei der es sich beispielsweise
um den unteren Wandbereich einer V-förmig ausgebildeten Wanne eines gepanzerten Fahrzeuges
handelt.
[0019] Die Schutzeinrichtung 1 besteht dabei im Wesentlichen aus einer aus Panzerstahl bestehenden
ersten Metallplatte 2, bei der es sich bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel um
die Außenwand der Wanne des gepanzerten Fahrzeuges handelt. An dieser ersten Metallplatte
2 ist auf der dem zu schützenden Objekt abgewandten Seite eine ebenfalls aus Panzerstahl
bestehende zweite Metallplatte 3 angeordnet. Dabei ist die zweite Metallplatte 3 nur
im Randbereich mit der ersten Metallplatte 2 mittels Schrauben verbunden und liegt
sonst ohne Zwischenraum lose an der ersten Metallplatte 2 an.
[0020] Aufgrund der V-förmigen Ausbildung der Wanne des gepanzerten Fahrzeuges weist die
aus den beiden parallel zueinander angeordneten Metallplatten 2 und 3 bestehende Schutzeinrichtung
1 gegenüber der vertikalen Fahrzeugachse 4 einen Neigungswinkel δ von etwa 45° auf.
[0021] Wie Fig. 1 zu entnehmen ist, trifft ein durch Sprengumformung einer projektilbildenden
Mine gebildetes Projektil 5 auf die erfindungsgemäße Schutzeinrichtung 1 auf.
[0022] Dadurch wird die zweite Metallplatte 3 in einem Teilbereich 6 zerstört und das Projektil
5 zersplittert (Fig. 2). Sowohl die Projektilsplitter 7 als auch die bei dem Auftreffen
des Projektils 5 auf die zweite Metallplatte 3 erzeugten Fragmente 8 der Metallplatte
3 werden durch die erste Metallplatte 2 abgefangen bzw. aufgrund deren Neigung abgelenkt.
Außerdem wird die erste Metallplatte 2 zum Fahrzeuginneren hin verformt.
[0023] Die Erfindung ist selbstverständlich nicht auf das vorstehend beschriebene Ausführungsbeispiel
beschränkt. So muss es sich bei der ersten Metallplatte nicht zwangsweise um die bereits
vorhandene Außenwand eines gepanzerten Fahrzeuges handeln, sondern die erfindungsgemäße
Schutzeinrichtung kann auch als selbständige Einheit auf einer entsprechenden Fahrzeugwand
befestigt werden. Bei einer derartigen Ausführungsform wird man aus Gewichtsgründen
bei Bemessung der Plattenstärke der ersten Metallplatte der Schutzeinrichtung die
Wandstärke der Fahrzeugwand berücksichtigen.
[0024] Außerdem muss die erfindungsgemäße Schutzeinrichtung nicht zwingend nur aus zwei
Metallplatten bestehen, sondern es können auch mehr als zwei, aus Panzerstahl oder
einem anderen Metall bestehende Platten (oder Blechen) verwendet werden, welche ohne
Bildung eines Zwischenraumes (lose) aneinanderliegen und nur randseitig miteinander
verbunden sind.
Bezugszeichenliste
[0025]
- 1
- Schutzeinrichtung
- 2
- (erste) Metallplatte
- 3
- (zweite) Metallplatte
- 4
- vertikale Achse
- 5
- Projektil
- 6
- Teilbereich
- 7
- Projektilsplitter
- 8
- Fragment
- δ
- Neigungswinkel
1. Schutzeinrichtung zum Schutz eines Objektes gegen projektilbildende Minen und/oder
ballistische Geschosse, wobei an dem zu schützenden Objekt ist außenseitig eine erste
Metallplatte (2) befestigt und an der ersten Metallplatte (2) auf der dem zu schützenden
Objekt abgewandten Seite mindestens eine zweite Metallplatte (3) angeordnet sind,
wobei die nur randseitig mit der ersten Metallplatte (2) befestigt ist und sonst ohne
Zwischenraum lose an der ersten Metallplatte (2) anliegt, und die aus den beiden parallel
zueinander angeordneten Metallplatten (2, 3) bestehende Schutzeinrichtung (1) gegenüber
der vertikalen Fahrzeugachse (4) einen Neigungswinkel (δ) zwischen 40° und 50° aufweist.
2. Schutzeinrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die zweite Metallplatte (3) an der ersten Metallplatte (2) über eine Schraubverbindung
befestigt ist.
3. Schutzeinrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei dem Material der ersten Metallplatte (2) um Panzerstahl handelt, welche
durch die Außenwand des zu schützenden Objektes gebildet wird.
4. Schutzeinrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei dem Material der zweiten Metallplatte (3) ebenfalls um Panzerstahl handelt.
5. Schutzeinrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Neigungswinkel (δ) der Schutzeinrichtung (1) etwa 45° beträgt.
6. Schutzeinrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei dem zu schützenden Objekt um ein gepanzertes Fahrzeug handelt.