[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Teilzerlegungsgeschoss für Jagdzwecke gemäß
dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Moderne Büchsengeschosse müssen verschiedenen jagdlichen Anforderungen genügen. Die
wichtigste dieser Anforderungen ist die Zielgenauigkeit, d. h., die Schusspräzision
aus verschiedenen Jagdwaffen. Weiterhin soll das Wild schnell und große Qualen getötet
werden. Dazu ist eine Breiten- und Tiefenwirkung des Geschosses im Wildkörper erforderlich.
Um dieses Erfordernis zu erfüllen, soll sich das Geschoss im Wildkörper zerlegen und
gleichzeitig eine definierte Restmasse zurückbehalten. Dies wird durch die Trennung
in zwei Kerne erreicht. Eine weitere Anforderung an moderne Büchsengeschosse ist eine
Schnitthaar- und Schweißbildung am Anschuss, um eine eventuelle Nachsuche auch ohne
Ausschuss zu erleichtern. Da sich der Einschuss aufgrund der Elastizität des Fells,
der Haut und der darunter liegenden Fettschicht häufig sehr schnell schließt, ist
ein Ausschuss mit Schweißbildung auch bei ungünstigstem Schusswinkel wünschenswert.
[0003] Diese Anforderungen kommen die auf die Anmelderin zurückzuführenden und unter den
Handelsnamen TUG (Torpedo-Universal-Geschoss) und TIG (Torpedo-Ideal-Geschoss) weltweit
bekannten Büchsengeschosse sehr nahe. Diese Geschosse haben ihren Ursprung in einem
für den Firmengründer Wilhelm Brenneke am 11. Dezember 1920 unter der Nummer 370 908
vom Reichspatentamt patentierten Jagdgeschoss.
[0004] Bei diesen Geschossen handelt es sich um Teilzerlegungsgeschosse mit einem Mantel
aus nickelplattiertem Flussstahl, der formschlüssig zwei Bleikerne aufnimmt, einen
weicheren Bugkern und einen härteren Heckkern. Ihren Namen erhielten diese Geschosse
wegen ihres torpedoheckförmig ausgebildeten Bodens. Dieser Boden hat innenballistische
Vorteile. Der Zweikernaufbau der oben genannten Brenneke-Büchsengeschosse sorgt für
eine optimale Energieabgabe im Ziel mit sicherer Breiten- und Tiefenwirkung. Das geschieht
durch die schnell auftretende Deformation und Zerlegung des vorderen, weichen Bleikerns,
während der hintere, harte Bleikern in den meisten Fällen zum gewünschten Ausschuss
führt.
[0005] Charakteristisch für die TIG- und TUG-Geschosse ist ein im Bereich des Geschosskopfes
ausgebildeter Scharfrand, der in den meisten Fällen am Anschuss Schnitthaar und Schweiß
liefert.
[0006] Diese Entwicklungslinie von gattungsgemäßen Teilzerlegungsgeschossen, d. h., mit
einem weichen Bugkern und einem harten Heckkern wurde über fast ein Jahrhundert beibehalten.
Davon zeugt auch ein im Jahre 2007 patentiertes Teilzerlegungsgeschoss (
EP 1 214 560 B1). Dabei handelt es sich um ein bleifreies Geschoss. Als metallische Werkstoffe für
dieses Geschoss werden Kupfer, Zinn, Zink, Eisen, Wolfram, Titan, Silber, Aluminium,
Tantal, Vanadium und Legierungen aus diesen Metallen vorgeschlagen.
[0007] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein weiteres gattungsgemäßes Teilzerlegungsgeschoss
mit Zweikernaufbau zur Verfügung zu stellen.
[0008] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit einem Teilzerlegungsgeschoss gelöst, welches
die Merkmale des Anspruchs 1 aufweisen.
[0009] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen.
[0010] Erfindungsgemäß ist vorgesehen, dass Bugkern und Heckkern aus gleich harten Werkstoffen
bestehen, deren Härtewerte im Brinell-Härtebereich (HBW) liegen. Damit bricht die
vorliegende Erfindung mit einer über viele Jahrzehnte vertretenen und praktizierten
Auffassung, die besagt, dass der Bugkern von Teilzerlegungsgeschossen weicher sein
muss als der Heckkern. Überraschenderweise hat sich gezeigt, dass auch bei Bug- und
Heckkernen gleicher Härte die gewünschte Innenbalistik des Geschosses, nämlich ein
Aufpilzen und Zerlegen des Bugkerns sowie in den meisten Fällen ein Ausschuss erreicht
wird.
[0011] Diese Lösung gestattet es in vorteilhafter Ausgestaltung der Erfindung, für den Bugkern
und den Heckkern gleiche Werkstoffe zur verwenden, was erhebliche fertigungstechnische
Vorteile bei der Herstellung des Geschosses mit sich bringt.
[0012] In einer vorteilhaften Ausführungsform der vorliegenden Erfindung sind der Bugkern
und der Heckkern aus Zinn gefertigt.
[0013] Bei Verwendung von Werkstoffen für den Heckkern und den Bugkern mit größeren Härtewerten
bis zu 200 HBW kann es von Vorteil sein, zur Unterstützung des Aufpilzens des Bugkerns
Aufpilzhilfen in Form von Hohlspitzen, den Bugkern in Längsrichtung durchsetzenden
Durchgangsbohrungen oder Sackbohrungen mit eingesetzten Spreizkörpern vorzusehen.
[0014] Die Erfindung wird nachstehend anhand von Ausführungsbeispielen näher erläutert.
In der dazu gehörigen Zeichnung zeigt:
- Fig. 1
- einen Längsschnitt durch ein Teilzerlegungsgeschoss in einer ersten Ausführungsform
der Erfindung,
- Fig. 2
- einen Längsschnitt durch ein Teilzerlegungsgeschoss in einer zweiten Ausführungsform
der Erfindung,
- Fig. 3
- einen Längsschnitt durch ein Teilzerlegungsgeschoss in einer dritten Ausführungsform
der Erfindung,
- Fig. 4
- einen Längsschnitt durch ein Teilzerlegungsgeschoss in einer vierten Ausführungsform
der Erfindung,
- Fig. 5
- einen Längsschnitt durch ein Teilzerlegungsgeschoss in einer fünften Ausführungsform
der Erfindung, und
- Fig. 6
- einen Längsschnitt durch ein Teilzerlegungsgeschoss in einer sechsten Ausführungsform
der Erfindung.
[0015] Das in Figur 1 gezeigte Teilzerlegungsgeschoss 1 entspricht im prinzipiellen Aufbau
dem bekannten TIG-Geschoss der Anmelderin, während das in Figur 4 gezeigte Teilzerlegungsgeschoss
1 den prinzipiellen Aufbau des bekannten TUG-Geschosses der Anmelderin entspricht.
Demnach weisen die beiden Teilzerlegungsgeschosse 1 gemäß Figur 1 und 2 einen Zweikernaufbau
mit einem Bugkern 2 und einem Heckkern 3 auf. Des Weiteren ist diesen beiden Teilzerlegungsgeschossen
1 ein an der Bugspitze offener Geschossmantel 4 (Teilmantelgeschoss) gemeinsam, dessen
Stärke von der Geschossspitze zum Heck zunimmt. Charakteristisch für beide Teilzerlegungsgeschosse
1 ist weiterhin ein Scharfrand 5, der beim Einschuss ein kreisrundes Loch einstanzt
und so Schnitthaar und Schweiß am Anschuss liefert, sowie ein Torpedo-Heck 6, welches
aufgrund seiner Bodenform innenbalistische Vorteile ergibt. Weitere, gemeinsame Merkmale
der Teilzerlegungsgeschosse gemäß den Figur 1 und 4 sind umlaufende Halterillen 7
und Crimprillen 8, die zwar bei beiden Teilzerlegungsgeschossen 1 unterschiedlich
geformt sind, aber gleiche Funktionen haben. Die Halterillen 7 dienen, wie der Name
schon sagt, dem Halt des Heckkerns 3 am Geschossmantel 4, während die Crimprillen
8 der Herstellung einer Crimpverbindung zwischen einer nicht dargestellten Patronenhülse
und dem Teilzerlegungsgeschoss 1 dienen.
[0016] Bei dem Teilzerlegungsgeschoss 1 gemäß Figur 1 weist der Heckkern 3 an seinem bugseitigen
Ende eine trichterförmige Vertiefung 9 auf, in die ein entsprechend geformter Zapfen
10 des Bugkerns 2 formschlüssig eingreift. Sowohl der Bugkern 2 als auch der Heckkern
3 sind aus Zinn gefertigt.
[0017] Beim Auftreffen des Teilzerlegungsgeschosses 1 gemäß Figur 1 auf ein in Wildkörper
pilzt der Bugkern 2 stark auf, gleichzeitig dringt der Zapfen 10 des Bugkerns 2 in
den Heckkern 3 ein, so dass dieser auch aufgekelcht wird, d. h. seinen Querschnitt
vergrößert. Der Geschossmantel 4 bleibt dabei mit dem Heckkern 3 verbunden. Aufgrund
der starken Querschnittserweiterung des Teilzerlegungsgeschosses 1 verursacht es im
Wildkörper eine starke Schockwirkung, so dass das Tier schnell verendet. Gleichzeitig
sorgt der sich nicht zerlegende Heckkern 3 bei leichtem und mittlerem Wild in den
meisten Fällen für einen Ausschuss.
[0018] Die Zielbalistik des Teilzerlegungsgeschosses 1 gemäß Figur 4 unterscheidet sich
von der des Teilzerlegungsgeschosses 1 gemäß Figur 1. Das ist vor allem dadurch bedingt,
dass bei dem Teilzerlegungsgeschoss 1 gemäß Figur 4 das Bugteil des Heckkerns 3 mit
einer Kegelspitze 11 in den Bugkern 2 hineinragt. Dieser liegt mit einer entsprechenden
kegelförmigen Vertiefung 12 formschlüssig an dem Heckkern 3 an.
[0019] Beim Auftreffen des Teilmantelsgeschosses 1 gemäß Figur 4 auf einen Wildkörper pilzt
der Bugkern 2 bevor er sich zerlegt, auf, so dass durch die Querschnittserweiterung
ebenfalls eine Schockwirkung im Wildkörper erreicht wird. Durch dieses Aufpilzen reißt
der Geschossmantel 4 an der Crimprille 8 ab. Der Heckkern 3 erfährt aufgrund seiner
kegelförmigen Spitze 11 im Wesentlichen keine Querschnittsvergrößerung, so dass das
Teilzerlegungsgeschoss 1 gemäß Figur 4 auch bei schwerem Wild in aller Regel für einen
Ausschuss sorgt.
[0020] Die Teilzerlegungsgeschosse 1 gemäß den Figuren 2, 3 und den Figuren 5, 6 unterscheiden
sich von dem Teilzerlegungsgeschoss gemäß Figur 1 bzw. gemäß Figur 4 dadurch, dass
sie mit Aufpilzhilfen ausgestattet sind. Derartige Aufpilzshilfen sind insbesondere
bei Verwendung von metallischen Werkstoffen mit höheren Härtewerten erforderlich.
[0021] Bei den Teilzerlegungsgeschossen 1 gemäß den Figuren 2 und 5 ist die Aufpilzhilfe
als eine dünne Durchgangsbohrung 13 ausgeführt, die den Bugkern 2 zentral vom Bug
bis zum Heck durchsetzt.
[0022] Bei den Ausführungsformen gemäß den Figuren 3 und 6 weist der Bugkern 2 ein sich
in die Spitze öffnende Sackloch 14 auf, die sich am Ausgang konisch erweitert. In
dieses Sackloch 14 ist ein die Spitze des Zerlegungsgeschosses 1 bildender Spreizkörper
15 aus einem härteren Material eingesetzt. Ein Schaft 15.1 des Spreizkörpers 15 ragt
in das Sackloch 14 hinein. An den Schaft 15.1 schließt sich am Übergang zur Geschossspitze
eine konische Erweiterung an, die der Erweiterung des Sackloches 14 entspricht. Die
Verbindung zwischen dem Spreizkörper 15 und dem Bugkern 2 ist durch Stoffschluss hergestellt.
1. Teilzerlegungsgeschoss mit einem Bugkern und einem Heckkern, wobei der Bugkern einen
sich zerlegenden Teil des Geschosses und der Heckkern einen Durchschlagskörper des
Geschosses bildet, dadurch gekennzeichnet, dass der Bugkern (2) und der Heckkern (3) aus gleich harten Werkstoffen bestehen, deren
Härtewerte im Brinell-Härtebereich (HBW) liegen.
2. Teilzerlegungsgeschoss nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Härtewert von Bugkern (2) und Heckkern (3) maximal 200 HBW beträgt.
3. Teilzerlegungsgeschoss nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Bugkern (2) und der Heckkern (3) aus den gleichen Werkstoffen bestehen.
4. Teilzerlegungsgeschoss nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Bugkern (2) und der Heckkern (3) aus Zinn bestehen.