[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Durchführung einer
Polymerase-Kettenreaktion, die abgekürzt als PCR bezeichnet wird. Eine PCR dient der
Vervielfältigung der Erbsubstanz DNA unter Verwendung des Enzyms DNA-Polymerase. Genauer
gesagt kann mittels PCR nur ein kurzer, genau definierter Teil eines DNA-Strangs vervielfältigt
werden. Bei der PCR dienen die Produkte vorheriger Zyklen als Ausgangsstoffe für den
nächsten Zyklus. Es wird so eine exponentielle Vervielfältigung erreicht. Ein PCR-Prozess
umfasst beispielsweise 12-50 Zyklen.
[0002] Ein Zyklus einer PCR beginnt mit einer Denaturierung. Die Reaktionsflüssigkeit mit
der darin befindlichen doppelsträngigen DNA wird auf typischerweise 94-96 °C erhitzt,
um die Stränge der DNA zu trennen. Anschließend wird die Reaktionsflüssigkeit mit
den getrennten DNA-Strängen auf wenige Grad unter dem Schmelzpunkt der eingesetzten
Primer abgekühlt, damit eine Primerhybridisierung erfolgt. Diese Temperatur liegt
typischerweise bei 55-65 °C, Während der Primerhybridisierung wird die Temperatur
von 55-65 °C ca. 30 Sekunden lang gehalten, um eine spezifische Anlagerung der Primer
an die DNA zu ermöglichen. Abschließend wird die Reaktionsflüssigkeit auf eine Temperatur
von typischerweise 68-72°C für etwa 30 Sekunden je 500 Basenpaare wieder erwärmt.
Die genaue Temperatur hängt vom Arbeitsoptimum der verwendeten DNA-Polymerase ab.
Dieser letzte Schritt eines Zyklus wird Elongation oder Amplifikation genannt. Dabei
füllt die DNA-Polymerase die fehlenden Stränge mit freien Nukleotiden auf.
[0003] Aus der Druckschrift
EP 0606961 B1 ist eine Vorrichtung zum schnellen Aufheizen und Abkühlen eines Reaktionsgefäßes
auf verschiedene Temperaturen zur Durchführung einer Polymerase-Kettenreaktion bekannt.
Die Vorrichtung umfasst zwei Flächen für den Kontakt mit dem Reaktionsgefäß, das dazwischen
eingeschlossen ist. Eine Fläche dient als Heizung. Ein Hohlraum der Vorrichtung dient
der Kühlung, indem Kühlluft in den Hohlraum eingeleitet wird. Darüber hinaus umfasst
die Vorrichtung Sensoren, mit denen die jeweils gewünschte Temperatur gemessen und
gesteuert wird. Nachteilhaft muss stets die gesamte Einrichtung gekühlt und anschließend
wieder erwärmt werden, um die Temperaturwechsel zu bewirken. Es muss daher relativ
viel Energie aufgewendet werden und die jeweils gewünschten Temperaturen der Reaktionsflüssigkeit
werden relativ langsam erreicht.
[0004] Die Druckschrift
EP 0 402 995 B1 offenbart eine Vorrichtung zum Beaufschlagen eines Reaktionsgefäßes mit mindestens
zwei Temperaturwechseln. Die Vorrichtung weist Heizelemente zum Erwärmen mindestens
einer Seitenwand eines ausgewählten Kammerabschnitts des Reaktionsgefäßes sowie Bewegungsmittel
auf, die das Reaktionsgefäß und die Heizelemente entlang einer vorgegebenen Bahn relativ
zueinander bewegen. Die Vorrichtung umfasst weiter Kühlelemente, die Kühlflüssigkeit
über die Heizelemente fördern, um diese in sich wiederholenden Zeitabständen direkt
abzukühlen, und die gemeinsam mit den Heizelementen bewegbar sind.
[0005] Aus der Druckschrift
US 2003/00361 89 A1 ist ein Thermocyler für die Durchführung einer PCR bekannt, der ein Reaktionsgefäß
mit besonders großer, der Wärmeübertragung dienenden Oberfläche umfasst, um so vor
allem schnell kühlen zu können.
[0006] Die Durchführung einer PCR in einem mikrofluidischen System geht aus der
US 6,171,850 B1 hervor.
[0007] Beim genannten Stand der Technik wird der gewünschte Temperaturwechsel allein durch
Heizen oder Kühlen mit Hilfe von dafür vorgesehenen Heiz- oder Kühlelementen herbeigeführt.
Erhitzt wird beim Stand der Technik beispielsweise mit Peltierelementen, Infrarotstrahlung
oder einem heißen Fluid per Wärmeaustausch. Gekühlt wird beispielsweise mit einem
kalten Fluid über Wärmeaustausch oder aber mit Hilfe von Peltierelementen. Für ein
schnelles Ändern einer Temperatur wird relativ viel Energie benötigt, Ein Betrieb
ohne externe Stromversorgung erfordert dann sehr leistungsfähige Batterien. Auch dauert
es relativ lange, um den gewünschten Temperaturwechsel zu bewirken, wenn das Volumen
der Reaktionsflüssigkeit mehr als einige wenige 1 00 µl beträgt,
[0008] Es ist aus "
Kopp MU, Mello AJ, Manz A., Chemical amplification: continousflow PCR on a chip, Sience,
1998 May 15; 280(5366):1046-8" bekannt, eine Reaktionsflüssigkeit für die Durchführung einer PCR durch ein mikrofluidisches
System mit unterschiedlich temperierten Kammern zu pumpen. Zunächst gelangt die Reaktionsflüssigkeit
in eine erste Kammer, die so stark erwärmt wird, dass die Reaktionsflüssigkeit die
für die Denaturierung erforderliche Temperatur erreicht, die nachfolgend auch Denaturierungstemperatur
genannt wird. Anschließend wird die Reaktionsflüssigkeit in eine nächste Kammer gepumpt,
die so gekühlt wird, dass in dieser Kammer die Reaktionsflüssigkeit auf Annealingstemperatur
gebracht wird, d. h. auf die Temperatur, die für die Primerhybridisierung benötigt
wird. Eine dritte nachfolgende Kammer ist so temperiert, dass die Reaktionsflüssigkeit
von der Annealingstemperatur auf die Temperatur erwärmt wird, die für die Amplifikation
bzw, Elongation erforderlich ist, nachfolgend auch Elongationstemperatur genannt,
Bei diesem Verfahren gelingt es, auf energetisch günstige Weise schnell die erforderlichen
Temperaturen zu erreichen. Allerdings können nur kleine Flüssigkeitsvolumina eingesetzt
werden. Es muss sehr exakt gepumpt werden, um so sicherzustellen, dass sich die Reaktionsflüssigkeit
im jeweils gewünschten Bereich befindet. Ferner werden drei Kammern nebst Verbindungsleitungen
benötigt, um die PCR durchführen zu können.
[0009] Aus der Druckschrift
WO 03/007677 A2 ist bekannt, gemäß dem eine PCR-Kammer zwischen unterschiedlich beheizten Zonen zu
verfahren, um so eine gewünschte Temperatur in einer Kammer einstellen zu können.
Das hieraus bekannte Verfahren kann mit einem vergleichsweise niedrigen Energiebedarf
durchgeführt werden, da neben der Reaktionsflüssigkeit nur noch die Wände der Kammer
aufgeheizt und gekühlt werden müssen. Allerdings dient das Aufheizen und Kühlen der
Wände nicht dem Erreichen des gewünschten Ergebnisses und ist lediglich aus technischen
Gründen erforderlich, um das Verfahren durchführen zu können, Hinzu kommt, dass der
Platzbedarf relativ groß ist.
[0010] Es ist Aufgabe der Erfindung, eine PCR energetisch günstig, schnell und einfach durchführen
zu können.
[0011] Zur Lösung der Aufgabe wird eine erforderliche Temperatur einer Reaktionsflüssigkeit
durch Mischen mit einer zweiten Flüssigkeit eingestellt, deren Temperatur sich geeignet
von der Temperatur der Reaktionsflüssigkeit unterscheidet, Die zweite Flüssigkeit
kann ebenfalls eine Reaktionsflüssigkeit sein. Da eine gewünschte Temperatur einer
Reaktionsflüssigkeit durch Mischen von zwei zuvor unterschiedlich temperierten Flüssigkeiten
erhalten wird, ist es nicht erforderlich, zusätzlich eine Reaktionskammer zu heizen
oder zu kühlen, was energetisch aufwändig und zu großen zeitlichen Verzögerungen führen
würde. Für die Durchführung des Verfahrens werden nur eine geeignet temperierbare
Kammer sowie Mittel für das Mischen benötigt. Der Aufbau kann entsprechend einfach
und kostengünstig sein.
[0012] Zur Lösung dieser Aufgabe wird in einer Ausführungsform der Erfindung im Rahmen der
Durchführung einer PCR Reaktionsflüssigkeit, die zuvor auf Denaturierungstemperatur
gebracht worden ist und deren Temperatur daher oberhalb der Temperatur liegt, die
für die Amplifikation bzw. Elongation erforderlich ist, mit Reaktionsflüssigkeit gemischt,
die zuvor auf Annealingstemperatur gebracht worden ist und deren Temperatur daher
unterhalb der Temperatur liegt, die für die Amplifikation erforderlich ist. Es wird
so erreicht, dass der Teil der Reaktionsflüssigkeit, der von der Annealingstemperatur
auf die Elongationstemperatur zu bringen ist, durch das Mischen sehr schnell in gewünschter
Weise erwärmt wird. Da für das Erwärmen Reaktionsflüssigkeit eingesetzt wird, die
ohnehin gekühlt werden muss, wird das gewünschte Ergebnis auf energetisch günstige
Weise erreicht. Es können größere Mengen an Flüssigkeit in gewünschter Weise schnell
und einfach in gewünschter Weise temperiert werden,
[0013] Die Temperatur einer Reaktionskammer nebst weiteren daran beteiligten Einrichtungen
muss nicht während der Temperaturänderungen der Flüssigkeiten ebenfalls entsprechend
aktiv geändert werden. Hierdurch wird vor allem Energie eingespart, was beispielsweise
für Batterie betriebene Vorrichtungen wichtig ist. Eine Vorrichtung zur Durchführung
des Verfahrens eignet sich daher insbesondere für den mobilen Einsatz, welche durch
eine interne Energieversorgung wie Batterie, Brennstoffzelle und/ oder durch Solorzellen
mit Energie versorgt wird.
[0014] In einer Ausführungsform der Erfindung wird das Verhältnis zwischen den beiden Flüssigkeitsvolumina
der zu mischenden Reaktionsflüssigkeiten bzw. Flüssigkeiten so gewählt, dass durch
das Mischen der wärmeren (Reaktions-) flüssigkeit mit der kühleren (Reaktions-)flüssigkeit
die Elongationstemperatur weder unterschritten noch überschritten werden kann. Es
muss also nicht zusätzlich temperiert werden, um die gewünschte Elongationstemperatur
zu erreichen.
[0015] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird die PCR in einer Kammer durchgeführt,
die einen ersten und einen davon räumlich anderen zweiten Bereich umfasst. Der erste
Bereich dieser Kammer wird so beheizt, dass eine in diesem Bereich befindliche Reaktionsflüssigkeit
auf Denaturierungstemperatur erwärmt werden kann. Der zweite Bereich wird so gekühlt,
dass eine in diesem zweiten Bereich befindliche Reaktionsflüssigkeit auf Annealingstemperatur
abgekühlt werden kann. Der erste Bereich ist vom zweiten Bereich räumlich getrennt.
Bei dieser Ausführungsform der Erfindung wird der Teil der Reaktionsflüssigkeit, der
sich im ersten Bereich befindet, auf Denaturierungstemperatur erwärmt und gehalten,
bis in diesem Teil der Reaktionsflüssigkeit die vorhandenen Doppelstränge einer DNA
im gewünschten Umfang getrennt worden sind. Im zweiten Bereich der Kammer wird die
dort befindliche Reaktionsflüssigkeit auf Annealingstemperatur abgekühlt und gehalten,
bis im gewünschten Umfang die Primerhybridisierung erfolgt ist, Anschließend werden
die beiden Teile der Reaktionsflüssigkeit mit Hilfe eines Rührelements gemischt, um
so die Elongationstemperatur zu erreichen.
[0016] Zwar wird durch dieses Verfahren die Effizienz eines Zyklus im Vergleich zum Stand
der Technik reduziert, bei dem stets das gesamte Reaktionsvolumen nacheinander die
drei Schritte eines Zyklus durchlaufen. Wie Versuche gezeigt haben, kann dies dadurch
kompensiert werden, indem mehr Zyklen durchlaufen werden. Der Geschwindigkeitsvorteil
des erfindungsgemäßen Verfahrens ist so groß, dass das gewünschte Endergebnis trotz
einer größeren Anzahl an Zyklen dennoch in kürzerer Zeit im Vergleich zu klassischen
PCR-Verfahren erhalten wird. Versuche haben insbesondere auch ergeben, dass es sich
nicht nachteilhaft auswirkt, wenn ein Teil der Reaktionsflüssigkeit im Anschluss an
die Denaturierung nicht wie beim Stand der Technik sofort auf die Annealingstemperatur
abgekühlt wird, sondern zunächst auf Elongationstemperatur gebracht und gehalten wird.
[0017] In einer Ausführungsform der Erfindung ist die Kammer, in der die PCR anspruchsgemäß
durchgeführt wird, flach ausgestaltet. Eine Kammer ist flach ausgestaltet, wenn die
Breite und/ oder Tiefe der Kammer die Höhe der Kammer um ein Mehrfaches übersteigt.
Es stehen so einerseits große Wärmeübertragungsflächen bereit, um den ersten Bereich
zu erwärmen und den zweiten Bereich zu kühlen. Andererseits gelingt es so, die in
beiden Bereichen befindlichen Flüssigkeiten hinreichend während des Erwärmens bzw.
Kühlens voneinander getrennt zu halten.
[0018] Um die gewünschte räumliche Trennung von Teilen der Reaktionsflüssigkeiten während
des Erwärmens bzw. Kühlens verbessert aufrecht zu erhalten, wird in einer Ausführungsform
der Erfindung ein Rührelement so positioniert, dass das Rührelement zur räumlichen
Trennung beiträgt. Befindet sich beispielsweise der erste Bereich in einer linken
Kommerhälfte und der zweite Bereich in einer rechten Kammerhälfte, so wird das Rührelement
so platziert und ausgerichtet, dass es die linke Kommerhälfte von der rechten trennt,
wenn Reaktionsflüssigkeit gekühlt bzw, erwärmt werden soll, Das Rührelement erstreckt
sich dann entlang der Grenze zwischen erstem und zweitem Kammerbereich und trennt
so räumlich die beiden Teile der Reaktionsfiüssigkeit.
[0019] Das Rührelement kann zum Beispiel Teil eines Magnetrührers oder aber mit einer in
die Kammer hineinreichende Welle verbunden sein. Handelt es sich um einen Magnetrührer,
so gelingt die gewünschte Ausrichtung beispielsweise mittels eines geeignet ausgerichteten
Magnetfeldes.
[0020] In einer Ausführungsform der Erfindung können die beiden Bereiche der Kammer durch
ein Trennmittel voneinander getrennt werden, um so einen Teil der Reaktionsflüssigkeit
in der ersten Kammer heizen zu können, ohne dass sich dieser Teil der Flüssigkeit
mit dem zweiten Teil der Reaktionsflüssigkeit vermischen kann, der währenddessen gekühlt
wird. Ein solches Trennmittel kann Pressmittel umfassen, die den Grenzbereich zwischen
erstem und zweitem Bereich zusammenpressen und so die beiden Bereiche gegeneinander
abdichten.
[0021] In einer Ausführungsform der Erfindung besteht die Hülle der Kammer aus verformbaren
Material. Das Mischen wird bewirkt, in dem Teile der Kammer zusammengedrückt und anschließend
wieder entspannt werden.
[0022] Die zu kühlenden bzw. zu heizenden Wände der Kammer bestehen vorzugsweise aus einem
Material, welches Wärme gut zu leitenden vermag im Vergleich zu einem bandförmig verlaufenden
Wandbereich, der zwischen dem zu heizenden und dem zu kühlenden Bereich liegt. Diese
Ausführungsform einer Kammer trägt weiter dazu bei, dass das Verfahren energetisch
günstig durchgeführt werden kann.
[0023] Die Energieversorgung erfolgt insbesondere mittels einer Batterie, einer Solarzelle
und/ oder einer Brennstoffzelle, also allgemein durch eine interne Energieversorgung,
damit das Verfahren mobil unabhängig von einer externen Energieversorgung durchgeführt
werden kann. Gerade bei einer internen Energieversorgung kommt es darauf, möglichst
wenig Energie zu verbrauchen.
[0024] Um eine PCR durchführen zu können, umfasst die in der Kammer befindliche Reaktionsflüssigkeit
hitzestabile Polymerase, Nukleoditde, Primer, Salz und pH-Puffer sowie Templat-Nukleinsäure
RNA oder DNA.
[0025] Es ist grundsätzlich auch möglich, dass eine weitere Flüssigkeit, die keine Reaktionsflüssigkeit
ist, eingesetzt wird, um durch Mischen die gewünschten Temperaturen schnell zu erreichen.
Grundsätzlich ist es möglich, die vorgenannten vorteilhaften Ausführungsformen auf
diesen Fall entsprechend zu übertragen, Im Unterschied zu dem Fall, dass ausschließlich
Reaktionsflüssigkeit eingesetzt wird, ist es dann aber nicht erforderlich, die weitere
Flüssigkeit exakt auf Denaturierungstemperatur zu erwärmen oder aber exakt auf Annealingstemperatur
zu kühlen. Statt dessen kann die kühlere oder wärmere Temperatur so gewählt werden,
dass das Verfahren optimiert durchgeführt werden kann. In Betracht kommen vor allem
Flüssigkeiten wie Öl oder flüssiges Metall, Geeignete Öle sind im Bereich der Mineralöle
(Typenbezeichung "PCR-grade") und Siliconöle (Typenbezeichung DC200) zu finden. An
Flüssigmetallen sind die Produkte der Firma Coollaboratory (Ebendorf; Deutschland)
geeignet. So kann beispielsweise eine RealTime PCR unter Anwesenheit von ca. 10 mg
"Coollaboratory Liquid MetalPad for PS3

" oder 50 mg "Coollaboratory Liquid Pro" erfolgreich durchgeführt werden.
[0026] Die Öle bzw. Metalle bilden in der PCR Reaktion eine zweite Phase, die einerseits
leicht von der Reaktionsflüssigkeit getrennt werden können und andererseits die PCR
nicht gefährden. Bei dieser Ausführungsform schwimmt beispielsweise ein Öl zunächst
auf der Reaktionsflüssigkeit und wird zusammen mit einem dafür geeigneten Bereich
der Reaktionskammer auf eine geeignete Temperatur erhitzt. Zeitgleich wird die Reaktionsflüssigkeit
in einem unteren Kammerbereich gekühlt und auf Annealingstemperatur gebracht. Um zu
gegebener Zeit die Elongationstemperatur zu erreichen, wird das Öl mit der Reaktionsflüssigkeit
gemischt. Soll im Anschluss daran die Reaktionsflüssigkeit auf Denaturierungstemperatur
gebracht werden, so wird beispielsweise die Kammer so um 180° gedreht, dass der beheizte
Bereich der Kammer sich dann unten befindet und der gekühlte Bereich oben. Wird das
Mischen gestoppt, so gelangt das Öl aufgrund der Schwerkraft in den gekühlten Kammerbereich
der Reaktionskammer. Die Reaktionsflüssigkeit gelangt dann in den Bereich der Kammer,
der erhitzt wird. Die Reaktionsflüssigkeit wird so auf die Denaturierungstemperatur
gebracht und das Öl auf eine geeignet tiefe Temperatur, um so die Reaktionsflüssigkeit
zu gegebener Zeit durch Mischen wieder rasch und auf energetisch günstige Weise abkühlen
zu können.
[0027] Wird flüssiges Metall anstelle eines Öls eingesetzt, so schwimmt die Reaktionsflüssigkeit
auf dem flüssigen Metall, wenn nicht gemischt wird. Im Prinzip kann daher das gleiche
Verfahren durchgeführt werden, wie zuvor am Beispiel des Öls beschrieben worden ist.
[0028] Wird eine Flüssigkeit eingesetzt, die keine Reaktionsflüssigkeit ist, so kommt es
bei den zuvor beschriebenen Verfahren also darauf an, dass sich diese Flüssigkeit
von der Reaktionsflüssigkeit trennen lässt, was insbesondere dann leicht möglich ist,
wenn die Trennung aufgrund der Schwerkraft zwangsläufig einsetzt, sobald nicht aktiv
zum Beispiel durch Rühren mit einem Rührelement gemischt wird.
[0029] Es ist auch möglich, dass insgesamt drei verschiedene Flüssigkeiten eingesetzt werden,
so zum Beispiel ein Flüssigmetall, eine Reaktionsflüssigkeit sowie ein Öl. Es ist
zweckmäßig, das Öl in einem oberen Bereich der Kammer zu erwärmen und das Flüssigmetall
in einem unteren Bereich dann zu kühlen. Grundsätzlich ist es aber auch nicht ausgeschlossen,
dass der obere Bereich gekühlt und der untere erwärmt wird. Die dazwischen befindliche
Reaktionsflüssigkeit wird mit der erwärmten Flüssigkeit gemischt, wenn die Temperatur
der Reaktionsflüssigkeit geeignet erhöht werden soll. Die dazwischen befindliche Reaktionsflüssigkeit
wird mit der gekühlten Flüssigkeit gemischt, wenn die Temperatur der Reaktionsflüssigkeit
geeignet herabgesetzt werden soll.
[0030] Nachfolgend wird die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert.
[0031] Figur 1 zeigt eine Aufsicht auf eine flach ausgestaltete Kammer 1 , in der eine PCR
durchgeführt wird. Die Kammer 1 weist eine kreisrunde Grundfläche auf, deren Durchmesser
um ein Mehrfaches größer ist als die Höhe der Kammer. Eine links gezeigte Hälfte 1a
der Kammer ist mit nicht dargestellten Heizmitteln versehen, um diesen linken Kammerbereich
1a beheizen zu können. Eine rechts gezeigte Kommerhälfte 1b ist mit Kühlmitteln versehen,
die die rechte Kammerhälfte 1 b zu kühlen vermögen, In der Kammer 1 befindet sich
ein Rührstab 2 eines Magnetrührers, In der Grundstellung trennt dieser die linke Kammerhälfte
1a von der rechten Kammerhälfte 1b. Als Heiz- und Kühlmittel eignen sich die bekannten,
beispielsweise eingangs genannten Mittel für diese und für andere Ausführungsformen
der Erfindung.
[0032] Figur 2a zeigt einen seitlichen Schnitt eines weiteren Ausführungsbeispiels einer
erfindungsgemäßen Kammer, In Figur 2b wird eine zugehörige Aufsicht gezeigt. Die links
gezeigte Kommerhälfte kann mit einem ersten Peltierelement 3 beheizt werden. Die rechts
gezeigte Kommerhälfte kann mit einem zweiten Peltierelement 4 gekühlt werden.
[0033] Die Höhe der Kammer mit quadratischer Grundfläche beträgt 1 mm. Breite und Länge
bzw. Tiefe der Kammer betragen 10 mm. Das Kammervolumen liegt bei ca. 100 µl. In der
Kammer 1 befindet sich wiederum ein Rührstab 2 eines Magnetrührers.
[0034] Im Rahmen eines Ausführungsbeispiels wurde eine quantitative Real Time PCR mit genomischer
DNA das Bakteriums
Escherichia coli untersucht.
[0035] Folgende PCR-Primer wurden eingesetzt:
EFwd: CGATGATGCTACCCCTGAAAAACT
ERev: TATTGTCGCTTGAACTGATTTCCTC
EPro: "6-Fam"-CGTTGTTAAGTCAATGGAAAACCTG- BHQ1
[0036] Die qPCR wurde jeweils mit einer Standard-Verdünnungsreihe genomischer DNA von E.
coli angesetzt. Pro 25µl PCR Endvolumen wurden 20 ng / 2 ng / 0,2ng / 0,02 ng von
genomischer
Escherichia coli DNA, also unterschiedliche Mengenfür Eichmessungen eingesetzt. Dazu wurden in ein
PCR Tube 1 2,5 µl QIAGEN QuantiTect Probe PCR Mastermix, 0,1 µl EFwd (5 pmol/µl);
0,1 µl ERev (5 pmol/µl); 0,05 µl EPro(5 pmol/µl), 10,25 µl bidestilliertes Wasser
und 2 µl E.coli Standard-Verdünnungslösung gestartet. Die Zyklus-Bedingungen sind
in der nachfolgenden Tabelle dargestellt.
| |
3-Step-Cycling |
4-Step-Cycling |
| Taq Activierung |
3 min |
95°C |
3 min |
95°C |
| 40 cycles |
4 sec |
95°C |
4 sec |
95°C |
| 4 sec |
56°C |
4 sec |
72°C |
| 8 sec |
72°C |
4 sec 4 sec |
56°C 72°C |
| Final Elongation |
1 min |
72°C |
1 min |
72°C |
| Hold infinite |
∞ |
4°C |
∞ |
4°C |
[0037] Die Auswertung der qPCR zeigt, dass auch unter den ungewöhnlichen 4-Schritt Cycling
Bedingungen erfolgreich eine PCR durchzuführen ist. Die Standards im Amplification
Plot (Fig. 3) bzw. in der Auswertungsgrafik (Fig. 4) unterscheiden sich nicht signifikant
von einander.
[0038] Da während der PCR ein Bereich der Kammer konstant erhitzt wird und ein anderer Bereich
der Kammer konstant gekühlt wird, wird relativ wenig Energie benötigt, um die PCR
durchzuführen. Der Aufbau der Kammer nebst zugehörigen Einrichtungen ist einfach und
daher preiswert. Der einfache Aufbau ermöglicht eine kleine Bauform der Gesamtvorrichtung,
mit der das Verfahren durchgeführt wird.
[0039] Eine Simulation hat ergeben, dass das Verfahren selbst dann vergleichsweise schnell
durchgeführt werden kann, wenn als Flüssigkeit ausschließlich Reaktionsflüssigkeit
eingesetzt wird, Es ergeben sich also auch Geschwindigkeitsvorteile, was wiederum
den Energieverbrauch auch aus diesem Grund zu senken vermag.
1. Verfahren zur Durchführung einer Polymerase-Kettenreaktion, bei dem eine Reaktionsflüssigkeit
zyklisch auf Denaturierungstemperatur, Annealingstemperatur und Elongationstemperatur
gebracht wird, dadurch gekennzeichnet, dass eine Temperatur der Reaktionsflüssigkeit durch Mischen mit einer wärmeren oder kühleren
Flüssigkeit geändert wird.
2. Verfahren zur Durchführung einer Polymerase-Kettenreaktion nach Anspruch 1 , dadurch gekennzeichnet, dass ein Teil der Reaktionsflüssigkeit auf Denaturierungstemperatur gebracht wird, ein
anderer Teil der Reaktionsflüssigkeit auf Annealingstemperatur gebracht wird und die
beiden Teile der Reaktionsflüssigkeiten zwecks Temperaturveränderung gemischt werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Verhältnis zwischen den beiden Flüssigkeitsvolumina des ersten und zweiten Teils
der zu mischenden Flüssigkeiten so eingestellt wird, dass durch das Mischen der wärmeren
Flüssigkeit mit der kühleren Flüssigkeit die Elongationstemperatur erhalten wird.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass der erste Teil der Reaktionsflüssigkeit in einem ersten Bereich einer Kammer auf
Denaturierungstemperatur erwärmt wird, der zweite Teil der Reaktionsflüssigkeit in
einem zweiten Bereich der Kammer auf Annealingstemperatur gekühlt wird und anschließend
mit Hilfe eines in der Kammer befindlichen Rührelements die unterschiedlich temperierten
Teile der Reaktionsflüssigkeiten gemischt werden.
5. Verfahren nach einem der drei vorhergehenden Ansprüche, bei dem im Anschluss an das
Mischen wieder ein Teil der Reaktionsflüssigkeit auf Denaturierungstemperatur und
ein anderer Teil der Reaktionsflüssigkeit wieder auf Annealingstemperatur gebracht
wird und zwar insbesondere in einem ersten und einem zweiten Bereich einer Kammer.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem die Reaktionsflüssigkeit
in einer flach ausgestalteten Kammer zyklisch auf Denaturierungstemperatur, Annealingstemperatur
und Elongationstemperatur gebracht wird.
7. Verfahren nach einem der fünf vorhergehenden Ansprüche, bei dem ein Rührelement die
zwei Teile der Reaktionsflüssigkeit voneinander trennt, wenn diese auf Denaturierungstemperatur
bzw. Annealingstemperatur gebracht werden.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem die Höhe der Kammer maximal
2 mm, vorzugsweise maximal 1 mm beträgt.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem die Breite, Tiefe oder
Durchmesser der Kammer wenigstens 5 mm, vorzugsweise wenigstens 10 mm beträgt.
10. Kammer zur Durchführung eines Verfahrens nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
die einen ersten und zweiten Bereich umfasst, wobei der erste Bereich der Kammer mit
einem Heizmittel versehen ist und der zweite Bereich mit einem Kühlmittel.
11. Kammer nach dem vorhergehenden Anspruch mit Mitteln für das Mischen einer in der Kammer
befindlichen Flüssigkeit.
12. Kammer nach einem der beiden vorhergehenden Ansprüche mit einer in der Kammer befindlichen
Reaktionsflüssigkeit, die Polymerase, Nukleoditde, Primer, Salz und pH Puffer sowie
Templat-Nukleinsäure RNA oder DNA umfasst,
13. Kammer nach einem der drei vorhergehenden Ansprüche mit einem bandförmigen Wandbereich,
der aus einem Material besteht, dessen Wärmeleitfähigkeit gering ist im Vergleich
zu dem Material von angrenzenden Wandbereichen der Kammer, wobei sich der bandförmige
Wandbereich zwischen dem ersten und zweiten Bereich der Kammer befindet.
14. Kammer nach einem der vier vorhergehenden Ansprüche mit Mitteln zur Ausrichtung des
Rührelements derart, dass im ausgerichteten Zustand das Rührelement den ersten Kammerbereich
vom zweiten Kammerbereich trennt.
15. Vorrichtung umfassend eine Kammer nach einem der fünf vorhergehenden Ansprüche mit
einer internen Energieversorgung für die Durchführung einer PCR,