[0001] Die Erfindung betrifft eine Bauteilbeschichtung, ein Bauteil mit der Bauteilbeschichtung,
Verfahren zur Herstellung der Bauteilbeschichtung und die Verwendung der Bauteilbeschichtung
als Abrieb- und Verschleißschutzschicht.
[0002] Bauteile, die hohen Belastungen ausgesetzt sind, werden häufig mit Schutzschichten
versehen, um sie insbesondere vor Verschleiß schützen sollen. Derartige Bauteile kommen
beispielsweise in Turbinen zum Einsatz, wo sie in einer chemisch aggressiven Atmosphäre
bei hohen Temperaturen starken mechanischen Beanspruchungen ausgesetzt sind.
[0003] Insbesondere dann, wenn zwei solche Bauteile eine Relativbewegung zueinander ausführen,
kann reibender und hämmernder Verschleiß auftreten. Darüber hinaus kann es zu dem
so genannten "Fretting" kommen, worunter man die gleichzeitige Abnutzung und Korrosion
von Bauteilen versteht.
[0004] Um solche Beschädigungen zu vermeiden, werden bisher spezielle Verschleißschutzschichten
bzw. -systeme auf Basis von Titannitrid oder Titancarbid auf die Bauteile aufgebracht.
Derartige Verschleißschutzsysteme sind beispielsweise in der
WO 2005/031038 A1 beschrieben. Allerdings kommt es auch bei diesen Systemen durch Reibverschleiß mit
überlagerten Schwingungen oder durch eine hohe Temperaturbelastung zu Beschädigungen.
Andere bekannte Verschleißschutzschichten auf Basis von Wolframcarbid-Chrom oder Chromcarbid-Nickel-Chrom
weisen ebenfalls nicht die notwendige Temperaturbeständigkeit auf.
[0005] Eine weitere Gruppe von Bauteilbeschichtungen, die insbesondere beim Turbinenbau
von Bedeutung haben, sind Abriebschichten, die als Einlaufschichten dienen. Sie werden
auf die Oberfläche eines ruhenden Bauteils aufgebracht, um als Dichtung zwischen dem
ruhenden und einem sich relativ zu diesem bewegenden Bauteil zu dienen, nachdem sich
das bewegende Bauteil während des Betriebes der Turbine in Abriebschicht eingeschliffen
hat. Derartige Abriebschichten sind beispielsweise in der
EP 1 253 294 A2 beschrieben.
[0006] Die bekannten Abriebschichten weisen jedoch nicht die notwendige Belastbarkeit auf.
So oxidieren die in vielen Fällen zum Einsatz kommenden Abriebschichten aus kubischem
Bornitrid sehr schnell unter Heißgaseinfluss, was ihre Funktionalität und Lebensdauer
negative beeinflusst.
[0007] Aufgabe der Erfindung war es daher, eine Bauteilbeschichtung bereit zu stellen, die
thermischen, chemischen und mechanischen Belastungen, wie sie etwa in Turbinen auftreten,
widersteht.
[0008] Überraschender Weise wurde gefunden, das Bauteilbeschichtungen, die Rheniumdiborid
enthalten, diesen Anforderungen genügen. So weisen Bauteilbeschichtungen, die entweder
aus Rheniumdiborid bestehen oder Rheniumdiboridpartikel enthalten eine hohe Temperaturbeständigkeit
auf und sind darüber hinaus chemisch wie mechanisch hoch widerstandsfähig. Dies ist
unter anderem durch die sehr große Härte des Rheniumdiborids bedingt.
[0009] Wenn die Bauteilbeschichtung Rheniumdiboridpartikel enthält, können diese in einer
duktilen Matrix eingebettet sein, wobei die duktile Matrix insbesondere aus MCrAlY
bestehen kann. Beispielsweise kann als MCrAlY SC 2464 verwendet werden. Vorteilhafterweise
kann der Anteil der Rheniumdiboridpartikel in der Bauteilbeschichtung kann 1 bis 70,
bevorzugt 2 bis 40, besonders bevorzugt 4 bis 25 und insbesondere bevorzugt 6 bis
10 Gew.-% betragen. Die Bauteilbeschichtung kann 10 bis 500, bevorzugt 50 bis 400
und besonders bevorzugt 100 bis 300 µm dick sein.
[0010] Wenn die Bauteilbeschichtung aus Rheniumdiborid besteht, kann sie insbesondere 0,1
bis 600 µm dick sein.
[0011] Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft ein Bauteil, das die Bauteilbeschichtung
aufweist. Bei dem Bauteil kann es sich bevorzugt um ein Turbinenbauteil, beispielsweise
um eine Spring Clip handeln.
[0012] Gegenstand der Erfindung ist auch ein Verfahren zur Herstellung einer Bauteilbeschichtung,
bei der Rheniumdiboridpartikel in einer duktilen Matrix aus MCrAlY eingebettet sind.
Zur Herstellung einer solchen Bauteilbeschichtung wird eine Mischung aus MCrAlY und
Rheniumdiborid auf ein Bauteil aufgesprüht. Vorzugsweise kann die Mischung mittels
HVOF oder Coldspray auf das Bauteil aufgesprüht werden.
[0013] Von der Erfindung ist auch ein Verfahren zur Herstellung einer Bauteilbeschichtung,
die aus Rheniumdiborid besteht, umfasst. Bei diesem Verfahren werden zunächst auf
ein Bauteil in beliebiger Reihenfolge übereinander eine Schicht aus Rhenium und eine
Schicht aus Bor aufgebracht, die vorzugsweise jeweils eine Dicke im Bereich von 0,1
bis 400µm aufweisen. Anschließend werden die Schichten aus Rhenium und Bor im Vakuum
bei einer Temperatur > 1000°C solange erhitzt, bis sich aus den Schichten eine Schicht
aus Rheniumdiborid gebildet hat.
[0015] Vorzugsweise kann die Schicht aus Rhenium und/oder die Schicht aus Bor auf das Bauteil
aufgedampft oder aufgespritzt werden. Insbesondere kann dies mit Hilfe von HVOF und/oder
Coldspray erfolgen.
[0016] Weitere Gegenstände der Erfindung sind schließlich die Verwendung der Bauteilbeschichtung
als Abrieb- oder als Verschleißschutzschicht auf einem Bauteil. Bei dem Bauteil kann
es sich insbesondere um ein Turbinenbauteil handeln.
[0017] Die Erfindung wird im Folgenden anhand eines Ausführungsbeispiels unter Bezugnahme
auf die Zeichnung näher erläutert. Die einzige Figur der Zeichnung zeigt schematisch
im Schnitt eine Spring Clip einer Turbinenschaufel.
[0018] Die Spring Clip 1 ist mit einer erfindungsgemäßen Bauteilbeschichtung 2 als Verschleißschutzschicht
versehen. Die Bauteilbeschichtung 2 besteht aus Rheniumdiborid.
[0019] Die Spring Clip 1 dient dazu den Übergang von Basket und Transition der Turbinenschaufel
mit möglichst wenig Leckage zu realisieren. Sie gewährleistet auch den nötigen axialen
Freiheitsgrad, um dem Brenner der Turbine eine thermische Dehnung zu erlauben. Daher
bewegt sie sich ständig relativ zum Transition und benötigt an der mit der Bauteilbeschichtung
versehenen Kontaktfläche eine hohe Verschleißfestigkeit. Funktion und Aufbau einer
Spring Clip sind beispielsweise in der
US 2007/0012043 A1 beschrieben.
[0020] Um die Bauteilbeschichtung 2 auf der Spring Clip 1 aufzubringen, wird zunächst eine
Schicht aus Rhenium auf der Spring Clip 1 mittels HVOF abgeschieden. Dann wird auf
der Schicht aus Rhenium eine Schicht aus Bor aufgebracht. Dies kann wiederum durch
HVOF erfolgen. Alternativ kann die Reihenfolge der Schichten auf der Spring Clip 1
auch vertauscht werden, d.h. zunächst kann die Borschicht und dann auf dieser die
Rheniumschicht aufgebracht werden.
[0021] Die Spring Clip 1 mit der Rhenium- und der Borschicht wird dann im Vakuum bei einer
Temperatur > 1000°C solange erhitzt, bis sich aus den beiden Schichten eine Schicht
aus Rheniumdiborid gebildet hat. Temperatur und Dauer der Wärmebehandlung hängen unter
anderem von den Dicken der Rhenium- und der Borschicht ab und können im konkreten
Fall leicht vom Fachmann experimentell mit Hilfe weniger Versuche ermittelt werden.
[0022] Die so erhaltene Bauteilbeschichtung 2 aus Rheniumdiborid weist eine hohe Temperaturbeständigkeit
auf und ist darüber hinaus chemisch widerstandsfähig. Vor allem ist sie auf Grund
ihrer hohen Härte mechanisch extrem belastbar.
1. Bauteilbeschichtung (2),
dadurch gekennzeichnet, dass
sie Rheniumdiborid enthält.
2. Bauteilbeschichtung (2) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
sie Rheniumdiboridpartikel enthält.
3. Bauteilbeschichtung (2) nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Rheniumdiboridpartikel in einer duktilen Matrix eingebettet sind.
4. Bauteilbeschichtung (2) nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
die duktile Matrix aus MCrAlY besteht.
5. Bauteilbeschichtung (2) nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, dass
sie 1 bis 70, bevorzugt 2 bis 40, besonders bevorzugt 4 bis 25 und insbesondere bevorzugt
6 bis 10 Gew.-% Rheniumdiboridpartikel enthält.
6. Bauteilbeschichtung (2) nach einem der Ansprüche 2 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass
sie 10 bis 500, bevorzugt 50 bis 400 und besonders bevorzugt 100 bis 300 µm dick ist.
7. Bauteilbeschichtung (2) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
sie aus Rheniumdiborid besteht.
8. Bauteilbeschichtung (2) nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet, dass
sie 0,1 bis 600 µm dick ist.
9. Bauteil (1),
insbesondere Turbinenbauteil,
dadurch gekennzeichnet, dass
es eine Bauteilbeschichtung (2) gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche aufweist.
10. Bauteil (1) nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet, dass
es eine Spring Clip einer Turbine ist.
11. Verfahren zur Herstellung einer Bauteilbeschichtung (2) nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, dass
eine Mischung aus MCrAlY und Rheniumdiborid auf ein Bauteil (1) aufgesprüht wird.
12. Verfahren nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Mischung mittels HVOF oder Coldspray auf das Bauteil (1) aufgesprüht wird.
13. Verfahren zur Herstellung einer Bauteilbeschichtung (2) nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet, dass
auf ein Bauteil (1) in beliebiger Reihenfolge übereinander eine Schicht aus Rhenium
und eine Schicht aus Bor aufgebracht und im Vakuum bei einer Temperatur > 1000°C erhitzt
werden, bis sich aus den Schichten aus Rhenium und Bor eine Schicht aus Rheniumdiborid
gebildet hat.
14. Verfahren nach Anspruch 13,
bei dem die Schicht aus Rhenium und/oder die Schicht aus Bor aufgedampft oder aufgespritzt
werden.
15. Verfahren nach Anspruch 14,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Schicht aus Rhenium und/oder die Schicht aus Bor mittels HVOF und/oder Coldspray
aufgespritzt werden.
16. Verwendung einer Bauteilbeschichtung (2) nach einem der Ansprüche 1 bis 8 als Abriebschicht
auf einem Bauteil (1) insbesondere auf einem Turbinenbauteil.
17. Verwendung einer Bauteilbeschichtung (2) nach einem der Ansprüche 1 bis 8 als Verschleißschutzschicht
auf einem Bauteil (1) insbesondere auf einem Turbinenbauteil.