GEBIET DER ERFINDUNG
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Bauteil, welches Luft- oder Gasströmungen
ausgesetzt und überwiegend aus einem Kunststoffmaterial gebildet ist, so dass das
Kunststoffmaterial zumindest zum Teil im Bereich der der Strömung ausgesetzten Oberfläche
des Bauteils vorliegt, wobei das Kunststoffmaterial einen Erosionsschutz an der Oberfläche
aufweist. Außerdem betrifft die vorliegende Erfindung ein Verfahren zur Herstellung
eines entsprechenden Bauteils mit Erosionsschutzschicht.
STAND DER TECHNIK
[0002] Erosionsschutzsysteme sind für strömungsbelastete Bauteile insbesondere in der Luftfahrtindustrie
seit langem bekannt.
[0003] So werden für metallische Turbinenbauteile in der
DE 10 2004 001 392 A1 bzw. der
DE 2007 027 335 A1 Verschleißschutzbeschichtungen für Grundwerkstoffe aus Nickelbasislegierungen, Kobaltbasislegierungen,
Eisenbasislegierungen oder Titanbasislegierungen beschrieben. Diese Verschleißschutzbeschichtungen
für die hochbelasteten metallischen Bauteile einer Gasturbine weisen ein Mehrlagenschichtsystem
aus metallischen Teilschichten, Teilschichten aus Metalllegierungen, Metall-KeramikTeilschichten
und/oder Keramikteilschichten auf.
[0004] Neben diesen komplexen und aufwändigen Schichtsystemen für hochbelastete metallische
Bauteile aus komplexen Metalllegierungen sind für Kunststoffbauteile in der Flugzeugindustrie,
wie beispielsweise Rotorblätter von Hubschrauberotoren, Eintrittskanten von Propellerblättern
bei Propellermaschinen und dergleichen einfache Erosionsschutzmaßnahmen bekannt. So
werden an erosionsbelasteten Bereichen der Kunststoffbauteile entsprechende metallische
Erosionsschutzteile in Form von metallischen Verkleidungen, wie aufgeklebte Metallfolien,
Metallgewebe oder Metallfilze, oder integrierte Metallkanten vorgesehen. Aus der
US 5,306,120 ist zudem ein entsprechender Erosionsschutz für ein Kunststoffrotorblatt aus einer
aufgeklebten Metallfolie mit einer Schutzschicht aus einem zweiphasigen Material,
nämlich einem partikelverstärkten metallischen Material bekannt.
[0005] Derartige erosionsgeschützte Kunststoffbauteile zeigen jedoch insbesondere über die
langen Lebensdauern der Kunststoffbauteile einen ungenügenden Erosionsschutz.
OFFENBARUNG DER ERFINDUNG
AUFGABE DER ERFINDUNG
[0006] Es ist deshalb Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Kunststoffbauteil sowie ein
entsprechendes Verfahren zur Herstellung bereitzustellen, welches die Probleme des
Standes der Technik löst, also insbesondere einen zuverlässigen und dauerhaften Erosionsschutz
für das Kunststoffbauteil bereitstellt, wobei gleichzeitig das Bauteil wirtschaftlich
sinnvoll und somit effektiv herstellbar ist.
TECHNISCHE LÖSUNG
[0007] Diese Aufgabe wird gelöst durch ein Bauteil mit den Merkmalen des Anspruchs 1 sowie
ein Verfahren zur Herstellung eines entsprechenden Bauteils mit den Merkmalen des
Anspruchs 14. Vorteilhafte Ausgestaltungen sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
[0008] Die Erfindung geht aus von der Erkenntnis, dass ein effektiver Erosionsschutz mittels
eines Mehrlagenschichtsystems erzielbar ist, wie es bereits für komplexe metallische
Legierungen in hochbeanspruchten Metallbauteilen von Gasturbinen eingesetzt wird.
Die Kombination von harten und weichen Schichten, die insbesondere durch Dampfphasenabscheidung
innig und fest miteinander verbunden sind, bietet beim Auftreffen von Partikeln, Flüssigkeiten
und Gasströmungen die für die Erosionsschutzwirkung bedeutsame Kombination aus Nachgiebigkeit
und Härte. Insbesondere durch dünne Teilschichten des Mehrlagenschichtsystems, wie
sie durch Dampfphasenabscheidung erzeugt werden können, im Bereich von einigen nm
Schichtdicke, wie beispielsweise 10 nm bis zu einigen µm Dicke, beispielsweise bis
zu 10 µm Dicke, insbesondere im Bereich von 100 nm bis 0,5 µm Schichtdicke, vorzugsweise
200 nm bis 400 nm Dicke können hervorragende Erosionsbeständigkeitseigenschaften erzielt
werden. Vergleichbare Ergebnisse lassen sich auch nicht durch eine aufgeklebte Metallfolie
mit einer darauf angeordneten Metall-Keramik-Mischschicht, wie in der
US 5,306,120 vorgeschlagen, erreichen, da offensichtlich der Verbund aus dünnen, weichen und harten
Teilschichten des abgeschiedenen Mehrlagenschichtsystems überraschend auch für Kunststoffbauteile,
insbesondere nicht so stark belastete Kunststoffbauteile maßgebend ist. Entsprechend
kann das Mehrlagenschichtsystem entweder unmittelbar auf dem Kunststoff des Kunststoffbauteils
oder einer entsprechenden Metallverkleidung bzw. Metallverstärkung vorgesehen sein.
[0009] Zur Abscheidung der Schichten können Dampfphasenabscheideprozesse, insbesondere physikalische
Dampfphasenabscheideverfahren und vorzugsweise gepulstes Kathodenzerstäuben (Sputtern)
eingesetzte werden.
[0010] Bei der Aufbringung des Mehrlagenschichtsystems auf einer Metallverkleidung bzw.
einer Metallverstärkung, also einem Metallformteil, einer Metallfolie oder dergleichen,
wie insbesondere Metallgewebe, -filz usw., kann das Mehrlagenschichtsystem vor Anordnung
der Metallverkleidung bzw. Metallverstärkung auf dem Kunststoffbauteil oder nach der
Aufbringung auf dem Kunststoffbauteil abgeschieden werden.
[0011] Sofern das Mehrlagenschichtsystem vor Anbringung der Metallverkleidung bzw. Metallverstärkung
auf dem Kunststoffbauteil abgeschieden wird, können sämtliche geeigneten Kunststoffe,
insbesondere partikelverstärkte oder phasenverstärkte Kunststoffe für das Kunststoffbauteil
Verwendung finden.
[0012] Wird jedoch das Mehrlagenschichtsystem in Anwesenheit des Kunststoffbauteils abgeschieden,
so muss ein vakuumbeständiger und/oder hochtemperaturbeständiger Kunststoff gewählt
werden, der die nötigen Temperaturen und/oder Druckverhältnisse beim Abscheideprozess
für das Mehrlagenschichtsystem überstehen kann. Für den Abscheideprozess können insbesondere
auch Niedertemperaturabscheideverfahren mit Prozesstemperaturen im Bereich von kleiner
oder gleich 300°C, insbesondere kleiner oder gleich 200 °C eingesetzt werden. Als
vakuumbeständige und/oder temperaturbeständige Kunststoffe, die für Dampfphasenbeschichtungen
geeignet sind, bieten sich insbesondere Polyetherketone, Polyetheretherketone und
dergleichen an.
[0013] Vor dem Aufbringen des Mehrlagenschichtsystems kann die zu beschichtende Oberfläche
entsprechend vorbereitet werden, um beispielsweise die Haftfestigkeit zu verbessern.
Hierzu können bekannte nasschemische Ätzverfahren und/oder Plasmabehandlungsverfahren
eingesetzt werden. Insbesondere bei der Abscheidung des Mehrlagenschichtsystems direkt
auf dem Kunststoff kann sich eine entsprechende Vorbehandlung anbieten.
[0014] Das Mehrlagenschichtsystem kann gemäß der Offenbarung in den deutschen Offenlegungsschriften
DE 10 2004 001 392 A1 und
DE 10 2007 027 335 A1, deren Offenbarungsgehalt hiermit durch Verweis vollständig aufgenommen ist, durch
eine Abfolge von duktilen Metallschichten und harten Keramikschichten sowie einer
Abfolge einer reinen Metallschicht, einer Metalllegierungsschicht, einer Metall-Keramik-Mischschicht,
die insbesondere gradiert sein kann, sowie einer Keramikschicht gebildet sein. Zusätzlich
können entsprechende Diffusionssperrschichten zwischen den einzelnen Lagen und/oder
an der Grenzfläche zum Kunststoffbasiswerkstoff bzw. einem entsprechenden Metallverkleidungs-
oder Verstärkungsteil vorgesehen sein. Neben dem Wechsel zwischen duktiler Metallschicht
und harter Keramikschicht bzw. Kombination von duktilen Metallschichten und harten
Keramikschichten kann auch eine Kombination von unterschiedlich harten Keramikschichten
vorgesehen sein.
[0015] Die unterschiedlichen Keramikschichten können beispielsweise durch Chrom-Aluminium-Nitrid
und Chrom-Nitrid gebildet sein, wobei ein derartiges Mehrlagenschichtsystem eine Chrom-Nitrid-Schicht
als Haftvermittlerschicht umfassen kann.
[0016] Bei den Mehrlagenschichtsystemen mit Metallschichten und Metalllegierungsschichten
sowie Metall-Keramik-Mischschichten kann die Metallschicht aus Aluminium, Titan, Platin,
Palladium, Wolfram, Chrom, Nickel oder Kobalt sowie die Metalllegierungsschicht aus
Legierungselementen ausgewählt aus Titan, Platin, Palladium, Wolfram, Chrom, Nickel,
Kobalt, Eisen, Aluminium, Zirkon, Hafnium, Tantal, Magnesium, Molybdän, Yttrium, Niob,
Vanadium und/oder Silizium gebildet sein, wobei einige dieser Elemente als Phasenstabilisierungselemente
dienen.
[0017] Die Metall-Keramik-Mischschicht kann aus den entsprechend vorher genannten Metallen
sowie Oxiden, Nitriden, Karbiden und/oder Boriden dieser Metalle oder Metalllegierungen
gebildet sein.
[0018] Die Keramikschicht kann wiederum aus Oxiden, Nitriden, Karbiden und/oder Boriden
der vorher genannten Metalle oder Metalllegierungen gebildet sein.
KURZBESCHREIBUNG DER FIGUREN
[0019] Weitere Vorteile, Kennzeichen und Merkmale der vorliegenden Erfindung werden bei
der nachfolgenden detaillierten Beschreibung von Ausführungsbeispielen anhand der
beigefügten Zeichnungen deutlich. Die Zeichnungen zeigen hierbei in rein schematischer
Weise in
- Figur 1
- einen Schnitt durch einen Oberflächenbereich eines erfindungsgemäßen Bauteils mit
einem Erosionsschutz gemäß einem ersten Ausführungsbeispiel;
- Figur 2
- einen Schnitt durch einen Oberflächenbereich eines erfindungsgemäßen Bauteils mit
einem Erosionsschutz nach einem zweiten Ausführungsbeispiel;
- Figur 3
- einen Schnitt durch einen Oberflächenbereich eines erfindungsgemäßen Bauteils mit
einem Erosionsschutz nach einem dritten Ausführungsbeispiel;
- Figur 4
- einen Schnitt durch einen Oberflächenbereich eines erfindungsgemäßen Bauteils mit
einem Erosionsschutz nach einem vierten Ausführungsbeispiel;
- Figur 5
- einen Schnitt durch einen Oberflächenbereich eines erfindungsgemäßen Bauteils mit
einem Erosionsschutz nach einem fünften Ausführungsbeispiel;
- Figur 6
- einen Schnitt durch einen Oberflächenbereich eines erfindungsgemäßen Bauteils mit
einem Erosionsschutz nach einem sechsten Ausführungsbeispiel; und in
- Figur 7
- einen Schnitt durch einen Oberflächenbereich eines erfindungsgemäßen Bauteils mit
einem Erosionsschutz nach einem siebten Ausführungsbeispiel
AUSFÜHRUNGSBEISPIELE
[0020] Die Figur 1 zeigt ein erstes Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Bauteils,
beispielsweise einer Leitschaufel, einer Laufschaufel oder eines Leitgitters einer
Gasturbine und insbesondere eines Flugzeugtriebwerks, vorzugsweise im Bereich des
Verdichters oder Fans, bzw. Kantenbereiche von Propellerblättern von Propellerflugzeugen
oder von Rotorblättern von Hubschrauberrotoren sowie von Flugzeugstrukturbauteilen,
wie Strömungskanten von Tragflächen und dergleichen. Das Bauteil 1 weist einen Grundwerkstoff
aus einem Kunststoff auf, beispielsweise aus einem partikel- oder faserverstärkten
Kunststoff bzw. insbesondere aus einem hochtemperaturbeständigen und vakuumtauglichen
Kunststoff, wie Polyetheretherketon (PEEK).
[0021] Nach einer einfachen Ausführungsvariante, die in Figur 1 gezeigt ist, ist auf dem
Kunststoffbauteil 1 ein Mehrlagenschichtsystem mit den Lagen bzw. Teilschichten 2
und 3 angeordnet. Die Teilschicht 2 kann beispielsweise eine Metall- oder Metalllegierungsschicht
sein, während die Lage bzw. Teilschicht 3 aus einem Keramikmaterial gebildet ist.
Die Metallschicht kann beispielsweise durch eine Chrom-Aluminium-Schicht gebildet
sein, während die Keramikschicht 3 durch eine Chrom-Aluminium-Nitrid-Schicht gebildet
sein kann.
[0022] Alternativ können die Teilschichten 2 und 3 beide als Keramikschichten ausgebildet
sein, wobei die Teilschicht 2 als duktilere, weichere Keramikschicht, beispielsweise
als Chrom-Nitrid-Schicht ausgebildet sein kann, während die harte Keramikschicht 3
als Chrom-Aluminium-Nitrid-Schicht ausgebildet sein kann.
[0023] Zur Abscheidung dieser Schichten können Dampfphasenabscheidungsprozesse, insbesondere
physikalische Dampfphasenabscheidungsprozesse (Physical Vapor Deposition PVD) eingesetzt
werden. Zur Verbesserung der Haftfestigkeit und der nachfolgenden Abscheidung kann
die Oberfläche des Bauteils 1 nasschemisch geätzt oder einer Plasmabehandlung unterzogen
werden. Die dadurch beeinflusste Oberflächenschicht des Bauteils 1 ist zeichnerisch
nicht separat dargestellt.
[0024] Die Figur 2 zeigt eine zweite Ausführungsform eines erfindungsgemäßen Bauteils, bei
dem die Mehrlagenschicht mehrere Abfolgen von identischen Teilschichten umfasst, nämlich
eine Wiederholung der Schichtenabfolge der Ausführungsform der Figur 1. Entsprechend
sind in der Ausführungsform der Figur 2 in der Erosionsschutzschicht auf dem Kunststoffbauteil
1 die Teilschichten 2 und 3 zweimal übereinander angeordnet, wobei die Teilschichten
2 und 3 jeweils wiederum durch eine Metallschicht oder eine weiche Keramikschicht
im Fall der Teilschicht 2 sowie durch eine harte Keramikschicht im Fall der Teilschicht
3 gebildet sein können.
[0025] In der Figur 3 ist eine weitere Ausführungsform eines erfindungsgemäßen Bauteils
1 mit einer Erosionsschutzschicht dargestellt, wobei hier das Mehrlagenschichtsystem
aus den Teilschichten 2 und 3 nicht unmittelbar auf der Kunststoffoberfläche des Bauteils
1 abgeschieden ist, sondern auf einer Metallschicht 4. Die Metallschicht 4 kann selbst
eine abgeschiedene Schicht sein oder ein separat aufgebrachtes Metallteil, wie beispielsweise
ein Metallformteil, eine Metallfolie, ein Metallfilz oder dergleichen.
[0026] Während die Metallschicht 4 in Form einer abgeschiedenen Schicht direkt auf dem Kunststoff
1 abgeschieden wird, kann die Metallschicht in Form eines Metallformbauteils als formstabile,
selbsttragende Einheit oder als Metallfolie, Metallgewebe, Metallfilz oder dergleichen
auf dem Kunststoffbauteil 1 aufgeklebt oder in sonstiger geeigneter Weise aufgebracht,
z. B. verschweißt, werden. Darüber hinaus ist es auch möglich, die Metallschicht 4
in Form eines Metallverstärkungsteils, eines Metallformbauteils, einer Metallfolie,
eines Metallfilzes oder dergleichen bei der Herstellung des Kunststoffbauteils 1 anzuordnen,
also insbesondere die Metallschicht 4 mit dem Kunststoffbauteil 1 zu gießen oder bei
entsprechenden glasfaserverstärkten Kunststoffen mit in das Bauteil 1 ein zu laminieren.
[0027] Entsprechend kann das Mehrlagenschichtsystem aus den Teilschichten 2 und 3 bereits
vor dem Anbringen der Metallschicht 4 oder erst nach dem Anbringen der Metallschicht
4 auf dem Kunststoffbauteil 1 auf der Metallschicht angeordnet werden.
[0028] Die Figur 4 zeigt eine weitere Ausführungsform eines erfindungsgemäßen Bauteils,
bei welcher wiederum eine Metallschicht 4 als Basis für das Mehrlagenschichtsystem
auf dem Kunststoffbauteil 1 angeordnet ist, wobei das Mehrlagenschichtsystem 2, 3
vor oder nach dem Anordnen der Metallschicht 4 auf dem Kunststoffbauteil 1 abgeschieden
wird. Der Unterschied zur Ausführungsform der Figur 3 besteht darin, dass das Mehrlagenschichtsystem
aus mehreren wiederholten Abfolgen der Teilschichten 2, 3 besteht, wie bereits in
der Ausführungsform der Figur 2 gezeigt.
[0029] Die Metallschicht 4 bzw. die Metallverstärkung des Kunststoffbauteils 1 kann aus
jedem geeigneten Metallwerkstoff bzw. Metalllegierung gebildet sein, insbesondere
aus Titanwerkstoffen. Entsprechend können die Teilschichten 2, 3 aus geeigneten Metallschichten
bzw. Metalllegierungsschichten oder weichen Keramikschichten (Teilschicht 2) sowie
harten Keramikschichten (Teilschicht 3) gebildet sein. Hier bietet es sich an, entsprechende
Titanwerkstoffe einzusetzen, die mit der Metallschicht eine gute Verbindung bilden
und durch angepasste Eigenschaften eine gute Verträglichkeit mit der Metallschicht
4 aufweisen. So bieten sich beispielsweise für die Metallschicht 2 Titanbasislegierungen
und für die Keramikschicht 3 Titan-Nitrid- oder Titan-Aluminium-Nitrid-Schichten an.
[0030] Die Figur 5 zeigt eine weitere Ausführungsform, die eine Abwandlung zur Ausführungsform
der Figur 4 darstellt. Zusätzlich zu der Ausgestaltung der Erosionsschutzschicht der
Ausführungsform der Figur 4 ist bei der Ausführungsform der Figur 5 eine Diffusionssperrschicht
5 beispielsweise aus Chromnitrid zwischen der Teilschicht 2 des Mehrschichtsystems
und der Metallschicht 4 vorgesehen. Entsprechend ist also das Mehrlagenschichtsystem
mit der Diffusionssperrschicht 5 in Richtung des Kunststoffbauteils 1 abgeschlossen.
Die Diffusionssperrschicht 5 verhindert, dass Material aus dem Mehrlagenschichtsystem
in die Metallschicht 4 diffundiert bzw. umgekehrt aus der Metallschicht 4 in das Mehrlagenschichtsystem.
[0031] Die Figur 6 ist eine weitere Ausführungsform, die eine Abwandlung der Ausführungsform
der Figur 2 darstellt. Zusätzlich zu dem Mehrlagenschichtsystem mit der wiederholten
Abfolge der Teilschichten 2, 3 gemäß der Ausführungsform der Figur 2 ist bei der Ausführungsform
der Figur 6 zusätzlich zwischen der ersten Teillage 2 und dem Kunststoffbauteil 1
eine Haftvermittlerschicht 6 vorgesehen, welche beispielsweise aus einer gradierten
Chrom-Nitrid-Schicht gebildet ist.
[0032] Das Mehrlagenschichtsystem mit einer metallischen duktilen Teilschicht 2 und einer
harten keramischen Schicht 3, wie es in den vorangegangenen Figuren dargestellt ist,
kann gemäß der Ausführungsform der Figur 7 dahingehend abgewandelt werden, dass anstelle
eines Mehrlagenschichtsystems mit zwei sich wiederholenden Teilschichten ein Mehrlagenschichtsystem
mit mehreren unterschiedlichen Teilschichten verwirklicht wird. Gemäß der Ausführungsform
der Figur 7 sind auf einer ersten Metallschicht 4 in Form einer Metallverkleidung
auf dem Kunststoff-Bauteil 1 vier Teilschichten eines Mehrlagenschichtsystems abgeschieden,
und zwar eine weitere Metallschicht 2, eine Metalllegierungsschicht 7, eine Metall-Keramik-Mischschicht
8 und eine Keramikschicht 3. Diese vier Lagen können nicht nur, wie im Ausführungsbeispiel
der Figur 7 gezeigt, einmal ausgebildet sein, sondern wiederum mehrfach übereinander
angeordnet sein.
[0033] Wie bereits oben erwähnt, wird das Mehrlagenschichtsystem vorzugsweise durch eine
Dampfphasenabscheidung, insbesondere physikalische Dampfphasenabscheidung (PVD) direkt
auf dem Kunststoffbauteil 1 oder auf einer Metallschicht 4 in Form eines Metallformbauteils,
einer Metallfolie, eines Metallgewebes oder einer abgeschiedenen Metallschicht abgeschieden.
Insbesondere kann zur Abscheidung ein Sputterverfahren (Kathodenzerstäubung) eingesetzt
werden, bei welchem die Elektrode des Targets insbesondere gepulst betrieben wird.
[0034] Bei Verwendung eines Metallformbauteils oder einer Metallfolie oder dergleichen kann
das Mehrlagenschichtsystem bereits vor Anbringen des Metallformteils bzw. der Metallfolie
an dem Kunststoffbauteil 1 oder nachher abgeschieden werden. Insbesondere für derartige
Bauteile, bei denen eine Abscheidung des Mehrlagenschichtsystems in Anwesenheit des
Kunststoff-Bauteils 1 erforderlich ist, kann der Kunststoff aus einem hochvakuumbeständigen
und hochtemperaturbeständigen Kunststoff gebildet sein, wie beispielsweise Polyetheretherketon
PEEK.
[0035] Obwohl die vorliegende Erfindung anhand der beigefügten Ausführungsbeispiele detailliert
beschrieben worden ist, ist für den Fachmann selbstverständlich, dass die Erfindung
nicht auf diese Ausführungsbeispiele beschränkt ist, sondern dass vielmehr Abwandlungen
oder Änderungen möglich sind, indem einzelne Merkmale weggelassen werden oder andersartige
Kombinationen von Merkmalen vorgenommen werden, ohne den Schutzbereich der beigefügten
Ansprüche zu verlassen. Insbesondere umfasst die vorliegende Erfindung sämtliche Kombinationen
aller vorgestellten Merkmale.
1. Bauteil, welches Luft- oder Gasströmungen ausgesetzt ist und überwiegend aus einem
Kunststoffmaterial gebildet ist, so dass das Kunststoffmaterial zumindest zum Teil
im Bereich der der Strömung ausgesetzten Oberfläche des Bauteils (1) vorliegt, wobei
das Kunststoffmaterial einen Erosionsschutz an der Oberfläche aufweist,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Erosionsschutz ein Mehrlagenschichtsystem (2, 3; 2, 7, 8, 3) mit mindestens einer
oder mehrerer Abfolgen aus mindestens einer Lage aus einem Metall (2) und mindestens
einer Lage aus einer Keramik (3) oder aus mindestens zwei unterschiedlich harten Keramikschichten
(2, 3) umfasst.
2. Bauteil nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Mehrlagenschichtsystem neben einer Metallschicht (2) eine Metalllegierungsschicht
(7), eine Metall-Keramik-Mischschicht (8) und eine Keramikschicht (3) in dieser Reihenfolge
ausgehend vom Grundwerkstoff aus Kunststoff umfasst.
3. Bauteil nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Metallschicht Aluminium, Titan, Platin, Palladium, Wolfram, Chrom, Nickel oder
Kobalt umfasst und/oder die Metalllegierung mindestens eine Komponente umfasst, die
ausgewählt ist aus der Gruppe, die Titan, Platin, Palladium, Wolfram, Chrom, Nickel,
Kobalt, Eisen, Aluminium, Zirkon, Hafnium, Tantal, Magnesium, Molybdän, Yttrium, Niob,
Vanadium und Silizium umfasst.
4. Bauteil nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Metall-Keramik-Mischschicht und/oder die Keramikschicht mindestens ein Oxid, Nitrid,
Karbid und/oder Borid mindestens eines Metalls der Metallschicht und/oder der Metalllegierungsschicht
umfasst.
5. Bauteil nach einem der Ansprüche 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Metall-Keramik-Mischschicht als Gradientenschicht mit einem zunehmenden Anteil
an Keramik in Richtung der nachfolgenden Keramikschicht ausgebildet ist.
6. Bauteil nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Mehrlagenschichtsystem an der Seite zum zu schützenden Bauteil und/oder zwischen
den Schichten des Mehrlagenschichtsystems mindestens eine Diffusionssperrschicht (5)
umfasst.
7. Bauteil nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Diffusionssperrschicht (5) CrN umfasst.
8. Bauteil nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
die unterschiedlich harten Keramikschichten CrAlN (3) und CrN (2) umfassen.
9. Bauteil nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Mehrlagenschichtsystem mit unterschiedlich harten Keramikschichten an der Seite
zum zu schützenden Bauteil eine gradierte CrN-Schicht (6) als Haftvermittlerschicht
umfasst.
10. Bauteil nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Mehrlagenschichtsystem direkt auf dem Kunststoff angeordnet ist.
11. Bauteil nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Erosionsschutz eine erste metallische Schicht (4) umfasst, die als eine durch
Dampfphasenabscheidung abgeschiedene Schicht, als ein aufgebrachtes Metallformteil
oder eine aufgebrachte Metallfolie, als ein aufgeklebtes Metallformteil oder eine
aufgeklebte Metallfolie, als ein integriertes Metallformteil oder eine integrierte
Metallfolie, als ein eingegossenes Metallformteil oder eine eingegossene Metallfolie
oder als ein einlaminiertes Metallformteil oder eine einlaminierte Metallfolie vorgesehen
ist.
12. Bauteil nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Kunsstoff ausgewählt ist aus mindestens einem Bestandteil der Gruppe, die Polyetherketone
(PEK), Polyetheretherketone (PEEK), partikelverstärkte Kunststoffe, faserverstärkte
Kunststoffe, glasfaserverstärkte Kunststoffe, kohlefaserverstärkte Kunststoffe, hochtemperaturbeständige
Kunststoffe und vakuumbeständige Kunststoffe umfasst.
13. Bauteil nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Bauteil ausgewählt ist aus der Gruppe, die Gasturbinenbauteile, Turbinenschaufeln,
Laufschaufeln, Leitschaufeln, Leitgitter, Propellerbauteile, Propellerblätter, Rotorbauteile,
Rotorblätter, Flugzeugstrukturbauteile, Tragflächenkanten umfasst.
14. Verfahren zur Herstellung eines Luft- oder Gasströmungen ausgesetzten Bauteils, insbesondere
nach einem der vorhergehenden Ansprüche, mit folgenden Schritten:
a) Bereitstellen eines Bauteils (1) aus überwiegend Kunststoff mit zumindest einem
Teil einer Oberfläche, welche durch den Kunststoff gebildet ist und Luft- oder Gasströmungen
ausgesetzt ist;
b) Aufbringen eines Mehrlagenschichtsystems (2, 3; 2, 7, 8, 3) aus mindestens einer
oder mehreren Abfolgen aus mindestens einer Lage aus einem Metall und mindestens einer
Lage aus einer Keramik oder aus mindestens zwei unterschiedlich harten Keramikschichten
auf zumindest den Oberflächenteil, der durch den Kunststoff gebildet ist und Luft-
oder Gasströmungen ausgesetzt ist.
15. Verfahren nach Anspruch 14,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Mehrlagenschichtsystem durch Dampfphasenabscheidung oder physikalische Dampfphasenabscheidung
direkt auf dem Kunststoff oder auf einer bereits abgeschiedenen Metall- oder Metalllegierungsschicht
(4) oder einem auf dem Kunststoff aufzubringenden oder bereits aufgebrachten Metall-
oder Metalllegierungsteil (4) abgeschieden wird.
16. Verfahren nach einem der Ansprüche 14 oder 15,
dadurch gekennzeichnet, dass
die mit dem Mehrlagenschichtsystem zu beschichtende Oberfläche vor dem Abscheiden
des Mehrlagenschichtsystems durch Oberflächenbehandlung oder nasschemisches Ätzen
oder Plasmabehandlung vorbereitet wird.