[0001] Die Erfindung betrifft eine Hochdruckleitung für ein Kraftstoffeinspritzsystem für
eine Brennkraftmaschine.
[0002] Anhand der Figur 3 wird nachfolgend eine Kraftstoffeinspritzanlage 102 nach dem Stand
der Technik einer Brennkraftmaschine erläutert. Die dabei verwandten Bezugszeichen
werden auch bei der Beschreibung der erfindungsgemäßen Hochdruckleitung benutzt.
[0003] Die in Figur 3 dargestellte Kraftstoffeinspritzanlage 102 umfasst einen Kraftstoffbehälter
104 aus dem Kraftstoff 106 durch eine elektrische oder mechanische Kraftstoffpumpe
108 gefördert wird. Über eine Niederdruck-Kraftstoffleitung 110 wird der Kraftstoff
106 zu einer Hochdruck-Kraftstoffpumpe 111 gefördert. Von der Hochdruck-Kraftstoffpumpe
111 gelangt der Kraftstoff 106 über eine Hochdruck-Kraftstoffleitung 112 zu einem
Common-Rail 114. An dem Common-Rail 114 sind mehrere Injektoren 1 angeschlossen, die
den Kraftstoff 106 direkt in Brennräume 118 einer nicht dargestellten Brennkraftmaschine
einspritzen. Die hydraulische Verbindung zwischen Common-Rail 114 und Injektoren 1
erfolgt über je eine Hochdruckleitung 3.
[0004] Zu Beginn einer Einspritzung von Kraftstoff in einen Brennraum 118 wird der zu dem
Brennraum 118 gehörende Injektor 1 geöffnet. Infolgedessen strömt der unter hohem
Druck stehende Kraftstoff 106 vom Injektor 1 in den Brennraum 118. Die ausgetretene
Kraftstoffmenge strömt in der Folge vom Common-Rail 114 zum Injektor 1 nach.
[0005] Da moderne Injektoren 1, insbesondere piezogesteuerte Injektoren, sehr schnell öffnen
und schließen, entsteht bei der Betätigung des Injektors 1 eine Druckwelle in der
Hochdruckleitung 3, die ausgehend vom Injektor 1 zum Common-Rail 114 läuft. Dort wird
die Druckwelle reflektiert und gelangt wieder zum Injektor 1. Je schneller der Injektor
1 öffnet, desto steiler sind die Flanken der Druckwelle. Die Steilheit der Flanken
der Druckwelle wird nachfolgend auch als Gradient dp/dt bezeichnet.
[0006] In der Hochdruckleitung 3 und im Injektor 1 wird also unmittelbar nach Beginn einer
Einspritzung dem statischen Common-Rail-Druck die Amplitude der zuvor beschriebenen
Druckwelle überlagert. In Folge dessen ist der Druck im Injektor 1 nicht konstant,
sondern unterliegt erheblichen zeitlichen Schwankungen. Dies gilt insbesondere nicht
nur während der Einspritzung selbst, sondern auch für den Zeitraum, der sich an eine
Einspritzung anschließt. Da nun die in den Brennraum 118 einspritzte Kraftstoffmenge
unter anderem von dem während der Einspritzung herrschenden Druck im Injektor 1 abhängt,
hat die o. g. Druckwelle einen unerwünschten Einfluss auf die Einspritzmenge. Dies
gilt zum einen dann, wenn die Einspritzdauer länger als die Laufzeit der Druckwelle
durch die Hochdruckleitung ist, insbesondere aber wenn eine durch eine Voreinspritzung
ausgelöste und am Common-Rail 114 reflektierte Druckwelle während einer nachfolgenden
Haupteinspritzung im Injektor 1 wirkt. Damit wird aber auch deutlich, dass die während
einer Haupteinspritzung eingespritzte Menge in starkem Maße von deren Abstand von
einer vorausgegangenen Voreinspritzung abhängt.
[0007] Aus dem Stand der Technik sind nachfolgend beschriebene Anordnungen zum Abbau von
Druckwellen in einer Kraftstoffeinspritzanlage 102 bekannt:
[0008] In die Hochdruckleitung 3 wird eine Drossel (nicht dargestellt) eingebaut. Dadurch
werden zwar die Druckwellen gedämpft; allerdings reduziert die Drossel auch den am
Injektor 1 verfügbaren Einspritzdruck, was unerwünscht ist.
[0009] Zusätzlich kann parallel zu der Drossel (nicht dargestellt) ein Rückschlagventil
(nicht dargestellt) vorgesehen werden, das in Richtung der Injektors 1 öffnet. Dadurch
werden zwar die Drosselverluste vermieden; allerdings ist dadurch die Drossel solange
wirkungslos wie Kraftstoff vom Common-Rail 114 zum Injektor 1 strömt; das heißt während
der Einspritzung ist diese Anordnung wirkungslos. Ferner ist eine solche Anordnung
mit einem Rückschlagventil pro Injektor auch sehr kostenintensiv.
[0010] Aus der
DE 100 60 811 A1 ist eine Anordnung bekannt bei der im Injektor 1 ein Dämpfungsraum vorgesehen ist,
der über eine Drossel mit der Hochdruckleitung 3 hydraulisch in Verbindung steht.
[0011] Die Wirkung dieser aus dem Stand der Technik bekannten Maßnahmen zur Reduktion von
Druckschwingungen in der Hochdruckleitung sind noch verbesserungsbedürftig, insbesondere
weil bei mit zunehmenden Einspritzdrücken und immer schneller ansprechenden Injektoren
das oben genannte Problem zunimmt.
Vorteile der Erfindung
[0012] Die Nachteile des Standes der Technik werden erfindungsgemäß durch eine einteilige
Hochdruckleitung verbessert, bei der ein Ende der Hochdruckleitung eine Durchmessererweiterung
aufweist. Durch diese Maßnahme wird der Druck am Common-Rail nicht an einem Ort vollständig
reflektiert, sondern im Bereich des zunehmenden Durchmessers in der Hochdruckleitung
wird die Druckwelle bereits partiell gebrochen und reflektiert. Infolgedessen werden
die Flanken der reflektierten Druckwelle flacher, das heißt, der Gradient dp/dt nimmt
stark ab. Damit werden auch die Druckschwingungen im Bereich des Düsennadelsitzes
im Injektor verringert, was zum einen den Einfluss des Abstands zwischen zwei Einspritzungen
auf die zweite Einspritzung erheblich reduziert und was zum anderen einen deutlich
reduzierten Verschleiß des Düsensitzes zur Folge hat.
[0013] Die Durchmessererweiterung der Hochdruckleitung kann entweder kegelstumpfförmig oder
gestuft ausgeführt werden.
[0014] Erfindungsgemäß sind von dieser Ausgestaltung auch Hochdruckleitungen erfasst, bei
denen ein gesondertes Anschlussstück mit einer Durchmessererweiterung, insbesondere
mit einer kegelstumpfförmigen oder konischen Durchmessererweiterung am Common-Rail
befestigt werden.
[0015] Anstelle der konischen Form kann der Durchmesser über die Länge auch in einer nicht
linearen Weise zunehmen, was zu einer gekrümmt konischen Innenform führt.
[0016] Wie bereits erwähnt, können die zuvor beschriebenen konstruktiven Merkmale der erfindungsgemäßen
Hochdruckleitung miteinander kombiniert werden, um durch die geeignete Auswahl und
Dimensionierung der erfindungsgemäßen Hochdruckleitung das Betriebsverhalten eines
speziellen Kraftstoffeinspritzsystems zu optimieren.
[0017] Weitere Vorteile und vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind der nachfolgenden
Zeichnung, deren Beschreibung und den Patentansprüchen entnehmbar.
Zeichnung
[0018] Es zeigen:
- Figur 1
- eine Hochdruckleitung nach dem Stand der Technik,
- Figur 2
- ein Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen Hochdruckleitung, und
- Figur 3
- eine schematische Darstellung einer Kraftstoffeinspritzanlage.
Beschreibung der Ausführungsbeispiele
[0019] Anhand der Figur 1, welche eine aus dem Stand der Technik bekannte Hochdruckleitung
3 darstellt, die einen Common-Rail 114 mit einem Injektor 1 hydraulisch verbindet,
sollen die bereits mehrfach erwähnte Druckwelle sowie ihr zeitlicher und örtlicher
Verlauf in der Hochdruckleitung 3 näher erläutert werden.
[0020] Zu diesem Zweck ist links der Hochdruckleitung 3 ein x-p-Diagramm dargestellt. Dabei
stellt x eine Längenkoordinate der Hochdruckleitung 3 dar, deren Nullpunkt an der
Verbindung zwischen Injektor 1 und Hochdruckleitung 3 liegt. die mit "p" bezeichnete
Y-Achse des Diagramms stellt einen Druck p (x) in der Hochdruckleitung 3 dar. Die
Hochdruckleitung 3 hat eine Länge L, das heißt, eine vom Injektor 1 ausgehende Druckwelle
erreicht den Common-Rail 114, wenn die Ortskoordinate x = L ist und wird dort reflektiert.
[0021] Links der Hochdruckleitung 3 ist ein x-p-Diagramm dargestellt, welches den Druckverlauf
in der Hochdruckleitung 3 darstellt, wenn die Druckwelle sich vom Injektor 1 in Richtung
des Common-Rails 114 bewegt. Das Diagramm links der Hochdruckleitung 3 zeigt eine
Momentaufnahme zu einem Zeitpunkt, in dem sich ein Maximum 5 der Druckwelle zwischen
Injektor 1 und Common-Rail 114 befindet. Die Laufrichtung der Druckwelle ist durch
einen Pfeil 7 dargestellt. Beim Betrachten des links der Hochdruckleitung 3 dargestellten
p-x-Diagramms fällt auf, dass die Druckwelle die Form einer Druckabsenkung gegenüber
dem statischen Druck in der Hochdruckleitung 3 hat. Dies ist auch unmittelbar einleuchtend,
wenn man sich vor Augen führt, dass durch das Öffnen, insbesondere das schlagartige
Öffnen, des Injektors 1 Kraftstoff aus dem Injektor 1 in den Brennraum 118 (siehe
Figur 3) eingespritzt wird, so dass ein Druckabbau im Injektor 1 stattfindet. Infolgedessen
entsteht eine Druckwelle mit einer negativen Amplitude (Druckabsenkung), die ausgehend
von dem Injektor 1 in Richtung des Common-Rails 114 durch die Hochdruckleitung 3 läuft.
Die Amplitude der Druckwelle ist in Figur 1 mit "A" bezeichnet.
[0022] Wenn die Druckwelle nun an den Common-Rail 114 gelangt, wirkt der Common-Rail 114
bezüglich der Druckwelle wie ein offenes Ende mit einem statischen Druck. An diesem
offenen Ende wird die Druckwelle reflektiert, das heißt sie ändert ihre Laufrichtung
und läuft nunmehr vom Common-Rail 114 in Richtung des Injektors 1. Gleichzeitig ändert
sich jedoch das Vorzeichen der Amplitude, so dass aus einer Druckabsenkung eine Druckerhöhung
wird. Dies ist durch das p-x-Diagramm rechts der Hochdruckleitung 3 angedeutet. Die
Richtung des Pfeils 7 hat sich gegenüber der Darstellung auf der linken Seite der
Hochdruckleitung 3 umgekehrt. Auch ist aus der Druckabsenkung eine Druckerhöhung geworden,
wie der Vergleich der Druckwellen in den p-x-Diagrammen links und rechts der Hochdruckleitung
3 ergibt.
[0023] Wenn nun die reflektierte Druckwelle den Injektor 1 erreicht, ist der Druck im Injektor
1 einer erheblichen Schwankung ausgesetzt. Ausgehend von einem statischen Druck p
stat, der in den px-Diagrammen eingezeichnet ist, erhöht sich der Druck im Injektor um
die Amplitude A.
[0024] Wenn nun zu dem Zeitraum, zu dem die Druckwelle am Injektor 1 eintrifft und somit
der Druck im Injektor zeitlich sehr starken Schwankungen unterliegt, gerade eine Einspritzung
erfolgt, hat dies einen unmittelbaren Einfluss auf die eingespritzte Kraftstoffmenge.
Infolgedessen verschlechtert sich die Zumessgenauigkeit des Injektors 1 und damit
das Emissionsverhalten der Brennkraftmaschine. Die Laufkultur der Brennkraftmaschine
kann ebenfalls leiden.
[0025] Ist dagegen der Injektor 1 zu dem Zeitpunkt geschlossen, zu dem die reflektierte
Druckwelle ihn erreicht, so stellt er für die Druckwelle ein geschlossenes Ende dar
und die Welle wird - diesmal unter Beibehaltung ihrer Amplitude - wieder in Richtung
Rail reflektiert. Jetzt endlich bildet sich dann eine nur sehr schwach gedämpfte,
stehende Welle in der Leitung aus, der Druck im Injektor 1 schwingt nach einer Einspritzung
lange Zeit nach und es entsteht ein erheblicher Einfluss des Abstands zwischen zwei
Einspritzungen auf die zweite Einspritzung.
[0026] In dem p-x-Diagramm links der Hochdruckleitung 3 ist ein Gradient dp/dt qualitativ
dargestellt. Diese Darstellung ist nicht ganz korrekt, da in einem p-x-Diagramm ein
Zeitverlauf des Druckes "p" nicht darstellbar ist; allerdings besteht wegen der konstanten
Ausbreitungsgeschwindigkeit der Druckwelle in der Hochdruckleitung 3 ein direkter
Zusammenhang zwischen der Steilheit der Flanke der Druckwelle, wie sie im p-x-Diagramm
gemäß Figur 1 dargestellt ist und wie sie im Zusammenhang mit der Erfindung definiert
ist, nämlich als zeitliche Änderung des Kraftstoffdrucks in der Hochdruckleitung 3,
hier auch als Gradient dp/dt bezeichnet.
[0027] In Figur 2 ist ein erstes Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen einteiligen
Hochdruckleitung 3 dargestellt. Die Hochdruckleitung 3 weist einen durchmessererweiterten
Bereich 3.4 auf. Bei dem in Figur 2 dargestellten Ausführungsbeispiel ist der durchmessererweiterte
Bereich 3.4 konisch ausgeführt, wobei das Ende mit dem größeren Durchmesser in den
Common-Rail 114 mündet. Die Erfindung ist jedoch nicht auf konische Durchmessererweiterungen
beschränkt, sondern kann auch beispielsweise stufenförmige oder stufenlose, aber nicht
lineare Durchmessererweiterungen umfassen. Ein wichtiger Effekt dieses durchmessererweiterten
Bereichs 3.4 ist, dass die ankommende Druckwelle nicht schlagartig am Ende der Leitung
reflektiert wird, sondern dass sie über den gesamten durchmessererweiterten Bereich
3.4 teilweise reflektiert wird. Der Rest der Druckwelle, welcher den Common-Rail 114
erreicht, wird dort in der zuvor beschriebenen Weise reflektiert und ändert sein Vorzeichen.
Durch die teilweise Reflexion der Druckwelle im durchmessererweiterten Bereich 3.4
findet dort unmittelbar ein "Verschleifen" der Druckwellenkontur statt, was sich in
einer Absenkung der Amplitude der reflektierten Welle (siehe das p-x-Diagramm ganz
links in Figur 2) und insbesondere in einer wesentlich flacheren Flanke dp/dt der
reflektierten Druckwelle äußert. Im Ergebnis sind somit die Druckschwankungen innerhalb
des Injektors 7 aufgrund der reflektierten Druckwelle geringer und erstrecken sich
über einen längeren Zeitraum.
[0028] Im Ergebnis wird somit der Einfluss des Abstands zwischen zwei Einspritzungen auf
deren zweite erheblich verringert und es wird damit die Genauigkeit der Zumessung
der Einspritzmengen erhöht.
1. Hochdruckleitung (3) für ein Kraftstoffeinspritzsystem für eine Brennkraftmaschine,
dadurch gekennzeichnet, dass ein Ende der Hochdruckleitung (3) eine Durchmessererweiterung (3.4) aufweist.
2. Hochdruckleitung (3) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Durchmesser der Hochdruckleitung (3) im Bereich der Durchmessererweiterung (3.4)
stetig zunimmt.
3. Hochdruckleitung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Durchmessererweiterung (3.4) kegelstumpfförmig ausgebildet ist.
4. Hochdruckleitung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Durchmesser der Hochdruckleitung (3) im Bereich der Durchmessererweiterung (3.4)
stufenförmig zunimmt.
5. Hochdruckleitung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Hochdruckleitung (3, 3.1, 3.3) einen Common-Rail (114) und einen Injektor (1)
verbindet.
6. Hochdruckleitung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Hochdruckleitung (3) ein gesondertes Anschlussstück mit einer Durchmessererweiterung
(3,4), insbesondere mit einer kegelstumpfförmigen oder konischen Durchmessererweiterung,
erfasst, und dass das gesonderte Anschlussstück am Common-Rail (114) befestigt wird.
7. Kraftstoffeinspritzanlage (102) für eine Brennkraftmaschine mit einem Common-Rail
(114) und einem Injektor (1) je Zylinder der Brennkraftmaschine und mit einer Common-Rail
(114) und Injektor (1) hydraulisch verbindenden Hochdruckleitung (3), dadurch gekennzeichnet dass die Hochdruckleitung (3) eine Hochdruckleitung (3) nach einem der vorhergehenden
Ansprüche ist.