[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren und eine Vorrichtung zum
Absetzen von Störungsmeldungen von einer dezentralen Funktionseinheit in einem Sicherungssystem
für schienengebundenen Verkehr.
[0002] Dezentrale Funktionseinheiten in Eisenbahn-Sicherungsanlagen haben in gewissen funktionalen
und schaltungstechnischen Ausprägungen keine direkten elektrischen Verbindungen zu
den zentralen Bereichen der ihr zugehörigen Sicherungsanlage, wie z.B. zu Stellwerken,
um Informationen zum Betriebszustand beim Auftreten einer Regelabweichung in der bestimmungsgemässen
Funktionalität mittels einer Störungsmeldung abzusetzen.
[0003] Es kommt hinzu, dass Versorgungsenergie in den dezentralen Bereichen infolge ihrer
aufwendigen Bereitstellung durch die Erfüllung der Kenngrössen "Verfügbarkeit und
Qualität" nur sehr eingeschränkt bereitgestellt werden kann.
[0004] Die Bahnbetreiber ihrerseits haben die Aufgabe, den Betrieb möglichst störungsfrei
und damit genau nach Fahrplan abzuwickeln. Gelingt das nicht, so kommt es zur Verschiebung
der fahrplanmässigen Betriebsordnung und zum Teil auch zur Verärgerung der Bahnbenutzer
und in der Folge ist durch Rückerstattungen oder Preisabschlägen an die Kunden mit
Einbussen im Ergebnis beim Betreiber zu rechnen.
[0005] Es ist deshalb wichtig, dass funktionale Störungen und insbesondere solche durch
Ausfälle von Funktionseinheiten in der Infrastruktur unverzüglich an eine zentrale
Stelle gemeldet werden. Damit eingeschlossen sind auch die dezentralen Einheiten der
Sicherungsanlagen.
[0006] Dadurch können ohne Verzögerung geeignete Massnahmen für die operative fahrdienstliche
Ebene sowie für die Instandstellung der ausgefallenen Einheiten eingeleitet werden.
[0007] Ein Teil der Funktionseinheiten kann mittels Datenaustausch von Zustandsparametern
oder auch über eine quantitative Bewertung stromkreistypischer Parameter durch die
Stellwerkanschaltung von der zentralen Seite her auf ihren Funktionsstatus bewertet
werden. Die vollständige Abdeckung der Überprüfung ist dabei jedoch nicht gegeben.
[0008] Schwierig bis meist unmöglich ist es in der Regel, eine Störinformation an die zentrale
Empfängerstelle durchzuleiten, wenn die betrachteten Funktionseinheiten sich am Ende
einer Funktionskette befinden und nur Information bei anderen Einheiten lesen, nicht
aber schreiben. Sie haben somit keinen Zugang zu den Verbindungen in die zentralen
Bereiche für das Absetzen von Störungsmeldungen. Es bestehen damit für die Rückmeldung
von Störungen in den zentralen Bereich erhebliche Lücken. Diese Lücken sind umso grösser,
je mehr noch ältere Technologien in der betrachteten Anlage eingesetzt werden, was
gerade im Bereich von Relaisstellwerken noch wesentlich ausgeprägter ist als im Umfeld
moderner elektronischer Stellwerke.
[0009] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Vorrichtung
zum Absetzen von Störungsmeldungen von einer dezentralen Funktionseinheit in einem
Sicherungssystem für schienengebundenen Verkehr anzugeben, bei denen Störungsmeldungen
zuverlässig und mit Sicht auf den infrastrukturellen Aufwand einfach abgesetzt werden
können.
[0010] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale der Patentansprüche 1 und 7 gelöst. vorteilhafte
Ausgestaltungen der Erfindung sind den davon abhängigen Patentansprüchen 2 bis 6 bzw.
8 bis 12 zu entnehmen.
[0011] Begleitend zu der immer stärkeren Präsenz von elektronischen Funktionseinheiten in
den Schienennetzen der Bahnen ist somit die Frage nach der Energieversorgung und der
Funktionsüberwachung solcher Einheiten gelöst. Die Anzahl der Einheiten nimmt Streckeneinheit
resp. pro Streckenpunkt stetig zu, die Leistungsaufnahme geht tendenziell durch den
Einsatz moderner Elektronik jedoch immer mehr zurück. Es werden daher vermehrt Speisesysteme
verwendet, welche über einen Energiespeicher verfügen (z.B. Akku, über Supercap und
andere), die aus einer oder mehr Quellen gespiesen werden. Sie arbeiten im Sub-Watt
bis zum tieferen einstelligen Wattbereich.
[0012] Erfindungsgemäss ist es nun vorgesehen, die Speisung resp. die Speiseeinheit einer
gestörten Funktionseinheit dahingehend zu nutzen, im dem die Speisung auf eine in
der Automatisierungstechnik breit eingesetzte Mobileinheit (z.B. ein GSM Sendemodul)
umgeschaltet wird und diese in der Folge eine Störungsmeldung für die gestörte Einheit
absetzt. Dieses Verfahren kann single wie auch multiple angewendet werden, das heisst
ein Sendemodul nimmt Fehlermeldungen/Zustandsmeldungen von nur einer oder von mehreren
Funktionseinheiten entgegen und setzt sie ab.
[0013] Bevorzugte Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung werden anhand einer Zeichnung
näher erläutert. Dabei zeigt die Figur in schematischer Ansicht ein Signal 2, das
neben einem Gleis 4 angeordnet ist. Das Signal 2 verfügt im Bereich des Gleises 4
über eine Stromversorgung 6. Diese Stromversorgung 6 ist ein Teil der Steuerungseinheit
8 für das Signal 2. Die Spannungsversorgung 6 kann aber auch eine durch mehrere Steuerungseinheiten
genutzte Energiebasis, welche eine dezentrale autonome oder teilautonome Produktion
von elektrischer Betriebsenergie ermöglicht. Die Steuerungseinheit weist zudem ein
Steuermodul 10 auf, das das Signal 2 und dessen Signallampen ansteuert. Das Steuermodul
10 weist aber auch einen Speicher auf, in dem eine Störungsmeldung 16 für die Funktionen
des Signals 2 und der Steuerungseinheit 8 konfiguriert ist. Die Störungsmeldung 16
wird vorliegend über ein in die Steuerungseinheit 8 integrierte GSM-Funkmodul 14 abgesetzt.
[0014] Die Steuerungseinheit 8 (eine oder mehrere möglich) im Gleisbereich am lokal gleichen
Ort, welche auf Ausfall überwacht werden müssen und über keine eigene Fehleroffenbarung
über Stellwerkkabel oder Speisekabel 18 verfügen, verwendet beispielsweise ein bistabiles
Relais 12, welches über einen Umschaltkontakt für die Speisung und einen Arbeitskontakt
für die Betriebszustandsinformation verfügt.
[0015] Beim Initialisieren der Bahnanlage wird das bistabile Relais 12 in die Speisestellung
für das zugehörige Steuermodul 10 gesetzt. Es liegt daher weder eine Speisespannung
noch die Betriebszustandsinformation (Störungsinformation) am GSM-Funkmodul 14.
[0016] Kommt es nun aber zu einer Störung in der Steuerungseinheit 8 und dem von ihr gesteuerten
Signal 2, so schaltet diese Steuerungseinheit ihr bistabiles Relais 12 für die Speisung
um, trennt sich hinsichtlich des Teils für die Betriebszustandsinformation von der
Versorgung und meldet für seine Betriebszustandsinformation den Zustand "gestört an
das GSM-Funkmodul, welches eine Information mit den Koordinaten und allenfalls weiterer
Information zur Störung an eine zentrale Stelle, wie z.B. das Stellwerk, meldet.
[0017] Die wesentlichen Schritte des Verfahrens sind daher wie folgt zusammenfassbar:
- 1. Initialisierung eines Sendemoduls (z.B. GSM-Funkmodul 14) durch die Speiseanschaltung
(z.B. 6) über eines der bistabilen Speiseumschalt-Relais 12 einer der am Streckenpunkt,
z.B. dem Signal 2, betriebenen Funktionseinheit, z.B. Steuerungseinheit 8.
- 2. Konfigurieren einer Störungsmeldung (z.B. in Form einer SMS, die eine Störinformation
der Funktionseinheit umfasst).
- 3. Absenden der Störungsmeldung (SMS) vorzugsweise an die zentrale Störmeldestelle
(wie z.B. ein zentrales Stellwerk) im Falle einer Störung.
- 4. Optional: periodische Wiederholung der Absetzung der Störmeldung
- 5. Optional: Empfangen einer Quittung (Empfangsbestätigung und damit Rücksetzen der
SMS-Ausgabe.
- 6. Optional: Senden eines Alive-Telegramms
- 7. Optional: Senden von RAM(S) Meldungen
[0018] Ansatz für die angemessene Überprüfung der Funktion der Zustandsrückmeldung
[0019] Die Ausfallrate und damit die Zuverlässigkeit bei nicht bestromten (nicht im Betrieb
stehenden) elektronischen Bauelementen sind signifikant kleiner als bei im Betrieb
stehenden Elementen. Das gilt sinngemäss generell für Funktionseinheiten. Durch die
Prüfung bei der Inbetriebnahme kann die bestimmungsgemässe Funktionalität festgestellt
werden. Danach erhält die Sendeeinheit bei ordnungsgemässer Funktion der ihr zugeordneten
Funktionseinheiten an einem Signalstandort keine Versorgungsenergie. Die Ausfallwahrscheinlichkeit
ist somit sehr klein.
[0020] Besteht eine Anforderung an die durchgängige Offenbarung von Störungen in Streckenpunkten
so kann bedarfsweise mit einer entsprechenden Steuerung periodisch das Sendemodul
selbst für die Ausgabe einer Alive-Meldung (SMS) angestossen werden. In der Folge
können auch die Funktionseinheiten im jeweiligen Streckenpunkt zum Senden von Status-Meldungen
über das (temporär aktivierte) Sendemodul veranlasst werden. Überhaupt kann das bistabile
Element nach dem Absetzen einer Störungsmeldung wieder in den normalen Betriebszustand
schalten, damit die von der Funktionseinheit 8 noch störungsfrei zur Verfügung stellbaren
Funktionalitäten weiter ausgeführt werden können.
[0021] Der besondere Pfiff der vorliegenden Erfindung wird daher darin gesehen, dass durch
das Umlegen der Speisequelle von der gestörten Funktionseinheit auf bespielsweise
ein ansonsten stromloses GSM- Funkmodul das Absetzen einer Störungsmeldung ermöglicht
wird. Das Funkmodul kann dabei selbst auch auf Ausfälle überwacht werden. Es ist auch
möglich, von der Position einer autonomen Steuereinheit aus ein auf die Funktionalität
des Streckenpunktes abgestimmtes Testprogramm auszulösen.
1. Verfahren zum Absetzen von Störungsmeldungen (16) von einer dezentralen Funktionseinheit
(8) in einem Sicherungssystem für schienengebundenen Verkehr; umfassend die Schritte:
a) Zuordnen eines Kommunikationsmoduls (14) zur dezentralen Funktionseinheit (8) und
Konfigurieren einer Störungsmeldung (16) für die dezentrale Funktionseinheit (8);
b) Verbinden der dezentralen Funktionseinheit (8) mit einer elektrischen Speiseeinrichtung
(6);
c) Bereitstellen eines bistabilen Elements (12) zum Umschalten der elektrischen Versorgung
durch die Speiseeinrichtung (6) von der dezentralen Funktionseinheit (8) auf das Kommunikationsmodul
(14);
d) Auslösen der tatsächlichen Umschaltung der elektrischen Versorgung auf das Kommunikationsmodul
(14) für den Fall der gestörten dezentralen Funktionseinheit (8); und
e) Aussenden der konfigurierten Störungsmeldung (16) mittels des Kommunikationsmoduls
(14).
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei das Kommunikationsmodul in der dezentralen Funktionseinheit
angeordnet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, wobei das Kommunikationsmodul mehreren dezentralen
Funktionseinheiten zugeordnet wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei für die dezentrale Funktionseinheit
in periodischen Abständen ein funktionsspezifisches Testprogramm aktiviert wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei die dezentrale Funktionseinheit
selbsttätig in periodischen Abständen ein Umschalten der elektrischen Versorgung auf
das Kommunikationsmodul zum Aussenden der Testmeldung und/oder einer Statusmeldung
für die dezentrale Funktionseinheit ausführt.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei die dezentrale Funktionseinheit
in periodischen Abständen von einer übergeordneten Kontrolleinheit getriggert wird,
die elektrische Versorgung auf das Kommunikationsmodul umzuschalten, um eine Aussendung
der Testmeldung und/oder einer Statusmeldung für die dezentrale Funktionseinheit zu
ermöglichen.
7. System zum Absetzen von Störungsmeldungen von einer dezentralen Funktionseinheit in
einem Sicherungssystem für schienengebundenen Verkehr; umfassend:
a) zur dezentralen Funktionseinheit ist ein Kommunikationsmodul zuordenbar und eine
Störungsmeldung für die dezentrale Funktionseinheit konfigurierbar;
b) die dezentralen Funktionseinheit mit einer elektrischen Speiseeinrichtung verbindbar;
c) ein bistabiles Element zum Umschalten der elektrischen Versorgung durch die Speiseeinrichtung
von der dezentralen Funktionseinheit auf das Kommunikationsmodul;
d) die tatsächliche Umschaltung der elektrischen Versorgung auf das Kommunikationsmodul
für den Fall der gestörten dezentralen Funktionseinheit ist auslösbar; und
e) die konfigurierte Störungsmeldung ist mittels des Kommunikationsmoduls aussendbar.
8. System nach Anspruch 7, wobei das Kommunikationsmodul in der dezentralen Funktionseinheit
anordenbar ist.
9. System nach Anspruch 7 oder 8, wobei das Kommunikationsmodul mehreren dezentralen
Funktionseinheiten zuordenbar ist.
10. System nach einem der Ansprüche 7 bis 9, wobei für die dezentrale Funktionseinheit
in periodischen Abständen ein funktionsspezifisches Testprogramm aktivierbar ist.
11. System nach einem der Ansprüche 7 bis 10, wobei die dezentrale Funktionseinheit selbsttätig
in periodischen Abständen ein Umschalten der elektrischen Versorgung auf das Kommunikationsmodul
zum Aussenden der Testmeldung und/oder einer Statusmeldung für die dezentrale Funktionseinheit
ausführt.
12. System nach einem der Ansprüche 7 bis 10, wobei die dezentrale Funktionseinheit in
periodischen Abständen von einer übergeordneten Kontrolleinheit getriggert wird, die
elektrische Versorgung auf das Kommunikationsmodul umzuschalten, um eine Aussendung
der Testmeldung und/oder einer Statusmeldung für die dezentrale Funktionseinheit zu
ermöglichen.