Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung betrifft eine Bearbeitungseinrichtung für Schüttgut.
Stand der Technik
[0002] Aus der
DE 40 29 902 sind eine Einrichtung und ein Verfahren zum Fördern und Mischen von Schüttgut bekannt.
Hierfür ist ein nach unten sich verjüngender Behälter mit einer Bodenverschlussplatte
vorgesehen, bei dem ein außerhalb des Behälters angeordnetes Saugfördergebläse einen
Unterdruck im Behälter erzeugt. Über ein Förderrohrsystem wird das zu fördernde Schüttgut
zugeführt. Im Stand der Technik sind mindestens zwei Förderrohre innerhalb des Förderrohrsystems
vorgesehen, die jeweils ein Förderventil aufweisen. Mit der genannten Einrichtung
kann eine Durchmischung des Schüttgutes vorgenommen werden. Weitere Funktionen erfüllt
diese Fördereinrichtung nicht.
[0003] Es ist ferner aus der
DE OS 20 26 337 ein Verfahren zum Vermischen einer pulverförmigen Grundsubstanz mit gleichartigen
Zusatzstoffen bekannt. Bei diesem Verfahren wird zunächst die Grundsubstanz im Saugluftstrom
durch einen Zuführungsstutzen in den Behälter gefördert. Nachdem die abgesetzte Schicht
im Behälter eine bestimmte Höhe erreicht hat, um eine ausreichende Drosselung zu bewirken,
wird ein Absperrorgan geöffnet, und es setzt die Ansaugung der vom Dosiergerät in
den Trichter abgegebenen Zusatzstoffe ein. Die mit den Zusatzstoffen beladene Trägerluft
tritt aus der Mündung aus und steigt durch die darüber befindlichen Substanzschichten
in feiner Verteilung nach oben, wobei sie die Zusatzstoffe allmählich an die Grundsubstanz
abgibt. Eine Durchmischung oder Verwirbelung der Substanzen untereinander findet nicht
statt.
[0004] Es ist weiterhin aus der
DE 25 44 716 A1 eine Saugförderanlage mit einem pneumatischen Mischer bekannt. Die Komponenten werden
getrennt gefördert und verwogen und liegen nach Abschluss eines Förderzyklus schichtweise
übereinander. Nach dem vollständigen Zuführen der Komponenten wird über ein entsprechendes
Belüftungsventil eine pneumatische Durchmischung der Komponenten durchgeführt. Dies
erfordert mehrere Verfahrensschritte, die nacheinander ablaufen, so dass eine relativ
lange Förder- und Mischzeit benötigt wird.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die genannten Nachteile zu vermeiden und
eine Bearbeitungseinrichtung für Schüttgut zu schaffen, welche sich durch einen einfachen
Aufbau auszeichnet und einerseits eine zuverlässige Durchmischung des Schüttgutes
gewährleistet, andererseits das Schüttgut derart aufbereitet, dass eine optimale Verarbeitung
in einer nachfolgenden Verarbeitungsmaschine gewährleistet ist.
Offenbarung der Erfindung
[0006] Der wesentliche Vorteil der Erfindung liegt darin, dass nicht nur eine Durchmischung
des Schüttgutes erfolgt, sondern gleichzeitig auch eine Entstaubung des Schüttgutes
erzielt wird. Hierzu ist ein Sieb im Bereich der Luftabsaugung vorgesehen, das entsprechende
Öffnungen aufweist, so dass evtl. in dem Mischgut enthaltener Staub durch diese Öffnungen
entweicht und abgesaugt werden kann, so dass hier eine zusätzliche Funktion Entstauben
entsteht. Durch die Zuführung von Heißluft wird die Entstaubungsqualität verbessert.
[0007] Das zu verarbeitende Material, d. h. das Mischgut, wird entweder direkt aus Behältern
angesaugt und der Misch- und Fördereinrichtung zugeführt oder aus Schneidmühlen oder
Schredder der Misch- und Fördereinrichtung zugeführt. Durch die Vermischung des Materials
und die Absaugung der Luft wird das Material aufgewirbelt und durchmischt. Gleichzeitig
lösen sich unerwünschte Feinanteile aus der Materialmischung und können abgesaugt
werden. Der Entstaubungsgrad wird mithilfe von unterschiedlichen Sieben bestimmt,
die in der Misch- und Förderstation eingesetzt werden können.
[0008] Ein weiterer wesentlicher Vorteil der Erfindung liegt darin, dass die verschiedenen
Vorgänge, wie Fördern, Dosieren, Mischen und Entstauben, in einem Gerät kosteneffizient
durchgeführt werden. Damit werden Spritzgieß- und Extrusionsprozesse weniger zeitaufwendig,
da die Materialaufbereitung parallel erfolgt und sehr sauberes Material zum Einsatz
kommt. Durch das homogene Mischungsverhältnis unterschiedlicher Materialkomponenten
werden minderwertige Teile oder gar Ausschuss reduziert und die Produktqualität gesteigert.
Eine Nesterbildung durch Staub oder Feinteile wird wirksam unterbunden.
[0009] Ein weiterer wesentlicher Vorteil besteht darin, dass die vorhandenen Filtersysteme
nicht verstopfen und dass sich weniger Feinteile im zu fördernden Material befinden,
somit ein homogener Arbeitsprozess gewährleistet ist.
[0010] In vorteilhafter Weise wird dieses Verfahren beim Mischen von Kunststoffgranulat
und Zuführen von Kunststoffgranulat in eine Kunststoffspritzgießmaschine angewendet.
[0011] Weiterbildungsgemäß ist ein Ventil an einem Förderrohr vorgesehen. Über dieses Ventil
lässt sich Luft zum Mischen und Entstauben zuführen, wobei eine zeit- und mengenabhängige
Steuerung oder Regelung möglich ist.
[0012] Gemäß einer Alternative ist ein Zuluftrohr zum Zuführen von Luft zum Vermischen und
Entstauben an der Förderstation vorgesehen. Dieses Zuluftrohr ist mit einem Ventil
ausgestattet, mit dem die Mischzeit, d. h. die Zeit zum Zuführen von Luft und gleichzeitig
auch die Menge der zugeführten Luft, einstellbar ist.
[0013] Weiterbildungsgemäß ist die Misch- und Förderstation mit einer Bodenverschlussklappe
versehen. Über diese wird das Mischgut abgeleitet und beispielsweise einer Kunststoffspritzgießmaschine
oder ganz allgemein einer Verarbeitungsstation zugeführt.
[0014] Eine Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, ein weiteres Förderrohr zum Fördern einer
weiteren Komponente des Schüttgutes vorzusehen. Damit können parallel oder nacheinander
zwei verschiedene Produkte der Misch- und Fördereinrichtung zugeführt werden. Beispielsweise
kann durch ein Förderrohr ein Kunststoffgranulat in Form von Neuware, durch ein weiteres
Förderrohr ein Kunststoffmahlgut zugeführt werden. Gerade bei Mahlgut ist der Staubanteil
relativ hoch, so dass die Entstaubung die Qualität des Mahlgutes und die Qualität
des gesamten Schüttgutes erheblich verbessert.
[0015] Der Misch- und Fördereinrichtung ist ein Unterdruck erzeugendes System nachgeordnet.
Dieses besteht aus einem Sauggebläse sowie einem Aufnahmebehälter für den ausgetragenen
Staub. Zwischen dem Sauggebläse und dem Aufnahmebehälter ist ein Filter in Form eines
Filterelementes oder eines Zyklonabscheiders vorgesehen. An dieser Stelle wird der
Staub von der Förderluft getrennt. Auch der Staubsammelbehälter weist eine Bodenschlussklappe
auf, um den darin angesammelten Staub zu entsorgen oder abzuleiten.
[0016] Die Misch- und Fördereinrichtung wird gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung
der Erfindung als kompakte Einheit direkt oder indirekt auf Verarbeitungsmaschinen,
wie z. B. Spritzgießmaschinen, Blasformmaschinen oder andere Kunststoff verarbeitende
Maschinen, aufgesetzt. Es besteht auch die Möglichkeit, die Einrichtung, mit welcher
die Entstaubung von Kunststoffgranulat durchgeführt wird, als eigenständige Einheit
oder als zusätzliche Entstaubungsanlage bei der Kunststoffförderung und Kunststoffverarbeitung
einzusetzen.
[0017] Diese und weitere Merkmale gehen nicht nur aus den Ansprüchen, sondern auch aus der
Beschreibung und den Zeichnungen hervor.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0018] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen erläutert.
[0019] Figur 1 zeigt ein Multifunktionsgerät zum Fördern, Mischen und Entstauben von Kunststoffgranulat.
[0020] Figur 2 zeigt in einer schematischen Darstellung die Zuführung von Heißluft.
Ausführungsform(en) der Erfindung
[0021] Gemäß der Figur ist eine Misch- und Fördereinrichtung 10 vorgesehen, bestehend aus
einem Behälter 11, der mit einer Bodenverschlussklappe 12 versehen ist, und einem
Auslauf 13, der unterhalb der Bodenverschlussklappe angeordnet ist. Der Auslauf 13
ist mit einer Kunststoffverarbeitungseinheit 14, beispielsweise einer Dosierschnecke
für eine Kunststoffspritzgießanlage, verbunden. Zwischen der Kunststoffverarbeitungseinheit
14 und dem Auslauf 13 kann optional ein hier schematisch angedeutetes Dosiergerät
40 zum Zudosieren von weiterem Material vorgesehen sein. Der Behälter 11 weist Öffnungen
15, 16 auf, an denen sich jeweils ein Förderrohr 17, 18 befindet. Die Förderrohre
17, 18 erstrecken sich bis in jeweils einen Behälter 19, 20, in denen sich Kunststoffgranulat
befindet. Dieses Kunststoffgranulat kann Neuware oder auch Mahlgut sein. Oberhalb
der Öffnungen 15, 16 des Behälters 11 ist ein Sieb 21 vorgesehen. Über dem Sieb ist
eine Absaugkammer 22 angeordnet, die mit einem Unterdruckschlauch 23 in Verbindung
steht. Der Unterdruckschlauch 23 führt zu einem Unterdruck erzeugenden System 24,
das aus einem Staubabscheider 25 und einem Unterdruckgebläse 26 besteht.
[0022] Der Staubabscheider 25 ist nach Art eines üblichen Staubsaugers aufgebaut, d. h.
er weist einen Staubsammelbehälter 27 auf, der mit einer Verschlussklappe 28 zum Austragen
des angesammelten Staubes versehen ist. Im oberen Bereich ist der Staubabscheider
25 mit einer Filterpatrone 29 ausgestattet, die den Staubsammelraum oder Rohluftraum
vom Reinluftraum 30 trennt. Der Reinluftraum ist mit einer Reinluftleitung 31 versehen.
Diese führt zu dem Unterdruckgebläse 26, welches letztendlich dafür sorgt, das in
den Behältern 19, 20 vorhandene Schüttgut dem Behälter 11 zugeführt wird und andererseits
die staubhaltige Luft gereinigt wird. Am Behälter 11 ist ferner eine Fremdluftzufuhr
32, bestehend aus einem in das Schüttgut hineinragenden Rohr 33 und einem das Rohr
33, welches sich durch den Behälter 11 nach außen erstreckt, abschließendes Ventil
34.
[0023] Die Funktionsweise des Multifunktionsgerätes wird nachfolgend beschrieben:
- Nach dem Einschalten des Unterdruckgebläses 26 wird aus dem Behälter 19 oder 20 oder
gleichzeitig aus beiden Behältern je nach Stellung des Verschlussventils 35, 36 Kunststoffgranulat
oder Mahlgut in die Misch- und Fördereinrichtung 10 transportiert. Das Mahlgut setzt
sich auf der Bodenverschlussklappe auf und füllt diesen Behälter bis zu einer bestimmten
maximalen Füllhöhe. Zum Durchmischen und Entstauben wird - gleichzeitig oder nachdem
die Ventile 35, 36 geschlossen sind - das Ventil 34 geöffnet, so dass Fremdluft einströmt
und für eine Durchmischung und gleichzeitig eine Entstaubung des im Behälter befindlichen
Schüttgutes 37 sorgt. Damit kein Schüttgut in den Unterdruckschlauch 23 bzw. in die
Absaugkammer 22 gelangen kann, ist ein Sieb 21 vorgeschaltet. Dieses Sieb hat eine
Maschenweite, die einerseits das Austragen von Staub in die Absaugkammer 22 zulässt,
andererseits das Austragen von Schüttgut ab einer bestimmten Korngröße unterbindet.
Hierzu besteht die Möglichkeit, das Sieb mit unterschiedlichen Maschenweiten auszustatten
bzw. unterschiedliche Siebe in die Misch- und Fördereinrichtung einzusetzen. Nachdem
eine ausreichende Durchmischung des Schüttgutes stattgefunden hat und gleichzeitig
dieses entstaubt ist, wird das Ventil 34 geschlossen. Durch Öffnen der Bodenverschlussklappe
12 kann das Schüttgut der Kunststoffverarbeitungseinheit 14 zugeleitet werden. Der
von der Misch- und Fördereinrichtung 10 abgesaugte Staub gelangt zu dem Staubabscheider
25, wird dort im Staubsammelbehälter 27 gesammelt und kann über die Verschlussklappe
28 nach unten zu einem Staubbehälter 38 geführt werden. Der Staub wird durch eine
Filterpatrone 29, wie bei einem Staubsauger üblich, zurückgehalten. Die Filterpatrone
sorgt dafür, dass dem Unterdruckgebläse 26 nur Reinluft zugeführt wird, die anschließend
in die Atmosphäre entlassen werden kann. An dem Staubabscheider 25 ist ein Ausgleichsfilter
39 zum Druckausgleich vorgesehen. Beim Entstauben des Schüttgutes 27 lässt sich durch
ein mehr oder weniger starkes Öffnen des Ventils 34 die zugeführte Luftmenge steuern,
d. h. es erfolgt eine intensivere oder weniger intensive Durchwirbelung des Schüttgutes,
je nach Art des im Behälter 11 befindlichen Materials.
[0024] Figur 2 zeigt eine Einreichung mit einer Zuführung von Heißluft. Diese Einrichtung
weist einen Behälter 53 auf, der mit einem Materialeintritt 41 versehen ist und im
oberen Bereich ein Sieb 42 aufweist. Am geodätisch unteren Ende ist der Behälter 53
mit einem Austrittsventil 43 versehen, beispielsweise handelt es sich hier um einen
pneumatischen Schieber 44. Linksseitig ist eine Heißluftzuführung 45 am Behälter 53
angeordnet. Diese Zuführung besitzt eine Heizung 46. Ferner ist an der Heißluftzuführung
45 ein Zuluftventil 47 angeordnet, um zusätzlich Zuluft einzuführen. Im oberen Bereich
ist der Behälter 53 mit einer Abluftleitung 54 versehen. An dieser Abluftleitung 54
befindet sich ein Temperaturmessgerät 48 zur Messung der Ablufttemperatur. Die Abluftleitung
54 führt linksseitig über ein Ventil 49 zu einer Luftabsaugung 50. Die dort abströmende
Luft kann über einen hier nicht dargestellten Staubsammelbehälter nach außen geführt
werden. Rechtsseitig ist ein Ventil 51 vorgesehen. Sofern dieses geöffnet und das
Ventil 49 geschlossen ist, wird die abgesaugte Luft einem Zentralfiltersystem 52 zugeführt.
Dieses Zentralfiltersystem ist in Figur 1 ebenfalls rechtsseitig der Mischeinrichtung
dargestellt und allgemein bekannt. Durch das Einströmen von Luft über die Heißluftzuführung
45 wird das Schüttgut im Behälter 53 verwirbelt. Gleichzeitig sorgt die Heißluft für
ein Entstauben des Schüttguts oder bei einer höheren Temperatur für eine Kristallisation
des im Behälter durchwirbelten Schüttguts.
[0025] Der Vorteil der heißen Luft beim Entstauben liegt darin, dass unterschiedlich feuchtes
Material, das sich im Behälter befindet, einfach und schnell zu Entstauben ist, das
heißt die Entstaubungszeit sich verkürzt und die Entstaubungswirkung qualitativ besser
ist.
1. Bearbeitungseinrichtung für Schüttgut, insbesondere zum Fördern und Mischen derselben,
aufweisend eine Misch- und Förderstation, wenigstens ein Förderrohr zum Zuführen des
zu fördernden Schüttgutes, wobei die Misch-und Förderstation mit einem Unterdruckschlauch
oder -rohr verbunden ist und der Unterdruckschlauch oder -rohr an einem Unterdruck
erzeugenden System angeordnet ist, wobei Luft zum Fördern und / oder Mischen zugeführt
wird und sich innerhalb der Misch- und Förderstation zur Trennung des Fördergutes
von der Luft ein Sieb befindet, dessen Sieböffnungen dem gewünschten Abscheidegrad
zur Abscheidung des Mischgutes von der Luft entsprechen und wobei Luft in das Mischgut
einströmt und eine Vermischung des Mischgutes und eine Entstaubung des Mischgutes
bewirkt und wobei die Luft eine Temperatur von 40 °C - 200 °C aufweist.
2. Bearbeitungseinrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass zum Entstauben des Mischguts die Luft eine Temperatur von 40 °C - 80 °C aufweist
und / oder zum Kristallisieren des Mischguts eine Temperatur von 120 °C - 200 °C aufweist.
3. Bearbeitungseinrichtung nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Temperatur der Luft über
ein Heizsystem mit einer elektrischen Heizeinrichtung temperiert ist.