(19)
(11) EP 2 239 115 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
13.10.2010  Patentblatt  2010/41

(21) Anmeldenummer: 10000144.5

(22) Anmeldetag:  11.01.2010
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
B27D 5/00(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL BA RS

(30) Priorität: 08.04.2009 DE 102009016929

(71) Anmelder: IMA Klessmann GmbH Holzbearbeitungssysteme
32312 Lübbecke (DE)

(72) Erfinder:
  • Hampel, Thomas
    32312 Lübbecke (DE)
  • Schürmann, Michael
    32257 Bünde (DE)

(74) Vertreter: Schober, Mirko 
Patentanwälte Thielking & Elbertzhagen Gadderbaumer Strasse 14
33602 Bielefeld
33602 Bielefeld (DE)

   


(54) Verfahren und Vorrichtung zum Anbringen eines Kantenbandes an eine Kante eines Werkstückes


(57) Bei dem Verfahren zum Anbringen eines Kantenbandes an eine Kante eines Werkstücks (1) wird das Kantenband (2) entlang einer ersten Kante (1a) des Werkstücks (1) und anschließend an einer zweiten, an die erste Kante (1a) angrenzende Kante (1b) des Werkstücks (1) angebracht. Die erste Kante (1a) und die zweite Kante (1b) bilden eine Innenecke. Das Kantenband (2) wird mittels eines um eine Achse (A) senkrecht zur durch die Verlaufsrichtungen der beiden Kanten (1a, 1b) definierten Werkstückebene drehbeweglichen Andruckwerkzeugs (4) unter relativer Bewegung von Werkstück (1) und Andruckwerkzeug (4) gegen die erste Kante (1a) und anschließend gegen die zweite Kante (1b) gedrückt. Es wird ein Andruckwerkzeug (4) mit mindestens einer ersten und einer zweiten Andruckfläche verwendet, wobei das Kantenband (2) vor dem Eintreffen des Andruckwerkzeugs (4) an der Innenecke (3) an derjenigen Position mit einer Knuickstelle (2c) versehen wird, an welcher das Kantenband (2) zur Anlage an der Innenecke (3) des Werkstücks (1) vorgesehen ist.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Anbringen eines Kantenbandes an eine Kante. Entsprechende Kantenanleimmaschinen sind bekannt. Bei diesen wird das Kantenband an die Kante eines Werkstückes angebracht, indem das Kantenband oder die Kante zunächst mit einem Klebstoff beschichtet und anschließend mittels eines Andruckwerkzeuges an das Werkstück angedrückt wird. Das Andruckwerkzeug ist üblicherweise als Andruckrolle ausgebildet.

[0002] In DE 103 23 266 B3 oder EP 1 990 152 A1 sind entsprechende Andruckrollen gezeigt. Soll ein Kantenband über Eck mit der Kante verleimt werden, wird das Kantenband umgekantet oder an der Ecke entsprechend neu angesetzt. Dieses Verfahren bereitet bei sogenannten Außenecken keine Probleme, da dort die Andruckrolle der Kontur des Werkstücks folgen kann.

[0003] Bei Innenecken sind konventionelle Andruckrollen nachteilig, weil der Druck auf das Kantenband mangels Kontakt mit demselben in der Innenecke nicht mehr sauber oder gar nicht ausgeübt werden kann.

[0004] In EP 1 607 199 A1 wird deshalb vorgeschlagen, ein im Querschnitt dreieckiges Andruckwerkzeug einzusetzen, dessen Kanten in die Innenecke hineinreichen und das Kantenband entsprechend dort andrücken können. Hierbei muss allerdings bei Erreichen einer Innenecke nach Andrücken des Kantenbandes an der ersten die Innenecke bildenden Werkstückkante ein zweites Kantenbandstück für die zweite die Innenecke bildende Werkstückkante an der Innenecke angesetzt werden. Anschließend klappt das im Querschnitt dreieckige Andruckwerkzeug um und liegt flächig an dem zweiten Kantenbandstück an.

[0005] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren und eine Vorrichtung anzugeben, bei der das Anbringen des Kantenbandes bei Werkstücken mit Innenecke ohne Ansetzen eines zweiten Kantenbandstücks möglich ist.

[0006] Gelöst wird diese Aufgabe durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1 bzw. durch eine Vorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 9. Vorteilhafte Ausführungsformen finden sich in den Unteransprüchen.

[0007] Erfindungsgemäß ist vorgesehen, das Kantenband mit einer Knickstelle an der Stelle zu versehen, die der Position der Innenecke entspricht. Beim Andrücken drückt das Andruckwerkzeug dann zunächst den vor der Knickstelle liegenden Teil des Kantenbandes gegen die erste die Innenecke bildende Kante des Werkstücks.

[0008] Hierzu weist das Andruckwerkzeug zwei Andruckflächen auf, die bevorzugt in demselben Winkel wie die durch die Kanten gebildete Innenecke zueinander angeordnet sind. Damit ist es möglich, das Kantenband in der Innenecke einerseits abzukanten, andererseits an beiden die Ecke bildenden Kanten gleichzeitig anzudrücken, so dass eine effektive Verbindung des Kantenbandes mit dem Werkstück im Bereich der Innenecke ermöglicht wird.

[0009] Die Erfindung wird nun anhand des in den Figuren 1 bis 3C schematisch näher erläutert.

[0010] Figur 1 zeigt einen Ausschnitt eines Werkstücks während des Andrückprozesses in einem ersten Verfahrensstadium, bevor das Andruckwerkzeug die Innenecke erreicht hat.

[0011] Figur 2 zeigt einen Ausschnitt eines Werkstücks während des Andrückprozesses in einem zweiten Verfahrensstadium, in welchem das Andruckwerkzeug sich in der Innenecke befindet.

[0012] Figur 3(A) zeigt eine Ausschnittvergrößerung der Einrichtung zum Einbringen der Knickstelle.

[0013] Figur 3(B) zeigt das Kantenband nach Einbringen der Knickstelle.

[0014] Figur 3(C) zeigt ein abgekantetes Kantenband, das in der Innenecke des Werkstücks angebracht ist.

[0015] In Figur 1 ist ein Kantenanleimaggregat 6 dargestellt, welches zum Anleimen eines von einer Zuführeinrichtung in Richtung des Werkstücks 1 zugeführten Kantenbandes 2 ausgelegt ist. Das Kantenband 2 wird dabei in einem Winkel zur zu beschichtenden Kante 1a zugeführt und auf der der Kante 1a zugewandten Seite mit Schmelzkleber aus einer Spendeeinrichtung 6b beschichtet oder auf andere Weise an der Kante 1a anhaftbar gemacht. Das Haftbarmachen bzw. der Kleberauftrag läuft also immer dem Andrücken der entsprechenden Stelle des Kantenbandes 2 voraus. Das Kantenband 2 wird dann mittels eines Andruckwerkzeugs 4 gegen die Kante 1a des Werkstücks 1 angedrückt. Ggf. kann eine nachlaufende Druckrolle 5 mit dem Andruckwerkzeug über einen Lenker 7 verbunden sein. Das Andruckwerkzeug 4 ist dabei um eine zur Zeichenebene senkrechte Achse A drehbar ausgebildet und weist eine erste Andrückfläche 4a und wenigstens eine weitere Andrückfläche 4b auf. Andruckwerkzeug 4 und Werkstück werden relativ zueinander bewegt, so dass nach und nach das Kantenband über den gesamten Verlauf der ersten Kante 1a des Werkstücks 1 angedrückt wird.

[0016] Das hier zu betrachtende Werkstück weist eine Innenecke 3 auf, die dort liegt, wo die erste Kante 1a auf eine weitere zweite Kante 1b des Werkstücks trifft. Erfindungsgemäß ist nun eine Einrichtung 6a zum Vorsehen einer Knickstelle 2c im Kantenband 2 vorgesehen. Dabei handelt es sich bevorzugt um ein Werkzeug zum Einschneiden einer Gehrungsnut in das Kantenband 2 auf dessen dem Werkstück abgewandten Seite. Dabei wird das Kantenband 2 dort mit einer Gehrungsnut 2c versehen, wo es beim Andrücken auf die Innenecke 3 trifft, so dass das Kantenband beim Zusammenführen mit dem Werkstück passgenau in der Innenecke 3 anliegt und angedrückt werden kann. Die Figuren 3(A) und 3(B) zeigen den Ausschnitt der Einrichtung 6a im Detail, mit der die Gehrungsnut 2c in die Außenseite des Kantenbandes eingeschnitten wird, so dass das Kantenband durch die Gehrungsnut 2c in einen vor der Innenecke 3 liegenden ersten Teil 2a, der an der ersten Kante 1a angedrückt wird, und einen zweiten Teil 2b unterteilt wird, welcher an der zweiten Kante 1b des Werkstücks (in Verarbeitungsrichtung hinter der Innenecke) angedrückt wird.

[0017] Erreicht das Andruckwerkzeug 4 den Bereich der Innenecke 3, so wird das mit der Knickstelle 2c präparierte Kantenband 2 durch den Kontakt desselben mit den Andrückflächen 4a und 4b des An-druckwerkzeugs 4 auf der dem Werkstück 1 abgewandten Seite des Kantenbandes 2 einerseits und durch den Kontakt mit den Kanten 1a und 1b des Werkstücks 1 andererseits abgekantet, so dass - wie in Figur 3 (C) gezeigt - die Teile 2a und 2b auf Gehrung in der Innenecke 3 des Werkstücks 1 anliegen. Durch die bevorzugt dem Winkel der Innenecke 3 angepassten ersten und zweiten Andrückflächen 4a und 4b, welche in der Innenecke 3 das Teil 2a des Kantenbandes 2 gegen die erste Kante 1a bzw. das Teil 2b des Kantenbandes 2 gegen die zweite Kante 1b drücken, kann das Kantenband 2 problemlos in der Ecke 3 angedrückt werden. Nach dem Andrücken des Kantenbandes 2 in der Innenecke 2 erfolgt eine Relativbewegung zwischen Andruckwerkzeug 4 und zweiter Kante 1b, so dass der übrige zweite Teil 2b des Kantenbandes 2 an der zweiten Kante 1b angedrückt wird.

[0018] Nach einer bevorzugten Ausführungsform ist das Andruckwerkzeug 4 mit einem senkrecht zu seiner Drehachse A etwa quadratischem Querschnitt versehen, und weist dabei wenigstens zwei Andrückflächen 4a, 4b auf. Sollen Innenecken mit einem Winkel größer als 90° mit einem Kantenband 2 versehen werden, ist es nicht unbedingt erforderlich, dass die Andrückflächen 4a und 4b in einem entsprechenden Winkel zueinander angeordnet sind. Vielmehr genügt die in den Zeichnungen dargestellte, im Wesentlichen rechtwinklige Anordnung für derartige Anwendungen. Hierbei wird das Andruckwerkzeug bei Erreichen der Innenecke 3 unter Andrücken der ersten Andrückfläche 4a entsprechend geschwenkt bzw. folgt der Kontur des Werkstücks aufgrund der Schwenkbarkeit um die Achse A automatisch, so dass auch in diesen Fällen ein effektives Anbringen des Kantenbandes 2 über die Innenecke 3 hinweg ermöglicht wird.


Ansprüche

1. Verfahren zum Anbringen eines Kantenbandes an eine Kante eines Werkstückes (1), bei welchem das Kantenband (2) entlang einer ersten Kante (1a) des Werkstücks (1) angebracht und anschließend an einer zweiten, an die erste Kante (1a) angrenzende Kante (1b) des Werkstücks (1) angebracht wird, wobei die erste und die zweite Kante eine Innenecke (3) bilden, und wobei das Kantenband (2) mittels eines um eine Achse (A) senkrecht zur durch die Verlaufsrichtungen der beiden Kanten (1a, 1b) definierten Werkstückebene drehbeweglichen Andruckwerkzeugs (4) unter relativer Bewegung von Werkstück (1) und Andruckwerkzeug (4) gegen die erste (1a) und anschließend gegen die zweite Kante (1b) gedrückt wird, wobei ein Andruckwerkzeug (4) mit mindestens einer ersten und einer zweiten Andrückfläche (4a, 4b) verwendet wird, wobei das Kantenband (2) vor dem Eintreffen des Andruckwerkzeugs (4) an der Innenecke (3) an derjenigen Position mit einer Knickstelle (2c) versehen wird, an welcher das Kantenband (2) zur Anlage an der Innenecke (3) des Werkstücks (1) vorgesehen ist.
 
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Andruckwerkzeug (4) das Kantenband (2) mit der ersten Andrückfläche (4a) an der ersten Kante (1a) des Werkstücks (1) andrückt und nach Erreichen der Innenecke (3) mit der zweiten Andrückfläche (4b) den in Verarbeitungsrichtung hinter der Knickstelle liegenden Teil (2b) des Kantenbandes (2) an der zweiten Kante (1b) des Werkstücks (1) andrückt.
 
3. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Knickstelle (2c) durch Einschneiden einer Gehrungsnut auf der dem Werkstück (1) abgewandten Seite des Kantenbandes (2) erfolgt.
 
4. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Andruckwerkzeug (4) eine mit diesem gekoppelte Druckrolle (5) aufweist.
 
5. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das mit der Knickstelle (2c) versehene Kantenband (2) durch das Andruckwerkzeug (4) umgekantet wird.
 
6. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die erste und zweite Andrückfläche (4a, 4b) zueinander in einem Winkel ausgebildet sind, der im Wesentlichen dem Winkel der die Innenecke (3) bildenden Kanten (1a, 1b) entspricht.
 
7. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die erste und zweite Andrückfläche (4a, 4b) des Andruckwerkzeuges (4) aneinander in einem Winkel, insbesondere einem rechten Winkel angrenzen.
 
8. Verfahren nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Andruckwerkzeug (4) senkrecht zu dessen Drehachse (A) einen etwa rechteckigen oder quadratischen Querschnitt aufweist.
 
9. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens zum Anbringen eines Kantenbandes an eine Kante eines Werkstückes (1),
insbesondere nach einem der vorherigen Ansprüche,
mit einer Einrichtung zur Aufspannung des Werkstückes und einem Aggregat (6) zum Anbringen der Kante, wobei das Aggregat (6) und das aufgespannte Werkstück relativ zueinander beweglich sind, wobei das Aggregat (6) eine Zuführeinrichtung zum Zuführen eines Kantenbandes (2) und ein Andruckwerkzeug (4) zum Andrücken des Kantenbandes (2) an das Werkstück (1), wobei das Andruckwerkzeug (4) um eine Achse (A) senkrecht zur durch die Verlaufsrichtungen der beiden Kanten (1a, 1b) definierten Werkstückebene drehbeweglich ausgebildet ist und mit mindestens einer ersten und einer zweiten Andrückfläche (4a, 4b) ausgebildet ist, und wobei das Aggregat eine Einrichtung (6a) zum Einbringen einer Knickstelle (2c) in das Kantenband (2) aufweist.
 
10. Vorrichtung nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Andruckwerkzeug (4) senkrecht zu dessen Drehachse (A) einen etwa rechteckigen oder quadratischen Querschnitt aufweist.
 
11. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 oder 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Andruckwerkzeug (4) so angeordnet und ausgebildet ist, dass es das Kantenband (2) mit der ersten Andrückfläche (4a) an eine erste Kante (1a) des Werkstücks (1) andrückt und nach Erreichen einer die erste Kante (1a) mit einer zweiten Kante (1b) des Werkstücks verbindenden Innenecke (3) mit der zweiten Andrückfläche (4b) den in Verarbeitungsrichtung hinter der Knickstelle (2c) liegenden Teil (2b) des Kantenbandes (2) an der zweiten Kante (1b) des Werkstücks (1) andrückt.
 
12. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass die erste und zweite Andrückfläche (4a, 4b) zueinander in-einem Winkel ausgebildet sind, der im Wesentlichen dem Winkel der die Innenecke (3) bildenden Kanten (1a, 1b) entspricht.
 
13. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 12,
dadurch gekennzeichnet,
dass die erste und zweite Andrückfläche (4a, 4b) des Andruckwerkzeuges (4) aneinander in einem Winkel, insbesondere einem rechten Winkel angrenzen.
 
14. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 - 13,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Andruckwerkzeug (4) eine mit diesem gekoppelte Druckrolle (5) aufweist.
 




Zeichnung













Recherchenbericht










Angeführte Verweise

IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



Diese Liste der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde ausschließlich zur Information des Lesers aufgenommen und ist nicht Bestandteil des europäischen Patentdokumentes. Sie wurde mit größter Sorgfalt zusammengestellt; das EPA übernimmt jedoch keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.

In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente