[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Anbringen eines Kantenbandes an eine Kante.
Entsprechende Kantenanleimmaschinen sind bekannt. Bei diesen wird das Kantenband an
die Kante eines Werkstückes angebracht, indem das Kantenband oder die Kante zunächst
mit einem Klebstoff beschichtet und anschließend mittels eines Andruckwerkzeuges an
das Werkstück angedrückt wird. Das Andruckwerkzeug ist üblicherweise als Andruckrolle
ausgebildet.
[0002] In
DE 103 23 266 B3 oder
EP 1 990 152 A1 sind entsprechende Andruckrollen gezeigt. Soll ein Kantenband über Eck mit der Kante
verleimt werden, wird das Kantenband umgekantet oder an der Ecke entsprechend neu
angesetzt. Dieses Verfahren bereitet bei sogenannten Außenecken keine Probleme, da
dort die Andruckrolle der Kontur des Werkstücks folgen kann.
[0003] Bei Innenecken sind konventionelle Andruckrollen nachteilig, weil der Druck auf das
Kantenband mangels Kontakt mit demselben in der Innenecke nicht mehr sauber oder gar
nicht ausgeübt werden kann.
[0004] In
EP 1 607 199 A1 wird deshalb vorgeschlagen, ein im Querschnitt dreieckiges Andruckwerkzeug einzusetzen,
dessen Kanten in die Innenecke hineinreichen und das Kantenband entsprechend dort
andrücken können. Hierbei muss allerdings bei Erreichen einer Innenecke nach Andrücken
des Kantenbandes an der ersten die Innenecke bildenden Werkstückkante ein zweites
Kantenbandstück für die zweite die Innenecke bildende Werkstückkante an der Innenecke
angesetzt werden. Anschließend klappt das im Querschnitt dreieckige Andruckwerkzeug
um und liegt flächig an dem zweiten Kantenbandstück an.
[0005] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren und eine Vorrichtung anzugeben, bei der
das Anbringen des Kantenbandes bei Werkstücken mit Innenecke ohne Ansetzen eines zweiten
Kantenbandstücks möglich ist.
[0006] Gelöst wird diese Aufgabe durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1 bzw.
durch eine Vorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 9. Vorteilhafte Ausführungsformen
finden sich in den Unteransprüchen.
[0007] Erfindungsgemäß ist vorgesehen, das Kantenband mit einer Knickstelle an der Stelle
zu versehen, die der Position der Innenecke entspricht. Beim Andrücken drückt das
Andruckwerkzeug dann zunächst den vor der Knickstelle liegenden Teil des Kantenbandes
gegen die erste die Innenecke bildende Kante des Werkstücks.
[0008] Hierzu weist das Andruckwerkzeug zwei Andruckflächen auf, die bevorzugt in demselben
Winkel wie die durch die Kanten gebildete Innenecke zueinander angeordnet sind. Damit
ist es möglich, das Kantenband in der Innenecke einerseits abzukanten, andererseits
an beiden die Ecke bildenden Kanten gleichzeitig anzudrücken, so dass eine effektive
Verbindung des Kantenbandes mit dem Werkstück im Bereich der Innenecke ermöglicht
wird.
[0009] Die Erfindung wird nun anhand des in den Figuren 1 bis 3C schematisch näher erläutert.
[0010] Figur 1 zeigt einen Ausschnitt eines Werkstücks während des Andrückprozesses in einem
ersten Verfahrensstadium, bevor das Andruckwerkzeug die Innenecke erreicht hat.
[0011] Figur 2 zeigt einen Ausschnitt eines Werkstücks während des Andrückprozesses in einem
zweiten Verfahrensstadium, in welchem das Andruckwerkzeug sich in der Innenecke befindet.
[0012] Figur 3(A) zeigt eine Ausschnittvergrößerung der Einrichtung zum Einbringen der Knickstelle.
[0013] Figur 3(B) zeigt das Kantenband nach Einbringen der Knickstelle.
[0014] Figur 3(C) zeigt ein abgekantetes Kantenband, das in der Innenecke des Werkstücks
angebracht ist.
[0015] In Figur 1 ist ein Kantenanleimaggregat 6 dargestellt, welches zum Anleimen eines
von einer Zuführeinrichtung in Richtung des Werkstücks 1 zugeführten Kantenbandes
2 ausgelegt ist. Das Kantenband 2 wird dabei in einem Winkel zur zu beschichtenden
Kante 1a zugeführt und auf der der Kante 1a zugewandten Seite mit Schmelzkleber aus
einer Spendeeinrichtung 6b beschichtet oder auf andere Weise an der Kante 1a anhaftbar
gemacht. Das Haftbarmachen bzw. der Kleberauftrag läuft also immer dem Andrücken der
entsprechenden Stelle des Kantenbandes 2 voraus. Das Kantenband 2 wird dann mittels
eines Andruckwerkzeugs 4 gegen die Kante 1a des Werkstücks 1 angedrückt. Ggf. kann
eine nachlaufende Druckrolle 5 mit dem Andruckwerkzeug über einen Lenker 7 verbunden
sein. Das Andruckwerkzeug 4 ist dabei um eine zur Zeichenebene senkrechte Achse A
drehbar ausgebildet und weist eine erste Andrückfläche 4a und wenigstens eine weitere
Andrückfläche 4b auf. Andruckwerkzeug 4 und Werkstück werden relativ zueinander bewegt,
so dass nach und nach das Kantenband über den gesamten Verlauf der ersten Kante 1a
des Werkstücks 1 angedrückt wird.
[0016] Das hier zu betrachtende Werkstück weist eine Innenecke 3 auf, die dort liegt, wo
die erste Kante 1a auf eine weitere zweite Kante 1b des Werkstücks trifft. Erfindungsgemäß
ist nun eine Einrichtung 6a zum Vorsehen einer Knickstelle 2c im Kantenband 2 vorgesehen.
Dabei handelt es sich bevorzugt um ein Werkzeug zum Einschneiden einer Gehrungsnut
in das Kantenband 2 auf dessen dem Werkstück abgewandten Seite. Dabei wird das Kantenband
2 dort mit einer Gehrungsnut 2c versehen, wo es beim Andrücken auf die Innenecke 3
trifft, so dass das Kantenband beim Zusammenführen mit dem Werkstück passgenau in
der Innenecke 3 anliegt und angedrückt werden kann. Die Figuren 3(A) und 3(B) zeigen
den Ausschnitt der Einrichtung 6a im Detail, mit der die Gehrungsnut 2c in die Außenseite
des Kantenbandes eingeschnitten wird, so dass das Kantenband durch die Gehrungsnut
2c in einen vor der Innenecke 3 liegenden ersten Teil 2a, der an der ersten Kante
1a angedrückt wird, und einen zweiten Teil 2b unterteilt wird, welcher an der zweiten
Kante 1b des Werkstücks (in Verarbeitungsrichtung hinter der Innenecke) angedrückt
wird.
[0017] Erreicht das Andruckwerkzeug 4 den Bereich der Innenecke 3, so wird das mit der Knickstelle
2c präparierte Kantenband 2 durch den Kontakt desselben mit den Andrückflächen 4a
und 4b des An-druckwerkzeugs 4 auf der dem Werkstück 1 abgewandten Seite des Kantenbandes
2 einerseits und durch den Kontakt mit den Kanten 1a und 1b des Werkstücks 1 andererseits
abgekantet, so dass - wie in Figur 3 (C) gezeigt - die Teile 2a und 2b auf Gehrung
in der Innenecke 3 des Werkstücks 1 anliegen. Durch die bevorzugt dem Winkel der Innenecke
3 angepassten ersten und zweiten Andrückflächen 4a und 4b, welche in der Innenecke
3 das Teil 2a des Kantenbandes 2 gegen die erste Kante 1a bzw. das Teil 2b des Kantenbandes
2 gegen die zweite Kante 1b drücken, kann das Kantenband 2 problemlos in der Ecke
3 angedrückt werden. Nach dem Andrücken des Kantenbandes 2 in der Innenecke 2 erfolgt
eine Relativbewegung zwischen Andruckwerkzeug 4 und zweiter Kante 1b, so dass der
übrige zweite Teil 2b des Kantenbandes 2 an der zweiten Kante 1b angedrückt wird.
[0018] Nach einer bevorzugten Ausführungsform ist das Andruckwerkzeug 4 mit einem senkrecht
zu seiner Drehachse A etwa quadratischem Querschnitt versehen, und weist dabei wenigstens
zwei Andrückflächen 4a, 4b auf. Sollen Innenecken mit einem Winkel größer als 90°
mit einem Kantenband 2 versehen werden, ist es nicht unbedingt erforderlich, dass
die Andrückflächen 4a und 4b in einem entsprechenden Winkel zueinander angeordnet
sind. Vielmehr genügt die in den Zeichnungen dargestellte, im Wesentlichen rechtwinklige
Anordnung für derartige Anwendungen. Hierbei wird das Andruckwerkzeug bei Erreichen
der Innenecke 3 unter Andrücken der ersten Andrückfläche 4a entsprechend geschwenkt
bzw. folgt der Kontur des Werkstücks aufgrund der Schwenkbarkeit um die Achse A automatisch,
so dass auch in diesen Fällen ein effektives Anbringen des Kantenbandes 2 über die
Innenecke 3 hinweg ermöglicht wird.
1. Verfahren zum Anbringen eines Kantenbandes an eine Kante eines Werkstückes (1), bei
welchem das Kantenband (2) entlang einer ersten Kante (1a) des Werkstücks (1) angebracht
und anschließend an einer zweiten, an die erste Kante (1a) angrenzende Kante (1b)
des Werkstücks (1) angebracht wird, wobei die erste und die zweite Kante eine Innenecke
(3) bilden, und wobei das Kantenband (2) mittels eines um eine Achse (A) senkrecht
zur durch die Verlaufsrichtungen der beiden Kanten (1a, 1b) definierten Werkstückebene
drehbeweglichen Andruckwerkzeugs (4) unter relativer Bewegung von Werkstück (1) und
Andruckwerkzeug (4) gegen die erste (1a) und anschließend gegen die zweite Kante (1b)
gedrückt wird, wobei ein Andruckwerkzeug (4) mit mindestens einer ersten und einer
zweiten Andrückfläche (4a, 4b) verwendet wird, wobei das Kantenband (2) vor dem Eintreffen
des Andruckwerkzeugs (4) an der Innenecke (3) an derjenigen Position mit einer Knickstelle
(2c) versehen wird, an welcher das Kantenband (2) zur Anlage an der Innenecke (3)
des Werkstücks (1) vorgesehen ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Andruckwerkzeug (4) das Kantenband (2) mit der ersten Andrückfläche (4a) an der
ersten Kante (1a) des Werkstücks (1) andrückt und nach Erreichen der Innenecke (3)
mit der zweiten Andrückfläche (4b) den in Verarbeitungsrichtung hinter der Knickstelle
liegenden Teil (2b) des Kantenbandes (2) an der zweiten Kante (1b) des Werkstücks
(1) andrückt.
3. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Knickstelle (2c) durch Einschneiden einer Gehrungsnut auf der dem Werkstück (1)
abgewandten Seite des Kantenbandes (2) erfolgt.
4. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Andruckwerkzeug (4) eine mit diesem gekoppelte Druckrolle (5) aufweist.
5. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das mit der Knickstelle (2c) versehene Kantenband (2) durch das Andruckwerkzeug (4)
umgekantet wird.
6. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die erste und zweite Andrückfläche (4a, 4b) zueinander in einem Winkel ausgebildet
sind, der im Wesentlichen dem Winkel der die Innenecke (3) bildenden Kanten (1a, 1b)
entspricht.
7. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die erste und zweite Andrückfläche (4a, 4b) des Andruckwerkzeuges (4) aneinander
in einem Winkel, insbesondere einem rechten Winkel angrenzen.
8. Verfahren nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Andruckwerkzeug (4) senkrecht zu dessen Drehachse (A) einen etwa rechteckigen
oder quadratischen Querschnitt aufweist.
9. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens zum Anbringen eines Kantenbandes an eine
Kante eines Werkstückes (1),
insbesondere nach einem der vorherigen Ansprüche,
mit einer Einrichtung zur Aufspannung des Werkstückes und einem Aggregat (6) zum Anbringen
der Kante, wobei das Aggregat (6) und das aufgespannte Werkstück relativ zueinander
beweglich sind, wobei das Aggregat (6) eine Zuführeinrichtung zum Zuführen eines Kantenbandes
(2) und ein Andruckwerkzeug (4) zum Andrücken des Kantenbandes (2) an das Werkstück
(1), wobei das Andruckwerkzeug (4) um eine Achse (A) senkrecht zur durch die Verlaufsrichtungen
der beiden Kanten (1a, 1b) definierten Werkstückebene drehbeweglich ausgebildet ist
und mit mindestens einer ersten und einer zweiten Andrückfläche (4a, 4b) ausgebildet
ist, und wobei das Aggregat eine Einrichtung (6a) zum Einbringen einer Knickstelle
(2c) in das Kantenband (2) aufweist.
10. Vorrichtung nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Andruckwerkzeug (4) senkrecht zu dessen Drehachse (A) einen etwa rechteckigen
oder quadratischen Querschnitt aufweist.
11. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 oder 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Andruckwerkzeug (4) so angeordnet und ausgebildet ist, dass es das Kantenband
(2) mit der ersten Andrückfläche (4a) an eine erste Kante (1a) des Werkstücks (1)
andrückt und nach Erreichen einer die erste Kante (1a) mit einer zweiten Kante (1b)
des Werkstücks verbindenden Innenecke (3) mit der zweiten Andrückfläche (4b) den in
Verarbeitungsrichtung hinter der Knickstelle (2c) liegenden Teil (2b) des Kantenbandes
(2) an der zweiten Kante (1b) des Werkstücks (1) andrückt.
12. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass die erste und zweite Andrückfläche (4a, 4b) zueinander in-einem Winkel ausgebildet
sind, der im Wesentlichen dem Winkel der die Innenecke (3) bildenden Kanten (1a, 1b)
entspricht.
13. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 12,
dadurch gekennzeichnet,
dass die erste und zweite Andrückfläche (4a, 4b) des Andruckwerkzeuges (4) aneinander
in einem Winkel, insbesondere einem rechten Winkel angrenzen.
14. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 - 13,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Andruckwerkzeug (4) eine mit diesem gekoppelte Druckrolle (5) aufweist.