[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur optimierten Herstellung wärmebehandelter
Blechformteile aus einem Stahlblechmaterial, wobei das Stahlblechmaterial mit einer
Korrosionsschutzbeschichtung, insbesondere mit einer metallischen Korrosionsschutzbeschichtung,
versehen ist. Die Erfindung betrifft ferner ein Blechformteil aus einem Stahlblechmaterial
mit einer wenigstens einseitig aufgebrachten Korrosionsschutzbeschichtung, insbesondere
mit einer im Wesentlichen metallischen Korrosionsschutzbeschichtung, gemäß dem Oberbegriff
des nebengeordneten Anspruchs.
[0002] Ein Blechformteil im Sinne der Erfindung ist ein aus einem ebenen Blechzuschnitt
(Platine) von einem Stahlblechmaterial durch Umformung hergestelltes, räumliches Bauteil.
Bevorzugt handelt es sich hierbei um ein Bauteil für ein Kraftfahrzeug.
[0003] Insbesondere im Kraftfahrzeugbau werden zunehmend wärmebehandelbare Stahlblechmaterialien
eingesetzt, deren Werkstoffeigenschaften und insbesondere mechanischen Werkstoffeigenschaften,
wie z.B. die Festigkeit und/oder Härte, mittels einer Wärmebehandlung gezielt veränderbar
sind.
[0004] Um eine Korrosion von Stahlblechmaterialien und/oder der hieraus hergestellten Blechformteile
zu verhindern, sind aus dem Stand der Technik diverse Korrosionsschutzbeschichtungen
bekannt. Eine gängige Korrosionsschutzbeschichtung ist z.B. durch einen metallischen
Überzug gebildet. Die Wahl einer wirksamen metallischen Korrosionsschutzbeschichtung
setzt die Kenntnis der korrosionschemischen Zusammenhänge voraus.
[0005] Stahlblechmaterialien mit Korrosionsschutzbeschichtung sind typischerweise nicht
für eine Wärmebehandlung geeignet, da hierbei die Korrosionsschutzbeschichtung z.B.
durch Abdampfen, Oxidation und/oder Verzunderung beschädigt werden kann, insbesondere
dann, wenn die Wärmebehandlung in hohen Temperaturbereichen erfolgt, z.B. oberhalb
400°C und teilweise sogar oberhalb von 900°C.
[0006] Aus der
DE 20 2004 021 264 U1 ist ein neuartiges Stahlblechmaterial mit einer metallischen Korrosionsschutzbeschichtung
bzw. einem metallischen Überzug bekannt, bei dem sich während einer Wärmebehandlung
eine schützende Schutzschicht auf der metallischen Korrosionsschutzbeschichtung ausbildet,
so dass dieses Stahlblechmaterial für eine Wärmebehandlung geeignet ist. Diese Schutzschicht
ist im Wesentlichen aus Oxiden gebildet. Die Schichtdicke einer solchen Schutzschicht
beträgt z.B. 150 nm bis 200 nm, wobei zum Teil auch kleinere Schichtdicken von ca.
100 nm gemessen wurden.
[0007] Vor der Weiterverarbeitung eines aus einem solchen Stahlblechmaterial hergestellten
und wärmebehandelten Blechformteils muss diese Schutzschicht nach heutigem Stand der
Technik zumindest bereichsweise entfernt bzw. abgetragen werden, insbesondere in jenen
Bereichen, in denen nachfolgend ein Beschichten und/oder Fügen des Blechformteils
beabsichtigt ist.
[0008] Die
DE 10 2007 022 174 B3 schlägt hierzu ein Reinigen des Blechformteils mit Trockeneispartikeln vor. Bei Trockeneis
handelt es sich um Kohlendioxid (CO
2) im festen Aggregatszustand. Nachteilig hieran sind der hohe Aufwand und die hohen
Kosten. Ferner hat sich in der Praxis gezeigt, dass bei der Entfernung der Schutzschicht
mittels von Trockeneispartikeln häufig nicht die für nachfolgende Fertigungsschritte
erforderliche Qualität erreicht wird. Außerdem kann es in Abhängigkeit von den Umgebungsbedingungen,
wie insbesondere Luftfeuchte und Temperatur (Taupunkt), zur Kondensatabscheidung auf
dem Blechformteil kommen, was korrosionsproblematisch ist. Zudem erscheint die Verwendung
von Trockeneis unter Umweltgesichtspunkten zunehmend bedenklich.
[0009] Die Anmelderin hat erkannt, dass die Schutzschicht auch auf andere Art und Weise
von einem hergestellten und wärmebehandelten Blechformteil entfernt werden kann, was
Gegenstand einer anderen Erfindung ist. Jedoch sind auch diese Maßnahmen mit Aufwand
und Kosten verbunden.
[0010] Die Aufgabe der Erfindung es, den Gesamtaufwand bei der Herstellung wärmebehandelter
Blechformteile aus einem Stahlblechmaterial mit einer Korrosionsschutzbeschichtung,
insbesondere im Hinblick auf ein nachfolgendes Beschichten und/oder Fügen dieser Blechformteile,
zu reduzieren.
[0011] Diese Aufgabe wird gelöst durch das erfindungsgemäße Verfahren mit den Merkmalen
des Anspruchs 1. Diese Aufgabe wird ferner gelöst durch das erfindungsgemäße Blechformteil
mit den Merkmalen des nebengeordneten Anspruchs. Vorteilhafte und bevorzugte Weiterbildungen
und/oder Ausführungsmöglichkeiten sind Gegenstand der jeweils abhängigen Ansprüche.
[0013] Das erfindungsgemäße Verfahren nach dem Anspruch 1 dient der Herstellung wärmebehandelter
Blechformteile mit einer Korrosionsschutzbeschichtung. Es umfasst (zumindest) die
folgenden Schritte:
- Bereitstellen einer Platine aus einem wärmebehandelbaren Stahlblechmaterial, mit der
wenigstens einseitig aufgebrachten Korrosionsschutzbeschichtung;
- Umformen dieser Platine zu einem Blechformteil;
- Ausführen einer Wärmebehandlung am Blechformteil, zur Veränderung der Werkstoffeigenschaften
des Stahlblechmaterials, wobei sich während der Wärmebehandlung definiert und zumindest
bereichsweise eine Schutzschicht auf der Korrosionsschutzbeschichtung ausbildet.
[0014] Erfindungsgemäß ist vorgesehen, dass das Verfahren derart ausgeführt wird, dass eine
ausreichende Schichtqualität der Schutzschicht im Hinblick auf ein nachfolgendes Beschichten
und/oder Fügen des Blechformteils erzielt bzw. erreicht wird, so dass die Schutzschicht
auf dem Blechformteil verbleiben kann.
[0015] Erfindungsgemäß kann dies dadurch erfolgen, dass der gesamte Verfahrensablauf bzw.
Verfahrensdurchlauf (chronologische Ausführung der einzelnen Schritte) oder einzelne
Schritte und/oder einzelne Teilschritte derart eingestellt werden, dass im Ergebnis
eine ausreichende Schichtqualität der Schutzschicht erzielt wird. Unter "Einstellen"
wird ein manuelles oder automatisches Auswählen, Verändern und/oder Anpassen wenigstens
irgendeiner relevanten Einflussgröße verstanden.
[0016] Die einzelnen Schritte und/oder Teilschritte eines Verfahrensablaufs können unmittelbar
aufeinander folgend oder aber mit Unterbrechungen ausgeführt werden. Eine Unterbrechung
ist z.B. dann gegeben, wenn das herzustellende Blechformteil nach dem Umformen zwischengelagert
oder an einen anderen Bearbeitungsort transportiert wird.
[0017] Das erfindungsgemäße Verfahren dient der Herstellung wenigstens eines wärmebehandelten
Blechformteils und bevorzugt einer Vielzahl von wärmebehandelten Blechformteilen,
die insbesondere durch eine wiederholende Ausführung des Verfahrensablaufs hergestellt
werden.
[0018] Zur Definition eines Blechformteils und zur Funktion einer Korrosionsschutzbeschichtung
wird auf die einleitenden Erläuterungen verwiesen.
[0019] Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren ist vorgesehen, dass die Korrosionsschutzbeschichtung
zumindest einseitig und bevorzugt beidseitig bereits auf dem bereitgestellten Stahlblechmaterial
bzw. der hiervon zugeschnittenen Platine ausgebildet ist. Bevorzugt ist vorgesehen,
dass es sich um eine im Wesentlichen metallische Korrosionsschutzbeschichtung in Form
eines Überzugs handelt, die insbesondere im Wesentlichen aus Aluminium und/oder Zink
und/oder deren Verbindungen gebildet ist. Eine solche metallische Korrosionsschutzbeschichtung
ist z.B. herstellerseitig mittels einer kontinuierlichen Schmelztauchbeschichtung
aufgebracht. Auch diesbezüglich wird auf die
DE 20 2004 021 264 U1 und
DE 10 2007 022 174 B3 verwiesen. Bevorzugt beträgt die Dicke der Korrosionsschutzbeschichtung nicht mehr
als 400 g/m
2, besonders bevorzugt nicht mehr als 300 g/m
2 und insbesondere nicht mehr 200 g/m
2. Insbesondere ist vorgesehen, dass die Korrosionsschutzbeschichtung eine Schichtdicke
von 7 bis 14 µm aufweist.
[0020] Unter einer Platine wird ein Zuschnitt aus einem bereitgestellten Stahlblechmaterial
verstanden. Im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens kann der Zuschnitt nach unterschiedlichen
Maßgaben erfolgen. Bevorzugt ist das Fertigschneiden der Platine vor dem Umformen
vorgesehen, so dass nachfolgend keine weiteren Schnittoperationen erforderlich sind.
Demgegenüber besteht die Möglichkeit, aus dem bereitgestellten Stahlblechmaterial
zunächst einen Vorschnitt zu erzeugen und nach dem Umformen und/oder nach dem Wärmebehandeln
das Blechformteil abschließend zu beschneiden.
[0021] Der Stahlwerkstoff des Stahlblechmaterials, aus dem die Platine gebildet wird, ist
wärmbehandelbar und insbesondere durch eine Wärmebehandlung härtbar. Bevorzugt ist
vorgesehen, dass es sich um einen 22MnB5-Stahlwerkstoff handelt, oder das der Stahlwerkstoff
zumindest hierauf basiert. Dieser wärmebehandelbare Stahlwerkstoff eignet sich insbesondere
für Karosseriebauteile für Kraftfahrzeuge, wobei die Bezeichnung "22MnB5" eine Gruppenbezeichnung
von ähnlichen Stahlwerkstoffen ist. Alternativ kann auch ein hierzu vergleichbarer
Stahlwerkstoff bzw. eine Stahlwerkstoffgruppe eingesetzt werden, wie z.B. ein 19MnB5.
[0022] Das Umformen der bereitgestellten Platine zu einem Blechformteil erfolgt bevorzugt
mittels Tiefziehen. Hierfür können eine einzelne Ziehstufe oder mehrere Ziehstufen
vorgesehen sein. Alternativ sind auch andere Umformverfahren möglich, wie z.B. ein
Biegen im Gesenk, ein Abkanten und dergleichen mehr.
[0023] Unter einer Wärmebehandlung werden Maßnahmen zur definierten Einstellung technologischer
Werkstoffeigenschaften und insbesondere der mechanischen Werkstoffeigenschaften des
Stahlblechmaterials (genau genommen des hierin umfassten Stahlwerkstoffs) bei erhöhten
Temperaturen verstanden. Solche mechanischen Werkstoffeigenschaften sind z.B. der
Elastizitätsmodul, die Festigkeit (Zugfestigkeit, Scherfestigkeit etc.), die Härte
und dergleichen mehr. Aus dem Stand der Technik ist eine Vielzahl von Wärmebehandlungsmaßnahmen
für Stahlwerkstoffe bekannt, wie z.B. Spannungsarmglühen, Weichglühen, Normalglühen,
Hochglühen, Rekristallisationsglühen, Härten, Anlassen und dergleichen mehr.
[0024] Das Ausführen der Wärmebehandlung am Blechformteil erfolgt im Wesentlichen nach dem
Umformen. Mit "im Wesentlichen" ist gemeint, dass das Ausführen der Wärmebehandlung
auch mit dem Umformen, insbesondere mit einem abschließenden Umformschritt wie z.B.
einem Kalibrierpressen, zumindest teilweise kombiniert werden kann. Ferner kann es
gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren vorgesehen sein, das bereits fertig umgeformte
und wärmebehandelte Blechformteil einer weiteren Wärmebehandlung zu unterziehen, um
gezielt weitere Werkstoffeigenschaften, insbesondere mechanische Werkstoffeigenschaften,
einzustellen.
[0025] Beim Ausführen der Wärmebehandlung und/oder einer weiteren Wärmebehandlung (wie zuvor
erläutert), bildet sich auf der Korrosionsschutzbeschichtung des Stahlblechmaterials
definiert und zumindest bereichsweise eine Schutzschicht aus. Hierbei handelt es sich
insbesondere um eine Oxidschicht. Diese Schutzschicht dient dem Schutz der Korrosionsschutzbeschichtung,
um diese während der Wärmebehandlung z.B. vor einem Abdampfen, einer übermäßigen Oxidation
und/oder einer Verzunderung, sowie gegebenenfalls auch einem mechanischen Abrieb im
Umformwerkzeug, zu schützen.
[0026] Unter einer definierten Ausbildung der Schutzschicht ist zu verstehen, dass diese
während der Wärmebehandlung und hierbei insbesondere während des Erwärmens nicht zufällig
oder als Nebenprodukt entsteht, sondern dass das mit der Korrosionsschutzbeschichtung
bereitgestellte Stahlblechmaterial gezielt hierfür ausgebildet ist, wie z.B. in der
DE 10 2004 021 U1 oder der
DE 10 2007 022 174 B3 beschrieben. Diese Schutzschicht besteht z.B. im Wesentlichen aus Oxiden (z.B. Aluminiumoxid,
Magnesiumoxid, Calciumoxid, Titanoxid, Siliziumoxid, Bortrioxid, Manganoxid und/oder
dergleichen mehr), einschließlich etwaiger Verunreinigungen, die z.B. aus der Atmosphäre
und/oder einer Beölung der Platine für das Umformen herrühren.
[0027] Um das wärmebehandelte Blechformteil, auf dem sich gemäß den vorausgehenden Erläuterungen
eine Schutzschicht ausgebildet hat, in einem nachfolgenden Fertigungsschritt beschichten
und/oder fügen zu können, ist erfindungsgemäß vorgesehen, dass das Verfahren, d.h.
zumindest ein Schritt oder Teilschritt, derart ausgeführt wird, dass eine ausreichende
Schichtqualität der Schutzschicht im Hinblick auf dieses nachfolgende Beschichten
und/oder Fügen des Blechformteils erreicht bzw. erzielt wird, so dass im Ergebnis
die Schutzschicht auf dem Blechformteil verbleiben kann.
[0028] Unter einem Beschichten wird das Aufbringen eines fest haftenden Beschichtungswerkstoffs
auf das Blechformteil verstanden. Unter Beschichten wird insbesondere ein Lackieren
des Blechformteils verstanden, wobei die aufgebrachte Lackschicht mehrere Einzelschichten
umfassen kann. Unter Fügen wird das bevorzugt stoffschlüssige Verbinden des Blechformteils
mit einem anderen Bauteil verstanden. Eine stoffschlüssige Fügverbindung ist insbesondere
eine Schweißverbindung, gegebenenfalls auch eine Lötverbindung oder eine Klebeverbindung.
Dies schließt nicht aus, dass die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten
Blechformteile zumindest ergänzend auch durch Fügelemente, wie z.B. Schrauben, Nieten
und dergleichen, gefügt sein können.
[0029] Während im Stand der Technik unabdingbar das Entfernen der Schutzschicht gefordert
wird, um das hergestellte und wärmebehandelte Blechformteil beschichten und/oder fügen
zu können, liegt eine wesentliche Idee der Erfindung darin, auf ein Entfernen bzw.
Abtragen der Schutzschicht zu verzichten und stattdessen diese dauerhaft auf dem Blechformteil
zu belassen. Hierfür muss die Schutzschicht jedoch eine ausreichende Schichtqualität
aufweisen. Die Bezeichnung "Schichtqualität" fasst verschiedenste Aspekte zusammen
(wenigstens jedoch ein Aspekt), welche für ein nachfolgendes Beschichten und/oder
Fügen von Relevanz sein können. Solche Aspekte beziehen sich nicht ausschließlich
nur auf die Schutzschicht, sondern können auch weitere Gesichtspunkte, wie z.B. den
Stahlwerkstoff des Stahlblechmaterials, etwaige Zwischenschichten, eine Haftwirkung
und dergleichen mit einbeziehen. Mit "ausreichend" ist gemeint, dass die Schichtqualität
der Schutzschicht wenigstens einer Mindestanforderung genügt, wobei eine solche Mindestanforderung
auch ein Mindestanforderungsbereich sein kann.
[0030] Hierbei kann durchaus der Fall eintreten, dass hinsichtlich der nachfolgenden Fertigungsschritte
an die auf dem Blechformteil verbleibende Schutzschicht und/oder deren Schutzschichtqualität
unterschiedliche Anforderungen bestehen. Bspw. könnte die Forderung bestehen, dass
die Schutzschicht verhältnismäßig dünn sein muss, um ein Verschweißen und/oder Lackieren
des Blechformteils zu ermöglichen. Anderseits könnte die Forderung bestehen, dass
die Schutzschicht verhältnismäßig dick sein muss, um z. B. eine daraus resultierende
Korrosionsschutzwirkung zu verbessern. In solchen Fällen muss ggf. ein Kompromiss
gefunden werden.
[0031] Die erfindungsgemäße Lösung hat viele Vorteile. Ein Vorteil liegt z.B. in der Aufwands-
und Kostenersparnis, die durch den Entfall des Entfernens der Schutzschicht erreicht
wird. Der Entfall des Entfernens der Schutzschicht kann sich ferner positiv auf einen
nachfolgenden Fertigungsschritt auswirken und z.B. auch die Verkettung der Fertigungsschritte
vereinfachen. Ein weiterer Vorteil ist z.B. darin zu sehen, dass auf das umweltbedenkliche
Trockeneis, welches bisher zum Entfernen der Schutzschicht verwendet wird, verzichtet
werden kann. Ein weiterer Vorteil ist darin zu sehen, dass die Schutzschicht eine
zusätzliche Korrosionsschutzwirkung für das Blechformteil haben kann. Ferner können
die Blechformteile mit einer höheren Maßhaltigkeit bzw. Bauteilqualität bereit gestellt
werden, da das Entfernen der Schutzschicht nachteiligen Einfluss auf die Maßhaltigkeit
haben kann. Diese Aufzählung ist nicht abschließend.
[0032] Gemäß einer bevorzugten Weiterbildung ist vorgesehen, dass die Wärmebehandlung ein
Härtevorgang ist, um eine Härtung und gegebenenfalls auch eine Erhöhung der Festigkeit
des Stahlblechmaterials herbeizuführen. Ein Härtevorgang umfasst zumindest die Teilschritte
Erwärmen und Abkühlen, gegebenenfalls Abschrecken, des Stahlblechmaterials, wodurch
nach den bekannten Mechanismen eine Härtung und/oder Festigkeitserhöhung eintritt.
[0033] Bevorzugt ist vorgesehen, dass die Wärmebehandlung ein Presshärtevorgang ist, bei
dem das Stahlblechmaterial quasi in einem zusammengefassten Schritt umgeformt und
gehärtet wird. Dies kann z.B. dadurch erfolgen, dass das Stahlblechmaterial auf eine
Temperatur oberhalb der Austenitisierungstemperatur, üblicherweise bei 870° C oder
oberhalb von 900° C, erwärmt und anschließend in einem kühlen Umformwerkzeug umgeformt
wird. Das Umformwerkzeug verformt hierbei das heiße Stahlblechmaterial, welches aufgrund
des Oberflächenkontakts zum Umformwerkzeug sehr schnell abkühlt, wodurch eine Härtung
und/oder Festigkeitserhöhung eintritt. Alternativ kann das Stahlblechmaterial zunächst
im kalten Zustand umgeformt und das auf diese Weise bereits vorgeformte Blechformteil
abschließend einem Presshärtevorgang unterzogen werden, bei dem es z.B. auf Maßhaltigkeit
kalibriert wird. Wie bereits oben erläutert kann nachfolgend eine weitere Wärmebehandlung
vorgesehen sein. Eine solche weitere Wärmebehandlung ist z.B. ein Anlassen.
[0034] Die sich während der Wärmebehandlung und insbesondere beim Härten bzw. Presshärten
einstellende Schutzschicht und die Schichtqualität kann durch Einstellen und insbesondere
Anpassen des Verfahrensablaufs, eines einzelnen Schritts und/oder Teilschritts des
erfindungsgemäßen Verfahrens beeinflusst werden. Dies kann z.B. gemäß der nachfolgend
näher erläuterten Maßnahmen erfolgen, die gleichfalls Gegenstand bevorzugter Weiterbildungen
sind.
[0035] Gemäß einer bevorzugten Weiterbildung ist vorgesehen, dass die ausreichende Schichtqualität
der Schutzschicht (im Hinblick auf ein nachfolgendes Beschichten und/oder Fügen) durch
Auswahl eines Stahlblechmaterials erzielt wird. Dies kann z.B. durch die Auswahl eines
Stahlwerkstoffs einschließlich dessen Legierungselemente und/oder der Blechdicke,
sowie durch die Auswahl der Korrosionsschutzbeschichtung und/oder deren Schichtdicke
erfolgen. Dies hat Einfluss auf die erhaltene Schichtqualität der Schutzschicht.
[0036] Gemäß einer bevorzugten Weiterbildung ist vorgesehen, dass die ausreichende Schichtqualität
der Schutzschicht (im Hinblick auf ein nachfolgendes Beschichten und/oder Fügen) durch
Auswahl eines Umformverfahrens und/oder wenigstens einer begleitenden umformtechnischen
Maßnahme erzielt wird. So kann z.B. zwischen einer Kaltumformung oder Warmumformung
ausgewählt werden, worüber Einfluss auf die Schutzschichtausbildung und die Schichtqualität
während der nachfolgenden Wärmebehandlung genommen werden kann. Begleitende umformtechnische
Maßnahmen sind z.B. das Auftragen und gegebenenfalls Entfernen eines Schmierstoffs,
worüber z.B. durch die Auswahl des Schmierstoffs und/oder der Schmierstoffmenge Einfluss
auf die Schutzschichtausbildung und Schichtqualität während der nachfolgenden Wärmebehandlung
genommen werden kann.
[0037] Gemäß einer bevorzugten Weiterbildung ist vorgesehen, dass die ausreichende Schichtqualität
der Schutzschicht (im Hinblick auf ein nachfolgendes Beschichten und/oder Fügen) durch
Einstellen wenigstens einer Prozessvariablen der Wärmebehandlung, die insbesondere
ein Härtevorgang ist, erzielt wird. Eine Prozessvariable ist jegliche Einflussgröße,
über die Einfluss auf die Schutzschichtausbildung und die Schichtqualität während
der Wärmebehandlung genommen werden kann. Unter "Einstellen" wird ein manuelles oder
automatisches Verändern und insbesondere Anpassen dieser Prozessvariablen im Hinblick
auf eine optimale Schutzschichtausbildung und Schichtqualität verstanden.
[0038] Bevorzugt ist vorgesehen, dass diese Prozessvariable eine Einlegetemperatur, die
Ofentemperatur, die Ofenatmosphäre, die Durchlaufzeit, eine Entnahmetemperatur, eine
Abkühlzeit (ggf. auch eine spezielle Atmosphäre beim Abkühlen), der Pressdruck und/oder
die Werkzeugtemperatur ist. Hierunter ist im Einzelnen zu verstehen: die Einlegetemperatur
des Blechformteils und/oder der Platine in den Heizofen, die Ofentemperatur des Heizofens,
die insbesondere chemische Zusammensetzung der Ofenatmosphäre (z.B. Schutzgasatmosphäre),
die Durchlaufzeit des Blechformteils und/oder der Platine durch den Heizofen, die
Entnahmetemperatur des Blechformteils und/oder der Platine aus dem Heizofen, die freie
Abkühlzeit und/oder die geführte Abkühlzeit nach der Entnahme des Blechformteils aus
dem Umformwerkzeug, der Pressdruck beim Presshärten, die Werkzeugtemperatur des Umformwerkzeugs
beim Presshärten, die Entnahmetemperatur des Blechformteils nach dem Presshärten und/oder
eine freie Abkühlzeit zwischen zwei Teilschritten der Wärmebehandlung. Dies ist selbstverständlich
keine abschließende Aufzählung. So kann z.B. auch durch Auswahl eines Kühlmediums,
wie z.B. eines Gases oder Öls, und dessen Temperatur Einfluss auf die Schutzschichtausbildung
und die Schichtqualität genommen werden.
[0039] Des weiteren kann z.B. durch ein Reinigen und insbesondere Waschen des Blechförmteils
vor dem Wärmebehandeln, was insbesondere dem Entfernen von Schmutz- und Ölrückständen
z.B. aus dem Umformprozess dient, Einfluss auf die Schichtqualität der Schutzschicht
genommen werden. Gegebenenfalls kann an dieser Stelle auch durch eine gegenteilige
Maßnahme, d.h. dem Auftragen eines bestimmten Schmierstoffs oder dergleichen, Einfluss
auf die Schichtqualität genommen werden. Ebenfalls kann zuerst gereinigt und dann
eine Beschichtung, insbesondere Beölung, auf das Blechformteil aufgebracht werden.
[0040] Des weiteren kann auch über ein Zwischenlagern des Stahlblechmaterials und/oder des
Blechformteils zwischen den einzelnen Schritten des erfindungsgemäßen Verfahrens und/oder
einzelnen Teilschritten Einfluss auf die Schichtqualität der Schutzschicht genommen
werden. Während eines Zwischenlagerns können z.B. relevante Alterungsprozesse ablaufen.
[0041] Gemäß einer bevorzugten Weiterbildung ist vorgesehen, dass der Wärmebehandlung wenigstens
ein weiterer Schritt folgt, um eine ausreichende Schichtqualität der Schutzschicht
(im Hinblick auf ein nachfolgendes Beschichten und/oder Fügen des Blechformteils)
zu erzielen.
[0042] Bevorzugt ist vorgesehen, dass dieser weitere Schritt ein chemisches Behandeln, ein
Vorbeschichten, eine weitere Wärmebehandlung und/oder ein Auslagern des Blechformteils
ist. Ein chemisches Behandeln ist z.B. ein Laugen oder Ätzen des Blechformteils. Ein
Vorbeschichten kann mit einem oder mehreren unterschiedlichsten Beschichtungsmaterialien
erfolgen, das bzw. die im Hinblick auf das nachfolgende Beschichten und/oder Fügen
des Blechformteils entsprechend auszuwählen sind. Ein solches Vorbeschichten kann
insbesondere auch ein Beölen bzw. Rückbeölen des wärmebehandelten Blechformteils sein.
Hierbei kann durchaus der Fall eintreten, dass eine Vorbeschichtung vor dem Beschichten
und/oder Fügen wieder zu entfernen ist. Eine weitere Wärmbehandlung ist z.B. ein Anlassen
des wärmebehandelten Blechformteils. Unter einem Auslagern wird ein Zwischenlagern
des Blechformteils vor dem Beschichten und/oder Fügen verstanden. Während der Lagerzeit
können Alterungsprozesse ablaufen, was Einfluss auf die Schichtqualität der Schutzschicht
haben kann. Ein Auslagern kann zudem unter veränderten Atmosphärenbedingungen erfolgen,
z.B. in einer aktiven oder inerten Atmosphäre, was ebenfalls die Schichtqualität der
Schutzschicht beeinflussen kann. Ein solcher weiterer Schritt kann z.B. auch ein Reinigen
und insbesondere Waschen des Blechformteils sein, was insbesondere dem Entfernen von
Schmutz- und Ölrückständen dient. Diese Maßnahmen sind auch miteinander kombinierbar.
[0043] Gemäß einer bevorzugten Weiterbildung ist vorgesehen, dass die Schichtqualität der
Schutzschicht anhand wenigstens eines Parameters quantifiziert wird, der Aufschluss
darüber gibt, ob das Blechformteil nachfolgend beschicht- und/oder fügbar ist. Hierbei
kann der Fall gegeben sein, dass unterschiedliche Parameter für das Beschichten und
das Fügen zu bestimmen sind. Ein solcher quantifizierter Parameter soll zuverlässig
sein und kann messtechnisch bestimmt bzw. ermittelt und/oder auch durch Abschätzung
bestimmt werden. Bevorzugt wird die Schichtqualität der Schutzschicht anhand mehrerer
Parameter bestimmt. Ein solcher Parameter wird bevorzugt zum Ende des Herstellungsverfahrens
und/oder am fertig hergestellten Blechformteil und vor dem nachfolgenden Beschichten
und/oder Fügen bestimmt. Alternativ und/oder ergänzend besteht die Möglichkeit, einen
solchen Parameter während des Verfahrensablaufs für das herzustellende Blechformteil
zu prognostizieren und basierend hierauf in den Verfahrensablauf einzugreifen, z.B.
nach einem der oben erläuterten Maßnahmen, um ein Blechformteil mit einer ausreichenden
Schichtqualität der Schutzschicht zu erhalten. Dies wird nachfolgend noch näher erläutert.
[0044] Bevorzugt ist vorgesehen, dass dieser Parameter ein elektrischer Widerstandswert,
ein Schallleitungswert, ein Wärmeleitungswert, ein Schichtdickenwert der Schutzschicht,
ein Rauwert der Schutzschicht, ein Haftwert der Schutzschicht, ein Härtewert der Schutzschicht,
ein Farbwert der Schutzschicht und/oder ein Spektralwert ist. Dies ist keine abschließende
Aufzählung. Jeder dieser Werte lässt sich manuell oder automatisch bestimmen. Nachfolgend
werden Möglichkeiten zur Bestimmung dieser Werte aufgezeigt.
[0045] Ein elektrischer Widerstandswert, ein Schallleitungswert und ein Wärmeleitungswert
können z.B. durch Aufsetzen von Messsensoren bestimmt werden, wobei sich der bestimmte
bzw. ermittelte Wert nicht ausschließlich auf die Schutzschicht beziehen muss. Ein
Schichtdickenwert der Schutzschicht kann z.B. berührungslos mittels einer Röntgen-
oder Ultraschallmessung bestimmt werden. Ein Rauwert der Schutzschicht kann taktil
und/oder berührungslos durch entsprechende Messvorrichtungen bestimmt werden. Ein
Haftwert der Schutzschicht kann z.B. mittels eines Klebestreifen-Abziehtests bestimmt
werden. Ein Härtewert der Schutzschicht kann z.B. mittels eines Ritztests bestimmt
werden. Ein Farbwert der Schutzschicht kann augenscheinlich z.B. durch den Vergleich
mit Farbtafeln bestimmt werden. Ein Farbwert kann z.B. auch mittels einer Auflichtmessung
bestimmt werden. Der bestimmte bzw. ermittelte Farbwert kann auch von der Korrosionsschutzbeschichtung
unterhalb der Schutzschicht mit beeinflusst sein. Ein Spektralwert kann durch eine
Spektralanalyse bestimmt werden, die nicht auf die Schutzschicht beschränkt sein muss.
[0046] Bevorzugt ist vorgesehen, dass wenigstens einer der vorangehend genannten Schritte
des erfindungsgemäßen Verfahrens derart ausgeführt und gegebenenfalls angepasst wird,
dass sich der Parameter für die Schichtqualität der Schutzschicht des hergestellten
oder herzustellenden Blechformteils zumindest innerhalb eines definierten Bereichs
(Range) befindet, wobei sicherzustellen ist, dass sich auch wenigstens eine definierte
mechanische Werkstoffeigenschaft des Blechformteils zumindest innerhalb eines definierten
Bereichs befindet. Ein definierter Bereich kann geschlossen oder einseitig offen sein.
Mit "zumindest" ist gemeint, dass anstelle eines definierten Bereichs auch ein Einzelwert
vorgegeben sein kann, dem zu entsprechen ist.
[0047] Hierunter ist zu verstehen, dass das Einstellen und insbesondere Anpassen einzelner
Schritte und/oder Teilschritte des erfindungsgemäßen Verfahrens, z.B. mittels der
zuvor erläuterten Maßnahmen, nicht zu Ungunsten der erhaltenen mechanischen Werkstoffeigenschaften
des hergestellten oder herzustellenden Blechformteils erfolgen darf. Hiermit sind
insbesondere die mittels der Wärmebehandlung definiert einzustellenden mechanischen
Werkstoffeigenschaften, wie z.B. die Härte und/oder die Festigkeit, gemeint. Dies
basiert auf der Idee, dass sich für den gesamten Verfahrensablauf, einzelne Schritte
und/oder einzelne Teilschritte ein oder mehrere Prozessfenster definieren lassen,
innerhalb derer nur Einstellungen und insbesondere Anpassungen vorgenommen werden
können, um jeweils hinsichtlich der mechanischen Werkstoffeigenschaften und der Schichtqualität
der Schutzschicht ein Gutteil zu erhalten.
[0048] Gemäß einer bevorzugten Weiterbildung ist vorgesehen, dass die einzelnen Schritte
des erfindungsgemäßen Verfahrens voreingestellt ausgeführt werden, um ein Blechformteil
mit einer ausreichenden Schichtqualität der Schutzschicht zu erhalten. Dies schließt
auch sämtliche Teilschritte eines Schritts mit ein. Das Einstellen erfolgt bevorzugt
innerhalb vorgegebener Grenzen (Prozessfenster), wozu auf die Erläuterungen im vorhergehenden
Absatz verwiesen wird. Die Voreinstellungen werden z.B. beim Bereistellen des Stahlblechmaterials
einmalig vorgenommen und bleiben ohne Eingriff und/oder Regelung bestehen. Dieses
Voreinstellen kann z.B. auf Erfahrungswerten oder auf Abschätzungen bzw. Prognosen
basieren und stützt sich z.B. auf das bereitgestellte Stahlblechmaterial (z.B. die
Dicke des Stahlblechmaterials, den Stahlwerkstoff, das Material und die Dicke der
Korrosionsschutzbeschichtung) und/oder dessen Grundbeölung (z.B. die Menge und/oder
die Schmierstoffart), sowie auf sonstige Angaben und/oder Werte, was manuell und/oder
automatisch erfasst werden kann. Die gewünschte bzw. zu erhaltende Schichtqualität
wird bevorzugt anhand eines Parameters bemessen, der zumindest in einem definierten
Bereich liegen muss, wie obenstehend erläutert.
[0049] Gemäß einer anderen bevorzugten Weiterbildung ist vorgesehen, dass die Ausführung
wenigstens eines Schritts (oder eines Teilschritts) während des Verfahrensablaufs
des erfindungsgemäßen Verfahrens angepasst wird, um ein Blechformteil mit einer ausreichenden
Schichtqualität der Schutzschicht zu erhalten. Dieses Einstellen kann z.B. in einem
direkten Regelkreis erfolgen, wozu während des Verfahrensablaufs wenigstens eine Istgröße
erfasst wird, aufgrund derer ein automatisches Anpassen einzelner Schritte oder auch
einzelner Teilschritte erfolgt. Dieses Anpassen erfolgt bevorzugt innerhalb vorgegebener
Grenzen (Prozessfenster), wozu auf die diesbezüglichen vorausgehenden Erläuterungen
verwiesen wird. Als Istgröße kommt jede aussagekräftige Angabe und/oder jeder aussagekräftige
Wert in Betracht, die bzw. der geeignet ist, automatisch erfasst und ausgewertet zu
werden und die bzw. der in irgendeiner Korrelation zur Schichtqualität steht. Die
gewünschte bzw. zu erhaltende Schichtqualität wird bevorzugt anhand eines Parameters
bemessen, der zumindest in einem definierten Bereich liegen muss, wie zuvor erläutert.
[0050] Gemäß einer anderen bevorzugten Weiterbildung ist vorgesehen, dass die Schritte eines
Verfahrensablaufs wiederholend ausgeführt werden, um mehrere Blechformteile herzustellen,
wobei zumindest stichprobenartig die Schichtqualität der Schutzschicht eines hergestellten
Blechformteils bestimmt wird und gegebenenfalls basierend hierauf die Ausführung wenigstens
eines Schritts (oder Teilschritts) eines nachfolgenden Verfahrensablaufs angepasst
wird, um nachfolgend ein Blechformteil mit einer ausreichenden Schichtqualität der
Schutzschicht (Gutteil) zu erhalten. Die Schichtqualität des hergestellten Blechformteils
wird bevorzugt anhand eines Parameters (ggf. auch mehrerer Parameter) bemessen, der
in einem definierten Bereich liegen muss, wie zuvor erläutert. Der Parameter wird
bevorzugt automatisch bestimmt, wobei auch eine manuelle Bestimmung möglich ist. Die
auf der Bestimmung der Schichtqualität des hergestellten Blechformteils basierende
Anpassung eines nachfolgenden Verfahrensablaufs, wobei es sich bevorzugt um den unmittelbar
nachfolgenden Verfahrensablauf handelt, erfolgt insbesondere in einem Regelkreis,
wobei im Gegensatz zu dem im vorhergehenden Absatz erläuterten Regelkreis die Istgröße
nach dem Verfahrensablauf bestimmt wird und somit nur noch zum Anpassen eines nachfolgenden
Verfahrensablaufs genutzt werden kann.
[0051] Gemäß einer bevorzugten Weiterbildung ist vorgesehen, dass ein hergestelltes Blechformteil
anhand der Schichtqualität seiner Schutzschicht klassifiziert wird, um dieses für
ein nachfolgendes Beschichten und/oder Fügen freizugeben, einer Nachbearbeitung zuzuführen
oder einem anderweitigen Verwendungszweck zuzuführen. Je nach Klassifizierung ist
unter Umständen auch eine Aussonderung eines hergestellten Blechformteils erforderlich.
Die Klassifizierung bezüglich der Schichtqualität erfolgt bevorzugt manuell oder automatisch,
z.B. anhand wenigstens eines Parameters, wozu auf die diesbezüglichen vorangehenden
Erläuterungen verwiesen wird. Eine mögliche Nachbearbeitung besteht z.B. darin, einzelne
Schritte und/oder Teilschritte des erfindungsgemäßen Verfahrens mit dem betreffenden
Blechformteil, gegebenenfalls manuell, erneut auszuführen.
[0052] Gemäß einer bevorzugten Weiterbildung ist vorgesehen, dass eine computerbasierte
und/oder SPS-basierte Verfahrenssteuerung erfolgt.
[0053] Das erfindungsgemäße Blechformteil ist aus einem Stahlblechmaterial mit einer wenigstens
einseitig aufgebrachten Korrosionsschutzbeschichtung gebildet, wobei auf dieser Korrosionsschutzbeschichtung
infolge einer Wärmebehandlung zumindest bereichsweise eine definierte Schutzschicht
ausgebildet ist. Erfindungsgemäß ist vorgesehen, dass diese Schutzschicht dauerhaft
auf dem Blechformteil verbleibt.
[0054] Die Korrosionsschutzbeschichtung ist insbesondere aus einem metallischen Material
gebildet, wozu auf die diesbezüglichen obenstehenden Erläuterungen verwiesen wird.
Die Schutzschicht ist insbesondere eine Oxidschicht, wozu ebenfalls auf die diesbezüglichen
obenstehenden Erläuterungen verwiesen wird. Das erfindungsgemäße Blechformteil ist
insbesondere nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellt.
[0055] Gemäß einer bevorzugten Weiterbildung ist vorgesehen, dass dieses Blechformteil mit
der Schutzschicht beschichtet und/oder gefügt ist. Insbesondere ist dieses Blechformteil
mit wenigstens einem anderen Bauteil, insbesondere Blechformteil, zu einem Teileverbund
gefügt und z.B. in einer Karosserie für ein Kraftfahrzeug eingebunden. Ein Fügen des
Blechformteils erfolgt bevorzugt stoffschlüssig, wie obenstehend erläutert. Alternativ
und/oder ergänzend kann das Blechformteil auch durch Fügelemente wie z.B. Schrauben,
Nieten und dergleichen gefügt sein.
[0056] Gemäß einer bevorzugten Weiterbildung ist vorgesehen, dass dieses Blechformteil ein
Karosseriebauteil oder ein Karosserieanbauteil für ein Kraftfahrzeug ist. Ein Karosseriebauteil
ist insbesondere ein Strukturbauteil. Ein Karosserieanbauteil ist z.B. ein Stoßfängerträger
oder dergleichen.
[0057] Das erfindungsgemäße Blechformteil lässt sich sinngemäß nach den oben im Zusammenhang
mit dem erfindungsgemäßen Verfahren erläuterten Merkmalen weiterbilden.
[0058] Nachfolgend wird die Erfindung anhand der Figuren beispielhaft näher erläutert. Es
zeigen:
- Fig. 1
- einen Schnitt durch das Stahlblechmaterial eines nach dem erfindungsgemäßen Verfahren
hergestellten und wärmebehandelten Blechformteils;
- Fig. 2
- das erfindungsgemäße Verfahren in einer bevorzugten Ausführungsmöglichkeit, in einer
schematischen Übersicht; und
- Fig. 3
- die anschauliche Darstellung eines Prozessfensters zur Herstellung von Gutteilen nach
dem erfindungsgemäßen Verfahren.
[0059] Fig. 1 zeigt einen Schnitt durch das Stahlblechmaterial 1 eines entsprechend dem
erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten Blechformteils nach einer Wärmebehandlung
und insbesondere nach einem Presshärtevorgang, wie nachfolgend im Zusammenhang mit
der Fig. 2 erläutert. Das Stahlblechmaterial 1 umfasst einen wärmebehandelbaren bzw.
härtbaren Stahlwerkstoff (Substrat) 10, der herstellerseitig mit einer einseitig aufgebrachten
Korrosionsschutzbeschichtung 12 versehen ist. Diese Korrosionsschutzbeschichtung 12
kann auch zweiseitig auf den Stahlwerkstoff 10 aufgebracht sein. Besonders bevorzugt
ist vorgesehen, dass der Stahlwerkstoff 10 ein 22MnB5 ist. Besonders bevorzugt ist
die Korrosionsschutzbeschichtung 12 im Wesentlichen aus Zink oder einer Zinkverbindung
gebildet, eventuell zuzüglich eines Eisen- und/oder Aluminiumanteils und weiterer
Bestandteile. Zwischen der Korrosionsschutzbeschichtung 12 und dem Stahlblechwerkstoff
10 kann eine nicht näher dargestellte Hemmschicht 11 oder ein Hemmschichtmechanismus
ausgebildet sein, wie in der
DE 10 2007 022 174 B3 beschrieben.
[0060] Während der Wärmebehandlung hat sich auf der Korrosionsschutzbeschichtung 12 definiert
eine Schutzschicht 13 ausgebildet. Diese Schutzschicht 13 besteht aus Oxiden, wie
z.B. aus Aluminiumoxid, welches sich während der Wärmebehandlung im Wesentlichen aus
einem geringfügigen Aluminiumanteil in der Korrosionsschutzbeschichtung 12 gebildet
hat, wie dies z.B. in der
DE 20 2004 021 264 U1 beschrieben ist. Daneben umfasst die Schutzschicht 13 auch weitere Bestandteile,
wie insbesondere Verunreinigungen.
[0061] Sowohl die Korrosionsschutzbeschichtung 12 als auch die Schutzschicht 13 weisen aufgrund
der Wärmebehandlung Risse 14 und 15 auf. Zudem können zwischen der Korrosionsschutzbeschichtung
12 und der Schutzschicht 13 Hohlräume 16 ausgebildet sein. Dies kann neben anderem
eine schlechte Haftung der Schutzschicht 13 an der Korrosionsschutzbeschichtung 12
bedingen, weshalb die Schutzschicht 13 gemäß dem Stand der Technik, insbesondere im
Hinblick auf ein nachfolgendes Beschichten und/oder Fügen des Blechformteils, zu entfernen
ist, was jedoch mit diversen Nachteilen einhergeht, wie eingangs erläutert. Zur Abhilfe
wird das erfindungsgemäße Verfahren vorgeschlagen.
[0062] Fig. 2 gibt eine Übersicht über das erfindungsgemäße Verfahren gemäß einer bevorzugten
Ausführungsmöglichkeit. Die Übersicht umfasst sechs Verfahrenschritte I bis VI, wobei
der erste Verfahrenschritt I und der letzte Verfahrenschritt VI im Wesentlichen der
Erläuterung dienen, und nicht maßgebliche Bestandteile des erfindungsgemäßen Verfahrens
sind. Das erfindungsgemäße Verfahren kann zudem nicht dargestellte und im Folgenden
nicht näher erläuterte Zwischen- und Teilschritte umfassen.
[0063] Das Verfahren beginnt im Schritt II mit dem Bereitstellen einer zugeschnittenen Platine
2 aus einem wärmebehandelbaren Stahlblechmaterial 1, mit einer wenigstens einseitig
aufgebrachten Korrosionsschutzbeschichtung 12. Das Stahlblechmaterial 1 wird im Schritt
I z.B. im Coil oder im Stapel bereitgestellt.
[0064] Zur Ausbildung eines Blechformteils 3 wird die Platine 2 im Schritt III in einem
Tiefziehvorgang einer Kaltumformung unterzogen. Diese Kaltumformung kann in mehreren
Ziehstufen erfolgen. Die Endgeometrie des herzustellenden Blechformteils 3 wird hierbei
z.B. mit einer Maßhaltigkeit von ca. 95 % oder größer ausgebildet. Alternativ kann
dieses Umformen der Platine 2 zu einem Blechformteil 3 auch anders erfolgen.
[0065] Dem Umformen schließt sich im Schritt IV ein Presshärtevorgang an, bei dem das Stahlblechmaterial
1 gehärtet und das Blechformteil 3 quasi gleichzeitig auf 100 % Maßhaltigkeit kalibriert
wird. Hierbei bildet sich auf der Korrosionsschutzbeschichtung 12 des Stahlblechmaterials
1 definiert eine Schutzschicht 13 aus, wie in Fig. 1 gezeigt. Die Ausbildung dieser
Schutzschicht 13 ist werkstoffseitig bereits im angelieferten Stahlblechmaterial 1
veranlagt.
[0066] Der Presshärtevorgang im Schritt IV umfasst diverse Teilschritte, die hier im Einzelnen
nicht näher erläutert sind. Ein solcher Teilschritt ist z.B. das Erwärmen des Blechformteils
3 in einem Durchlaufofen. Alternativ können die Schritte III und IV auch zusammengefasst
werden, was durch eine Bindeklammer dargestellt ist. So kann z.B. die Platine 2 zunächst
erwärmt und anschließend in einem kühlen Umformwerkzeug umgeformt und gleichzeitig
abgekühlt oder sogar abgeschreckt werden, wodurch eine Härtung und gegebenenfalls
auch Festigkeitserhöhung des Stahlblechmaterials 1 (genau genommen des Stahlwerkstoffs
10) eintritt. Anstelle eines Presshärtevorgangs kann das Blechformteil 3 auch einer
anderen Wärmebehandlung unterzogen werden. Ferner kann dem Presshärtevorgang optional
eine weitere Wärmebehandlung des Blechformteils 3 folgen, wie z.B. ein Anlassen.
[0067] Erfindungsgemäß ist vorgesehen, dass das Verfahren, und insbesondere wenigstens einer
der Schritte II, III oder IV, derart ausgeführt wird, dass eine ausreichende Schichtqualität
der Schutzschicht 13 im Hinblick auf ein nachfolgendes Beschichten und/oder Fügen
des Blechformteils 3 erreicht bzw. erzielt wird, so dass die Schutzschicht 13 auf
dem Blechformteil 3 verbleiben kann. Dies ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass gemäß
dem Stand der Technik die zwingende Entfernung einer solchen Schutzschicht 13 vorgesehen
ist, um das Blechformteil 3 beschichten und/oder fügen zu können.
[0068] Eine Schutzschicht 13 mit einer ausreichenden Schichtqualität in diesem Sinne zeichnet
sich z.B. aus, durch eine geringe Rissigkeit, eine gute Haftung an der Korrosionsschutzbeschichtung
12, eine zweckmäßige Dicke und/oder Dichte, eine förderliche Oberflächenrauheit, eine
geeignete Zusammensetzung und dergleichen mehr. (So kann eine "raue" Oberfläche der
Schutzschicht 13 z. B. für ein nachfolgendes Verkleben vorteilhaft sein. Eine geringe
Dicke der Schutzschicht 13 kann z. B. für ein nachfolgendes Lackieren und/Verschweißen
vorteilhaft sein.)
[0069] Bevorzugt wird diese ausreichende Schichtqualität der Schutzschicht 13 durch Einstellen
und insbesondere Anpassen des Verfahrensablaufs, einzelner Schritte und/oder Teilschritte
erzielt. So kann z.B. in den Schritten I und/oder II durch die Auswahl eines Stahlblechmaterials
1, was die Auswahl eines Stahlwerkstoffs 10 und/oder die Auswahl einer Korrosionsschutzbeschichtung
12 mit einschließt, Einfluss auf die Schichtqualität der Schutzschicht 13 genommen
werden. Im Schritt III kann durch Auswahl eines Umformverfahrens und/oder wenigstens
einer begleitenden umformtechnischen Maßnahme Einfluss auf die Schichtqualität der
Schutzschicht 13 genommen werden. Im Schritt IV kann durch Einstellen wenigstens einer
Prozessvariablen des Presshärtevorgangs, oder einer begleitenden Maßnahme wie z.B.
ein vorheriges Waschen, Einfluss auf die Schichtqualität der Schutzschicht 13 genommen
werden. Diesbezüglich wird im Einzelnen auf die obenstehenden, detaillierten Erläuterungen
verwiesen.
[0070] Um eine ausreichende Schichtqualität der Schutzschicht 13 zu erhalten, ist gegebenenfalls
ein weiterer, optionaler Schritt V erforderlich. Dieser weitere Schritt V kann z.B.
ein chemisches Behandeln, ein Vorbeschichten, eine weitere Wärmebehandlung und/oder
ein Auslagern des wärmebehandelten Blechformteils 3 sein, wie obenstehend erläutert.
[0071] Falls ein fertig hergestelltes Blechformteil 3 keine ausreichende Schichtqualität
aufweist, ist optional eine Nachbearbeitung des betreffenden Blechformteils 3 vorgesehen
oder gegebenenfalls auch die Zuführung zu einem anderen Verwendungszweck oder auch
eine Aussonderung. Eine entsprechende Zuordnung kann z.B. durch Klassifizierung der
Schichtqualität erfolgen. Die Schichtqualität der Schutzschicht 13 eines Blechformteils
3 kann z.B. anhand wenigstens eines bestimmbaren Parameters quantifiziert werden,
der z.B. Aufschluss darüber gibt, ob das Blechformteil 3 nachfolgend beschicht- und/oder
fügbar ist. Auch diesbezüglich wird auf die obenstehenden detaillierten Erläuterungen
verwiesen.
[0072] Hiernach kann das fertig hergestellte und wärmebehandelte Blechformteil 3' im Schritt
VI beschichtet (z.B. lackiert) und/oder gefügt (z.B. verschweißt) werden, ohne dass
hierfür die Schutzschicht 13 zu entfernen ist, was Aufwand, Energie und Kosten einspart.
Dieses Beschichten und/oder Fügen des hergestellten Blechformteils 3' ist nicht maßgeblicher
Bestandteil des erfindungsgemäßen Verfahrens. Gleichwohl dient das erfindungsgemäße
Verfahren dazu, dieses nachfolgende Beschichten und/oder Fügen des Blechformteils
3 zu ermöglichen. Ferner kann im Rahmen der Erfindung durchaus vorgesehen sein, dass
ein die Schichtqualität repräsentierender Parameter (oder mehrere Parameter) und/oder
eine vorgenommene Klassifizierung der Schichtqualität eines hergestellten Blechformteils
3' bei einem nachfolgenden Beschichten und/oder Fügen herangezogen wird, um diesen
nachfolgenden Fertigungsschritt trotz der nicht entfernten Schutzschicht optimal gestalten
zu können. Dies kann ggf. individuell für jedes Blechformteil oder für eine Gruppe
bzw. Serie von Blechformteilen erfolgen.
[0073] Das erfindungsgemäße Verfahren kann einmalig zur Herstellung eines wärmebehandelten
Blechformteils 3 oder wiederholend zur Herstellung einer Vielzahl solcher Blechformteile
3 ausgeführt werden. Hierbei besteht die Möglichkeit, dass die einzelnen Schritte,
insbesondere die Schritte II bis V, voreingestellt ausgeführt werden, um ein Blechformteil
3 mit einer ausreichenden Schichtqualität zu erhalten. Ferner besteht die Möglichkeit,
dass die Ausführung wenigstens eines Schritts während des Verfahrensablaufs angepasst
wird, um ein Blechformteil 3 mit einer ausreichenden Schichtqualität zu erhalten.
Dies kann z.B. in einem Regelkreis erfolgen. Weiterhin besteht die Möglichkeit, dass
die Schichtqualität eines hergestellten Blechformteils 3' zumindest stichprobenartig
bestimmt wird und gegebenenfalls basierend hierauf die Ausführung wenigstens eines
Schritts eines nachfolgenden Verfahrensablaufs angepasst wird, um nachfolgend ein
Blechformteil 3 mit einer ausreichenden Schichtqualität (Gutteile) zu erhalten. Auch
dies kann z.B. in einem Regelkreis erfolgen. Das Einstellen bzw. Voreinstellen und
insbesondere Anpassen kann jeweils manuell oder automatisch vorgenommen werden. Hinsichtlich
bevorzugter Maßnahmen zum Anpassen des Verfahrensablaufs, einzelner Schritte und/oder
Teilschritte wird auf die vorausgehenden Erläuterungen verwiesen.
[0074] Gegebenenfalls kann zu berücksichtigen sein, dass das Einstellen und insbesondere
Anpassen des Verfahrensablaufs, einzelner Schritte und/oder Teilschritte, um eine
ausreichende Schichtqualität der Schutzschicht 13 zu erreichen, innerhalb eines oder
mehrerer Prozessfenster erfolgen muss, so dass sich wenigstens auch eine definierte
mechanische Werkstoffeigenschaft des Blechformteils 3 innerhalb eines definierten
Bereichs befindet. Dies ist schematisch in der Fig. 3 dargestellt. Der rechteckige
Rahmen repräsentiert ein herzustellendes Blechformteil 3, das nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren hergestellt wird. Dieses Blechformteil 3 ist unter anderem durch seine mechanischen
Werkstoffeigenschaften, wie z.B. Härte, Elastizitätsmodul, Festigkeit und dergleichen,
und durch die Schichtqualität der Schutzschicht 13 bestimmt. Die linke Ellipse A repräsentiert
eine Menge an Einstellungs- und Anpassungsmöglichkeiten im Verfahrensablauf hinsichtlich
der zu erzielenden mechanischen Werkstoffeigenschaften des herzustellenden Blechformteils
3. Die rechte Ellipse B repräsentiert eine Menge an Einstellungs- und Anpassungsmöglichkeiten
im Verfahrensablauf hinsichtlich der zu erzielenden Schichtqualität der Schutzschicht
13. Für die Herstellung eines Gutteils, hinsichtlich der mechanischen Werkstoffeigenschaften
und der Schichtqualität der Schutzschicht 13, können jedoch nur solche Einstellungs-
und Anpassungsmöglichkeiten genutzt werden, die sich innerhalb der Schnittmenge C
befinden.
Bezugszeichenliste
Verfahren zur Herstellung wärmebehandelter Blechformteile aus einem Stahlblechmaterial
mit einer Korrosionsschutzbeschichtung und derartiges Blechformteil
[0075]
- 1
- Stahlblechmaterial (mit Korrosionsschutzbeschichtung)
- 10
- Stahlwerkstoff (Substrat)
- 11
- Hemmschicht
- 12
- Korrosionsschutzbeschichtung
- 13
- Schutzschicht
- 14
- Riss
- 15
- Riss
- 16
- Hohlraum
- 2
- Platine (Zuschnitt)
- 3, 3'
- Blechformteil
- A
- Einstellungs- und Anpassungsmöglichkeiten (Werkstoffeigenschaften)
- B
- Einstellungs- und Anpassungsmöglichkeiten (Schichtqualität)
- C
- Schnittmenge
- I
- erster Schritt - Bereitstellen Stahlblechmaterial
- II
- zweiter Schritt - Zuschneiden Platine / Bereitstellen Platine
- III
- dritter Schritt - Umformen
- IV
- vierter Schritt- Presshärten
- V
- fünfter Schritt - optionaler Schritt
- VI
- sechster Schritt - Beschichten und/oder Fügen
1. Verfahren zur Herstellung wärmebehandelter Blechformteile (3) mit einer Korrosionsschutzbeschichtung
(12), insbesondere einer im Wesentlichen metallischen Korrosionsschutzbeschichtung,
umfassend die Schritte:
- Bereitstellen einer Platine (2) aus einem wärmebehandelbaren Stahlblechmaterial
(1), mit der wenigstens einseitig aufgebrachten Korrosionsschutzbeschichtung (12);
- Umformen dieser Platine (2) zu einem Blechformteil (3);
- Ausführen einer Wärmebehandlung am Blechformteil (3), zur Veränderung der Werkstoffeigenschaften
des Stahlblechmaterials (1), wobei sich während der Wärmebehandlung definiert und
zumindest bereichsweise eine Schutzschicht (13), insbesondere eine Oxidschicht, auf
der Korrosionsschutzbeschichtung (12) ausbildet;
dadurch gekennzeichnet, dass
das Verfahren derart ausgeführt wird, dass eine ausreichende Schichtqualität der Schutzschicht
(13) im Hinblick auf ein nachfolgendes Beschichten und/oder Fügen des Blechformteils
(3) erzielt wird, so dass die Schutzschicht (13) auf dem Blechformteil (3) verbleiben
kann.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Wärmebehandlung ein Härtevorgang und insbesondere ein Presshärtevorgang ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
die ausreichende Schichtqualität der Schutzschicht (13) durch Auswahl eines Stahlblechmaterials
(1) erzielt wird.
4. Verfahren nach einem der vorausgehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die ausreichende Schichtqualität der Schutzschicht (13) durch Auswahl eines Umformverfahrens
und/oder wenigstens einer begleitenden umformtechnischen Maßnahme erzielt wird.
5. Verfahren nach einem der vorausgehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die ausreichende Schichtqualität der Schutzschicht (13) durch Einstellen wenigstens
einer Prozessvariablen der Wärmebehandlung erzielt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet, dass
diese Prozessvariable eine Einlegetemperatur, die Ofentemperatur, die Ofenatmosphäre,
die Durchlaufzeit, eine Entnahmetemperatur, eine Abkühlzeit, der Pressdruck und/oder
die Werkzeugtemperatur ist.
7. Verfahren nach einem der vorausgehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Wärmebehandlung wenigstens ein weiterer Schritt folgt, um eine ausreichende Schichtqualität
der Schutzschicht (13) zu erzielen.
8. Verfahren nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet, dass
der weitere Schritt ein chemisches Behandeln, ein Vorbeschichten, insbesondere Beölen,
eine weitere Wärmebehandlung und/oder ein Auslagern des Blechformteils (3) ist.
9. Verfahren nach einem der vorausgehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Schichtqualität der Schutzschicht (13) anhand wenigstens eines Parameters quantifiziert
wird, der Aufschluss darüber gibt, ob das Blechformteil (3) nachfolgend beschicht-
und/oder fügbar ist.
10. Verfahren nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Parameter ein elektrischer Widerstandswert, ein Schallleitungswert, ein Wärmeleitungswert,
ein Schichtdickenwert der Schutzschicht (13), ein Rauwert der Schutzschicht (13),
ein Haftwert der Schutzschicht (13), ein Härtewert der Schutzschicht (13), ein Farbwert
der Schutzschicht (13) und/oder ein Spektralwert ist.
11. Verfahren nach Anspruch 9 oder 10,
dadurch gekennzeichnet, dass
wenigstens einer der vorangehend genannten Schritte derart ausgeführt und gegebenenfalls
angepasst wird, dass sich der Parameter des hergestellten oder herzustellenden Blechformteils
(3) zumindest innerhalb eines definierten Bereichs befindet, wobei sicherzustellen
ist, dass sich auch wenigstens eine definierte mechanische Werkstoffeigenschaft des
Blechformteils (3) zumindest innerhalb eines definierten Bereichs befindet.
12. Verfahren nach einem der vorausgehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die einzelnen Schritte voreingestellt ausgeführt werden, um ein Blechformteil (3)
mit einer ausreichenden Schichtqualität der Schutzschicht (13) zu erhalten.
13. Verfahren nach einem der vorausgehenden Ansprüche 1 bis 11,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Ausführung wenigstens eines Schritts während des Verfahrensablaufs angepasst wird,
um ein Blechformteil (3) mit einer ausreichenden Schichtqualität der Schutzschicht
(13) zu erhalten.
14. Verfahren nach einem der vorausgehenden Ansprüche 1 bis 11,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Schritte eines Verfahrensablaufs wiederholend ausgeführt werden, um mehrere Blechformteile
(3) herzustellen, wobei zumindest stichprobenartig die Schichtqualität der Schutzschicht
(13) eines hergestellten Blechformteils (3) bestimmt wird und gegebenenfalls basierend
hierauf die Ausführung wenigstens eines Schritts eines nachfolgenden Verfahrensablaufs
angepasst wird, um nachfolgend ein Blechformteil (3) mit einer ausreichenden Schichtqualität
zu erhalten.
15. Verfahren nach einem der vorausgehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
ein hergestelltes Blechformteil (3) anhand der Schichtqualität seiner Schutzschicht
(13) klassifiziert wird, um dieses für ein nachfolgendes Beschichten und/oder Fügen
freizugeben, einer Nachbearbeitung zuzuführen oder einem anderweitigen Verwendungszweck
zuzuführen.
16. Blechformteil (3) aus einem Stahlblechmaterial (1) mit einer wenigstens einseitig
aufgebrachten Korrosionsschutzbeschichtung (12), insbesondere mit einer im Wesentlichen
metallischen Korrosionsschutzbeschichtung, insbesondere hergestellt nach einem Verfahren
gemäß einem der vorausgehenden Ansprüche, wobei auf dieser Korrosionsschutzbeschichtung
(12) infolge einer Wärmebehandlung zumindest bereichsweise eine definierte Schutzschicht
(13), insbesondere eine Oxidschicht, ausgebildet ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
diese Schutzschicht (13) dauerhaft auf dem Blechformteil (3) verbleibt.
17. Blechformteil (3) nach Anspruch 16,
dadurch gekennzeichnet, dass
dieses mit der Schutzschicht (13) beschichtet und/oder gefügt ist.
18. Blechformteil (3) nach Anspruch 16 oder 17,
dadurch gekennzeichnet, dass
dieses ein Karosseriebauteil oder ein Karosserieanbauteil für ein Kraftfahrzeug ist.