[0001] Die Erfindung betrifft ein Paneel für einen Wand-, Decken- oder Bodenbelag gemäß
dem Oberbegriff des Patentanspruches 1 und ein Verfahren zur Herstellung eines Paneels.
[0002] Im Bereich von Bodenbelägen sind Laminatböden bekannt, bei denen ein HDF/MDF-Kern
aus mit Bindemitteln versetzen Holzfasern besteht, der eine Dichte im Bereich von
600 bis 900 kg/m
3 aufweist. Dieser Kern wird bei den herkömmlichen Laminatböden an seiner Unterseite,
d.h. auflageseitig mit einer Unterzugsschicht (Underlay) und im Bereich der Sicht-
oder Nutzfläche mit einer Dekorschicht aus Papier und einer Deckschicht (Overlay)
beschichtet. Diese Schichten werden dabei durch Pressen miteinander verbunden. Ein
derartiger Laminatfußboden ist beispielsweise in der Domain
www.Hamberger.de der Anmelderin beschrieben.
[0003] Die
DE 10 2004 003 457 A1 zeigt einen Fußbodenbelag, bei dem ein Kern eines Paneels aus einem Holzspäne- oder
Holzfasermaterial besteht, das mit einem Bindemittel versetzt ist und auf eine Dichte
von mehr als 1000 kg/m
3 verpresst ist. Es zeigte sich, dass bei dieser Lösung relativ hohe Anforderungen
an das für den Kern verwendete Material bestehen und darüber hinaus eine Produktion
mit geringem Ausschuss ein erhebliches Fertigungs-Know-How erfordert.
[0004] Demgegenüber liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein Paneel oder eine Fliese
für einen Wand-, Decken- oder Bodenbelag zu schaffen, das mit minimalem fertigungstechnischen
Aufwand herstellbar ist. Aufgabe der Erfindung ist des Weiteren auch, ein Verfahren
zur Herstellung eines derartigen Paneels zu entwickeln.
[0005] Diese Aufgabe wird hinsichtlich des Paneels/ der Fliese durch die Merkmale des Patentanspruches
1 und hinsichtlich des Verfahrens durch die Merkmale des nebengeordneten Patentanspruches
2 gelöst.
[0006] Erfindungsgemäß hat das Paneel oder die Fliese einen plattenförmigen Grundkörper,
der im Wesentlichen aus HDF/MDF (hochverdichteter/mittelverdichteter Faserwerkstoff)
besteht. Dieser plattenförmige Grundkörper kann beispielsweise durch herkömmliche
HDF/MDF-Platten gebildet sein, die zugekauft werden. Dieser Grundkörper wird dann
in einer Presse fertig gepresst, wobei der Pressdruck wesentlich höher als beim Vorpressen
des Grundkörpers ist. Anschliessend werden die Platten durch Sägen aufgetrennt und
seitlich durch Fräsen mit Verbindungsmitteln versehen.
[0007] Mit anderen Worten gesagt, wird beim erfindungsgemäßen Verfahren eine im Wesentlichen
herkömmliche HDF/MDF-Platte in einem zusätzlichen Pressvorgang nachverdichtet, so
dass man mit minimalem vorrichtungstechnischen Aufwand ein hochwertiges Produkt erhält,
das im Hinblick auf seine mechanischen Eigenschaften gleichwertig mit dem in der
DE 10 2004 003 457 A1 beschriebenen Fußbodenbelag ist. Es zeigte sich überraschenderweise, dass sich die
Dichteprofile des vorgepressten Grundkörpers und des Endprodukts nur unwesentlich
unterscheiden.
[0008] Dieses Paneel kann nutzflächenseitig mit einer Deckschicht versehen werden.
[0009] Diese Deckschicht kann dabei nach oder beim Fertigpressen aufgebracht werden.
[0010] Erfindungsgemäß wird es bevorzugt, wenn die Deckschicht auch die Funktion einer Verschleißschicht,
d.h. einer den Verschleiß mindernden Schicht erfüllen kann. Eine derartige Verschleißschicht
kann beispielsweise durch UV-Strahlung oder oxidativ härtende Öle, UV-härtende Lacke
(Acrylate), transparente Overlays, fertige Lackfilme, Folien, eine PUR-Schutzschicht
(Hot-Coating) oder dergleichen enthalten.
[0011] Zur Verbesserung der optischen Anmutung kann diese Deckschicht auch eine Dekorschicht
enthalten, die beispielsweise durch Drucken oder durch Aufbringen einer Folie ausgebildet
ist.
[0012] In dem Fall, in dem die Dekorschicht durch Bedrucken hergestellt wird, kann auf den
Formkörper eine Lackschicht als Trägerschicht aufgebracht werden.
[0013] Beim Fertigpressen kann eine Struktur eingeprägt werden.
[0014] Sonstige vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind Gegenstand weiterer Unteransprüche.
[0015] Im Folgenden wird ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand schematischer
Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen:
- Figur 1
- eine Draufsicht auf ein erfindungsgemäßes Fußbodenelement und
- Figur 2
- ein Dichteprofil des Fußbodenelementes aus Figur 1.
[0016] Figur 1 zeigt eine Draufsicht auf ein erfindungsgemäßes Paneel oder eine erfindungsgemäße
Fliese 1. Diese hat einen Grundkörper, der im Prinzip aus einer nachbehandelten HDF/MDF-Platte
besteht. Derartige HDF/MDF-Platten werden beispielsweise bei der Herstellung von Laminatböden
oder Parkett mit HDF/MDF-Mittelschicht verwendet und in Großserie hergestellt und
stehen somit als Zukaufteile zu vergleichsweise günstigen Preisen zur Verfügung, ohne
dass es einer zusätzlichen Investitionen zur Herstellung dieser HDF/MDF-Platten bedarf.
Das Paneel oder im vorliegenden Fall die Fliese hat eine im Wesentlichen rechteckförmige
Grundfläche, wobei selbstverständlich auch andere Geometrien gewählt werden können.
An den Umfangskanten 2, 4, 6, 8 jeder Fliese 1 sind Verriegelungsmittel vorgesehen,
wobei beispielsweise die Verriegelungsmittel 10 an der Umfangskante 2 in Form einer
Nut und die Verriegelungsmittel 14 an der anderen Umfangskante 6 im Wesentlichen als
Feder ausgebildet sind. Die Verriegelungsmittel 12, 16 an den beiden anderen Umfangskanten
können entsprechend ausgeführt sein. Alternativ können diese Umfangskanten 4, 8 auch
so ausgebildet sein, dass der Eingriff durch Absenken einer Fliese auf die andere
erfolgt. Derartige Druckknopfverbindungen sind aus dem Stand der Technik, beispielsweise
aus der
WO 97/47834 A1 oder der
EP 1 650 375 B1 bekannt.
[0017] Die in Figur 1 sichtbare Oberfläche 18 der Fliese bzw. des Paneels 1 kann mit einer
dreidimensionalen Textur oder Prägung 20 versehen werden, wobei beim dargestellten
Ausführungsbeispiel eine Oberfläche erzielt wird, wie sie beispielsweise bei Schieferplatten
oder ähnlichen schichtförmigen Naturwerkstoffen ausgebildet ist. Diese Nutzfläche
der Fliese bzw. des Fußbodenpaneels kann dann mit einer Deckschicht versehen werden,
so dass die Anmutung in Zusammenwirken mit der Prägung 20 einem Naturstoff sehr nahe
kommt.
[0018] Eine erfindungsgemäße Besonderheit besteht darin, dass die HDF/MDF-Platte in einem
gesonderten Arbeitsschritt mit hohem Druck nachverdichtet wird, wobei sich erstaunlicherweise
ein Dichteprofil einstellt, das sich wenig von dem einer herkömmlichen HDF/MDF-Platte
unterscheidet. Diese Dichteprofile sind in Figur 2 dargestellt. Man erkennt deutlich
die verdichteten Randbereiche, wobei sich die Profile der herkömmlichen HDF/MDF-Platte
und der erfindungsgemäß nachverdichteten Platte nur unwesentlich unterscheiden. Durch
diese Nachverdichtung wird jedoch die Verschleißfestigkeit und die Formstabilität
der Fliese 1 wesentlich gegenüber herkömmlichen HDF/MDF verbessert. Der Druck beim
Fertigpressen kann bis etwa 2000 N/cm
2 betragen, während er beispielsweise bei der Herstellung der ursprünglichen HDF/MDF-Platte
nur etwa 400 N/cm
2 beträgt. D.h. für das Fertigpressen wird ein Druck aufgewendet, der mehr als das
drei- bis vierfache des üblicherweise bei der HDF/MDF-Fertigung auftretenden Drucks
ist. Die Dicke des Paneels 1 bzw. der Fliese 1 kann praktisch beliebig gewählt werden,
wobei auch relativ großformatige Fliesen mit Kantenlängen von 70 cm x 70 cm denkbar
sind. Durch das Fertigpressen kann auch die Prägung 20 ausgebildet werden.
[0019] Die Nutzfläche (Oberseite) der Fliese 1 kann direkt durch herkömmliche Druckverfahren
oder auch berührungslos durch Tintenstrahldrucken (digitales Drucken) bedruckt werden.
Dazu kann es hilfreich sein, wenn diese Farbschicht auf eine transparente oder gefärbte
Lackschicht aufgebracht wird, so dass man der Anmutung eines natürlichen Werkstoffes
(Holz, Keramik, ...) sehr nahe kommt. Die vorgepresste Platte kann natürlich auch
in geeigneter Weise eingefärbt und/oder mit den Verschleiß mindernden Zusatzstoffen
versehen sein.
[0020] Zur weiteren Minimierung des Verschleißes kann die Nutzfläche des Paneels bzw. der
Fliese 1 mit einer Verschleißschicht versehen werden, die beispielsweise UV oder oxidativhärtende
Öle, UV-härtende Lacke, transparente Overlays, wie sie aus der Laminatbodenfertigung
bekannt sind, sowie fertige Lackfilme oder Folien enthalten kann. Die Verschleißschicht
kann auch durch "Hot-Coating" aufgebracht werden, wobei eine PUR-Schutzschicht aufgewalzt
oder aufgespritzt wird.
[0021] Wesentlich bei dieser Erfindung ist, dass durch die Nachverdichtung eines herkömmlichen
HDF/MDF-Plattenrohlings ein hochwertiger Grundkörper eines Fußbodenpaneels oder einer
Fliese ausgebildet werden kann, wobei der fertigungstechnische Aufwand minimal ist.
Erfindungsgemäß wird es bevorzugt, wenn die HDF/MDF-Platten zugekauft werden. Selbstverständlich
kann die Produktion dieser Rohplatten auch vor Ort erfolgen, so dass in einem ersten
Fertigungsschritt HDF/MDF-Platten gefertigt werden, die dann in einem weiteren Verfahrensschritt
oder gleich beim ersten Pressvorgang nachverdichtet und ggf. mit einer dem Naturprodukt
entsprechenden Prägung versehen werden. Diese Prägung kann mit oder nach der Nachverdichtung
erfolgen.
[0022] Offenbart sind ein Paneel für einen Wand-, Decken- oder Bodenbelag und ein Verfahren
zur Herstellung eines derartigen Paneels oder einer derartigen Fliese, wobei eine
HDF/MDF-Platte mit vergleichsweise hohem Druck nachverdichtet wird.
1. Fliese oder Paneel für einen Wand-, Decken- oder Bodenbelag, mit einem plattenförmigen
Grundkörper, der im Wesentlichen aus HDF, MDF oder dergleichen besteht, dadurch gekennzeichnet, dass der Grundkörper zumindest im Verschleißbereich nachverdichtet ist.
2. Verfahren zur Herstellung eines Paneels oder einer Fliese mit den Schritten:
- Vorpressen eines Rohlings in Plattenform und
- Fertigpressen des Rohlings mit einem Druck, der mehr als das Doppelte des zum Vorpressen
erforderlichen Drucks beträgt.
3. Verfahren nach Patentanspruch 2, wobei nach oder beim Fertigpressen eine Deckschicht
aufgebracht wird.
4. Verfahren nach Patentanspruch 3, wobei die Deckschicht eine Verschleißschicht hat.
5. Verfahren nach Patentanspruch 4, wobei die Verschleißschicht ein aushärtendes Öl,
einen Lack, ein Overlay, einen Lackfilm, ein Hot-Coating oder eine Folie enthält.
6. Verfahren nach Patentanspruch 4 oder 5, wobei die Deckschicht eine Dekorschicht enthält.
7. Verfahren nach Patentanspruch 6, wobei die Dekorschicht durch Bedrucken hergestellt
oder eine Folie ist.
8. Verfahren nach Patentanspruch 7, 1. Alternative, wobei unterhalb der durch Drucken
hergestellten Dekorschicht eine Lackschicht als Trägerschicht vorgesehen ist.