[0001] Die Erfindung betrifft einen Betontübbing zum Herstellen einer Tunnel- oder Kanalwandung
beim Tunnel- oder Kanalbau mit einer Kunststoffschicht an der Innenseite, die als
verlorene Schalung beim Aufbringen einer Betonschicht in einer Betongießvorrichtung
dient, wobei die Kunststoffschicht mit der Betonschicht verbunden ist, sowie ein Verfahren
zur Herstellung eines solchen.
[0002] Großtunnel mit rundem oder stehend ovalem Querschnitt werden bekanntlich aus vorgefertigten
Segmenten, die aneinandergefügt werden, hergestellt. Diese Segmente weisen, je nach
Verwendungsart des Tunnels, in der Regel keine oder innenseitige Kunststoffbeschichtungen
auf. Die Segmente werden vorgefertigt in die vorgetriebene Tunnelröhre maschinell
eingesetzt. Die Segmentproduktionsanlage befindet sich in der Regel bei Großtunneln
in Nähe des zu errichtenden Tunnels. Die Segmente ersetzen eine Schalung, die hinterfüllt
werden könnte.
[0003] Unter Verwendung dieser Technologie werden beispielsweise Frischwasser-, Abwasser-,
Kabel- und Verkehrstunnel sowie Schächte hergestellt. Die Segmente werden auch als
Tübbinge bezeichnet. Solche Betontübbinge werden in Vorrichtungen mit rahmenförmigen
Schalungen gegossen, wobei die Basisgeometrie der Geometrie des Tunnels entsprechend
angepasst ist, so dass die Segmente zusammengefügt die gewünschte Tunnelwand bilden
können. Dabei sind die erforderlichen Toleranzen und Seitenflächenführungen, die im
rechten Winkel oder in einem anderen Winkel zueinander stehend ausgebildet sein können,
zu berücksichtigen und die Geometrie des gesamten Ringes sowie die Anordnung der Verbindungen
und Dichtungen.
[0004] Für größere Tunnel werden eine Vielzahl von Formen benötigt, um die zu verbauenden
Tübbinge herstellen zu können. Bei Frisch- und Abwassertunneln, die einen wasserundurchlässigen
säurebeständigen Korrosionsschutz innenseitig aufweisen müssen, z. B. eine Kunststoff-
oder Gummibeschichtung, werden beispielsweise mit 36 Formen ca. 30.000 Teile pro Jahr
produziert. Dies bedeutet einen hohen Aufwand an Vorrichtungen und längere Standzeiten,
die insbesondere auf die Verbindung des Kunststoffes mit dem Beton zurückzuführen
sind, wobei die Kunststoffschicht an der Innenseite vorgesehen ist und diese beispielsweise
als Folie aufgeklebt ist. Bei anderen Tunneln erfolgt die Beschichtung nachträglich
in dem Tunnel selbst, was sehr arbeitsaufwändig und kostenintensiv ist. Die Innenschicht
wird auch als Inliner bezeichnet.
[0005] Zum Anbringen von Aufhängungen, beispielsweise Kabelträgern oder anderen Vorrichtungen,
sind die Kunststoff-Inliner mit Durchbrüchen versehen, in die Dübel einsetzbar sind.
Die Längsverbindung zwischen zwei benachbarten Tübbinge kann über solche Dübel ebenfalls
erfolgen, die stirnseitig in Ausnehmungen in der Betonschicht einsetzbar sind. Des
Weiteren ist es bekannt, Dichtungen in Form von Profilen stirnseitig in die Betonschichten
einzusetzen, um beim Zusammenschieben der Tübbinge eine stirnseitige Abdichtung zu
gewährleisten. Es ist darüber hinaus bekannt, GFK-Inliner bei Abwasserrohren, Säure-
oder Gastunneln zu verwenden. Die Kunststoffbeschichtung beträgt beispielsweise zwischen
2 mm bis 5 mm, die Betonschicht besitzt Stärken zwischen ca. 10 und ca. 30 cm, was
jeweils von dem Einsatz abhängt.
[0006] Aus der
DE 10 2004 010 678 B4 ist es bekannt, einen wannenförmigen Formkörper, dessen Boden und Seitenwände aus
Kunststoff bestehen, als eine verlorene Schalung auszubilden, die nach dem Verfüllen
mit Beton an dem Tübbing verbleibt, wobei die äußeren Seitenflächen eine Abdichtung
zum anschließenden nächsten Tübbing bilden.
[0007] Aus der
EP 1 925 775 A1 ist ein Betontübbing zur Herstellung eines Tunnels bekannt, der aus einer Betonschale
besteht, an die eine verlorene Schalung angeklebt wird. Diese verlorene Schalung kann
aus flüssigem Plastikmaterial bestehen.
[0008] Aus der
DE 2004 010 678 B4 und der
DE 198 47 360 C1 ist es bekannt, auf den Beton eines Tübbings eine Kunststoffschicht an der Tunnelseite
und den Seitenwänden aufzubringen. Hierzu werden Thermoplastplatten auf das Fertigteil
aus Beton aufgeschweißt, aufgeklebt oder festgeschraubt. Aus der zur Patentfamilie
der
DE 2004 010 678 B4 gehörenden
EP 1 571 292 A1 ist es ferner bekannt, vor dem Einbau des Betontübbings diesen zumindest teilweise
mit einer glas- oder kohlefaserverstärkten Kunststoffschicht zu überziehen.
[0009] Aus der
DE 10 2006 031 832 A1 ist ein Tübbing bekannt, der an der Innenseite eine Brandschutzschicht aufweist.
Die Brandschutzschicht wird während der Herstellung des Grundkörpers aus Beton aufgebracht.
Des Weiteren ist vorgesehen, dass der Grundkörper aus Stahlbeton oder Stahlfaserbeton
besteht. Die Brandschutzschicht ist mit dem Grundkörper über Verbindungs- oder Verankerungselemente,
wie Rippenvorsprünge oder Stäbe, verbunden. Die Brandschutzschicht wird in eine Schalenform
eingebracht und der Betonkörper durch anschließendes Gießen des Betons in die Schalenform
auf die Brandschutzschicht hergestellt.
[0010] Aus der
DE 44 34 012 C1 ist ein Dämmformteil in Gestalt einer Platte, einer Kassette oder eines Paneels bekannt,
das einen Dämmkern aus Schaumstoff aufweist, der an eine Decklage angeschäumt ist.
Die Decklage wird von einer formsteifen Schicht aus Sand, Steinchen, oder dergleichen
Granulatmaterialien gebildet, deren Schichtdicke ein Mehrfaches des Korndurchmessers
des Granulatmaterials beträgt, beim Anschäumen des Dämmkerns tritt der Schaumstoff
in die Partikelzwischenräume des Granulatmaterials ein und verbindet die Granulatpartikel
fest miteinander.
[0011] Es ist darüber hinaus bekannt, eine Kunststoff-Formplatte mit angespritzten Kunststoffzapfen
als innenseitige Beschichtung eines Tübbings zu verwenden. Die vorgefertigte Platte
wird in die Form eingelegt und mit Beton hinterfüllt. Die Beschichtung oder Platte
wird auch als Inliner bezeichnet. Ein solcher Inliner kann auch Hülsen oder Dübel
aufweisen, die in den Beton eingebettet werden. Durch die Kunststoffzapfen ist nur
eine punktuelle Rückverankerung zum Beton gegeben. Die Zwischenflächen liegen praktisch
lose an. Es ist bekannt, dass Beton selbst am Kunststoff keine große Haftungskraft
besitzt, wodurch es nicht ausgeschlossen ist, dass der im Beton durch das Erdreich
aufgebaute hohe Wasserdruck gegen den Kunststoff drückt und zu punktuellen Abloslösungen
führt. Der statische Druck des Wassers kann z. B. 3 bar bis 4 bar erreichen. Die geschlossene
Kunststofffläche wird dann durch die ständige Druckbelastung nach innen gedrückt und
kann zumindest punktuell sich lösen.
[0012] Ausgehend vom Stand der Technik liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, einen Betontübbing
mit einer innenseitigen, also dem Tunnel zugewandten Seite, Kunststoffschicht zu versehen,
die durch eine homogene flächige Verankerung unlösbar mit der Betonschicht ohne weitere
Zusätze oder Ausprägungen verbunden ist, wobei die Herstellung auf besonders einfache
Weise preiswert durchführbar sein soll.
[0013] Die Erfindung löst die Aufgabe durch Ausgestaltung des Betontübbings gemäß der im
Anspruch 1 angegebenen technischen Lehre, welcher Betontübbing in eine Betonsegmentgießform
gemäß dem im Anspruch 11 angegebenen Herstellungsverfahren selbst am Verarbeitungsort
des Tübbings preiswert herstellbar ist.
[0014] Vorteilhafte Ausbildungen des Betontübbings nach der Erfindung sind in den Unteransprüchen
2 bis 10 angegeben, vorteilhafte Ausgestaltungen des Verfahrens in den Ansprüchen
11 bis 15.
[0015] Es hat sich bestätigt, dass eine in die Kunststoffschicht eingebrachte Granulatschicht,
die eine feste Bindung mit dem Kunststoff eingeht, da dieser die Granulate teilweise
umschließt, eine besonders große Verankerungsfläche durch die vorstehenden Oberfläche
der Granulate mit dem Kunststoff bildet. Da die Granulatflächen darüber hinaus zueinander
in verschiedensten Winkeln liegen bzw. schräge Kantenverläufe aufweisen, ist eine
flächenmäßige Verankerung der Betonschicht, die auf die Granulatschicht aufgebracht
wird, mit der Kunststoffschicht gegeben. Die flächenförmige Verankerung gewährleistet,
dass selbst bei hohem Wasserdruck im verbauten Tunnel ein Ablösen des Kunststoff-Inliners
nicht gegeben ist. Anstelle der Aufbringung von Granulat als Schüttgut können auch
Gewebematten aufgelegt werden, an denen die Granulate angeklebt sind. Diese Gewebematten
weisen Durchbrüche auf, so dass der Kunststoff sich mit den Außenflächen der Granulate
teilweise verbinden kann, während die freigelegten Enden sich mit dem Beton verbinden.
Auch sind anstelle von Granulat oder Granulatmatten auch offenporige Matten aus Kunststoff
oder Metall, beispielsweise doppellagiges Streckmetall, oder aus Fasern aus den angegebenen
Materialien mit einer dreidimensionalen Struktur einsetzbar. Auch können Gewebe verwendet
werden, die Maschen aufweisen, die sich beim Kontakt mit flüssigem Kunststoff aufstellen
und so eine dreidimensionale Struktur bilden. Die Verwendung solcher zugeschnittenen
Matten stellt ebenfalls eine flächenhafte Verbindung zu dem Beton her.
[0016] Grundsätzlich können die verwendeten Granulate aus unterschiedlichsten Materialien
bestehen. Diese Materialien sollten jedoch durch Feuchtigkeitsaufnahme nicht quellend
sein. Als besonders geeignet haben sich in Versuchen Basaltstreu, Granitsteinchen,
Kiesstreu, Kunststoff- oder Metallgranulate, aber auch Kunststoff- und Metallspritzformteile
erwiesen, die eine bestimmte Anzahl von Verankerungszapfen aufweisen oder Hohlkammerteile
sind, z. B. eckige oder runde Rohrabschnitte, die teilweise mit einem Kunststoffkleber
oder einer Kunststoffmasse der Kunststoffschicht durchsetzt und/oder umschlossen werden,
während die anderen Öffnungsbereiche von dem flüssigen Beton verfüllt werden. Auch
eignen sich Stahlwolle oder Stahlformteile, die in gleicher Weise sowohl von der Kunststoffmasse
oder dem Kunststoffkleber umschlossen werden als auch von dem flüssigen Beton, der
nach dem Aushärten mit der Kunststoffschicht ein einheitliches Segment, also einen
Tübbing bildet, der verbaubar ist. Wenn ein Kunststoffkleber verwendet wird, kann
die Kunststoffschicht z. B. aus einer 1 mm oder 2 mm starken zugeschnittenen Folie
bestehen und die Klebeschichten ca. 3 mm dick sein.
[0017] Zur Meidung von Osmose bei faserverstärkten Kunststoffschichten ist in weiterer Ausgestaltung
vorgesehen, dass die Kunststoffschicht eine Polyurethanschicht ist und die Granulatschicht
im flüssigen Zustand aufgebracht ist, so dass die Granulate in den flüssigen Kunststoff
einzusinken vermögen und durch die Form- und Flächenbindung gehalten werden. Die Granulate
werden also teilweise in den Kunststoff eingebettet. Nach dem An- oder Aushärten wird
die Betonschicht aufgebracht. Dies erfolgt vorteilhafterweise in derselben Form, die
Seitenwandschalungen aufweist. Der Inliner-Körper kann auch vorgefertigt sein. Zweckmäßig
ist jedoch, in einem Durchgang sowohl die Kunststoffschicht, die Granulatschicht als
auch die Betonschicht unter Berücksichtigung der Aushärtezeit des Kunststoffes und
der Abbindungszeit des Betons einzubringen.
[0018] Es hat sich gezeigt, dass unter Verwendung von hochverdichtetem Polyurethan, der
nicht schäumend ist, eine volle Verarbeitung innerhalb von nur vier Minuten bei einer
Schichtstärke von 5 mm möglich ist. Durch die Verwendung eines Zweikomponenten-Polyurethans
(Polyurethan und Härtemittel) wird eine schnellere Reaktionszeit erreicht, die unter
vier Minuten liegt. Innerhalb dieser vier Minuten wird also in die Form die Polyurethanschicht
eingesprüht und das Granulat aufgestreut. Nach vier Minuten ist bereits die hochverdichtete
Polyurethanschicht so weit ausgehärtet, dass darauf die Betonschicht aufgebracht werden
kann. Diese Betonschicht kann nun z. B. 10 cm, 12 cm oder 15 cm oder sogar ca. 25
cm dick sein, dies hängt jeweils von dem Verwendungszweck und den bergbautechnischen
Bedingungen vor Ort ab, ob es sich beispielsweise um Verkehrstunnel, Abwasser- oder
Frischwassertunnel oder um Kabeltunnel handelt und ob der Tunnel durch Gestein oder
durch Kiesschichten verläuft.
[0019] Die mit Inlinern versehenen Tübbinge werden vorwiegend im Abwasser- und Frischwasserbereich
eingesetzt aber auch für Gasleitungen. Der Verbau der Tübbinge erfolgt in der Regel
unmittelbar hinter der Vortriebsmaschine durch an sich bekannte Segmentsetzmaschinen.
[0020] Um ein abgedichtetes Aneinanderfügen der Tübbinge zu gewährleisten, kann vorgesehen
sein, dass die eingebrachte Kunststoffschicht an den Rändern hochgezogene Aufkantungen
aufweist, auf die ein Dichtungsprofil mit U-förmiger Schlitzaufnahme vor dem Vergießen
der Form mit Beton aufgesetzt wird. Das Profil drückt mit seinem elastischen Teil
gegen ein Dichtungsprofil an dem nächstfolgenden Tübbing oder gegen die Betonschicht,
wodurch die gewünschte Abdichtung gegeben ist.
[0021] Beim Einbringen der Kunststoffschicht in die Form kann bei entsprechender unterer,
innenseitiger Randausbildung der Form ein Dichtungsprofil aus einem elastischen Material
mit befestigt werden. Dies kann beispielsweise vorher in eine Nut eingelegt werden
und weist Ansätze auf, die verankernd in die Kunststoffschicht hineinreichen. Ein
solches Dichtungsprofil kann aber auch nachträglich angeklebt werden. In weiterer
Ausgestaltung ist vorgesehen, dass das Dichtungsprofil aus der Kunststoffschicht selbst
ausgeformt wird. Dazu muss in der Randzone der Form in den Seitenwänden ein entsprechendes
Umformungsprofil eingelassen sein, das von dem Kunststoff umflossen wird bzw. in das
der Kunststoff hineinfließt. Hierdurch kann beispielsweise direkt eine Nutfederverbindung
zwischen korrespondierenden benachbarten Seiten zweier Tübbinge hergestellt werden.
Ein solches Profil kann aber auch auf einer Aufkantung im Randbereich der Kunststoffschicht
aufgesetzt sein.
[0022] Wenn die Kunststoffschicht randseitig zumindest an zwei gegenüberliegenden Seiten
mindestens über ein definiertes Höhenmaß hochgezogen wird, kann diese Rahmenwand ebenfalls
so ausgebildet sein, dass ein Dichtungsprofil aus elastischem Material aufgelegt,
eingedrückt oder darin verankert werden kann. Es können auch Aufkantungen angeformt
sein, auf die ein Dichtungsprofil mit einer U-förmigen Aufnahme aufsetzbar ist. Diese
Aufkantung sollte vorzugsweise in einer U-förmigen Aufnahme vorgesehen sein, damit
eine baugleiche Ausführung benachbarter Tübbinge möglich ist. Es kann aber auch eine
nutenförmige Aufnahme eingedrückt oder eingeformt sein, in die das Dichtungsprofil
aus elastischem Material einsetzbar ist. Durch entsprechende Formgebung und Formanpassung
der Nut und des Dichtungsprofils kann eine rastende Verbindung mindestens an der einen
Seite benachbarter Tübbinge erzielt werden, während der andere Teil des Dichtungsprofils
beim Zusammenfügen der beiden Tübbinge nur in eine Nut des benachbarten Tübbings eingreift.
In der Nut dieses Tübbings kann aber auch eine Profilierung zur Verbindung vorgesehen
sein. Sind solche Profilierungen nicht vorgesehen, so wird das Dichtungsprofil in
die eine Nut nur eingeklebt, damit es beim Zusammenfügen der Tübbinge dichtend in
die Nut in der benachbarten Rahmenwand des benachbarten Tübbings eingreifen kann.
Bei der Herstellung der Rahmenwand kann ein solches Dichtungsprofil mit Verankerungselementen
versehen, aber auch gleichzeitig befestigt werden.
[0023] Die Tübbinge können auch Durchbrüche für die Aufnahme einer Hülse oder eines Dübels
aufweisen. In solche Durchbrüche können auch andere Befestigungsmittel eingebracht
werden, um beispielsweise Träger für Kabel daran befestigen zu können. Diese Befestigungsmittel
werden also an der Fläche fixiert.
[0024] Auch können in die Kunststoffschicht in bekannter Weise Kohlenstoff- und/oder Glasfasern
eingebracht werden, um eine höhere mechanische Belastung zu ermöglichen. Bei Verwendung
in Abwasser- und Frischwassertunneln hat sich jedoch gezeigt, dass hier durch auftretende
Osmose ein Ablösen des Kunststoffes von der Faser nicht auszuschließen ist. In Abwasser-
und Frischwassertunneln hat sich deshalb die Verwendung von hochverdichtetem Polyurethan
aus A- und B-Komponenten als Kunststoffbeschichtungsmasse in Versuchen als optimale
Lösung erwiesen.
[0025] Selbstverständlich können zur Erhöhung der Belastbarkeit in die Betonschichten Bewehrungsmatten
aus Kunststoff- oder Metallgewebe und/oder -geflecht eingelegt sein. Dies kann dazu
führen, dass die Betonschichten in ihren Dicken reduziert werden können, was zu Material-
und Gewichtseinsparungen führt. Die Einbringung des flüssigen Kunststoffes in die
Form ermöglicht darüber hinaus, dass randseitig ein Dichtungsprofil angeformt werden
kann. Ein bereits erstelltes Dichtungsprofil aus elastischem Material kann aber auch
als Randprofil in die Kunststoffschicht eingelegt werden. Erfolgt eine Anformung eines
Dichtungsprofils, so empfiehlt es sich, an zwei im Winkel zueinander angeordneten
Seiten des Tübbings Dichtungslippen als Federn anzuformen, die korrespondierenden
Anfügungsseiten des nächstfolgenden Tübbings weisen konturenangepasste Dichtungsprofile
auf. Beispielsweise kann an den beiden Seiten eine wulstförmige Dichtungslippe vorgesehen
sein und an den beiden anderen Seiten eine durchgehende Nut, in die die Dichtungslippe
an dem nächstfolgenden Tübbing einschiebbar ist. Es entsteht also beim Zusammenfügen
der Tübbinge eine Nut-Feder-Verbindung, die selbstdichtend ist. Die Anformung bietet
sich an, da die Kunststoffschicht in flüssiger Form in die Form eingegeben wird und
dadurch auch Randausformungen durch Hinterlaufen möglich werden. Die Schalungswände
müssen dann allerdings beweglich gelagert sein, so dass sie für das Ausformen des
Tübbings auseinandergefahren werden können.
[0026] Die Form selbst kann mehrteilig ausgeführt sein, um mehrere Tübbinge gleichzeitig
herstellen zu können. Sie kann aber auch einteilig ausgeführt sein. Die Polyurethanschicht
kann eingegossen oder aber auch eingesprüht werden, zu welchem Zweck ein Sprühkopf
den flüssigen Kunststoff über die Oberfläche verteilt. Der flüssige Kunststoff wird
über die gesamte Überarbeitungsstrecke auf Temperatur gehalten, bis er aus dem Sprühkopf
heraustritt. Nach dem Aufbringen oder auch während des Aufbringens der Kunststoffschicht
kann bereits in dem Bereich, der die gewünschte Kunststoffschichtstärke aufweist,
das Granulat aufgestreut werden. Dies kann auch durch einen Verteilkopf erfolgen,
der das Granulat mit geringerer Geschwindigkeit oder zeitversetzt auf die Kunststoffschicht
streut. Es ist aber auch möglich, durch gesonderte Rohrleitungen mit Austrittsschlitz
das Granulat über die Breite verteilt gleichmäßig aufzubringen. Das Granulat fällt
mit den unteren Abschnitten in das noch flüssige Kunststoffmaterial. Dieses umschließt
Hohlräume, Hinterschnitte, kurzum alle Flächenteile des Granulats, die im Kunststoff
versinken. Das Granulat ist wird fest eingebunden. Wird nun nach einer Aushärtezeit
von z. B. vier Minuten die Kunststoffschicht aufgebracht, so umschließt der flüssige
Beton die aus der Kunststoffmasse vorstehenden Granulatflächenabschnitte und haftet
an den Flächen an. Auch hier werden Granulatteile hintergriffen oder Hohlräume ausgefüllt,
so dass eine flächenmäßige Verankerung des gesamten Kunststoff-Inliners gegeben ist.
In die flüssige Kunststoffmasse kann auch längs der Rahmenwand ein Dichtungsprofil
aus einem elastischen Kunststoff oder gummiartigem Werkstoff eingelegt werden, der
eine Seitenabdichtung beim Zusammenfügen der Tübbinge ermöglicht.
[0027] Die Erfindung wird nachfolgend anhand der in den Zeichnungen dargestellten Ausführungsbeispiele
ergänzend erläutert.
[0028] In den Zeichnungen zeigen:
- FIG 1
- in einer perspektivischen Darstellung einen Tübbing, der als Einzelbestandteil eines
runden Tunnels gefertigt ist,
- FIG 2
- einen Teilquerschnitt durch den Tübbing in Figur 1, aus dem ersichtlich ist, dass
in die Kunststoffschicht ein Granulat, hier ein Basaltgranulat, eingebunden ist,
- FIG 3
- eine Ausführung, bei der die Dichtungsprofile an den Stirnseiten angeformt sind,
- Fig. 4
- ein Beispiel eines Tübbings mit einer Rahmenwand aus Kunststoff nach der Erfindung
mit eingeformter Nut zur Aufnahme eines Dichtungsprofils und
- Fig. 5
- ein Beispiel der Verankerung eines Dichtungsprofils an einer Rahmenwand.
[0029] Das Ausführungsbeispiel in Figur 1 zeigt eine Kunststoffsicht 1, die in eine kastenförmige
Form mittels eines Sprühkopfes eingebracht wird. Es handelt sich dabei um eine aus
Komponenten A und B bestehende Polyurethanschicht. Die Form weist ferner einen Zapfen
auf, so dass beim Aufsprühen der Durchbruch 4 bereits freigelegt ist. In diesen Durchbruch
4 kann beispielsweise ein Dübel eingesetzt werden, um daran Befestigungsmittel anbringen
zu können. Auf die Kunststoffschicht 1 wird im flüssigen Zustand des Kunststoffes
eine Granulatschicht 3 aufgebracht, die aus Figur 2 ersichtlich ist. Es handelt sich
dabei um eine Basaltschicht, so dass Teile des Basaltes im Kunststoff eingebettet
und darin festgelegt werden, während die anderen Abschnitte vorstehen. Auf den ausgehärteten
Kunststoff wird in derselben Form die Betonschicht 2 aufgebracht. Der flüssige Beton
verbindet sich dabei mit den Basaltsteinen der Basaltschicht, so dass eine flächenförmige
und in die dritte Dimension verlaufende Verankerung über die Haftungsflächen an den
Basaltsteinen gegeben ist. Nach der Abbindungszeit des Betons kann der fertige Tübbing
der Form entnommen werden.
[0030] Figur 3 zeigt ein Dichtungsprofil, das aus einer Nut 5 und einer am nächstfolgenden
Tübbing aus einer wulstförmigen Feder 6 besteht. Diese werden in der Form automatisch
mit angeformt. Zu diesem Zweck sind die Seitenschalen der Form verfahrbar und weisen
die entsprechenden negativen Ausbildungsformen an jeweils zwei aneinanderstoßenden
Seiten auf, so dass im Verbund die Tübbinge an den Innenseiten durchgehend isoliert
sind.
[0031] Fig. 4 zeigt in Form eines Ausschnittes aus einem Tübbing ein Ausführungsbeispiel,
bei dem in einer Rahmenwand 7 an der Basisschicht die Kunststoffschicht hochgezogen
dargestellt ist, in die durch entsprechende Rippenanordnung an der Innenseite der
Form eine Nut 8 eingeformt ist. Auch die Innenseite der Rahmenwand 7 weist das erfindungsgemäße
Granulat oder eine dreidimensionale Matte auf, um die gewünschte Bindung zu der nachträglich
eingegossenen Betonschicht 2 herzustellen. Diese Nut 8 kann umlaufend in den Rahmenwänden
7 vorgesehen sein, so dass alle Tübbinge baugleich ausführbar sind. Nachträglich wird
das Dichtungsprofil 9, das beispielsweise aus unterschiedlichen Kunststoffen oder
Gummimassen bestehen kann, bodenseitig angeklebt. Eine Klebverbindung kann bei einer
Verbindung mit dem benachbarten Tübbing in der entsprechenden Nut ebenfalls vorgesehen
sein. Es reicht aber eine kraftschlüssige Verbindung aus, um die gewünschte Abdichtung
sicherzustellen.
[0032] In Fig. 5 ist ein Ausschnitt aus einem Tübbing dargestellt, der zeigt, dass dann,
wenn das Dichtungsprofil 9 mit Verankerungselementen 10 versehen ist, das Dichtungsprofil
9 bei der Herstellung des Kunststoff-Inliners, also der Kunststoffschicht, mit den
Verankerungselementen eingegossen werden kann. Ein nachträgliches Aufkleben oder Aufvulkanisieren
ist nicht erforderlich.
Bezugszeichenliste
[0033]
- 1
- Kunststoffschicht
- 2
- Betonschicht
- 3
- Granulatschicht
- 4
- Durchbruch
- 5
- Nut
- 6
- Dichtungslippe
- 7
- Rahmenwand
- 8
- Nut
- 9
- Dichtungsprofil
- 10
- Verankerungselement
1. Betontübbing zum Herstellen einer Tunnel- oder Kanalwandung beim Tunnel- oder Kanalbau
mit einer Kunststoffschicht an der Innenseite, die als verlorene Schalung beim Aufbringen
einer Betonschicht in einer Betongießvorrichtung dient, wobei die Kunststoffschicht
mit der Betonschicht verbunden ist, dadurch gekennzeichnet, dass die Kunststoffschicht (1) mit der Betonschicht (2) durch eine in die Kunststoffschicht
außenseitig eingebrachte Granulatschicht (3) aus grobkörnigem Granulat oder durch
eine offenporige Matte aus Kunststoff oder Metall oder aus Fasern aus diesen Materialien
mit einer dreidimensionalen Struktur verbunden ist.
2. Betontübbing nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Granulatschicht (3) aus Basaltstreu, Granitsteinchen, Kiesstreu, Kunststoff-
oder Metallgranulaten oder -formteilen oder Stahlwolle oder aus einer Mischung aus
mindestens zwei der genannten Komponenten besteht.
3. Betontübbing nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Kunststoffschicht (1) eine Polyurethanschicht ist und im flüssigen Zustand die
Granulatschicht (3) aufgebracht ist und die Granulate im Kunststoff teilweise eingebettet
sind und nach dem An- oder Aushärten die Betonschicht (2) aufgebracht ist.
4. Betontübbing nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass in der Kunststoffschicht (1) mindestens ein Durchbruch (4) für die Aufnahme einer
Hülse oder eines Dübels oder zum Ein- oder Anbringen von anderen Befestigungsmitteln
vorgesehen ist.
5. Betontübbing nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass in den Kunststoff Kohlestoff- oder Glasfasern eingebracht sind.
6. Betontübbing nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass in die Betonschicht (2) Bewehrungsmatten aus Kunststoff oder Metallgewebe und/oder
Geflecht oder andere Armierungen eingelegt sind.
7. Betontübbing nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass auf die Kunststoffschicht randseitig verlaufend ein Dichtungsprofil (9) aus elastischem
Material aufgelegt, eingedrückt, verankert oder angeformt ist oder auf einer Aufkantung
der Kunststoffschicht ein Dichtungsprofil (9) mit einer U-förmigen Aufnahme aufgesetzt
ist.
8. Betontübbing nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Kunststoffschicht randseitig an mindestens zwei gegenüberliegenden Seiten mindestens
über ein definiertes Höhenmaß hochgezogen ist und eine Rahmenwand (7) bildet und dass
auf die Rahmenwand (7) ein Dichtungsprofil (9) aus elastischem Material aufgelegt,
eingedrückt, verankert oder angeformt ist oder auf einer Aufkantung der Kunststoffschicht
ein Dichtungsprofil (9) mit einer U-förmigen Aufnahme aufgesetzt ist oder nutenförmige
Aufnahmen (8) kongruent in die Seiten der Rahmenwände (2) benachbarter Betontübbinge
zur Aufnahme eines Dichtungsprofils (9) aus elastischem Material vorgesehen sind.
9. Betontübbing nach Anspruch 1, 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Kunststoffschicht (1) an zwei in einem Winkel, vorzugsweise in einem rechten
Winkel, aneinanderstoßenden Stirnseiten eine durchgehende Nut (5) aufweist und an
den beiden anderen Seiten eine wulstförmige Dichtungslippe (6), die korrespondierend
zu der Nut (5) des nächstfolgenden Tübbings angebracht ist, derart, dass zwei Tübbinge
beim Verbauen durch Nut-Feder-Verbindung dichtend aneinander liegen.
10. Betontübbing nach Anspruch 1, 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass die nutenförmigen Aufnahmen (8) in die Rahmenwände (7) des Betontübbings umlaufend
eingebracht sind und dass das Dichtungsprofil (9) eingelegt, eingeklebt oder verankert
darin eingebettet ist.
11. Verfahren zur Herstellung eines Betontübbings nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass eine Polyurethanschicht in eine Segmentform eingebracht wird, dass auf die Oberfläche
eine Granulatschicht über eine Zuführanordnung, die über die Breite des Tübbings einen
Austrittsschlitz aufweist, oder durch einen Verteilkopf, der über eine Zuleitung das
Granulat durch Kopfbewegung über die Fläche verteilt, gestreut wird oder dass eine
offenporige Matte aus Kunststoff, Metall oder Fasern aus diesen Materialien mit einer
dreidimensionalen Struktur aufgelegt wird und dass die Kunststoffschicht nach dem
Aushärten entnommen und in eine Betongießform eingelegt wird oder in der Form zum
Befüllen mit Beton verbleibt und die Form mit Beton verfüllt wird.
12. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Segmentform an zwei Seiten des Rahmens in den Innenraum vorstehende Rippen zur
Bildung von Nuten in der Kunststoffmasse und an den beiden gegenüberliegenden Seiten
in der Rahmenwand der Form eine Nut zur Ausbildung einer Feder an der Kunststoffmasse
aufweist und dass der Rahmen gegenüber der Grundfläche zum Abheben eines fertigen
Tübbings geöffnet wird.
13. Verfahren nach Anspruch 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet, dass in die flüssige Kunststoffmasse längs der Rahmenwand (7) ein Dichtungsprofil (9)
aus einem elastischen Kunststoff oder gummiartigen Werkstoff oder in eine angeformte
Nut eingelegt wird.
14. Verfahren nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass in der Rahmenwand der Form zur Aufnahme des Dichtungsprofils Ausnehmungen vorgesehen
sind.
15. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Polyurethanschicht mit einem Sprühkopf in die Form eingebracht wird und dass
zeitversetzt, während der Aushärtezeit, durch einen nachgeführten Verteilkopf das
Granulat aufgestreut wird.