[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine sichere Schalteinrichtung für ein modulares
fehlersicheres Steuerungssystem zum Ein- und sicheren Ausschalten einer Last, mit
zumindest einem verschleißbehafteten Schaltelement, das ausgelegt ist, durch ein vom
Steuerungssystem generiertes Steuersignal einen Schaltvorgang auszuführen, um die
Last zu schalten. Die Erfindung betrifft ferner ein modulares fehlersicheres Steuerungssystem
zum Ein- und sicheren Ausschalten eines elektrischen Verbrauchers, insbesondere einer
elektrisch angetriebenen Maschine, über zumindest eine Schalteinrichtung, mit einer
Steuerungsvorrichtung zum Auswerten von Eingangssignalen und zur Erzeugung eines für
die Schalteinrichtung bestimmten Steuersignals abhängig von der Auswertung.
[0002] Derartige Schalteinrichtungen sind allgemein bekannt und bilden einen Bestandteil
von fehlersicheren Steuerungssystemen, die allgemein auch als Sicherheitsschaltgeräte
bezeichnet werden. Fehlersichere Steuerungssysteme dienen dazu, das Signal eines Sicherheitsgebers,
beispielsweise eines Not-Aus-Schalters, eines Schutztürpositionsschalters etc. sicher
auszuwerten und einen oder mehrere sichere Ausgangskontakte einer Schalteinrichtung
anzusteuern. Über diese geschalteten Ausgangskontakte werden dann Aktoren, beispielsweise
Schütze, Ventile, Motoren, gefährliche Maschinenteile, beispielsweise Sägeblätter,
Roboterarme, Hochspannungseinrichtungen, etc., in einen sicheren Zustand gebracht.
Die Anmelderin bietet unter dem Namen "PNOZ" eine Vielzahl von unterschiedlichen Sicherheitsschaltgeräte-Typen
an. Ein Beispiel eines modular aufgebauten Sicherheitsschaltgeräts mit einem modularen
fehlersicheren Steuerungssystem und einer sicheren Schalteinrichtung ist beispielsweise
in
DE 100 20 075 C2 offenbart. Auch in der Druckschrift
DE 100 11 211 ist ein Sicherheitsschaltgerät der Anmelderin gezeigt.
[0003] Da derartige Sicherheitsschaltgeräte in sicherheitskritischen Umgebungen eingesetzt
werden, müssen die Gefahren, die durch defekte Bauteile verursacht werden können,
beherrscht werden. Neben den fehlerbeherrschenden Maßnahmen, z.B. mittels redundantem
Aufbau und der Anwendung automatischer diagnostischer Prüfungen zur Erkennung von
gefahrbringenden Hardware-Ausfällen, ist das Berücksichtigen der Ausfallraten der
Bauteile, die in Sicherheitsschaltgeräten zum Einsatz kommen, zunehmend von Bedeutung.
[0004] Es ist bekannt, dass Sicherheitsschaltgeräte nicht absolut sicher sein können. Deshalb
muss das Risiko, dass das Sicherheitsschaltgerät durch den Ausfall eines Bauteils
ausfällt, bewertet werden, und dieses Risiko muss unter einem akzeptierten Grenzwert
liegen.
[0005] Bei elektrischen und elektronischen Bauteilen wird üblicherweise angenommen, dass
deren Ausfallrate konstant ist. Das Risiko eines Ausfalls ist deshalb bei einem neuen
und bei einem alten, baugleichen Sicherheitsschaltgerät gleich hoch.
[0006] Bei mechanischen und elektromechanischen Bauteilen, wie beispielsweise Relais, Schütze,
Bremsen, etc., muss üblicherweise mit Verschleiß gerechnet werden. Die Ausfallrate
steigt deshalb ab einer Verschleißgrenze stark an, so dass das akzeptierte Risiko
am Lebensdauerende des Bauteils überschritten wird. Es wird deshalb vorgeschrieben,
diese Bauteile vor deren Verschleißgrenze auszutauschen oder die Bauteile so zu betreiben,
dass die Verschleißgrenze im vorgesehenen Betrieb nicht erreicht wird.
[0007] Die Quantifizierung der Bauteilzuverlässigkeit ist erforderlich, um nachzuweisen,
dass die aktuellen Normen IEC 61508 bzw. ISO 13849-1 eingehalten werden.
[0008] Die Vorgaben durch die Normen über Funktionssicherheit und das fortwährende Bestreben,
die Sicherheit und die Verfügbarkeit von Sicherheitsschaltgeräten zu erhöhen, lassen
den Wunsch entstehen, die Diagnose vor allem von verschleißbehafteten Bauteilen zu
verbessern.
[0009] "Diagnose" wird im Rahmen der vorliegenden Anmeldung im Sinne der Normenreihe IEC
61508 verwendet.
[0010] Dort wird unter "Diagnose" die Anwendung automatischer diagnostischer Prüfungen zur
Erkennung gefahrbringender Hardware-Ausfälle in sicherheitsbezogenen Systemen verstanden.
[0011] Vor diesem Hintergrund besteht die Aufgabe der vorliegenden Erfindung darin, die
eingangs genannte Schalteinrichtung so weiterzubilden, dass eine bessere, insbesondere
sicherere Diagnose möglich ist.
[0012] Diese Aufgabe wird bei der eingangs genannten Schalteinrichtung dadurch gelöst, dass
eine Vorrichtung zum Erfassen der Anzahl der getätigten Schaltvorgänge (Erfassungsvorrichtung)
vorgesehen ist, die eine Speichervorrichtung zum dauerhaften fehlersicheren Speichern
der erfassten Anzahl aufweist.
[0013] Das heißt mit anderen Worten, dass dezentral in der Schalteinrichtung selbst ein
Zähler geführt wird, der die Anzahl der getätigten Schaltvorgänge (auch "Schaltspielzahl"
genannt) angibt, und der zentral auf Steuerungssystem-Ebene ausgewertet werden kann.
Um den hohen Sicherheitsbedürfnissen Rechnung zu tragen, ist die Speichervorrichtung
mit fehlersicheren Speichern ausgestattet, die zudem die Information "dauerhaft",
das heißt auch bei Wegfall der Betriebsspannung (nullspannungssicher) speichern. Unter
dem Begriff "fehlersicher" ist im Rahmen der vorliegenden Anmeldung zu verstehen,
dass der Speicher zwar defekt sein darf, dies aber erkannt werden muss, um eine Fehlinterpretation
des Speicherinhalts zu vermeiden.
[0014] Dem Benutzer eines modularen Sicherheitsschaltgeräts wird mit der erfindungsgemäßen
Lösung ein Mittel in die Hand gegeben, eine Diagnose von verschleißbehafteten Schaltelementen
auf der Basis der abgespeicherten fehlersicheren Anzahl der getätigten Schaltvorgänge
vorzunehmen.
[0015] Gerade bei einem Einsatz von Relais als Schaltelemente kann mit Hilfe der fehlersicher
gespeicherten Anzahl der Schaltvorgänge vermieden werden, dass sie über die von den
Herstellern vorgegebenen Verschleißgrenzen hinaus betrieben werden. Darüber hinaus
lässt sich auch beispielsweise ein Warnsystem auf der Grundlage der gespeicherten
Anzahl der Schaltvorgänge realisieren, um den Benutzer rechtzeitig vor Erreichen der
Verschleißgrenze zu informieren und/oder in einen anderen Betriebsmodus zu wechseln,
um ein sicherheitskritisches Verhalten bei Ausfall des Schaltelements zu verhindern.
[0016] Bei einer bevorzugten Weiterbildung weist die Erfassungsvorrichtung eine Zählerschaltung
auf, die durch ein Zählsignal einen Zählerstand, vorzugsweise um eins, inkrementiert
und diesen Zählerstand in der Speichervorrichtung abspeichert.
[0017] Das bedeutet mit anderen Worten, dass die dezentrale sichere Schalteinrichtung alle
Elemente aufweist, die zur Erfassung der Anzahl der Schaltvorgänge erforderlich sind,
nämlich einerseits einen Zähler, der sich inkrementieren lässt mit Hilfe eines Zählsignals,
und andererseits die bereits erwähnte Speichervorrichtung zum Speichern des Zählerstands.
Es ist folglich damit nicht notwendig, dass das zentrale Steuerungssystem den Zählerstand
liefert und dieser dezentral gespeichert wird.
[0018] Bei einer bevorzugten Weiterbildung wird das Zählsignal vom zentralen Steuerungssystem
generiert und der dezentralen sicheren Schalteinrichtung zugeführt, so dass dort der
Zähler entsprechend inkrementiert werden kann.
[0019] Noch bevorzugter ist es jedoch, die dezentrale Schalteinrichtung mit einer Vorrichtung
zum Detektieren des Steuersignals und Erzeugen eines Zählsignals auszustatten. Das
heißt mit anderen Worten, dass die dezentrale sichere Schalteinrichtung anhand des
ihr sowieso zugeführten Steuersignals zum Schalten des Schaltelements ein Zählsignal
erzeugt.
[0020] Diese Ausgestaltung ist besonders einfach und führt den Gedanken der dezentralen
Struktur weiter, so dass die Erfassung der Anzahl der getätigten Schaltvorgänge ohne
Mithilfe des Steuerungssystems dezentral von der sicheren Schalteinrichtung vorgenommen
werden kann.
[0021] Bei einer bevorzugten Weiterbildung ist der Speichervorrichtung ein Mittel zur Fehlererkennung
zugeordnet, um Fehler der Speichervorrichtung zu erkennen.
[0022] Ein solches Mittel hat also die Aufgabe, beispielsweise zu prüfen, ob die Speichervorrichtung
fehlersicher funktioniert, das heißt beispielsweise, dass die einzelnen zum Abspeichern
erforderlichen Speicherzellen funktionsfähig sind. Ein solcher Test kann beispielsweise
zyklisch ausgeführt werden.
[0023] Alternativ oder in Ergänzung hierzu ist bevorzugt vorgesehen, die Speichervorrichtung
mit zwei redundanten Speicherelementen auszustatten.
[0024] Diese Lösung hat den Vorteil, dass bei einer fehlerhaften Datenspeicherung mit den
redundanten Daten aus dem anderen Speicherelement ein Betrieb weitergeführt werden
kann. Es ist hiermit eine fehlersichere hochverfügbare dezentrale Diagnose möglich.
[0025] Alternativ zu zwei redundanten Speicherelementen ist es selbstverständlich auch möglich,
dass das abgespeicherte Datum (das heißt die Anzahl der Schaltvorgänge) mit Paritätsbits
versehen wird, so dass daran erkannt werden kann, ob das Datum fehlerhaft ist. Alternativ
könnte beispielsweise auch eine zyklische Redundanzprüfung (CRC) ausgeführt werden,
wobei ein entsprechender CRC-Wert zusammen mit dem entsprechenden Datum abgespeichert
wird. Mit Hilfe einer solchen Prüfung ist es nicht nur möglich, einen Fehler grundsätzlich
zu erkennen, sondern es ist auch möglich, den Fehler zu korrigieren. Damit lässt sich
eine fehlersichere dezentrale Diagnose vorsehen.
[0026] Es versteht sich, dass andere Mittel und Verfahren ebenfalls denkbar sind, um fehlerhaft
abgespeicherte Daten zu erkennen und gegebenenfalls korrigieren.
[0027] Bei einer bevorzugten Weiterbildung weist die erfindungsgemäße Schalteinrichtung
ein Mittel zum Auslesen der gespeicherten Anzahl der Schaltvorgänge und zum Übermitteln
der ausgelesenen Anzahl an das Steuerungssystem auf.
[0028] Das heißt mit anderen Worten, dass das zentrale Steuerungssystem die Anzahl der Schaltvorgänge
von einer angeschlossenen Schalteinrichtung abfragen kann, um auf dieser Basis eine
Diagnose bzw. Prüfung vorzunehmen.
[0029] Selbstverständlich wäre es alternativ auch denkbar, die Auswertung bzw. Diagnose
auf der Basis der abgespeicherten Anzahl von Schaltvorgängen dezentral von der Schalteinrichtung
vornehmen zu lassen. Es wäre denkbar, dass die sichere Schalteinrichtung dann lediglich
Diagnosestatusmeldungen an das zentrale Steuerungssystem ausgibt. In diesem Fall sind
die erforderlichen Parameter für die Diagnose, wie beispielsweise die Schaltspielzahl
bis zum Erreichen der Verschleißgrenze, etc., in der Schalteinrichtung abgelegt.
[0030] Der Vorteil einer solchen dezentralen Diagnose liegt insbesondere in der Flexibilität,
da durch den Austausch einer Schalteinrichtung oder einer Ergänzung keine Daten neu
auf das zentrale Steuerungssystem aufgespielt werden müssen, sondern dass die Schalteinrichtung
selbst die Diagnoseparameter "mitbringt".
[0031] Die der Erfindung zugrunde liegende Aufgabe wird auch von einem modularen fehlersicheren
Steuerungssystem der eingangs genannten Art dadurch gelöst, dass eine Diagnoseparameter-Speichervorrichtung
zum Speichern vorgebbarer Schaltvorgangs-Schwellenwerte für die zumindest eine Schalteinrichtung,
und eine Diagnosedaten-Analysevorrichtung vorgesehen sind, die ausgelegt sind, die
aus einer Schalteinrichtung ausgelesene Anzahl von Schaltvorgängen mit den abgespeicherten
Schwellenwerten zu vergleichen und abhängig davon eine Aktion zu veranlassen.
[0032] Das heißt mit anderen Worten, dass die Diagnose zentral im Steuerungssystem vorgenommen
wird, wobei die erforderlichen Diagnoseparameter, wie Schaltvorgangs-Schwellenwerte,
dort abgelegt sind. Sollte die Diagnose zu dem Ergebnis führen, dass beispielsweise
ein Schaltelement einer Schalteinrichtung in Kürze die Verschleißgrenze erreicht,
kann das Steuerungssystem eine bestimmte Aktion auslösen. Unter einer solchen Aktion
kann im einfachsten Fall die Ausgabe einer Warnung verstanden werden, dass die Verschleißgrenze
bald erreicht wird und beispielsweise ein Austausch des Schaltelements erforderlich
ist. Eine andere Aktion könnte darin bestehen, in einen eingeschränkten Betrieb zu
wechseln, wobei in einem solchen eingeschränkten Betrieb beispielsweise nur eine reduzierte
Geschwindigkeit der Maschine zugelassen wird oder der Normalbetrieb nur für eine eingeschränkte
Zeit zugelassen wird. Eine weitere Aktion könnte darin bestehen, das Sicherheitssystem
in den sicheren Zustand zu führen und den Betrieb zu unterbrechen.
[0033] Es versteht sich, dass die vorstehend genannten und die nachstehend noch zu erläuternden
Merkmale nicht nur in der jeweils angegebenen Kombination, sondern auch in anderen
Kombinationen oder in Alleinstellung verwendbar sind, ohne den Rahmen der vorliegenden
Erfindung zu verlassen.
[0034] Weitere Vorteile und Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus der Beschreibung
und der beiliegenden Zeichnung. Die einzige Figur zeigt in Form eines schematischen
Blockschaltdiagramms den Aufbau eines Sicherheitsschaltgeräts, wobei nur die für die
Erfindung notwendigen Baugruppen dargestellt sind.
[0035] In der einzigen Figur ist ein Sicherheitsschaltgerät als Blockschaltdiagramm dargestellt
und mit dem Bezugszeichen 10 gekennzeichnet. Aus Übersichtlichkeitsgründen sind in
diesem Blockschaltdiagramm nur die für die Erläuterung der Erfindung erforderlichen
Baugruppen dargestellt. Im Hinblick auf einen konkreten mechanischen und elektrotechnischen
Aufbau eines solchen Sicherheitsschaltgeräts 10 wird auf die in der Beschreibungseinleitung
genannten Druckschriften verwiesen oder auf die von der Anmelderin erhältlichen schriftlichen
Unterlagen zu dem Sicherheitsschaltgerät "PNOZmulti" oder "PSSu".
[0036] Das Sicherheitsschaltgerät 10 dient ganz allgemein dazu, einen Verbraucher 12, beispielsweise
einen Elektromotor, mit einer Spannungsversorgung 14 zu verbinden bzw. davon zu trennen.
Die Trennung des Verbrauchers 12 von der Spannungsversorgung 14 erfolgt mit Hilfe
des Sicherheitsschaltgerät 10 auf sichere Weise dann, wenn beispielsweise ein Not-Aus-Schalter
16 betätigt wird. An dieser Stelle sei angemerkt, dass diese Beschaltung eines Sicherheitsschaltgeräts
10 rein beispielhaft ist und für eine von vielen unterschiedlichen Beschaltungen steht.
Insbesondere sind andere Schalter anstelle des Not-Aus-Schalters 16 denkbar, wie beispielsweise
Lichtgitter, Lichtschranken, etc.
[0037] Das in der Figur gezeigte Sicherheitsschaltgerät 10 ist modular aufgebaut und umfasst
ein Zentralmodul 20, das nachfolgend auch als Steuerungssystem bezeichnet wird, und
zumindest ein Relaismodul 40, das nachfolgend auch als Schalteinrichtung bezeichnet
wird. Das Steuerungssystem 20 ist mit der Schalteinrichtung 40 über einen Datenbus
60 verbunden. Als Bus 60 kommen unterschiedliche Systeme in Frage, wobei die Anmelderin
beispielsweise auch ein sicheres Bussystem anbietet, das hier zum Einsatz kommen könnte.
[0038] Um eine Kommunikation zwischen Steuerungssystem 20 und Schalteinrichtung 40 über
den Bus 60 abwickeln zu können, ist jeweils ein Interface 22 bzw. 42 vorgesehen, wobei
diese Interfaces bzw. Schnittstellen 22, 42 an das jeweils benutzte Bussystem angepasst
sind.
[0039] Sowohl das Steuerungssystem 20 als auch die Schalteinrichtung 40 verfügen jeweils
über eine Steuerungseinheit 24 bzw. 44, die mit den jeweiligen Schnittstellen 22 bzw.
44 verbunden sind. Die Steuerungseinheiten 24, 44 sind für die Steuerung der kompletten
Abläufe innerhalb des jeweiligen Moduls 20, 40 zuständig, wobei an dieser Stelle auf
eine detaillierte Beschreibung verzichtet werden kann. Vielmehr wird auf die bereits
erwähnten Druckschriften verwiesen, in denen der Aufbau erläutert ist.
[0040] Die zentrale Steuerungseinheit 24 umfasst eine Auswerteeinheit 26, die bestimmte
Daten für Diagnosezwecke auswertet. Es handelt sich hierbei insbesondere um die Auswertung
der Anzahl von Schaltvorgängen (Schaltspielzahl), die die Schaltelemente 46 der angeschlossenen
Schalteinrichtungen 40 ausgeführt haben. Diese Anzahl ist dann von Bedeutung, wenn
es sich bei den Schaltelementen 46 um verschleißbehaftete Schaltelemente handelt,
wie beispielsweise Relais.
[0041] Der zentralen Steuerungseinheit 24 ist eine Speichereinheit 28 zugeordnet, die zumindest
zwei Speicherelemente 30, 32 umfasst. Die Speichereinheit 28 dient dazu, Diagnoseparameter
abzuspeichern, wobei aus Sicherheitsgründen eine redundante Speicherung erforderlich
ist. Das heißt mit anderen Worten, dass die beiden vorgesehenen Speicherelemente 30,
32 jeweils identische Diagnoseparameter speichern, so dass auch bei einem fehlerhaften
Datum das im redundanten Speicherelement abgespeicherte Datum für den Weiterbetrieb
verwendet werden kann.
[0042] Selbstverständlich sind andere Möglichkeiten der fehlersicheren Datenspeicherung
denkbar. So wäre es beispielsweise auch möglich, zu jedem abgespeicherten Datum einen
CRC-Wert zu speichern, so dass beim Auslesen dieses Datums einerseits festgestellt
werden kann, ob ein Fehler vorliegt, und andererseits dieser Fehler korrigiert werden
kann.
[0043] Bei den abzuspeichernden Diagnoseparametern handelt es sich beispielsweise um Werte
für Schaltvorgänge von verschleißbehafteten Schaltelementen 46. Ein solcher Diagnoseparameter
kann folglich beispielsweise die Anzahl der Schaltvorgänge eines Schaltelements sein,
die der Hersteller dieses Schaltelements zulässt. Das heißt mit anderen Worten, dass
das Schaltelement bei Erreichen dieser Anzahl von Schaltvorgängen ausgewechselt werden
sollte.
[0044] Es versteht sich, dass andere Diagnoseparameter ebenfalls in der Speichereinheit
28 abgespeichert werden können. Darüber hinaus sei an dieser Stelle angemerkt, dass
sich die abgespeicherten Diagnoseparameter auf eine einzelne modulare Schalteinrichtung
40 beziehen. Für den Fall, dass mehrere unterschiedliche Schalteinrichtungen 40 am
Bus 60 angeschlossen sind, enthält die Speichereinheit 28 für jede Schalteinrichtung
die entsprechenden Diagnoseparameter.
[0045] Die modulare Schalteinrichtung 40 umfasst ebenfalls eine Speichereinheit 48, die
der Steuerungseinheit 44 zugeordnet ist, also mit dieser über entsprechende Daten
und Steuerleitungen verbunden ist. Die Speichereinheit 48 ist als redundante Speichereinheit
aufgebaut, so dass Speicherelemente 50, 52 vorgesehen sind, die identische Daten speichern.
[0046] Die Speichereinheit 48 ist dazu ausgelegt, Diagnosedaten abzuspeichern, wobei im
vorliegenden Ausführungsbeispiel ein Diagnosedatum die Anzahl der Schaltvorgänge des
Schaltelements 46 ist.
[0047] Um die Anzahl der Schaltvorgänge einerseits zu erfassen und andererseits dauerhaft
und fehlersicher zu speichern, sind ein erstes Zähler-Register 54 und ein zweites
Zähler-Register 56 vorgesehen, die Teil der Speichereinheit 48 sein können. Die beiden
Zähler-Register 54, 56 speichern einen Zählwert, der bei Eintreten eines bestimmten
Ereignisses, hier das Einschalten des Schaltelements 46, um eins inkrementiert wird.
[0048] Wichtig bei den beiden Zähler-Registern 54, 56 ist, dass sie auch bei Wegfall der
Versorgungsspannung ihren Registerwert behalten, also nullspannungssicher sind.
[0049] Darüber hinaus muss gewährleistet sein, dass der gespeicherte Zähler, der die Anzahl
der Schaltvorgänge angibt, fehlersicher ist. Das heißt nicht notwendigerweise, dass
das Abspeichern redundanter Daten erforderlich ist, um bei einem fehlerhaften Datum
mit dem redundanten zweiten Datum weiterarbeiten zu können, sondern zunächst nur,
dass eine fehlerhafte Speicherung eines Datums erkannt wird.
[0050] Hierfür existieren unterschiedliche Verfahren, wobei - wie bereits zuvor erwähnt
- das Abspeichern von zusätzlichen Paritätsbits eine Möglichkeit bietet, fehlerhafte
Abspeicherungen zu erkennen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, zusätzlich zu
dem Datum einen so genannten CRC-Wert (zyklische Redundanzprüfung) mit abzuspeichern,
so dass anhand dieses CRC-Werts nicht nur ein Fehler erkannt sondern auch der Fehler
unter Umständen korrigiert werden kann.
[0051] Um einen Betrieb der Schalteinrichtung auch bei fehlerhaftem Zähler-Wert zu gewährleisten,
ist bevorzugt jedoch das in der Figur dargestellte zweite Zähler-Register 56 als Redundanz
vorgesehen. Das heißt mit anderen Worten, dass die Anzahl der Schaltvorgänge identisch
in zwei unterschiedlichen Zähler-Registern 54, 56 abgelegt ist.
[0052] Um die Werte in den Zähler-Registern 54, 56 um eins zu inkrementieren, generiert
die Steuerungseinheit 44 ein Zählsignal und überträgt dies zu den beiden Zähler-Registern
54, 56, immer dann, wenn sie ein Einschaltsignal an das Schaltelement 46 überträgt.
[0053] Alternativ wäre selbstverständlich auch denkbar, dass ein Zählsignal von dem Steuerungssystem
20 generiert und über den Bus 60 an die jeweilige Schalteinrichtung 40 übertragen
wird.
[0054] Zur Auswertung des im Zähler-Register 54 bzw. 56 abgespeicherten Werts ruft das Steuerungssystem
20 ein Diagnoseprogramm auf, das das im Zähler-Register 54, 56 der Schalteinrichtung
40 abgespeicherte Datum anfordert. Dies hat zur Folge, dass die Schalteinrichtung
40 dieses Datum zur Schnittstelle 42 und über diese und den Bus 60 zum Steuerungssystem
20 überträgt. Nach Empfang dieses Datums, das beispielsweise die Anzahl der aufgetretenen
Schaltvorgänge angibt, wird ein Vergleich mit einem oder mehreren Diagnoseparametern
vorgenommen, die in der Speichereinheit 28 abgelegt sind. Bei diesen Diagnoseparametern
handelt es sich beispielsweise um verschiedene Schwellenwerte, die üblicherweise vom
Hersteller des Schaltelements 46 vorgegeben werden und bei Überschreiten eine bestimmte
Aktion auslösen. Beschreibt beispielsweise ein Diagnoseparameter die Anzahl der Schaltvorgänge
bis zur Verschleißgrenze, wird bei Erreichen dieses Werts die Schalteinrichtung 40
über das Steuerungssystem 20 sicher abgeschaltet.
[0055] Neben diesen Diagnoseparametern sind weitere, wie bereits angegeben, denkbar. So
könnte ein weiterer Diagnoseparameter die Anzahl der Schaltvorgänge angeben, ab der
eine Warnung ausgegeben werden muss, die den Anwender darauf aufmerksam macht, dass
das entsprechende Schaltelement 46 der Schalteinrichtung 40 ausgewechselt werden muss.
[0056] Schließlich kann eine Aktion, die von dem Steuerungssystem veranlasst wird, auch
darin bestehen, einen Betrieb des Verbrauchers 12 nur mit reduzierter Geschwindigkeit
oder nur für eine bestimmte Zeit zuzulassen.
[0057] Es versteht sich also, dass für unterschiedliche Aktionen unterschiedliche Diagnoseparameter
(beispielsweise als Schwellenwerte) in der Speichereinheit 28 abgespeichert sind.
Diese Diagnoseparameter können vom Hersteller der Schalteinrichtung stammen, oder
aber auch vom Anwender des Sicherheitsschaltgeräts 10. Das heißt mit anderen Worten,
dass die in der Speichereinheit 28 abgelegten Diagnosedaten vorgebbar bzw. einstellbar
sind.
[0058] Da die als Diagnoseparameter abgespeicherten Schwellenwerte häufig erst nach einigen
Jahren des Betriebs des Sicherheitsschaltgeräts erreicht werden, ist es zum einen
zwingend erforderlich, dass die in den beiden Speichereinheiten 28, 48 abgespeicherten
Diagnoseparameter bzw. Diagnosedaten auch bei Wegfall der Betriebsspannung dauerhaft
erhalten bleiben. Andererseits müssen die Zähler-Register mit ausreichend Bitbreite
ausgestattet sein, so dass auch sehr große Werte gespeichert werden können, ohne dass
ein Überlauf stattfindet.
[0059] Mit Hilfe der nullspannungssicheren und fehlersicheren Speicherung der Anzahl der
Schaltvorgänge innerhalb einer modularen Schalteinrichtung 40 ist es möglich, eine
Diagnose vorzunehmen, um das Ausfallrisiko anhand von abgespeicherten Diagnoseparametern
erfassen und anhand einer Auswertung dann bestimmte Aktionen veranlassen zu können.
Das Ergebnis besteht darin, dass die Verfügbarkeit des Sicherheitsschaltgeräts erhöht
wird, da sich die durch Verschleiß von Schaltelementen hervorgerufenen Ausfälle durch
frühzeitiges Reagieren im Wesentlichen vermeiden lassen.
[0060] Alternativ zu dem in der Figur gezeigten Ausführungsbeispiel wäre es auch denkbar,
dass die zu einer Schalteinrichtung 40 gehörenden Diagnoseparameter nicht zentral
sondern dezentral in der jeweiligen Schalteinrichtung abgespeichert sind. Das zentrale
Steuerungssystem 20 kann dann diese Diagnoseparameter über den Bus anfordern, um sie
in der eigenen Speichereinheit 28 abzulegen. Denkbar wäre natürlich auch, dass die
Diagnose dezentral in der jeweiligen Schalteinrichtung 40 stattfindet und nur das
Ergebnis an das zentrale Steuerungssystem übermittelt wird.
1. Sichere Schalteinrichtung für ein modulares fehlersicheres Steuerungssystem (10, 20)
zum Ein- und sicheren Ausschalten eines elektrischen Verbrauchers (12), mit zumindest
einem verschleißbehafteten Schaltelement (46), das ausgelegt ist, durch ein vom Steuerungssystem
(10, 20) generiertes Steuersignal einen Schaltvorgang auszuführen, um den elektrischen
Verbraucher (12) zu schalten, gekennzeichnet durch eine Vorrichtung zum Erfassen der Anzahl der getätigten Schaltvorgänge (44, 48) (Erfassungsvorrichtung)
mit einer Speichervorrichtung (48, 50, 52) zum dauerhaften fehlersicheren Speichern
der erfassten Anzahl.
2. Schalteinrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Schaltelement ein Relais (46) ist.
3. Schalteinrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Erfassungsvorrichtung eine Zählerschaltung (54, 56) aufweist, die durch ein Zählsignal
einen Zählerstand, vorzugsweise um eins, inkrementiert, und diesen Zählerstand in
der Speichervorrichtung abspeichert.
4. Schalteinrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Zählerschaltung (54, 56) und die Speichervorrichtung (48, 50, 52) als eine Einheit
(28) ausgebildet sind.
5. Schalteinrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Zählsignal vom Steuerungssystem (20) generiert und zugeführt ist.
6. Schalteinrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Erfassungsvorrichtung eine Vorrichtung zum Detektieren des Steuersignals und
Erzeugen eines Zählsignals aufweist.
7. Schalteinrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Speichervorrichtung (48) ein Mittel zur Fehlererkennung zugeordnet ist, um Fehler
der Speichervorrichtung zu erkennen.
8. Schalteinrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Speichervorrichtung (48) zwei redundante Speicherelemente (50, 52) aufweist.
9. Schalteinrichtung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass in beiden Speicherelementen die Anzahl der Schaltvorgänge gespeichert ist.
10. Schalteinrichtung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass in einem der beiden Speicherelemente eine Prüfsumme der im anderen Speicherelement
abgespeicherten Anzahl gespeichert ist.
11. Schalteinrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass ein Mittel zum Auslesen der gespeicherten Anzahl der Schaltvorgänge und Übermitteln
der ausgelesenen Anzahl an das Steuerungssystem vorgesehen ist.
12. Modulares fehlersicheres Steuerungssystem zum Ein- und sicheren Ausschalten eines
elektrischen Verbrauchers, insbesondere einer elektrisch angetriebenen Maschine, über
zumindest eine, vorzugsweise externe Schalteinrichtung (40), insbesondere nach einem
der Ansprüche 1 bis 11, mit einer Steuerungsvorrichtung (24, 26) zum Auswerten von
Eingangssignalen und zur Erzeugung eines für die Schalteinrichtung (40) bestimmten
Steuersignals abhängig von der Auswertung, gekennzeichnet durch eine Diagnoseparameter-Speichervorrichtung (28) zum Speichern vorgebbarer Schaltvorgangs-Schwellenwerte
für die zumindest eine Schalteinrichtung (40), und eine Diagnosedaten-Analysevorrichtung
(26), die ausgelegt ist, die aus einer Schalteinrichtung ausgelesene Anzahl von Schaltvorgängen
mit den abgespeicherten Schwellenwerten zu vergleichen und abhängig davon eine Aktion
zu veranlassen.
13. Steuerungssystem nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass eine Aktion die Ausgabe einer Warnmeldung ist und/oder das Umschalten in einen eingeschränkten
Betrieb des Verbrauchers und/oder das Umschalten des Verbrauchers in einen sicheren
Zustand.
14. Steuerungssystem nach Anspruch 12 oder 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Diagnoseparameter-Speichereinrichtung (28) fehlersicher und/oder redundant ausgebildet
ist.
15. Steuerungssystem nach Anspruch 12, 13 oder 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Diagnoseparameter-Speichereinrichtung (28) nullspannungssicher ausgebildet ist.