[0001] Die Erfindung betrifft mit Ferrofluiden beschichtete Instrumente für die Invasivmedizin;
die mit Ferrofluiden beschichteten Instrumente sind sichtbar in der Magnetresonanztomographie
(MRT).
[0002] Heutzutage werden weltweit mehr als 20.000.000 Magnetresonanztomographien (MRI) für
verschiedene klinische Indikationen durchgeführt. Im Hinblick auf die wachsende Wichtigkeit
des Gebrauchs von Ionenbestrahlung in der Therapie und dem wachsenden Interesse an
minimal-invasiven Therapien überrascht es nicht, dass sich die Magnetresonanztomographie
seit ca. 1995 langsam im Bereich der Radiologie etabliert und hinausragt. Während
die Magnetresonanztomographie ursprünglich für Diagnosebilder entwickelt wurde, wird
sie heute zu einem Gerät zur Führung und Auswertung von minimalinvasiven therapeutischen
Eingriffen verwendet. Das relativ neue Gebiet der Anwendung beschäftigt sich mit Bereichen
wie intra-operative und endovaskular eingesetzten MRI-Verfahren. Minimal-invasive
endovaskulare Verfahren spielen eine zunehmend große Rolle in der Patientenbehandlung.
Aus vielen Gründen sind die radiologischen Verfahren attraktive Alternativen zu chirurgischen
Eingriffen und entsprechenden Behandlungen. Beispiele vaskularer Behandlungen sind
die Ballon-Angioplastie, Stent oder Stent-Transplantat-Platzierung, Wickeln eines
Aneurysmus, Luftembolie und die lokale Arzneimittelversorgung.
[0003] Ein Problem im MRT-Verfahren ist, dass die menschlichen oder tierischen Gefäße, wie
z.B. der erkrankter Blutgefäße, vollständig sichtbar gemacht werden, in das die endovsakularen
Instrumente eingeführt werden. Zusätzlich ist es von Nutzen, dass die Lage der Instrumente
bei einer akzeptablen Bildfrequenz lokalisiert werden kann.
[0004] In der medizinischen Diagnostik oder Therapeutik werden solche Methoden als invasiv
bezeichnet, die in den Körper eindringen, also z. B. eine Biopsie oder ein Abstrich.
Im Zusammenhang mit einem besonders schonenden Operationsverfahren ist die minimal-invasive
Chirurgie zu nennen.
[0005] Ein Beispiel für Instrumente für die Invasivmedizin sind Katheter, Stents, Zieh-
und Führungsdrähte.
[0006] Katheter sind Röhrchen oder Schläuche verschiedener Durchmesser aus Kunststoff, Latex,
Silikon oder Glas, mit denen Hohlorgane wie Harnblase, Magen, Darm, Gefäße usw., aber
auch Ohr und Herz sondiert, entleert, gefüllt oder gespült werden können. Dies geschieht
aus diagnostischen (untersuchungsbedingten) oder therapeutischen (behandlungsbedingten)
Gründen.
[0007] Katheter können beispielsweise als
- Venenkatheter: zentraler Venenkatheter oder Venenverweilkanüle;
- in der Urologie: Katheter dienen in der Urologie der Harnableitung und als Hilfsmittel
in der Diagnostik und Therapie. In der Diagnostik dienen sie der Urinentnahme und
dem Einbringen von Medikamenten und Kontrastmittel.
- Ureterkatheter: Ableitung des Urins aus der Niere über den Harnleiter in die Harnblase
oder nach außen.
- Nephrostomiekatheter: Ableitung des Urins aus dem Nierenbecken durch die Haut nach
außen.
- in der Kardiologie: Herzkatheter
- in der Hämatologie: Portkatheter
- in der Anästhesie: Periduralkatheter
- in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde: Tubenkatheter
- in der Dialysetherapie: Peritonealkatheter zur Durchführung der Peritonealdialyse
eingesetzt werden.
[0008] Im Einsatz können die Instrumente gegebenenfalls durch eine schlauchartige Röhre
in den Körper eingeführt werden.
[0009] Bei dem Einbringen eines Instruments, wie eines Katheters, in den Körper ist eine
Überwachung erforderlich, um die Einbringung zu steuern und die Untersuchung oder
die Therapie sichtbar zu machen.
[0010] Zur Sichtbarmachung von Instrumenten für die Invasivmedizin im menschlichen Körper
sind verschiedene Verfahren bekannt.
[0012] In
Phys.Med.Biol 51 (2006) N127 bis N137 werden verschiedene paramagnetische Marker zur Beschichtung von Instrumenten für
die Invasivmedizin verglichen. Auf Grund der höheren Suszeptibilität wird Dysprosiumoxid
ferro- und ferrimagnetischem Material vorgezogen.
[0013] In der
WO 2005/110217 A1 wird beschrieben, Instrumente für die Invasivmedizin mit nanomagnetischem Material
zu beschichten und mit Hilfe der magnetischen Resonanz (MRT) abzubilden. Als nanomagnetische
Materialien werden Filme aus FeAl, FeAlO und FeAlN eingesetzt.
[0014] In der
WO 2005/120598 A1 wird ein Katheterführungsdraht beschrieben, der mit einem Kontrastmittel versehen
ist. Als Kontrastmittel wird Eisenpulver verwendet, das eine Korngröße von unter 10
µm aufweist.
[0015] In der
WO 2007/000148 A2 werden stäbchenförmige Körper (z. B. Instrumente für minimal-invasive Eingriffe)
beschrieben, die aus einem oder mehreren Filamenten und einem nicht-ferromagnetischen
Matrixwerkstoff bestehen, wobei der Matrixwerkstoff das oder die Filamente umschließt
oder miteinander verklebt und eine Dotierung erhält, die magnetresonanztomografische
Artefakte erzeugt. Als Dotierung werden Nanopartikel aus Seltenen Erden genannt.
[0016] Mit der
DE 10 2006 020 402 B3 werden Führungsdrähte für Mikrokatheter offenbart, die in Flüssigkeit suspendierte
Ferrofluide oder Diamant-Nanopartikel umfassen.
[0017] In der
US 2005/0079132 A1 werden medizinische Vorrichtungen beschrieben, die zur Sichtbarmachung im magnetischen
Feld nanomagnetische Materialien enthalten.
[0018] In der
WO 2003/035161 A1 werden bei der Magnetresonanztomographie sichtbare medizinische Vorrichtungen aus
polymerem Material offenbart, die mit ferromagnetischem Material mit einem Durchmesser
von etwa 0,01 bis etwa 50 µm beschichtet sind.
[0019] Die
WO 2003/099371 A1 offenbart einen Führungsdraht für Katheter mit in seiner äußeren Beschichtung eingekapselten
radiopaque Marker, zum Beispiel Gold, Platin oder Palladium. Auf den Führungsdraht
kann noch eine hydrophile Beschichtung aufgebracht sein.
[0020] In der Druckschrift
WO 2005/030286 A1 werden medizinische Vorrichtungen beschrieben, beispielsweise Stents, die durch Einlagerung
von Markern, zum Beispiel Stahlpartikel, im magnetischen Feld sichtbar gemacht werden.
[0021] Die
US 2004/087933 A1 offenbart einen Katheter-Führungsdraht, der aus einem festen Kern aus einem einstückig
durchgehenden polymeren Material geformt ist, vorzugsweise aus Polyetheretherketon
(PEEK), und durch Extrusion hergestellt wurde. Der Führungsdraht ist zum distalen
Ende hin verjüngt und kann mit einer hydrophilen Beschichtung versehen sein.
[0022] In der
DE 199 21 088 A1 werden implantierbare Stents aus metallischem und/oder nicht-metallischem Material
beschreiben, die mit nanoskaligen Teilchen versehen sind, die einen paramagnetischen
Kern und mindestens eine Schale aufweisen, die an dem Kern absorbiert ist.
[0023] In der
US 2006/249705 A1 werden anorganische, röhrenförmige Strukturen offenbart, beispielsweise Stents, die
nanomagnetische Partikel mit einer Größe von weniger als 100 nm umfassen. Die nanomagnetischen
Partikel dienen der Verbesserung der Visualisierung der röhrenförmigen Struktur in
der Magnetresonanztomographie.
[0024] Die
US 2005/107870 A1 offenbart ein medizinisches Instrument, das eine erste Beschichtung aus einem biologisch
aktiven Material aufweist, die sich auf zumindest einem Teil der Oberfläche des Instruments
befindet, sowie eine zweite Beschichtungsschicht, die ein polymeres Material und ein
nanomagnetisches Material umfasst, wobei die zweite Schicht auf der ersten Schicht
aufgebracht ist.
[0025] In der Druckschrift
US 2004/210289 A1 wird eine Zusammensetzung beschrieben, umfassend nanomagnetische Partikel, welche
eine Partikelgröße von weniger als 100 nm aufweisen und aus drei verschiedenen Atomen
aufgebaut sind.
[0026] Die
US 2004/030379 A1 offenbart medizinische Instrumente, die mit einer ersten Beschichtung versehen sind,
welche eine biologisch aktive Substanz umfasst, und mit einer zweiten, auf die erste
Beschichtung aufgebrachte Beschichtung, wobei die zweite Beschichtung ein polymeres
Material und magnetische Partikel umfasst. Die magnetischen Partikel sollen durch
Anlegen eines magnetischen Feld aus ihrer Beschichtung herausgelöst werden und so
eine Freisetzung der in der ersten Beschichtung enthaltenen biologisch aktiven Substanz
ermöglichen.
[0027] Das Dokument
US 2005/215874 A1 offenbart ein medizinisches Instrument, umfassend einen biologisch kompatiblen Grundkörper,
der mit einem Marker zur Verstärkung der Sichtbarkeit in der Magnetresonanztomographie
versehen ist.
[0028] Die Patentschriften
US 4,989,608 und
US 5,154,179 offenbaren einen Katheter, der ein flexibles, röhrenförmiges Element umfasst, in
das ferromagnetische Partikel eingebettet sind.
[0029] Die
GB 2 182 451 offenbart ein Verfahren zur Erzeugung von NMR-Signalen während einer Magnetresonanztomographie-Aufnahme,
bei dem die Erzeugung von NMR-Signalen in einem Körperteil, der nicht abgebildet werden
soll, durch das Einbringen von magnetischem Material, welches das Magnetfeld stört,
in dessen Nähe verhindert wird.
[0030] Die
DE 196 14 136 A1 offenbart ein Verfahren zur Herstellung agglomeratfreier, nanokristalliner Eisenoxidteilchen
mit einer Teilchengröße von nicht mehr als 100 nm, vorzugsweise von nicht mehr als
40 nm und insbesondere nicht mehr als 30 nm, die einen sehr hydrolysebeständigen Überzug
auf Silan-Basis aufweisen.
[0031] In der Praxis werden heute Marker aus Dysprosiumoxid zur Beschichtung von Instrumenten
für die Invasivmedizin eingesetzt.
[0032] Nachteilig bei den bekannten Systemen ist, dass nur mit Hilfe von wenig verfügbaren
und teuren Materialien, wie Dysprosiumoxid, ein Einsatz in der invasivmedizin möglich
ist; die Darstellung der mit Dysprosiumoxid beschichteten Instrumente im MRT-Feld
ist nicht voll befriedigend.
[0033] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist, ein Verfahren zur Herstellung medizinischer
Instrumente zur Verfügung zu stellen, bei denen Eisenoxidteilchen als Markierungsmaterialien
Verwendung finden, die eine gleichmäßige Verteilung auf den zu beschichtenden medizinischen
Instrumenten gewährleisten, keine Unverträglichkeiten aufweisen und im MRT eine Darstellung
von Gewebebereichen in hoher Qualität und hohem Kontrast ergeben.
[0034] Erfindungsgemäß wurde ein Verfahren zur Herstellung von mit Ferrofluiden beschichteten
Instrumenten für die Invasivmedizin gefunden, das dadurch gekennzeichnet, dass sphärische
Eisenoxidnanopartikel, die einen Kern aus Fe
3O
4 beinhalten, der mindestens 90 Gew.-% der Nanopartikel umfasst, Hüllen aus SiO
2 aufweisen, die etwa 3 bis 5 Gew.-% der Nanopartikel ausmachen und in denen eine Restfeuchte
von etwa 5 Gew.-% verbleibt, wobei die Dichte der Eisenoxid-Nanopartikel 4,6 g/cm
3 beträgt, in THF suspendiert und diese Suspension in einer polyurethanhaltigen Trägerflüssigkeit
zu einem Ferrofluid mit einer Dichte von 0,998 g/cm
3 und einem Durchmesser der Eisenoxidnanopartikel von 200 nm dispergiert werden, wobei
ein Matrixwerkstoff der Instrumente ganz oder teilweise mit dem so erhaltenen Ferrofluid,
das einen Gehalt an Eisenoxid-Nanopartikeln von 10 Gew.% aufweist und Eisenoxidnanopartikel
in Höhe von 65 x 10
15 pro 100 ml enthält beschichtet und die Trägerflüssigkeit ausgehärtet wird, wobei
die getrocknete Beschichtung Eisenoxidnanopartikel im Bereich von 62+/- 5 Gew.-% enthält.
Ferrofluide im Rahmen der vorliegenden Erfindung sind im Wesentlichen Eisenoxide enthaltende
Flüssigkeiten. Die Ferrofluide bestehen in der Regel aus kleinen magnetischen Partikeln,
die in einer Trägerflüssigkeit suspendiert sind. Als Trägerflüssigkeit wird in der
Regel bevorzugt ein Lack verwendet, in dem die Ferrofluide stabile Dispersionen bilden.
Auf den Instrumenten liegen die Ferrofluide in fester und ausgehärteter Form vor.
[0035] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung werden Instrumente für die Invasivmedizin bevorzugt,
bei denen das Eisenoxid in den Ferrofluiden als Nanopartikel vorliegt.
[0036] Die vorliegende Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, dass die Eisenoxidnanopartikel
in den Ferrofluiden weitgehend kugelförmig vorliegen.
[0037] Die vorliegende Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, dass die Eisenoxidnanopartikel
silanisiert sind.
[0038] Gemäß einer anderen, besonders bevorzugten Ausführungsform ist bevorzugt, dass die
Nanopartikel in den Ferrofluiden im Wesentlichen aus α (alpha) Fe
3O
4 bestehen.
[0039] Die vorliegende Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, dass das Ferrofluid aus einer
Trägerflüssigkeit besteht, in der Eisenoxidnanopartikel suspendiert sind.
[0040] Im besonderen ist bevorzugt, dass die Eisenoxidpartikel in den Ferrofluiden kolloidal
in der Trägerflüssigkeit suspendiert sind.
[0041] Die vorliegende Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, dass in den Ferrofluiden eine
Dispersion von Eisenoxid-nanopartikeln in einer Trägerflüssigkeit suspendiert ist.
[0042] Die vorliegende Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, dass in den Ferrofluiden eine
Dispersion von Eisenoxidpartikel in einem aprotischen polaren Lösungsmittel in einer
Trägerflüssigkeit suspendiert ist.
[0043] Das aprotische polare Lösungsmittel ist Tetrahydrofuran.
[0044] Die vorliegende Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, dass in den Ferrofluiden die
Trägerflüssigkeit ein Lack ist. Im Rahmen der vorliegenden Erfindung wird als Lacke
Polyurethane, benutzt.
[0045] Die Lacke können weitere übliche Komponenten, wie Lösungsmittel, die nach dem Auftragen
abtrocknen, enthalten.
[0047] Die vorliegende Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, dass die Ferrofluide die Instrumente
für die Invasivmedizin als Markierung ganz oder teilweise bedecken.
[0048] Eine besondere Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist dadurch gekennzeichnet,
dass die Instrumente für die Invasivmedizin aus einem schlauch- oder stabförmigen
Matrixwerkstoff bestehen, der selbst nicht ferromagnetisch ist, und der mit einem
Ferrofluid beschichtet ist. Matrixwerkstoffe für Instrumente in der Invasivmedizin,
die unter Magnetresonanztomographie verwendet werden, können alle Werkstoffe sein,
die in der Praxis für diese Instrumente verwendet werden. Beispielsweise seien Kunststoffe,
Latex und Silikone genannt.
[0049] Eine besondere Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist dadurch gekennzeichnet,
dass der schlauchförmige Matrixwerkstoff einen Katheter oder einen Stent bildet.
[0050] Eine besondere Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist dadurch gekennzeichnet,
dass der Matrixwerkstoff einen Zieh- oder Führungsdraht bildet.
[0051] Eine besondere Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist dadurch gekennzeichnet,
dass die Beschichtung des Matrixwerkstoffs mit dem Ferrofluid eine Dicke im Bereich
von etwa 10 bis etwa 100 µm aufweist.
[0052] Der Anteil an Eisenoxidnanopartikeln in der getrockneten Beschichtung liegt vorzugsweise
bei 65+/-5 Gew.-%, bevorzugt bei mehr als 65 Gew.%.
[0053] Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind auch Instrumenten für die Invasivmedizin,
dadurch gekennzeichnet ist, dass sie nach dem erfinderischen Verfahren hergestellt
sind.
[0054] Eine besondere Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens ist dadurch gekennzeichnet,
dass die Beschichtung des Matrixwerkstoffs mit dem Ferrofluid durch Tauchen, Sprühen
oder mit einem Auftragegerät (z. B. Spin Coating) erfolgt. Auftragegeräte können beispielsweise
Pinsel oder Spatel sein (Beispiel: das Ink-Jet-Verfahren).
[0055] Das Ferrofluid kann auf dem Instrument bzw. dessen Hülle aufgetragen werden.
[0056] Eine weitere besondere Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens ist dadurch
gekennzeichnet, dass die Entfernung von Lösungsmitteln in der Trägerflüssigkeit durch
Verdampfen, gegebenenfalls im Vakuum, erfolgt.
[0057] Das erfindungsgemäße Verfahren kann beispielsweise wie folgt ausgeführt werden:
Das medizinische Instrument wird einmal oder mehrmals in das Ferrofluid getaucht und
danach bis zum Aushärten getrocknet.
[0058] In Figur 1 wird der Aufbau von mit Ferrofluiden beschichteten Instrumenten für die
Invasivmedizin beispielsweise wie folgt beschrieben:
Ein Katheter 3 wird in einer schlauchförmigen Hülle 2 geführt. Das Ferrofluid bedeckt
die Hülle 2 partiell 1.
[0059] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist auch die Verwendung von Instrumenten, die
mit Ferrofluiden beschichtet sind, für die Invasivmedizin.
[0060] Hierbei wird besonders die Verwendung von Instrumenten, die mit Ferroffuiden beschichtet
sind, zur Darstellung im MRT-Feld bei invasivmedizinischen Eingriffen bevorzugt.
[0061] Besonders bevorzugt ist die Darstellung von Katheter, Stents, Zieh- oder Führungsdrähte
im MRT-Feld.
Beispiele:
1. Herstellung des Ferrofluids
[0062] Paramagnetische Eisenoxid-Nanopartikel, die aus α-Fe
3O
4 und/oder Fe
2O
3 mit einer Größe im Bereich von 100 bis 600 nm bestehen und die kugelförmig sind,
sind in einem organischen Lösungsmittel wie Tetrahydroforan, Dimethylsulphoxid oder
Dioxan dispergiert. Die Dispersion enthält üblicherweise zwischen 10 und 30 Gew.%
der paramagnetischen Eisenoxid-Nanopartikel. Diese Dispersion wird mit einem adhesiven
Coating-Polymer, zum Beispiel einem Polyurethan, einem Polyolefin, einem Polyacrylat,
einem Polystyrol, einem Polyvinyllactam und Co-Polymeren oder Mischungen dieser Polymeren
und Co-Polymeren, gemischt.
2. Beschichtung des Instruments für die Invasivmedizin
2.1. Die Katheter sind mit einem flexiblen Polymer beschichtet, bei dem die Markerpositionen
offen sind und der Rest abgedeckt wurde. Die Beschichtung erfolgt durch Tauchen des
Katheters in das Ferrofluid nach Beispiel 1.
[0063] Die Dicke der Beschichtung auf dem Katheter liegt im Bereich von 10 bis 100 µm und
kann durch die Viskosität der polymerhaltigen Dispersion und/oder der Anzahl der Tauchvorgänge
kontrolliert werden.
[0064] Die Größe der Beschichtung entspricht der Größe der nichtabgedeckten Fläche auf dem
Katheter oder der Größe der Feder im Spin-Coating-Verfahren.
[0065] Eine weitere Kontrolle erhält man durch die Konzentration der EisenoxidPartikel in
den Ferrofluiden.
[0066] Typische Tauchzeiten liegen im Bereich von ein bis zwei Minuten und der Katheter
soll zwischen den einzelnen Tauchvorgängen ein bis zwei Minuten trocknen.
[0067] Das restliche Trocknen erfolgt bei Raumtemperatur während etwa acht Stunden.
[0068] Nach dem Trocknen ist das organische Lösungsmittel verdampft und eine ausgehärtete,
stabile Beschichtung (Coating) mit dem Ferrofluid verbleibt auf dem Katheter. Zwischen
dem flexiblen Polymer und dem Coating besteht eine feste Verbindung.
[0069] In das Coating sind die Eisenoxidnanopartikel eingelagert. Um eine Migration von
Eisenoxid-Partikeln zu verhindern und/oder die intravaskuläre Einführen des Instruments
in das Gefäß zu erleichtern, kann das beschichtete Instrument nochmals mit einem biokompatiblen
Polymer überzogen werden (z. B. 0,2 % Chitosan in 1 %iger Essigsäure / 0,1 %iger Polyacrylsäure)
oder alternativ einer hydrophilen Beschichtung.
2.2. Ziehdrähte werden benötigt, um Katheter oder Implantate an den gewünschten Ort
bei einer Operation oder einer Untersuchung zu bringen.
[0070] Als Ziehdrähte können Materialien aus Polyvinylchlorid, Polyurethan,
[0071] Polyethylenketon, Polyethylen oder Nylon in Kombination mit Fasern oder Nanomaterialien
eingesetzt werden. Die Ziehdrähte werden in analoger Weise wie die Katheter beschichtet.
3. Darstellung des beschichteten Instruments für die Invasivmedizin im MRI
[0072] Durch die Beschichtung mit Ferrofluiden werden Instrumente bei der Invasivmedizin
sichtbar gemacht. Die Marker können in verschiedenen Mustern auf den Instrumenten
aufgebracht werden, um die Anwendung zu erleichtern. Während der Anwendung ist jederzeit
eine Orientierung und Lokalisierung des Instruments möglich. Die Orientierung und
Lokalisierung des Instruments erfolgt elektronisch, gegebenenfalls unter Vergrößerung,
auf einem Bildschirm. Eine zehnfache Vergrößerung ist beispielsweise ohne Verlust
an Bildqualität möglich.
[0073] Die Marker erfüllen die folgenden Voraussetzungen im Interventionsbereich:
- Sie sind biokompatibel und sicher.
- Sie sind klein und lassen sich leicht auf die betroffenen Instrumente auftragen, ohne
dass deren Anwendbarkeit beeinträchtigt wird.
- Sie lassen sich scharf in MRT darstellen und ermöglichen eine gute Unterscheidung
zwischen dem Gewebe und dem Instrument.
- Sie können bei verschiedenen Feldstärken des MRI eingesetzt werden.
- Sie sind passiv und es werden keine Komponenten freigesetzt.
Ausführungsbeispiele:
1. Herstellung der Ferrofluide
[0074]
Suspension 1: 30 Gew.-% Bayferrox® 318 in Tetrahydrofuran (THF)
Suspension 2: Basecoat (eine Poyurethan enthaltender Lack)
[0075] Bei dem von der Firma Lanxess erhältlichen Produkt mit dem Handelsnamen Bayferrox®
318 beziehungsweise Bayferrox® 318 M (die mikroisierte Version von Bayferrox® 318)
handelt es sich um sphärische Eisenoxidnanopartikel mit einem Durchmesser von 200
nm, die einen Kern aus Fe
3O
4 aufweisen, der mindestens 90 Gew.-% der Nanopartikel ausmacht, welcher eine Hülle
aus SiO
2 aufweist, die etwa 3 bis 5 Gew.-% der Nanopartikel ausmacht. Die verbleibenden etwa
5 Gew.-% fallen auf die in dem kommerziell erhältlichen Produkt enthaltene Restfeuchte.
Die Dichte dieser Eisenoxid-Nanopartikel beträgt 4,6 g/cm
3.
[0076] Es wurden verschiedene Beschichtungsmassen hergestellt, die sich hinsichtlich ihres
Gehalts an Eisenoxidnanopartikeln voneinander unterschieden, indem zunächst Suspension
1 und Suspension 2 in einem Verhältnis von 1:2, bezogen auf Gew.-%, miteinander vermischt
wurden, um die Beschichtungsmasse M-12 zu erhalten. Die Beschichtungsmasse M-12 wurde
anschließend im Verhältnis 1:1, bezogen auf Gew.-%, mit Suspension 2 vermischt, um
Beschichtungsmasse M-11 zu erhalten. Zudem wurde Beschichtungsmasse M-11 im Verhältnis
1:1, bezogen auf Gew.-%, mit Suspension 2 vermischt, um Beschichtungsmasse M-10 zu
erhalten. Einige Eigenschaften der Beschichtungsmassen sind in Tabelle 1 aufgeführt.
Der Anteil an Eisenoxid-Nanopartikeln in der getrockneten Beschichtung wurde nach
erfolgter Beschichtung der Führungsdrähte bestimmt.
Tabelle 1: Eigenschaften der Beschichtungsmassen.
| Beschichtungsmasse |
Dichte (g/cm3) |
Gehalt an Nanopartikel (g/100 ml) |
Gehalt an Nanopartikel (Anzahl / 100 ml) |
Anteil an Eisenoxid-Nanopartikeln in getrockneter Beschichtung (Gew.-%) |
| Suspension 2 |
0,876 |
- |
- |
- |
| M-10 |
0,914 |
2,5 |
16,25 x 1015 |
12,8 ± 5 |
| M-11 |
0,946 |
5,0 |
32,5 x 1015 |
31,3 ± 5 |
| M-12 |
0,998 |
10,0 |
65 x 1015 |
62,0 ± 5 |
Suspension 2, M-10, M-11 sind nicht erfindungsgemäß.
2. Beschichten von Katheter-Führungsdrähten
[0077] Drähte aus Polyvinylchlorid (PVC) mit einem Durchmesser von 2 mm und einer Länge
von 1 Meter wurden von der Firma Profilplast (Sittard, NL) bezogen. Katheter-Führungsdrähte
mit einer Seele aus Polyetheretherketon (PEEK) und einer Ummantelung aus Polyurethan
stammten von der Firma Biotronik AG Bülach, CH).
[0078] Vor ihrer Beschichtung wurden die Drähte mit 70 Vol.-% Isopropanol (in Wasser) gesäubert.
Mit der Spitze einer Graphitmiene, die unmittelbar zuvor in die jeweilige Beschichtungsmasse
getunkt worden war, wurde der zu beschichtende Draht an einer Stelle berührt und anschließend
gedreht, so dass eine ringförmige, quer zur Längsachse des Drahtes verlaufende, sichtbare
Bande auf dem Führungsdraht erhalten wurde. Auf diese Weise wurden pro Draht mehrere
Banden aufgebracht, die einen vorbestimmten Abstand zueinander aufwiesen.
[0079] Die beschichteten Drähte wurden für 24 Stunden bei Raumtemperatur getrocknet, bevor
ihre Oberfläche durch vorsichtiges Abreiben mit destilliertem Wasser gereinigt wurde.
3. Sichtbarkeit der beschichteten Führungsdrähte im MRT
[0080] Die beschichteten PVC-Drähte wurden in einer MnCl
2-Lösung (
T1/
T2 =
1030/
140 ms bei
1,5 T) mit Hilfe eines 1,5 Tesla Magnetresonanz-Tomographen und Verwendung des "FE tracking
sequence PassTrack" untersucht.
[0081] Bei dieser Untersuchung waren alle beschichteten Drähte im MRI sichtbar. Die mit
M-10 beschichteten Drähte führten zu den besten Aufnahmen, das heißt zu den deutlichsten
Abbildungen der Markierungen. Die mit M-12 beschichteten Drähte führten zu sehr dunklen
Abbildungen. Offensichtlich war die Konzentration der Eisenoxid-Nanopartikel zu hoch,
um bei diesem Versuchsansatz zu deutlichen Abbildungen zu führen.
[0082] Die Nützlichkeit von beschichteten PEEK-Führungsdrähten wurde unter Verwendung eines
1,5 T Ganzkörper-Tomographen (Espreee
®, Siemens Medical Solutions, Erlangen, DE), der mit einem Hochleistungsgradientensystem
(Gradientenstärke: 33 mT/m; Schwenkrate: 100 T/m/s) ausgestattet war, untersucht.
Hierbei wurden die Nierenarterien sowie die Vena cava von zwei Scheinen sondiert.
Das Sondieren mit den Führungsdrähten wurde unter Realzeit beobachtet. Die Sichtbarkeit
der Führungsdrähte, ihre Beweglichkeit und ihre Führbarkeit wurde von dem durchführenden
Radiologen bewertet. Die Sichtbarkeit der mit Beschichtungsmasse M-12 beschichteten
Führungsdrähte war ausgezeichnet. Die Beweglichkeit und Führbarkeit der Führungsdrähte
war gut und einem kommerziell erhältlichen Standard (Terumo Glidewire Stiff and Standard)
zumindest ebenbürtig.
4. Vergleich unterschiedlicher Markierungsmaterialien
[0083] Um die Qualität der Sichtbarkeit von mit M-12 beschichteten PEEK-Führungsdrähten
beurteilen zu können, wurden Vergleichsversuche durchgeführt, bei denen PEEK-Führungsdrähte
mit unterschiedlichen magnetischen Materialien beschichtet und in einem in vitro-Versuch
an Aorta-Phatomen untersucht wurden.
[0084] Zu diesem Zweck wurden die in Tabelle 2 angegebenen magnetischen Materialien in THF
in der gleichen Konzentration wie für die Herstellung der Beschichtungsmasse M-12
(Beispiel 1) suspendiert. Die Beschichtung der Führungsdrähte erfolgte wie in Beispiel
2 beschrieben.
Tabelle 2: Übersicht über die im Vergleichsversuch verwendeten metallischen Nanopartikel
| |
Magnetisches Material |
Bezugsquelle |
| 1 |
Mischung aus Maghemit und Magnetit Fe2O3;Größenbereich: 150-300 nm |
Dry MagFerro (MagnaMedics ferrofluid), Lot: MF08010801 |
| 2 |
Gadolinium-III-Oxid, Nanopartikel, 10 - 100 nm, 99,9 % |
Aldrich, 637335-10G |
| 3 |
Fe3O4 |
Bayferrox 318 M, Lanxess |
| 4 |
Fe (II, III) oxid Nanopartikel, 10-100 nm, |
99,95% Alfa Aesar 044120 |
| 5 |
Fe III oxid, gamma, Nanopartikel, 10-100 nm, 99,95 % |
Alfa Aesar 039951 |
| 6 |
Fe2O3 200 nm, 96,0 % |
Bayoxide E 8707H, Lanxess |
[0085] Bei den Vergleichsversuchen zeigte sich, dass Probe 3, bei der es sich um mit Beschichtungsmasse
M-12 beschichtete PEEK-Führungsdrähte handelte, den besten Kontrast und die deutlichste
Abbildung der Marker in der Magnetresonanz-Tomographie zeigte, besser als die anderen
Eisenoxidnanopartikel aufweisenden Beschichtungen. Alle Eisenoxidnanopartikel aufweisenden
Beschichtungen führten zu besseren Abbildungen im MRT als die Markierung mit dem als
Standard verwendeten Gadolinium-III-oxid.