(19)
(11) EP 2 248 596 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
10.11.2010  Patentblatt  2010/45

(21) Anmeldenummer: 09006151.6

(22) Anmeldetag:  06.05.2009
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
B05B 13/04(2006.01)
B05B 15/12(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO SE SI SK TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL BA RS

(71) Anmelder: ABB AG
68309 Mannheim (DE)

(72) Erfinder:
  • Waldorf, Thorsten
    61231 Bad Nauheim (DE)

(74) Vertreter: Partner, Lothar et al
ABB AG GF IP Wallstadter Straße 59
D-68526 Ladenburg
D-68526 Ladenburg (DE)

   


(54) Anordnung zum Beschichten von Werkstücken


(57) Die Erfindung betrifft eine Anordnung zum Beschichten von Werkstücken (34, 62, 102, 126, 136) mit einer Lackierkabine (12, 42, 82, 122, 132), welche zwei längs einer gedachten Achse (60, 100) einander gegenüberliegende portalähnliche Öffnungen (14, 44, 46, 110, 112, 124, 134) aufweist wobei wenigstens Lackierroboter (16, 18, 48, 84, 86) darin angeordnet ist. Die Lackierkabine (12, 42, 82, 122, 132) ist zusammen mit dem wenigstens einen Lackierroboter (16, 18, 48, 84, 86) parallel zu einer Arbeitsfläche (20, 64) längs der gedachten Achse (60, 100) bewegbar (66, 108). Der wenigstens eine Lackierroboter (16, 18, 48, 84, 86) ist mittels wenigstens einer ersten Bewegungsvorrichtung (22, 24, 52, 88, 90) relativ zur Lackierkabine (14, 44, 46, 110, 112, 124, 134) senkrecht zur Arbeitsfläche (20, 64) bewegbar.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft eine Anordnung zum Beschichten von Werkstücken mit einer Lackierkabine, welche zwei längs einer gedachten Achse einander gegenüberliegende portalähnliche Öffnungen aufweist und mit wenigstens einem darin angeordneten Lackierroboter.

[0002] Ein Lackierroboter führt einen Lackzerstäuber während des Beschichtungsvorganges programmgemäß entlang eines vorgegebenen Bewegungspfades in einer vorgegebenen Geschwindigkeit um das zu beschichtende Werkstück, wobei dem Lackzerstäuber üblicherweise für die verschiedenen Abschnitte der Bewegungsbahn jeweilige Zerstäuberparameter vorgegeben sind.

[0003] Üblicherweise verfügt ein Lackierroboter über sechs Bewegungsfreiheitsgrade und ist in seinem Arbeitsbereich auf etwa einen Bereich von 2m bis 3m um seine Basis eingeschränkt. Mit einem derartigen Roboter sind beispielsweise kleinere Werkstücke wie Stossfänger von Automobilkarosserien ohne eine Relativbewegung von Roboterbasis zu Werkstück lackierbar. Es sind aber durchaus auch Lackierroboter mit einer geringeren Anzahl an Bewegungsfreiheitsgraden - beispielsweise drei - denkbar.

[0004] Zur Lackierung größerer Werkstücke, wie beispielsweise Automobilkarosserien, ist es üblich, einen derartigen Roboter mit einem siebenten Freiheitsgrad der Bewegung zu versehen, indem dieser auf einer ihm zugeordneten Verfahrschiene befestigt wird, wobei zumeist alle sieben Bewegungsfreiheitsgrade komplett bei der Steuerung des Roboters berücksichtigt werden. Ein derartiger Roboter ist nun entlang seiner Verfahrschiene, welche im automobilen Bereich typischerweise eine Länge von 4m bis 10m aufweist, längs des zu lackierenden Objektes verfahrbar.

[0005] Insbesondere bei langgestreckten Werkstücken resultiert eine entsprechende Länge einer Verfahrschiene eines Roboters.

[0006] Bei der Beschichtung langgestreckter Werkstücke, wie beispielsweise Rotorblättern von Windkraftanlagen, ist eine Verfahrbewegung des sehr langen Werkstückes während des Beschichtungsvorganges möglichst zu vermeiden, um ansonsten auftretende Lackierfehler sicher zu vermeiden. Beim Fertigungsprozess ist das Rotorblatt nämlich zumeist in waagerechter Position einseitig am Rotorflansch befestigt, so dass jegliche Verfahrbewegung des Rotorblattes dieses in Schwingungen versetzen, beispielsweise mit einer Amplitude von mehr als +/- 250mm an dessen freiem nichteingespannten Ende, was einen Beschichtungsprozess nahezu unmöglich macht.

[0007] Nachteilig an einer großen Länge einer Verfahrschiene einer Lackiervorrichtung von beispielsweise 40m sind sowohl der hohe technische Aufwand zur Errichtung einer entsprechend langen Lackierkabine mit Verfahrschiene als auch der aus der Länge der Kabine resultierende Aufwand für ihre Belüftung. Bei einer allgemein üblichen Luftsinkgeschwindigkeit von 0,3m/s und einem Lackierkabinengrundriss von 50m x 6m ergibt sich beispielsweise ein Bedarf von ca. 320000m3 Luft pro Stunde, die zudem auch gefiltert und konditioniert werden muss.

[0008] Eine weitere Schwierigkeit bei der Lackierung von Rotorblättern besteht darin, dass diese in ihrem Flanschbereich eine Breite von 4-5m und mehr aufweisen. Eine Lackierung eines vorzugsweise waagerechten positionierten Rotorblattes erfolgt idealerweise quer zu dessen Längsrichtung - also senkrecht - in parallelen Lackierbahnen.

[0009] Inhomogenitäten der Schichtdickenverteilung sind bei Rotorblättern von Windkraftanlagen aus aerodynamischen Gründen unerwünscht. Zudem führen sie zu einem erhöhten Materialverbrauch, weil trotz eventueller Inhomogenitäten in der Schichtdicke zu Schutzzwecken des Rotorblattes stets eine Mindestschichtdicke gewährleistet sein muss, also eine erhöhte mittlere Schichtdicke notwendig ist.

[0010] Bei einem Arbeitsradius eines Lackierroboters von 2,5 - 3m um seine Basis ist bei geeigneter Positionierung des Lackierroboters gegenüber dem Rotorblatt eine Lackierbahn, welche die Breite von 4-5m abdeckt, prinzipiell applizierbar, dies aber nur mit einem Absetzvorgang. In einem derartigen Absetzvorgang ist eine Lackierbahn zweigeteilt und der Zerstäuber wird nach Lackieren der ersten Lackierbahnhälfte an einer Unterbrechungsstelle abgeschaltet. Der Lackierroboter bewegt sich bei abgeschaltetem Zerstäuber in eine andere Position aus welcher der zweite Teil der Lackierbahn erreichbar ist, wobei der Zerstäuber nach diesem sogenannten Umorientierungsvorgang wieder an der Unterbrechungsstelle ansetzt. Dort wird der Zerstäuber wieder eingeschaltet und die Lackierung der zweiten Lackierbahnhälfte erfolgt.

[0011] Nachteilig sind insbesondere eine Verschlechterung der Lackierqualität an der Unterbrechungsstelle gegenüber einer durchgezogenen Bahn ohne Unterbrechungsstelle sowie der erhöhte Materialverbrauch.

[0012] Ausgehend von diesem Stand der Technik ist es Aufgabe der Erfindung, eine Anordnung der eingangs genannten Art anzugeben, die die Beschichtung auch langgestreckter Werkstücke bei hoher Schitdickenhomogenität auf möglichst einfache Weise gestattet.

[0013] Diese Aufgabe wird gelöst durch eine Anordnung der eingangs genannten Art. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass die Lackierkabine zusammen mit dem wenigstens einen Lackierroboter parallel zu einer Arbeitsfläche längs der gedachten Achse bewegbar ist und dass der wenigstens eine Lackierroboter mittels wenigstens einer ersten Bewegungsvorrichtung relativ zur Lackierkabine senkrecht zur Arbeitsfläche bewegbar ist.

[0014] Das zu lackierende Werkstück bzw. Rotorblatt ist waagerecht gelagert. Beim Lackiervorgang wird die bewegbare Lackierkabine, welche kürzer ist als das Rotorblatt, längs der Erstreckung des Rotorblattes bewegt, wobei das Rotorblatt - je nach aktueller Positionierung der Lackierkabine - auf der einen Seite der Lackierkabine durch die eine portalähnliche Öffnung hineinragt und aus der gegenüberliegenden portalähnliche Öffnung wieder hinausragt. Die gedachte Achse korreliert hierbei im Wesentlichen mit der Längserstreckung des zu lackierenden Rotorblattes.

[0015] Die Anordnung des bzw. der Lackierroboter auf einer jeweiligen Bewegungsvorrichtung, welche die kompletten Lackierroboter auf und bewegen kann, ermöglicht in günstiger Weise ein Durchziehen einer Lackierbahn über die gesamte Rotorblattbreite ohne Absetzvorgang bzw. reduziert zumindest die Anzahl der benötigten Absetzvorgänge. Bei einem Hub einer ersten Bewegungsvorrichtung von beispielsweise 2,5m und einem Arbeitsbereich des Lackierroboters von +/-2,5m um seine Roboterbasis ergibt sich beispielsweise eine Höhe des resultierenden Arbeitsbereiches von 7,5m längs der Drehachse der Roboterbasis und eine Höhe des Arbeitsbereiches von 2,5m in einem Radius von 2,5m um die Drehachse der Roboterbasis.

[0016] Somit umschließt die Lackierkabine das zu lackierende Rotorblatt nur abschnittsweise längs seiner Erstreckung, womit diese einerseits in vorteilhafter Weise kürzer und damit vereinfacht ist. Andererseits ermöglicht eine Hubvorrichtung für einen Lackierroboter eine effektive Vergrößerung von dessen Arbeitsbereich, womit Unterbrechungsstellen in den parallelen Lackierbahnen überwiegend vermeidbar sind und die Qualität der Lackierung gesteigert ist.

[0017] In einer weiteren Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Anordnung ist der wenigstens eine Lackierroboter mittels wenigstens einer zweiten Bewegungsvorrichtung relativ zur Lackierkabine zusätzlich quer zur gedachten Achse bewegbar. Dies hat insbesondere den Vorteil, dass nicht für jede Seite des Rotorblattes ein separater Lackierroboter vorzusehen ist, resultiert aber auf der anderen Seite in einer sehr langen Lackierzeit, beispielsweise 60 - 80min, wobei das selbe Rotorblatt mit zwei gegenüberliegenden Lackierrobotern in etwa der halben Zeit zu lackieren ist. Daher ist diese Ausgestaltung insbesondere für Fabrikationsbetriebe mit geringem Produktionsdurchsatz geeignet.

[0018] Entsprechend einer weiteren Variante der Anordnung ist der wenigstens eine Lackierroboter mittels wenigstens einer dritten Bewegungsvorrichtung relativ zur Lackierkabine zusätzlich längs der gedachten Achse bewegbar. Durch diesen zusätzlichen Bewegungsfreiheitsgrad des Lackierroboters sind komplexere Bewegungen möglich durch welche die Anzahl an Absetzvorgängen weiter reduzierbar ist. Zudem ist die Gestaltung des Bewegungsprogramms vereinfacht.

[0019] In einer Variante der Anordnung beträgt die Summe der Bewegungsfreiheitsgrade des wenigstens einen Lackierroboters und der Bewegungsvorrichtungen, durch welche der Lackierroboter relativ zur Lackierkabine bewegbar ist, wenigstens sechs. Dies ermöglicht den am Lackierroboter befestigten Zerstäuber innerhalb des Arbeitsbereiches in jeder beliebigen Orientierung zu bewegen.

[0020] In einer bevorzugten Anordnung weist der wenigstens eine Lackierroboter seinerseits wenigstens sechs Bewegungsfreiheitsgrade auf. Die Bewegungsfreiheit des vom Lackierroboter bewegten Zerstäubers wird dadurch in vorteilhafter Weise erhöht.

[0021] In einer weiteren Anordnung sind wenigstens zwei Lackierroboter mittels einer gemeinsamen Bewegungsvorrichtung relativ zur Lackierkabine bewegbar. Dies ist beispielsweise bei einer gemeinsamen ersten Bewegungsvorrichtung bzw. Hubvorrichtung für zwei auf derselben Kabinenseite angeordnete Lackierroboter der Fall. Der konstruktive Aufwand der Anordnung wird dadurch reduziert, was andererseits zu einer Einschränkung in der Bewegungsfreiheit der Lackierroboter führt. Je nach Anwendungsfall ist diese Einschränkung aber unerheblich.

[0022] In einer bevorzugten Ausgestaltung der Anordnung ist innerhalb der Lackierkabine beiderseits der gedachten Achse jeweils wenigstens ein Lackierroboter angeordnet. Somit kann jede Seite von einem zu lackierenden Rotorblatt je einem Roboter zugeordnet werden. Der Aufbau der Anordnung sowie deren Programmierung wird dadurch vereinfacht.

[0023] In einer bevorzugten Variante der Anordnung ist die Lackierkabine auf wenigstens zwei parallel zueinander angeordneten Fahrgestellen abgestützt und mit diesen gemeinsam bewegbar. Dies ist beispielsweise mit durch auf Schienen geführten Metallrädern realisierbar. Ein Bewegen der Lackierkabine ist dadurch besonders vereinfacht.

[0024] Entsprechend einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung ist die Lackierkabine mit einer Vorrichtung zur Zu- und/oder Abführung und/oder Reinigung von Luft versehen. Die erzielbare Lackierqualität wird dadurch gesteigert sowie das Verschmutzungsrisiko innerhalb der Lackierkabine reduziert.

[0025] In einer bevorzugten Anordnungsvariante ist die wenigstens eine portalähnliche Öffnung durch Blendenelemente in ihrem Öffnungsquerschnitt veränderbar. Idealerweise ist der Innenraum der Lackierkabine gegenüber dem Außenraum abgeschlossen um so Verschmutzungen vorzubeugen und auch um eine möglichst hohe Lackierqualität zu gewährleisten.

[0026] Ein Rotorblatt verjüngt sich in seinem Querschnitt von seinem Flansch bis zur Spitze, so dass die Öffnungsquerschnitte der portalähnlichen Öffnungen der Lackierkabine wenigstens dem maximalen Querschnitt des zu lackierenden Rotorblattes entsprechen müssen. Somit ergeben sich insbesondere bei Lackierung der Spitze eines Rotorblattes Bereiche, in denen der Innenraum der Lackierkabine nicht gegenüber dem Außenraum verschlossen ist. Durch Einsatz derartiger Blendenelemente ist die Größe derartiger Bereiche bedarfsweise reduzierbar.

[0027] Ein ähnlicher Abdichtungseffekt ist erfindungsgemäß erzielbar indem ein Luftströmungsvorhang entlang des Öffnungsquerschnittes wenigstens einer portalähnlichen Öffnung erzeugbar ist.

[0028] In einer besonders bevorzugten Ausgestaltung der Anordnung sind die Bewegungsabläufe des wenigstens einen Lackierroboters und wenigstens einer Bewegungsvorrichtung von einer gemeinsamen Robotersteuerung vorgebbar. Eine Robotersteuerung ist eine Rechenvorrichtung, welche den programmgemäß gewünschten Bewegungsablauf des Roboters in Ansteuerungssignale der Antriebe der jeweiligen Bewegungsglieder des Roboters - z.B. Drehbewegung der Roboterbasis oder eines Handgelenks - umsetzt.

[0029] Die wenigstens eine erfindungsgemäße erste Bewegungsvorrichtung, welche den Lackierroboter selbst bewegt, wird entsprechend dieser Ausgestaltung zumindest teilweise ebenfalls in den Bewegungsablauf des Lackierroboters einbezogen. Dies ermöglicht beispielsweise eine koordinierte und kontinuierliche Bewegung der Bewegungsvorrichtung, welche zusammen mit der Bewegung des Lackierroboters selbst zur gewünschten und programmgemäßen Bewegung des am Roboter befestigten Zerstäubers führt. Der Bewegungsablauf ist auf diese Weise flüssiger zu gestalten, was sowohl zu einer Zeitersparnis als auch zu einer verbesserten Lackierqualität führt.

[0030] In einer bevorzugten Variante der Anordnung ist die Lackierkabine mittels eines Antriebs - beispielsweise einem Elektromotor - bewegbar. Entsprechend einer weiteren Variante der erfindungsgemäßen Anordnung sind die Kabinenbewegung und die Bewegungsabläufe des wenigstens einen Lackierroboters von einer gemeinsamen Robotersteuerung vorgebbar, was ebenfalls einen flüssigeren Bewegungsablauf ermöglicht.

[0031] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungsmöglichkeiten sind den weiteren abhängigen Ansprüchen zu entnehmen.

[0032] Anhand der in den Zeichnungen dargestellten Ausführungsbeispiele sollen die Erfindung, weitere Ausführungsformen und weitere Vorteile näher beschrieben werden.

[0033] Es zeigen:
Fig. 1
eine erste exemplarische Anordnung zum Beschichten von Werkstücken,
Fig. 2
eine zweite exemplarische Anordnung zum Beschichten von Werkstücken,
Fig. 3
eine dritte exemplarische Anordnung zum Beschichten von Werkstücken und
Fig. 4
eine vierte und fünfte Anordnung zum Beschichten von Werkstücken


[0034] Fig. 1 zeigt eine erste exemplarische Anordnung zum Beschichten von Werkstücken in einer Schnittansicht. Ein erstes Werkstück 34, ein Rotorblatt einer Windkraftanlage, ragt durch eine erste portalähnliche Öffnung 14 in eine erste Lackierkabine 12. Diese ist über mehrere Fahrgestelle bzw. Räder 38 auf parallelen Schienen 39 geführt, welche sich auf einer Arbeitsfläche 20 befinden. Ein erster Lackierroboter 16, ein schematisch dargestellter 6-Achs Roboter, ist über eine erste an einer Seitenwand der Lackierkabine angebrachten Bewegungsvorrichtung 22 senkrecht bewegbar, wie mit dem Pfeil 26 angedeutet. Die Bewegung der ersten Bewegungsvorrichtung 22 und die des ersten Lackierroboters sind von einer gemeinsamen, nicht dargestellten, Robotersteuerung koordiniert. Am Ende des Roboterarms ist ein erster Zerstäuber 30 angebracht, welcher das Rotorblatt lackiert.

[0035] Der Zerstäuber 30 wird programmgemäß in parallelen mäanderförmigen senkrecht längs der Oberfläche des Rotorblattes verlaufenden Lackierbahnen beschichtet. Hierbei führt die erste Bewegungsvorrichtung periodische Auf- und Ab- Bewegungen durch, welche zusammen mit den Bewegungen des ersten Lackierroboters 16 zur programmgemäßen Führung des Zerstäubers 30 längs der Lackierbahn führt.

[0036] Der Lackierroboter 16 ist programmgemäß für die Beschichtung der in der Fig. 1 linken Seite des Rotorblattes 34 vorgesehen, während der spiegelbildlich auf der anderen Seite vorgesehene zweite Lackierroboter 18, welcher von einer weiteren ersten Bewegungsvorrichtung 24 in Richtung des Pfeils 28 auf- und abbewegbar ist, für die Beschichtung der im Bild dargestellten rechten Seite des Rotorblattes 34 vorgesehen ist. Zur Reduktion der Verschmutzung der jeweiligen Roboter 16, 18 bzw. der zugehörigen Zerstäuber 30, 32 ist eine gegenläufige Bewegung der Roboter vorteilhaft, d.h. wenn der erste Zerstäuber 30 gerade an der Oberkante des Rotorblattes 34 befindlich ist, so ist der zweite Zerstäuber 32 gerade an der Unterkante der gegenüberliegenden Seite des Rotorblattes 34.

[0037] Im oberen Bereich der Lackierkabine 12 sind Vorrichtungen zur Zuführung von Luft in die Lackierkabine vorgesehen, welche vorzugsweise gereinigt bzw. gefiltert ist, um eine hohe Lackierqualität zu gewährleisten. Durch den so entstehenden leichten Überdruck in der Lackierkabine 12 ist ein Einströmen von nicht gereinigter Luft in durch den Zwischenraum zwischen Rotorblatt und portalähnlicher Öffnung 14 vorwiegend reduziert.

[0038] Fig. 2 zeigt eine zweite exemplarische Anordnung zum Beschichten von Werkstücken in einer Seitenansicht. Ein zweites zu lackierendes Werkstück 62, ebenfalls ein Rotorblatt für eine Windkraftanlage, ragt durch eine zweite portalähnliche Öffnung 44 einer zweiten Lackierkabine 42 in diese hinein und am gegenüberliegenden Ende durch die dritte portalähnliche Öffnung 46 wieder hinaus. Das Rotorblatt 62 hat seit nen Flansch in der Fig. auf der linken Seite und ist dort mit einer Haltevorrichtung 70 befestigt. Das sich zur rechten Seite hin verjüngende Rotorblatt 62 ist somit längs seiner gesamten Erstreckung längs der gedachten Achse 60 waagerecht schwebend gehalten.

[0039] Die zweite Lackierkabine 42 ist auf Fahrgestellen bzw. Rädern 68 gelagert und parallel zur zweiten Arbeitsfläche 64 längs der gedachten Achse 60 bewegbar, wie mit dem Pfeil 66 angedeutet. Vorzugsweise erfolgt diese Bewegung über einen elektrischen Antrieb. Die Bewegung der Lackierkabine 42 ist sowohl kontinuierlich denkbar als auch in Intervallen. In diesem letzten Beispiel erfolgt die Bewegung der Lackierkabine 42 in Intervallschritten, welche in etwa der aktiven Länge einer dritten Bewegungsvorrichtung 56 entsprechen.

[0040] Mittels der dritten Bewegungsvorrichtung 56 ist eine Bewegung einer ersten Bewegungsvorrichtung 52 sowie eines auf dieser montierten dritten Roboters 48 ermöglicht, womit sich bei einem 6-achsigen dritten Lackierroboter 48 in der Summe acht Bewegungsfreiheitsgrade für den dritten Zerstäuber 50 ergeben. Somit ist es möglich, den Zerstäuber in verschiedensten Auslenkungsvarianten der Bewegungsvorrichtungen 52, 56 und des Roboters in jeder Orientierung in jeden gewünschten Punkt des Arbeitsbereiches relativ zur Lackierkabine 42 zu positionieren, wofür theoretisch minimal 6 Bewegungsfreiheitsgrade notwendig sind. Diese Überredundanz in der Bewegungsfreiheit ermöglicht eine höhere Freiheit in der Gestaltung des Bewegungsprogramms und ermöglicht letztendlich ein Vermeiden von Unterbrechungsstellen.

[0041] Die Bewegungsrichtung der ersten Bewegungsvorrichtung 52 erfolgt - vergleichbar zu Fig. 1 - in senkrechter Richtung 54, womit der Arbeitsbereich des auf ihr montierten dritten Roboters 48 mit drittem Zerstäuber 50 erhöht ist. Dies hat insbesondere zur Folge, dass Unterbrechungsstellen von senkrecht verlaufenden Lackierbahnen vermeidbar sind oder aber auch, dass höhere Werkstücke 62 lackierbar sind.

[0042] Die dritte Bewegungsvorrichtung 56 ermöglicht insbesondere, auf einen kontinuierlichen Vorschub der zweiten Lackierkabine 42 verzichten zu können, welcher in diesem Beispiel als neunter Freiheitsgrad in der Bewegung zu interpretieren wäre. Dies erleichtert die Steuerung des Antriebs der Lackierkabine 12, was aufgrund von deren Gewicht und Größe, beispielsweise einer Länge von 9m, eine Breite von 6m und eine Höhe von 5,5m, einen hohen Aufwand bedeutet. Die Lackierung des teilweise dargestellten Rotorblatts 62 erfolgt analog zu der Beschreibung von Fig. 1 in mäanderförmigen, Lackierbahnen längs der Oberfläche des Rotorblattes 62 und quer zu der ersten gedachten Achse 60.

[0043] Fig. 3 zeigt eine dritte exemplarische Anordnung zum Beschichten von Werkstücken in einer Draufsicht. Eine dritte Lackierkabine 82 ist auf nicht gezeigten Fahrgestellen bzw. Rädern auf Schienen 104 geführt. Ein drittes Werkstück 102, ebenfalls ein Rotorblatt einer Windkraftanlage, ragt längs einer zweiten gedachten Achse 100 durch eine vierte portalähnliche Öffnung 110 in die dritte Lackierkabine 82 hinein und auf der gegenüberliegenden Seite durch die fünfte portalähnliche Öffnung 112 heraus. Eine zweite Bewegungsvorrichtung 96 erstreckt sich im oberen Bereich der dritten Lackierkabine brückenähnlich zwischen den beiden zur gedachten Achse parallel liegenden Seitenwänden der dritten Lackierkabine 82. Mit der zweiten Bewegungsvorrichtung ist längs einer Schwenkachse 92 ein Verfahren einer schwenkbaren Bewegungsvorrichtung 88 ermöglicht, welche einen vierten Lackierroboter 84 trägt.

[0044] Mittels einer Schwenkbewegung 94 ist somit eine kreissegmentähnliche Bewegung des vierten Lackierroboters 84 um die Schwenkachse 92 ermöglicht. Diese beinhaltet sowohl eine senkrechte als auch eine waagerechte Komponente. Die zweite Bewegungsvorrichtung 96 ist ihrerseits mittels einer nicht gezeigten Bewegungsvorrichtung in Richtung des Pfeils 98 längs der gedachten zweiten Achse 100 bewegbar. Der vierte Lackierroboter ist längs der Linie 108 quer zur gedachten Achse auf die andere Seite der dritten Lackierkabine verfahrbar, so dass in diesem Beispiel ein komplettes Rotorblatt beidseitig von ein und demselben Lackierroboter 88 lackierbar ist. Die Position des vierten Lackierroboters auf der anderen Kabinenseite bzw. die Position der den Roboter tragenden Schwenkvorrichtung ist gestrichelt mit den Bezugszeichen 86 und 90 angedeutet. Der Lackierroboter ist darüber hinaus mittels der Schwenkvorrichtung 88 auf die andere Seite der Schwenkachse bewegt worden, so dass sich spiegelbildliche Verhältnisse zwischen Lackierroboter 88 und Rotorblatt 102 beiderseits des Rotorblattes einstellen. Dies ist für die Programmierung des Lackierroboters vorteilhaft.

[0045] Fig. 4 zeigt eine vierte und eine fünfte exemplarische Anordnung zum Beschichten von Werkstücken in einer Schnittansicht. Ein viertes Werkstück 126 bzw. ein Rotorblatt ragt durch eine sechste portalähnliche Öffnung 124 in eine vierte Lackierkabine 122 hinein. Die Kabine befindet sich - aus der Fig. nicht ersichtlich - in der Mitte der länglichen Erstreckung des Rotorblattes so dass sich ein geringerer Rotorblattquerschnitt ergibt als am Rotorflansch. Um den Zwischenraum zwischen Rotorblatt und dem Querschnitt der sechsten portalähnlichen Öffnung 124 zu reduzieren sind zwei erste bewegliche Blendenelemente 128 vorgesehen.

[0046] In dem Bild rechts davon ist eine entsprechende fünfte Lackierkabine 132 gezeigt, in welche durch eine siebte Öffnung 134 ein flanschseitiges Stück eines fünften Werkstückes 136 bzw. eines Rotorblattes hineinragt. Aufgrund des an dieser Stelle größeren Querschnittes des Rotorblattes 136 sind die zwei zweiten beweglichen Blendenelemente weniger weit in die portalähnliche Öffnung 134 hinein gefahren.

Bezugszeichenliste



[0047] 
10
erste exemplarische Anordnung zum Beschichten von Werkstücken
12
erste Lackierkabine
14
erste portalähnliche Öffnung
16
erster Lackierroboter
18
zweiter Lackierroboter
20
Arbeitsfläche
22
erste Bewegungsvorrichtung
24
zweite erste Bewegungsvorrichtung
26
Bewegungsrichtung der ersten Bewegungsvorrichtung
28
Bewegungsrichtung der zweiten ersten Bewegungsvorrichtung
30
erster Zerstäuber
32
zweiter Zerstäuber
34
erstes Werkstück
36
Vorrichtung zur Zuführung von Luft
38
Fahrgestell mit Rad
39
Schiene
40
zweite exemplarische Anordnung zum Beschichten von Werkstücken
42
zweite Lackierkabine
44
zweite portalähnliche Öffnung
46
dritte portalähnliche Öffnung
48
dritter Lackierroboter
50
dritter Zerstäuber
52
dritte erste Bewegungsvorrichtung
54
Bewegungsrichtung der dritten ersten Bewegungsvorrichtung
56
dritte Bewegungsvorrichtung
58
Bewegungsrichtung der dritten Bewegungsvorrichtung
60
erste gedachte Achse
62
zweites Werkstück
64
Arbeitsfläche
66
Bewegungsrichtung der Lackierkabine
68
Fahrgestell mit Rad
70
Haltevorrichtung für zweites Werkstück
80
dritte exemplarische Anordnung zum Beschichten von Werkstücken
82
dritte Lackierkabine
84
vierter Lackierroboter in erster Position
86
vierter Lackierroboter in zweiter Position
88
schwenkbare Bewegungsvorrichtung in erster Position
90
schwenkbare Bewegungsvorrichtung in zweiter Position
92
Schwenkachse
94
Schwenkrichtung
96
zweite Bewegungsvorrichtung
98
Bewegungsrichtung der zweiten Bewegungsvorrichtung
100
zweite gedachte Achse
102
drittes Werkstück
104
Schiene
106
Bewegungsrichtung der dritten Lackierkabine
108
Bewegungsrichtung der zweiten Bewegungsvorrichtung
110
vierte portalähnliche Öffnung
112
fünfte portalähnliche Öffnung
120
vierte und fünfte Anordnung zum Beschichten von Werkstücken
122
vierte Lackierkabine
124
sechste portalähnliche Öffnung
126
fünftes Werkstück
128
erste Blendenelemente
132
fünfte Lackierkabine
134
siebte portalähnliche Öffnung
136
sechstes Werkstück
138
zweite Blendenelemente



Ansprüche

1. Anordnung zum Beschichten von Werkstücken (34, 62, 102, 126, 136) mit einer Lackierkabine (12, 42, 82, 122, 132) welche zwei längs einer gedachten Achse (60, 100) einander gegenüberliegende portalähnliche Öffnungen (14, 44, 46, 110, 112, 124, 134) aufweist, mit wenigstens einem darin angeordneten Lackierroboter (16, 18, 48, 84, 86), dadurch gekennzeichnet, dass die Lackierkabine (12, 42, 82, 122, 132) zusammen mit dem wenigstens einen Lackierroboter (16, 18, 48, 84, 86) parallel zu einer Arbeitsfläche (20, 64) längs der gedachten Achse (60, 100) bewegbar (66, 108) ist und dass der wenigstens eine Lackierroboter (16, 18, 48, 84, 86) mittels wenigstens einer ersten Bewegungsvorrichtung (22, 24, 52, 88, 90) relativ zur Lackierkabine (14, 44, 46, 110, 112, 124, 134) senkrecht zur Arbeitsfläche (20, 64) bewegbar ist.
 
2. Anordnung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der wenigstens eine Lackierroboter (16, 18, 48, 84, 86) mittels wenigstens einer zweiten Bewegungsvorrichtung (96) relativ zur Lackierkabine (12, 42, 82, 122, 132) zusätzlich quer (108) zur gedachten Achse (60, 100) bewegbar ist.
 
3. Anordnung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der wenigstens eine Lackierroboter (16, 18, 48, 84, 86) mittels wenigstens einer dritten Bewegungsvorrichtung (56, 88, 90) relativ zur Lackierkabine (12, 42, 82, 122, 132) zusätzlich längs (58) der gedachten Achse (60, 100) bewegbar ist.
 
4. Anordnung nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Summe der Bewegungsfreiheitsgrade des wenigstens einen Lackierroboters (16, 18, 48, 84, 86) und der Bewegungsvorrichtungen (22, 24, 52, 56, 88, 90), durch welche der Lackierroboter (16, 18, 48, 84, 86) relativ zur Lackierkabine (12, 42, 82, 122, 132) bewegbar ist, wenigstens sechs beträgt.
 
5. Anordnung nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der wenigstens eine Lackierroboter (16, 18, 48, 84, 86) wenigstens sechs Bewegungsfreiheitsgrade aufweist.
 
6. Anordnung nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens zwei Lackierroboter (16, 18, 48, 84, 86) mittels einer gemeinsamen Bewegungsvorrichtung relativ zur Lackierkabine (12, 42, 82, 122, 132) bewegbar sind.
 
7. Anordnung nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass innerhalb der Lackierkabine (12, 42, 82, 122, 132) beiderseits der gedachten Achse (60, 100) jeweils wenigstens ein Lackierroboter (16, 18, 48, 84, 86) angeordnet ist.
 
8. Anordnung nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Lackierkabine (12, 42, 82, 122, 132) auf wenigstens zwei parallel zueinander angeordneten Fahrgestellen (38, 68) abgestützt und mit diesen gemeinsam bewegbar ist.
 
9. Anordnung nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Lackierkabine (12, 42, 82, 122, 132) mit einer Vorrichtung zur Zu- und/oder Abführung und/oder Reinigung von Luft (36) versehen ist.
 
10. Anordnung nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens eine portalähnlichen Öffnung (14, 44, 46, 110, 112, 124, 134) durch Blendenelemente (128, 138) in ihrem Öffnungsquerschnitt veränderbar ist.
 
11. Anordnung nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass ein Luftströmungsvorhang entlang des Öffnungsquerschnittes wenigstens einer portalähnlichen Öffnung (14, 44, 46, 110, 112, 124, 134) erzeugbar ist.
 
12. Anordnung nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Bewegungsabläufe des wenigstens einen Lackierroboters (16, 18, 48, 84, 86) und wenigstens einer Bewegungsvorrichtung (22, 24, 52, 56, 88, 90) von einer gemeinsamen Robotersteuerung vorgebbar sind.
 
13. Anordnung nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Lackierkabine (12, 42, 82, 122, 132) mittels eines Antriebs bewegbar ist.
 
14. Anordnung nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Bewegungsabläufe des wenigstens einen Lackierroboters (16, 18, 48, 84, 86) und die Bewegung der Lackierkabine (12, 42, 82, 122, 132) von einer gemeinsamen Robotersteuerung vorgebbar sind.
 




Zeichnung










Recherchenbericht