[0001] Die Erfindung betrifft eine Etiketten-Lösevorrichtung zum selektiven Lösen von auf
einem Trägerband haftenden Etiketten, wobei eine Umlenkeinrichtung vorgesehen ist,
welche das Trägerband derart umlenkt, dass ein an dem Trägerband haftendes Etikett
durch eine Verlaufsänderung des Trägerbandes an der Umlenkeinrichtung von dem Trägerband
lösbar ist.
[0002] Des Weiteren betrifft die Erfindung ein Verfahren zum selektiven Lösen von auf einem
Trägerband haftenden Etiketten, wobei das Trägerband derart umgelenkt wird, dass ein
an dem Trägerband haftendes Etikett durch eine Verlaufsänderung des Trägerbandes an
der Umlenkeinrichtung von dem Trägerband lösbar ist.
[0003] Heutzutage werden eine Vielzahl von Waren, z. B. Getränkeflaschen, Arzneimittelpackungen
usw., mittels einfacher halbautomatischer oder großer vollautomatischer Etikettiervorrichtungen
mit Etiketten versehen, die mit verschiedensten Inhalten beschriftet bzw. bedruckt
sein können. Zum Befördern der Etiketten sind diese aufeinander folgend mittels einer
Klebeschicht auf ein flexibles Trägerband aufgebracht, von dem die Etiketten im weiteren
Prozess gelöst werden. Beim Beschriften oder Bedrucken der Etiketten bspw. mit einem
Barcode können Fehler auftreten. Wird ein solcher Fehler detektiert, ist es erforderlich,
das betreffende Etikett vom Trägerband abzulösen, bevor es von der Etikettiervorrichtung
auf ein Produkt aufgebracht wird. Zum Lösen solcher Etiketten sind bereits verschiedene
Etiketten-Lösevorrichtungen bekannt.
[0004] Eine Etiketten-Lösevorrichtung und ein Verfahren zum selektiven Lösen von Etiketten
der eingangs genannten Art werden in der
WO 2008/012633 A2 beschrieben. Bei diesem Stand der Technik durchläuft ein einseitig mit Etiketten
bestücktes Trägerband eine Etiketten-Lösevorrichtung, in welcher die Etiketten im
Wesentlichen durch eine abrupte Verlaufsänderung des Trägerbandes von diesem lösbar
sind. Die Verlaufsänderung des Trägerbandes wird durch eine Umlenkkante bewirkt, über
welche das Trägerband seitens der nicht bestückten Seitenfläche gezogen wird. Solche
Umlenkkanten werden in der Praxis häufig auch als Spendekanten bezeichnet.
[0005] Die Etiketten-Lösevorrichtung des Standes der Technik ist etikettenweise aktivier-
und deaktivierbar, indem die Umlenkkante zwischen einer Stellung, in welcher sie das
Trägerband umlenkt, und einer von dem Trägerband beabstandeten Stellung verstellbar
ist. Je nach Stellung der Umlenkkante wird das Trägerband durch die Umlenkkante entweder
belastet bzw. gespannt oder nicht beaufschlagt, d. h. das Trägerband und damit auch
andere Einrichtungen, welche mit dem Trägerband in Verbindung stehen, sind starken
Belastungs- bzw. Spannungsschwankungen ausgesetzt.
[0006] Die Erfindung hat sich zum Ziel gesetzt, die bekannte Etiketten-Lösevorrichtung und
das bekannte Verfahren zum selektiven Lösen von Etiketten derart weiterzuentwickeln,
dass sich eine Etiketten-Lösevorrichtung und ein Verfahren zum selektiven Lösen von
Etiketten ergeben, die sich durch eine schonende Beanspruchung des Trägerbands bzw.
der an dem Trägerband angreifenden Einrichtungen auszeichnet.
[0007] Die Aufgabe wird durch eine Etiketten-Lösevorrichtung nach Anspruch 1 und ein Verfahren
zum selektiven Lösen von Etiketten nach Anspruch 11 gelöst.
[0008] Nach der Erfindung ist eine Rückhalteeinrichtung vorgesehen, mittels derer im Bedarfsfall
ein die Verlaufsänderung des Trägerbandes passierendes Etikett an einem Lösen von
dem Trägerband gehindert werden kann.
[0009] Im Unterschied zum Stand der Technik muss bei der Erfindung das Trägerband nicht,
je nachdem, ob ein durchlaufendes Etikett gelöst werden soll oder nicht, umgelenkt
werden oder nicht umgelenkt werden. Vielmehr ist es - dank der bedarfsweise aktivierbaren
Rückhalteeinrichtung - möglich, das Trägerband stets in gleichem Maße umzulenken und
damit zu spannen. Schädliche Belastungs- bzw. Spannungsschwankungen des Trägerbandes
und auch der an dem Trägerband angreifenden Einrichtungen können auf diese Weise vermieden
werden.
[0010] Des Weiteren sind im Falle der erfindungsgemäßen Etiketten-Lösevorrichtung Maßnahmen,
um die im Stand der Technik auftretenden Belastungsschwankungen an dem Trägerband
auszugleichen, nicht erforderlich, so dass sich eine einfache und kostengünstige Etiketten-Lösevorrichtung
ergibt. Eine mechanische Modifikation der mit dem Trägerband zusammenwirkenden Einrichtungen
ist ebenfalls nicht notwendig. Es muss lediglich die Steuerung angepasst werden. Die
erfindungsgemäße Rückhalteeinrichtung zeichnet sich dadurch aus, dass sie im Bedarfsfall,
insbesondere etikettenweise, eine Rückhaltekraft erzeugen kann, welche ein passierendes
Etikett am Lösen vom Trägerband hindert. Beispielsweise kann eine solche Rückhaltekraft
mittels eines mechanisch auf das Etikett einwirkenden Rückhalteelementes bewirkt werden.
[0011] Vorzugsweise wird das Trägerband an der Umlenkeinrichtung unter Ausbildung einer
(abrupten) Verlaufsänderung um eine Achse umlenkt, die quer zur Transportrichtung
und parallel zur Bandebene des Trägerbandes verläuft. Die selektiv abzulösenden Etiketten
haften an derjenigen Oberfläche des Trägerbandes, welche an der Verlaufsänderung radial
außen verläuft.
[0012] Vorteilhafterweise ist die Etiketten-Lösevorrichtung als nachrüstbare Einheit ausgebildet,
sodass die erfindungsgemäße Etiketten-Lösevorrichtung bei einer Vielzahl marktüblicher
Etikettiervorrichtungen durch nachträglichen Einbau zum Einsatz kommen kann.
[0013] Weitere vorteilhafte Ausführungsarten der Etiketten-Lösevorrichtung nach Anspruch
1 ergeben sich aus den Ansprüchen 2 bis 10.
[0014] Bei einer bevorzugten Bauart der Erfindung nach Anspruch 2 weist die Rückhalteeinrichtung
ein Rückhalteelement auf. Das Rückhalteelement und die Verlaufsänderung des Trägerbandes
sind bedarfsweise, insbesondere etikettenweise, zwischen einer Funktionsstellung,
in welcher das Rückhalteelement ein die Verlaufsänderung des Trägerbandes passierendes
Etikett am Lösen von dem Trägerband hindert, und einer Außerfunktionsstellung bewegbar.
Anspruchsgemäß ergibt sich eine funktionssichere Aktivierung und Deaktivierung der
Rückhalteeinrichtung.
[0015] Beispielsweise ist das Rückhalteelement als Niederhaltewinkel ausgebildet, welcher
die Verlaufsänderung des Trägerbandes an der Umlenkeinrichtung nachbildet. In der
Funktionsstellung ist der Niederhaltewinkel so dicht über der etikettentragende Seitenfläche
des Trägerbandes angeordnet, dass ein passierendes Etikett die Verlaufsänderung an
der Innenseite des Niederhaltewinkels gleitend durchläuft und dadurch an einem Lösen
von dem Trägerband gehindert ist.
[0016] Ein Lösen des Etiketts von dem Trägerband wird im Falle der Bauart nach Anspruch
3 besonders sicher verhindert, indem das Rückhalteelement als Andrückelement ausgebildet
ist, welches im Bedarfsfall ein die Verlaufsänderung des Trägerbandes passierendes
Etikett an einem Lösen von dem Trägerband hindert, indem es das passierende Etikett
auf das Trägerband drückt.
[0017] Besonders bevorzugt ist eine Ausführungsart, bei welcher das Andrückelement in Form
einer Andrückrolle ausgebildet ist. Bei dieser Variante ist die Andrückrolle so ausgebildet,
dass sie an dem passierenden Etikett abrollt, während sie das Etikett auf das Trägerband
drückt. Im Vergleich zu einer gleitenden Relativbewegung zwischen Andrückelement und
passierendem Etikett ergibt sich eine schonendere Beanspruchung des Etiketts.
[0018] Im Falle der Erfindungsvariante nach Anspruch 4 lenkt die Umlenkeinrichtung das Trägerband
mittels einer Umlenkkante um. Es ergibt sich eine besonders robuste Bauart einer Etiketten-Lösevorrichtung.
[0019] Zudem ermöglicht eine Umlenkkante, dass das Trägerband mit einem relativ kleinen
Krümmungsradius umgelenkt wird, wodurch ein besonders sicheres Ablösen eines Etiketts
von dem Trägerband gewährleistet werden kann. Die Spitze der Umlenkkante kann auch
als Rolle ausgebildet sein, um die Reibung des Trägerbandes zu vermindern.
[0020] Um einen kontrollierten Ablösevorgang des Etiketts zu erhalten, weist die Etiketten-Lösevorrichtung
ein Aufnahmeelement zum Aufnehmen eines abgelösten Etiketts auf. Das Aufnahmeelement
und die Verlaufsänderung des Trägerbandes sind relativ zueinander zwischen einer Funktionsstellung,
in welcher das Aufnahmeelement ein abgelöstes Etikett aufnehmen kann, und einer Außerfunktionsstellung
bewegbar.
[0021] Vorzugsweise unterstützt das Aufnahmeelement zudem den Lösevorgang des Etiketts.
Beispielsweise kann das Aufnahmeelement durch eine Ansaugplatte oder eine Ansaugrolle
gebildet sein, welche das sich ablösende Etikett mittels eines Unterdrucks ansaugen.
Alternativ oder ergänzend können auch andere Einrichtungen zur Unterstützung des Lösevorgangs
vorgesehen sein. Beispielsweise kann die bereits teilweise von dem Trägerband abgelöste
Unterseite eines Etiketts mittels einer Druckluftdüse angeblasen werden, um den Lösevorgang
zu unterstützen. Im Sinne der Erfindung ist es also nicht erforderlich, dass sich
ein Etikett allein aufgrund der Verlaufsänderung des Trägerbandes von dem Trägerband
löst.
[0022] Eine bevorzugte Bauweise der Erfindung ergibt sich nach Anspruch 5, indem das Rückhalteelement
und das Aufnahmeelement gemeinsam relativ zu der Verlaufsänderung des Trägerbandes
bewegbar sind. Beispielsweise kann dies dadurch ermöglicht werden, dass das Rückhalteelement
und das Aufnahmeelement gemeinsam auf einem Verstellelement befestigt sind, welches
relativ zu der Verlaufsänderung des Trägerbandes bewegbar ist. Dabei sind das Rückhalteelement
und das Aufnahmeelement derart angeordnet, dass sich das Rückhalteelement von seiner
Funktionsstellung in seine Außerfunktionsstellung bewegt, wenn sich das Aufnahmeelement
von seiner Außerfunktionsstellung in seine Funktionsstellung bewegt. Gleiches ergibt
sich in umgekehrter Richtung. Durch die bewegungsmäßige Zwangskopplung ist gewährleistet,
dass das Aufnahmeelement zum Aufnehmen eines abgelösten Etiketts bereitsteht, sobald
das Rückhalteelement in seiner Außerfunktionsstellung angeordnet ist, und umgekehrt.
[0023] Für den Fall, dass die Verstellbewegung des Rückhalteelementes und des Aufnahmeelementes
mittels eines Zustellantriebes erfolgt, ermöglicht die gekoppelte Zustellbewegung
der beiden Elemente die Verwendung eines gemeinsamen Zustellantriebs, sodass ein Zustellantrieb
eingespart werden kann.
[0024] Wenn nach und nach eine Vielzahl von Etiketten von dem Trägerband abgelöst werden
sollen, um eine Etikettierung von Produkten mit fehlerhaften Etiketten zu vermeiden,
ist es von Vorteil, wenn ein Speicher für abgelöste Etiketten vorgesehen ist. Beispielsweise
kann als Speicher eine Ablageplatte vorgesehen sein. Bei einer bevorzugten Variante
der Erfindung ist ein Speicher für abgelöste Etiketten in Form einer Ablagerolle vorgesehen,
an deren Umfang abgelöste Etiketten platzsparend aufeinander klebend ablegbar sind
(Anspruch 6).
[0025] Vorteilhafterweise ist die erfindungsgemäße Etiketten-Lösevorrichtung Teil einer
Vorrichtung zum Etikettieren von Gegenständen, in welcher sie einer zweiten Etiketten-Lösevorrichtung
vorgeschaltet ist (Anspruch 8). Die erfindungsgemäße Etiketten-Lösevorrichtung kann
in diesem Fall auf schonende Art und Weise fehlerhafte Etiketten, vor der zweiten
Etiketten-Lösevorrichtung, an der die eigentliche Etikettierung der Gegenstände stattfindet,
aussortieren.
[0026] Ein einwandfreies Etikett, welches erst mittels der zweiten Etiketten-Lösevorrichtung
vom Trägerband gelöst und auf einen Gegenstand aufgebracht werden soll, kann die erste
Etiketten-Lösevorrichtung passieren, ohne von dem Trägerband gelöst zu werden. Hierzu
wird die Rückhalteeinrichtung aktiviert, sodass diese das Etikett am Lösen von dem
Trägerband hindert. Wenn ein Etikett nicht der zweiten Etiketten-Lösevorrichtung zugeführt
werden soll, z. B. ein fehlerhaftes Etikett, kann die Rückhalteeinrichtung deaktiviert
werden, sodass das Etikett beim Durchlaufen der Verlaufsänderung des Trägerbandes
von diesem abgelöst werden kann.
[0027] Im Falle der bevorzugten Bauart einer Etikettiervorrichtung gemäß Anspruch 9 ist
ein Aussortieren eines Etiketts dadurch automatisiert, dass eine Detektiereinrichtung
zum Detektieren eines Etiketts, welches aussortiert werden soll, vorgesehen ist. Außerdem
sind Steuermittel vorgesehen, mittels derer die erste Etiketten-Lösevorrichtung zum
Lösen des detektierten Etiketts vom Trägerband ansteuerbar ist.
[0028] Die Etikettiervorrichtung nach Anspruch 10 zeichnet sich besonders durch Vorteile
aus, wenn die Etikettiervorrichtung in eine vollautomatische Anlage eingebunden ist.
Ausweislich Anspruch 10 ist die Etikettiervorrichtung mit einer Trägerband-Fördereinrichtung
versehen, wobei der Vorschub des Trägerbandes mittels der Trägerband-Fördereinrichtung
derart steuerbar ist, dass die zweite Etiketten-Lösevorrichtung gleichmäßig mit Etiketten
versorgt wird, selbst wenn auf dem Trägerband eine Leerstelle auftritt. Eine solche
Leerstelle kann sich insbesondere dadurch ergeben, dass die erste Etiketten-Lösevorrichtung
ein Etikett von dem Trägerband gelöst hat. Zu diesem Zweck ist eine Detektiereinrichtung
vorgesehen, mittels derer auftretende Leerstellen detektierbar sind und daraufhin
der Vorschub des Trägerbandes mittels der Trägerband-Fördereinrichtung gesteuert anpassbar
ist.
[0029] Beispielsweise wird das Trägerband taktweise mittels der Trägerband-Fördereinrichtung
befördert, wobei der Vorschub innerhalb eines Takts so lang ist, dass jeweils ein
Etikett der zweiten Etiketten-Lösevorrichtung zugeführt wird, wenn die zugeführten
Etiketten auf dem Trägerband ohne Leerstellen aufeinanderfolgen. Wenn eine Leerstelle
auf dem Trägerband auftritt, wird diese mittels der Detektiereinrichtung detektiert.
Die Trägerband-Fördereinrichtung führt daraufhin einen doppelt so langen Vorschub
aus, wenn das der Leerstelle nachfolgende Etikett der zweiten Etiketten-Lösevorrichtung
zugeführt werden soll. Alternativ kann die Trägerband-Fördereinrichtung auch derart
steuerbar sein, dass sie in diesem Fall gleich zwei Vorschubbewegungen normaler Länge
ausführt.
[0030] Bei einer Transportbewegung des Trägerbandes ist es insbesondere denkbar, dass die
Transportgeschwindigkeit des Trägerbandes beim Auftreten einer Leestelle kurzzeitig
erhöht wird, um ein gleichmäßiges Zuführen von Etiketten zu der zweiten Etiketten-Lösevorrichtung
zu gewährleisten.
[0031] Ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel der Erfindung wird im Folgenden anhand der Figuren
ausführlich beschrieben.
[0032] Es zeigen:
- Figur 1:
- eine Etikettiervorrichtung mit einer Etiketten-Lösevorrichtung in einem ersten Betriebszustand
und
- Figur 2:
- die Etikettiervorrichtung aus Figur 1 mit der Etiketten-Lösevorrichtung in einem zweiten
Betriebszustand.
[0033] Figur 1 zeigt eine Etikettiervorrichtung 1, welche beispielsweise in einer vollautomatischen
Anlage zum Etikettieren von Verpackungen eingesetzt werden kann. Um die Etiketten
2 innerhalb der Etikettiervorrichtung 1 zu befördern, sind die bereits bedruckten
Etiketten 2 an einer Oberfläche 3 und mit einem einheitlichen Abstand aufeinanderfolgend
auf ein Trägerband 4 aufgebracht. In Figur 1 ist beispielhaft nur ein an dem Trägerband
4 haftendes Etikett 2 dargestellt, die übrigen an dem Trägerband 4 haftenden Etiketten
2 sind aus Übersichtlichkeitsgründen nicht gezeigt.
[0034] Zur Lagerung des mit Etiketten 2 versehenen Trägerbandes 4 weist die Etikettiervorrichtung
1 einen Trägerband-Speicher 5 auf, in welchem das Trägerband 4 z. B. als Rolle oder
Leporello gelagert ist. Das aus dem Trägerband-Speicher 5 austretende Trägerband 4
passiert zunächst eine erste Detektiereinrichtung 6 zum Detektieren fehlerhafter Etiketten
und eine erste Etiketten-Lösevorrichtung 7, welche zum Aussortieren fehlerhafter Etiketten
dient. Des Weiteren ist eine Trägerband-Fördereinrichtung 8 vorgesehen, mittels derer
das Trägerband 4 innerhalb der Etikettiervorrichtung 1 in Förderrichtung 9 taktweise
oder kontinuierlich vorgeschoben wird.
[0035] Mit einer zweiten Detektiereinrichtung 10 können Leerstellen auf dem Trägerband 4
detektiert werden. Schließlich ist eine zweite Etiketten-Lösevorrichtung 11 vorgesehen,
an welcher die Etiketten 2 von dem Trägerband 4 mittels einer Umlenkkante 17 bzw.
einer Spendekante gelöst werden, bevor sie auf die zu etikettierenden Verpackungen
aufgebracht werden. Beispielhaft ist in Figur 1 eine Verpackung 12 in einer Etikettier-Position
unter der zweiten Etiketten-Lösevorrichtung 11 dargestellt. Die Verpackungen 12 werden
mittels eines nicht gezeigten Förderbandes taktweise oder kontinuierlich in die Etikettier-Position
befördert. Nachdem das Trägerband 4 die zweite Etiketten-Lösevorrichtung 11 passiert
hat, wird es aufgerollt oder in einen nicht gezeigten Ablage-Behälter abgelegt.
[0036] Sämtliche Antriebe der Etikettiervorrichtung 1 sind mittels einer numerischen Steuereinheit
13 steuerbar, welche auch Teil einer Gesamt-Steuereinheit einer vollautomatisierten
Etikettier-Anlage sein kann.
[0037] Im Folgenden wird die erste Etiketten-Lösevorrichtung 7, welche zum Aussortieren
fehlerhafter Etiketten 2 dient, näher erläutert.
[0038] Die Etiketten-Lösevorrichtung 7 ist als kompakte, nachrüstbare Einheit ausgebildet.
Eine Umlenkeinrichtung 14 lenkt das Trägerband 4 unter Ausbildung einer abrupten Verlaufsänderung
um eine als Achse 16 ausgebildete Kante um, welche senkrecht zur Transportrichtung
und parallel zur Bandebene des Trägerbandes 4 (vor und nach der abrupten Verlaufsänderung)
verläuft. In Figur 1 verläuft die Achse 16 senkrecht zur Zeichenebene. Unabhängig
vom Betriebszustand der Etiketten-Lösevorrichtung 7 wird das Trägerband 4 stets in
gleichem Maße umgelenkt.
[0039] Die Umlenkeinrichtung 14 umfasst eine Umlenkkante 18 und mindestens eine Umlenkrolle
19. Das Trägerband 4 verläuft an seiner etikettenfreien Oberfläche 20 um die Umlenkkante
18. Die mit Etiketten 2 behaftete Oberfläche 3 des Trägerbandes 4 verläuft an der
Verlaufsänderung (radial) außen. An der Umlenkkante 18 bildet sich eine abrupte Verlaufsänderung
mit einem relativ kleinen Umlenkradius aus. Im gezeigten Beispielsfall wird das Trägerband
4 an der Umlenkkante 18 in etwa um 90° umgelenkt.
[0040] Die Verlaufsänderung des Trägerbandes 4 ist derart ausgelegt, dass ein die Verlaufsänderung
passierendes Etikett 2 durch die Verlaufsänderung von dem Trägerband 4 lösbar ist.
Dabei ergibt sich ein Lösen eines Etiketts 2 an der Verlaufsänderung dadurch, dass
das Etikett 2 aufgrund seiner Eigensteifigkeit, welche gegen ein Umbiegen des Etiketts
2 an der Verlaufsänderung wirkt, die Haftung gegenüber dem Trägerband 4 überwindet.
Der Umlenkwinkel und der Umlenkradius der Verlaufsänderung sind entsprechend auf die
Eigensteifigkeit und Haftung des Etiketts 2 abgestimmt.
[0041] Je nach Auslegung der Verlaufsänderung, der Eigensteifigkeit des Etiketts 2 sowie
der Haftung des Etiketts 2 an dem Trägerband 4 löst sich das Etikett 2 aber nicht
nur aufgrund der Verlaufsänderung von dem Trägerband 4. Zusätzlich kann der Lösevorgang
von einem später näher beschriebenen Aufnahmeelement unterstützt werden.
[0042] Des Weiteren weist die Etiketten-Lösevorrichtung 7 eine Rückhalteeinrichtung 21 auf,
welche im Bedarfsfall ein die Verlaufsänderung des Trägerbandes 4 passierendes Etikett
2 an einem Lösen von dem Trägerband 4 hindert. Gemäß Figur 1 ist die Rückhalteeinrichtung
21 aktiviert, d. h. ein passierendes Etikett 2 wird bei den in Figur 1 gezeigten Verhältnissen
an einem Lösen von dem Trägerband 4 gehindert.
[0043] Zu diesem Zweck weist die Rückhalteeinrichtung 21 ein Rückhalteelement in Form einer
elastischen Andrückrolle 22 auf, welche in der in Figur 1 gezeigten Stellung ein die
Verlaufsänderung des Trägerbandes 4 passierendes Etikett 2 im Bereich der Verlaufsänderung
auf das Trägerband 4 drückt. Die Andrückrolle 22 ist um eine senkrecht zur Zeichenebene
der Figur 1 verlaufende Drehachse 23 an einem Verstellblock 24 drehgelagert. Die Andrückrolle
22 rollt auf dem vorbeilaufenden Etikett 2 oberflächenschonend ab. Bei dem in Figur
1 gezeigten Betriebszustand nimmt die Andrückrolle 22 ihre Funktionsstellung ein.
[0044] Des Weiteren ist ein Aufnahmeelement zum Aufnehmen eines abgelösten Etiketts 2 vorgesehen.
Im gezeigten Ausführungsbeispiel wird das Auflageelement durch eine mit Unterdruck
beaufschlagte Ansaugrolle 25 gebildet. Die Ansaugrolle 25 ist wie die Andrückrolle
22 um eine senkrecht zur Zeichenebene der Figur 1 angeordnete Drehachse 26 an dem
Verstellblock 24 drehgelagert und wird durch die Drehachse 26 angetrieben. In Figur
1 ist die Ansaugrolle 25 in ihrer Außerfunktionsstellung angeordnet.
[0045] Wenn die erste Detektiereinrichtung 6, welche z. B. einen optischen Sensor bzw. eine
Kamera aufweist, ein Etikett 2 als fehlerhaft erkennt, wird die Etiketten-Lösevorrichtung
7 mittels der Steuereinheit 13 kurzzeitig in den Betriebszustand gemäß Figur 2 überführt.
Zu diesem Zweck ist der Verstellblock 24 und mit diesem zusammen die Andrückrolle
22 sowie die Ansaugrolle 25 relativ zu der Verlaufsänderung des Trägerbandes 4 an
Führungsschienen 27 mittels eines (nicht gezeigten) Zustellantriebes verschiebbar.
Durch das Verschieben des Verstellblocks 24 wird die Andrückrolle 22 ausgehend von
ihrer Funktionsstellung in ihre Außerfunktionsstellung überführt. Gleichzeitig wird
die Ansaugrolle 25 von ihrer Außerfunktionsstellung in ihre Funktionsstellung überführt.
[0046] Passiert bei den in Figur 2 gezeigten Verhältnissen ein auf dem Trägerband 4 haftendes
Etikett 2 die Verlaufsänderung des Trägerbands 4, wird es nicht mehr durch die Andrückrolle
22 an einem Lösen von dem Trägerband 4 gehindert. Das sich daher ablösende Etikett
2 wird von der Ansaugrolle 25 aufgenommen. Dabei wird es durch den an der Ansaugrolle
25 anliegenden Unterdruck an die Umfangsfläche der Ansaugrolle 25 angesaugt. Der Lösevorgang
des Etiketts 2 wird folglich durch das Ansaugen von Seiten der Ansaugrolle 25 unterstützt.
Es ergibt sich eine Leerstelle auf dem Trägerband 4.
[0047] Gleichzeitig versetzt ein nicht gezeigter Drehantrieb die Ansaugrolle 25 in eine
in Figur 2 durch einen Pfeil angedeutete Drehbewegung, wodurch das auf der Umfangsfläche
angesaugte Etikett 2 einer drehgelagerten Ablagerolle 28 zugeführt wird, welche ebenfalls
auf dem Verstellblock 24 neben der Ansaugrolle 25 angeordnet ist. Ausweislich der
Figur 2 ist eine Vielzahl von abgelösten Etiketten 2 auf dem Umfang der Ablagerolle
28 aufeinander klebend abgelegt.
[0048] Nachdem das fehlerhafte Etikett 2 von dem Trägerband 4 gelöst wurde, wird die Etiketten-Lösevorrichtung
7 wieder in den Betriebszustand gemäß Figur 1 überführt.
[0049] Die Trägerband-Fördereinrichtung 8 weist eine Antriebsrolle 30 auf, welche mittels
eines nicht gezeigten Drehantriebsmotors in Figur 1 gegen den Uhrzeigersinn drehbar
ist, um das Trägerband 4 aus dem Trägerband-Speicher 5 und durch die erste Etiketten-Lösevorrichtung
7 zu ziehen und der zweiten Etiketten-Lösevorrichtung 11 zuzuführen.
[0050] Außerdem umfasst die Trägerband-Fördereinrichtung 8 mehrere verstellbare Umlenkrollen
30, um das Trägerband 4 gleichmäßig zu spannen und zu speichern.
[0051] Vorteilhafterweise können mittels der Trägerband-Fördereinrichtung 8 die Etiketten
2 - trotz teilweise auftretender Leerstellen auf dem Trägerband 4 - der zweiten Etiketten-Lösevorrichtung
11 mit einheitlichem zeitlichen Abstand zugeführt werden. Dies ist insbesondere deshalb
von Vorteil, weil die zu etikettierenden Verpackungen 12 der zweiten Etiketten-Lösevorrichtung
11 zugeführt werden und es gewährleistet sein sollte, dass für jede Verpackung 12
sofort ein (fehlerloses) Etikett 2 zur Verfügung steht.
[0052] Ermöglicht wird dies, indem die zweite Detektiereinrichtung 10, welche z. B. wie
die erste Detektiereinrichtung 6 einen optischen Sensor bzw. eine Kamera aufweist,
eine Leerstelle auf dem Trägerband 4 detektieren kann. Mittels der Steuereinheit 13
wird die Trägerband-Fördereinrichtung 8 daraufhin derart gesteuert, dass zum Einschieben
in die zweite Etiketten-Lösevorrichtung 11 desjenigen Etiketts 2, welches der Leerstelle
auf dem Trägerband 4 nachfolgt, ein Vorschub ausgeführt wird, welcher doppelt so lang
ist wie der übliche Vorschub (Doppeltakt). Bei mehreren Leerstellen erfolgt ein entsprechend
größerer Vorschub (Mehrfachtakt).
1. Etiketten-Lösevorrichtung (7) zum selektiven Lösen von auf einem Trägerband (4) haftenden
Etiketten (2), wobei eine Umlenkeinrichtung (14) vorgesehen ist, welche das Trägerband
(4) derart umlenkt, dass ein an dem Trägerband (4) haftendes Etikett (2) durch eine
Verlaufsänderung des Trägerbandes (4) an der Umlenkeinrichtung (14) von dem Trägerband
(4) lösbar ist, dadurch gekennzeichnet, dass eine Rückhalteeinrichtung (21) vorgesehen ist, welche im Bedarfsfall ein die Verlaufsänderung
des Trägerbandes (4) passierendes Etikett (2) an einem Lösen von dem Trägerband (4)
hindert.
2. Etiketten-Lösevorrichtung (7) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Rückhalteeinrichtung (21) ein Rückhalteelement (22) aufweist, und dass das Rückhalteelement
(22) und die Verlaufsänderung des Trägerbandes (4) relativ zueinander zwischen einer
Funktionsstellung, in welcher das Rückhalteelement (22) ein die Verlaufsänderung des
Trägerbandes (4) passierendes Etikett (2) an einem Lösen von dem Trägerband (4) hindert,
und einer Außerfunktionsstellung bewegbar sind.
3. Etiketten-Lösevorrichtung (7) nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass ein an der Rückhalteinrichtung (21) vorgesehenes Rückhalteelement als Andrückelement,
insbesondere als Andrückelement in Form einer Andrückrolle (22), ausgebildet ist,
welches im Bedarfsfall ein die Verlaufsänderung des Trägerbandes (4) passierendes
Etikett (2) an einem Lösen von dem Trägerband (4) hindert, indem es das passierende
Etikett (2) auf das Trägerband (4) drückt.
4. Etiketten-Lösevorrichtung (7) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Umlenkeinrichtung (14) eine Umlenkkante (18) aufweist.
5. Etiketten-Lösevorrichtung (7) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass ein Aufnahmeelement (25) zum Aufnehmen eines abgelösten Etiketts (2) vorgesehen ist,
und dass das Aufnahmeelement (25) und die Verlaufsänderung des Trägerbandes (4) relativ
zueinander zwischen einer Funktionsstellung, in welcher das Aufnahmeelement (25) ein
abgelöstes Etikett (2) aufnehmen kann, und einer Außerfunktionsstellung bewegbar sind.
6. Etiketten-Lösevorrichtung (7) nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Rückhalteelement (22) und das Aufnahmeelement (25) gemeinsam relativ zu der Verlaufsänderung
des Trägerbandes (4) bewegbar sind.
7. Etiketten-Lösevorrichtung (7) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass eine Ablagerolle (28) für abgelöste Etiketten (2) vorgesehen ist, an deren Umfang
abgelöste Etiketten (2) aufeinander klebend ablegbar sind.
8. Etikettiervorrichtung (1) zum Etikettieren von Gegenständen (12), mit einer ersten
Etiketten-Lösevorrichtung (7) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, und einer zweiten
Etiketten-Lösevorrichtung (11) zum Lösen eines auf einen Gegenstand (12) aufzubringenden
Etiketts (2) von dem Trägerband (4), welche in Förderrichtung (9) des Trägerbandes
(4) stromabwärts auf die erste Etiketten-Lösevorrichtung (7) folgt.
9. Etikettiervorrichtung (1) nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass eine Detektiereinrichtung (6) zum Detektieren eines auszusortierenden Etiketts (2)
und Steuermittel (13) vorgesehen sind, mittels derer die erste Etiketten-Lösevorrichtung
(7) zum Lösen eines Etiketts (2) von dem Trägerband (4), welches mittels der Detektiereinrichtung
(6) als auszusortierend detektiert wurde, ansteuerbar ist.
10. Etikettiervorrichtung (1) nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass eine Trägerband-Fördereinrichtung (8) vorgesehen ist, mittels derer auf dem Trägerband
(4) aufeinander folgende Etiketten (2), trotz teilweise auftretender Leerstellen auf
dem Trägerband (4), der zweiten Etiketten-Lösevorrichtung (11) mit einheitlichem zeitlichen
Abstand zuführbar sind, indem eine Detektiereinrichtung (10) vorgesehen ist, mittels
derer eine oder mehrere Leerstellen detektierbar sind und daraufhin der Vorschub des
Trägerbandes (4) mittels der Trägerband-Fördereinrichtung (8) gesteuert anpassbar
ist.
11. Verfahren zum selektiven Lösen von auf einem Trägerband (4) haftenden Etiketten (2),
wobei das Trägerband (4) derart umgelenkt wird, dass ein an dem Trägerband (4) haftendes
Etikett (2) durch eine Verlaufsänderung des Trägerbandes (4) von dem Trägerband (4)
lösbar ist, dadurch gekennzeichnet, dass im Bedarfsfall ein die Verlaufsänderung des Trägerbandes (4) passierendes Etikett
(2) mittels einer Rückhalteeinrichtung (21) an einem Lösen von dem Trägerband (4)
gehindert wird.