[0001] Die Erfindung betrifft ein Beschneiungssystem und ein Verfahren zum Erzeugen von
künstlichem Schnee gemäss dem Oberbegriff der unabhängigen Patentansprüche.
[0002] Die Erzeugung von künstlichem Schnee ist seit längerer Zeit bekannt. Hierzu werden
Vorrichtungen wie Schneekanonen oder Schneilanzen verwendet, die es in verschiedensten
Ausformungen gibt. Ein Nachteil herkömmlicher Beschneiungssysteme besteht darin, dass
zum Betrieb der Vorrichtungen Druckluft nötig ist, die unter hohem energetischen Aufwand
mittels Kompressoren erzeugt werden muss.
[0003] Aus der
WO 03/054460 ist ein Beschneiungssystem bekannt geworden, bei dem eine Strahlpumpe zum Betrieb
einer Beschneiungsvorrichtung eingesetzt wird. Der Vorteil einer solchen Strahlpumpe
besteht neben der einfachen und robusten Bauweise insbesondere darin, dass die zum
Betrieb der Strahlpumpe benötigte Energie über den Druck des aus einem höher liegenden
Speicher zugeführten Wassers bereitgestellt wird. Dank des Einsatzes kann der Energiebedarf
des Beschneiungssystems reduziert werden. An der Strahlpumpe sind ausgangsseitig Wasser-Luft-Düsen
zum Erzeugen von künstlichem Schnee angeschlossen, die durch das Wasser-Luft-Gemisch
aus der Strahlpumpe gespeist werden. Damit ergeben sich allerdings einige Nachteile.
So können sich im Grenztemperaturbereich mit diesem Beschneiungssystem Einbussen in
Bezug auf die Qualität des erzeugten künstlichen Schnees ergeben. Ungünstig ist weiter,
dass der Einsatzbereich relativ eingeschränkt ist, da die Betriebsparameter nicht
oder nur geringfügig an unterschiedliche Umgebungsbedingungen angepasst werden können.
Insbesondere ist es nicht möglich, die Wassermenge unabhängig von der Luftmenge zu
verändern. Für den Abtransport der erzeugten Tropfen ist weiter ein Propeller nötig,
der mit elektrischer Zusatzenergie angetrieben werden muss.
[0004] Es ist daher eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, die Nachteile des Bekannten
zu vermeiden, insbesondere also ein Beschneiungssystem und ein Verfahren zum Erzeugen
von künstlichem Schnee zu schaffen, mit welchem eine Vorrichtung zum Erzeugen von
künstlichem Schnee auf vorteilhafte Art und Weise betreibbar ist. Insbesondere soll
das Beschneiungssystem an unterschiedliche Umgebungsbedingungen einfach anpassbar
sein, die Erzeugung von qualitativ hochwertigem Kunstschnee ermöglichen und mit einem
möglichst geringen Energiebedarf auskommen. Weiter soll es möglich sein, bei entsprechenden
Temperaturen zusätzliche Wasserdüsen zu- oder abzuschalten, ohne die vorhandene Luftmenge
zu beeinträchtigen.
[0005] Erfindungsgemäss werden diese und andere Aufgaben gemäss dem kennzeichnenden Teil
der unabhängigen Patentansprüche gelöst.
[0006] Das erfindungsgemässe Beschneiungssystem weist wenigstens einen Wasserstrahl-Gasverdichter
auf, in den eingangsseitig beispielsweise über einen Wasserzufuhranschluss Wasser
in eine Ansaugkammer in Form eines Treibstrahls einleitbar ist und in den weiter Luft
über wenigstens eine Luftansaugöffnung unter Ausnutzung des durch den Treibstrahl
hervorgerufenen Mitreisseffekts ansaugbar ist. Der grundsätzliche Aufbau und die Funktionsweise
solcher Wasserstrahl-Gasverdichter ist seit längerer Zeit bekannt. Für Wasserstrahl-Gasverdichter
sind auch Begriffe wie Strahlpumpe, Treibmittelpumpe oder (engl.) "jet pump" gebräuchlich.
[0007] Ausgangsseitig vom Wasserstrahl-Gasverdichter ist eine Trennanordnung zum Trennen
des Wasser-Luft-Gemisches aus dem Wasserstrahl-Gasverdichter angeordnet. Die Trennanordnung
ist mit wenigstens einer Schneivorrichtung zum Erzeugen von künstlichem Schnee, insbesondere
mit wenigstens einer Schneilanze verbunden oder verbindbar, so dass Wasser und Luft
aus der Trennanordnung separat dieser Schnei-Vorrichtung zuführbar sind. Die Trennanordnung
kann vorzugsweise unmittelbar im Bereich einer Austrittsöffnung des Wasserstrahl-Gasverdichters
angeschlossen sein. Die Schnei-Vorrichtung ist demnach nicht direkt, sondern indirekt
unter Zwischenschaltung der Trennanordnung mit dem Wasserstrahl-Gasverdichter verbunden
oder verbindbar. Für die separate Zuführung von Wasser und Luft an die Schnei-Vorrichtung
können Zuführmittel in Form von Rohren oder anderen Leitungen vorgesehen sein. Durch
die Separierung von Wasser und Luft ergeben sich erhebliche Vorteile für die Betriebsweise
der Schnei-Vorrichtung. Bei Verwendung von Wasserstrahl-Gasverdichtern lässt sich
deren energetische Effizienz beträchtlich steigern. Die vom Wasserstrahlgasverdichter
zur Verfügung gestellte Menge an Druckluft und Druckwasser wird für den Betrieb im
Grenztemperaturbereich verwendet. Sind die Temperaturen entsprechend tiefer, können
weitere Wasserdüsen dazugeschaltet werden. Die Betriebsparameter zum Betreiben der
Schnei-Vorrichtung können somit über einen grossen Bereich auf einfache Art und Weise
variiert und an die Umgebungsbedingungen angepasst werden, wodurch immer mit optimalen
Bedingungen beschneit werden kann. Wasserstrahl-Gasverdichter zeichnen sich unter
anderem dadurch aus, dass sie für den Betrieb keine beweglichen Bauteile enthalten,
wodurch sie robust und zuverlässig betreibbar sind. Da keine Kompressoren oder auch
Ventilatoren eingesetzt werden müssen, sinkt das Risiko von Betriebsausfällen während
der Beschneiung deutlich.
[0008] Das erfindungsgemässe Beschneiungssystem eignet sich insbesondere zur Speisung einer
Schneilanze mit Druckluft, die wenigstens eine Nukleatordüse enthält. Die Nukleatordüse
zerstäubt unter Verwendung von Druckluft Wasser und erzeugt so einen Strahl von Eiskeimen,
der mit einem Strahl aus Wassertropfen in Kontakt gebracht wird. Durch dieses so genannte
Einkeimen entsteht aus den sich abkühlenden Wassertropfen Schnee. Besonders vorteilhaft
kann es sein, wenn das Beschneiungssystem mit einer Schneilanze gemäss der noch nicht
veröffentlichten Internationalen Anmeldung
PCT/EP2008/058863 kombiniert wird. Diese Schneilanze zeichnet sich im Vergleich zu herkömmlichen Schneilanzen
durch einen verhältnismässig geringen Druckluftbedarf aus, der mit dem Wasserstrahl-Gasverdichter
abgedeckt werden kann. Selbstverständlich würde sich das vorliegende Beschneiungssystem
aber auch für konventionelle Vorrichtungen zum Erzeugen von künstlichem Schnee eignen,
welche unter Verwendung von Druckluft betrieben werden. Als Schnei-Vorrichtungen kommen
beispielsweise auch bodennahe Schneekanonen in Frage.
[0009] Eingangsseitig kann der Wasserstrahl-Gasverdichter über Druckleitungen mit einem
höher gelegenen Speichersee verbunden oder verbindbar sein. Derartige Speicherseen
sind in Wintersportgebieten häufig bereits vorhanden. Die Speicherseen sind vorteilhafte
Druckwasserquellen und können zur Speisung des wenigstens einen Wasserstrahl-Gasverdichters
verwendet werden. Durch Ausnutzung der potentiellen Energie zwischen Speichersee und
Wasserstrahl-Gasverdichter kann das Beschneiungssystem autark und ohne zusätzlichen
Energieeintrag betrieben werden. Je nach topografischen Bedingungen kann somit auf
zusätzliche Luftkompressoren oder Luftpumpen verzichtet werden. Für einen Betrieb
der Vorrichtung kann eine Höhendifferenz von mindestens 200 m ausreichen. Alternativ
oder zusätzlich ist es aber auch denkbar, den oder die Wasserstrahl-Gasverdichter
mit über Wasserpumpen gefördertem Wasser zu betreiben.
[0010] In einer ersten Ausführungsform kann die Trennanordnung eine Trennkammer enthalten,
wobei infolge Schwerkraft und wegen des Dichteunterschieds das Wasser in einer unteren
Phase in der Trennkammer auffangbar und die Luft in einer oberen, über dem Wasserspiegel
befindlichen Phase in der Trennkammer sammelbar ist. Mit einer solchen Trennkammer
kann die Phasentrennung des Wasser-Luft-Gemischs aus dem Wasserstrahl-Gasverdichter
auf besonders einfache Art und Weise erreicht werden. Die Trennkammer kann derart
ausgestaltet sein, dass sie während dem Betrieb - möglicherweise abgesehen von einem
Regelmechanismus - keine beweglichen Bauteile aufweist. Dadurch ist ein zuverlässiger
Betrieb sichergestellt. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass Trennkammern nahezu
keinen Wartungsaufwand verursachen. Selbstverständlich könnten anstatt Trennkammern
auch andere Trennanordnungen eingesetzt werden. In Frage kommen beispielsweise Fliehkraftabscheider
(Zyklone).
[0011] Die Schneilanze kann derart ausgestaltet sein, dass keine weiteren Einrichtungen
zur Druckluftversorgung nötig sind. Zur Versorgung mit Wasser kann die Schneilanze
jedoch zusätzliche Wasseranschlüsse aufweisen. Das Wasser kann in konventioneller
Art und Weise vom Speichersee oder unter Verwendung von Wasserpumpen aus anderen Wasserquellen
der Schneilanze zugeführt werden.
[0012] Die Trennkammer kann wenigstens zwei in einem Abstand voneinander angeordnete Ausgänge
oder Gruppen von Ausgängen aufweisen, wobei die Trennkammer wenigstens einen Ausgang
für die Luft und wenigstens einen davon beabstandeten Ausgang für das Wasser enthalten
kann. Je nach Montageanordnung kann der Ausgang für die Luft ein oberer Ausgang sein
und der Ausgang für das Wasser ein unterer Ausgang sein
[0013] Besonders vorteilhaft kann es sein, dass der Wasserstrahl-Gasverdichter und die diesem
zugeordnete wenigstens eine Trennkammer derart ausgestaltet sind, dass der Treibstrahl
in Montagelage im Wasserstrahl-Gasverdichter vertikal nach oben ausgestossen wird
und/oder dass das Wasser-Luft-Gemisch in die Trennkammer in Form eines Plumes einleitbar
ist. Eine derart ausgerichtete Anordnung hat den Vorteil, dass die Trennkammer bei
einfach nach unten hin durch beispielsweise die Luftansaugbohrungen entleerbar ist,
somit bleiben keine Wasserreste in der Trennkammer übrig, die gefrieren könnten. Das
Wasser-Luft-Gemisch, das vom Wasserstrahl-Gasverdichter in Form eines Plumes in einem
am Boden der Trennkammer angesammelten See aufsteigt, kann ausserdem durch Einbringen
von Bewegungsenergie die Einfriergefahr während dem Betrieb verringern. Alternativ
ist aber auch eine umgekehrte Anordnung vorstellbar, in der sich der Wasserstrahl-Gasverdichter
oberhalb der Trennkammer befinden kann. In dieser alternativen Anordnung würde das
Wasser-Luft-Gemisch aus dem Wasserstrahl-Gasverdichter in Form eines Freistrahls etwa
vertikal nach unten in die Trennkammer ausgestossen. Schliesslich wären aber auch
noch andere Montageanordnungen vorstellbar. Beispielsweise könnte der wenigstens eine
Wasserstrahl-Gasverdichter und die diesem zugeordnete wenigstens eine Trennkammer
horizontal ausgerichtet sein. Die in dieser Anmeldung genannten Richtungsangaben,
in welchen die Begriffe "vertikal" und "horizontal" verwendet werden, beziehen sich
jeweils auf die Montagelage.
[0014] Der Wasserstrahl-Gasverdichter kann einen Mischkanal aufweisen, in den das Wasser
und die Luft aus der Ansaugkammer einspeisbar ist. Das Wasser und die angesaugte Luftmenge
treten aus der Ansaugkammer in den Mischkanal ein, wo eine intensive Durchmischung
von Wasser und Luft stattfindet. Das Verhältnis des Mischkanal-Durchmessers bzw. der
entsprechenden Querschnittsfläche und eines Durchmessers der Treibdüse zur Erzeugung
des Treibstrahls bzw. der entsprechenden Querschnittsfläche kann dabei im Wesentlichen
die angesaugte Luftmenge vorbestimmen. Das Verhältnis der genannten Querschnittsflächen
(Mischkanal-Querschnittsfläche : Querschnittsfläche der Treibdüse) kann zwischen 2:1
und 10:1 und vorzugsweise zwischen 2.5:1 und 5:1 liegen. Ein weiterer Druckanstieg
kann erreicht werden, wenn der Mischkanal in einen Diffusor mündet.
[0015] In konstruktiver Hinsicht kann es vorteilhaft sein, wenn der Mischkanal im Wesentlichen
durch ein hohlzylindrisches, vorzugsweise als separates Bauteil ausgestaltetes Mischrohr
gebildet wird.
[0016] Der Wasserstrahl-Gasverdichter kann einen Diffusor aufweisen, an dem das Mischrohr
befestigt oder befestigbar ist. Im Diffusor kann die Bewegung des Wasser-Luft-Gemischs
nach Durchlaufen des Mischrohrs stark verzögert werden, wodurch die Geschwindigkeitsenergie
des Gemisches in Druckenergie umgewandelt wird.
[0017] Der Diffusor kann ein der Trennkammer zugewandtes hinteres Ende aufweisen, das in
eine zum Diffusor komplementäre Diffusoraufnahme der Trennkammer eingesetzt oder einsetzbar
ist. Das hintere Ende des Diffusors kann dabei gleichzeitig den Eingang für die Trennkammer
bilden, durch den das Wasser-Luft-Gemisch in die Trennkammer einführbar ist.
[0018] Die Trennkammer kann durch einen Behälter mit einem im Wesentlichen hohlzylindrischen
Grundkörper gebildet werden. Ein derartiger Behälter hat unter anderem den Vorteil,
dass er verhältnismässig einfach und kostengünstig herstellbar ist.
[0019] Der Behälter kann wenigstens eingangsseitig durch einen vorzugsweise lösbar an den
Grundkörper befestigbaren, etwa scheibenförmigen Flansch oder mit einem sogenannten
Klöpperboden verschlossen sein. In diesem Flansch oder Klöpperboden kann die vorgängig
erwähnte Diffusoraufnahme (beispielsweise in Form einer Bohrung) angeordnet sein,
in die der Diffusor einsetzbar ist. Weiterhin kann der Behälter auf der dem Eingang
gegenüberliegenden Seite ebenfalls durch einen Flansch oder einen Klöpperboden verschlossen
sein.
[0020] Neben, über, auf oder hinter der sich entlang einer Längsachse erstreckenden Trennkammer
kann eine Schneilanze als Vorrichtung zum Erzeugen von künstlichem Schnee mit einem
im Wesentlichen zylindrischen Lanzenkörper angeordnet sein. Der Lanzenkörper kann
beispielsweise an einem im Boden verankerten Standrohr befestigt sein. Der Lanzenkörper
oder das Standrohr der Schneilanze kann wenigstens in einem Bodenbereich koaxial oder
achsparallel zur Längsachse verlaufen. Mit dieser Anordnung ist es möglich, eine kompakte
Baugruppe zu schaffen. Besonders vorteilhaft kann es sein, wenn der Wasserstrahl-Gasverdichter
und Trennkammer in den Lanzenkörper oder in das Standrohr der Schneilanze integriert
ist.
[0021] Das Beschneiungssystem kann sodann eine Vorrichtung enthalten, die wenigstens eine
Nukleatordüse zum Erzeugen von Eiskeimen aufweist. Die Nukleatordüse kann derart dimensioniert
sein, dass sich bei der in der Beschneiungsbranche üblichen Druckbereichen von Wasser
und Luft ein Verhältnis der Massenströme von Luft zu Wasser (ALR) in der Nukleatordüse
im Bereich von 0,3 bis 1,9 und besonders bevorzugt von 0,3 bis 1,7 (z.B. ALR=0,6 oder
ALR=1,9) einstellt oder einstellbar ist. In der Beschneiungsbranche werden üblicherweise
Nukleatordüsen mit Wasserdrücken von 12 bis 60 bar abs. und Luftdrücken von 6 bis
20 bar abs. betrieben. In diesem Bereich des Massenstromverhältnisses kann einerseits
eine grosse Eiskeimzahl erzeugt werden und andererseits mit der beschriebenen Nukleatordüse
auch in kritischen Temperaturbereichen (Wassertemperatur bis 10°C und Feuchtkugeltemperatur
der Luft bis -0.5 °C) noch das Gefrieren der winzigen Wassertropfen zu Eiskeimen garantiert
werden.
[0022] Die Vorrichtung zum Erzeugen von künstlichem Schnee kann eine Schneilanze sein, die
wenigstens eine Nukleatordüse zum Erzeugen von Eiskeimen und wenigstens eine Wasserdüse
zum Erzeugen von Wassertropfen aufweisen kann. Dabei kann mit der Nukleatordüse ein
Eiskeimstrahl und mit der Wasserdüse ein Tropfenstrahl erzeugbar sein, welche sich
nach Durchlaufen einer Eiskeimstrecke bzw. nach Durchlaufen einer Tropfenstrecke in
einer Einkeimungszone treffen. Die Eiskeimstrecke kann wenigstens 10 cm, insbesondere
etwa 20 bis 30 cm betragen und/oder die Tropfenstrecke kann wenigstens 20 cm, insbesondere
etwa 40 bis 80 cm betragen. Eine derartige Schneilanze ist in der bereits vorgängig
erwähnten
PCT/EP2008/058863 beschrieben. Die im Vergleich zum Stand der Technik verhältnismässig langen Eiskeimstrecken
bzw. Tropfenstrecken erlauben ein besseres Ausgefrieren der nach dem Austritt aus
der Nukleatordüse nur äusserlich leicht angefrorenen Eiskeimtröpfchen bzw. eine bessere
Abkühlung der aus der Wasserdüse erzeugten Wassertropfen. Die längere Tropfenstrecke
erlaubt eine grössere Energieabfuhr an die Umgebung durch Konvektion und Verdunstung.
Weil die Wassertropfen auf diese Weise verhältnismässig stark abgekühlt werden können
(optimal auf unter 0° C), schmelzen die Eiskeime in Kontakt mit den Wassertropfen
nicht. Während sich in Versuchen eine Tropfenstrecke von 20 bis 80 cm als besonders
vorteilhaft herausgestellt hat, wäre grundsätzlich eine weitere Verlängerung der Tropfenstrecke
denkbar. Im Allgemeinen wird versucht, die Tropfenstrecke möglichst lang auszubilden,
wobei sichergestellt werden sollte, dass sich der Tropfenstrahl nicht zu sehr aufweitet.
Es hat sich überraschend gezeigt, dass sich die maximale Schneitemperatur (Feuchtkugeltemperatur)
mit derartigen Schneilanzen um 2 bis 3 Grad Celsius erhöhen lässt. Ausserdem konnte
mit der erfindungsgemässen Anordnung und der erfindungsgemässen Nukleatordüse eine
massive Reduktion des Luftverbrauchs um mindestens 50 % gegenüber dem Stand der Technik
erreicht werden.
[0023] Ein vorteilhaftes Beschneiungssystem kann sich dadurch ergeben, wenn es eine Mehrzahl
von Schnei-Vorrichtungen insbesondere in Form von Schneilanzen aufweist. Zur separaten
Versorgung mit Druckluft und Wasser kann eine Mehrzahl von Schnei-Vorrichtungen mit
einer gemeinsamen Trennanordnung verbunden oder verbindbar sein. Es ist also vorstellbar,
dass je Einheit enthaltend Wasserstrahl-Gasverdichter und Trennanordnung zwei oder
mehrere Schneilanzen mit Wasser und Druckluft versorgt werden können.
[0024] Das Beschneiungssystem kann wenigstens eine Vorrichtung in Form einer Schneilanze
mit einer Wasserdüse zum Erzeugen von Wassertropfen aufweisen, wobei das System derart
ausgelegt ist, dass in der Betriebsphase mittels Steuermitteln und/oder Leitungsführung
vorzugsweise ständig ein definierter Wasserstrom zur Wasserdüse geführt wird oder
führbar ist. Ausserdem kann es vorteilhaft sein, wenn der Durchmesser der Treibdüse
so bemessen ist, dass der Wassermassenstrom der Treibdüse beim gewünschten Trennkammerdruck
in jedem Fall durch die Wasserdüse abfliessen kann. Mit dieser Anordnung kann ein
konstanter Fluss im Wasserstrahl-Gasverdichter aufrechterhalten werden, womit ein
zuverlässiger Betrieb des Systems sichergestellt werden kann.
[0025] Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft ein Verfahren zum Erzeugen von künstlichem
Schnee, insbesondere unter Verwendung des vorgängig beschriebenen Beschneiungssystems.
In einem ersten Verfahrensschritt wird Wasser als Treibmedium unter Druck in einen
Wasserstrahl-Gasverdichter eingeleitet. Luft wird unter Ausnutzung des durch den Treibstrahl
hervorgerufenen Mitreisseffekts in den Wasserstrahl-Gasverdichter angesaugt. In einem
nächsten Verfahrensschritt werden die Phasen des Wasser-Luft-Gemisches aus dem Wasserstrahl-Gasverdichter
mittels einer Trennanordnung voneinander getrennt; anschliessend wird das so getrennte
Wasser und die Luft unter Druck separat einer Vorrichtung zum Erzeugen von künstlichem
Schnee zugeführt.
[0026] Weitere Einzelmerkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung von Ausführungsbeispielen und aus den Zeichnungen. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine stark schematisierte Prinzipskizze eines erfindungsgemässen Beschneiungssystems
mit einer Einheit aus Wasserstrahl-Gasverdichter und Trennanordnung sowie einer Schneilanze,
- Fig. 2a
- eine schematische Darstellung der Einheit mit Wasserstrahl-Gasverdichter und Trennanordnung
aus Fig. 1,
- Fig. 2b
- die Einheit aus Fig. 2a, jedoch in einer anderen vertikalen Montageposition (umgekehrte
Ausrichtung),
- Fig. 3
- die Einheit in einer alternativen horizontalen Montageposition,
- Fig. 4
- eine perspektivische Darstellung einer Einheit mit Wasserstrahl-Gasverdichter und
Trennkammer,
- Fig. 5
- die Einheit aus Fig. 4 in einer Seitenansicht,
- Fig. 6
- einen Längsschnitt durch die Einheit in einer etwas vergrösserten Darstellung (Schnittlinie
B-B gemäss Fig. 5),
- Fig. 7
- das Detail C aus Fig. 6,
- Fig. 8
- eine perspektivische Darstellung eines weiteren Beschneiungssystems,
- Fig. 9
- eine schematische Darstellung eines Beschneiungssystems gemäss einem alternativen
Ausführungsbeispiel,
- Fig. 10
- eine weitere Darstellung eines Beschneiungssystems,
- Fig. 11
- ein Beschneiungssystem mit einer Schneilanze und einer daran seitlich befestigten
Einheit,
- Fig. 12
- ein Beschneiungssystem mit einer Schneilanze und einer darin integrierten Einheit,
- Fig. 13
- ein Beschneiungssystem mit einer Schneilanze und einer freistehenden Einheit,
- Fig. 14
- eine stark schematisierte Darstellung einer Anordnung zum Beschneien einer Skipiste
mit einer Mehrzahl von Schneilanzen in einer ersten Variante sowie ein zugehöriges
Weg-Druck-Diagramm,
- Fig. 15
- eine Modifikation der Anordnung aus Fig. 14,
- Fig. 16
- eine Anordnung zum Beschneien einer Skipiste mit einer Mehrzahl von Schneilanzen sowie
ein zugehöriges Weg-Druck-Diagramm in einer dritten Variante,
- Fig. 17
- eine vierte Variante der Anordnung sowie ein zugehöriges Weg-Druck-Diagramm, und
- Fig. 18
- eine fünfte Variante der Anordnung sowie ein zugehöriges Weg-Druck-Diagramm.
[0027] Figur 1 zeigt ein mit 1 bezeichnetes erfindungsgemässes Beschneiungssystem. Das Beschneiungssystem
1 verfügt über eine Einheit 10 mit einem Wasserstrahl-Gasverdichter 2 und einer Trennanordnung
3. Mit W1 ist ein Wasserstrom bezeichnet, der der Einheit 10 zugeführt wird. Durch
den nachfolgend noch im Detail erläuterten Wasserstrahl-Gasverdichter wird Umgebungsluft
angesaugt (Zuführung von Luft ist mit dem Pfeil L1 angedeutet). Das Wasser-Luft-Gemisch
M gelangt schliesslich in die Trennanordnung 3, in der eine Phasentrennung stattfindet.
Nach der Phasentrennung kann dann Wasser W2 und Druckluft L2 getrennt unter Druck
einer Schnei-Vorrichtung 4 zum Erzeugen von künstlichem Schnee zugeführt werden. Die
Einheit 10 eignet sich insbesondere zur Versorgung einer Schneilanze mit Druckluft
und Wasser. Die in Figur 1 gezeigte Schneilanze 4 enthält wenigstens eine Nukleatordüse
21 zum Erzeugen eines Eiskeim-Strahls und wenigstens eine Wasserdüse 22 zum Erzeugen
eines Wasserstrahls. Die Düsen sind dabei derart in der Schneilanze angeordnet, dass
sich die jeweiligen Strahlen in einer Einkeimzone E treffen.
[0028] Im Ausführungsbeispiel gemäss Figur 1 erfolgt die Druckwasserversorgung durch einen
Speichersee 5. Vom Speichersee 5 wird Wasser über eine Druckleitung entnommen und
einer Verteilstation 29 zugeführt. Mit W1' und W1" sind Wasserströme angedeutet, die
jeweils Wasser weiteren (hier nicht dargestellten) Einheiten enthaltend Wasserstrahl-Gasverdichter
und Trennanordnung und jeweils daran angeschlossener Beschneiungsvorrichtung zuführen.
Die Wasserströme W1' und W1" könnten jedoch auch für die Speisung von Wasserdüsen
verwendet werden, die der Vorrichtung 4 zugeordnet sind. Die beispielhaft in Figur
1 gezeigte Vorrichtung 4 muss also nicht ausschliesslich mit Wasser W2 aus der Einheit
10 betrieben werden. Selbstverständlich kann der erfindungsgemässen Vorrichtung auch
zusätzliches Wasser zugeführt werden. Theoretisch wäre es auch denkbar, nur die mittels
der Einheit erzeugte Druckluft für die Erzeugung von künstlichem Schnee zu verwenden,
d.h. in Bezug auf die Wasserführung die Trennanordnung nicht mit der Vorrichtung zu
verbinden.
[0029] Aus den Figuren 2a/b und 3 ist der prinzipielle Aufbau und die Funktionsweise des
Wasserstrahl-Gasverdichters und der daran angeordneten Trennanordnung 3 einer Einheit
10 ersichtlich. Der Wasserstrahl-Gasverdichter besteht im Wesentlichen aus folgenden
Komponenten: einer Treibdüse 6, einer Ansaugkammer 7, einem Mischkanal 14 und einem
Diffusor 9. Das Prinzip von Wasserstrahl-Gasverdichtern ist seit längerer Zeit bekannt
und gebräuchlich. Zum besseren Verständnis sind in den Figuren 2a und 2b sowie 3 symbolhaft
die beiden Medien farblich unterscheidbar dargestellt (Wasser: grau; Luft: weiss).
Wasser W1 wird unter Druck über einen Wasserzufuhranschluss 11 der Treibdüse 6 zugeführt,
die einen mit 23 bezeichneten Treibstrahl erzeugt. Luft L1 vorzugsweise in Form von
Umgebungsluft wird über eine Luftansaugöffnung 12 vom Treibstrahl mitgerissen und
so angesaugt. Auf diese Weise entsteht ein Wasser-Luft-Gemisch M, das in den Mischkanal
14 mit konstantem oder variablem Kanalquerschnitt geführt wird, wobei eine intensive
Durchmischung von Wasser und Luft stattfindet. Das Wasser-Luft-Gemisch M wird danach
in einem Diffusor 9 verzögert, wodurch die Geschwindigkeitsenergie des Gemisches M
in Druckenergie umgewandelt wird. In einer als Trennkammer ausgestalteten Trennanordnung
3 erfolgt eine Phasentrennung. Das Wasser W2 einerseits und die Luft L2 anderseits
kann dann über separate Ausgänge 17 bzw. 16 einer (hier nicht dargestellten) Vorrichtung
zum Erzeugen von künstlichem Schnee zugeführt werden.
[0030] In Fig. 2a gelangt das Wasser-Luft-Gemisch M als Freistrahl in die Trennkammer 3.
Das Wasser wird darin in einer unteren Phase im Bereich des Bodens der Trennkammer
3 gesammelt, die Luft steigt durch den Auftrieb von selbst auf und wird in einem oberen,
über dem Wasserspiegel 28 befindlichen Hohlraum gesammelt. In Figur 2b ist die Einheit
10 - im Vergleich zu Fig. 2 - umgekehrt ausgerichtet. Das Wasser-Luft-Gemisch steigt
im in der Trennkammer im Bereich des Bodens angesammelten See von Wasser als Zweiphasen-Strömung
auf, die dem Fachmann unter dem Begriff "Plume" bekannt ist.
[0031] Im Bereich des Ausgangs für das Wasser und/oder des Ausgangs der Luft kann in allen
Ausführungsformen ein (nicht dargestelltes) Steuermittel (z.B. ein Drosselventil)
angeordnet sein, mit dem das Niveau des Wasserspiegels 28 etwa auf einer konstanten
Höhe gehalten werden kann (vgl. Fig. 9). Anstatt der in den Figuren 2a und 2b dargestellten
vertikalen Ausrichtung kann die Einheit 10 - wie Figur 3 zeigt - auch mit einer horizontalen
Ausrichtung montiert werden. Bei Wasserdrücken von 15-60 bar für W1 und Ansaugen von
Umgebungsluft (1 bar) können in der Trennkammer für beide Phasen gleiche Drücke im
Bereich 6-20 bar abs erreicht werden.
[0032] Konstruktive Details eines Ausführungsbeispiels einer Einheit 10 sind aus den Figuren
4 bis 7 entnehmbar. Wie aus Fig. 4 hervorgeht, ist die Trennkammer als Behälter ausgestaltet,
der einen zylindrischen Grundkörper 15 aufweist. Der Grundkörper 15 ist auf der dem
Wasserstrahl-Gasverdichter zugewandten Seite (Eingangsseite) durch einen Flansch 18
verschlossen. Auf der anderen Seite ist der Behälter mit einem Flansch 19 verschlossen.
Am Grundkörper 15 befinden sich in einem Abstand voneinander angeordnete Ausgänge
für Luft und Wasser. Als Wasserausgang ist ein Wasserausgangsstutzen 17, als Luftausgang
ein entsprechender Stutzen 16 vorgesehen. Mit 17' ist ein weiterer Stutzen bezeichnet,
der beispielsweise zum Entleeren oder allenfalls als Zusatz-Wasserstutzen für den
Wasserausgang verwendet werden könnte. Ein solcher Stutzen ist allerdings nicht zwingend
vorzusehen. Da die hier gezeigte Einheit einen Prototyp betrifft, sind in den Figuren
4 bis 6 weitere mit Flanschen versehene Anschlüsse erkennbar. Diese (nicht näher bezeichneten)
Anschlüsse weisen im Bereich des Flansches Schaugläser auf, die eine Betrachtung der
Vorgänge in der Trennkammer zulassen (vgl. auch Fig. 6). Auf die letztgenannten Anschlüsse
kann für Einheiten in Serienreife allerdings verzichtet werden. In Fig. 5 sind die
mit gestrichelten Linien dargestellten Wasserleitungen 32 und Druckluftleitungen 33
angedeutet, die jeweils an den entsprechenden Stutzen (Luftansaugstutzen 16, Wasseransaugstutzen
17) angeschlossen sind. Diese Leitungen stellen die Verbindung zur (hier nicht gezeigten)
Vorrichtung zur Erzeugen von künstlichem Schnee her.
[0033] Aus Figur 6 sowie insbesondere Figur 7 geht hervor, dass der Mischkanal 14 im Wesentlichen
durch ein separates Bauteil gebildet wird. Dieses als Mischrohr 8 bezeichnete Bauteil
ist auf einer Seite in eine komplementäre Bohrung in einen den Diffusor 9 bildenden
Körper eingesetzt. Der Diffusor 9 weist eine Austrittsöffnung 13 mit einem Durchmesser
D auf (z.B. D≈15mm). Die Treibdüse 6 ist in ein Bauteil auf geeignete Weise befestigt,
das die Ansaugkammer 7 bildet. Mit 31 ist ein spitz zulaufender Düsenkopf bezeichnet,
mit dem der Treibstrahl erzeugbar ist. Der zylindrische Hohlraum für eine Trennkammer
3 zur Versorgung einer Schneilanze kann zum Beispiel einen Durchmesser von 100 bis
300mm und eine Höhe von 300 bis 1000mm (z.B. h≈900mm) aufweisen (die erwähnte Höhe
ist mit h in Fig. 6 bezeichnet). Der Wasserstrahl-Gasverdichter kann sich in axialer
Richtung eine Länge von 200 bis 600mm aufweisen (angedeutet mit s; z.B. s≈450mm).
Der Mischkanaldurchmesser d kann beispielsweise zwischen 5 und 12mm liegen (z.B. d≈7mm).
Das Verhältnis zwischen den Querschnittsflächen des Mischkanals und der Treibdüse
kann dabei im Wesentlichen die angesaugte Luftmenge vorbestimmen. Dieses Verhältnis
der genannten Querschnittsflächen (Mischkanal-Querschnittsfläche : Querschnittsfläche
der Treibdüse) kann zwischen 2:1 und 10:1 und vorzugsweise zwischen 2.5:1 und 5:1
liegen. Im vorliegenden Ausführungsbeispiel beträgt der Durchmesser der Treibdüse
ca. 4mm und das genannte Verhältnis bei einem Mischkanaldurchmesser von 7mm damit
ca. 3:1. Sofern an die Trennkammer mehrere Schneilanzen zugeschaltet sind, muss zumindest
im Regelfall ein entsprechend grösseres Volumen in der Trennkammer vorgesehen werden.
[0034] Figur 8 betrifft ein Beispiel für ein Beschneiungssystems 1 in einer kompakten Bauweise.
Die Einheit 10 enthaltend Wasserstrahl-Gasverdichter 2 und Trennkammer 3 ist an einem
Gerüst 30 derart befestigt, dass die Längsachse A der Einheit vertikal ausgerichtet
ist. Über der Einheit 10 ist eine Schneilanze 4 angeordnet, deren Lanzenkörper 24
koaxial zur Längsachse A verläuft. Die Schneilanze 4 weist mehrere, auf unterschiedlichen
Niveaus angeordnete Wasserdüsen 22 und 22' sowie mit 21 bezeichnete Nukleatordüsen
auf. Details betreffend die Schneilanze aus Figur 8 sind aus der noch nicht veröffentlichten
Internationalen Patentanmeldung
PCT/EP2008/058863 entnehmbar.
[0035] Figur 9 zeigt ein Beschneiungssystem 1 mit einer Schneilanze 4, die mit einer Nukleatordüse
21 und einer Wasserdüse 22 ausgerüstet ist. Die Nukleatordüse 21 wird dabei mit Druckluft
aus der Einheit 10 versorgt. Die Nukleatordüse 21 ist über eine Druckluftleitung mit
dem Luftausgang 16 der Trennkammer 3 verbunden, wodurch der Luftstrom L2 (oder wenigstens
ein Teil des Luftstroms L2) zur Düse 21 geführt wird. Der Wasserstrom W2 aus der Trennkammer
3 führt zur Wasserdüse 22. Das zur Bildung von Eiskeimen notwendige Wasser wird von
einer Haupt- oder Zentralleitung 36 abgezweigt und wird zur Nukleatordüse 21 geführt.
In der Regel wird der überwiegende Anteil als Wasserstrom W1 in den Wasserstrahl-Gasverdichter
2 der Einheit 10 eingeleitet. In Figur 9 ist weiter ein mit 34 bezeichnetes Steuermittel,
beispielsweise ein Regelventil zum Steuern des Durchflusses W2 gezeigt. Damit kann
das Niveau in der Trennkammer kontrolliert werden. Da Figur 9 auf die prinzipielle
Ausgestaltung des erfindungsgemässen Beschneiungssystems gerichtet ist, sind der Einfachheit
halber lediglich einzelne Düsen 21, 22 dargestellt. Dem Fachmann ist aber selbstverständlich
klar, dass die Schneilanze eine Vielzahl von Nukleatordüsen und Wasserdüsen in unterschiedlichsten
Düsenanordnungen aufweisen kann. Insbesondere kann die Schneilanze beispielsweise
eine Mehrzahl von Nukleatordüsen und Wasserdüsen aufweisen, die jeweils über den Umfang
verteilt auf dem Lanzenkörper angeordnet sind. Der Lanzenkörper kann weiter mit mehreren
Gruppen von Wasserdüsen versehen sein, die in wenigstens zwei verschiedenen axialen
Lagen am Lanzenkörper angeordnet sind (vgl. z.B. Fig. 8).
[0036] Figur 10 zeigt eine mögliche Leitungsführung für die Wasser- und Luftströme eines
Beschneiungssystems 1. Wasser W wird zunächst von einer Druckwasserquelle 5 der Schneilanze
4 zugeführt, wo es nach oben geführt, den Schneilanzenkopf umspült und wieder nach
unten geführt, bis es schliesslich als W1 über den Wasserzufuhranschluss 11 in den
Wasserstrahl-Gasverdichter 2 gelangt. Der Wasserstrom W2 aus der Trennkammer 3 gelangt
zu den Wasserdüsen 22. Mit der in der Trennkammer 3 erzeugten Druckluft L2 werden
die Nukleatordüsen 21 mit Druckluft gespeist, wobei ein verhältnismässig kleiner Anteil
des den Schneilanzenkopfs umspülenden Wassers (W) zur Erzeugung der Eiskeime verwendet
wird. Der Rest des Wassers wird verwendet, um die Wasserdüsen 22 ganz oder wenigstens
teilweise zu speisen. Das System weist eine oder eine Gruppe von vorbestimmten Wasserdüsen
22 auf und ist derart ausgelegt, dass in der Betriebsphase zum Aufrechterhalten einer
etwa konstanten Leistung im Wasserstrahl-Gasverdichter 2 ein vorbestimmter Wasserstrom
zu diesen vorbestimmten Wasserdüsen 22 geführt wird.
[0037] Weiterhin ist in Figur 10 (sowie auch in Figur 1) erkennbar, dass der Lanzenkörper
nicht notwendigerweise als gerade Säule ausgestaltet sein muss, sondern einen Knick
aufweisen kann.
[0038] In den Figuren 11 und 12 ist gezeigt, wie die Einheit 10 mit dem Wasserstrahl-Gasverdichter
2 und der Trennkammer 3 an bzw. in eine Schneilanze 4 montiert werden können. Die
Schneilanze 4 weist einen Lanzenkörper 24 auf, der an einem Standrohr 37 befestigt
ist. Das Standrohr 37 bildet dabei eine Halterung zum Verankern der Schneilanze im
Boden 20. Das Standrohr 37 verläuft vertikal. In Figur 11 ist die Einheit 10 in vertikaler
Ausrichtung seitlich am Standrohr montiert. Figur 12 betrifft eine Lösung, bei der
die Einheit in einem Hohlraum des Standrohrs 37 untergebracht ist. Die Einbauart gemäss
Figur 12 zeichnet sich durch eine vorteilhafte Kompaktheit aus. Selbstverständlich
kann die Einheit aber auch in Bezug auf die Schneilanze 4 freistehend ausgestaltet
sein. Eine derartige Ausführung ist in Figur 13 gezeigt.
[0039] In den Figuren 14 bis 18 sind verschiedene Varianten von Anordnungen von Beschneiungssystemen
mit mehreren Schneilanzen dargestellt. Figur 14 zeigt eine Anordnung mit den Schneilanzen
4, 4', 4" und 4"', bei der jeder Schneilanze eine Einheit 10, 10', 10", 10"' zugeordnet
ist. Die Schneilanzen und die ihnen zugeordneten Einheiten befinden sich dabei auf
unterschiedlichen Meereshöhen, wobei die Schneilanze 4 bzw. Einheit 4 am höchsten
gelegen ist und die Schneilanze 4"' bzw. Einheit 10"' am tiefsten gelegen ist. Diese
Einheiten enthalten jeweils die vorgängig beschriebenen Wasserstrahl-Gasverdichter
und Trennanordnungen. Jede Einheit 10, 10', 10", 10"' ist eingangsseitig mit einer
Zentralleitung 36 verbunden, über die Wasser unter Druck den jeweiligen Einheiten
zugeführt wird. Mit 32 ist eine Wasserleitung bezeichnet, über die Wasser aus der
Einheit der Schneilanze zugeführt wird. Die Druckluftleitung zur Speisung der Schneilanze
mit Druckluft ist mit 33 bezeichnet. Wie aus Druckverläufen des nebenstehenden Diagramms
entnehmbar ist (Druckachse mit "p" beschriftet), sind die einzelnen, den jeweiligen
Schneilanzen bzw. Einheiten zugeordneten Drücke aufgrund der unterschiedlichen Höhe
verschieden. So weist die Einheit 10 den niedrigsten Treibdruck (Wasserdruck eingangsseitig),
den niedrigsten Luftdruck, die kleinste Luftmenge sowie den niedrigsten Wasserdruck
(ausgangsseitig) und damit die kleinste Wassermenge für die Zerstäubung in den Wasserdüsen
auf. Die einzelnen Druckverläufe sind im Diagramm entsprechend der figürlichen Darstellung
mit strichlierten, punktierten und ausgezogenen Linien dargestellt (41: Wasserdruck
in der Zentralleitung 36; 42: Wasserdruck ausgangsseitig bzw. in der Wasserleitung
32; 43: Luftdruck für die Schneilanze bzw. Druck in der Druckluftleitung 32). Es ist
auch denkbar, durch zusätzliche Massnahmen wie z.B. Reduktions-Ventile die Drücke
auszugleichen. Alle Schneilanzen sind durch (nicht dargestellte) Steuermittel je nach
Bedarf einzeln zu- und abschaltbar. Bei der Anordnung gemäss Figur 15 werden alle
Schneilanzen 4, 4', 4" und 4"' mit etwa demselben Luftdruck 43 gespeist. Ebenfalls
etwa konstant verläuft der Wasserdruckverlauf 42 für die Schneilanzen. Dies kann dadurch
erreicht werden, indem die jeweiligen Luftzufuhrleitungen zu den einzelnen Einheiten
10, 10', 10", 10"' mit einer gemeinsamen von allen Einheiten 10, 10', 10", 10"' gemeinsam
gespeisten Zentralluftleitung 35 verbunden sind.
[0040] In Figur 16 sind beispielhaft jeweils zwei Schneilanzen 4, 4'; 4", 4"' zu einer Gruppe
zusammengefasst, die jeweils einer Einheit 10; 10' zugeordnet ist. Selbstverständlich
könnten aber auch mehr als zwei Lanzen zu einer Gruppe zusammengefasst werden. Wie
bei den vorangegangenen Varianten werden die jeweiligen Einheiten über eine Zentralleitung
36 mit Druckwasser versorgt. Die Schneilanzen je Gruppe sind jeweils durch gemeinsame
Luftleitungen 33 und Wasserleitungen 32 und über Teilleitungen mit den Einheiten 10
(oder 10') verbunden. Somit ist die Luftmenge und der Luftdruck 43 je Lanzengruppe
für beide Schneilanzen etwa gleich. Die Schneilanzen sind je nach Bedarf gruppenweise
zu- und abschaltbar.
[0041] Figur 17 zeigt eine weitere Variante, bei der für alle Schneilanzen eine gemeinsame
Einheit 10 vorgesehen ist. Die ersten Schneilanzen 4, 4' werden ersichtlicherweise
über die Zentralleitung 36 mit Wasser versorgt. Die nachfolgenden, tiefer gelegenen
Schneilanzen 4", 4"' werden über das aus der Einheit 10 weggeführte Wasser gespeist.
Die Speisung der Schneilanzen mit Drückluft erfolgt etwa analog zur Variante gemäss
Figur 15 mit einer gemeinsamen von der Einheit 10 gespeisten Zentralluftleitung, wodurch
alle Schneilanzen 4, 4', 4", 4"' eingangsseitig denselben Luftdruck 43 aufweisen.
In dieser Anordnung dient die zentrale Einheit 10 mit einem Wasserstrahl-Gasverdichter
auch als Druckbrecher. Druckbrecher können bei Beschneiungsanlagen mit grosser Höhendifferenz
zur Druckreduzierung eingesetzt werden. Durch die grosse Höhendifferenz ergibt sich
eine zu grosser Wasserdruck, der die Beschneiungsanlagen zerstören könnte. Die Druckenergie
wird bis heute üblicherweise in Druckbrechern dissipiert, der Druck wird dabei von
ca. 60 bar auf ca. 30 bar reduziert. Die Anordnung gemäss Figur 17 wirkt sich damit
hinsichtlich eines sicheren und zuverlässigen Betriebsweise günstig aus. Ähnlich wie
bei der vorgehenden Variante weist die Variante gemäss Figur 18 eine zentrale bzw.
gemeinsame Einheit mit einem Wasserstrahl-Gasverdichter als Druckbrecher auf. Die
Einheit 10 befindet sich verhältnismässig weit oberhalb der mit ihr verbundenen Schneilanzen
4 und 4'. Die Einheit 10 versorgt die Schneilanzen 4 und 4' mit demselben Luftdruck
und derselben Luftmenge. Aufgrund des Niveauunterschieds weist das Wasser in dieser
Anordnung einen hohen Druck auf, wenn es bei den Schneilanzen ankommt. Auch bei den
Varianten gemäss den Figuren 17 und 18 ist es möglich, jeweils 2 bis 5 Schneilanzen
mit einem Wasserstrahl-Gasverdichter zu verbinden.
1. Beschneiungssystem mit wenigstens einem Wasserstrahl-Gasverdichter (2), in den Wasser
(W1) als Treibmedium unter Druck in eine Ansaugkammer (7) in Form eines Treibstrahls
einleitbar ist und in den Luft (L1) über wenigstens eine Luftansaugöffnung (12) saugbar
ist, dadurch gekennzeichnet, dass das System eine Trennanordnung (3) zum Trennen des Wasser-Luft-Gemisches (M) aus
dem Wasserstrahl-Gasverdichter aufweist, die mit einer Schneivorrichtung zum Erzeugen
von künstlichem Schnee verbunden oder verbindbar ist, so dass Wasser (W2) und Luft
(L2) aus der Trennanordnung separat der Schnei-Vorrichtung (4) zuführbar sind.
2. Beschneiungssystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Trennanordnung eine Trennkammer (3) enthält, wobei infolge Schwerkraft und wegen
des Dichteunterschieds das Wasser in einer unteren Phase in der Trennkammer (3) auffangbar
und die Luft in einer oberen, über dem Wasserspiegel befindliche Phase in der Trennkammer
(3) sammelbar ist.
3. Beschneiungssystem nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Trennkammer (3) wenigstens zwei in einem Abstand voneinander angeordnete Ausgänge
(16, 17) enthaltend wenigstens einen Ausgang (16) für die Luft (L2) und wenigstens
einen Ausgang (17) für das Wasser (W2) aufweist.
4. Beschneiungssystem nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens ein Wasserstrahl-Gasverdichter (2) und die diesem zugeordnete wenigstens
eine Trennkammer (3) derart ausgerichtet sind, dass der Treibstrahl im Wasserstrahl-Gasverdichter
(2) in Montagelage etwa vertikal nach oben ausgestossen wird und/oder dass das Wasser-Luft-Gemisch
(M) in die Trennkammer (3) in Form eines Plumes einleitbar ist.
5. Beschneiungssystem nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Wasserstrahl-Gasverdichter einen Mischkanal (14) aufweist, in den das Wasser-Luft-Gemisch
(M) aus der Ansaugkammer (7) einspeisbar ist und dass vorzugsweise der Mischkanal
(14) in einen Diffusor (9) mündet.
6. Beschneiungssystem nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Mischkanal (14) durch ein hohlzylindrisches, vorzugsweise als separates Bauteil
ausgestaltetes Mischrohr (8) gebildet wird.
7. Beschneiungssystem nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Wasserstrahl-Gasverdichter (2) einen Diffusor (9) aufweist, an den das Mischrohr
(8) befestigt oder befestigbar ist.
8. Beschneiungssystem nach Anspruch 5 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Diffusor (9) ein der Trennkammer zugewandtes hinteres Ende aufweist, das in eine
zum Diffusor komplementäre Diffusoraufnahme der Trennkammer (3) eingesetzt ist.
9. Beschneiungssystem nach einem der Ansprüche 2 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Trennkammer (3) durch einen Behälter mit einem im Wesentlichen hohlzylindrischen
Grundkörper (15) gebildet wird.
10. Beschneiungssystem nach einem der Ansprüche 2 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass neben oder hinter der sich entlang einer Längsachse (A) erstreckenden Trennkammer
(3) eine Schneilanze (4) als Vorrichtung zum Erzeugen von künstlichem Schnee mit einem
im Wesentlichen zylindrischen Lanzenkörper (24) angeordnet ist, wobei der Lanzenkörper
(24) wenigstens in einem Bodenbereich koaxial oder achsparallel zur Längsachse (A)
verläuft.
11. Beschneiungssystem nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass es eine Schnei-Vorrichtung (4) enthält, die wenigstens eine Nukleatordüse (21) zum
Erzeugen von Eiskeimen aufweist.
12. Beschneiungssystem nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung (4) eine Schneilanze (4) ist, die wenigstens eine Nukleatordüse (21)
zum Erzeugen von Eiskeimen und wenigstens eine Wasserdüse (22) zum Erzeugen von Wassertropfen
aufweist, wobei mit der Nukleatordüse (21) ein Eiskeimstrahl und mit der Wasserdüse
(22) ein Tropfenstrahl erzeugbar ist, welche sich nach Durchlaufen einer Eiskeimstrecke
(25) bzw. nach Durchlaufen einer Tropfenstrecke (26) in einer Einkeimungszone (E)
treffen, dadurch gekennzeichnet, dass die Eiskeimstrecke (25) wenigstens 10 cm, insbesondere etwas 20 bis 30 cm beträgt
und/oder dass die Tropfenstrecke (26) wenigstens 20 cm, insbesondere etwa 40 bis 80
cm beträgt.
13. Beschneiungssystem nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass es eine oder eine Mehrzahl von Schnei-Vorrichtungen, insbesondere in Form von Schneilanzen
(4) aufweist, die zur separaten Versorgung der jeweiligen Vorrichtungen (4) mit Wasser
(W2) und Luft (L2) mit der Trennanordnung (3) verbunden oder verbindbar sind.
14. Beschneiungssystem nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass es wenigstens eine Schnei-Vorrichtung in Form einer Schneilanze (4) mit einer Wasserdüse
(22) zum Erzeugen von Wassertropfen aufweist, wobei das System derart ausgelegt ist,
dass in einer Betriebsphase mittels Steuermitteln und/oder Leitungsführung zum Aufrechterhalten
einer etwa konstanten Leistung im Wasserstrahl-Gasverdichter (2) ein vorbestimmter
Wasserstrom zu der Wasserdüse (22) geführt wird.
15. Verfahren zum Erzeugen von künstlichem Schnee insbesondere unter Verwendung des Beschneiungssystems
nach einem der Ansprüche 1 bis 14, bei welchem Wasser (W1) als Treibmedium unter Druck
in einen Wasserstrahl-Gasverdichter (2) eingeleitet wird und Luft (L1) angesaugt wird,
dadurch gekennzeichnet, dass das Wasser-Luft-Gemisch (M) aus dem Wasserstrahl-Gasverdichter mittels einer Trennanordnung
(3) aufgetrennt wird und anschliessend Wasser (W2) und Luft (L2) separat einer Schnei-Vorrichtung
(4) zum Erzeugen von künstlichem Schnee zugeführt wird.