[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren und ein System zur Einstellung
einer Fahrstrasse für schienengebundenen Verkehr.
[0002] Bei der Automatisierung industrieller Anlagen werden die einzelnen elektronischen
Komponenten schon seit längerer Zeit dezentral aufgebaut. Die Kommunikation zwischen
einem Anlagenleitstand und den dezentralen Komponenten erfolgt dabei drahtgebunden
oder auch drahtlos über private wie auch öffentliche Netzwerke.
[0003] Dieser Trend fliesst vermehrt auch in die Leit- und/oder Stellwerkstechnologie für
den schienengebundenen Verkehr ein. Beim dezentralen Aufbau der verschiedenen Komponenten
zur Steuerung und Überwachung von Weichen, Signalen und Gleisen müssen Daten jedoch
sehr sicher und zum Teil sogar mit SIL4-Level übertragen werden können. Zudem muss
sichergestellt werden, dass eine von einer Fahrstrasse reservierte Ressource (Signal,
Weiche etc.) nur durch diese wieder freigegeben werden kann, nachdem ein Zug, für
den die Fahrstrasse reserviert worden ist, dieselbe passiert hat. Das Verfahren kann
grundsätzlich auch eingesetzt werden, wenn zur Übermittlung der Daten öffentliche,
ungesicherte Netze verwendet werden.
[0004] Die Übertragung von sicherheitskritischen Daten ist über öffentliche Leitungen jedoch
entweder gar nicht zulässig oder nur dann zulässig, wenn geeignete technische Massnahmen
ergriffen werden (z.B. VPN-Tunnel) zur Sicherstellung des Datentransfers getroffen
werden. Stellwerke werden heutzutage aus diesen Gründen noch nicht im grösseren Stil
dezentral aufgebaut.
[0005] Entsprechende technische Massnahmen sind beispielsweise in der europäischen Patentanmeldungen
07801440.4 und der internationalen Patentanmeldung
PCT/EP2008/003014 vorgeschlagen worden. Dennoch existiert derzeit noch kein entsprechend abgesichertes
Verfahren zur hochverlässlichen Reservierung von an einzustellenden Fahrstrassen beteiligten
Anlagekomponenten und im weiteren auch zur entsprechenden Auflösung der Reservierung
nach erfolgter Befahrung.
[0006] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und ein
System zur Einstellung einer Fahrstrasse für schienengebundenen Verkehr anzugeben,
welche vergleichsweise einfach strukturiert sind und dennoch den hohen für den SIL4-Level
erforderlichen Anforderungen genügen können.
[0007] Die Aufgabe wird bezüglich des Verfahrens erfindungsgemäss dadurch gelöst, dass ein
Verfahren zur Einstellung einer Fahrstrasse für schienengebundenen Verkehr vorgesehen
ist, wobei die Fahrstrasse durch eine Reservierung von an der Fahrstrasse beteiligten
Anlagekomponenten, wie Weichen, Signale, Gleisblöcke, erstellt wird, indem:
- a) für die Fahrstrasse ein individuelles Schlüsselpaar mit einem öffentlichen (public)
und einem privaten (privat) Schlüssel erstellt wird;
- b) für die Fahrstrasse an alle zu beanspruchenden Anlagekomponenten eine Reservierungsanfrage
ausgesendet wird, der der soeben erzeugte öffentliche Schlüssel beigefügt wird, wobei
die gesamte Nachricht für jede zu reservierende Anlagekomponente jeweils mit einem
der Anlagenkomponente eigenen öffentlichen Schlüssel verschlüsselt wird;
- c) nur eine adressierte Anlagenkomponente mit ihrem eigenen privaten Schlüssel die
Nachricht entschlüsselt und somit in einen Besitz des öffentlichen Schlüssels der
einzustellenden Fahrstrasse kommt;
- d) die Anlagenkomponente die entsprechende Reservation bestätigt und die Bestätigung
mit dem soeben empfangenen öffentlichen Schlüssel der Fahrstrasse verschlüsselt;
- e) nur die beanspruchende Fahrstrasse die Bestätigung mit ihrem privaten Schlüssel
entschlüsselt, und
- f) die Fahrstrasse freigeben wird, sobald auf diese Weise von allen an der Fahrstrasse
beteiligten Anlagekomponenten die notwendige Reservation bestätigt worden ist.
[0008] Auf diese Weise können kostengünstige öffentliche Netzwerke zur Übertragung von sicherheitskritischen
Daten verwendet werden. Aufgrund der Verwendung dieses asymmetrischen Verschlüsselungsverfahrens
können in der Sicherheitsbetrachtung viele Fehlerannahmen von vornherein zuverlässig
ausgeschlossen werden und der Sicherheitsnachweis mit den für SIL4-Level geforderten
Randbedingungen erbracht werden.
[0009] In einer zweckmässigen Weiterbildung der vorliegenden Erfindung wird eine Auflösung
der Fahrstrasse durch eine Freigabe der reservierten Anlagekomponenten erzielt, indem:
- a) die Fahrstrasse eine Freigabenachricht an die reservierte Anlagenkomponente schickt,
wobei diese Freigabenachricht mit dem öffentlichen Schlüssel der Anlagenkomponente
verschlüsselt und mit dem privaten Schlüssel der Fahrstrasse signiert wird;
- b) nur die adressierte Anlagenkomponente diese Freigabenachricht entschlüsselt und
mit dem im Wege der Reservationsanfrage erhaltenen privaten Schlüssel der Fahrstrasse
deren Signatur überprüft,
- c) die reservierte Anlagenkomponente ihre angeforderte Freigabe quittiert und eine
mit dem öffentlichen Schüssel der Fahrstrasse verschlüsselte Quittierungsmeldung an
die Fahrstrasse sendet; und
- d) die Reservierung der Anlagekomponenten aufgehoben wird, sobald die Aufhebung aller
Reservationen durch ein entsprechende Quittierungsmeldung quittiert worden ist.
[0010] In einer weiteren zweckmässigen Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung kann nach
der Aufhebung der Reservierung das für die Fahrstrasse generierte individuelle Schlüsselpaar
gelöscht werden.
[0011] Entsprechende erfindungsgemässe Ausgestaltungen und deren vorteilhafte Weiterbildungen
für das System sind den übrigen Patentansprüchen zu entnehmen.
[0012] Bevorzugte Ausführungsbeispiele werden anhand einer Zeichnung näher erläutert. Dabei
zeigen:
- Figur 1
- schematisch ein Verfahren zur Reservierung von Anlagekomponenten und den entsprechenden
Datenaustausch hierzu; und
- Figur 2
- schematisch ein Verfahren zur Aufhebung der Reservierung von Anlagekomponenten und
den entsprechenden Datenaustausch hierzu.
[0013] Dem vorliegenden Verfahren liegt ein asymmetrisches Verschlüsselungsverfahren zugrunde,
das so erweitert wird, dass stellwerkseitig zufällige Schlüsselpaare durch ein Objekt,
hier vorliegend eine Fahrstrasse, generiert werden können. Diese erzeugten Schlüssel
werden nur einmal für eine eingestellte Fahrstrasse verwendet. Wenn die gleiche Fahrstrasse
erneut eingestellt wird, werden neue Schlüssel generiert.
[0014] Um eine Fahrstrasse zu sichern, müssen nun verschiedene Komponenten exklusiv beansprucht
werden. Diese Beanspruchung muss solange aufrecht erhalten bleiben, bis die Fahrstrasse
wieder aufgelöst wird. D.h. die Freigabe dieser Ressourcen darf nur durch die beanspruchende
Fahrstrasse erfolgen.
[0015] Figur 1 zeigt schematisch ein Verfahren zur Reservierung von an einer Fahrstrasse
beteiligten Anlagekomponenten. Zunächst generiert dabei ein Stellwerk-Controller für
eine Fahrstrasse F1 ein neues Schlüsselpaar mit einem öffentlichen (public) Schlüssel
F1
pu und einem privaten (private) Schlüssel F1
pr. Der Stellwerk-Controller sendet für die Reservierung dieser Fahrstrasse 1 an alle
zu beanspruchenden Komponenten, hier die Weichen W1 und W2, eine Reservierungsanfrage.
Der Reservierungsanfrage wird der soeben erzeugte öffentliche Schlüssel F1
pu beigelegt. Die ganze Nachricht wird jeweils mit dem öffentlichen Schlüssel des Empfängers,
hier der Weiche 1, Schlüssel W1
pu verschlüsselt. Nur der adressierte Empfänger kann mit seinem privaten Schlüssel W1
pr diese Nachricht entschlüsseln und kommt somit in den Besitz des öffentlichen Schlüssels
F1
pu der einzustellenden Fahrstrasse.
[0016] Der Empfänger, hier vorliegend ein dezentral angeordneter Weichen-Controller, bestätigt
diese Reservation und verschlüsselt diese Nachricht mit dem soeben empfangenen öffentlichen
Schlüssel der Fahrstrasse F1
pu. Nur der für die Fahrstrasse verantwortliche Stellwerk-Controller kann die Bestätigungsnachricht
mit dem der Fahrstrasse eigenen privaten Schlüssel F1
pr entschlüsseln. Sobald auf diese Weise alle notwendigen Reservationen bestätigt worden
sind, können die Fahrstrasse vom Stellwerk-Controller freigeben werden und das oder
die Signale für einen Zug auf Fahrt gestellt werden.
[0017] Figur 2 zeigt nun schematisch die wesentlichen Verfahrensschritte zur Auflösung der
Reservierung der Anlagenkomponenten, nachdem ein Zug die reservierte Fahrstrasse befahren
hat, und die entsprechenden Achszähler und/oder Gleisfreimelder und/oder Gleisstromkreise
den Abschluss der Befahrung gemeldet haben. Bei der Auflösung der Fahrstrasse müssen
die reservierten Anlagenkomponenten wieder freigegeben werden. Dabei schickt der Stellwerk-Controller
für diese Fahrstrasse eine Freigabe-Nachricht an die reservierten Anlagekomponenten.
Diese Freigabe-Nachricht wird mit dem öffentlichen Schlüssel W1
pu der Ressource (Anlagenkomponente) verschlüsselt und mit dem privaten Schlüssel der
Fahrstrasse F1
pr signiert. Nur die adressierte Ressource kann die Freigabe-Nachricht entschlüsseln
und kann mit dem bei der Reservation erhaltenen privaten Schlüssel F1
pr die Signatur überprüfen. Somit ist sichergestellt, dass die Freigabe der Ressource
nur durch das reservierende Objekt erfolgen kann. Die reservierte Ressource quittiert
diese Freigabe-Nachricht mit einer Quittierungsnachricht, die mit dem öffentlichen
Schüssel der Fahrstrasse F1
pu verschlüsselt ist. Sobald die Aufhebung aller Reservationen quittiert worden ist,
können die erzeugten Schlüssel gelöscht werden.
1. Verfahren zur Einstellung einer Fahrstrasse für schienengebundenen Verkehr, wobei
die Fahrstrasse durch eine Reservierung von an der Fahrstrasse beteiligten Anlagekomponenten,
wie Weichen, Signale, Gleisblöcke, erstellt wird, indem:
a) für die Fahrstrasse ein individuelles Schlüsselpaar mit einem öffentlichen (public)
und einem privaten (privat) Schlüssel erstellt wird;
b) für die Fahrstrasse wird an alle zu beanspruchenden Anlagekomponenten eine Reservierungsanfrage
ausgesendet, der der soeben erzeugte öffentliche Schlüssel beigefügt wird, wobei die
gesamte Nachricht für jede zu reservierende Anlagekomponente jeweils mit einem der
Anlagenkomponente eigenen öffentlichen Schlüssel verschlüsselt wird;
c) nur eine adressierte Anlagenkomponente mit ihrem eigenen privaten Schlüssel die
Nachricht entschlüsselt und somit in einen Besitz des öffentlichen Schlüssels der
einzustellenden Fahrstrasse kommt;
d) die Anlagenkomponente die entsprechende Reservation bestätigt und die Bestätigung
mit dem soeben empfangenen öffentlichen Schlüssel der Fahrstrasse verschlüsselt;
e) nur die beanspruchende Fahrstrasse die Bestätigung mit ihrem privaten Schlüssel
entschlüsselt, und
f) die Fahrstrasse freigeben wird, sobald auf diese Weise von allen an der Fahrstrasse
beteiligten Anlagekomponenten die notwendige Reservation bestätigt worden ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1, bei dem eine Auflösung der Fahrstrasse durch eine Freigabe
der reservierten Anlagekomponenten erzielt wird, indem:
a) die Fahrstrasse eine Nachricht an die reservierte Anlagenkomponente schickt, wobei
diese Nachricht mit dem öffentlichen Schlüssel der Anlagenkomponente verschlüsselt
und mit dem privaten Schlüssel der Fahrstrasse signiert wird;
b) nur die adressierte Anlagenkomponente diese Nachricht entschlüsselt und mit dem
im Wege der Reservationsanfrage erhaltenen privaten Schlüssel der Fahrstrasse deren
Signatur überprüft,
c) die reservierte Anlagenkomponente ihre Freigabe quittiert und eine mit dem öffentlichen
Schüssel der Fahrstrasse verschlüsselte Quittierungsmeldung an die Fahrstrasse sendet;
und
d) die Reservierung der Anlagekomponenten aufgehoben wird, sobald die Aufhebung aller
Reservationen durch ein entsprechende Quittierungsmeldung quittiert worden ist.
3. Verfahren nach Anspruch 2, bei dem nach der Aufhebung der Reservierung das für die
Fahrstrasse generierte individuelle Schlüsselpaar gelöscht wird.
4. System zur Einstellung einer Fahrstrasse für schienengebundenen Verkehr, wobei die
Fahrstrasse durch eine Reservierung von an der Fahrstrasse beteiligten Anlagekomponenten,
wie Weichen, Signale, Gleisblöcke, erstellt wird, umfassend:
a) eine Kontrolleinheit, mit der für die Fahrstrasse ein individuelles Schlüsselpaar
mit einem öffentlichen (public) und einem privaten (privat) Schlüssel erstellt wird;
b) die Kontrolleinheit, mit der für die Fahrstrasse an alle zu beanspruchenden Anlagekomponenten
eine Reservierungsanfrage ausgesendet wird, der der soeben erzeugte öffentliche Schlüssel
beigefügt wird, wobei die gesamte Nachricht für jede zu reservierende Anlagekomponente
jeweils mit einem der Anlagenkomponente eigenen öffentlichen Schlüssel verschlüsselt
wird;
c) einen Komponenten-Controller, mit dem nur für die jeweils adressierte Anlagenkomponente
mittels ihres eigenen privaten Schlüssels die Nachricht entschlüsselt wird und der
Komponenten-Kontroller somit in einen Besitz des öffentlichen Schlüssels der einzustellenden
Fahrstrasse kommt;
d) den Komponenten-Controller, mit dem die Anlagenkomponente die entsprechende Reservation
bestätigt und die Bestätigung mit dem soeben empfangenen öffentlichen Schlüssel der
Fahrstrasse verschlüsselt;
e) die Kontrolleinheit, mit der nur für die beanspruchende Fahrstrasse die Bestätigung
mittels ihres privaten Schlüssels entschlüsselt wird, und
f) die Fahrstrasse von der Kontrolleinheit freigeben wird, sobald auf diese Weise
von allen an der Fahrstrasse beteiligten Anlagekomponenten die jeweils notwendige
Reservation bestätigt worden ist.
5. System nach Anspruch 4, bei dem eine Auflösung der Fahrstrasse durch eine Freigabe
der reservierten Anlagekomponenten erzielt wird, indem:
a) die Kontrolleinheit für die Fahrstrasse eine Nachricht an die reservierte Anlagenkomponente
schickt, wobei diese Nachricht mit dem öffentlichen Schlüssel der Anlagenkomponente
verschlüsselt und mit dem privaten Schlüssel der Fahrstrasse signiert wird;
b) der Komponenten-Controller nur für die adressierte Anlagenkomponente diese Nachricht
entschlüsselt und mit dem im Wege der Reservationsanfrage erhaltenen privaten Schlüssel
der Fahrstrasse deren Signatur überprüft,
c) der Komponenten-Controller für die reservierte Anlagenkomponente ihre Freigabe
quittiert und eine mit dem öffentlichen Schüssel der Fahrstrasse verschlüsselte Quittierungsmeldung
an die Kontrolleinheit für die Fahrstrasse sendet; und
d) die Kontrolleinheit die Reservierung der Anlagenkomponenten aufhebt, sobald die
Aufhebung aller Reservationen durch eine jeweils entsprechende Quittierungsmeldung
quittiert worden ist.
6. System nach Anspruch 5, bei dem nach der Aufhebung der Reservierung das für die Fahrstrasse
generierte individuelle Schlüsselpaar gelöscht wird.