[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Wickeln von mindestens einer Rolle in einer
Rollenwickelvorrichtung mit einer auf eine Wickelrollenanordnung auflegbaren Auflagewalze,
die in Axialrichtung in mehrere Abschnitte unterteilt ist, wobei die einzelnen Abschnitte
unter Ausbildung einer Druckrichtung auf die mindestens eine zu wickelnde Rolle einwirken.
[0002] Die Erfindung betrifft ferner eine Rollenwickelvorrichtung mit einer auf einer Wickelrollenanordnung
auflegbaren Auflagewalze, die in Axialrichtung in mehrere Abschnitte unterteilt ist,
deren Mittelpunkte auf einer gemeinsamen Ursprungsebene angeordnet sind, die auch
durch den Mittelpunkt der mindestens einen zu wickelnden Rolle, insbesondere deren
Wickelkern verläuft.
[0003] Die Erfindung wird im Folgenden im Zusammenhang mit der Behandlung einer Papierbahn
erläutert. Sie ist jedoch auch bei anderen Bahnen entsprechend anwendbar, die ähnlich
zu handhaben sind. Dabei handelt es sich beispielsweise, jedoch nicht erschöpfend,
um Bahnen aus Karton, Kunststoff- oder Metallfolien.
[0004] Papierbahnen werden in relativ großen Breiten von bis zu über 11 m in einer Papiermaschine
produziert. Die Produktion erfolgt quasi endlos. Dabei definiert die Warenlaufrichtung
der Papiermaschine für alle in der Papierfabrik befindlichen Maschinen und Einrichtungen
die Längs- und in horizontaler Ebene senkrecht dazu die Querrichtung. Zur Vereinfachung
der vorliegenden Schrift wird im Weiteren an geeigneten Stellen die Längsrichtung
X-Richtung, die Querrichtung als Y-Richtung und die auf einer durch diese beiden Richtungen
aufgespannten Ebene senkrecht stehende Höhenrichtung als Z-Richtung bezeichnet. Am
Ende der Papiermaschine wird die erzeugte Papierbahn in voller Breite auf einen Wickelkern
aufgewickelt. Dieser Wickelkern wird zyklisch, in aller Regel bei laufender Produktion,
ersetzt. Der auf diese Weise entstehende, bahnbreite Wickel wird üblicherweise als
Mutterrolle bezeichnet. Um für einen späteren Verwender, beispielsweise eine Druckerei,
handhabbar zu sein, muss die, auf einer Mutterrolle gewickelte, Papierbahn in mehrere,
parallel verlaufende Teilbahnen geschnitten werden, deren Breiten für den jeweiligen
späteren Verwender geeignet ist. Diese Breiten können fallweise stark variieren, sodass
die Aufteilung der Papierbahn üblicherweise nach einem individuell definierbaren Schnittmuster
vorgenommen wird. Die Teilbahnen werden dann zu so genannten Teilbahn- oder Fertigrollen
aufgewickelt und gemeinsam als sogenannter Rollenwurf ausgegeben. Das Schnittmuster
ist von Rollenwurf zu Rollenwurf änderbar. Das Längsschneiden und Aufwickeln erfolgt
zweckmäßigerweise in einer einzigen Maschine, der sogenannten Rollenschneidmaschine,
die für die Zwecke der vorliegenden Anmeldung allgemein als Rollenwickelvorrichtung
bezeichnet wird, da beispielsweise bei dem reinen Umrollen einer Mutterrolle, ohne
Formatänderungen mindestens ein Teil der möglichen Wickelprobleme auftreten kann.
Im Wesentlichen besteht eine solche Rollenwickelvorrichtung aus einer Abrolleinrichtung,
einer Schneidpartie und einer Aufrolleinrichtung, wobei die Schneidpartie eine entsprechend
der möglichen Teilungen angepassten Anzahl von meist scheibenförmig ausgebildeten
Schneiden aufweist.
[0005] Bei der Ausgestaltung einer Rollenwickelvorrichtung unterscheidet der Fachmann zwischen
zwei grundsätzlichen Bautypen, nämlich dem Tragwalzenroller und dem Stützwalzenroller.
[0006] Kennzeichnend für den Tragwalzenroller-Typ ist eine Aufrolleinrichtung, bei der der
gesamte Rollenwurf in einem Wickelbett, das aus zwei Tragwalzen besteht, auf Wickelhülsen
aufgewickelt wird. Die Wickelhülsen des Rollenwurfes können achslos durch Spannbeziehungsweise
Führungsköpfe oder, in selteneren Fällen, durch in die Wickelhülsen eingeführte Wickelwellen
gehalten werden. Die Rollen werden gemeinsam, als kompletter Wurf, aufgewickelt. In
der Regel geschieht dies mittels einer Umfangswicklung, wozu mindestens eine der beiden
Tragwalzen antreibbar ist. Wird eine Wickelwelle verwendet kann auch eine Zentrumswicklung
oder eine Kombination von beidem stattfinden.
[0007] In einer für den Stützwalzenroller-Typ kennzeichnenden Aufrolleinrichtung wird jede
einzelne zu wickelnde Rolle in einer eigenen Wickelstation gewickelt. Die Rollen stützen
sich während des Wickelvorgangs auf einer Stützwalze ab. Je nach Bauart werden ein
bis zwei Stützwalzen und fallweise zusätzliche Stützrollen verwendet. Die Teilbahnbeziehungsweise
Fertigrollen werden in ihren Wickelstationen auf Wickelhülsen gewickelt, die jeweils
von einem eingeführten Paar Spannbeziehungsweise Führungsköpfen gehalten werden. Die
Rollen werden entweder über diese Spann- beziehungsweise Führungsköpfe mit Zentrumswicklung
oder über die mindestens eine Stützwalze mit Umfangswicklung oder kombiniert angetrieben.
[0008] Beide Maschinentypen verwenden im Allgemeinen zusätzliche Andruckwalzen, die im Anfangsstadium
jeder Wicklung für ein gewünschtes Maß an Wickelhärte sorgen.
[0009] Die Typenfestlegung der zu verwendenden Rollenwickelvorrichtungen ist in der Regel
von der herzustellenden Papiersorte und der gewünschten Wickelqualität abhängig. Unabhängig
davon steht der Betreiber einer Papierfabrik einer anderen, grundsätzlichen Problematik
gegenüber: Zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Erreichung einer hohen Produktivität
ist man bestrebt, hohe Produktionsgeschwindigkeiten zu erreichen. Dabei haben sich
alle in der Produktionskette einer Papierfabrik befindlichen Einrichtungen beziehungsweise
Maschinen an der durch die Papiermaschine vorgegebenen Produktionsgeschwindigkeit
zu orientieren. Da eine Papiermaschine, einmal von Störungsfällen abgesehen, kontinuierlich
arbeitet, ist es für eine diskontinuierlich arbeitende Rollenwickelvorrichtung schwierig,
der vorgelegten Geschwindigkeit zu folgen, da Rüst-, Beschleunigungs- und Verzögerungszeiten
entsprechend der Aufgabe der Formatreduzierung relativ häufig anfallen und deshalb
nur durch deutlich höhere Produktionsgeschwindigkeiten auszugleichen sind.
[0010] Solche hohen Anforderungen an die Wickelgeschwindigkeiten birgen jedoch ein hohes
Gefährdungspotential auf Grund auftretender Schwingungen.
[0011] Der zu erzeugende Wickel nimmt kaum eine ideale runde Form an. Kleine Wickelfehler,
beispielsweise auf Grund leichter Profilschwankungen der zu wickelnden Papierbahn,
addieren sich bei jeder vollen Umwicklung. Auf Grund der periodischen Wiederkehr der
jeweiligen Wickelfehler des rotierenden Wickels, bilden sich in Abhängigkeit von dessen
Umfang und Umfangsgeschwindigkeit Schwingungen entsprechender Frequenz aus.
[0012] Mit zunehmender Produktionsgeschwindigkeit wird die Erregerfrequenz immer größer
(bei steigender Umfangsgeschwindigkeit durchläuft dieselbe Position des Wickels immer
häufiger denselben Wickelspalt) und die Erregeramplitude wird immer heftiger (gleichzeitig
wächst mit zunehmendem Wickelrollendurchmesser auch dessen Unebenheit und das wirksames
Gewicht). Dabei nimmt die Wahrscheinlichkeit stark zu, dass sich während dieses komplexen
Prozesses Schwingungen ausbilden, die (über ganzzahlige Harmonische) geeignet sind,
mit den Tragwalzen der Wickelmaschine Resonanzen auszubilden, die zu einem heftigen,
teilweise raschen "Aufschaukeln" der gesamten Maschine führen können. Wie bekannt
können dabei im Extremfall Wickel aus dem Wickelbett ausgeworfen werden.
[0013] Bei heute angestrebten Produktionsgeschwindigkeiten von 3000 m/min besteht kaum noch
die wirtschaftlich nutzbare Möglichkeit die Eigenfrequenzen der beteiligten Tragwalzen
derart auszulegen, dass eine mögliche Eigenstimmulierung des Systems zuverlässig ausgeschlossen
werden kann.
[0014] Überlagernd dazu treten noch weitere Schwingungsproblematiken auf. Beispielsweise
nimmt die sich bildende Rolle den Zustand eines anisotropen Rotors an. Ursächlich
dafür sind Querprofilschwankungen der Papierbahn, die sich bei jeder Umwicklung addieren.
Es kann dann bei jeder Umdrehung auch zu Kontaktverlusten oder mindestens unterschiedlichen
Linienlasten kommen. Über papiertechnologische Zusammenhänge, wie Kompressibilität
oder Reibwert der Bahn, bilden sich dann inhomogene Rollen aus.
[0015] Bereits bei einer halbkritischen Geschwindigkeit, die etwa der halben Resonanzdrehzahl
der Rolle entspricht, kommt es zu starken Verformungen der Rolle. Diese Verformungen
werden auch als s2-Schlag oder 2f-Schlag bezeichnet. Sie stehen abermals in massiver
Wechselwirkung mit den anderen am gesamten Wickelsystem beteiligten Komponenten und
können mitverantwortlich für einen Exzentrischen Rollenaufbau sein.
[0016] Zur Bekämpfung der daraus resultierenden Schwingungen und der dann folgenden Schäden
ist es bekannt mittels der Andruckwalzen stabilisierend auf den Wickelprozess einzuwirken.
[0017] Eine der Strategien liegt dabei darin, dass die Andruckwalze zum Ende eines Wickelvorgangs
seitlich ausgeschwenkt wird, um so über die erhöhte Andruckwalzenbewegung, im Falle
eines Schaukelns, dämpfend auf die zu erzeugende Rolle einzuwirken. Bei einer einseitig
wirkenden Andruckwalze ist die dynamische Abstimmung des Wickelsystems jedoch sehr
problematisch, da die Andruckwalze nur Druckkräfte auf die zu erzeugende Rolle ausüben
kann. In anderen Konstruktionsvorschlägen werden deshalb während des Betriebes zusätzliche
Andruckwalzen an den sich bildenden Wickel angelegt. Diese Andruckwalzen wirken stabilisierend.
Allerdings müssen die anzuschwenkenden Andruckwalzen einen eigenen Antrieb besitzen,
da die Andruckwalzen vor dem Anlegen auf Synchrondrehzahl gebracht werden müssen,
um wesentliche Beschädigungen der Papierbahn zu verhindern. Dies erfordert schließlich
eine aufwendige Regelung der gesamten Maschine. Doch auch mit einem aufwendigen Regelmechanismus
ist eine mehr oder minder abrupte Änderung der Wickelbedingungen kaum vermeidbar.
Eine kontinuierliche Anpassung an die Wickelerfordernisse ist gar nicht möglich.
[0018] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Vorrichtung
zum Aufwickeln einer Materialbahn auf eine Wickelrolle derart weiterzuentwickeln,
das in hohem Maß individuell an die erforderlichen Wickelbedürfnisse anzupassen ist.
Insbesondere sind die Verhältnisse im Aufwickelbereich zu stabilisieren.
[0019] Verfahrensgemäß wird die Aufgabe dadurch gelöst, dass die Druckrichtung aller einzelnen
Abschnitte zu Beginn des Wickelvorgangs im Wesentlichen übereinstimmt und im Verlauf
des Wickelvorgangs die Druckrichtung von mindestens zwei Abschnitten mindestens zeitweise
von einander unterschiedlich ist.
[0020] Auf diese Weise kann eine Papierbahn derart behandelt werden, dass die Einflussnahme
der Andruckwalze am gesamten Wickelsystem kontinuierlich den individuellen Anforderungen
der sich zur Bildung einer Fertigrolle im Wickelprozess laufend ändernden Rolle angepasst
wird. Dabei können insbesondere die mindestens zwei mit unterschiedlichen Druckrichtungen
wirkenden Abschnitte stabilisierend und beruhigend, dass heißt dämpfend, auf den Wickelprozess
wirken.
[0021] Um eine hohe Produktivität beim Wickeln zu erreichen ist es besonders vorteilhaft,
wenn die Änderung der Druckrichtung des mindestens einen Abschnittes frei von einer
Beeinflussung auf die Wickelgeschwindigkeit vorgenommen wird. Das heißt das die Änderung
der Druckrichtung des mindestens einen Abschnitts unter zumindest weitgehender Beibehaltung
des gewünschten Wickelgeschwindigkeitsverlaufes vorgenommen wird. Konkret bedeutet
dies auch, dass beispielsweise in einer Beschleunigungsphase während der Änderung
der Druckrichtung eines oder mehrerer Abschnitte mit gleicher oder zumindest ähnlicher
Beschleunigung weiter auf die Wickelgeschwindigkeit eingewirkt werden kann.
[0022] Besonders vorteilhaft wird ein derartiges Verfahren in einer Tragwalzenwickelvorrichtung
eingesetzt, da ein Stabilisierungseffekt hier, aus oben beschriebenen Zusammenhängen
heraus, von weitaus höherer Wichtigkeit ist. In einer Stützwalzenwickelvorrichtung
werden die zu wickelnden Rollen nämlich in eigenen Wickelstationen behandelt und sind
in weitaus höherem Maß geführt.
[0023] Es ist von Vorteil, wenn mindestens ein Abschnitt zur Ausbildung unterschiedlicher
Druckrichtungen, mit oder entgegen der Wickelrichtung, entlang des Umfangs der mindestens
einen, im Verlauf des Wickelvorgangs im Durchmesser wachsenden, Rolle ausgelenkt wird.
[0024] Mit Auslenkung einer Andruckwalze beziehungsweise eines Abschnittes einer Andruckwalze
vom Scheitelpunkt der zu wickelnden Rolle ändert sich richtungsabhängig der reibwertinduzierte
Energieeintrag. Übt ein Abschnitt, der in Laufrichtung der Materialbahn hinter dem
Scheitelpunkt angeordnet ist, Druckkräfte auf die entstehende Rolle aus, wirkt die
Reibwertkomponente absorbierend, während sie im entgegengesetzten Fall energieeintragend
wirkt.
[0025] Fallweise kann es unter anderem auch deshalb vorteilhaft sein, wenn die Abschnitte
Bezüge aufweisen. In besonderen Fällen kann es von Vorteil sein, dass die Bezüge unterschiedliche
Reibwerte aufweisen.
[0026] Es ist besonders vorteilhaft, wenn mindestens zwei Abschnitte synchron ausgelenkt
werden, oder sich in Auslenkungsbetrag und/oder in Auslenkungsrichtung unterscheiden.
[0027] Durch eine synchrone Auslenkung der Abschnitte können die zu wickelnden Rollen besonders
gleichmäßig behandelt werden. Werden die Abschnitte dabei abwechselnd mit und entgegen
der Materiallaufrichtung ausgelenkt, kann ein idealer Stützeffekt erreicht werden.
Dazu ist es besonders sinnvoll, wenn die axiale Länge der Abschnitte derart gewählt
ist, dass jede zu wickelnder Rolle von mindestens zwei Abschnitten, also stets beidseitig
gestützt wird.
[0028] Auf diese Weise werden eine hohe Stabilisierungswirkung im Wickelprozess und eine
gleichmäßige Behandlung der entstehenden Rolle erzielt.
[0029] Mit Vorteil ist dafür gesorgt, dass die Anzahl der im Wirkkontakt mit der mindestens
einen zu wickelnden Rolle stehenden Abschnitte über den Verlauf des Wickelvorgangs
konstant bleibt oder abnimmt.
[0030] Mit wachsendem Rollendurchmesser wächst auch das Gewicht der Rolle, und die ursprüngliche
Aufgabe der Andruckwalze, die Wickelhärte zu erhöhen, beziehungsweise den Wickelhärtenverlauf
über den Rollendurchmesser zu beeinflussen, tritt in den Hintergrund. Die Andruckkraft
wird vor diesem Hintergrund also stets mit wachsendem Rollendurchmesser reduziert.
[0031] Zur Reduzierung von Schwingungen werden jedoch, wie oben beschrieben, auch bei fortgeschrittenem
Wickelprozess, über die Andruckwalze, Druckkräfte auf die Rolle ausgeübt.
[0032] Eine Erhöhung der Anzahl wirkender Abschnitte ist also nur dann sinnvoll, wenn die
Abschnitte Druckkräfte auf die Rolle ausüben sollen. Damit wird jedoch abrupt auf
den Wickelprozess eingegriffen. Insbesondere besteht die Gefahr von auftretenden Lageverschiebungen,
Platzstellen oder Abrissen.
[0033] Wird die Anzahl der wirkenden Abschnitte konstant gehalten ist dagegen ein kontinuierliches
Einwirken möglich.
[0034] Üben einzelne Abschnitte keine oder nur noch eine geringe Druckkraft aus, ist es
ferner möglich, die Abschnitte außer Kontakt zu bringen. Somit lassen sich beispielsweise
unnötige Spannungen auf Grund von, durch Querprofilschwankungen hervorgerufenen, lokalen
[0035] Geschwindigkeitunterschieden vermeiden, ohne die Kontinuität des Wickelprozesses
wesentlich zu stören.
[0036] Kurzfristige, unbeabsichtigte Wickelkontaktverluste und - Wiederaufnahmen bleiben
von dieser Betrachtung selbstverständlich unberührt.
[0037] Es ist günstig, wenn die einzelnen Abschnitte mindestens zeitweise unterschiedlich
starke Druckkräfte aufbringen.
[0038] Auf diese Weise werden unterschiedliche Wickeleinflüsse besonders gut kompensiert.
Insbesondere können Schwingungsbewegungen und exzentrischen Wickelaufbauten entgegengewirkt
werden. Auch lassen sich beispielsweise aus den momentan anliegenden Wickelverhältnissen
zu stark ausgeprägten J-Linien, entgegenwirken.
[0039] Es ist bevorzugt, wenn, die Ursprungsebene senkrecht über dem Mittelpunkt der zu
wickelnden Rolle verläuft oder sich in einem Winkel zur Senkrechten neigt oder die
Ursprungsebene gekrümmt verläuft.
[0040] Die Ursprungsebene verläuft senkrecht über dem Mittelpunkt, wenn die (imaginäre)
Seele, in dessen Flucht sich die einzelnen Abschnitte zumindest zu Beginn des Wickelprozesses
befinden senkrecht über der wachsenden Rolle bewegt wird. Bewegt sich die Seele in
einem definierten Winkel zur Senkrechten ist die Ursprungsebene geneigt, folgt die
Seele einer definierten oder sich ändernden Kreisbahn ist die Ursprungsebene gekrümmt.
[0041] Auf diese Weise ist ein zusätzlicher Freiheitsgrad hinsichtlich der Gesamtwirkungsweise
der einzelnen Abschnitte zu erzielen und ihre vibrationsmindernde Wirkung läßt sich
erhöhen.
[0042] Vorrichtungsgemäß wird die Aufgabe der Erfindung dadurch gelöst, dass mindestens
ein Teil der Abschnitte von ihrer Ursprungsebene auslagerbar sind.
[0043] Die Mittelpunkte aller einzelnen Abschnitte sind demnach insbesondere zu Wickelbeginn
auf einer gemeinsamen Ursprungsebene angeordnet (kleine Abweichungen können auch hier
unberücksichtigt bleiben), wobei die Ursprungsebene auch durch den Mittelpunkt der
mindestens einen zu wickelnden Rolle, insbesondere deren Wickelkern verläuft und erfinderisch
dadurch charakterisiert, dass insbesondere während des Wickelvorgangs mindestens ein
Abschnitt von der gemeinsamen Ursprungsebene auslagerbar ist.
[0044] Auf diese Weise ist die Einflussnahme der Andruckwalze am gesamten Wickelsystem kontinuierlich
den individuellen Anforderungen der sich zur Bildung einer Fertigrolle im Wickelprozess
laufend ändernden Rolle anpassbar.
[0045] Dabei ist der Wickelprozess insbesondere durch die mindestens zwei mit unterschiedlichen
Druckrichtungen wirkenden Abschnitte stabilisierbar und beruhigbar, dass heißt dämpfbar.
[0046] Die Vorrichtung findet besonders vorteilhaft in einer Tragwalzenwickelvorrichtung
Einsatz, da hier ein besonders hoher Wirkanteil erzielbar ist.
[0047] In einer bevorzugten Ausführung sind mindestens zwei Abschnitte synchron oder nach
Betrag und/oder Richtung unterschiedlich auslagerbar.
[0048] Durch eine synchrone Auslenkung der Abschnitte sind die zu wickelnden Rollen besonders
gleichmäßig behandelbar. Dagegen ist durch individuelle Auslagerungen fallweise ein
breiteres Einsatzspektrum abdeckbar. Unter abwechselnder Auslenkung der Abschnitte
mit und entgegen der Materiallaufrichtung, ist ein idealer Stützeffekt erreichbar.
Dazu ist es besonders sinnvoll, wenn die axiale Länge der Abschnitte derart festgelegt
ist, dass jede der zu wickelnden Rolle von mindestens zwei Abschnitten, also stets
beidseitig, stütztbar ist.
[0049] Mit Vorteil ist dafür gesorgt, dass die Druckkraft von mindestens einem Abschnitt
individuell einstellbar, insbesondere steuerbar / regelbar ist. Auf diese Weise sind
unterschiedliche Wickeleinflüsse besonders gut kompensierbar. Insbesondere sind Schwingungsbewegungen
und exzentrische Wickelaufbauten wirkungsvoll unterdrückbar. Auch sind zu stark ausgeprägte
J-Linien vermeidbar.
[0050] Es ist günstig, wenn mindestens ein Abschnitt passiv oder aktiv dämpfbar ist.
[0051] Auf diese Weise sind Schwingungen und Resonanzen besonders gut eliminierbar. Kritische
Drehzahlbereiche sind beispielsweise besser durchfahrbar. Der Wirkungsgrad der gesamten
Vorrichtung ist damit zusätzlich steigerbar.
[0052] Vorzugsweise ist zumindest ein Teil der einzelnen Abschnitte über Kupplungselemente
individuell untereinander kuppelbar.
[0053] Auf diese Weise sind Gruppen bildbar. Auch sind die Abschnitte dann besonders gut
an individuelle Schnittmuster beziehungsweise Rollenbreiten von Rollenwurf zu Rollenwurf
anpassbar.
[0054] Es ist von Vorteil, wenn die Abschnitte entlang ihrer Längsachse bewegbar sind.
[0055] Auf diese Weise ist die Vorrichtung besonders gut an unterschiedliche Schnittmuster
beziehungsweise Rollenbreiten anpassbar.
[0056] Im Weiteren ist es von Vorteil, wenn mindestens zwei der Abschnitte unterschiedliche
Breiten aufweisen.
[0057] Durch eine unterschiedliche Ausdehnung in y-Richtung mindestens zweier Abschnitte
ist die Vorrichtung besonders gut an unterschiedliche Schnittmuster beziehungsweise
Rollenbreiten anpassbar.
[0058] Es ist ferner von Vorteil, wenn eine Einrichtung vorgesehen ist, die Führungen aufweist,
an denen die einzelnen Abschnitte führbar auslenkbar sind.
[0059] Eine entsprechende Führung kann dabei beispielhaft, jedoch nicht erschöpfend aus
Wagen mit Querführungen, Gitterkasten, elektromagnetischen Leitkonstruktionen oder
Gehäusekonstruktionen realisiert sein.
[0060] Auf diese Weise ist eine hohe Wiederholgenauigkeit des Wickelprozesses besonders
gut gewährleistbar. Auch ist eine Vereinfachung eines Steuer- oder Regelprozesses
erzielbar. Schließlich sind die aufzunehmenden Kräfte besonders gut ableitbar.
[0061] Mit Vorteil ist dafür gesorgt, dass die Einrichtung in ihrer Relativlage zur Rolle
und/oder zu deren Wickelkern in mindestens einem der folgenden Parameter änderbar
ist:
- Höhe
- Neigung
- seitliche Ausrichtung
[0062] Beispielhaft, jedoch nicht erschöpfend ist die Einrichtung dazu gelenkig mit einer
Hebelkonstruktion verbunden, oder ist in einer Führung führbar. Auf diese Weise ist
ein zusätzlicher Freiheitsgrad hinsichtlich der Gesamtwirkungsweise der einzelnen
Abschnitte erzielbar und ihre vibrationsmindernde Wirkung erhöhbar.
[0063] Es ist vorteilhaft, wenn die Vorrichtung eine Steuerung / Regelung aufweist, unter
deren Einsatz die Abschnitte individuell, gruppenweise oder gemeinsam handhabbar sind.
[0064] Vorzugsweise ist die Steuerung / Regelung der Auslenkeinrichtung der einzelnen Abschnitte
mit der Steuerung / Regelung der Auslenkeinrichtung der gesamten Auflagewalze gekoppelt
und kann vorzugsweise eine bauliche Einheit bilden. Besonders bevorzugt ist es, wenn
die Steuerung / Regelung auch mit der Gesamtsteuerung / Gesamtregelung der Rollenwickelvorrichtung
korrespondiert. Dazu ist es von besonderem Vorteil, wenn Sensoren zur Erfassung von
Rollen- und Maschinenparametern vorgesehen sind. Beispielhaft, aber nicht erschöpfend
können sich diese Parameter bei einer Rolle auf deren Sorte, Breite, Oberflächenbeiwerte
oder Durchmesser beziehen. Bei einer Rollenwickelvorrichtung können die entsprechenden
Parameter insbesondere aus der Wickelgeschwindigkeit und auftretenden Vibrationen
gebildet sein.
[0065] Durch eine derartige Steuerung / Regelung sind eine gute Einstellung und eine rasche
Anpassung der Wickelvorgaben erzielbar.
[0066] Die Erfindung wird im Folgenden anhand von Ausführungsbeispielen unter Bezugnahme
auf die Zeichnungen näher erläutert. In dieser zeigt
- Figur 1
- eine schematische Seitenansicht einer beispielhaften Rollenwickelvorrichtung mit erfindungsgemäßen
Merkmalen
- Figuren 2 bis 4
- eine schematische Seitenansicht einer beispielhaften Wickelanordnung mit erfindungsgemäßen
Merkmalen
- Figur 5
- eine schematische Draufsicht einer Andruckwalze, mit erfindungsgemäßen Merkmalen
[0067] Die in den Figuren 1 bis 5 dargestellte bevorzugte Ausführungsform einer erfindungsgemäßen
Rollenwickelvorrichtung 1 ist im Zusammenhang mit einer Tragwalzenwickelvorrichtung
realisiert, die im Bereich ihrer Aufwicklung eine Wickelanordnung 2 aufweist. Die
Wickelanordnung 2 weist zwei Tragwalzen 14 auf, von denen mindestens eine antreibbar
ist. Vorzugsweise sind beide Tragwalzen 14 antreibbar und stehen über eine gemeinsame
Regelung in Verbindung. Dabei hat es sich bewährt, wenn die, in Laufrichtung der Materialbahn
M, insbesondere der Papierbahn, erste Tragwalze 14 drehzahlgeregelt und die zweite
Tragwalze 14 drehmomentengeregelt ist. Auch ist eine elastische Lagerung einer Tragwalze
denkbar. Ebenso können die Achsen 18 der Tragwalzen 14 auf unterschiedlichen Höhenniveaus
in z-Richtung gelagert sein. Weiterhin können die Tragwalzen 14 unterschiedlich starke
Durchmesser aufweisen. Selbstverständlich kann mindestens eine der beiden Tragwalzen
14 auch eine, an der Materialbahn M wirksam werdende Beschichtung oder Ummantelung
aufweisen, während beispielsweise die andere Tragwalze 14 als Stahlwalze ausgebildet
ist. Ferner kann mindestens eine der Tragwalzen 14 eine passive oder aktive Dämpfung
oder ein Tilgungselement aufweisen. Diese vorteilhaften Ausgestaltungen sind dem Fachmann
jedoch bekannt und hier aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht näher dargestellt.
[0068] Neben den Tragwalzen 14 bilden die mindestens eine zu wickelnde Rolle 9 und die Auflagewalze
3 wesentliche Elemente der in den Figuren 2 bis 4 näher dargestellten Wickelanordnung
2.
[0069] Die Auflagewalze 3 ist in mehrere, sich über die Wickelbreite erstreckende, Abschnitte
4 aufgeteilt. Die einzelnen Abschnitte 4 sind bewegbar auf einer als Traverse ausgebildeten
Einrichtung 11 angeordnet, mit der die Auflagewalze 3 auch eine bauliche Einheit bilden
kann. Die Einrichtung 11 weist dabei im Ausführungsbeispiel eine der Anzahl der vorhandenen
Abschnitte 4 angepassten Anzahl mechanisch ausgebildeter Führungen 12 auf. Ebenso
können dazu elektromagnetischen Leitkonstruktionen vorgesehen sein, über die die einzelnen
Abschnitte 4 induktiv führbar sind.
[0070] Zu Beginn eines Wickelvorgangs stehen alle Abschnitte 4 in einer gemeinsamen Flucht
und pressen den Wickelkern 10 mit der sich auf ihm aufwickelnden Papierbahn M unter
Ausbildung einer gemeinsamen Druckrichtung DR mit definierter Kraft DK in das Wickelbett
der Tragwalzenwickelvorrichtung. Dies ist notwendig, um über die Nips, zwischen den
sich bildenden Rollen 9 und den beiden Tragwalzen 14, den zur Erreichung einer gewünschten
Wickelhärte erforderlichen Bahnzug durch Reibkräfte zu erreichen, beziehungsweise
aufrecht erhalten zu können. Sinnvollerweise ist die von den einzelnen Abschnitten
4 jeweils ausgeübte Druckkraft DK zu Beginn des Wickelvorgangs gleich groß. In speziellen
Fällen ist es jedoch denkbar, dass die einzelnen Abschnitte 4 zum Ausgleich eventueller
Ungleichmäßigkeiten auch im Stadium des Anwickelns lokal unterschiedliche Druckkräfte
DK auf die einzelnen Rollen 9 beziehungsweise Rollenabschnitte aufbringen.
[0071] In Figur 2 befindet sich die Wickelanordnung 2 im Anfangsstadium des Wickelprozesses.
Es haben sich erst wenige Lagen der Papierbahn M um die Wickelkerne 10 der in y-Richtung
fluchtend hintereinander angeordneten zu erzeugenden Rollen 9 gebildet. Die Längsachsen
6, beziehungsweise die Mittelpunkte 5, der einzelnen Abschnitte 4 der Auflagewalze
3 bilden in diesem Anfangsstadium ebenfalls eine gemeinsame Flucht in y-Richtung aus,
während die Abschnitte 4 die sich bildenden Rollen 9 zur Erreichung eines gewünschten
Wickelhärteverlaufs in das aus den beiden Tragwalzen 14 gebildete Wickelbett hinein
drücken. Je nach Durchmesser des Wickelkerns 10 und geometrischer Gestaltung der Tragwalzenanordnung
müssen die Abschnitte 4 der Auflagewalze 3 in dieser Anfangsphase des Wickelprozesses
recht tief in das Wickelbett eintauchen. Demnach ist es nicht nur sinnvoll, sondern
in vielen Fällen auch geometrisch nicht anders machbar, dass die von den einzelnen
Abschnitten 4 aufgebrachten Linienkräfte zu Beginn des Wickelprozesses auf einer gemeinsamen
Flucht liegen. Auch zur Vermeidung später im Wickelprozess auf den Umfang U der rotierenden
Rollen 9 aufsetzenden Elementen sind die Abschnitte 4 auslagerbar. Damit ist sichergestellt
- von kurzzeitigen Kontaktverlusten einmal abgesehen - dass die Anzahl der in Bahnkontakt
stehenden Abschnitte 4 stets über den gesamten Wickelprozess gleichbleibt oder abnimmt.
Auf diese Weise sind Wickelergebnisse von höchster Qualität zu erzeugen. Auch ein
wieder Aufsetzen einmal abgenommener Abschnitte 4 ist denkbar, aber in den wenigsten
Fällen sinnvoll.
[0072] Die sich bildenden Rollen 9 wachsen in ihrem Durchmesser D mit jeder Umdrehung. Zu
Beginn des Wickelprozesses ist der Durchmesser D und damit auch der Umfang U der sich
bildenden Rollen relativ klein. So durchleben die sich bildenden Rollen 9 im Anfangsstadium
des Wickelprozesses also auch dann einen dramatischen Durchmesserzuwachs, wenn sich
die Tragwalzen 14 der Wickelanordnung 2 noch in der Beschleunigungsphase befinden.
[0073] Zu einem späteren Zeitpunkt des Wickelvorgangs, wenn das jeweilige Gewicht der sich
bildenden Rollen 9 einen Wert erreicht hat, der belastungsmäßig keine weitere Erhöhung
der Nipkräfte erforderlich macht, wird mindestens ein Abschnitt 4 aus der ursprünglichen
gemeinsamen Flucht ihrer Mittelpunkte 5 ausgelenkt. Es ist dabei denkbar, dass verschiedene
Abschnitte 4 zu verschiedenen Zeitpunkten ausgelenkt werden. Denkbar ist auch das
mehrere Abschnitte 4 gleichzeitig bewegt werden. Die jeweilige maximale Auslenkung,
kann ein einzelner Abschnitt 4 dann jeweils kontinuierlich oder diskontinuierlich
erreichen. Auch können die einzelnen Abschnitte 4 mit gleichen oder unterschiedlichen
Relativgeschwindigkeiten ausgelenkt werden.
[0074] Das heißt, dass die Auslenkung einzelner Abschnitte in Auslenkungsbetrag AB und/oder
in Auslenkungsrichtung AR übereinstimmen kann oder in mindestens einem dieser Parameter
von einander verschieden sein kann.
[0075] Mindestens ein Abschnitt 4 übt dann unter einer anderen Druckrichtung DR seine Druckkraft
DK auf die jeweilige Rolle 9 aus, sodass mindestens zwei von einander unterschiedliche
Druckrichtungen DR gleichzeitig im Wickelprozess wirksam werden. Idealerweise werden
mehrere Abschnitte 4 oder sogar alle Abschnitte 4 ausgelenkt. Dabei können die einzelnen
Abschnitte 4 zum jeweils gleichen Zeitpunkt des Wickelprozesses auch in mehr als zwei
Druckrichtungen DR wirksam werden.
[0076] Die in ihrer Relativlage mittels der oder den in der Einrichtung 11 vorgesehenen
Führungen 12 unterschiedlich auslenkbaren Abschnitte 4 können ferner eine Lageänderung
durch eine Bewegung der Einrichtung 11 und insbesondere der gesamten Auflagewalze
3 erfahren. Dies ist regelmäßig bereits deswegen der Fall, weil die Auflagewalze 3
entsprechend der Zunahme des Durchmessers D der sich bildenden Rollen 9 in z-Richtung
ausweichen muss.
[0077] Dabei bewegt sich die Auflagewalze 3 innerhalb einer Ursprungsebene 7, die senkrecht
in z-Richtung über dem Wickelbett liegen kann und auch die Mittelpunkte 8 der zu wickelnden
Rollen 9 beherbergt. Die Ursprungsebene 7 kann jedoch auch, wie in Figur 1 dargestellt
eine Kurvenform beschreiben oder kann in einem Winkel α zur z-Richtung geneigt sein.
Um der jeweiligen Ursprungsebene 7 folgen zu können ist die Relativlage der Einrichtung
11 zu den zu wickelnden Rollen 9 entlang einer vertikalen und/oder mindestens einer
radialen Führung 19 bewegbar.
[0078] Darüber hinaus können die jeweiligen Abschnitte 4 zumindest zeitweise auch unterschiedliche
starke Druckkräfte DK aufbringen, so dass noch ein weiterer Freiheitsgrad in der Behandlung
der Papierbahn M vorhanden ist.
[0079] Dies ist in Figur 4 durch unterschiedlich große Betragspfeile angedeutet.
[0080] Die im Zusammenhang mit dem Auslenkungsbetrag AB und der Auslenkungsrichtung AR stehende
Druckrichtung DR und die Druckkraft DK der einzelnen Abschnitte 4 können sich im weiteren
Verlauf des Wickelprozesses auch wieder angleichen. Beispielsweise ist es denkbar,
dass im fortgeschrittenen Wickelprozess zeitweise ein besonders schwingungsgefährdeter
Prozessabschnitt auftritt. Die Abschnitte 4 können dann beispielsweise eine besonders
stabilisierende Formation einnehmen. Nach Überwindung dieses besonders kritischen
Prozessabschnitts, beispielsweise in Vorbereitung auf einen danach anstehenden Setwechsel,
also einen neuen Anwickelvorgang, können die einzelnen Abschnitte 4 wieder aufeinander
zu bewegt werden oder sogar zur Wiederausbildung einer gemeinsamen Flucht ihrer Mittelpunkte
5 gänzlich zusammengefahren werden. Dies kann zur Minimierung der benötigten Setwechselzeiten
beitragen.
[0081] Nach Figur 4 ist eine Ausgestaltung dargestellt, die eine synchrone Bewegung der
einzelnen Abschnitte 4 besonders gut zulässt. Hierbei werden die Abschnitte 4 abwechselnd
in Wickelrichtung WR und entgegen der Wickelrichtung - WR bewegt, sodass die sich
die Auslenkungsbeträge AB stets gleichen, während die Auslenkungsrichtungen AR alternierend
von Abschnitt 4 zu Abschnitt 4 wechseln. Dabei sind die Breiten, also die Ausdehnung
in y-Richtung, der Abschnitte 4 vorteilhaft so gewählt, dass auch die kleinste mögliche
Rollenbreite beidseitig gestützt wird. In Figur 5 ist zur weiteren Ausgestaltung der
oberste Abschnitt 4.12 in schmaler dargestellt als die anderen Abschnitte 4.1 bis
4.11. Mit 4.1' bis 4.12' sind in dieser Figur die ausgelagerten Abschnitte gekennzeichnet.
[0082] Nach Figur 5 sind die einzelnen Abschnitte 4 dazu entlang ihrer Längsachsen 6, also
in y-Richtung, bewegbar.
[0083] Entsprechend der Figur 4 erfolgt das Auseinanderfahren der Abschnitte 4 durch einen,
als Verstelleinrichtung 16 wirkenden, Spindelantrieb mit Rechts- und Linksgewinde,
wodurch eine wiederholgenaue, synchrone Bewegung der Abschnitte 4 gewährleistet ist.
Die einzelnen Abschnitte 4 können kuppelbar oder dauerhaft mit der Verstelleinrichtung
16 verbunden sein.
[0084] Die einzelnen Abschnitte 4 weisen innenliegende Antriebe 17 auf. Somit ist ihre äußere
Gestalt sehr kompakt und das Gewicht des jeweiligen Antriebs 17 geht vorteilhafterweise
in das Gewicht des einzelnen Abschnitts 4 ein. Ferner sind die Stirnseiten der Abschnitte
4 auf diese Weise frei zugänglich und ermöglichen zum einen eine sehr dichte Anordnung
der einzelnen Abschnitte 4 in y-Richtung. Zum anderen bleibt auch ein hoher Gestaltungsfreiraum
für die Konstruktion eventuell vorzusehender Kupplungselemente 15 offen. Entlang ihrer
Längsachse 6 bewegbare und/oder kuppelbare Abschnitte 4 erlauben es dem Betreiber
einer Rollenwickelvorrichtung 1 besonders gut sich dem gegebenenfalls von Rollenwurf
zu Rollenwurf ändernden Schnittmuster gerecht zu werden.
[0085] Es ist eine Steuerung/Regelung 13 vorgesehen, die zur Handhabung der mit der Andruckwalze
3 und im Besonderen deren Abschnitte 4 sowie der Einrichtung 11 im Zusammenhang stehenden
Prozessabläufe dient. Darunter fallen auch Regelungsabläufe, die der aktiven Dämpfung
oder Schwingungstilgung an mindestens einem Abschnitt 4 dienen. Selbstverständlich
kann auch eine passive Dämpfung an mindestens einem der Abschnitte 4 vorgesehen sein.
Eine solche passive Dämpfung kann losgelöst von einer aktiven Regelung arbeiten, der
Steuerung/Regelung 13 jedoch beispielsweise als ein Signalgeber dienen. Die Steuerung/Regelung
13 kann dabei zur Erfüllung ihrer Aufgaben mit geeigneten Sensoren zur Datenerfassung
in Verbindung stehen. Auch können Kontakte zu anderen Regelungseinheiten und insbesondere
zu einer übergeordneten Regelung der Rollenwickelvorrichtung bestehen. Dazu ist eine
drahtlose Verbindung durch drei Wellenabschnitte angedeutet. Selbstverständlich kann
ebenso eine Leiterverbindung vorgesehen sein.
[0086] Von den dargestellten Ausführungsformen kann in vielfacher Hinsicht abgewichen werden,
ohne den Grundgedanken der Erfindung zu verlassen.
Bezugszeichenliste
[0087]
- 1
- Rollenwickelvorrichtung
- 2
- Wickelanordnung
- 3
- Auflagewalze
- 4; 4.1-4.12;
- Abschnitt
- 4.1'-4.12'
-
- 5
- Mittelpunkt
- 6
- Längsachse
- 7
- Ursprungsebene
- 8
- Mittelpunkt
- 9
- Rolle
- 10
- Wickelkern
- 11
- Einrichtung
- 12
- Führung
- 13
- Steuerung / Regelung
- 14
- Tragwalze
- 15
- Kupplungselement
- 16
- Verstelleinrichtung
- 17
- Antrieb für Abschnitt
- 18
- Achse für Tragwalze
- 19
- Führung
- α
- Winkel
- AB
- (Auslenkungs-) Betrag
- AR
- (Auslenkungs-) Richtung
- D
- Durchmesser
- DK
- Druckkraft
- DR
- Druckrichtung
- M
- Materialbahn (Papierbahn)
- U
- Umfang
- WR
- Wickelrichtung
- x
- x-Richtung
- Y
- y-Richtung
- z
- z-Richtung
1. Verfahren zum Wickeln von mindestens einer Rolle (9) in einer Rollenwickelvorrichtung
(1) mit einer auf eine Wickelrollenanordnung (2) auflegbaren Auflagewalze (3), die
in Axialrichtung (y) in mehrere Abschnitte (4) unterteilt ist, wobei die einzelnen
Abschnitte (4) unter Ausbildung einer Druckrichtung (DR) auf die mindestens eine zu
wickelnde Rolle (9) einwirken,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Druckrichtung (DR) aller einzelnen Abschnitte (4) zu Beginn des Wickelvorgangs
im Wesentlichen übereinstimmt und im Verlauf des Wickelvorgangs die Druckrichtung
(DR) von mindestens zwei Abschnitten (4) mindestens zeitweise von einander unterschiedlich
ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
mindestens ein Abschnitt (4) zur Ausbildung unterschiedlicher Druckrichtungen (DR),
mit oder entgegen der Wickelrichtung (WR), entlang des Umfangs (U) der mindestens
einen, im Verlauf des Wickelvorgangs im Durchmesser (D) wachsenden, Rolle (9) ausgelenkt
wird.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
mindestens zwei Abschnitte (4) synchron ausgelenkt werden, oder sich in Auslenkungsbetrag
(AB) und/oder in Auslenkungsrichtung (AR) unterscheiden.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Anzahl der im Wirkkontakt mit der mindestens einen zu wickelnden Rolle (9) stehenden
Abschnitte (4) über den Verlauf des Wickelvorgangs konstant bleibt oder abnimmt.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass
die einzelnen Abschnitte (4) mindestens zeitweise unterschiedlich starke Druckkräfte
(DK) aufbringen.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1-5,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Ursprungsebene (7) senkrecht über dem Mittelpunkt (8) der mindestens einen zu
wickelnden Rolle (9) verläuft oder sich in einem Winkel (α) zur Senkrechten neigt
oder die Ursprungsebene (7) gekrümmt verläuft.
7. Rollenwickelvorrichtung (1) mit einer auf eine Wickelrollenanordnung (2) auflegbaren
Auflagewalze (3), die in Axialrichtung (y) in mehrere Abschnitte (4) unterteilt ist,
deren Mittelpunkte (5) auf einer gemeinsamen Ursprungsebene (7) angeordnet sind, die
auch durch den Mittelpunkt (8) der mindestens einen zu wickelnden Rolle (9), insbesondere
deren Wickelkern (10) verläuft,
dadurch gekennzeichnet, dass
mindestens ein Teil der Abschnitte (4) von ihrer Ursprungsebene (7) auslagerbar sind.
8. Rollenwickelvorrichtung (1) nach dem vorhergehenden Anspruch,
dadurch gekennzeichnet, dass
mindestens zwei Abschnitte (4) synchron oder nach Betrag (AB) und/oder Richtung (AR)
unterschiedlich auslagerbar sind.
9. Rollenwickelvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 7-8,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Druckkraft (DK) von mindestens einem Abschnitt (4) individuell einstellbar, insbesondere
steuerbar / regelbar ist.
10. Rollenwickelvorrichtung (1) einem der Ansprüche 7-9,
dadurch gekennzeichnet, dass
mindestens ein Abschnitt (4) passiv oder aktiv dämpfbar ist.
11. Rollenschneidvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 7-10,
dadurch gekennzeichnet, dass
mindestens ein Teil der einzelnen Abschnitte (4) über Kupplungselemente (15) individuell
untereinander kuppelbar sind.
12. Rollenschneidvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 7-11,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Abschnitte (4) entlang ihrer Längsachse (6) bewegbar sind.
13. Rollenschneidvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 7-12,
dadurch gekennzeichnet, dass
eine Einrichtung (11) vorgesehen ist, die Führungen (12) aufweist, an denen die einzelnen
Abschnitte (4) führbar auslenkbar sind.
14. Rollenschneidvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 7-13,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Einrichtung (11) in ihrer Relativlage zur mindestens einen Rolle (9) und/oder
zu deren Wickelkern (10) in mindestens einem der folgenden Parameter änderbar ist:
- Höhe
- Neigung
- seitliche Ausrichtung
15. Rollenschneidvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 7-14,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Vorrichtung eine Steuerung / Regelung (13) aufweist, unter deren Einsatz die Abschnitte
(4) individuell, gruppenweise oder gemeinsam handhabbar sind.