[0001] Die Erfindung betrifft eine Zylinderanordnung für eine längsgespülte Hubkolbenbrennkraftmaschine,
insbesondere für einen langsam laufenden längsgespülten Zweitakt-Grossdieselmotor
gemäss dem Oberbegriff des unabhängigen Anspruchs 1.
[0002] Grossdieselmotoren werden häufig als Antriebsaggregate für Schiffe oder auch im stationären
Betrieb, z.B. zum Antrieb grosser Generatoren zur Erzeugung elektrischer Energie eingesetzt.
Dabei laufen die Motoren in der Regel über beträchtliche Zeiträume im Dauerbetrieb,
was hohe Anforderungen an die Betriebssicherheit und die Verfügbarkeit stellt. Daher
sind für den Betreiber insbesondere lange Wartungsintervalle, geringer Verschleiss
und ein wirtschaftlicher Umgang mit Brenn- und Betriebsstoffen zentrale Kriterien
für den Betrieb der Maschinen. Unter anderem ist das Kolbenlaufverhalten solcher grossbohrigen
langsam laufenden Dieselmotoren ein bestimmender Faktor für die Länge der Wartungsintervalle,
die Verfügbarkeit und über den Schmiermittelverbrauch auch unmittelbar für die Betriebskosten
und damit für die Wirtschaftlichkeit. Damit kommt der komplexen Problematik des Kolbenlaufverhaltens
bei Grossdieselmotoren, eine immer grössere Bedeutung zu.
[0003] Bei Grossdieselmotoren, jedoch nicht nur bei diesen, erfolgt die Kolbenschmierung
durch Schmiereinrichtungen im sich hin und her bewegenden Kolben oder in der Zylinderwand,
durch die Schmieröl auf die Lauffläche der Zylinderwand aufgebracht wird, um die Reibung
zwischen Kolben und Lauffläche und damit die Abnützung der Lauffläche und der Kolbenringe
zu minimieren. So liegt heute bei modernen Motoren, wie z.B. den Wärtsilä Zweitakt
Motoren, die Abnutzung der Lauffläche bei weniger als 0.05 mm bei einer Betriebsdauer
von 1000 Stunden. Die Schmiermittelfördermenge liegt bei solchen Motoren bei ca. 1.3
g/kWh und weniger und soll nicht zuletzt aus Kostengründen möglichst noch weiter reduziert
werden, wobei gleichzeitig der Verschleiss minimiert werden soll.
[0004] Dabei sind als Schmiersysteme zur Schmierung der Laufflächen der Zylinder ganz verschiedene
Lösungen bekannt, sowohl was die konkrete Ausführung der Schmiereinrichtungen selbst,
als auch was die Verfahren zur Schmierung angeht. Die entsprechenden Lösungen sind
dem Fachmann in ihren unterschiedlichen Varianten wohlbekannt.
[0005] Ein zentraler Punkt ist dabei immer die Schwierigkeit den Schmiermittelfilm auf der
Zylinderlauffläche möglichst auch lokal zu optimieren
[0006] So wird beispielsweise in der
CH 613 495 eine Zylindervorrichtung für eine Kolbenbrennkraftmaschine offenbart, die zur Verhütung
des Fressens von Kolbenringen während des Betriebs abnormale Reibungszustände der
Kolbenringe mittels eines Temperatur- oder Vibrationsfühlers detektiert und beim Auftreten
solcher Störungen die Schmierölmenge, die von einer bestimmten Schmierstelle abgegeben
wird, erhöht. Die
EP 0 652 426 zeigt ein Verfahren, bei welchem durch zyklisches Messen der Temperatur in der Zylinderwand
das Auftreten von Scuffing bzw. Verschleissfressen anhand eines dafür charakteristischen
Temperaturverlaufs erkannt wird und einer entsprechenden Schädigung durch eine automatische
Leistungsreduzierung und / oder durch Erhöhung der Schmiermittelzufuhr entgegengewirkt
wird. Eine weitere bekannte Methode zum frühzeitigen Erkennen von kritischen Betriebszuständen
einer Brennkraftmaschine ist die in der
EP 1 006 271 gezeigt Ultraschallmethode, bei welcher mittels in einem Zylinder angeordneten Ultraschallwandlers
der Gegenlaufpartner mit Ultraschallsignalen beaufschlagt wird und die reflektierten
Echosignale zur Bestimmung des Zustandes des Gegenlaufpartners herangezogen wird.
[0007] Wird beispielsweise bei einer aus dem Stand der Technik bekannten Vorrichtung in
einem bestimmten Zylinder das Auftreten von Kolbenfressen oder Scuffing detektiert,
so wird für diesen Zylinder die Schmiermittelmenge so lange erhöht, bis der detektierte
abnormale Betriebszustand wieder verschwindet und die diesem Zylinder pro Zeiteinheit
zugeführte Schmiermittelmenge wieder reduziert werden kann.
[0008] Zur Lösung der zuvor beschriebenen komplexen Probleme im Zusammenhang mit der Zylinderschmierung
sind im Stand der Technik zahlreiche Lösungsansätze vorgeschlagen, die zum Teil ineinander
greifen und die Art des Aufbringens des Schmiermittels betreffen, sich mit der Kontrolle
und der Regelung der Schmiermittelmenge befassen, optimierte Kolbendesigns, insbesondere
die Optimierung von einzelnen Kolbenringen oder ganzer Kolbenringpackungen betreffen
oder zum Beispiel versuchen über die chemische Zusammensetzung des Schmieröls oder
des Treibstoffs das Schmiersystem und damit das Kolbenverhalten zu optimieren.
[0009] Alle diese Massnahmen laufen jedoch mehr oder weniger ins Leere, wenn die Lauffläche
auf der Zylinderwand des Zylinderliners, mit der der Kolben über die Kolbenringpackungen
bei seiner hin- und Herbewegung im Betriebszustand in reibendem Kontakt steht, nicht
oder nur ungenügend geeignet ist, einen zuverlässigen Schmierfilm auf der Lauffläche
auszubilden.
[0010] Daher ist die Herstellung der Lauffläche auf einer Zylinderwand eines Zylinderliners
ein kritischer Punkt, dessen Beachtung zu Recht zunehmend an Bedeutung gewonnen hat.
[0011] Die üblicherweise verwendeten Zylinderliner werden in der Regel durch ein wohlbekanntes
Giessverfahren hergestellt, wodurch zunächst ein Zylinderliner Rohling bereit gestellt
wird. Das Giessmaterial ist dabei geeignet mit Hartstoffen angereichert bzw. der Giess-
und Abkühlvorgang wird in an sich bekannter Weise derart beeinflusst, dass sich beim
Giessen und / oder beim Abkühlen des Zylinderliner Rohlings im Guss-Grundmaterial
mehr oder weniger ausgedehnte Bereiche aus Hartphasen, die zum Beispiel an sich bekannte
Karbide oder andere an sich bekannte Hartphasen umfassen können, ausbilden bzw. ausgeschieden
werden. Diese Hartphasen bilden im Guss-Grundmaterial eine mehr oder weniger unregelmässige
Verteilung oder Matrix, sodass eine vorteilhafte Kombination von relativ weichem Guss-Grundmaterial
und Hartphasen entsteht. Das relativ weiche Guss-Grundmaterial stellt dabei zum Beispiel
unter anderem eine gewisse mechanische Elastizität und Dauerfestigkeit des Zylinderliners
sicher, so dass dieser den enormen Temperatur- und Druckschwankungsbelastungen im
Betriebszustand der Brennkraftmaschine widerstehen kann. Die Hartphasen dagegen geben
der Zylinderwand bzw. der Lauffläche des Zylinders eine genügend hohe Härte, insbesondere
aber nicht nur, gegen übermässigen Verschleiss durch Reibung zwischen dem Kolben und
der Zylinderlauffläche. Die verschiedenen Herstellungsverfahren dieser Art von Zylinderlinern
und deren Eigenschaften sind dem Fachmann bestens bekannt und brauchen daher hier
nicht näher erläutert zu werden.
[0012] Eine Innenwand des Zylinderliner Rohlings, die später die Lauffläche für den Kolben
auf der Zylinderwand bilden soll, wird sodann in der Regel in mehreren aufwändigen
Arbeitsschritten bearbeitet. Zunächst wird in einem Drehbearbeitungsschritt in der
Zylinderwand in Umfangsrichtung eine kanalartige Grobstruktur mit umlaufenden Kanälen
erzeugt, welche Grobstruktur sich entlang der Zylinderachse in der Zylinderwand des
Zylinderliners schraubenförmig erstreckt. Anschliessend kann die Zylinderlauffläche
vor-gehont und finish-gehont und eventuell noch einem geeigneten finishing Verfahren
unterzogen werden, so dass die Lauffläche eine feinere Struktur erhält.
[0013] Zur Optimierung der Zylinderlaufflächen von Zylinderlinern hat die Anmelderin erst
kürzlich in der
EP 09 161 118 ein völlig Verfahren zur Herstellung einer Lauffläche auf einer Zylinderwand eines
Zylinderliners einer Hubkolbenbrennkraftmaschine vorgeschlagen, bei welchem eine kapillarartige
Feinstruktur schraubenförmig entlang der Zylinderachse in die Zylinderwand des Zylinderliners
eingearbeitet wird. Dabei werden in einem Querbearbeitungsverfahren derart Querverbindungen
zwischen den umlaufenden Kapillaren der kapillarartigen Feinstruktur geschaffen, dass
die kapillarartige Feinstruktur im wesentlichen erhalten bleibt.
[0014] Dadurch, dass die umlaufenden Kapillaren bei der Anwendung des Querbearbeitungsverfahrens
gemäs
EP 09 161 118 einerseits ein Ausbrechen der Hartphasen, sowohl während der Durchführung des Bearbeitungsverfahrens
selbst, als auch beim späteren Betrieb des Zylinderliner weitestgehend verhindert
wird, und gleichzeitig das Ölrückhaltevolumen der Lauffläche optimiert wird, wird
die Verteilung des Schmierölfilms auf der Zylinderlauffläche massiv verbessert, und
es wird eine ausreichende Dynamik in Bezug auf Richtung und Fliessgeschwindigkeit
der Bewegung des Schmieröls beim Fliessen auf der Lauffläche im Betriebszustand des
Zylinderliners gewährleistet.
[0015] Alle diese Massnahmen zur Verbesserung der Schmierung und des Kolbenlaufs lassen
jedoch ein Problem unberührt, das konstruktionsbedingt und damit zwangsläufig bei
den bisher bekannten längsgespülten Brennkraftmaschinen auftritt. Wie dem Fachmann
wohlbekannt ist, wird bei den bekannten längsgespülten Zweitakt-Motoren die Frischluft,
häufig auch als Spülluft bezeichnet, am unteren Ende des Zylinders über Spülluftöffnungen
meist in Form von Spülschlitzen in den Brennraum des Zylinders eingebracht, während
der Kolben sich in der Nähe seines unteren Totpunktes befindet und den Weg für die
Frischluft in den Brennraum des Zylinders freigibt.
[0016] Die Spülschlitze, durch die die Frischluft zum Beispiel von einem Turbolader in den
Zylinder unter einem vorgegebenen Druck eingeblasen wird, erlauben per se keine gleichmässige
Ausbildung des Schmierölfilms auf der inneren Oberfläche des Zylinders im Bereich
der Spülschlitze, da die Spülschlitze Öffnungen in der Zylinderwand des Zylinders
sind und daher den Schmierölfilm unterbrechen. Der negative Einfluss der Spülschlitze
auf die Ausbildung des Schmierölfilms auf der Lauffläche des Zylinders ist dabei sogar
noch unterhalb und weit oberhalb, also sogar noch ausserhalb des Zylinderabschnitts,
in dem die Spülschlitze ausgebildet sind, deutlich ausgeprägt. Das heisst, die durch
die Spülschlitze bedingte Störung des Schmierölfilms auf der Zylinderlauffläche setzt
sich in Bereiche weit entfernt von den Spülschlitzen fort und beeinflusst somit auch
weit weg von den Spülschlitzen das Kolbenlaufverhalten und die Schmierung zwischen
Kolben bzw. Kolbenringen und Zylinderwand deutlich negativ.
[0017] Ein weiterer negativer Nebeneffekt der Spülschlitze ergibt sich aus deren Zusammenwirken
mit den Kolbenringen, wenn diese die Spülschlitze bei ihrer Bewegung in der Nähe des
unteren Totpunkts passieren. Da die Kolbenringe eine gewisse mechanische radiale Vorspannung
aufweisen müssen, damit sie mehr oder weniger dichtend mit der Zylinderwand zusammenwirken
können, sind diese nicht als vollständig geschlossene Ringe ausgebildet, sondern die
Kolbenringe sind vielmehr als offene Ringe mit einem Spalt ausgebildet, so dass eine
radial nach aussen gerichtete Spannkraft entsteht, die den Kolbenring dichtend an
die Zylinderwand presst. Unter ungünstigen Bedingungen können die Ränder am Spalt
des Kolbenring aufgrund der radial nach aussen wirkenden Spannung des Kolbenrings
teilweise in die Spülschlitze gedrückt werden, wodurch sich diese an den Begrenzungen
der Spülschlitze verhaken können, was zu gefährlichen Kratzern oder Riefen am Zylinder
bzw. an der Zylinderwand in der Nähe der Spülschlitze führen kann. Im schlimmsten
Fall kann dies zu einem Kolbenfresser und zur Zerstörung des Zylinders und / oder
des Kolbens führen, was vor allen Dingen bei einem Schiff auf hoher See zu gefährlichen
Situationen führen kann.
[0018] Ausserdem geht über die Spülschlitze beim Passieren des Kolbenringpakets eine nicht
unerhebliche Menge an Schmieröl verloren. Im Kolbenringpaket ist nämlich immer eine
bestimmte Menge an Schmieröl gespeichert, das sich während der Bewegung des Kolbens
im Zylinder im Kolbenringpaket ansammelt und das zudem unter einem erhöhten Gasdruck
steht, der im wesentlichen während des Verbrennungsvorgangs im Kolbenringpaket aufgebaut
wird und in diesem gespeichert wird. Wenn das Kolbenringpaket dann die Spülschlitze
passiert, entlädt sich der im Kolbenringpaket gespeicherte Überdruck schlagartig über
die Spülschlitze in den Receiverraum und befördert damit gleichzeitig den grössten
Teil des im Kolbenringpaket ebenfalls gespeicherten Schmieröls durch die Spülschlitze
in den Receiverraum. Das führt einerseits zum Verlust des relativ teueren Schmieröls
und führt andererseits zu einer unnötigen Verschmutzung des Receiverraums. Darüber
hinaus steht das Schmieröl bei der weiteren Bewegung des Kolbens nicht mehr zur Schmierung
zur Verfügung.
[0019] Die Aufgabe der Erfindung ist es daher, eine neue Zylinderanordnung für eine längsgespülte
Hubkolbenbrennkraftmaschine, insbesondere für einen langsam laufenden Zweitakt-Grossdieselmotors
bereitzustellen, die die aus dem Stand der Technik bekannten Probleme, die insbesondere
durch die Spülschlitze im unteren Bereich der bekannten Zylinderanordnung wesentlich
bestimmt sind, vermeidet.
[0020] Die diese Aufgaben lösenden Gegenstände der Erfindung sind durch die Merkmale des
unabhängigen Anspruchs 1 gekennzeichnet.
[0021] Die abhängigen Ansprüche beziehen sich auf besonders vorteilhafte Ausführungsformen
der Erfindung.
[0022] Die Erfindung betrifft somit eine Zylinderanordnung für eine längsgespülte Hubkolbenbrennkraftmaschine,
insbesondere für einen langsam laufenden längsgespülten Zweitakt-Grossdieselmotor,
umfassend einen Zylinder mit einem Brennraumbereich und einem Einlassbereich. Im Zylinder
ist ein Kolben entlang einer Zylinderachse zwischen einem oberen Totpunkt und einem
unteren Totpunkt hin- und herbewegbar installierbar, wobei am Zylinder ein Spüllufteinlass
zum Einbringen von Spülluft in den Brennraumbereich vorgesehen ist. Erfindungsgemäss
ist im Einlassbereich des Zylinders ein zur Aufnahme des Kolbens geeignetes, hohles
Verschlusselement vorgesehen, das zwischen einer Einlassposition und einer Schliessposition
derart entlang der Zylinderachse hin- und herbewegbar angeordnet ist, dass der Spüllufteinlass
in der Einlassposition des Verschlusselements geöffnet ist und in der Schliessposition
des Verschlusselements verschlossen ist.
[0023] Dadurch, dass im Einlassbereich des Zylinders ein zur Aufnahme des Kolbens geeignetes,
hohles Verschlusselement vorgesehen ist, das zwischen einer Einlassposition und einer
Schliessposition derart entlang der Zylinderachse hin- und herbewegbar angeordnet
ist, dass der Spüllufteinlass in der Einlassposition des Verschlusselements geöffnet
ist und in der Schliessposition des Verschlusselements verschlossen ist, kommt der
Kolben bei seiner Bewegung in der Nähe des unteren Totpunktes nicht mehr mit den Spülluftöffnungen,
im Speziellen also mit den Spülschlitzen in unmittelbare Berührung.
[0024] Das heisst, der Kolben "sieht" auch während seiner Bewegung in der Nähe des unteren
Totpunkts immer eine glatte Zylinderwand bzw. Lauffläche, da der Kolben in der Nähe
des unteren Totpunkts in das hohl ausgestaltete Verschlusselement eingeführt wird,
das in Umfangsrichtung eine innerer, geschlossene und glatte Fläche ohne irgendwelche
radialen Öffnungen bildet.
[0025] Dadurch, dass bei der erfindungsgemässen Zylinderanordnung der Kolbenmantel und damit
das Kolbenringpaket nicht direkt mit einer Lufteinlassöffnung im unteren Bereich des
Zylinders zusammenwirkt, durch welche Lufteinlassöffnung Frischluft zum Beispiel von
einem Turbolader in den Zylinder unter einem vorgegebenen Druck eingeblasen wird,
ergeben sich verschiedene Vorteile.
[0026] Während dem aus dem Stand der Technik bekannten Spül-Schliessprozess, also wenn das
Kolbenoberteil die Spülschlitze schliesst, ist das Kolbenoberteil einem Ölnebel ausgesetzt.
Dieser Ölnebel resultiert aus Zylinderöl welches vorgängig zum Beispiel bei der Abwärtsbewegung
des Kolbens in Richtung zum unteren Totpunkt durch die Druckentladung aus dem Ringpaket
der Kolbenringe in die Kolbenunterseite geblasen wird. Der vorgenannte Ölnebel setzt
sich dann in Form von Ablagerungen (Ölkoks) auf dem Kolbenoberteil fest, was zu dem
bekannten schädlichen "Liner Polishing" und im schlimmsten Fall sogar zu Fressen führen
kann. Bei einem zweiteiligen Liner gemäss der vorliegenden Erfindung ist das Kolbenoberteil
auch während dem Schliessprozess geschützt und somit werden die schädlichen Ölkoksablagerungen
am Kolbenoberteil vermieden.
[0027] Ein weiterer Vorteil der dadurch entsteht, dass bei der erfindungsgemässen Zylinderanordnung
der Kolbenmantel und damit das Kolbenringpaket nicht direkt mit einer Lufteinlassöffnung
im unteren Bereich des Zylinders zusammenwirkt, durch welche Lufteinlassöffnung Frischluft
zum Beispiel von einem Turbolader in den Zylinder unter einem vorgegebenen Druck eingeblasen
wird, ist eine völlig gleichmässige Ausbildung des Schmierölfilms auf der inneren
Oberfläche des Zylinders auch im Bereich des Lufteinlasses, falls vorhanden also auch
im Bereich der Spülschlitze möglich, da der Schmierölfilm auf der inneren glatten
Umfangsfläche des Verschlusselements ausgebildet wird, mit welcher der Kolbenmantel
zusammenwirkt. Der Schmierölfilm kann sich aus gehend vom oberen Teil des Zylinders
völlig gleichmässig bis in das Verschlusselement hinein ausbilden. Der Schmierölfilm
auf der Zylinderwand wird somit nicht mehr durch die Lufteinlassöffnungen unterbrochen,
da der Schmierölfilm im Bereich der Lufteinlassöffnungen nicht mehr auf der Zylinderwand
selbst ausgebildet wird, sondern auf der glatten inneren Umfangsfläche des Verschlusselements.
Ein negativer Einfluss der Lufteinlassöffnungen, also z.B. ein negativer Einfluss
durch die Spülschlitze auf die Ausbildung des Schmierölfilms ist somit auch unterhalb
und oberhalb des Lufteinlasses ausgeschlossen.
[0028] Somit ist auch ein schädliches Zusammenwirken der Lufteinlassöffnungen mit den Kolbenringen
ausgeschlossen, da diese bei ihrer Bewegung in der Nähe des unteren Totpunkts nicht
mehr mit der Zylinderwand und den Lufteinlassöffnungen als solche unmittelbar zusammenwirken,
sondern mit der glatten inneren Umfangsfläche des Verschlusselements. Somit werden
die Ränder am Spalts des Kolbenrings aufgrund der radial nach aussen wirkenden Spannung
des Kolbenrings auch nicht mehr in die Lufteinlassöffnungen gedrückt, so dass sich
diese an den Begrenzungen der Spülschlitze auch nicht mehr verhaken können, so dass
durch die erfindungsgemässe Zylinderanordnung die gefährlichen Kratzern oder Riefen
am Zylinder bzw. an der Zylinderwand nicht mehr auftreten können.
[0029] Auch geht kein Schmieröl über die Spülschlitze verloren, da das Kolbenringpaket mit
den Lufteinlassöffnungen nicht mehr in direkten Kontakt tritt, so dass das Schmieröl
im Kolbenringpaket verbleibt und für die weitere Schmierung zur Verfügung steht. Dadurch
kann letztlich eine beträchtliche Menge an Schmieröl eingespart werden, die Schmierung
zwischen Kolben und Zylinder wird insbesondere im unteren Bereich des Zylinders in
der Nähe des unteren Totpunktes massiv verbessert und der Receiverraum wird nicht
mehr durch Schmieröl aus dem Kolbenringpaket verschmutzt.
[0030] Ein weiterer Vorteil der erfindungsgemässen Zylinderanordnung besteht bei einem speziellen
Ausführungsbeispiel zusätzlich darin, dass die Spülluft nicht ständig an der Unterseite
des Kolbens anliegt, wie dies bei den aus dem Stand der Technik bekannten Zylinderanordnungen
der Fall ist, sofern unten am Verschlusselement eine Stopfbuchse vorgesehen ist, durch
die die Kolbenstange dichtend durch den Boden des Verschlusselements hindurchgeführt
ist. Bei diesem speziellen Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemässen Zylinderanordnung
verschliesst die Stopfbuchse am Verschlusselement nach dem Einbringen der Spülluft
in den Brennraum die Unterseite des Zylinders nach aussen, also zum Beispiel gegen
den Receiverraum, der von einem Turbolader mit Spülluft gespeist wird. Dadurch wird
erstens ein Druckverlust in den Zylinderraum unterhalb des Kolbens vermieden, so dass
entsprechend mehr Leistung für die Aufladung der übrigen Zylinder mit Spülluft zur
Verfügung steht. Andererseits muss der Kolben im Expansionshub nicht gegen den vom
Turbolader gelieferten Spülluftdruck arbeiten, da das Verschlusselement die Spülluftöffnungen
erst dann frei gibt, wenn der Kolben den unteren Totpunkt fast erreicht hat. Durch
diese Effekte kann zusätzlich Triebstoff eingespart werden, was insbesondere aus wirtschaftlichen
Gründen, aber auch aus Gründen des Umweltschutzes eine immer grössere Rolle spielt.
[0031] Bei einem bevorzugten Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemässen Zylinderanordnung
ist ein Schliesselement derart vorgesehen ist, dass das Verschlusselement durch das
Schliesselement aus der Einlassposition in die Schliessposition verschiebbar ist.
Das Schliesselement kann dabei ein Druckfederelement, bevorzugt ein mechanisches Druckfederelement,
z.B. in Form einer Druckfeder sein, die im Speziellen als Spiralfeder ausgebildet
sein kann.
[0032] In einer anderen Variante kann Druckfederelement aber auch ein pneumatisches oder
hydraulisches Druckfederelement, insbesondere eine Luft-Druckfeder sein.
[0033] Bei Verwendung eines Druckfederelements wird im Betriebszustand das Verschlusselement
durch den Kolben bei seiner Bewegung in Richtung zum unteren Totpunkt gegen einen
mechanischen Druck des Druckfederelements aus der Schliessposition in die Einlassposition
geschoben, so dass eine Spülluftöffnung frei gegeben wird und Spülluft über eine Spülluftöffnung
in den Brennraum des Zylinders gelangen kann. Wenn der Kolben seine Bewegung nach
Durchschreiten des unteren Totpunkts in Richtung zum oberen Totpunkt fortsetzt, wird
das Verschlusselement durch das Druckfederelement wieder in die Schliessposition zurück
geschoben und die Spülluftöffnung durch das Verschlusselement wieder verschlossen.
[0034] In einer anderen Ausführungsvariante kann das Schliesselement auch ein Zugfederelement
sein, wobei das Zugfederelement zum Beispiel ein mechanisches Zugfederelement, insbesondere
eine Zugfeder sein kann, oder aber auch ein pneumatisches oder hydraulisches Zugfederelement,
insbesondere eine Luft-Zugfeder sein kann.
[0035] Bei Verwendung eines Zugfederelements wird im Betriebszustand das Verschlusselement
durch den Kolben bei seiner Bewegung in Richtung zum unteren Totpunkt gegen einen
mechanischen Zug des Zugfederelements aus der Schliessposition in die Einlassposition
geschoben, so dass die Spülluftöffnung frei gegeben wird und Spülluft über die Spülluftöffnung
in den Brennraum des Zylinders gelangen kann. Wenn der Kolben seine Bewegung nach
Durchschreiten des unteren Totpunkts in Richtung zum oberen Totpunkt fortsetzt, wird
das Verschlusselement durch das Zugfederelement wieder in die Schliessposition zurück
gezogen und die Spülluftöffnung durch das Verschlusselement wieder verschlossen. Im
Falle eines pneumatischen oder hydraulischen Zugfederelements kann zum Beispiel bei
der Bewegung des Verschlusselements aus der Schliessposition in die Einlassposition
in einem pneumatischen oder hydraulischen Kolben ein Unterdruck erzeugt werden, mit
dessen Hilfe das Verschlusselement wieder in die Schliessposition zurück gezogen wird.
[0036] Im Speziellen kann das Schliesselement dabei ein aktiv gesteuertes Schliesselement
sein, insbesondere dann, wenn das Schliesselement ein pneumatisches oder hydraulisches
Druckfederelement oder Zugfederelement ist. Beispielweise kann als Schliesselement
ein hydraulischer oder pneumatischer Kolben, also beispielweise ein mit einem Fluid
beaufschlagbarer Schliesskolben sein, der geeignet mit dem Schliesselement in Wirkverbindung
steht und das Schliesselement aktiv aus der Schliessposition in die Einlassposition
und / oder aktiv aus der Einlassposition in die Schliessposition bewegt. Dazu kann
der hydraulische oder pneumatische Kolben zum Beispiel mit einer hydraulischen oder
pneumatischen Steuervorrichtung verbunden sein, die den Kolben geeignet mit einem
pneumatischen oder hydraulischen Fluid, z.B. mit Luft oder Öl beaufschlagt, so dass
der pneumatische oder hydraulische Kolben das Schliesselement aktiv in eine vorgebbare
Position bringt. Vorteilhaft können dabei verschiedene Sensoren vorgesehen sein, zum
Beispiel Positionssensoren zur Bestimmung der Position des Kolbens, so dass die Steuervorrichtung
das Schliesselement in Abhängigkeit von geeignet gewählten Betriebsparametern optimal
ansteuern kann.
[0037] In einem speziellen Ausführungsbeispiel ist der Zylinder mit Brennraumbereich und
Einlassbereich einteilig ausgeführt, wobei das Verschlusselement bevorzugt in einer
zylinderförmigen Ausnehmung im Einlassbereich des Zylinders vorgesehen ist. Es können
dabei am Einlassbereich optional durch Spülschlitze ausgebildet sein, die in der Schliessposition
vom Verschlusselements abgedeckt sind, so dass der Kolben bzw. das Kolbenringpaket
bei seiner Bewegung in Richtung zum unteren Totpunkt nicht in reibenden Kontakt mit
den Spülschlitzen kommt, weil der Kolben vom Schliesselement aufgenommen und in Umfangsrichtung
umschlossen wird..
[0038] Zusätzlich oder alternativ kann am Einlassbereich des Zylinders eine Leiteinrichtung
zur Beeinflussung eines Spülluftstroms der Spülluft (41) vorgesehen sein, wobei die
Leiteinrichtung im speziellen eine ansteuerbare Leiteinrichtung sein kann, so dass
der Spülluftstrom in Abhängigkeit eines Spülluftparameters beeinflussbar ist. Durch
das Vorsehen einer Leiteinrichtung kann der Spüllufteintrag in den Zylinder optimiert
werden, wobei bei Verwendung einer ansteuerbaren Leiteinrichtung zum Beispiel durch
eine geeignete Drehung der Leitbleche, bevorzugt in Abhängigkeit von bestimmten Betriebsparametern
der Brennkraftmaschine der Spüllufteintrag in den Zylinder optimal gesteuert und /
oder geregelt werden kann.
[0039] Die Erfindung wird im Folgenden an Hand der schematischen Zeichnung näher erläutert.
Es zeigen:
- Fig. 1
- eine bekannte Zylinderanordnung mit Spülschlitzen im Längsschnitt;
- Fig. 2a
- schematische Darstellung einer ersten erfindungsgemässen Zylinderanordnung mit Druckfederelement
und Verschlusselement in der Schliessposition;
- Fig. 2b
- die Zylinderanordnung der Fig. 2a mit Verschlusselement in der Einlassposition;
- Fig. 3
- ein zweites Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemässen Zylinderanordnung mit einem
Zugfederelement;
- Fig. 4
- ein drittes Ausführungsbeispiel mit einer einteiligen Zylinderanordnung und Spühlschlitzen;
- Fig. 5
- ein Ausführungsbeispiel mit Leiteinrichtung zur Beeinflussung des Spülluftstroms .
[0040] Fig. 1 zeigt in einer schematischen Darstellung teilweise im Schnitt eine Zylinderanordnung
1' mit Zylinderliner 2', Kolben 3' und Frischluftzufuhrsystem 400'.
[0041] Die Zylinderanordnung 1' der Fig. 1 ist eine typische Anordnung, wie sie für längs
gespülte Zweitakt-Grossdieselmotoren aus dem Stand der Technik wohl bekannt ist. Zur
besseren Unterscheidung der bekannten Zylinderanordnung sind die entsprechenden Bezugszeichen
mit einem Hochkomma versehen, während die Bezugszeichen zu Merkmalen erfindungsgemässer
Zylinderanordnungen kein Hochkomma tragen.
[0042] Die Anordnung umfasst einen Zylinder 2', der auch als Zylinderliner 2' bezeichnet
wird, in welchem ein Kolben 3' entlang einer Zylinderwand des Zylinders 2' hin- und
her bewegbar angeordnet ist. Der Kolben 3' umfasst eine Kolbenringpackung 31', die
hier schematisch mit lediglich zwei Kolbenringen dargestellt ist.
[0043] Der Brennraum 200', der sich im Brennraumbereich 21' des Zylinders 2' befindet, ist
darstellungsgemäss oben durch einen Zylinderdeckel mit Einspritzdüse und Auslassventil
begrenzt.
[0044] Der Kolben 3', der sich im Betriebszustand des Grossdieselmotors zwischen dem oberen
Totpunkt OT' und dem unteren Totpunkt UT' hin- und herbewegt, ist über die Kolbenstange
8' mit einem in Fig. 1 nicht dargestellten Kreuzkopf verbunden, von dem aus die hin-
und her Bewegung des Kolbens 3' auf die ebenfalls nicht dargestellte Kurbelwelle der
Maschine übertragen wird. Die Kolbenstange 8' ist durch den Receiverraum 401', der
sich darstellungsgemäss unten an den Einlassbereich 22' des Zylinderliners 2' anschliesst,
und die Stopfbuchse 402' geführt, die den Receiverraum 401' gegen den darunter liegenden
Kurbelwellenraum abdichtet, so dass keine Frischluft 41', symbolisiert durch den Pfeil
41', die ein ebenfalls nicht dargestellter Turbolader unter einem hohen Druck, z.B.
unter einem Druck von vier bar in den Receiverraum 401' zuführt, aus dem Receiverraum
401' in den darunter liegenden Kurbelwellenraum 9' gelangen kann.
[0045] Wie der Fig. 1 zu entnehmen und allgemein bekannt ist, liegt im Receiverraum 401'
immer der vom Turbolader erzeugte Gasdruck der Frischluft 41' an, der somit konstruktionsbedingt
auch immer an der Kolbenunterseite des Kolbens 3' anliegt.
[0046] Nach einem Verbrennungsvorgang, der im Brennraum 200' initiiert wird, wenn sich der
Kolben 3' ganz in der Nähe des oberen Totpunkts OT' befindet, bewegt sich Kolben 3'
aufgrund des im Brennraum 200' aufgebauten Verbrennungsdrucks in Richtung zum unteren
Totpunkt UT', wobei, wenn sich die Kolbenoberfläche unterhalb der Spülluftöffnung
4' mit Spülschlitzen 221' befindet, Spülluft 41' über die Spülschlitze 4' aus dem
Receiverraum 401' in den Brennraum 200' gelangen kann, so dass diese für den nächst
folgenden Verbrennungsvorgang im Brennraum 200' zur Verfügung steht.
[0047] Bei seinem Weg vom oberen Totpunkt OT' bis zum unteren Totpunkt UT' und zurück muss
der Kolben zwangsläufig im Einlassbereich 22' die Spülschlitze 4' passieren, was die
eingangs bereits eingehend beschriebenen negativen Folgen hat, die hier nicht mehr
im Einzelnen wiederholt werden müssen.
[0048] In Fig. 2a ist eine erste erfindungsgemässe Zylinderanordnung, die im Folgenden gesamthaft
mit dem Bezugszeichen 1 bezeichnet wird, mit Druckfederelement 6, 61 und Verschlusselement
5 in der Schliessposition S schematisch dargestellt.
[0049] Die Anordnung umfasst in an sich bekannter weise einen Zylinder 2, der vor allem
im Fall von Zweitakt-Grossdieselmotoren auch als Zylinderliner 2 bezeichnet wird,
in welchem ein Kolben 3 entlang einer Zylinderwand des Zylinders 2 hin- und her bewegbar
angeordnet ist. Der Kolben 3 umfasst üblicherweise eine Kolbenringpackung mit mehreren
Kolbenringen, die hier aus Gründen Übersichtlichkeit nicht explizit dargestellt ist.
[0050] Der Brennraum 200, der sich im Brennraumbereich 21 des Zylinders 2 befindet, ist
darstellungsgemäss oben durch einen Zylinderdeckel mit Einspritzdüse und Auslassventil
begrenzt.
[0051] Der Kolben 3, der sich im Betriebszustand des Grossdieselmotors zwischen dem oberen
Totpunkt OT und dem unteren Totpunkt UT hin- und herbewegt, ist über eine Kolbenstange
8 mit einem in Fig. 1 nicht dargestellten Kreuzkopf verbunden, von dem aus die hin-
und her Bewegung des Kolbens 3 auf die ebenfalls nicht dargestellte Kurbelwelle der
Maschine übertragen wird. Die Kolbenstange 8 ist in ans ich bekannter Weise durch
den Receiverraum 401, der sich darstellungsgemäss unten an den Einlassbereich 22 des
Zylinderliners 2 anschliesst, und die Stopfbuchse 402 geführt, die den Receiverraum
401 gegen den darunter liegenden Kurbelwellenraum abdichtet, so dass keine Frischluft
41, symbolisiert durch den Pfeil 41, die ein ebenfalls nicht dargestellter Turbolader
unter einem hohen Druck, z.B. unter einem Druck von vier bar in den Receiverraum 401
zuführt, aus dem Receiverraum 401 in den darunter liegenden Kurbelwellenraum 9 gelangen
kann.
[0052] Wie der Fig. 1 zu entnehmen, liegt auch bei der erfindungsgemässen Zylinderanordnung
1 im Receiverraum 401 immer der vom Turbolader erzeugte Gasdruck der Frischluft 41
an, der somit im Beispiel der Fig. 2a auch immer an der Kolbenunterseite des Kolbens
3 anliegt.
[0053] An einem Einlassbereich 22 des Zylinders 2 ist ein zur Aufnahme des Kolbens 3 geeignetes,
hohles Verschlusselement 5 vorgesehen ist, das zwischen einer Einlassposition E und
einer Schliessposition S derart entlang der Zylinderachse Z hin- und herbewegbar angeordnet
ist, dass der Spüllufteinlass 4 in der Einlassposition E des Verschlusselements 5
geöffnet ist und in der Schliessposition S des Verschlusselements 5 verschlossen ist.
In Fig. 2a ist der Kolben 3 noch im Brennraumbereich 21 des Zylinders 2 und hat das
Verschlusselement 5 im Einlassbereich 22 noch nicht erreicht. Daher ist das Verschlusselement
5 gemäss Fig. 2a auch noch in der Schliessposition S, in der es durch das Druckfederelement
6, 61 stabil gehalten wird. Der Spüllufteinlass 4 ist demzufolge auch noch geschlossen.
[0054] Nach einem Verbrennungsvorgang, der im Brennraum 200 initiiert wird, wenn sich der
Kolben 3 ganz in der Nähe des oberen Totpunkts OT befindet, bewegt sich Kolben 3 aufgrund
des im Brennraum 200 aufgebauten Verbrennungsdrucks in Richtung zum unteren Totpunkt
UT. Wenn der Kolben 3 bei seiner Bewegung in Richtung zum unteren Totpunkt UT den
Einlassbereich 22 erreicht, wird der Kolben 3 durch das hohle Verschlusselement 5
nach und nach aufgenommen und vom Verschlusselement 5 in Umfangsrichtung umschlossen.
Auf seiner weiteren Bewegung in Richtung zum unteren Totpunkt UT nimmt der Kolben
3 dann das Verschlusselement 5 mit und wird vom Kolben 3 wie in Fig. 2b dargestellt
bis in die Einlassposition E bewegt.
[0055] Fig. 2b zeigt das Verschlusselement in seiner Einlassposition E, was der unteren
Totpunkt Position UT des Kolbens entspricht. In der Einlassposition E ist der Spüllufteinlass
4 freigegeben, so dass Spülluft 41 aus dem Receiverraum 401 in den Brennraum 200 strömen
kann. Wenn der Kolben 3 sich dann wieder in Richtung zum oberen Totpunkt OT bewegt,
wird das Verschlusselement 5 durch das Schliesselement 6, 61, das im beispiel der
Fig. 2a und 2b eine Druckfeder ist, nach und nach wieder in die Schliessposition gemäss
Fig. 2b zurückgeschoben.
[0056] Die Fig. 3 zeigt schematisch ein zweites Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemässen
Zylinderanordnung mit einem Zugfederelement 62. Das Beispiel der Fig. 3 unterscheidet
sich dabei von demjenigen gemäss Fig. 2a bzw. Fig. 2b lediglich dadurch, dass das
Verschlusselement 5 mittels eines Schliesselements 6 in seine Schliessposition S zurück
verbracht wird, das als mechanisches Zugfederelement 62 in Form einer Zugfeder 62
ausgestaltet ist. Das heisst, das Zugfederelement 62 zieht das Verschlusselement 5
aus der Einlassposition E, in der der Spüllufteinlass zum Einbringen von Spülluft
41 in den Brennraum 200 geöffnet ist, zurück in die Schliessposition S, wenn sich
der Kolben 3 vom unteren Totpunkt UT wieder in Richtung zum oberen Totpunkt OT bewegt.
Bei Fig. 3 ist der Spüllufteinlass 4 nur noch teilweise geöffnet, weil der Kolben
3 die untere Totpunkt Position UT bereits durchlaufen hat und sich bereits in Richtung
OT im Kompressionshub befindet.
[0057] In Fig. 4 ist ein drittes Ausführungsbeispiel mit einer einteiligen Zylinderanordnung
und Spühlschlitzen 221 schematisch dargestellt. Im Gegensatz zu den Ausführungsbeispielen
der Fig. 2a und Fig. 2b bzw. Fig. 3 ist das Verschlusselement 5 nicht durch den unteren
Teil des Zylinders 2 gebildet. Der Zylinder 2 ist vielmehr einteilig ausgestaltet,
wobei im Einlassbereich 22 des Zylinders 2 eine in Umfangsrichtung des Zylinders 2
ausgebildete zylinderförmige Ausnehmung 220 vorgesehen ist, in die das Verschlusselement
5 derart eingepasst ist, das ein Innendurchmesser des Verschlusselements 5 im wesentlichen
identisch ist mit einem Innendurchmesser des Zylinders 2, so dass der Kolben 3 vom
oberen Totpunkt OT her kommend glatt und ohne Anstoss in das Verschlusselement 5 gleiten
kann und dieses bei seinem weiteren Weg zum unteren Totpunkt UT aus der Schliessposition
S in die Einlassposition E befördern kann.
[0058] Bei diesem Ausführungsbeispiel können, müssen jedoch nicht, wie in Fig. 4 zu sehen
ist, am Spüllufteinlass 4 auch noch die an sich bekannten Spülschlitze 221 vorgesehen
sein. In der Schliessposition S sind die Spülschlitze 221 vom Verschlusselement 5
abgedeckt. Da der Kolben 3 vom Verschlusselement 5 in Umfangsrichtung umschlossen
wird, bevor er den Einlassbereich 22 mit den Spülschlitzen 221 passiert, kommt der
Kolben 3 auch bei diesem Ausführungsbeispiel nicht mit der von den Spülschlitzen 221
unterbrochenen Zylinderwand in Berührung, so dass auch dieses Ausführungsbeispiel
alle oben beschriebenen Vorteile der Erfindung aufweist.
[0059] Die Spülschlitze 221 können dabei dazu dienen, der Spülluft 41 in an sich bekannter
Weise eine geeignete Strömungsform zu geben, so dass der Brennraum 200 besser und
effektiver von der Spülluft 41 gespült wird.
[0060] In Fig. 4 sind als Schliesselemente 6 aktiv steuerbare, mit einem Fluid beaufschlagbare
Schliesskolben 63 vorgesehen. Die Schliesskolben 63 werden zum Beispiel pneumatisch
mit Luft oder hydraulisch mit Öl betrieben und sind in an sich bekannter Weise mit
einem nicht dargestellten äusseren Fluid Kreislauf mit Drucksystem verbunden, der
die Schliesskolben 63 in Abhängigkeit von der Stellung des Schliesselements 5 unter
einen vorgebbaren Druck setzen kann, so dass dadurch die Bewegung des Schliesselements
5 zwischen Einlassposition E und Schliessposition S entsprecht unterstützt, bzw. gesteuert
und / oder geregelt werden kann. Es versteht sich, dass auch beim Ausführungsbeispiel
der Fig. 4 zusätzlich oder alternativ mechanische Schliesselemente 6, 61, 62 vorgesehen
sein könnten, wie beispielsweise anhand der Fig. 2a und Fig. 2b bzw. Fig. 3 beschrieben.
[0061] In Fig. 5 ist schliesslich in stark schematischer Darstellung und in einem Schnitt
senkrecht zur Zylinderachse Z im Bereich des Receiverraums 401 ein erfindungsgemässes
Ausführungsbeispiel mit einer Leiteinrichtung 7 zur Beeinflussung eines Spülluftstroms
42 in den Brennraum 200 dargestellt.
[0062] Die Leiteinrichtungen 7, die zum Beispiel verstellbare oder nicht verstellbare Leitbleche
7 sein können, dienen zusätzlich oder alternativ zu den Spülschlitze 221 dazu, dem
Spülluftstrom 42 der Spülluft 41 eine noch effektivere Strömungsform zu geben, so
dass der Brennraum 200 noch besser und effektiver von der Spülluft 41 gespült wird.
[0063] Es versteht sich, dass die im Rahmen dieser Anmeldung beschriebenen Ausführungsbeispiele
lediglich exemplarisch zu verstehen sind und die Erfindung nicht auf diese Beispiele
beschränkt ist. Insbesondere können die beschriebenen Ausführungsbeispiele auch vorteilhaft
kombiniert werden. So kann beispielweise an ein und derselben Zylinderanordnung gleichzeitig
ein Druckfederelement und ein Zugfederelement vorgesehen sein, wodurch sich Bewegung
des Schliesselements zwischen Einlassposition und Schliessposition zum Beispiel exakter
steuern oder regeln lässt.
1. Zylinderanordnung für eine längsgespülte Hubkolbenbrennkraftmaschine, insbesondere
für einen langsam laufenden längsgespülten Zweitakt-Grossdieselmotor, umfassend einen
Zylinder (2) mit einem Brennraumbereich (21) und einem Einlassbereich (22), in welchem
Zylinder (2) ein Kolben (3) entlang einer Zylinderachse (Z) zwischen einem oberen
Totpunkt (OT) und einem unteren Totpunkt (UT) hin- und herbewegbar installierbar ist,
und am Zylinder (2) ein Spüllufteinlass (4) zum Einbringen von Spülluft (41) in den
Brennraumbereich (21) vorgesehen ist, dadurch gekennzeichnet, dass im Einlassbereich (22) des Zylinders (2) ein zur Aufnahme des Kolbens (3) geeignetes,
hohles Verschlusselement (5) vorgesehen ist, das zwischen einer Einlassposition (E)
und einer Schliessposition (S) derart entlang der Zylinderachse (Z) hin- und herbewegbar
angeordnet ist, dass der Spüllufteinlass (4) in der Einlassposition (E) des Verschlusselements
(5) geöffnet ist und in der Schliessposition (S) des Verschlusselements (5) verschlossen
ist.
2. Zylinderanordnung nach Anspruch 1, wobei ein Schliesselement (6, 61, 62, 63) derart
vorgesehen ist, dass das Verschlusselement (5) durch das Schliesselement (6, 61, 62,
63) aus der Einlassposition (E) in die Schliessposition (S) verschiebbar ist.
3. Zylinderanordnung nach Anspruch 2, wobei das Schliesselement (6, 61, 62, 63) ein Druckfederelement
(61) ist.
4. Zylinderanordnung nach Anspruch 3, wobei das Druckfederelement (61) ein mechanisches
Druckfederelement (61), insbesondere eine Druckfeder (61) ist.
5. Zylinderanordnung nach Anspruch 3 oder 4, wobei das Druckfederelement (61) ein pneumatisches
oder hydraulisches Druckfederelement (61), insbesondere eine Luft-Druckfeder (61)
ist.
6. Zylinderanordnung nach einem der Ansprüche 2 bis 5, wobei das Schliesselement (6,
61, 62, 63) ein Zugfederelement (62) ist.
7. Zylinderanordnung nach Anspruch 6, wobei das Zugfederelement (62) ein mechanisches
Zugfederelement (62), insbesondere eine Zugfeder (62) ist.
8. Zylinderanordnung nach Anspruch 6 oder 7, wobei das Zugfederelement (62) ein pneumatisches
oder hydraulisches Zugfederelement (62), insbesondere eine Luft-Zugfeder (62) ist.
9. Zylinderanordnung nach einem der Ansprüche 2 bis 8, wobei das Schliesselement (6,
61, 62, 63) ein aktiv gesteuertes Schliesselement (6, 61, 62, 63) ist.
10. Zylinderanordnung nach Anspruch 9, wobei das aktive gesteuerte Schliesselement (6,
61, 62, 63) ein mit einem Fluid beaufschlagbarer Schliesskolben (63) ist.
11. Zylinderanordnung nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei der Zylinder (2) mit
Brennraumbereich (21) und Einlassbereich (22) einteilig ausgeführt ist.
12. Zylinderanordnung nach Anspruch 11, wobei das Verschlusselement (5) in einer zylinderförmigen
Ausnehmung (220) im Einlassbereich (22) des Zylinders (2) vorgesehen ist.
13. Zylinderanordnung nach Anspruch 12, wobei der Einlassbereich (22) durch Spülschlitze
(221) gebildet ist.
14. Zylinderanordnung nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei am Einlassbereich
(22) des Zylinders (2) eine Leiteinrichtung (7) zur Beeinflussung eines Spülluftstroms
(42) der Spülluft (41) vorgesehen ist.
15. Zylinderanordnung nach Anspruch 14, wobei die Leiteinrichtung (7) eine ansteuerbare
Leiteinrichtung (7) ist, so dass der Spülluftstrom (42) in Abhängigkeit eines Spülluftparameters
beeinflussbar ist.