[0001] Die Erfindung betrifft ein Walzgerüst mit mindestens einer eine Drehachse aufweisende
Walze, die in zwei in den axial endseitigen Bereichen der Walze angeordneten und jeweils
eine Mittenebene aufweisenden Einbaustücken gelagert ist, wobei die Walze mit mindestens
einem Anstellelement in Richtung senkrecht zur Förderrichtung des Walzguts angestellt
werden kann.
[0002] Beim Walzen eines metallischen Gutes kommt der möglichst genauen Einstellung und
Beibehaltung des Walzspaltes entscheidende Bedeutung zu, da hierdurch die Endgeometrie
des Walzguts bestimmt wird. Durch die Walzkräfte kommt es indes zu Durchbiegungen
der Walzen, wobei dies sowohl für die Arbeitswalzen als auch für die Zwischen- und
Stützwalzen eines Walzgerüsts gilt. Eines der klassischen Probleme beim Walzen von
Flachstahl ist also die walzkraftbedingte Durchbiegung des Walzensatzes, was zu einer
mehr oder weniger großen Abweichung der Walzspaltform von der durch das Bandprofil
bestimmten Idealform und somit zu Unplanheiten führt. Um dies zu kompensieren, wurden
verschiedene Lösungen entwickelt, die auf unterschiedlichen Prinzipien beruhen.
[0003] Die
DE 24 28 823 A1 setzt ein Spindelsystem ein, mit dem auf die beiden Walzeneinbaustücke ein Biegemoment
dadurch aufgebracht werden kann, dass die Spindel auf zwei kalottenartig ausgebildete
Schalenelemente verschoben werden. Hierdurch wird in die Walzeneinbaustücke ein Biegemoment
eingeleitet, das dem Biegemoment entgegenwirkt, das durch die Durchbiegung der Walze
entsteht.
[0004] Bei der
DE 20 34 490 A1 werden außerhalb der Mittenebene der Einbaustücke angeordnete Zusatz-Kolben-Zylinder-Einheiten
eingesetzt, mit denen ein Biege- bzw. Kippmoment in die Einbaustücke eingeleitet werden
kann, das der Biegung der Walze entgegenwirkt.
[0005] Bei der
DE 15 27 662 A1 wird ein kniehebelartiges Gestänge eingesetzt, um auf die beiden Einbaustücke der
Walze ein Biegemoment auszuüben, das wiederum dem Biegemoment entgegenwirkt, durch
das die Walze walzkraftbedingt gebogen wird.
[0006] Axial verschiebliche Zwischenwalzen mit nicht-zylindrischer Außenkontur werden bei
der Lösung gemäß der
DE 30 00 187 A1 und gemäß der
DE 22 06 912 A1 eingesetzt.
[0007] Eine andere Lösung mit mechanischer Gegenbiegung ist aus der
US 1 860 931 bekannt.
[0008] Heutige Walzwerke besitzen in der Regel zumindest ein Biegesystem für die Arbeitswalzen,
beim 6-Walzengerüst auch häufig für die Zwischenwalzen. Das zur Anwendung kommende
Prinzip basiert dabei auf der Einleitung von Quer- und Biegekräften und somit von
Biegemomenten in die entsprechenden Walzen. Die Wirkung reicht dabei aber zumeist
nicht aus, um die unterschiedlichen Durchbiegungszustände eines Walzwerks aufgrund
verschiedener Walzgutfestigkeiten und -breiten zu kompensieren. Deshalb werden zusätzlich
verschieden ballig geschliffene Walzen eingesetzt oder Walzenverschiebesysteme vorgesehen.
Diese Axialverschiebesysteme arbeiten entweder nach dem Prinzip der internen Lastverlagerung
oder der veränderlichen äquivalenten Balligkeit zweier Walzen (sog. Continuous Variable
Crown - CVC-System). Der Einsatz verschieden balliger Walzen ist umständlich. Verschiebesysteme
sind zudem teuer und führen insbesondere im Falle der Lastverlagerung zu ungewollten
Schwenkbewegungen des Gerüsts. Gleiches gilt für Prinzipien, die mit sich leicht kreuzenden
Walzen arbeiten.
[0009] Allen vorbekannten Lösungen ist gemein, dass spezielle Vorrichtungselemente eingesetzt
werden müssen, um der walzkraftbedingten Durchbiegung der (Arbeits-) Walze ein Gegen-Biegemoment
zu überlagern. Entsprechend aufwändig und teilweise regelungstechnisch schwierig sind
die vorbekannten Lösungen in der Umsetzung.
[0010] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Walzgerüst der eingangs
genannten Art so fortzubilden, dass es in einfacherer und weniger aufwändiger Weise
und mit möglichst wenigen Elementen möglich wird, ein dem Walzenbiegemoment entgegenwirkendes
Biegemoment in die Walze einleiten zu können. Es soll also auf aufwändige Mechanismen
verzichtet werden können, wobei dennoch sichergestellt sein soll, dass Verbiegungen
der Walze, die von den Walzkräften herrühren, möglichst gut ausgeglichen werden können.
[0011] Die Lösung dieser Aufgabe durch die Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, dass jedes
Einbaustück mit einem Biegehebel verbunden ist und das Anstellelement so angeordnet
ist, dass seine Anstellkraft an einer von der Mittenebene des Einbaustücks entfernten
Stelle in den Biegehebel und über diesen auf das Einbaustück eingeleitet wird.
[0012] Dabei kann nur ein einziges Anstellelement vorhanden sein, das mittig zwischen den
Einbaustücken angeordnet ist. In diesem Fall kann vorgesehen sein, dass das Anstellelement
auf eine Traverse wirkt, die über zwei Gelenke mit jeweils einem Biegehebel verbunden
ist.
[0013] Alternativ kann auch vorgesehen werden, dass zwei Anstellelemente vorhanden sind,
die gespiegelt zu einer Mittenebene der Walze angeordnet sind. Diese können über zwei
Gelenke mit jeweils einem Biegehebel verbunden sein. Die beiden Gelenke können dabei
über eine Traverse miteinander verbunden sein.
[0014] Das mindestens eine Anstellelement ist vorzugsweise ein hydraulisches Kolben-Zylinder-System.
Das oder die Anstellelemente können sich an einem ortsfesten Querhaupt des Walzgerüsts
abstützen.
[0015] Eine konstruktiv vorteilhafte Lösung sieht vor, dass die Walze samt Einbaustücken
und Biegehebeln in Richtung senkrecht zur Förderrichtung des Walzguts im Walzgerüst
zwischen zwei Seitenwangen des Walzgerüsts verschieblich angeordnet ist. Die Biegehebel
können dabei die Einbaustücke seitlich einfassen und eine Gleitfläche zu den Seitenwangen
bilden.
[0016] Zwischen den Biegehebeln und den Einbaustücken können Mittel vorgesehen sein, die
zur Einleitung eines Drehmoments vom Biegehebel in das Einbaustück geeignet sind.
Hierbei handelt es sich gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung um eine
sich in Richtung der Drehachse der Walze erstreckende Nut-Feder-Verbindung.
[0017] Bei den hier angesprochenen Walzen kann es sich um Arbeitswalzen bei Duo-Gerüsten
oder um Stützwalzen handeln.
[0018] Die vorgeschlagene Lösung stellt also darauf ab, dass die walzkraftbedingten Durchbiegungen
des Walzensatzes und die damit verbundenen Imperfektionen der Walzspaltgeometrie weitgehend
dadurch vermieden werden, dass durch die Walzkraft selber Biegemomente auf die Walzen
(insbesondere auf die Stützwalzen und die Arbeitswalzen) aufgebaut werden, deren Biegewirkung
der walzkraftbedingten Durchbiegung der Walzen entgegengerichtet ist.
[0019] Die vorliegende Erfindung stellt auf ein Gerüstprinzip ab, das die ungewollten walzkraftbedingten
Walzendeformationen überwiegend und nahezu walzkraftunabhängig verhindert und somit
das Potential hat, mit einem Minimum an aktiven Planheitsstellsystemen auszukommen.
[0020] Dennoch kann der erfindungsgemäße Vorschlag auch mit allen vorbekannten Stellsystemen
kombiniert werden.
[0021] In der Zeichnung sind Ausführungsbeispiele der Erfindung dargestellt. Es zeigen:
- Fig. 1
- schematisch eine Arbeitswalze samt ihren beiden Einbaustücken und einer Biegebrücke,
wobei die Walze von einem Anstellelement angestellt wird, betrachtet in Förderrichtung
des Walzguts,
- Fig. 2
- eine zu Fig. 1 alternative Ausgestaltung der Vorrichtung mit zwei Anstellelementen,
- Fig. 3
- die Vorrichtung nach Fig. 1 aus Richtung A gemäß Fig. 1 gesehen,
- Fig. 4
- ein mechanisches Ersatzmodell für die Vorrichtung gemäß Fig. 1 mit Angabe der Kräfte
und Geometriegrößen und
- Fig. 5
- den Verlauf eines Verhältnisses y / yunkorrigiert über einem Verhältnis x/L für verschiedene Werte S/L.
[0022] In Fig. 1 ist abschnittsweise ein Walzgerüst zu sehen, das eine Arbeitswalze 1 mit
einer Drehachsen A aufweist, die in zwei Einbaustücken 2 und 3 in bekannter Weise
gelagert ist. Die Arbeitswalze walzt ein nicht dargestelltes Walzgut, dass in Förderrichtung
F (senkrecht auf der Zeichenebene) gewalzt wird. Die Arbeitswalze 1 wird mittels eines
hydraulischen Anstellelements 4 gegen das Walzgut gedrückt. Der Durchbiegung der Walze
1 infolge des Kontakts mit dem Walzgut wird ein Gegen-Biegemoment überlagert, das
durch zwei Biegehebel 5 und 6 erzeugt wird. Die beiden Biegehebel 5, 6 sind drehfest
mit den Einbaustücken 2, 3 verbunden. Sie sind im mittleren Bereich der Vorrichtung
an zwei Gelenkstellen G mittels zweier Gelenke 8 und 9 mit einer Traverse 7 verbunden,
auf die das Anstellelement 4 wirkt. Das Anstellelement 4 stützt sich an einem Querhaupt
10 des Walzgerüsts ab.
[0023] Die Walzenlänge ist mit L
B angegeben und ist kleiner als der Abstand L der Mittenebenen M
E der beiden Einbaustücke 2, 3. Angegeben ist auch noch der Abstand
l zweier Wälzlager, die im Einbaustück 2, 3 angeordnet sind und den Walzenzapfen lagern.
Die Anordnung ist insgesamt symmetrisch, d. h. spiegelbildlich zu einer Mittenebene
M
W der Walze 1.
[0024] Die Lösung gemäß Fig. 2 unterscheidet sich von derjenigen gemäß Fig. 1 nur dadurch,
dass hier zwei Anstellelemente 4 zum Einsatz kommen. Die Ausführungen zu Fig. 1 gelten
hier ansonsten entsprechend.
[0025] In Fig. 3 ist in der Ansicht A gemäß Fig. 1 zu sehen, wie die Walze 1 samt Einbaustücken
2, 3 und Biegehebeln 5, 6 in vertikale Richtung im Walzgerüst verschieblich angeordnet
ist. Hierzu weist das Walzgerüst zwei Seitenwangen 11 und 12 auf, die jeweilige Gleitflächen
13 und 14 haben, so dass die Biegehebel 5, 6 hieran vertikal auf und ab gleiten können.
Zu erwähnen sind noch Mittel 15 - hier in Form einer Nut-Feder-Verbindung - mit denen
ein Biegemoment von den Biegehebeln 5, 6 in das Einbaustück 2, 3 eingeleitet werden
kann.
[0026] Idealerweise würde ein durch eine Walzkraftverteilung belastetes Gerüst in gleicher
Art und Weise angestellt - zentrisch und in gleicher Breite - wie das auf die Arbeitswalze
wirkende Walzgut. Allerdings kann eine rotierende Walze nicht mittig durch einen oder
mehrere stehende Anstellzylinder angestellt werden - der Ort der Walzkrafteinleitung
kann nur das Einbaustück mit der Walzenlagerung sein.
[0027] Die vorliegende Lösung hat zum Ziel, das Grundprinzip der idealen Walzkraftaufbringung,
nämlich längs des Walzenmantels, zu nutzen. Die in gleicher Art belastete wie angestellte
Walze erfährt keinerlei Biegemoment - lokal wie auch als Ganzes. Die Walzenachse bleibt
gerade. Der Umstand, dass die Walzkraft nur über die Einbaustücke und nicht längs
des Walzenmantels eingeleitet werden kann, bedeutet, dass ein kompensierendes Rückbiegemoment
nicht lokal, sondern ebenfalls nur am Einbaustück in die Walze eingeleitet werden
kann. Zur Erzeugung dieses Rückbiegemoments wird die Anstellzylinderkraft nicht mittig
auf die Einbaustücke bzw. Walzenlager aufgebracht, sondern in einem geeigneten Abstand.
Das daraus resultierende Moment muss durch einen ausreichend stabilen Mechanismus
in das Einbaustück eingeleitet werden.
[0028] Fig. 1 zeigt eine derartige Anordnung mit einem zentralen Anstellzylinder. Die Anstellkraft
kann aber auch durch mehrere Zylinder aufgebracht werden, wie es in Fig. 2 mit zwei
Anstellzylindern gezeigt ist. Wesentlich ist, dass ein geeignet bemessener Abstand
des Lastangriffspunktes zum Einbaustück vorliegt und die Verbindung des Biegehebels
mit dem Einbaustück ein Moment übertragen kann.
[0029] Konstruktiv muss die Kombination aus Einbaustück und Biegehebel so gestaltet werden,
dass das Einbaustück sich nicht im Ständerfenster verkeilt und in der Folge nicht
mehr zur Anstellung bewegt werden kann. Weiterhin muss die Wechselbarkeit der Stützwalze
gewährleistet sein. Die Verfahrbarkeit der Walze kann zum Beispiel dadurch erreicht
werden, dass die Wangen des Biegehebels die Außenseiten des Baustücks umfassen und
die Bewegung zwischen den Wangen und dem Walzwerksständer erfolgt, wie es in Fig.
3 zu sehen ist.
[0030] Idealerweise wird das Einbaustück so gestaltet, dass das kompensierende Rückbiegemoment
durch ein den anderen Kräften überlagertes Kräftepaar auf das Einbaustück eingeleitet
wird, wobei die Wirkungslinien des Kräftepaares ungefähr den Positionen der Radialwälzlager
entsprechen sollten, um Momentenbelastungen auf die Wälzlager weitgehend zu vermeiden.
Der Anstellzylinder lastet zum einen auf der kraftübertragenden Brücke, bestehend
aus den beiden Biegehebeln (samt Traverse), zum anderen stützt er sich am Querhaupt
des Walzwerkes ab. Dasselbe Prinzip kann auch für den nicht aktiv angestellten und
in der Regel unteren Walzensatz angewendet werden, wobei der Anstellzylinder durch
eine Passlinienanstellung oder einfach durch ein festes Druckstück ersetzt werden
kann. Das Schwenken des Gerüsts erfolgt zumindest im Falle eines zentralen Anstellzylinders
vorzugsweise durch die entsprechend ausgestatteten Ausbalancierzylinder. Dies bedingt
aufgrund der geringeren Hysterese dieser kleinen Zylinder auch ein präziseres Schwenken.
[0031] Die Wirkungsweise des Prinzips wird im folgenden anhand einer vereinfachten Anordnung
erläutert, wozu auf Fig. 4 Bezug genommen wird.
[0032] Die Zylinderanstellkraft F
A wirkt zentrisch auf die Traverse 7 der Biegebrücke, die neben der Traverse 7 die
beiden Biegehebel 5 und 6 umfasst, wobei die Verbindung zwischen den Biegehebeln 5,
6 und der Traverse 7 über Gelenke 8 und 9 erfolgt. Die Walze 1 ist vereinfacht als
Rundbalken mit über der Länge konstantem Querschnitt dargestellt und mittig mit einer
Einzelkraft F
W aus dem Walzprozess belastet.
[0033] Das System erfährt in dieser vereinfachten Darstellung keinerlei Asymmetrien und
ist gewichtsfrei, so dass die das Gewicht der Walze und ihrer Anbauten kompensierenden
Balancierkräfte F
B1 und F
B2 gleich Null sind. Die Biegehebel 5, 6 und die Walzeneinbaustücke 2, 3 sind zu einem
Körper zusammengefasst - letztendlich dient eine Aufteilung in zwei Bauteile gegebenenfalls
nur einer leichteren konstruktiven Gestaltung. Die Verbindung von Walzeneinbaustück
/Biegebrücke erfolgt in diesem Ersatzsystem durch einfache Festlager, deren Abstand
im Einbaustück
l ist. Die Einbaustückmitten (Mittenebenen M
E) haben den Lagermittenabstand L, der Abstand der Gelenke 8, 9 von den jeweiligen
Einbaustückmitten ist S. Das rückstellende Kompensationsmoment M
K ermittelt sich zu

und wegen F
B1 = F
B2 = 0 zu

[0034] Die Lagerkräfte F
Ka und F
Ki (s. Fig. 4, links) ergeben sich zu

und

[0035] Der mit Abstand größte Anteil an der Deformation eines Walzensatzes in einem Gerüst
unter Last ist die Durchbiegung der äußeren Walzen (in der Regel der Stützwalzen).
Werden die Walzenbiegelinie aufgrund der Walzkraft F
W = F
A und die Walzenbiegelinie aufgrund des Kompensationsmomentes M
K einander überlagert, so ergibt sich folgende Funktion:

für x < L/2 und mit der Laufkoordinate x und der Durchbiegung y.
[0036] E ist der Elastizitätsmodul des Walzenwerkstoffs, I das Flächenträgheitsmoment.
[0037] Für einen Abstand S = 0 ergibt sich die bekannte Biegelinie eines zentrisch belasteten,
gelenkig gelagerten Trägers.
[0038] Zur Verdeutlichung des Kompensationspotentials des oben beschriebenen passiven und
automatisch wirkenden Systems empfiehlt es sich, die oben beschriebene Biegelinie
der Walze mit jener ins Verhältnis zu setzen, die sich ohne den Kompensationsmechanismus
ergäbe, d. h.

[0039] Diese Funktion ist in Abhängigkeit des Abstandsparameters S in Fig. 5 dargestellt.
Die Laufkoordinate x/L = 0 beschreibt die Einbaustückmitte (Lagermittenposition, d.
h. Mittenebene M
E), x/L = 0,5 kennzeichnet die Walzenmitte. S/L = 0 bedeutet, dass die Krafteinleitung
der Anstellzylinderkraft einbaustückmittig, d. h. ohne Biegewirkung erfolgt. Dieser
Zustand entspricht einem konventionellen Walzgerüst. S/L = 0,5 bedeutet, dass der
Biegehebel die maximale Länge, d. h. den halben Lagermittenabstand aufweist und somit
das Rückbiegemoment am größten ist.
[0040] Fig. 5 zeigt für dieses vereinfachte Beispiel, dass eine weitgehende Kompensation
bei Biegehebellängen von etwa 30 % des Lagermittenabstandes L zu erwarten ist. Für
reale, also nicht (wie im Beispiel) bewusst idealisierte Verhältnisse, wie z. B. stufenförmig
abgesetzt Walzen, sind andere optimale Hebellängen zu erwarten, das Prinzip bleibt
jedoch gleich.
[0041] Die oben aufgeführten Beschreibungen und Berechnungen belegen, dass ein Walzgerüst
so gestaltet werden kann, dass die wesentlichen Deformationsanteile der Walzensätze
auf ca. 20 % oder weniger im Vergleich zu konventionellen Gerüsten reduziert werden
können, ohne dafür aktive und mechanisch aufwändige und komplizierte Stellmechanismen
vorsehen zu müssen.
[0042] Bei heutigen Quatrogerüsten ist es zumeist üblich, zur Beeinflussung der Walzspaltgeometrie
zwei aktive mechanische Stellmechanismen zur Beeinflussung der Walzspaltgeometrie
einzusetzen, nämlich ein Arbeitswalzenbiegesystem und ein Walzenverschiebesystem.
Beide Systeme haben einen näherungsweise gleich großen Stellbereich. Treten aufgrund
des oben beschriebenen Prinzips nur noch 20 % der wesentlichen Walzensatzdeformationen
auf, verbleibt für ein ggf. noch vorhandenes Biegesystem ein wesentlich größerer Stellbereich
für die Planheitsregelung als bei einem herkömmlichen Gerüst, bei dem die Biegung
zu einem großen Teil für die Grundeinstellung des Walzwerks eingesetzt werden muss.
[0043] Demgemäß kommt das erfindungsgemäße System bevorzugt auch in Kombination mit den
vorbekannten Systemen zur Walzspaltbeeinflussung zum Einsatz. Dies gilt insbesondere
für Ausbalancierzylinder zum Schwenken, für aktive Stellsysteme zur Walzenbiegung,
für Walzenverschiebesysteme, für Walzenschränkungssysteme und auch für thermisch arbeitende
Systeme.
[0044] Natürlich ist der erfindungsgemäße Vorschlag in allen Gerüstarten einsetzbar, d.
h. bei 2-, 4- und 6-Walzen-Gerüsten sowie Gerüsten mit seitlichen Walzenabstützungen.
[0045] Ferner kann fortbildungsgemäß vorgesehen werden, dass veränderliche Hebellängen S
(d. h. Orte der Gelenkpunkte G) für eine aktive Regelung zum Einsatz kommen können.
[0046] Der Hauptvorteil ist aber, dass die Erfindung eine einfache Gerüstbauart ermöglicht,
mit der Eigenschaft, dass die walzkraftbedingten Deformationen des Walzensatzes automatisch,
ohne äußeres Zutun und richtig bemessen weitgehend kompensiert werden. Ähnliches würde
man bei konventioneller Bauweise nur mit deutlich dickeren Stützwalzen oder einem
aufwendigen, aktiven Planlagenkorrektursystem erreichen. Für das oben beschriebene
vereinfachte Beispiel mit nur noch 20 % Restdeformation im Vergleich zum konventionellen
Gerüst gleicher Baugröße müsste die Walze mehr als 70 % dicker sein, um ein ähnliches
Verhalten wie der erfindungsgemäße Mechanismus aufzuweisen. Dies hätte eine enorme
Vergrößerung des Gerüstes mit entsprechenden Mehrkosten zur Folge.
Bezugszeichenliste:
[0047]
| 1 |
Walze (Arbeitswalze) |
| 2 |
Einbaustück |
| 3 |
Einbaustück |
| 4 |
Anstellelement |
| 5 |
Biegehebel |
| 6 |
Biegehebel |
| 7 |
Traverse |
| 8 |
Gelenk |
| 9 |
Gelenk |
| 10 |
Querhaupt |
| 11 |
Seitenwange |
| 12 |
Seitenwange |
| 13 |
Gleitfläche |
| 14 |
Gleitfläche |
| 15 |
Mittel zur Drehmoment-(Biegemoment)-Einleitung (Nut-Feder-Verbindung) |
| a |
Drehachse |
| F |
Förderrichtung |
| ME |
Mittenebene des Einbaustücks |
| MW |
Mittenebene der Walze |
| G |
von der Mittenebene des Einbaustücks entfernte Stelle (Stelle des Gelenks) |
1. Walzgerüst mit mindestens einer eine Drehachse (a) aufweisende Walze (1), die in zwei
in den axial endseitigen Bereichen der Walze (1) angeordneten und jeweils eine Mittenebene
(ME) aufweisenden Einbaustücken (2, 3) gelagert ist, wobei die Walze (1) mit mindestens
einem Anstellelement (4) in Richtung senkrecht zur Förderrichtung (F) des Walzguts
angestellt werden kann,
dadurch gekennzeichnet,
dass jedes Einbaustück (2, 3) mit einem Biegehebel (5, 6) verbunden ist und das Anstellelement
(4) so angeordnet ist, dass seine Anstellkraft an einer von der Mittenebene (ME) des Einbaustücks (2, 3) entfernten Stelle (G) in den Biegehebel (5, 6) und über
diesen auf das Einbaustück (2, 3) eingeleitet wird.
2. Walzgerüst nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass ein einziges Anstellelement (4) vorhanden ist, das mittig zwischen den Einbaustücken
(2, 3) angeordnet ist.
3. Walzgerüst nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Anstellelement (4) auf eine Traverse (7) wirkt, die über zwei Gelenke (8, 9)
mit jeweils einem Biegehebel (5, 6) verbunden ist.
4. Walzgerüst nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass zwei Anstellelemente (4) vorhanden sind, die gespiegelt zu einer Mittenebene (MW) der Walze (2) angeordnet sind.
5. Walzgerüst nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Anstellelemente (4) über zwei Gelenke (8, 9) mit jeweils einem Biegehebel (5,
6) verbunden sind.
6. Walzgerüst nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die beiden Gelenke (8, 9) über eine Traverse (7) miteinander verbunden sind.
7. Walzgerüst nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass das mindestens eine Anstellelement (4) ein hydraulisches Kolben-Zylinder-System ist.
8. Walzgerüst nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass sich das mindestens eine Anstellelement (4) an einem ortsfesten Querhaupt (10) des
Walzgerüsts abstützt.
9. Walzgerüst nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Walze (1) samt Einbaustücken (2, 3) und Biegehebeln (5, 6) in Richtung senkrecht
zur Förderrichtung (F) des Walzguts im Walzgerüst zwischen zwei Seitenwangen (11,
12) des Walzgerüsts verschieblich angeordnet ist.
10. Walzgerüst nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Biegehebel (5, 6) die Einbaustücke (2, 3) seitlich einfassen und eine Gleitfläche
(13, 14) zu den Seitenwangen (11, 12) bilden.
11. Walzgerüst nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen den Biegehebeln (5, 6) und den Einbaustücken (2, 3) Mittel (15) vorgesehen
ist, die zur Einleitung eines Drehmoments vom Biegehebel (5, 6) in das Einbaustück
(2, 3) geeignet sind.
12. Walzgerüst nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Mittel (15) durch eine sich in Richtung der Drehachse (a) der Walze (1) erstreckende
Nut-Feder-Verbindung (13) gebildet werden.
1. Roll stand with at least one roll (1), which has an axis (a) of rotation and which
is mounted in two chocks (2, 3) arranged in the axial end regions of the roll (1)
and each having a centre plane (ME), wherein the roll (1) can be adjusted by at least one adjusting element (4) in a
direction perpendicular to the conveying direction (F) of the rolling stock, characterised in that each chock (2, 3) is connected with a bending lever (5, 6) and the adjusting element
(4) is so arranged that the adjustment force thereof is introduced into the bending
levers (5, 6) at a point (G) remote from the centre plane (ME) of the chock (2, 3) and by way of these levers into the chock (2, 3).
2. Roll stand according to claim 1, characterised in that a single adjusting element (4), which is arranged centrally between the chocks (2,
3), is present.
3. Roll stand according to claim 2, characterised in that the adjusting element (4) acts on a cross member (7) which is connected by way of
each of two joints (8, 9) with a respective bending lever (5, 6).
4. Roll stand according to claim 1, characterised in that two adjusting elements (4), which are arranged in mirror image with respect to a
centre plane (MW) of the roll (2), are present.
5. Roll stand according to claim 4, characterised in that the adjusting elements (4) are connected by way of each of two joints (8, 9) with
a respective bending lever (5, 6).
6. Roll stand according to claim 5, characterised in that the two joints (8, 9) are connected together by way of a cross member (7).
7. Roll stand according to any one of claims 1 to 6, characterised in that at least one adjusting element (4) is a hydraulic piston-cylinder system.
8. Roll stand according to any one of claims 1 to 7, characterised in that the at least one adjusting element (4) is supported at a stationary cross beam (10)
of the roll stand.
9. Roll stand according to any one of claims 1 to 8, characterised in that the roll (1) inclusive of chocks (2, 3) and bending levers (5, 6) is arranged to
be displaceable in a direction perpendicular to the conveying direction (F) of the
rolling stock in the roll stand between two lateral cheeks (11, 12) of the roll stand.
10. Roll stand according to claim 9, characterised in that the bending levers (5, 6) laterally border the chocks (2, 3) and form a slide surface
(13, 14) with respect to the lateral cheeks (11, 12).
11. Roll stand according to any one of claims 1 to 10, characterised in that provided between the bending levers (5, 6) and the chocks (2, 3) are means (15) suitable
for introducing a torque from the bending lever (5, 6) into the chock (2, 3).
12. Roll stand according to claim 11, characterised in that the means (15) are formed by a groove-and-key connection (13) extending in the direction
of the axis (a) of rotation of the roll (1).
1. Cage de laminoir comprenant au moins un rouleau (1) présentant un axe de rotation
(a), qui est monté dans deux empoises (2, 3) disposées dans les zones terminales axiales
du rouleau (1) et présentant respectivement un plan médian (ME), le rouleau (1) pouvant être réglé avec au moins un élément de réglage (4) dans
une direction perpendiculaire à la direction de transport (F) des matières à laminer,
caractérisée en ce que chaque empoise (2, 3) est reliée à un levier de pliage (5, 6) et l'élément de réglage
(4) est disposé de telle sorte que sa force de réglage est guidée jusque dans le levier
de pliage (5, 6), à un endroit (G) éloigné du plan médian (ME) de l'empoise (2, 3) et, via ledit levier, sur l'empoise (2, 3).
2. Cage de laminoir selon la revendication 1, caractérisée en ce qu'un seul élément de réglage (4) est présent, qui est disposé en position médiane entre
les empoises (2, 3).
3. Cage de laminoir selon la revendication 2, caractérisée en ce que l'élément de réglage (4) agit sur une traverse (7) qui est reliée via deux articulations
(8, 9) à respectivement un levier de pliage (5, 6).
4. Cage de laminoir selon la revendication 1, caractérisée en ce que deux éléments de réglage (4) sont présents, qui sont disposés en position spéculaire
par rapport au plan médian (Mw) du rouleau (2).
5. Cage de laminoir selon la revendication 4, caractérisée en ce les éléments de réglage
(4) sont reliés via deux articulations (8, 9) à respectivement un levier de pliage
(5, 6).
6. Cage de laminoir selon la revendication 5, caractérisée en ce les deux articulations
(8, 9) sont reliées l'une à l'autre via une traverse (7).
7. Cage de laminoir selon l'une quelconque des revendications 1 à 6, caractérisée en ce qu'au moins un élément de réglage (4) représente un système hydraulique à piston-cylindre.
8. Cage de laminoir selon l'une quelconque des revendications 1 à 7, caractérisée en ce qu'au moins un élément de réglage (4) s'appuie contre une entretoise transversale (10)
de la cage de laminoir, montée à demeure.
9. Cage de laminoir selon l'une quelconque des revendications 1 à 8, caractérisée en ce que le rouleau (1), ensemble avec les empoises (2, 3) et les leviers de pliage (5, 6),
est disposé en coulissement dans une direction perpendiculaire à la direction de transport
(F) des matières à laminer dans la cage de laminoir entre deux joues latérales (11,
12) de la cage de laminoir.
10. Cage de laminoir selon la revendication 9, caractérisée en ce que les leviers de pliage (5, 6) entourent latéralement les empoises (2, 3) et forment
une surface de glissement (13, 14) par rapport aux joues latérales (11, 12).
11. Cage de laminoir selon l'une quelconque des revendications 1 à 10, caractérisée en ce qu'on prévoit, entre les leviers de pliage (5, 6) et les empoises (2, 3), des moyens
(15) pour faire passer un couple de rotation depuis le levier de pliage (5, 6) jusque
dans l'empoise (2, 3).
12. Cage de laminoir selon la revendication 11, caractérisée en ce que les moyens (15) sont formés via une liaison rainure-ressort (13) s'étendant dans
la direction de l'axe de rotation (a) du rouleau (1).